Beschreibung

Wenn Auslandskorrespondenten mal nicht über die große Politik sprechen, sondern über ihr Leben vor Ort, erfährt man die wirklich wichtigen Dinge: Von Mülltrennung (in Mexiko gehören Windeln in den organischen Müll) über das Wäschewaschen (kann bei Nichtreinigen des Flusensiebs von Gemeinschaftswaschmaschinen in Schweden tödlich enden) bis hin zum Umgang mit den Nachbarn (keinen Kontakt in Nairobi). Überraschend, erhellend und unterhaltsam - das Alltagsleben rund um den Globus ist vertraut und fremd zugleich.

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EPUB

Seitenzahl: 264


Über die Autoren

Matthias Baxmann ist Diplom-Puppenspieler. Seit Mitte der 1990er Jahre schreibt und produziert er Sendungen für den Hörfunk. Seine Features und Hörspiele erhielten zahlreiche Auszeichnungen wie den ARD-Hörspielpreis und den ARD-online-Award.

Matthias Eckoldt studierte Philosophie. Er veröffentlichte Romane, Kurzerzählungen sowie Sachbücher. Zuletzt erschien von ihm das Buch »Kann das Gehirn das Gehirn verstehen?«. Zugleich verfasste Eckoldt über fünfhundert Radiobeiträge und wurde mit dem idw-Preis für Wissenschaftsjournalismus ausgezeichnet.

Gemeinsam entwickelten Eckoldt und Baxmann die Sendereihen »Mensch Müller« und »Alltag anders« für Deutschlandradio Kultur.

Auslandskorrespondenten erzählen von den Tücken in der Fremde

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe

des in der Bastei Lübbe AG erschienenen Werkes

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Copyright © 2014/2015 by Bastei Lübbe AG, Köln

Textredaktion: Viola Krauß, Köln

Titelillustration: © Shutterstock/Vector pro;

© Shutterstock/squarelogo

Umschlaggestaltung: FAVORITBUERO, München

Datenkonvertierung E-Book:

hanseatenSatz-bremen, Bremen

ISBN 978-3-8387-5855-8

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

INHALT

ÜBER DIE AUTOREN

VORWORT

FREUDEN

Brot + Feierabend + Feiertage + Feuerwerk + Flirten + Herbst + Kochen + Markt + Mittagsschlaf + Parks + Sonntag + Tanzen + Wettervorhersage + Winter + Witze + Weihnachten

LEIDEN

Alkohol + Atemluft + Blechschaden + Busfahren + Diebstahl + Führerschein + Handwerker + Heimweh + Heizung + Korruption + Lärm + Müllentsorgung + Notfall + Postämter + Pünktlichkeit + Radfahren + Rauchen + Regenwetter + Rushhour + Toiletten + Trauer + Trinkwasser + Umzug

PRIVATES

Bedienstete + Bücher + Familienbande + Fernsehen + Fitness + Freunde + Frühstück + Gastfreundschaft + Geschenke + Heimwerken + Hunde + Internet + Katzen + Kinder + Nachbarn + Radio + Wäsche waschen + Zahnpflege

ÖFFENTLICHES

Ämter + Ärzte + Bahnfahren + Bargeld + Bürgersteige + Die Deutschen + Ehrenamt + Emanzipation + Etikette + Friedhöfe + Frisör + Kleiderordnung + Monarchie + Patriotismus + Polizei + Reichtum + Sperrstunde + Straßenstrich + Supermarkt + Tischsitten + Touristen + Trinkgeld

DANK

VORWORT

Die ARD-Auslandskorrespondentin aus Afrika während ihres Heimaturlaubs zu Besuch im Deutschlandradio Kultur in Berlin. Auf die obligatorische Gesprächseröffnung »Wie geht es Ihnen?« kommt von ihr ein Seufzer, und sinngemäß sagt sie: »Ach wissen Sie, ich hab mich so darauf gefreut, mal wieder in Deutschland zu sein. Das Leben hier ist einfach so viel weniger anstrengend.« Mir kommen die zahllosen alltäglichen Schwierigkeiten hierzulande in den Sinn, sodass ich mit der Unzuverlässigkeit der Deutschen Bahn und ihren permanenten Verspätungen dagegenhalte. Da muss die Kollegin lachen: »Bei uns fährt ein Zug pro Tag, wenn überhaupt einer fährt!«

Ein paar Tage später ein ähnliches Gespräch mit einer Kollegin, die seit einigen Jahren in Buenos Aires lebt und arbeitet: »Bei uns ist es viel lauter als hier. In den Wohnungen gibt es zum Bespiel überhaupt keinen Schallschutz. Von den Nachbarn hört man ständig alles.«

Kurze Zeit darauf der Besuch von einem amerikanischen Freund, der irgendwann sagt: »Deutschland ist so ein reiches Land. Auf den Straßen sieht man überhaupt keine alten Autos!«

Das waren die drei Impulse, die uns im Frühjahr 2012 zu der eigentlich banalen Erkenntnis brachten: Die Perspektive von außen ergibt ein ganz anderes Bild von Deutschland, als wir Einheimischen es haben. Und mit der Erfahrung des Lebens woanders erscheint vieles von dem, was uns plagt und beschwert, in einem anderen Licht.

