Wohllebens Waldführer - Peter Wohlleben - E-Book

Wohllebens Waldführer E-Book

Peter Wohlleben

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13,99 €

Beschreibung

In diesem Naturführer stellt Ihnen der bekannte Förster Peter Wohlleben in seiner erfrischend unkonventionellen Art über 250 Tiere und Pflanzen des Waldes vor. Er beleuchtet die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Waldbewohnern und den Funktionen des Waldes sowie die Einflüsse von Förstern und Jägern. Begegnen Sie bekannten, aber auch unbekannten Arten mit neuem Blick: Warum hilft der Wolf den Bäumen? Was richtet der Feldhase im Wald an? Was bedeutet es, wenn der Dachs da ist? Was stimmt nicht, wenn sich kein Weidenröschen einfindet? Was erzählt uns die Bartflechte über den Wald? Peter Wohlleben beantwortet Fragen zum Ökosystem Wald, betrachtet dabei kritisch die gängige Waldnutzung und zeigt Alternativen auf.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 198




Peter Wohlleben

Wohllebens

Waldführer

Tiere & Pflanzen bestimmen, das Ökosystem entdecken

Inhalt

Cover

Titel

Impressum

Mein Waldführer

Säugetiere

Vögel

Amphibien und Reptilien

Insekten

Spinnentiere

Schnecken

Pilze

Bäume und Sträucher

Blumen

Farne

Schachtelhalme und Bärlappe

Gräser

Moose

Flechten

Hinter den Kulissen

Der Autor

Mein Waldführer

Die mitteleuropäischen Wälder sind Heimat für Zehntausende von Tier- und Pflanzenarten. Laut einer Information des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) gibt es allein in Bayern 480 verschiedene Laufkäferarten. Wo soll da ein Waldführer anfangen, wo enden? Andersherum können wir bei einer Wanderung immer nur einen Bruchteil entdecken, gibt es Tiere und Pflanzen, die sich häufig zeigen, während andere nur in bestimmten Gebieten und nur nachts zu sehen sind. Besonders spannend sind natürlich die Arten, die entweder extrem selten auftreten oder aber einen ausgefallenen „Lebenslauf“ haben, sich ungewöhnlich verhalten oder für den Wald sehr wichtig sind. Dafür habe ich andere Tiere und Pflanzen, die ebenfalls bedeutsam für das Ökosystem Wald sind, weglassen müssen. Das ist aber selbst in hochkarätigen wissenschaftlichen Lexika oftmals der Fall. Und was Sie wissen sollten: In Mitteleuropa sind noch längst nicht alle Arten entdeckt. In den heimischen Wäldern können Sie also ebenso spannende Forschungsgänge unternehmen wie am Amazonas.

Ich habe mich entschlossen, eine Auswahl zu treffen, die von allem etwas enthält. So kann Ihr nächster Spaziergang mit diesem Buch zu einer Entdeckungsreise werden, bei der Sie Allerweltsarten, aber auch seltene Kostbarkeiten bestimmen können.

Ist die Haselnuss unwichtig? Nein, ganz im Gegenteil, sie hat nur in diesem Buch ihren Platz an den ebenfalls sehr häufigen, aber unbekannteren Faulbaum abgegeben.

Für manche Pflanzen gibt es Hinweise auf Giftigkeit. Gehen Sie bei allen anderen im Zweifelsfall sicherheitshalber davon aus, dass sie ebenfalls ungenießbar sind, es sei denn, es wird in der Artenbeschreibung explizit darauf hingewiesen, dass man sie essen kann.

Sie finden in der Beschreibung der einzelnen Arten jeweils die lateinische Bezeichnung und die Gattungszugehörigkeit – Ordnung muss sein. Der anschließende Text enthält Hintergrundinformationen mit vielen kaum bekannten Details. Unter „Merkmale“ ist eine genauere Beschreibung aufgeführt, oft ergänzt mit ähnlichen Arten, die zu Verwechslungen führen können. Im letzten Kapitel steigen wir tiefer in das Ökosystem Wald – oder das, was der Mensch von ihm übrig gelassen hat – ein. Urteilen Sie nach der Lektüre und einem anschließenden Spaziergang selbst, wie natürlich oder forstwirtschaftlich verändert die Wälder Ihrer Heimat sind. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen, Entdecken und Staunen!