Ob es wohl einen Weg gäbe, unseren Hörerinnen und Hörern den Alltag anderswo zu vermitteln und sie an diesem reizvollen Perspektivenwechsel teilhaben zu lassen? Und ließe sich dafür ein kleines und kurzweiliges Radioformat erarbeiten, das auch für den Morgen geeignet ist, wenn die Hörerschaft selbst in ihren Alltag eintaucht? Das war die Frage, der Redakteur Jörg Degenhardt und die beiden Autoren Matthias Baxmann und Matthias Eckoldt nachgingen. In Zusammenarbeit mit den Auslandskorrespondentinnen und -korrespondenten von ARD und Deutschlandradio entwickelten sie die Reihe Alltag anders. Baxmann und Eckoldt unterhalten sich seither mit vier oder fünf von ihnen über vorher angekündigte Phänomene des Alltags – sagen wir zum Beispiel: Busfahren – und produzieren aus den aufgenommenen Gesprächen eine Collage. Und sie machen das so gekonnt, dass man beim Zuhören das Gefühl hat, als ob die Korrespondentinnen und Korrespondenten in Los Angeles, Mexiko-Stadt, Nairobi, Peking und Moskau an einem Tisch säßen und sich darüber unterhielten, wie bei ihnen das öffentliche Bussystem funktioniert – oder auch nicht.

Seit September 2012, immer freitags um 7.40 Uhr, melden sich nun im Frühprogramm von Deutschlandradio Kultur die Kolleginnen und Kollegen von den Außenposten in aller Welt, und erzählen von den Dingen, die sie selbst täglich erleben oder beobachten: Von A wie Alkohol über H wie Handwerker und S wie Supermarkt bis hin zu T wie Toiletten und Z wie Zahnpflege.

Apropos Zahnpflege: Nach dem Beitrag zu diesem Thema meldete sich Hörer Mike S. per E-Mail: »Beziehe mich auf (…) Alltag anders. Korrespondentin aus Delhi sagte, sie kenne dort eine gute Zahnärztin. Da ich bald dorthin umziehe … können Sie mir weiterhelfen … welche Zahnärztin war genau (Name? Adr.?) gemeint. Vielen Dank im Voraus.« Kollegin Sandra Petersmann konnte helfen: »Hallo Herr S. Hier schreibt Ihnen die Hörfunkkorrespondentin der ARD in Delhi in Sachen Zahnarzt. (…) Bei Dr. Poonam B. in Safdarjang Enclave in Neu-Delhi sind Sie allerbestens aufgehoben. Die kriegt sogar meine tiefsitzende Phobie in den Griff.«

Das sind die kleinen Geschichten, von denen man als Radiomensch kaum zu träumen wagt. Wie auch davon, dass sich Hörerinnen und Hörer inzwischen regelmäßig mit eigenen Themenvorschlägen an die Redaktion wenden, die diese ebenso regelmäßig aufgreift.

Das Leben manifestiert sich nicht in großen Haupt- und Staatsaktionen oder in spektakulären Ereignissen. Es manifestiert sich in den täglichen lebensnotwendigen Abläufen und Verrichtungen, den Ritualen, Gewohnheiten und Traditionen, und in dem zivilisatorischen und kulturellen Rahmen, den Staat und Gesellschaft dafür organisiert haben. Und da zeigt Alltag anders auf sehr subtile Weise, wie ungeheuer vielgestaltig und bunt das Leben auf dieser Welt ist – noch immer ist, trotz des unwiderstehlichen Sogs der Globalisierung.

Der Alltag in anderen Weltgegenden ist jedoch nicht nur anders. Er ist für die Menschen in den weitaus größten Teilen des Globus immer noch eine Herausforderung – beschwerlich, anstrengend, riskant, kräftezehrend und ermüdend, in jedem Fall unseren Respekt verdienend. Ganz anders als unser effizienter, durchorganisierter, abgesicherter und komfortabler Alltag – selbst wenn man in Rechnung stellt, dass es auch in Deutschland Menschen gibt, die zu kämpfen haben, weil es ihnen weitaus schlechter geht als dem Durchschnitt der Bevölkerung.

Alltag anders, die Sendereihe und das daraus entstandene Buch, ist also auch eine Würdigung der kleinen Leute weltweit, wie sie die Tücken ihres jeweiligen Alltags annehmen und mit ihnen fertig werden. Es ist zugleich eine Hommage an die Auslandskorrespondentinnen und -korrespondenten von ARD und Deutschlandradio, die sich über Jahre auf diesen fremden Alltag mit sämtlichen seiner Facetten einlassen. Von ihrem Enthusiasmus und Engagement lebt unsere Sendereihe; dafür an dieser Stelle ein besonderes Dankeschön.

In Zeiten von Internet, Websites und -archiven ist ein weiterer Traum von Radiomenschen, dass etwas bleiben möge vom Inhalt unseres flüchtigen Mediums. Bei Alltag anders ist auch dieser Traum wahr geworden. Die Verlagslektorin Franziska Beyer von Bastei Lübbe befand, dass man daraus ein schönes Buch machen könne. Herzlichen Dank auch an sie und die beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Verlags. Schließlich ein großer Dank an Jörg Degenhardt, Matthias Baxmann und Matthias Eckoldt. Das gemeinsame Abhören der neu produzierten Collagen von Alltag anders gehört nach wie vor zu den freudvollen Momenten meines journalistischen Alltags.

Peter Lange, Chefredakteur Deutschlandradio Kultur

Berlin, im März 2014

FREUDEN

BROT

Los Angeles +++ Istanbul +++ Peking +++ Buenos Aires +++ Brüssel

USA:

Das gute deutsche Brot, das ist der Stoff, aus dem die Träume hier in Kalifornien gemacht sind!

Inzwischen gibt es auch in Los Angeles alles, was Brotliebhaber mögen: Vollkornbrot, Pumpernickel, Sesam-Bagel. Einziger Nachteil: Die Spezialitäten aus Germany sind recht teuer. Somit verspüre ich zwar kein direktes Heimweh nach deutschem Brot, aber der Duft in einer deutschen Bäckerei, der ist schlicht unschlagbar.

Türkei:

In Istanbul gibt es erstaunlich viele Brotsorten. Meine persönlichen Erfahrungen damit sind auch sehr gut. Umgerechnet weniger als zwanzig Cent kostet hier der 300-Gramm-Laib vom sogenannten Volksbrot, Halk Ekmek – vermutlich, damit auch wirklich alle satt werden können. Es handelt sich dabei um ein weiches, labbriges Weißbrot, das leider bereits nach ein paar Stunden hart ist.

Ich kaufe das nicht, sondern halte mich lieber an das leckere Vollkornbrot. Das kostet zwar zehnmal mehr, schmeckt mir dafür aber zwanzigmal besser. Deshalb lohnt sich die Investition.

Zu kaufen gibt es dieses Vollkornbrot in der Bäckereikette »Komsufirin«, an der die Frau des Ministerpräsidenten Erdoğan beteiligt ist. Bei vielen Türken geht der Groll auf die Regierung Erdoğans so weit, dass sie lieber auf die Köstlichkeiten dieser Kette verzichten, damit sie die Staatsmacht auch nicht auf Umwegen unterstützen.

China:

In China isst man relativ wenig Brot. Schon gar nicht so ein Brot, wie man es aus Deutschland kennt. Die sogenannten Baoze aus Nordchina kommen unserem Brot wohl am nächsten. Es handelt sich dabei um eine Art gedämpfte Brötchen. Meiner Meinung nach schmecken die Baoze, wenn sie nicht gefüllt sind, völlig neutral. Ich mag sie, ehrlich gesagt, nicht so gerne.

Da kaufe ich lieber beim deutschen Bäcker in Peking ein. Dort trifft man auch stets Leute aus der deutschen Community – die gehen nämlich alle dorthin.

Argentinien:

Das traditionelle Essen hierzulande, das Asado – ein Grillfest, das die Argentinier fast jedes Wochenende feiern –, wäre ohne Brot undenkbar. Allerdings ist dieses Brot ein wenig eintönig. In Argentinien gibt es überwiegend Weizenweißbrot.

Ich esse es sehr gerne – aber irgendwann kann ich einfach kein Weißbrot mehr sehen. Meiner Lebensgefährtin geht es ähnlich, deshalb hat sie hier angefangen, selber Brot zu backen. Und zwar mit Sauerteigmischungen, die wir extra aus Deutschland bekommen.

In den vergangenen zwei, drei Jahren haben hier ein paar vereinzelte Brotläden aufgemacht, die auch auf Sauerteigbrot setzen. Doch es wird wohl einige Zeit dauern, bis es hier seine Anhängerschaft findet. Die Argentinier sind doch sehr an ihr Weißbrot gewöhnt.

Belgien:

In Brüssel gibt es das gute deutsche Vollkornbrot leider so nicht, auch wenn es dunkleres Brot auf den unterschiedlichen Märkten der Stadt zu kaufen gibt. Dort werden außerdem Brote mit Nüssen, Oliven oder Ähnlichem verkauft, die absolut fantastisch schmecken können.

Ansonsten isst man hier hauptsächlich Baguette – leckeres und weniger leckeres. Beim Bäcker an der Ecke zum Beispiel kann man schon mal richtig Pech haben und ein Labbriges erwischen.

Darben muss ich hier in Brüssel allerdings nicht, und es ist auch nicht so, dass ich den Heimaturlaub kaum erwarten kann, um endlich wieder »richtiges« Brot zu bekommen. Dazu esse ich ein gutes Baguette viel zu gerne.

Nicole Markwald, Los Angeles

Thomas Bormann, Istanbul

Ruth Kirchner, Peking

Julio Segador, Buenos Aires

Anette Riedel, Brüssel

FEIERABEND

Moskau +++ London +++ Los Angeles +++ Tel Aviv +++ Johannesburg

Russland:

In Moskau ist es schwierig mit dem Feierabend. Die Anfahrts- und Nachhausewege sind hier üblicherweise sehr lang, die meisten Leute wohnen am Stadtrand oder sogar außerhalb des Autobahnringes. Da sieht jeder zu, dass er nach Hause kommt und es sich dort gemütlich macht.

Zu dieser Gemütlichkeit zählt das klassische deutsche Feierabendbier eher nicht. Fester Bestandteil dagegen ist der eingeschaltete Fernseher, auch wenn niemand hinschaut.