Ihr Peter Wohlleben

Reh

Capreolus capreolus | Hirsche

▲Ricke und Rehbock mit rotbraunem Sommerfell.

Merkmale:

Fell rotbraun (im Sommer) bis graubraun (im Winter), Hinterteil mit schneeweißem „Spiegel“, Gewicht selten über 30kg, Böcke mit kleinem Geweih, welches im Herbst abgeworfen wird.

Das Reh ist unsere kleinste Hirschart. Als typischer Waldbewohner ist es ein Einzelgänger, lediglich in großen, steppenartigen Agrarlandschaften bildet es Rudel (sogenannte „Sprünge“). Die Weibchen (Ricken) legen ihre Kitze in den ersten Lebenswochen versteckt ab und begeben sich dann auf Nahrungssuche. Deshalb sollten Sie niemals Kitze mitnehmen, die verlassen aussehen.

Rehe sind Versteckkünstler – von den rund 50 Tieren pro Quadratkilometer Wald sehen Wanderer recht wenig. Nur ihr „Schrecken“, ein hundeartiges Bellen, verrät sie, wenn sie sich gestört fühlen.

Rothirsch

Cervus elaphus | Hirsche

▲Ein prächtiger Rothirsch – unwiderstehlich für die weiblichen Tiere.

▶Fraßschaden an einer Fichte. Der Baum wird faulen und abbrechen.

Merkmale:

Fell ähnlich gefärbt wie beim Reh, saisonal rotbraun bis graubraun, männliche Hirsche entwickeln mit zunehmendem Alter immer mächtigere Geweihe.

Der Rothirsch bildet als echter Steppenbewohner Rudel. Durch die Jagd und die Verarmung der Agrarlandschaft ist er in den Wald ausgewichen, wo der bis zu 150kg schwere Pflanzenfresser enorme Schäden an großen und kleinen Bäumen anrichtet. Hirsche fressen im Gegensatz zu Rehen nicht nur Gräser, Kräuter und Baumtriebe, sondern auch Rinde, wodurch die Baumstämme faulen und wertlos werden.

Für viele Jäger ist der Hirsch das begehrenswerteste Wild, weswegen sie ihn füttern und so die Bestände in den letzten Jahren drastisch erhöhten. Ohne Raubtiere wird diese Situation kaum zu ändern sein, weshalb sich Naturschützer über die Rückkehr von Wolf und Luchs freuen.

Damhirsch

Cervus dama | Hirsche

▲Der Damhirsch bildet im Gegensatz zum Sikahirsch oft schaufelförmige Geweihe.

◀Sikahirsch, ebenfalls nicht heimisch.

Merkmale:

Fell im Sommer rostrot mit weißen Flecken, im Winter braungrau, oft Farbanomalien. Größe zwischen Reh und Rothirsch (Schulterhöhe bis 1m), Verwechslungsmöglichkeit mit dem Sikahirsch (Cervus nippon), dieser ohne das schaufelförmige Geweih älterer männlicher Damhirsche.

Der Damhirsch stammt ursprünglich aus Kleinasien und wurde verstärkt seit dem 17. Jahrhundert als jagdbare Hirschart eingeführt. Bis heute werden (allerdings meist illegal) jährlich zahlreiche Tiere ausgesetzt, um Jagdreviere, in denen sonst nur Rehe vorkommen, für Jäger interessanter zu machen. Dem Wald tut das überhaupt nicht gut, denn die Damhirsche fressen vielfach sämtliche jungen Laubbäume und reißen älteren die Rinde herunter. Um dieses merkwürdige Treiben zu verharmlosen, werden die Tiere als „heimisch“ und damit als Naturbestandteil deklariert – und wer ist schon gegen Natur?

Wildschwein

Sus scrofa | Schweine

▲Wildschweine können sehr gut riechen und hören und meiden im Wald die Menschen.

Merkmale:

Jungtiere (Frischlinge) mit gestreiftem Fell, später braun und ältere Tiere dann schwarz-grau. Das Wildschwein ähnelt dem Hausschwein, dessen Stammform es ist. Männliche Tiere (Keiler) mit scharfen Eckzähnen, die sie als Waffen benutzen.

Wildschweine beherrschen die Schlagzeilen: Die munteren Allesfresser, eigentlich in Wäldern zu Hause, tauchen regelmäßig in unseren Vorgärten und sogar in Städten auf. Grund soll die Landwirtschaft mit großen Maisfeldern sein, die mit ihrem Nahrungsangebot zu Massenvermehrungen führt. Tatsächlich ist es aber eine massive Fütterung durch Jäger, die die Bestände anschwellen lässt. Wildschweine lieben die Abwechslung und durchpflügen, nachdem sie an einer Fütterung Mais gefressen haben, Wiesen und Felder, um Regenwürmer oder Mäuse zu fangen. Im Mai erbeuten sie manchmal auch Rehkitze. Wo sich eine Wildschweinrotte längere Zeit im Wald aufgehalten hat, schwebt auch noch Stunden später ein Duft, der an Maggi erinnert, in der Luft.

Wolf

Canis lupus | Hunde

▲Wölfe sind sehr sozial und leben in Familienverbänden.

Merkmale:

Fell meist grau, kann aber auch von Braun bis Schwarz variieren. Gestalt ähnlich einem großen Haushund, aber mit breiterem Kopf und kleineren Ohren. Der buschige Schwanz wird oft waagerecht getragen.

„Wo der Wolf geht, wächst der Wald“ – so sagt ein altes russisches Sprichwort. Und es stimmt. Denn er vertreibt die großen Pflanzenfresser aus den Kinderstuben der Buchen und Eichen, sodass die kleinen Bäume unbefressen wachsen können. In diesen Dickichten ist es Rehen, Hirschen und Wildschweinen zu unsicher, da sie die anpirschenden Wölfe hier nicht sehen können. Daher halten sie sich lieber am Waldrand oder oberhalb der Baumgrenze auf.

Viele Menschen schüren völlig unnötig unsere Furcht vor dem Urahn der Hunde, von denen er sich im Wesentlichen durch eines unterscheidet: Er hat Angst vor dem Menschen. Doch manchen Jägern gilt er als Konkurrenz, und daher schreibt die Presse regelmäßig von illegalen Abschüssen.

Rotfuchs

Vulpes vulpes | Hunde

▲Hat dieser Fuchs eine Maus gehört? Sie zählt zu seinen Lieblingsspeisen.

Merkmale:

Fell hell rotbraun, Unterseite weiß, dick-buschiger Schwanz. Bellt heiser und hoch (wie ein kleiner Hund).

Der Rotfuchs war bis zur Rückkehr von Luchs und Wolf unser größtes verbliebenes Landraubtier. Auch er wurde mit allen Mitteln bekämpft. Höhepunkt waren die Begasungen von Fuchsbauen in den 1970er Jahren, dennoch hat die Art überlebt, was eine enorme Anpassungsfähigkeit beweist. Der Fuchs ist mittlerweile in vielen Städten heimisch und ernährt sich dort teilweise von Abfällen. Der nachgesagte negative Einfluss auf seltene Bodenbrüter ist wohl übertrieben: Füchse fressen in freier Natur hauptsächlich Mäuse und Regenwürmer. Selbst im Winter kommen sie an die Kleinsäuger. Mit ihren großen Ohren erlauschen sie dazu das Mäusepfeifen, springen dann in die Luft und durchstoßen die Schneedecke.

Luchs

Lynx lynx | Katzen

▲Luchse brauchen riesige Reviere von mehr als 50km2 Größe.

Merkmale:

Fell rötlich braun (im Sommer) bis graubraun (im Winter), meist deutlich gefleckt, Unterseite weiß. Ohren mit Haarpinseln, Stummelschwanz. Körper etwa schäferhundgroß.

Der Eurasische Luchs war wie der Wolf lange Zeit ausgerottet. Er ernährt sich überwiegend von Rehen und kann davon durchschnittlich 50 Stück pro Jahr erbeuten. In Siedlungsnähe frisst er aber auch Schafe oder Ziegen, weshalb er früher erbittert verfolgt wurde. Mittlerweile ist er in fast allen Mittelgebirgen und im Alpenraum wieder heimisch, allerdings nur in verschwindend geringer Zahl und mit fragwürdigen Zukunftsaussichten. Da er sich nicht so gut ausbreitet wie der Wolf, sind Auswilderungsprojekte sehr sinnvoll. Katzenbesitzer in Waldrandlage werden von ihrem Haustier über Luchse informiert: Sobald die große Katze im Umkreis von einigen Kilometern unterwegs ist, traut sich die kleinere in vielen Fällen nicht mehr vor die Tür.

Wildkatze

Felis silvestris | Katzen

▲Wild- oder Hauskatze? Letzte Sicherheit bringt nur eine Genanalyse.