Großbritannien:

In Großbritannien geht man nach der Arbeit in den Pub auf ein schnelles Bier. Bier hilft immer. Überall vor den Pubs stehen nach Dienstschluss also Trauben von Menschen, die sich an einem Pint festhalten. Am Casual Friday sind die Trauben besonders groß. Dieser Tag ohne Schlips und Krägelchen spielt in Großbritannien eine besondere Rolle. Dann geht man wie gewohnt nach Dienstschluss mit den Kollegen in den Pub, belässt es jedoch nicht nur bei einem Bier. Üblicherweise wird abwechselnd Runde für Runde geschmissen, und der Feierabend endet sehr feucht-fröhlich und sehr spät. Die jeweiligen Partnerinnen sind bei diesem Amüsement nur zugegen, wenn sie in derselben Firma arbeiten, ansonsten wartet die Frau zu Hause oder geht ihrerseits mit den Kollegen in den Pub.

USA:

Meinem Eindruck nach gibt es den klassischen Feierabend in den USA so nicht. Man arbeitet schlicht so lange, bis alles geschafft ist. Die Einstellung: »17 Uhr, ich gehe jetzt, nach mir die Sintflut«, wie man sie aus Deutschland teilweise kennt, scheint hierzulande nicht zu existieren. Hier herrscht eine andere Arbeitsmoral und ebenso ein anderer Arbeitsdruck. Manche nehmen nicht einmal die wenigen Urlaubstage, die ihnen zur Verfügung stehen, aus Angst, ihren Job zu verlieren.

Es wird allgemein eher länger gearbeitet als nötig. Sucht man beispielsweise eine Arztpraxis nach offiziellem Dienstschluss auf, wird man trotzdem noch behandelt.

Mindestens eine nette Tradition im Arbeitsalltag ist mir aber aufgefallen: die Happy Hour. Bevor die Büroangestellten nach Hause gehen, strömen sie in die Bars, wo man sich zwischen 17 und 19 Uhr bei verbilligten Drinks von der Arbeit entspannen kann. Für viele bedeutet das aber noch lange nicht, dass danach Feierabend ist. Zuhause lässt es sich schließlich auch wunderbar arbeiten.

Israel:

Die meisten Leute versuchen, bis um acht Uhr abends zu Hause zu sein. Dann beginnt der Feierabend in den israelischen Familien mit den Nachrichten im Fernsehen.

Ein Feierabendbierchen gönnt sich hier kaum jemand. Die Israelis trinken extrem wenig Alkohol. Stattdessen treiben viele Leute in den Abendstunden Sport. Basketball zum Beispiel auf einem der zahlreichen beleuchteten Basketballplätze. Dort trifft man sich zwanglos und spielt eine Partie.

Ein richtiger Feierabend scheint hier aber nicht zu existieren. Das Handy ist immer an. Wenigstens die religiösen Israelis achten stark darauf, dass sie zumindest am Freitagabend komplett herunterfahren. So bin ich Leuten begegnet, die zu mir gesagt haben: »Wenn du am Freitag nach 16 Uhr anrufst, gehe ich definitiv nicht ran, dann ist mein Handy ausgeschaltet. Du kannst am Samstagabend anrufen, davor aber bin ich nicht erreichbar.«

Südafrika:

Besonders in Johannesburg füllen sich nachmittags ab vier Uhr die Bars und Cafés. Ich kenne kein anderes Volk, das sich so oft und in so großen Gruppen trifft, gemeinsam ein Bier trinkt und den Feierabend einläutet. Das traditionelle Feierabendbier scheint in Südafrika sogar noch weiter verbreitet zu sein als in Deutschland.

Mein persönlicher Lieblingsplatz für die freien Abendstunden in Johannesburg ist der Bowlingclub. Dort spielen alte Männer mit Strohhüten, kurzen Hosen und weißen Kniestrümpfen neben jungen Menschen, die herumsitzen und billiges Bier trinken. Alles mischt sich – Schwarze und Weiße, Junge und Alte –, und alle feiern sie gemeinsam.

Gesine Dornblüth, Moskau,

Jochen Spengler, London

Nicole Markwald, Los Angeles

Christian Wagner, Tel Aviv

Jan-Philippe Schlüter, Johannesburg

FEIERTAGE

Mexiko-Stadt +++ Warschau +++ Nairobi +++ Peking +++ Washington

Mexiko:

Die Mexikaner leben von Feiertag zu Feiertag. Ich habe sie nicht durchgezählt, das ist zu schwer, weil es so viele sind.

Es gibt in Mexiko einen sehr speziellen Feiertag, der zugleich einer der wichtigsten des Landes ist: den Tag der Toten, der Día de los Muertos. Die Mexikaner machen sich an diesem Tag über den Tod lustig. Die Straßen sind dann bunt geschmückt mit Blumen, Skeletten und anderen Todessymbolen, es wird gegessen, getanzt und getrunken und die Wiederkehr der Toten gefeiert.

Als ich einem deutschen Bekannten eine solche Skelettfigur geschenkt habe, kam das gar nicht gut an. Unsereins findet das ziemlich befremdlich – für die Mexikaner hingegen ist das einfach nur lustig.

Polen:

Fragen Sie einen beliebigen Polen, welche Bedeutung der gerade begangene Feiertag hat – er oder sie wird es wissen. Die Polen sind unglaublich kundig in ihrer eigenen Landesgeschichte.