Merkmale:

Fell von Jungtieren getigert (ähnlich Hauskatze), später gelblich-braun verwaschen. Schwanz dick, geringelt und mit schwarzem Ende. Etwas größer als Hauskatze, sichere Bestimmung jedoch nur über Genanalyse möglich.

Die Wildkatze stand kurz vor der Ausrottung, weil sie den Ruf besaß, Rehe und sogar Hirschkälber zu reißen. Daher wurde sie als vermeintliche Konkurrenz stark bejagt. Heute wissen wir, dass sie sich überwiegend von Mäusen ernährt. Wildkatzen lassen sich nicht zähmen und kreuzen sich kaum mit Hauskatzen. Das war ihr Glück, denn durch die massenhafte Einführung von Katzen ägyptischen Ursprungs (der Stammform unserer „Stubentiger“) in der Römerzeit wären sie sonst bis heute längst ausgestorben. So aber haben sich etwa 400 Tiere in Eifel und Hunsrück genetisch rein erhalten, deren Zahl sich durch Schutzprogramme und Wiederansiedlungen inzwischen deutlich erhöht hat. Getigerte Exemplare, die sich im Winter weiter als 2km von der nächsten Siedlung entfernt aufhalten, sind mit einiger Sicherheit Wildkatzen.

Dachs

Meles meles | Marder

▲Dieser Dachs wiegt etwa 10kg. Sein Erscheinen deutet auf eine intakte Natur hin.

Merkmale:

Fell oberseits grau, unterseits schwarz. Kopf weiß mit jeweils einem breiten, schwarzen Streifen von der Schnauze über das Auge bis zum Ohr. Gesamterscheinung flach-gedrungen, Gewicht um 10kg.

Der Dachs ist ein nachtaktiver und sehr scheuer Geselle. Sein gedrungener Körperbau, der an einen Riesenmaulwurf erinnert, ist wie geschaffen für den Höhlenbau. Oft muss er allerdings nicht graben, denn Dachsbaue werden viele Jahrzehnte und von mehreren Generationen genutzt. Von diesen Bauen profitiert auch der Fuchs, der sich manchmal sogar dann einquartiert, wenn in einem anderen Gangteil noch der Erbauer lebt. Der Fuchs wurde dem Dachs im 20. Jahrhundert fast zum Verhängnis. Weil die Baue begast wurden, um Meister Reineke auszurotten, erwischte es vielfach auch Dachse, die so im Bestand stark zurückgingen. Da er ruhige Waldgebiete mit vielfältigen ökologischen Strukturen braucht, ist sein Auftreten ein guter Indikator dafür, dass der Lebensraum auch für die Wildkatze geeignet ist.

Baummarder

Martes martes | Marder

▲Baummarder sind geschickte Kletterer und jagen vorwiegend in Baumkronen.

Merkmale:

Fell braun mit gelbweißem Kehlfleck, buschiger Schwanz (Länge etwa ein Drittel der Gesamtlänge des Tieres). Verwechslungsmöglichkeit mit Steinmarder (Martes foina), dieser jedoch mit gegabeltem Brustfleck. Gewicht zwischen 0,8 und 1,7kg.

Der Baummarder ist ein reiner Waldbewohner und ein geschickter Kletterer. Er besteigt mühelos selbst die glattrindige Buche und sucht hoch oben nach Nahrung. Als Allesfresser mit deutlicher Vorliebe für Fleisch schaut er sich gerne Baumhöhlen an, um dort nach Vogeljungen zu suchen. Die Höhlen von Buntspechten sind zu eng für den Baummarder, diejenigen der Schwarzspechte aber sind groß genug. Da Holz Schall extrem gut leitet, werden die Vögel allerdings vorgewarnt, sobald die scharfen Marderkrallen unten am Stamm zum Aufstieg ansetzen. Dann gelingt zumindest den flugfähigen älteren Vögeln die Flucht (oder der Angriff).

Baummarder sind keine Autoliebhaber – die Kabelbisse gehen auf das Konto seiner Verwandten aus der Stadt, der Steinmarder.

Waschbär

Procyon lotor | Kleinbären

▲Der Neubürger Waschbär hat sich unauffällig in die Natur eingepasst.

Merkmale:

Fell grau, Gesicht mit schwarzer Maske, die weiß umrandet ist. Buschiger, deutlich schwarz geringelter Schwanz (⅓ der Körperlänge), Gewicht um 10kg. Verwechslungsmöglichkeit mit dem Dachs (Schwanz kurz, Gesicht längsgestreift).

Der Waschbär ist ein Neubürger, der in den 1930er und 1940er Jahren aus Pelzfarmen entwich, so die offizielle Version. Alte Akten aus Forstämtern zeigen, dass es auch gezielte Aussetzungen gegeben hat, um ein zusätzliches jagdlich attraktives Tier in freier Wildbahn anzusiedeln. Dies hat funktioniert, wenngleich unterschiedlich gut. Im nördlichen Hessen, südlichen Niedersachsen und in Brandenburg fühlt sich der kleine Kobold besonders wohl und richtet sich dort zum Leidwesen der Bevölkerung auf Dachböden häuslich ein. Hier wird er nachts zum Poltergeist, wenn er zu seinen Beutezügen in Mülltonnen und Komposthaufen aufbricht. Für die heimische Tierwelt ist der Allesfresser keine Bedrohung.

Feldhase

Lepus europaeus | Hasenartige

▲Hasen graben im Gegensatz zu Kaninchen keine Baue.

Merkmale:

Fell oberseits braun, unterseits weiß, lange Ohren mit schwarzen Spitzen, lange Hinterbeine. Körperlänge um 50cm, Gewicht zwischen 2,5 und 6,5kg. Verwechslungsmöglichkeit mit Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus), dieses hat deutlich kürzere Ohren, ist kleiner und lebt in Bauen.

Der Feldhase ist, wie der Name schon sagt, kein Waldbewohner. Er liebt weite Wiesen, in denen er oft das ganze Leben verbringt. Solche Grassteppen gab es von Natur aus selten in Mitteleuropa, erst mit der Rodung der Wälder änderte sich dies. Daher gilt der Hase vielerorts als Kulturfolger. Weil in der landwirtschaftlichen Feldflur kaum Deckung ist, presst er sich bei Gefahr dicht an den Boden und springt dann im letzten Moment auf, um hakenschlagend zu fliehen. Seine Jungen zieht er in flachen Mulden („Sassen“) auf; bei regnerischem Wetter sterben viele von ihnen an Unterkühlung. Vor allem im Winter lebt der Feldhase auch im Wald und frisst dort Rinde und Knospen. Dies kann zu massiven Schäden vor allem an jungen Laubbäumen führen.

Biber

Castor fiber | Biberartige

▲Biber ernähren sich rein pflanzlich.

Merkmale:

Fell braun, auffällig breiter, flacher und nackter Schwanz, Größe um 1,20m, Gewicht bis 30kg, Verwechslungsmöglichkeit mit Nutria (Myocastor coypus), diese jedoch kleiner und mit rattenähnlichem dünnen Schwanz.

Der Biber ist ein Meister der Wasserbauwerke. Aus Ästen errichtet er Dämme, hinter denen sich kleine Bäche zu großen Teichen anstauen. Am Rand baut er eine Burg, deren Eingänge unter Wasser liegen und damit für Feinde nicht zugänglich sind. Durch den Dammbau werden angrenzende Wiesen überflutet – ein Ärgernis für Landwirte. Da der Biber früher als beliebte Fastenspeise galt (er zählte nicht als Fleisch, sondern als Fisch) und sein dichter Pelz sehr begehrt war, wurde er fast überall in Europa ausgerottet. Kleine Bestände konnten sich erhalten, wie etwa an der Mittelelbe. Von hier aus wurde der Biber wieder ausgewildert, sodass er mittlerweile von Skandinavien bis Südfrankreich anzutreffen ist.

Eichhörnchen

Sciurus vulgaris | Hörnchen

▲Futtervorrat vergessen? Eichhörnchen „säen“ durch solche Pannen neue Laubwälder.

▶Das Grauhörnchen ist aus den USA eingewandert und verdrängt seine roten Kollegen.

Merkmale:

Fell rötlich braun, unterseits weiß, langer, buschiger Schwanz, Kopf-Rumpf-Länge bis 25cm, Gewicht um 300g. Gebietsweise treten dunkle, fast schwarz gefärbte Varianten auf.