Der wichtigste Feiertag hier ist der Tag der Unabhängigkeit. In diesem sehr katholischen Land, wo nach wie vor jeder Dritte sonntags in die Kirche geht, ist an diesem Tag wirklich alles geschlossen. Sogar die Bahnen fahren kaum. Und viele Menschen schließen sich den öffentlichen Feierlichkeiten an.

Ein anderer enorm wichtiger Feiertag ist Allerheiligen. Die Friedhöfe sind dann rappelvoll, und die Plätze vor den Friedhöfen sehen aus wie große Blumenausstellungen. Familien treffen sich an den Gräbern, um sie zu pflegen und unendlich viele Grablichter aufzustellen.

In Polen ist es völlig unvorstellbar, dass irgendeiner der nationalen Feiertage gestrichen würde. Das wäre ein absolutes Politikum. Und die kirchlichen Feiertage – das ginge schon erst recht nicht.

Kenia:

In Kenia gibt es gleich drei Nationalfeiertage, und die werden ausführlichst begangen.

Hier in Nairobi strömen die Menschen massenweise in den Park und trommeln von früh bis spät. Am Heldentag werden die alten Unabhängigkeitskämpfer geehrt, und es ist ein Vergnügen, die betagten Männer mit ihren Rastalocken zu beobachten.

In Kenia gibt es zwar weniger Feiertage als in Deutschland, dafür werden immer wieder spontane Feiertage ausgerufen. Der Präsident erklärt beispielsweise gerne mal am Samstag den darauffolgenden Montag zum Feiertag, weil dieses oder jenes Gesetz verabschiedet wurde, und alle dürfen dann zu Hause bleiben.

Der 1. Mai als Feiertag ist noch ein Überbleibsel aus der Kolonialzeit. Da verkündet der Präsident regelmäßig, dass die Gehälter angehoben werden.

China:

Die Feiertage in China sind eine echte Geduldsprobe. Die Arbeitnehmer sind dann nämlich immer gleich eine ganze Woche lang im Urlaub. Nehmen wir den chinesischen Nationalfeiertag, den 1. Oktober. Offiziell sind drei Feiertage dafür vorgesehen: Montag, Dienstag und Mittwoch. Die Leute haben dann aber Donnerstag und Freitag auch noch frei. Sie müssen dafür an dem Samstag oder Sonntag davor oder danach arbeiten. Die genauen Regelungen erscheinen mir so bizarr, dass ich sie bis heute nicht verstanden habe.

Zum Neujahrsfest fahren die Leute nach Hause zu ihrer Familie. Jeder Wanderarbeiter in Peking beispielsweise fährt dann in sein Dorf zurück. Das löst jedes Jahr eine gigantische Reisewelle aus, und Millionen von Menschen stürmen die Züge – fast wie eine gewaltige Völkerwanderung.

Einkaufen allerdings kann man in diesem Land immer, sonntags wie feiertags.

USA:

Gefühlt existieren hier genauso viele Feiertage wie in Deutschland – was nicht bedeutet, dass an Feiertagen nicht gearbeitet wird. Am Martin Luther King Day haben zum Beispiel nur die öffentlichen Angestellten frei, alle anderen müssen arbeiten.

Dann gibt es Feiertage, die immer auf dem gleichen Wochentag liegen. Damit sich die Angestellten mit ihren knappen Urlaubstagen ein verlängertes Wochenende bauen können.

Ein Feiertag, den wir in Deutschland nicht kennen, ist Thanksgiving. Das öffentliche Leben steht an diesem Tag so gut wie still, ausnahmslos jeder hat frei, und jeder begeht dieses Fest. Dabei versammelt man sich um einen großen, meist völlig trockenen Truthahn mit Süßkartoffeln und Cranberrys. Thanksgiving ist in gewisser Weise das, was bei uns Weihnachten ist. Weihnachten feiert man in den USA eher im Familienkreis mit Freunden, und Thanksgiving als reines Familienfest.

Der zweite Feiertag, an dem tatsächlich alle Menschen frei haben, ist der Unabhängigkeitstag.

Martin Polansky, Mexiko-Stadt

Sabine Adler, Warschau

Antje Diekhans, Nairobi

Ruth Kirchner, Peking

Marcus Pindur, Washington

FEUERWERK

Rom +++ Nairobi +++ Warschau +++ Shanghai +++ Zürich

Italien:

Das erste Silvester in Rom, das ich erlebt habe, hat sich angehört wie ein Bombenangriff in Bagdad. Ein gigantischer Radau!

Die Italiener setzen vor allem auf Kracher – Kracher, die dermaßen laut sind, dass bei uns fast die Fensterscheiben kaputtgegangen sind. Nicht einmal auf meine Dachterrasse habe ich mich getraut, um das Feuerwerk anzuschauen, aus Angst, dass mir der Schädel weggeschossen wird.

Die Italiener sind große Fans von Feuerwerk. Richtig lang muss es sein, heftig und am liebsten häufig. Ich kann von meinem Balkon den Monte Mario mit seinem berühmten Hilton Hotel sehen, wo beinahe jeden Abend Feste mit fantastischen Feuerwerken stattfinden. Dann setze ich mich oft mit einem Bierchen auf die Terrasse und schaue mir das an.

Einmal musste ich erleben, wie eine Rakete in die Wohnung gegenüber flog und sie in Flammen aufging. Da sonst keiner anwesend war, habe ich die Feuerwehr alarmiert und konnte mich so von der Effizienz der italienischen Brandwache überzeugen: Sie war 17 Minuten später da.

Kenia:

Kenianer böllern nicht. Kenia zählte 2013 zu einem der Welthungerländer – es wäre also absurd, wenn das Volk sich Böller leisten würde. In Deutschland gibt es ja sogar die Spendenaktion »Brot statt Böller«. Es leben hier zwar Leute, die sich Feuerwerkskörper leisten könnten, aber in Nairobi macht das trotzdem keiner und auf dem Land schon gar nicht.

Wer hier allerdings böllert, und zwar richtig kräftig, das sind die Inder. In Nairobi leben sehr viele Menschen indischer Abstammung, und die haben ihre ganz eigenen Feste, die sich mit unseren nicht decken. Kracht und knallt es also wieder einmal in unmittelbarer Nähe, erschrickt man sich zunächst, weil man denkt, es könnte sich um einen Anschlag handeln. Kurz darauf stellt man erleichtert fest, dass es sich nur um ein Fest der Hindus handelt.

Polen:

Silvester in Polen ist bunt, laut und wunderschön.

Die Feuerwerkskörper hier sind besonders billig, aber leider auch besonders gefährlich. Meine Söhne durften deshalb ihre Party nur unter der Bedingung veranstalten, dass sie ausschließlich von einer Raketenanlage abschießen. Das Risiko schien mir zu groß, dass ein paar Raketen unbeabsichtigte Wege nehmen und zu den Nachbarn in den Garten sausen. Ich persönlich habe mir das Feuerwerk dann sicherheitshalber nur angeschaut, statt selbst zu schießen.

China:

Jeder, der einmal ein chinesisches Neujahrsfest miterlebt hat, durfte auch seine Erfahrung mit Feuerwerk machen – meist eine, die er sein Leben lang nicht mehr vergisst.

Jedes Neujahr passieren in China viele Unfälle, bei denen es leider auch zig Tote gibt. Dabei hat das Böllern an sich nichts wirklich Aggressives. Niemand wirft zum Beispiel Böller auf jemand anderen. Aber beim chinesischen Neujahrsfest geht es in einem viel größeren Ausmaß zur Sache, als wir das von Silvester in Deutschland kennen. In China dauern die Feierlichkeiten nicht nur eine Nacht, sondern im Grunde eine ganze Woche lang. Die Leute geben dabei Tausende von Euro für ihre Feuerwerkskörper aus, und zwar nicht nur die Reichen. Das hat folgenden Hintergrund: Ein paar Tage nach Neujahr kommt der chinesischen Mythologie zufolge der Glücksgott auf die Erde. Und die Leute, die an diesem Tag am lautesten böllern, werden im nächsten Jahr am großzügigsten mit Glück und Wohlstand beschenkt.

Schweiz:

Silvester in Zürich ist genial, das kann ich nur wärmstens empfehlen. Direkt am See findet dann ein wunderbares professionelles Feuerwerk statt. Was die private Böllerei betrifft, wird in Zürich eher verhalten geschossen.

Das größte Feuerwerk in der Schweiz habe ich verpasst: In Oensingen im Kanton Solothurn wurden eine Stunde lang fünf Tonnen Pulver in die Luft gefeuert. Allein 100 000 Franken werden dabei nur für den Aufbau ausgegeben. Was das gesamte Spektakel kostet, weiß kein Mensch, das ist Geheimsache.

Stefan Troendle, Rom

Antje Diekhans, Nairobi

Henryk Jarczyk, Warschau

Markus Rimmele, Shanghai

Hans-Jürgen Maurus, Zürich

FLIRTEN

Moskau +++ Rabat +++ Tokio +++ Tel Aviv +++ London

Russland:

In Russland wird nicht viel geflirtet – und das ist wenig erstaunlich. Die Hälfte des Jahres herrscht hier eine derartige Kälte, dass man sich so schnell wie nur möglich vom Fleck bewegt. Entweder regnet, friert, schneit oder hagelt es – da kommt man nicht zum Flirten.

Zusätzlich zum unfreundlichen Wetter ist Moskau eine Stadt, in der es ziemlich ruppig zugeht. Die Einwohner scheinen den ganzen Tag gestresst und voller Sorgen zu sein, vermutlich auch deshalb, weil die Organisation des Alltags sehr viel Zeit kostet. Da kommt keine rechte Flirtstimmung auf.

Generell sind die Moskauer – und ich denke, das liegt teilweise an der politischen Vergangenheit – eher kontaktscheu. In der Metro zum Beispiel schauen sie stur vor sich hin oder lesen, Blicke werden selten ausgetauscht.

Ansonsten fassen sich hier viele Frauen ein Herz, die Männer sehr direkt anzuflirten und sogar nach einem Treffen zu fragen. So direkt habe ich das noch in keinem anderen Land erlebt!

Marokko:

Die Marokkaner flirten häufig – allerdings sehr subtil. Da wir uns in einem muslimischen Land befinden, ist dieses Terrain zwischen Männern und Frauen für unsere Begriffe schwierig, und das Flirten muss eher versteckt vor sich gehen. Vieles läuft dabei nonverbal. Für mich als Europäer ist das Entschlüsseln dieser Kommunikation oft nicht leicht. Hier flirtet man sich für eindeutig horizontale Interessen teilweise völlig ohne Worte an. Das ist für mich schon sehr befremdlich.

Grundsätzlich erscheint mir die gesamte Kontaktaufnahme etwas verkrampft. Man muss sehr vorsichtig sein, weil man nie weiß, welches Signal wie interpretiert wird. Die Sache kann komplett in die Hose gehen. Nach dem Motto: Er hat mich angelächelt, und morgen sind wir verheiratet.

Genauso ist es möglich, dass man flirtet und damit unabsichtlich in eine professionelle Beziehung gerät, für die hinterher Geld verlangt wird. Das passiert sogar relativ oft in Marokko.

Japan:

Beim Thema Flirten kann ich nicht auf persönliche Erfahrungen zurückgreifen, was sicher auch damit zu tun hat, dass man nicht hemmungslos flirtet in Japan. (Das wird meine Frau freuen!)

Die Japaner zeigen in ihrer Mimik im Grunde kaum Gefühle, und weil ihnen das so schwerfällt, gibt es eine ganze Reihe von technischen Hilfsmitteln beziehungsweise Spielzeugen. Ganz neu sind Katzenohren, die an das Gehirn angeschlossen werden und dann ausdrücken, wie man sich gerade fühlt. Anhand der Stellung der Ohren kann der Eingeweihte zum Beispiel sehen, ob der Träger jemanden sehr nett findet (Ohren zeigen auf die betreffende Person) oder betrübt ist (Ohren klappen sich ein).

Wenn es aber zur Sache geht, passiert alles relativ schnell. Dann suchen die Paare in Tokio erstaunlich zügig ein sogenanntes Love-Hotel auf, ein einfaches Stundenhotel, das man buchen kann, um zu zweit zu sein.

Israel:

Gerade in Tel Aviv schauen sich die Menschen mit offenen Augen an, das macht das Leben hier sehr angenehm. Das ist wie ein Dauerflirt. Es liegt hier eine gewisse Erotik in der Luft. Dieses schnelle schüchterne Wegschauen, das wir aus Deutschland kennen, gibt es hier nicht.

Das führt dann häufig dazu, dass viele Frauen schneller und drastischer angesprochen werden, als ihnen lieb ist. Mir wurde gesagt, dass die schönen Frauen am Strand sogar mit einer Floskel angesprochen werden, die übersetzt heißt: »Wie geht’s, Puppe?« Jene schönen israelischen Frauen haben sich deshalb einen ziemlichen Panzer angelegt, um die lästigen Kandidaten loszuwerden.

Umgekehrt bin ich auch einmal von einer Dame angeflirtet worden – und habe mich sofort als schüchterner Deutscher geoutet, der weggeblickt hat.

Bei den Schwulen hingegen geht es wohl gleich richtig zur Sache. Man hat mir erzählt, dass hier am Strand sofort gefragt wird: »Wie steht’s bei dir: aktiv oder passiv?«

Großbritannien:

Ein harmloser Flirt ist immer möglich in London: Augenkontakt, ein paar nette Sätze, ein Scherz. Und von älteren Damen an der Supermarktkasse beispielsweise wird man gerne »Darling« genannt. Das ist aber nicht anzüglich gemeint. Wenn man diesen netten Umgang miteinander zwischen den Geschlechtern im Laden oder in der U-Bahn auch schon als Flirt bezeichnen will, ja, dann ist das sehr leicht möglich.

Freunden zufolge soll es etwas heißer zugehen, sobald Alkohol im Spiel ist. Da unterscheiden sich die Briten kaum von anderen Nationen.

Gesine Dornblüth, Moskau

Alexander Göbel, Rabat

Peter Kujath, Tokio

Sebastian Engelbrecht, Tel Aviv

Jochen Spengler, London

HERBST

Moskau +++ London +++ Tokio +++ Stockholm +++ Madrid

Russland:

In Moskau gibt es keinen Herbst. Stattdessen gibt es einen sehr langen Winter, einen recht kurzen Sommer und dazwischen Übergangszeiten. Das, was ich mit Herbst verbinde – lange Spaziergänge durch Laub bei noch erträglichen Temperaturen –, das habe ich hier noch nicht erlebt, dazu sind die Übergangszeiten viel zu kurz. Der Herbst spielt hier eine etwas stiefmütterliche Rolle.

Ab dem 1. September tragen die Kinder auf dem Spielplatz in meinem Innenhof Mützen – egal, welche Temperaturen gerade herrschen. Das scheint ein ungeschriebenes Gesetz zu sein. Am 1. September wird der Wechsel von Sommer zu Herbst vollzogen, basta.

Großbritannien:

Wenn es nicht dauernieselt – was in London leider häufig vorkommt –, kann der Herbst hier wunderschön sein.

Den Herbstsmog, für den London früher berühmt war, gibt es zum Glück nicht mehr. An dieser fürchterlichen Mischung aus Nebel und Rauch sind noch in den Fünfzigerjahren tatsächlich tausende Menschen gestorben.

Heute hat der englische Herbstnebel auch etwas Wunderbares. Im außerhalb gelegenen Richmond-Park zum Beispiel laufen Hunderte von Hirschen frei herum und röhren kräftig durch die Gegend. Liegt dazu morgens noch der Tau auf den Wiesen, ist das sehr romantisch.

Japan:

Der Herbst ist in Tokio – letztlich in ganz Japan – herrlich. Die schön leuchtend rot gefärbten Ahornblätter, die sogenannten Momiji, kommen dann zum Tragen. Die Japaner stehen in Massen mit ihren Kameras vor dieser Herbstlaubfärbung und fotografieren die wunderschönen Ahornbäume.

In Deutschland hatte ich mich mit dem Herbst nie wirklich beschäftigt, aber weil die Japaner so viel Aufhebens um die Momiji machen, ist das für mich hier ebenfalls zu etwas Besonderem geworden.

Schweden:

Den Herbst in Schweden finde ich eher frustrierend, denn einige Leute verhalten sich so, als würde diese Jahreszeit schon im August beginnen. All das, was in Stockholm den Sommer so lebendig macht, hat dann plötzlich geschlossen – unabhängig davon, wie das Wetter ist. Von einem Tag auf den anderen machen sämtliche Eisdielen und Straßencafés dicht, dabei kann es auch hier in Schweden noch wunderschöne goldene Herbsttage bis in den Oktober hinein geben.

Ich glaube, die Schweden sind im Geiste schon bei der dunklen Jahreszeit, in der sie wieder ihre Tageslichtlampe hervorkramen müssen, und in der es endlos dauert, bis die Sonne wiederkehrt. Viele haben mit der Winterdepression zu kämpfen, und die beginnt bei einigen bereits im Herbst.

Spanien:

Den Herbst, wie man ihn in Deutschland kennt, hat man zumindest in Madrid, im Zentrum des Landes, nicht. Im August herrschen hier sehr trockene Temperaturen um die vierzig Grad, im September bleibt es warm, und im Oktober wird es dann ziemlich schnell kalt.

Zwar hat man hier nicht unbedingt dieses wochenlange Grau in Grau gepaart mit Herbststürmen, dennoch kann die Jahreszeit recht deprimierend sein. Im Herbst nämlich kommt eine Regenzeit übers Land, die äußerst unangenehm ist.

Erntedank feiert man in Spanien nicht, und in der Schule gibt es auch keine Herbstferien. Dafür zelebriert man hier inzwischen – wie fast überall auf der Welt – »Chalowien«!

Gesine Dornblüth, Moskau

Jochen Spengler, London

Peter Kujath, Tokio

Tim Krohn, Stockholm

Reinhard Spiegelhauer, Madrid

KOCHEN

Shanghai +++ Rabat +++ Washington +++ Paris +++ Warschau

China:

Die Chinesen essen unglaublich gern, das Essen ist quasi ihr größtes Hobby. Wobei die chinesische Küche komplett anders ist, als einem durch die vielen China-Restaurants in Deutschland vermittelt wird. Sie ist unglaublich vielfältig und wartet mit unzähligen Fleisch- und Gemüsesorten auf. Ein wahres Schlaraffenland für kulinarische Genießer.

Das Problem in China sind die Zutaten. Jede Woche wird ein neuer Lebensmittelskandal aufgedeckt. Das ist nichts für Zartbesaitete. Wie leicht können einem da das Essen und das Kochen vergehen. Wir haben in China beispielsweise ein riesiges Problem mit Fisch, der mit Hormonen vollgepumpt ist.

Was definitiv nicht in meinem Kochtopf landen wird – so gerne ich die chinesische Küche mag –, sind Hühnerfüße, in Scheiben geschnittene Schweineohren, Schweinegesichter und Schafsköpfe, ebenso wenig wie gebratene Skorpione.

Marokko:

Kochen ist eine absolute Leidenschaft der Marokkaner. Jeder kann zu diesem Thema etwas sagen, weil wirklich jeder kocht. Sogar mit wildfremden Menschen lässt es sich wunderbar fabulieren über die Zubereitung von Essen.

Marokko ist berühmtberüchtigt dafür, dass hier unter anderem Schafshirn und Hammelhoden auf den Tisch kommen. Ich selbst habe auch schon Schafshirn probiert und muss sagen: Das schmeckt gar nicht übel.

Man kocht in Marokko gern gemeinsam. Jeder bringt dann etwas mit. Einer bereitet zum Beispiel den Salat zu, ein anderer kümmert sich um den Fisch oder das Fleisch. Der große Treffpunkt ist dann also die Küche. Das gefällt mir sehr gut, besonders wenn dort Crossover gekocht wird.

USA:

Wenn man in Washington in einen Supermarkt geht, sieht man unheimlich viele Fertiggerichte. Andererseits sind die Amerikaner Meister des Barbecues. Zu einem guten Barbecue gehört natürlich zunächst ein guter Barbecue-Grill, worauf dann Burger oder Steaks zubereitet werden und wozu man amerikanischen Kartoffelsalat isst.

Der Trend geht jedoch immer mehr dahin, auch mal Gemüse auf den Grill zu legen. Sehr beliebt ist auch Gemüse-Finger-Food. Das sind Broccoliröschen oder klein geschnittene Karotten, die in einen Dip getunkt werden. Worauf man penibel achten muss: Bloß nicht double dippen, also nicht vom Gemüse abbeißen und den Stick noch einmal in den Dip stecken. Das gilt hier als unhygienisch, darauf achtet man sehr viel mehr als in Deutschland.

Frankreich:

Das Kochen ist in Frankreich eine echte Wissenschaft. Sich der Kochkunst der Franzosen annähern zu wollen, wäre natürlich vermessen.