Das Eichhörnchen ist ein Sympathieträger: Die süßen Knopfaugen und die kurze Schnauze, dazu Pinselöhrchen – da wird es dem Beobachter warm ums Herz. Dabei sind die flinken Kletterer Allesfresser und rauben im Frühling mit Vorliebe Vogelnester aus, eine Neigung, wegen der beispielsweise die Elster in Verruf geraten ist. Für den Wald sind Eichhörnchen ein Segen. Sie vergraben im Herbst Eicheln und Bucheckern in zahlreichen Verstecken, vergessen aber einen ganzen Teil davon wieder. Während durch diese Vergesslichkeit etliche Jungtiere verhungern, keimen im Frühjahr aus diesen Vorräten neue Laubbäume. Von dem in Italien eingebürgerten Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) droht Gefahr: Es ist robuster und verdrängt unser heimisches Hörnchen auf dem Weg nach Norden.

Igel

Erinaceus europaeus | Igel

▲Fit für den Winter: Ein noch junger, aber gut genährter Igel.

Merkmale:

Fell auf dem Rücken in Form von Stacheln, diese braun mit hellen Spitzen, Bauchseite ebenfalls braun. Größe bis 30cm, Gewicht um 600g.

Der Igel liebt keine dunklen Wälder, sondern eher deren Ränder, wo er nachts auf Nahrungssuche geht. Weil er gelegentlich auch Nacktschnecken frisst, gilt er als Freund der Gärtner. Dabei machen diese Tiere nur wenige Prozente seiner Nahrung aus. Junge Mäuse, Küken, Vogeleier, Insekten oder Regenwürmer und hier und da etwas Obst – das macht Igel glücklich. Die kalte Jahreszeit verschlafen sie in Nestern, die tief in Laub- und Reisighaufen verborgen sind. Dabei senken sie Pulsschlag und Körpertemperatur ab, um es mit den Fettreserven bis ins Frühjahr zu schaffen. Bei Gefahr rollen sich die Tiere zusammen und stellen die Stacheln auf, sodass selbst Hunde nicht zum Zuge kommen: Einmal in einen Igel gebissen schmerzt das Maul für Stunden, und der Speichel läuft in Strömen – diese Erfahrung möchte niemand zweimal machen.

Bechsteinfledermaus

Myotis bechsteini | Glattnasen

▲Bechsteinfledermaus. Spitze Zähne und ein extrem effektiver Ortungssinn sind typisch für alle Fledermäuse.

Merkmale:

Fledermäuse sind über das Flugbild und den Kot (enthält Insektenreste) von Vögeln unterscheidbar. Bei einer Spannweite von je nach Art um 25cm fliegen sie in der Dämmerung und nachts lautlos und meist relativ langsam.

Fledermäuse können wir im Wald in der Dämmerung zwar beobachten, aber vom Boden aus kaum einer Art zuordnen. Dennoch wird die Bechsteinfledermaus hier stellvertretend für andere vorgestellt. Die Weibchen leben im Sommer mit den Jungen in Wochenstuben, die sich in Baumhöhlen befinden. Um Parasiten (Milben etc.) auszuweichen, wechseln diese Gemeinschaften alle paar Tage den Baum. Über die Monate kommt so ein Gesamtbedarf von rund 50 ehemaligen Spechthöhlen zusammen. Und da die meisten dieser Höhlen von Vögeln bewohnt werden, müssen in einem alten Laubwald ca. 150 Höhlenbäume stehen, damit die Bechsteinfledermaus einen Lebensraum findet. Alte Laubwälder sind aber nur zu wenigen Promille am mitteleuropäischen Wald beteiligt. Deshalb sind Waldfledermäuse im Bestand stark zurückgegangen.

Gelbhalsmaus

Apodemus flavicollis | Langschwanzmäuse

▲Gelbhalsmäuse können schrill pfeifen, verraten sich dabei aber dem nächsten Fuchs.

Merkmale:

Fell oberseits braun, unterseits weiß mit gelblich braunem Halsfleck. Große Ohren und herausstehende Knopfaugen. Körperlänge um 11cm zuzüglich eines Schwanzes in gleicher Länge. Ähnlich: Waldmaus (Apodemus sylvaticus), etwas kleiner und ohne gelben Halsfleck.

Die Gelbhalsmaus liebt alte Laubwälder. Hier frisst sie nicht nur Eicheln und Bucheckern, sondern auch Knospen, Beeren oder Insekten. Ganz selten gönnt sie sich ein kleines Vogelei. Gelbhalsmaus-Verstecke im Wurzelbereich mächtiger Bäume sind oft an den Nahrungsresten, also etwa ausgefressenen Bucheckern-Hüllen, zu erkennen. Da sie keinen Winterschlaf hält, muss diese Maus wie das Eichhörnchen Depots anlegen. Wird die Maus im Winter gefressen, so sprießen aus diesen Vorräten Büschel von Keimlingen. Manche Gelbhalsmäuse versuchen, in Häusern zu überwintern und sind daher besonders im Herbst ungebetene Gäste im Keller.

Rötelmaus

Clethrionomys glareolus | Wühlmäuse

▲Rötliches Fell, kleine Augen: Eine Rötelmaus.

Merkmale:

Fell oberseits rötlich braun, unterseits grau. Kleine, deutlich erkennbare Ohren, Augen kaum hervorstehend. Körperlänge um 10cm, Schwanzlänge nur 5cm. Verwechslungsmöglichkeit mit Feldmaus (Microtus arvalis), bei dieser Augen, Ohren und Schwanz noch kleiner.

Die Rötelmaus ist die häufigste Mäuseart im Wald. Sie lässt sich gut bei ihren ausgedehnten Suchläufen über den Waldboden oder durch das Geäst beobachten, denn sie ist im Gegensatz zur Gelbhalsmaus auch tagsüber sehr aktiv. Sie zählt zwar zu den Wühlern und baut unterirdische Gänge und Nester, oft finden sich ihre Quartiere aber auch in Totholz oder Gebüschen. Dort polstert sie ihr Heim mit weichem Moos. Rötelmäuse sind Allesfresser; fehlen im Winter Eicheln und Bucheckern, so vertilgen sie Knospen und Rinde. Dabei können sie frische Anpflanzungen von Laubbäumen erheblich schädigen, indem sie den besonders nährstoffreichen Wurzelhals der Setzlinge abnagen. Diese sehen dann aus wie eine Miniaturausgabe eines vom Biber gefällten Baumes.

Siebenschläfer

Glis glis | Bilche

▲Schläft tagsüber in Baumhöhlen oder auf Dachböden – der Siebenschläfer.

Merkmale:

Fell oberseits grau, unterseits weiß. Große Knopfaugen, große, runde Ohren sowie ein buschiger Schwanz. Körperlänge um 15cm, Schwanzlänge um 14cm. Verwechslungsmöglichkeit mit Gartenschläfer (Eliomys quercinus), dieser mit braunem Fell, schwarzen Augenstreifen und dünnem Schwanz.

Der Siebenschläfer war in vergangenen Jahrhunderten eine beliebte Delikatesse: Die kleinen Tiere wurden im südeuropäischen Raum in Töpfen gemästet und anschließend geschlachtet. Heutzutage gilt der Siebenschläfer als schützenswert und sehr verschlafen. Tatsächlich verbringt er in der kalten Jahreszeit manchmal nicht nur die namensgebenden 7, sondern 8 Monate zusammengerollt in Baumhöhlen. Dabei kann er seinen Puls um 98% reduzieren, um weniger Energie zu verbrauchen. Nicht nur im Äußeren, sondern auch in der Nahrungszusammensetzung ähnelt er dem Eichhörnchen. Neben Baumsamen und Früchten sind es ab und zu auch Eier oder Jungvögel, die in seinem Magen landen.

Waldspitzmaus

Sorex araneus | Spitzmäuse

▲Die Waldspitzmaus ist mit dem Maulwurf verwandt und ernährt sich auch ähnlich.

Merkmale:

Fell oberseits schwarz-braun, zum Bauch hin über Braun nach Grau übergehend. Spitze Schnauze (Name!), Augengröße wie Stecknadelköpfe. Körperlänge um 7cm, Schwanzlänge um 4cm. Verwechslungsmöglichkeit mit Hausspitzmaus, diese jedoch mit graubraunem Fell.

Die Waldspitzmaus ist eigentlich keine Maus und damit auch kein Nagetier, sondern gehört zur Familie der Insektenfresser. Ihr Biss ist giftig, möglicherweise wird sie deshalb von Katzen nicht gefressen. So geht es anscheinend auch anderen Tieren: Stirbt eine Waldspitzmaus, so bleibt sie oft tagelang liegen. Neben Insekten gehören Regenwürmer und andere Kleintiere zu ihrer Nahrung. Die Waldspitzmaus zählt zu den Rotzahnspitzmäusen mit entsprechend roten Zahnspitzen. Die ähnliche, aber heller gefärbte Hausspitzmaus (Crocidura russula) weist reinweiße Zähne auf – eine Unterscheidung ist somit auch anhand von Skelettfunden möglich. Die Waldspitzmaus ist unsere häufigste Spitzmausart und im Bestand ungefährdet.

Buntspecht

Dendrocopos major | Spechte

▲Buntspechtweibchen mit schwarzer Kappe.

Merkmale:

Amselgroß und schwarz-weiß gezeichnet. Weibchen mit schwarzer Kappe, Männchen zusätzlich mit rotem Fleck am Hinterkopf. Vom Schnabel zum Hinterkopf schwarzes Band („Zügel“). Aufgeregte „Kix“-Rufe und lautes Trommeln.

Der Buntspecht ist unsere häufigste Spechtart. Er hält sich auch in städtischen Gärten auf, da er nicht besonders scheu ist. Aber eigentlich lebt er in Wäldern mit viel Totholz, weil er dort seine Lieblingsspeise – Insektenlarven – in morschen Stämmen findet. Diese meißelt er mit seinem Schnabel regelrecht heraus. Bei tiefer im Holz steckender Beute hilft ihm seine mit Widerhaken versehene Zunge, die Leckerbissen in den Hals zu ziehen. Ganz selten vertut sich der Buntspecht und sucht irrtümlich in der Isolierung von Häusern nach Nahrung. Junge Buntspechte verraten sich, weil sie vor Hunger und Ungeduld mit einem lauten, langen „Kikikikiki…“ nach ihren Eltern rufen.

Mittelspecht

Dendrocopos medius | Spechte

▲Der Mittelspecht hat eine rote Kappe.

Merkmale:

Durchgehend rote Kappe, weißes Gesicht, keine schwarzen „Zügel“ wie der Buntspecht, zudem etwas kleiner als dieser. Trommelt mit seinem schwachen Schnabel kaum, sondern quäkt stattdessen zur Brutzeit, um sein Revier anzuzeigen.

Der Mittelspecht ist ein typischer Bewohner alter Laubwälder. Beispielsweise kann er Buchenbestände erst ab einem Baumalter von 200 Jahren besiedeln, weil die Rinde dann rau genug zum Festhalten ist. In Ermangelung von Altbuchen nimmt er auch etwas jüngere Eichen, da diese schon früher eine zerfurchte Borke bilden. Außerdem benötigt er zur Nahrungssuche viel Totholz. Diese Kombination findet sich in ausreichender Arealgröße kaum noch in unseren Wirtschaftswäldern, wo fast alles Holz genutzt wird. Der Mittelspecht ist daher ein schönes Beispiel dafür, wie dringend wir Waldreservate für den Erhalt von Urwaldarten brauchen. Sein Auftreten ist umgekehrt ein positives Signal für die gute ökologische Qualität eines Waldgebiets.

Schwarzspecht

Dryocopus martius | Spechte

▲Schwarzspechte suchen häufig am Boden nach Nahrung.

Merkmale:

Rabenschwarz mit roter Federhaube, Weibchen nur mit rotem Nackenfleck. Etwa krähengroß. Ruft im Flug „krükrükrü“, wenn er gelandet ist, „hiäh“.

Der Schwarzspecht ist der größte europäische Specht (etwa krähengroß). Er ist der Architekt unserer Wälder, denn er zimmert zahlreiche Höhlen zum Schlafen oder Brüten in dicke alte Bäume. In von ihm verlassenen Niststätten siedeln sich Eulen, Hohltauben oder Fledermäuse an, weshalb dieser Vogel als typische Art für ungestörte Altwälder gilt. Da der Schwarzspecht oft in gesunden, finanziell wertvollen Stämmen baut, ist er forstwirtschaftlich nicht immer gern gesehen (Spruch mancher Förster: „Wer keine Miete zahlt, fliegt raus!“). Weil Bäume aus wirtschaftlichen Gründen noch vor ihrer Lebensmitte gefällt werden, gibt es prozentual sehr wenige alte Exemplare, weshalb der Schwarzspecht zu den gefährdeten Arten zählt.

Sein Futter besteht aus verschiedensten Insekten, besonders gern frisst er Waldameisen.

Kleinspecht

Picoides minor | Spechte

▲Der Kleinspecht trommelt besonders lange „Strophen“.

Merkmale: