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Wer den Mut besitzt, sich dem Wort Gottes täglich auszusetzen, wird erfahren, dass dieses Wort nichts lässt, wie es ist. Das Wort Gottes ist schöpferisch, voller Kraft und Dynamik. Es stellt Gewohntes in Frage, deckt Unliebsames auf und weist auf Missstände hin, nur um dann neue Wege, neue Möglichkeiten und neues Leben zu eröffnen. Dieses Andachtsbuch führt Sie täglich in die Worte und das Leben Jesu ein und setzt Sie somit der transformativen Kraft Gottes aus, die unser Denken, Fühlen und Handeln erneuert. Lassen Sie sich hineinnehmen und überraschen, herausfordern und bewegen und beobachten Sie, wie ein täglicher Same des Wortes Gottes eine neue Lebensqualität hervorbringt - fruchtbar, spürbar und echt!
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Seitenzahl: 819
Veröffentlichungsjahr: 2011
Robin J. Malloy
Erste eBook Edition 2011© aetos Verlag, [email protected]
ISBN 978-3-942064-03-3
Bibelstellen wurden, wenn nicht anders angegeben, der Revidierten Elberfelder Bibel © 1985/1991/2006 SCM R. Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten, entnommen.
Weitere Bibelübersetzung: Lutherbibel, revidierter Text 1984, durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung, © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
Umschlaggestaltung: Bernhard Cremer Umschlagfoto: © istockphoto.com/Chris Hepburn Satz: Bernhard Cremer eBook Umsetzung: Nikolai Rodehutskors
Band 1 (Januar - Juni) ISBN: 978-3-942064-02-6 (epub)
ISBN der gebundenen Ausgaben: Band 1: 978-3-942064-00-2 Band 2: 978-3-942064-01-9
Für Birte – eine Frau nach dem Herzen Gottes!
„Jesus selbst lebte aus der intensiven, innigen und reichen Beziehung zumVater... Darin ist er uns ein Beispiel, denn auch wir sind berufen, aus der LiebeChristi, seiner Kraft, seinem Reichtum und seinem Segen zu schöpfen, damitdieser Reichtum und dieser Segen durch uns in diese Welt fließen kann. Umdieses Prinzip des schöpfenden und ausfließenden Lebens geht es in demheutigen Andachtstext.“
Dieser Auszug aus der Andacht vom 29. August gilt als Einladung, auch in den kommenden Monaten das Augenmerk auf Jesus Christus, sein Wesen und Wirken, zu legen, um von ihm zu lernen. Christus, seine Liebe, seine Kraft, sein Reichtum und sein Segen werden uns in den Evangelien offenbart und dieses Andachtsbuch soll Ihnen darin dienen, diesen faszinierenden Schatz Gottes tagtäglich zu „heben“, in Anspruch zu nehmen und aus der Liebe und Kraft Christi eigene Kraft zu schöpfen. Wichtig dabei ist jedoch, dass es Jesus nicht primär um die Gaben und Segnungen ging, sondern um den Vater als Person. Mit anderen Worten begehrte Jesus den Geber mehr als die Gabe. Dennoch nahm er die Gaben Gottes dankbar an, nicht nur für sich selbst, sondern auch und gerade, um ein Segen für andere zu sein.
„Jesus macht uns als seinen Jüngerinnen und Jüngern deutlich, dass unser Leben immer nach dem Prinzip des zirkulierenden Kreislaufes des Segens funktionieren sollte. Wir sind bestimmt, von der Liebe des Vaters erfüllt zu werden, diese Liebe jedoch nicht für uns zu behalten, sondern diese Liebe zu den Menschenzu tragen. Wir sind berufen, uns an den Strömen des lebendigen Wassers zu laben, aber auch selbst eine Quelle des lebendigen Wassers zu werden. Der HeiligeGeist lebt und wirkt in uns und er will in und durch uns in dieser Welt wirken.Wir erhalten, um zu geben und wenn wir nicht mehr bereit sind zu geben, dann‚verstopfen’ wir uns selbst den Kanal der Segnungen und Reichtümer Gottes.“
Ihr Robin J. Malloy
»Ihr aber, lasst ihr euch nicht Rabbi nennen! Denn einer ist euer Lehrer, ihr alle aber seid Brüder. Ihr sollt auch nicht jemanden auf der Erde euren Vater nennen; denn einer ist euer Vater, nämlich der im Himmel. Lasst euch auch nicht Meister nennen; denn einer ist euer Meister, der Christus.« (Matthäus 23,8-10)
Jesus spricht in dem heutigen Andachtstext davon, dass sich keiner von den Jüngerinnen und Jüngern Rabbi, also Meister und Lehrer, nennen soll, da nur Jesus unser Meister und der Heilige Geist unser Lehrer ist. Ich glaube, dass wir immer wieder Gefahr laufen, uns an die Stelle des Heiligen Geistes zu begeben, besonders, wenn wir Verantwortung in der Kirche tragen. Dies gilt meines Erachtens aber nicht nur im Kontext der Kirche, sondern insgesamt für unser ganzes Leben: uns selbst gegenüber, unserem Ehepartner und unserer Familie gegenüber sowie in unserem Freundes- und Bekanntenkreis.
Es sind zwei unterschiedliche Dinge, Menschen mit unseren Geistesgaben zu dienen oder aber, ob wir die Rolle des Heiligen Geistes einnehmen. Diese Unterscheidung ist nicht leicht, da wir Jesus Christus in dieser Welt vertreten und wir von dem Heiligen Geist begabt sind und er durch uns wirken will. Es gibt auch die konkrete Geistesgabe des Lehrens und das geistliche Amt des Lehrers. Wie ist es also gemeint, dass wir uns nicht als Lehrer bezeichnen und nicht die Rolle des Heiligen Geistes einnehmen sollen?
Ich denke, dass diese Unterscheidung immer im Hinblick auf das Bild des Leibes getroffen werden muss, welches Paulus als Typus für die Gemeinde Jesu Christi verwendet. Paulus beschreibt uns, dass der Leib aus vielen Gliedern besteht (den einzelnen Gläubigen), von denen jedes eine einzigartige und wichtige Aufgabe besitzt. Diese Aufgaben sind sehr unterschiedlich und dennoch werden alle Glieder benötigt, damit der Leib einwandfrei funktioniert. Jedes dieser Glieder ist geistbegabt und von Gott bevollmächtigt.
Jedes dieser Glieder ist ein Priester Gottes, es gibt also keine Differenzierung zwischen Laientum und Klerus. Der erste Hinweis zur Unterscheidung, ob wir mit unserer Geistesgabe dienen, oder die Stelle des Geistes einnehmen, ist die Frage, wie sehr uns bewusst ist, dass wir nur einen Beitrag zum Bau des Reiches Gottes leisten und nicht unabhängig von unseren Glaubensgeschwistern wirken können. Unsere Berufung und Bestimmung kommt nur im Einklang mit den anderen Gliedern und den anderen Gaben zur Wirkung.
Es gilt darüber hinaus in einer ständigen Sensibilität gegenüber dem Heiligen Geist als Lehrer und Jesus als Meister zu leben. Wir müssen täglich reflektieren, ob wir selbst wirklich Jesus zum Meister haben oder ob wir selbst das „Zepter“ in der Hand halten. Wir müssen prüfen, ob wir selbst im Mittelpunkt stehen oder ob in allen Dingen Jesus im Mittelpunkt steht. Darüber hinaus sollen wir die beständige Haltung der geistlichen Armut einnehmen, die uns selbst nicht von der Annahme ausgehen lässt, dass wir es bereits begriffen haben, sondern dass wir uns immer wieder neu von Christus ergreifen lassen dürfen.
Interessanterweise geht gerade das „Sichan-die-Stelle-des-Lehrers-Setzen“ mit einem Mangel an Lernbereitschaft einher. Je mehr wir uns an die Stelle des Heiligen Geistes setzen, desto weniger sind wir bereit, selbst von ihm zu lernen und verlieren sehr viele Erkenntnisse und wirkliche Lehre des Geistes. Wir schädigen uns und den anderen daher doppelt, in dem wir uns und andere daran hindern, sich wirklich mehr dem Heiligen Geist zu öffnen.
Unser Dienst sollte uns und andere zu mehr Sensibilität für den Heiligen Geist und Vollmacht führen, zu mehr Mündigkeit und Reife. Ein gutes Kennzeichen dafür, dass wir unsere Gabe im Sinne Gottes einsetzen ist, dass diejenigen, denen wir dienen, immer weniger von unserer Lehre, unserer Leitung und unserer Ermahnung/Ermutigung brauchen und die Beziehung immer mehr von einer „ungleichen“ zu einer „gleichen“ Ebene führt. Je mehr jeder Einzelne aus der Salbung des Geistes wandelt, desto weniger hat er oder sie es nötig, gelehrt zu werden:
„Und ihr? Die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch, und ihrhabt nicht nötig, dass euch jemand belehre, sondern wie seine Salbung euch überalles belehrt, so ist es auch wahr und keine Lüge. Und wie sie euch belehrt hat,so bleibt in ihm!“ (1.Johannes 2,27)
Unser Dienst sollte immer dazu führen, dass diejenigen, denen wir dienen, immer weniger auf uns und immer mehr unmittelbar auf Jesus hören lernen. Unser Ziel ist immer die Reife, Kraft und Mündigkeit jedes einzelnen Gläubigen im Geist Gottes und unter der Herrschaft Christi. Damit meine ich nicht, dass die Geistesgaben und die besonderen Bevollmächtigungen unnötig und aufgehoben sind. Wir sollten nur immer das Ziel im Blick behalten, wofür wir diese Gabe haben und dabei beachten, dass es immer um das Wirken des Geistes durch uns und zu Zwecken des Meisters geht und nicht um das Wirken des Geistes zu unseren Zwecken:
„Und er hat die einen als Apostel gegeben und andere als Propheten, andere alsEvangelisten, andere als Hirten und Lehrer, zur Ausrüstung der Heiligen fürdas Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes Christi, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zurvollen Mannesreife, zum Maß der vollen Reife Christi. Denn wir sollen nichtmehr Unmündige sein, hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedemWind der Lehre durch die Betrügerei der Menschen, durch ihre Verschlagenheitzu listig ersonnenem Irrtum. Lasst uns aber die Wahrheit reden in Liebe und inallem hinwachsen zu ihm, der das Haupt ist, Christus.“(Epheser 4,11-15)
In der gestrigen Andacht ging es darum, dass wir selbst nicht die Rolle des Heiligen Geistes übernehmen sollen, sondern dass vielmehr er unser Lehrer und Jesus unser Meister ist. Der Heilige Geist begabt uns übernatürlich und schenkt uns Erkenntnis Christi, die wir weitergeben dürfen, damit der ganze Leib erbaut wird und die Gläubigen zugerüstet werden. Der Heilige Geist wirkt durch uns und mit uns. Der Heilige Geist ist der Geist der Wahrheit, er dient der Wahrheit und es ist sein Ziel, dass wir die Wahrheit kennen (Kopf), die Wahrheit erkennen (Kopf und Herz) und die Wahrheit leben (Kopf, Herz und Hand). Jesus ist die Wahrheit und der Geist ist der Geist der Wahrheit, der Geist weist in allem auf Christus hin.
Jesus sendete den Heiligen Geist in diese Welt, damit er uns in alle Wahrheit leite. Der Heilige Geist will uns also leiten und führen. Wenn er uns leiten will, bedeutet dies, dass wir auf ihn hören und ihm folgen müssen. Die Leitung des Heiligen Geistes ist einzigartig, faszinierend und sehr individuell. Es ist kaum in Worte zu fassen, wie der Heilige Geist – auf welchen Wegen und Weisen – jeden Einzelnen von Tag zu Tag tiefer in die Wahrheit führt. Er leitet uns im Gebet und lässt uns darin Christus erfahren. Er eröffnet uns das Wort Gottes, damit wir Gottes Ratschluss und seine Pläne verstehen und seinen Willen erkennen können. Er schenkt uns Erkenntnis Christi und lehrt uns jeden Tag neu.
Der Heilige Geist ist es, der unsere Augen, unsere Ohren und unsere Herzen für Christus öffnet, damit wir in der Lage sind, zu hören und zu verstehen. Die Wahrheit, in die der Heilige Geist uns leitet, ist die freimachende Wahrheit Christi, d. h. die Wahrheit, die in der Lage ist, Menschen grundlegend zu befreien und zu verändern. Der Geist der Wahr heit lehrt uns also nicht allein im klassischen Sinne eine „Lehre“, sondern eine Lehre Christi, die immer einhergeht mit der Kraft Christi zur Befreiung von Sünde und Knechtschaft. Die Wahrheit, die der Heilige Geist offenbart, ist die ganze Wahrheit, d. h. er lehrt uns nicht nur einen Teil und lässt den Rest beiseite. Es ist das erklärte Ziel des Heiligen Geistes in unserem Leben, uns in die ganze Wahrheit zu führen.
Der Geist möchte also in allen Bereichen unseres Lebens Raum nehmen und alle Bereiche unseres Lebens mit der ganzen Wahrheit durchdringen. Wenn wir uns wirklich von dem Geist leiten lassen, müssen wir bereit sein, nicht nur einen Teil der Wahrheit zu erkennen und zu akzeptieren, sondern unser Herz für die ganze Wahrheit zu öffnen, die unser bisheriges Denken grundlegend in Frage stellen kann und uns in einen sehr tiefgreifenden Prozess der Transformation führt. Der Heilige Geist verkündet uns nur das, was er vom Vater oder von Christus hört. Wir haben also als Kinder Gottes das große Privileg, unmittelbar durch den Heiligen Geist mit dem Vater und dem Sohn verbunden zu sein. Durch den Heiligen Geist sind uns diese so nah, dass uns ihre Gedanken und Entschlüsse mitgeteilt werden.
Die höchste und beste Schule ist die Schule des Heiligen Geistes. Die höchste und vollkommenste Lehre ist die Lehre des Heiligen Geistes. In keinem Lehr-/Lernkontext gibt es eine solch lebensverändernde Dynamik, nirgends solch eine geringe „Transferlücke“ wie in der Schule des Geistes. Als „Transferlücke“ wird in der Pädagogik der Umstand bezeichnet, dass nur ein geringer Teil des erlernten Stoffes von dem Lernenden tatsächlich in der Praxis umgesetzt, also dorthin transferiert wird. Gerade der Transfer des Gehörten in die Praxis ist das vorrangige Ziel des Heiligen Geistes.
In allem will der Heilige Geist Christus verherrlichen und er verherrlicht ihn dadurch, dass er durch seine Macht, Kraft, Lehre und Leitung Christus in uns Gestalt annehmen lässt. Durch den Heiligen Geist lebt und wirkt Christus in uns. Alles, was der Heilige Geist an uns, mit uns und durch uns bewirkt, verherrlicht Christus, und mit Christus auch uns! Es ist dabei unser vorrangiges Ziel, den Heiligen Geist und sein Wirken in uns zu ehren und zu fördern. Wir sollen jeden Tag neu bereit sein, unseren Verstand, unser Herz und unseren Körper für den Heiligen und heiligenden Geist zu öffnen, damit wir mehr in die Wahrheit Christi und in ein praktisches Leben in dieser Wahrheit geführt werden.
Es gibt kaum etwas Schöneres, was über einen Menschen gesagt werden kann, als: „Er/Sie lebte wirklich ein Leben unter der Leitung des Heiligen Geistes! Man konnte hören, spüren und sehen, dass der Heilige Geist im Leben dieses Menschen wirkte und Jesus dadurch verherrlicht wurde!“
Lasst uns bestreben, ein solcher Mensch zu sein, durch die Gnade und Barmherzigkeit Gottes!
»Und als er dies sagte, wurden alle seine Widersacher beschämt; und die ganze Volksmenge freute sich über all die herrlichen Dinge, die durch ihn geschahen.« (Lukas 13,17)
Nachdem Jesus am Sabbat eine zusammengekrümmte Frau geheilt hatte, zog er den Zorn der Pharisäer und Schriftgelehrten auf sich, die ihm heftige Vorwürfe aufgrund der scheinbaren Verletzung des Sabbatgebotes machten. Jesus begegnete den Vorwürfen der Pharisäer mit folgenden Worten:
„Der Herr nunantwortete ihm und sprach: Heuchler! Bindet nicht jeder voneuch am Sabbat seinen Ochsen oder Esel von der Krippe los und führt ihn hinund tränkt ihn? Diese aber, die eine Tochter Abrahams ist, die der Satan gebunden hat, siehe, achtzehn Jahre lang, sollte sie nicht von dieser Fessel gelöst werden am Tag des Sabbats?“ (Lukas 13,15-16)
Jesus erlöste diese Frau von den Fesseln des Satans, der sie achtzehn Jahre lang gebunden hatte, woraufhin diese augenblicklich begann, Gott zu preisen und ihn zu verherrlichen. Welch eine Freude und welch eine Gnade, dass wir solch einen Gott unseren Herrn nennen dürfen! Jesus kam in diese Welt, um sich den Schwachen und Armen zu erbarmen und seine Liebe geht dem Verlorenen, dem Niedergeschlagenen, dem Gekrümmten und dem Geschundenen nach. Jesus starb für uns am Kreuz, seine Liebe und Kraft wirkt noch heute bedingungslos an uns und macht uns heil und frei. Jesus lebte sein Leben auf dieser Erde aus Liebe zu Gott und den Menschen und er lebt ebenso heute!
Jesus brachte den Pharisäern, und auch uns, eine wichtige Lektion bei: der Sabbat ist für den Menschen und nicht der Mensch für den Sabbat da. Das heißt, dass jegliches Handeln Gottes, alle Gebote und Satzungen letztendlich dem Zweck dienen, dass die Beziehung zwischen Gott und den Menschen wiederhergestellt wird und Gott den Menschen seine Liebe zeigen kann. Jesus geht es in allem darum, Menschen zu lieben und sie von allem zu befreien, was ihnen Leid zufügt, sie schädigt oder sie unterdrückt. Gott ist es nie daran gelegen, uns zu unterdrücken oder uns unfrei und unmündig zu machen, sondern vielmehr, dass wir das Leben in Fülle haben.
Es ist sehr wichtig, dass die Liebe Gottes und seine Fülle immer der Antrieb seines Redens und Handelns für uns ist, auch wenn wir Gott manchmal nicht verstehen. Häufig suchen wir „händeringend“ nach Dingen, Regeln oder Handlungsweisen, von denen wir die Fülle des Lebens erwarten, die uns diese Fülle jedoch nicht geben können. Für die Pharisäer war es ihr frommer Schein und ihre scheinbare Autorität über andere Menschen, die sie durch ihre strenge Auslegung des Gesetzes ausübten. Letztlich erhofften sie, durch ihre Kontrolle der Menschen und ihre Manipulation der Gebote, ein erfüllteres Leben zu haben, ohne dabei zu verstehen, dass sie nicht nur sich selbst, sondern auch den anderen Menschen gerade diese Fülle raubten.
Ich meine, dass wir es fast als Prinzip erkennen können, dass Menschen, die selbst nach der Fülle des Lebens suchen, sie jedoch nicht finden, weil sie nicht bereit sind, ihre Eigensucht aufzugeben, dazu tendieren, auch anderen Menschen diese Fülle vorenthalten zu wollen, gemäß dem Motto: „Wenn ich die Fülle nicht habe, sollst du sie auch nicht haben!“ Innerer Mangel, Verletztheit oder Bitterkeit der Seele werden sehr häufig dadurch zum Ausdruck gebracht, dass man das Glück und die Zufriedenheit anderer Menschen nicht aushalten kann. Innere Zerrissenheit und Schmerz führen sehr häufig zu äußerer Zerrissenheit und Schmerz. So war es den Pharisäern nicht möglich, sich über die Heilung der gekrümmten Frau zu freuen, weil sie selbst einen solchen Mangel an Freude in ihrem Leben hatten.
Letztendlich ist es die Macht des Stolzes, die unsere Freude und die Fülle rauben kann. Gott ist die Quelle der Freude, an der wir uns unbegrenzt laben können, wenn wir bereit sind, unseren Stolz abzulegen und den zwanghaften Antrieb, selbst das Glück und die Freude erwirken zu wollen. Als Erben Adams müssen wir bereit sein, zuzugeben, dass es keine wirkliche Freude, kein Heil und keine Fülle außerhalb von Gott gibt. Aber aus Stolz lehnen Menschen diese lebendige Quelle ab und verstehen nicht, dass sie dabei verdursten.
Wer zur Quelle Gottes kommt, ist bereit, seine geistliche Armut und sein Unvermögen einzugestehen, Freude und Fülle aus eigener Kraft produzieren zu können. Wer wie die Pharisäer krampfhaft an seinem Leben, seinen Regeln und seiner „Strategie zur Freude und Fülle“ festhalten will, hat keine offenen Hände für Gottes Liebe, sein Heil und seine Freude, selbst wenn solch ein Mensch sieht, wie Gott an anderen Menschen wirkt.
Die Pharisäer wurden letzten Endes beschämt, denn Scham ist eine Konsequenz der Sünde. Wenn wir die Evangelien genau lesen, stellen wir eine starke und ansteigende Bitterkeit in den Herzen der Pharisäer fest. Je kontinuierlicher und beharrlicher ein Mensch sich der Liebe und Gnade Gottes widersetzt und auf seine eigene Stärke baut, desto stolzer wird er und desto schwieriger wird es für ihn oder sie, loszulassen und ganz Gott zu vertrauen. Während die Pharisäer sich beschämt und verbittert zurückzogen, war die ganze Volksmenge mit Freude erfüllt:
„... unddie ganze Volksmenge freute sich über all die herrlichen Dinge, diedurch ihn geschahen.“
Wir dürfen uns jeden Tag neu an den herrlichen Dingen erfreuen, die durch Jesus in unserem Leben geschehen und den Vater im Himmel dafür preisen. Wir dürfen ihm danken, dass er zur Quelle unseres Heils, unserer Freude und unserer Fülle geworden ist. Wir wollen demütig sein und bitten, dass sich unser Herz niemals gegenüber Gott verhärtet und für die Fürbitte tun, die sich derzeit noch nicht mit uns über die herrlichen Taten Gottes freuen können!
Eines der Drangsale der Endzeit wird – ausgehend von der Lehre Jesu – die Irrlehre und die Verführung durch falsche Christusse sein. An allen Enden der Erde werden Menschen in Erscheinung treten, die behaupten werden, Christus zu sein oder in seinem Namen zu wirken, dabei jedoch die Menschen für die Finsternis verführen werden wollen. Nicht selten hört man Geschichten wie die einer amerikanischen Sekte, deren Anführer sein Zentrum zu einer Festung aufrüstete, seine Mitglieder in den kollektiven Suizid zwang und fast kriegerische Handlungen gegen die Polizei unternahm.
Zwar mag dies sehr extrem klingen, es ist aber doch nur die Spitze des Eisberges der vielen Sekten und Gruppierungen, die in Wahrheit sehr gefährlich, menschenverachtend und teuflisch sind und in irgendeiner Weise das Evangelium verfälschen. Woran jedoch können wir die Wölfe erkennen, die sagen werden „Ich bin’s!“ und die viele verführen werden? Meines Erachtens gibt es zunächst einmal einen wesentlichen Hinweis: Christus wird – ausgehend von dem Brief an die Thessalonicher – auf den Wolken seinen Jüngerinnen und Jüngern begegnen, die zu ihm entrückt werden. Von daher können wir keinen Hinweis darauf bekommen, dass Christus noch einmal wie vor zweitausend Jahren als Mensch auf der Erde wirken wird:
„Denn der Herr selbst wird beim Befehlsruf, bei der Stimme eines Erzengels undbei dem Schall der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel, und die Toten inChristus werden zuerst auferstehen; danach werden wir, die Lebenden, die übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen indie Luft; und so werden wir allezeit beim Herrn sein.“(1. Thessalonicher 4,16-17)
Wenn uns also jemand begegnet, der sich selbst als Christus bezeichnet, müsste schon die Stimme des Erzengels bei dem Schall der Posaune wahrnehmbar sein und wir müssten in diesem Augenblick entrückt werden, dem Herrn entgegen, in die Luft. Aufgrund dieser Tatsache ist es meine Überzeugung, dass die große Gefahr besonders in der Trübsalzeit besteht (nach der Entrückung der Gläubigen), in der Menschen sich von dem Antichristen verführen lassen, der als Engel des Lichts erscheinen wird. Trotz der klaren Aussagen der Bibel gibt es dennoch genug Menschen, die der Lüge aufsitzen, dass dieser oder jener der Erlöser selbst sein soll. Es handelt sich hierbei um eine große Anzahl von Menschen und diese Verführung hat nicht selten, wie es an dem Beispiel oben beschrieben wurde, fatale Auswirkungen.
Während es eher schwierig wäre, einen bibelkennenden Christen davon zu überzeugen – so sollte man zumindest annehmen –, dass es sich bei einem Menschen um Christus handelt, so stehen Christen doch immer in der Gefahr, einer falschen Lehre zu folgen oder ein verfälschtes Evangelium zu hören und anzunehmen. Diese Versuchung traf bereits schon die Urgemeinden, die von den sogenannten Judaisten aufgesucht wurden, die den Gemeinden die Befolgung bestimmter Gesetze als Teil des Evangeliums lehrten. Paulus kämpfte sehr vehement gegen diese Judaisten an, wusste er doch um die fatalen Auswirkungen dieser Verfälschung des Evangeliums:
„Ich wundere mich, dass ihr euch so schnell von dem, der euch durch die GnadeChristi berufen hat, abwendet zu einem anderen Evangelium, wo es doch keinanderes gibt; einige verwirren euch nur und wollen das Evangelium des Christus umkehren. Wenn aber auch wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwasals Evangelium entgegen dem verkündigten, was wir euch als Evangelium verkündigt haben: Er sei verflucht! Wie wir früher gesagt haben, so sage ich auchjetzt wieder: Wenn jemand euch etwas als Evangelium verkündigt entgegendem, was ihr empfangen habt: Er sei verflucht!“(Galater 1,6-9)
Paulus wusste um die Tatsache, dass allein das unverfälschte Evangelium die Seelen von Menschen von der Finsternis retten und in das Licht des Sohnes Gottes führen kann. Er wusste ebenfalls um die teuflische Macht und Manipulation von falschen „Evangelien“, die die Natur und das Wesen Christi, und seines Erlösungswerkes, in Frage stellten. Auch heute kursieren viele Versionen eines verfälschten Evangeliums. Während es auf der einen Seite immer noch legalistische Verfälschungen gibt (wir müssen irgendetwas erleisten, um die Erlösung wirksam werden zu lassen) gibt es vor allen Dingen Verfälschungen im Hinblick auf die „billige Gnade“ (Dietrich Bonhoeffer).
Sehr stark verbreitet ist heutzutage ein „Wohlstandsevangelium“, das den Segen und den Gewinn der Nachfolge ohne die Hingabe und das Kreuz predigt. Menschen werden aufgefordert, Jesus in ihr Herz einzuladen, ohne die Erfahrung wirklicher Buße oder der wirklichen Abkehr von der Sünde und der Macht des Feindes. In der Regel sind diese Art der Bekehrungen, wie es ein Evangelist ausdrückte, „schwache Geburten“, die selten sehr lange an der Nachfolge festhalten. Es werden die Vorteile der Nachfolge quasi „werbewirksam“ vermittelt, um die Entscheidung der Nachfolge möglichst leicht zu machen, ohne auf die Kosten hinzuweisen und die Bereitschaft, das alte Leben zurückzulassen:
„Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und die Mutter unddie Frau und die Kinder und die Brüder und die Schwestern, dazu aber auchsein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein; und wer nicht sein Kreuzträgt und mir nachkommt, kann nicht mein Jünger sein. Denn wer unter euch,der einen Turm bauen will, setzt sich nicht vorher hin und berechnet die Kosten,ob er das Nötige zur Ausführung habe? Damit nicht etwa, wenn er den Grundgelegt hat und nicht vollenden kann, alle, die es sehen, anfangen, ihn zu verspotten, und sagen: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und konnte nicht vollenden.“(Lukas 14,26-30)
Dieser Teil des Evangeliums wird häufig verschwiegen und es wird einseitig die Liebe Gottes, ohne die Heiligkeit Gottes gepredigt. Es war nicht allein die Freundlichkeit Gottes, die dazu führte, dass Jesus an das Kreuz ging, sondern auch unsere Sündhaftigkeit, die es erforderlich machte! Dieses verfälschte „Wohlstandsevangelium“ führt viele Christen in die Irre und rüstet sie nicht für die wahren Herausforderungen der Nachfolge zu. Wir müssen uns also immer die Frage stellen, wodurch und in welcher Art das ganze Evangelium in unserem Leben verfälscht werden könnte, auch wenn die Versuchung nicht sehr extrem und offensichtlich ist.
Das Hauptmerkmal des wahren Christus sind seine Wundmale. Wir müssen in allen Aussagen immer Christus, den Gekreuzigten und das gemeinsame Wirken von seiner Liebe und seiner Heiligkeit finden. Alles was wir hören, muss an der Ganzheit des Wortes, am ganzen Ratschluss gemessen werden und daran, ob es uns in Christi Sinne wirklich freier macht von der Macht der Sünde und dem Wesen dieser Welt:
„Und ich, als ich zu euch kam, Brüder, kam nicht, um euch mit Vortrefflichkeitder Rede oder Weisheit das Geheimnis Gottes zu verkündigen. Denn ich nahmmir vor, nichts anderes unter euch zu wissen als nur Jesus Christus, und ihn alsgekreuzigt.“ (1.Korinther 2,1-2)
Im Kontext dieser Bibelstelle gibt Jesus Zeugnis über Johannes und er reagiert auf die Tatsache, dass viele Menschen aus dem Volk in ihrer Ablehnung gegenüber Jesus und seinem Reden widersprüchlich reagierten. Auf der einen Seite warfen sie Johannes dem Täufer vor, einen Dämon zu haben, weil er weder aß noch trank und auf der anderen Seite warfen sie Jesus vor, ein Fresser und Säufer zu sein, weil er aß und trank. Hierbei entsteht der Eindruck, dass es unmöglich war, es dem Volk „recht zu machen“.
Viele von uns kennen ähnliche Reaktionen aus unserem Alltag, so z. B. im Berufsleben oder vielleicht in Beziehungen. Manchmal bemühen wir uns so sehr, alles richtig zu machen, aber handeln uns den nächsten Vorwurf ein, obwohl wir bereits genau das Gegenteil dessen taten, wofür wir den ersten Vorwurf erhalten haben. Nach einiger Zeit erkennen wir, dass es im Wesentlichen gar nicht um die Sache selbst ging, sondern um eine viel tieferliegende Ursache, die dazu führte, dass unser Verhalten „so oder so“ auf Ablehnung stieß.
Wer solche Kreisläufe einige Zeit lang sehr genau beobachtet, kommt schnell zu der Erkenntnis, dass manches in zwischenmenschlichen Beziehungen sogar stark irrational verläuft. Es kommt zu Konflikten und Auseinandersetzungen über Themengebiete, die entweder den Streit „nicht wert sind“ oder aber, in denen deutlich erkennbar die Meinungen nicht weit auseinanderliegen und die Kontrahenten irrationale und widersprüchliche Vorwürfe machen. Genau hier können wir dann erkennen, dass der Konflikt nur die Spitze des Eisberges war, der auf tieferliegende Gründe verwies.
Johannes den Täufer bezeichneten die Menschen als dämonisiert, weil er asketisch lebte, Jesus wurde so bezeichnet, weil er gerne in Gesellschaft von Menschen aß und trank. Jesus greift diese widersprüchliche Ablehnung in dem heutigen Andachtstext auf und zeigt an dem Beispiel der musizierenden Kinder, dass das Volk nicht bereit war, auf Gottes Stimme zu hören, gleich welcher Art und Weise Gott zu seinem Volk sprach. Erkennbar ist gerade in der Ablehnung der verschiedenen Näherungsversuche Gottes, dass es den Menschen nicht um die Formen, sondern den Inhalt geht: egal wie Gott zu den Menschen spricht, die sündhafte Natur lehnt sich gegen Gott und seinen Anspruch auf unser Leben auf!
Dies ist eine sehr wichtige und meines Erachtens zielgenaue Beobachtung, die Jesus hier trifft. Die Kirche Jesu Christi ist sehr stark von Auseinandersetzungen über Formen und Methoden geprägt. Dem einen ist die Musik zu modern, dem anderen zu altmodisch. Dem einen ist es nicht charismatisch genug, dem anderen bereits zuviel. Der eine wünscht sich einen modernen Gottesdienst, der Kirchendistanzierte anspricht, der andere einen eher liturgischen Ablauf. All diese Faktoren sind jedoch nur der Rahmen, wesentlich ist der Inhalt.
Sehr häufig werden Auseinandersetzungen über die Rahmenbedingungen geführt, wobei es eigentlich untergründig um die tiefliegenden Inhalte geht. In allem geht es im Wesentlichen darum, ob Gott sich wohl fühlt und Raum für sein Wirken und seine Gegenwart besteht. Hinter vielen Diskussionen stehen häufig grundlegende theologische Diskrepanzen, gerade in Bezug auf die persönliche Beziehung zu Gott, dem Umgang mit Sünde und dem Glauben an Gottes Wirken.
Wer die Kirchengeschichte genauer beobachtet und Biographien von großen, geistlich prägenden Männern und Frauen liest, entdeckt, dass viele auf Ablehnung bis hin zum Verlust ihres Amtes stießen, die mit äußerlichen Bedingungen (du predigst zu lange, du bist nicht liturgisch genug, du passt nicht in unsere Traditionen und Gewohnheiten) begründet wurden, obwohl es eigentlich um den tieferliegenden Grund ging, dass diese die Wahrheit verkündigten, sich nicht anpassten und auch mutig genug waren, Dinge in Frage zu stellen und in Hingabe und Heiligung zu leben.
Der Grund, warum Johannes vorgeworfen wurde, dass er nichts aß und dass Jesus vorgeworfen wurde, dass er zuviel aß, hatte tatsächlich nichts mit der Esskultur der damaligen Zeit zu tun, sondern vielmehr damit, dass diese beiden Männer den Menschen die Wahrheit Gottes verkündigten, die menschlichen Strukturen, die Kompromisse, die falsche Frömmigkeit sowie die Halbherzigkeit beim Namen nannten und Gott mehr fürchteten als die Menschen. Weil ihre Lehre die Wahrheit und damit im Kern nicht angreifbar war, wurden die fadenscheinigsten Gründe gesucht, warum Johannes und Jesus abzulehnen waren, auch wenn es noch so widersprüchlich und unsachgemäß war.
Wenn wir als Jüngerinnen und Jünger mutig das Wort Gottes verkündigen, das Reich Gottes bauen und Jesus bekennen, kann es auch uns pas sieren, dass uns unsachliche, paradoxe und fadenscheinige Vorwürfe gemacht werden. Dem einen mag dies nicht passen, dem anderen jenes nicht, aber die Frage ist immer: worum geht es den Menschen wirklich? Sehen sie gewichtige Gründe, um unseren Glauben zu hinterfragen oder weisen sie uns auf eklatante charakterliche Schwächen hin? Diese Dinge sind wichtig und tief.
Wenn es jedoch um Formen, Traditionen oder sonstige Verhaltensweisen geht (bis hin zu unserem Essverhalten) und damit die Ablehnung von Menschen uns gegenüber begründet wird (obwohl wir dann sehr schnell merken, dass es tiefergründige Widersprüche im Glauben gibt), dann müssen wir wissen, dass es schon Johannes und Jesus so ging und mutig unseren Weg weiterschreiten. Wenn keine Übereinstimmung in den tieferen Ebenen gegeben ist, könnten wir alles drehen und wenden, wir könnten versuchen, es allen Recht zu machen und würden dennoch nichts erreichen. Wo jedoch die Einheit im Band des Geistes ist, sehen Menschen erstaunlicher Weise über alle Formen hinweg, hören aufeinander und vor allen Dingen: gemeinsam auf Gott!
In der Andacht von vorgestern ging es darum, woran wir den wahren Christus erkennen und wie wir ihn von einem falschen „Christus“ unterscheiden können. Das wesentliche Merkmal des wahren Christus sind seine Wundmale. Christus ist immer Christus, der für unsere Sünde litt und am Kreuz von Golgatha starb. Das Kreuz ist immer der Mittelpunkt des christlichen Lebens. Jedes Evangelium ohne die Rechtfertigung durch das Kreuz, und ohne die Nachfolge als Identifikation mit dem Kreuz, ist ein verfälschtes Evangelium. Paulus selbst stellt Christus den Gekreuzigten im Korintherbrief als den Mittelpunkt seiner Verkündigung dar:
„Und ich, als ich zu euch kam, Brüder, kam nicht, um euch mit Vortrefflichkeitder Rede oder Weisheit das Geheimnis Gottes zu verkündigen. Denn ich nahmmir vor, nichts anderes unter euch zu wissen als nur Jesus Christus, und ihn alsgekreuzigt.“ (1.Korinther 2,1-2)
Nachfolge Jesu Christi hat also immer mit der Identifikation mit ihm als den Gekreuzigten zu tun. Es geht immer darum, im Blick zu behalten, dass Jesus kam, um für unsere Sünden am Kreuz zu sterben und dass dieser Tod am Kreuz der Tod unseres sündhaften Wesens bedeutet. Ein Leben des Kreuzes ist ein Leben des Sterbens mit Christus sowie der Auferstehung zu einem neuen Leben mit ihm. Die Nachfolge bedeutet also immer, etwas Altes loszulassen, um Neues zu gewinnen. Jesus ruft seine Jünger auf, alte Gewohnheiten „zu Kreuze zu tragen“, um ein Leben in der Erneuerung des Geistes zu leben. Das Geheimnis ist, dass wir schon neu sind und doch noch neu werden – Sünder und Gerechte zu gleich, wie Martin Luther es ausdrückt. Die Wahrheit der Rechtfertigung – wir sind bereits gerecht und neu in Christus – wird zur erfahrbaren Wirklichkeit in unserem Leben durch den Geist.
Diese Neuwerdung des Menschen, diese Identifikation mit dem Sterben und der Auferstehung Christi, kann dazu führen, dass wir Angst bekommen, weil es uns schwer fällt, Dinge loszulassen und uns auf einen Prozess der Veränderung einzulassen. Christus kam, um an uns zu arbeiten und manchmal ist uns dies sehr unangenehm. Der heutige Andachtstext möchte uns jedoch Mut machen: der Engel spricht zu den Frauen am Grab: „Fürchtet euch nicht!“ Warum hatten die Frauen keinen Grund, um sich zu fürchten? Der Engel gibt eine Antwort auf diese Frage: „Denn ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht!“
Wenn wir in allen Dingen auf Christus den Gekreuzigten schauen, wenn wir sein Leiden, sein Sterben und seine Herrlichkeit fest im Blick haben, dann brauchen wir uns nicht zu fürchten. Wenn dieser Messias zu uns spricht und mit seiner Auferstehungsmacht in unserem Leben wirkt, dann wird für uns alles zum Besten werden! Auch wenn dies bedeutet, dass wir Dinge loslassen, Gewohnheiten ablegen und unser altes Leben an das Kreuz bringen müssen, gibt es keinen Grund, sich zu fürchten. Denn bei Jesus gibt es nichts, was er von uns fordern würde, was nicht dazu dient, uns das Leben in Fülle zu geben.
Jüngerschaft bedeutet, seinem Meister bei allem, was er tut, „über die Schulter zu schauen“. Das Verhältnis zwischen dem Meister und seinen Jüngern war bis hin in das Mittelalter nicht nur ein Sach- und Lehrverhältnis, sondern eine Lebensgemeinschaft! Ein guter Meister – sowohl im jüdischen Kontext der Rabbis als auch in späteren Ausbildungsverhältnissen zwischen Meister und Schüler – nahm nicht selten seine Jünger bei sich auf, um gemeinsam mit ihnen zu leben und zu arbeiten. Dabei lernten die Jünger oder Schüler fast alles über ihren Meister, von seinen fachlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten, bis hin zu seinen alltäglichen Lebensgewohnheiten.
Das Lernen war somit im wahrsten Sinne des Wortes ein Lernen am lebenden Modell, ein „learningbydoing“ und ein Lernen in der Praxis. Fast alle zurzeit modernen neuen Lehrmethoden und didaktischen Konzepte finden wir bei Jesus wieder: „Outdoortraining“, „Lernwerkstatt“, „handlungsorientiertes Lernen“, „Steigerung der emotionalen Kompetenz“, usw. Ich glaube, dass Jesus der optimale und vollkommene Lehrer, Pädagoge und Erwachsenenbildner war. Jesus lehrte seine Jünger mit dem Kopf (Lehre), mit dem Herzen (Liebe) und mit der Hand (praktische Handlungen)! Seine Jünger konnten Jesus in allem beobachten und Anteil an ihm als Mensch haben.
In dem heutigen Andachtstext hören wir von einem Beispiel solch eines Lehrens und Lernens. Jesus lebte sein Leben aus einer sehr innigen Beziehung zu dem Vater heraus. Jesus lebte ein Leben des Gebets zum Vater, das Gebet war der elementarste Bestandteil des Lebens Jesu. Jesus lehrt nie etwas, dass er selbst nicht auch so lebte. Gerade seine Taten sprachen mehr als seine Worte. Jesus war das Beispiel eines Menschen, welcher Gott aus innigster Liebe heraus in allen Dingen gehorsam war und seine Jünger durften Jesus bei solch einem Leben der Hingabe beobachten. Dabei war es gerade für die Jünger wichtig, durch Beobachtung zu lernen, wie Jesus seine persönliche Beziehung zu Gott führte.
Die Jünger waren wahre und gute Jünger, welches sich meines Erachtens daraus ergibt, dass sie
D.h. sie lernten nicht unfreiwillig, sondern selbstinitiativ und (wie man es heute in der Erwachsenenbildung nennt) selbstorganisiert und selbstgesteuert.
Nachdem die Jünger Jesus beim Beten beobachtet hatten, baten sie ihn um etwas sehr Entscheidendes, wovon wir heute noch so sehr profitieren: „Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte.“ Resultat dieser Bitte ist das einzigartige und großartigste Gebet unseres Herrn, das „Vater unser“.
Durch den heutigen Andachtstext werde ich angeregt, mich selbst zu fragen, ob ich bereit bin, wirklich von Jesus zu lernen. Bringe ich diese Bereitschaft dadurch zum Ausdruck, dass ich Jesus wirklich beobachte und zu verstehen versuche, wie er mit bestimmten Situationen im Leben oder im Dienst umging? Bin ich darüber hinaus bereit, Jesus konkret zu bitten, mich zu lehren und mich zu verändern? Dies setzt voraus, dass ich wirklich lernwillig bin und nicht wie es ein berühmter Satz in der Erwachsenenbildung sagt: „Erwachsene sind lernfähig, aber nicht lernwillig!“
Jesu Jünger waren in der Lage, aus der eigenen Initiative heraus von Jesus zu lernen. Nicht immer waren sie wirklich lernwillig, aber der heutige Andachtstext ist ein schönes Beispiel dafür, wie wir von Jesus lernen können. Manchmal nehmen wir es als selbstverständlich hin, dass „Jesus uns schon irgendwie korrigiert“ und wir „wohl oder übel“ etwas Neues von ihm lernen sollen. Ich glaube jedoch, dass es Jesus eine große Freude macht, wenn wir ihm aus eigener Entscheidung heraus beobachten, ihn bitten, uns zu lehren und ihm gute und wichtige Fragen stellen. Jesus sehnt sich nach Jüngern, die nicht unfreiwillig von ihm lernen (wie wir wissen führt die Unfreiwilligkeit meistens dazu, dass wir kaum etwas behalten), sondern dass wir gerne und voller Freude von ihm lernen und seinem Beispiel folgen.
„Herr, lehre mich!“ ist ein wunderbares Gebet und auch eine sehr gesunde Alternative zu dem Gebet, dass sich überwiegend um die eigenen Sorgen und Bedürfnisse kreist. „Herr, lehre mich!“ ist ein Gebet in dem Wesen von „Herr, gebrauche mich!“. Jesus lehrt uns gerne und seine Lehre wird unser Denken (Kopf), unser Fühlen (Herz) und unser Handeln (Hand) berühren und verändern. Häufig sind wir bereit, von so vielen Menschen, Gelehrten, Pädagogen und Größen dieser Welt zu lernen und vergessen dabei, dass der größte Lehrer des Universums immer bereit ist, uns mehr Erkenntnis zu schenken!
Das wichtigste, was Jesus uns dabei lehrt, ist die innige und liebevolle Beziehung zum Vater, um welche er herzustellen in diese Welt gekommen ist! Es ist die Sehnsucht Jesu, uns das Gebet zu lehren, besitzt es doch das größte Potential, ein Leben Gottes im Menschen zu entfalten!
»Als nun der Herr erkannte, dass die Pharisäer gehört hatten, dass Jesus mehr Jünger mache und taufe als Johannes – obgleich Jesus selbst nicht taufte, sondern seine Jünger –, verließ er Judäa und zog wieder nach Galiläa.« (Johannes 4,1-3)
Jesus ist uns ein Beispiel dafür, wie wir unerschrocken und ohne Ansehen des Menschen Dinge beim Namen nennen können und die Konfrontation nicht scheuen müssen, aber gleichzeitig zu wissen, wann es weise ist, bestimmten Dingen aus dem Wege zu gehen, was nicht dasselbe ist, wie vor ihnen zu fliehen. Ich muss hierbei an eine Regel von erfolgreichen Kriegsherren aus der Antike denken, die ich irgendwann einmal gelesen habe: „Lasse niemals den Feind das Schlachtfeld bestimmen!“ Häufig lassen wir uns auf Konflikte ein, deren Zeit noch Ort wir bestimmt haben, sondern die uns jemand auferlegen will. Weisheit kann auch bedeuten, diesem Konflikt aus dem Wege zu gehen, bis wir eine Zeit und ein „Terrain“ entdeckt haben, auf dem es für uns günstiger ist. Der beste Ort für die Annahme einer Herausforderung und die beste Zeit ist diejenige, die Gott für uns bestimmt!
Jesus wusste dies und ging deshalb dem Zorn der Pharisäer aufgrund seiner wachsenden Anhängerschaft aus dem Wege und zog von Judäa nach Galiläa. Wichtig hierbei ist noch eine weitere Erkenntnis: Gott ist es, der nicht nur entscheidet, wo wir nicht kämpfen sollen, er ist es auch, der entscheidet, wo genau wir anstelle dessen kämpfen sollen. Häufig bedeutet weise zu sein nicht, dass wir gar nicht kämpfen, sondern vielmehr, dass wir woanders, „auf einem anderen Feld“ kämpfen.
Dies möchte ich an einem praktischen Beispiel erläutern: vielleicht gibt es eine konkrete Person in unserem Leben, die Jesus Christus nicht kennt und wir haben schon häufig versucht, mit dieser Person über Jesus ins Gespräch zu kommen, welches diese immer wieder ablehnt. Weise zu sein könnte bedeuten, dieser Person zunächst auf einem anderen Feld zu dienen. Es könnte Zeit sein, dieser Person praktisch zu helfen oder aber intensiv für sie zu beten. Die Tatsache, nicht so viel über Jesus zu sprechen, bedeutet nicht, dass wir dieser Person nicht auf einem anderen „Feld“ dienen könnten, um dadurch von Jesu zu erzählen.
Paulus z. B. beabsichtigte zu einer Zeit, nach Kleinasien zu reisen, um dort das Evangelium zu erzählen. Gott verschloss ihm jedoch diese „Tür“ und sandte ihn dadurch anschließend nach Mazedonien, wo er machtvoll von Gott gebraucht wurde. Nicht jedes Hindernis, nicht jede verschlossene Tür und nicht jeder Rückzug ist eine Niederlage, sondern eine Chance, wirklich das zu tun, was Jesus gerade will, an dem richtigen Ort und zur richtigen Zeit! Das Ziel bleibt jedoch immer das Gleiche und gilt auch immer gleich: wir sind berufen, Nationen zu Jüngern zu machen und diese zu taufen auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!
Von diesem Ziel weichen wir niemals zurück, so wie ein Feldherr niemals von dem Ziel zurückweicht, letztendlich den Krieg zu gewinnen, auch wenn er sich nicht in jede Schlacht „hineinstürzt“. Wir müssen dieses Ziel immer vor Augen behalten und dürfen von der Kraft des Geistes angetrieben sein, dieses Ziel zu dem Ziel unseres Lebens zu machen.
Dabei ist es eben wichtig, genau diejenigen Schritte zu tun, an diejenigen Orte zu gehen und diejenigen Herausforderungen anzunehmen, die „dran sind“ und die Jesus jetzt von uns will. Dabei brauchen wir Geduld und Langmut, weil wir häufig das Gefühl haben, das Ziel nicht schnell oder umfangreich genug zu erreichen. Die Jünger Jesu haben sich wahrscheinlich auch häufig so gefühlt. Wenn wir dennoch die Taktik Jesu bewahren, ihr vertrauen, mutig, ausdauernd und treu sind, werden wir das angestrebte Ziel mit Jesus erreichen:„… dass Jesus mehr Jünger macheund taufe als Johannes – obgleich Jesus selbst nicht taufte, sondern seine Jünger...“
»Seid nun barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist! Und richtet nicht, und ihr werdet nicht gerichtet werden; und verurteilt nicht, und ihr werdet nicht verurteilt werden. Lasst los, und ihr werdet losgelassen werden.« (Lukas 6,36-37)
Es gibt bestimmte Augenblicke in meinem Leben, in denen ich von der Liebe und Barmherzigkeit des Vaters schlichtweg überwältigt bin und ihm nur noch danken kann. Der Vater hat seinen eingeborenen, einzigen Sohn hingegeben und hat erdulden müssen, ihn so schwer leiden zu sehen, weil er mich persönlich so sehr liebt! Die Barmherzigkeit Gottes hat mich errettet und mich auf den Felsen Christus gestellt, der unverrückbar steht. Gottes Barmherzigkeit in Jesus Christus gilt uns jeden Tag neu. Wenn wir unsere Sünden bekennen, vergibt er uns unsere Sünde und Schuld. Wir dürfen immer wieder zu Gott zurückkehren und er nimmt uns immer wieder neu an.
Ich glaube, dass uns nichts derart heilen und verändern kann, wie die Barmherzigkeit Gottes, denn sie ist mit seiner unbegrenzten Weisheit verbunden. Ich glaube, dass in dem o. g. Andachtstext eine liebende Weisheit verborgen ist, die uns nicht nur zu einem moralischeren Leben anleiten will, sondern vielmehr zu einem Leben in Fülle! Ich glaube, dass es in dem heutigen Andachtstext um ein Beispiel dessen geht, wie sehr Jesus ganz genau weiß, was unsere Seele binden und unfrei machen kann. Im heutigen Andachtstext werden wir aufgefordert, barmherzig zu sein, wie auch unser Vater im Himmel barmherzig ist. Da wir durch Jesus nun im Geist von dem Vater gezeugt sind, tragen wir seine Wesensart, seine „DNA“. Deshalb fordert die Bibel an dieser und an anderer Stelle („Seid heilig, denn ich bin heilig!“ (1. Petrus 1,16)) nicht etwas Unmögliches von uns, sondern sie erinnert uns vielmehr daran, welchen Wesens wir sind und welches Leben bereits in uns durch den Heiligen Geist angelegt ist und nur noch auf Entfaltung wartet!
Jesus ermahnt seine Jünger hier, barmherzig zu sein, nicht zu richten und zu verurteilen sowie loszulassen, damit sie selbst losgelassen wer den. Ich glaube, dass besonders letzteres uns deutlich aufzeigt, warum es so wichtig ist, das Wesen Gottes in uns Gestalt annehmen zu lassen. Nicht nur, damit die menschliche Gemeinschaft funktioniert, sondern auch für die Gesundheit unserer Seele. Häufig vergessen oder übersehen wir bei den Geboten Jesu, dass es sich nicht nur um Verhaltensregeln handelt, die uns zu einem menschlicheren Verhalten führen wollen, sondern vielmehr um Weisungen aus Liebe, weil Jesus gekommen ist, uns das Leben in Fülle zu geben.
Jesus – als weisester Psychologe der Welt – weiß um die Wirkungen der Unbarmherzigkeit, des Richtens sowie des Festhaltens an Vorwürfen, Wut, Enttäuschung und Feindschaft in unserem Herzen. Wir tendieren gerade dort unbarmherzig zu sein, wo wir selbst nicht viel Barmherzigkeit erfahren haben. Menschen, die ihr Leben lang „Liebe erleisten mussten“, sind kaum in der Lage, bedingungslos zu lieben oder bedingungslose Liebe annehmen zu können. Menschen, die beständig verurteilt und beispielsweise von ihren Eltern ständig nach ihrer Leistung bewertet und „gerichtet“ wurden, werden dies in der Regel auch mit anderen Menschen tun.
Wenn Menschen in einem sehr unbarmherzigen, gesetzlichen und richtenden Umfeld aufwachsen und selbst diesen „Geiseln“ permanent ausgesetzt sind, werden sie diesen „richtenden Geist“ übernehmen und (häufig unbewusst) um sich herum auch eine Atmosphäre und ein „Umfeld des Richtens und der Unbarmherzigkeit“ aufbauen. Wenn Jesus etwas von uns fordert, tut er dies niemals, ohne uns auch das zu geben, was wir brauchen, um diese Forderung zu erfüllen. Wenn Jesus uns auffordert, barmherzig zu sein, dann weiß er, dass wir dies nur sein können, wenn wir selbst Barmherzigkeit erfahren haben. Er fordert uns nur auf, nicht zu richten, wenn wir es selbst erlebt haben, nicht gerichtet zu werden.
Beides hat Jesus an uns getan! Jesus liebt uns bedingungslos und er ist jeden Tag barmherzig mit uns. Er hat uns nicht gerichtet, obwohl wir Sünder sind, sondern uns angenommen und uns von dem Gericht befreit. Jesus kann nun von uns fordern, barmherzig zu sein, weil wir zu vor seine Liebe und Annahme intensiv „auftanken“ und von ihr erfüllt sein können.
Jesus weiß, was die Unbarmherzigkeit, der „Richtgeist“ und das „Festklammern“ an alten Dingen an unserer Seele bewirkt. Durch diese Faktoren wird unsere Seele unfrei, bekümmert, belastet und krank! Eine solche Seele wird Stück für Stück innerlich zersetzt, die Unversöhnlichkeit führt zu Bitterkeit und Verhärtung. Wenn wir an negativen Erfahrungen, an Vorwürfen, Verletzungen und Schuldzuweisungen festhalten, wird es uns am Ende selbst zu einem immensen Schaden werden.
Diese Unbarmherzigkeit gegenüber anderen ist somit letztendlich eine Unbarmherzigkeit gegenüber uns selbst. Auch dies ist meines Erachtens ein wichtiger Zusammenhang: dort, wo wir unbarmherzig mit anderen sind, sind wir auch unbarmherzig mit uns selbst. Nicht selten resultiert die Verachtung anderer Menschen, oder ihrer Verhaltensweisen, aus der Selbstverachtung. Nicht selten richten wir an dem anderen, was wir an uns selbst nicht mögen!
Jesus fordert uns aus diesem Grunde auf, loszulassen. Wir sollen loslassen, damit auch wir losgelassen werden. Dieser Satz ist sehr tiefgreifend und fasst alle Ausführungen der heutigen Andacht zusammen. Wer andere loslässt, lässt sich selbst los, wer andere freispricht, kann selbst die Freiheit erlangen!
Es ist eine besondere Gnade Gottes für uns Menschen, dass es ihm wohlgefällt, mit uns zusammen das Reich Gottes aufzurichten. Zwar sündig ten die Menschen und verursachten all das Übel, das dadurch in diese Welt hineingebrochen ist, dennoch ist Gott so voller Liebe und Barmherzigkeit, dass er den Menschen erwählt, gemeinsam mit ihm an diesem wunderbaren Werk mitarbeiten zu dürfen! Jesus ist voller Wertschätzung uns gegenüber. Trotz all unserer Fehler und Schwächen freut er sich darüber, uns Verantwortung zu geben und uns zu gebrauchen! Er fordert nicht unsere Perfektion, sondern unsere Hingabe, Liebe und Ehrlichkeit ihm gegenüber.
Was mich dabei auch sehr ermutigt ist die Tatsache, dass das Reich Gottes im Kleinen beginnt. Manchmal fühlen wir uns, als ob unser Leben keinen wichtigen Beitrag zum Reich Gottes leisten würde. Vielleicht spielen wir in einer Lobpreisband Musik, leiten eine Kindergruppe oder betreuen einen Seniorenkreis seit geraumer Zeit. Vielleicht gehen wir auch einfach unserer Arbeit nach und haben dabei nicht das Gefühl, für irgendjemanden ein besonderer Segen zu sein oder das Reich Gottes wirklich voranzubringen. Dabei lesen und hören wir häufig von den großen Predigern oder den Menschen, die „wirklich etwas bewegt haben“ und kommen dabei „ins Grübeln“, ob wir die Berufung Gottes für unser Leben nicht erkannt haben.
Der „Wert“ einer Berufung lässt sich zunächst, meines Erachtens, nicht an bestimmten äußerlichen Merkmalen bemessen, zumal jede(!) Berufung einzigartig und wichtig ist. Jeder Christ hat eine individuelle Berufung von Gott, genau dort, wo ihn Gott hingestellt hat. Dabei dürfen wir dadurch ermutigt werden, dass das Reich Gottes wie ein Senfkorn ist, kleiner als alle Arten von Samen. Das Reich Gottes beginnt in unserem Leben in dem Unscheinbaren, es erwächst aus unserer intimen Beziehung zu Gott in unserem Herzen.
Das Reich Gottes wächst aus unserem Herzen heraus in die Beziehungen hinein, die wir mit anderen Menschen leben. Das Reich Gottes kann dieser Welt nicht „übergestülpt“ werden, sondern es durchdringt die Welt wie ein Sauerteig oder wie das Senfkorn, das wächst, größer wird als die Kräuter und zu einem Baum wird, der seine Äste zum Himmel hin ausstreckt.
Gerade das Prinzip der Durchdringung basiert auf vier wesentlichen Prämissen:
Ich muss an dieser Stelle intuitiv an die französische Widerstandsbewegung (oder jede andere) zur Zeit der Besatzung durch die Nazis während des zweiten Weltkrieges denken. Diese Widerstandsbewegung bestand nicht nur aus den einzelnen aktiven Kämpfern, sondern maßgeblich auch aus den vielen tausenden von Menschen, die sich an den Widerstandshandlungen beteiligten, in dem sie andere in ihren Wohnungen versteckt hielten, Nahrungsmittel beschafften oder ihre Fahrzeuge zur Verfügung stellten. Selbst so alltägliche Dinge wie das Backen, Kochen oder Waschen konnte lebensgefährlich sein, wenn es im Zusammenhang mit Widerstandshandlungen stand. Wer einen Widerstandskämpfer in seiner Wohnung unterbrachte, musste selbst ggf. mit dem Tod rechnen!
Hierzu ließen sich aus der Geschichte und der Gegenwart eine große Vielzahl von Beispielen nennen, dass jeder noch so „kleine Beitrag“ der Erreichung eines großen Ziels dient. Wir dürfen uns dessen immer bewusst sein, dass wir alle einen wichtigen Beitrag im Reiche Gottes haben, solange wir wirklich das Reich Gottes an die erste Stelle setzen!
Die Tatsache, dass das Reich Gottes im Kleinen beginnt, darf natürlich keine Entschuldigung für Ungehorsam oder Faulheit sein, nach dem Motto: „Ich lege mich zurück, denn das Reich Gottes muss eh´ langsam wachsen.“ Gerade weil das Reich Gottes wie ein Samenkorn wächst, ist es so wichtig, in allen Kleinigkeiten und in den großen Dingen Gott treu und gehorsam zu sein. Gerade weil ein jeder Einzelne solch eine wichtige Rolle spielt, kann sich niemand erlauben, sich zurückzulehnen.
Nachlässigkeit, Trägheit oder Egoismus haben ganze Königreiche zerstört und vielversprechende und gute Bewegungen am Ende „versanden“ lassen. Beispielsweise im Zusammenhang mit dem Widerstand gegen das Naziregime haben solche Nachlässigkeiten und Trägheiten Menschenleben gekostet.
Wir müssen uns also wirklich vor Augen halten, dass die scheinbare „Kleinheit“ des Beginns, oder aber die „Alltäglichkeit“ unserer Berufung, nicht zu vergleichen ist mit der Bedeutung und der Wichtigkeit der Berufung. Auch im Zusammenhang mit dem Bau des Reiches Gottes geht es um Leben und Tod, um Menschen, die gerettet werden oder ewig verloren gehen. Es liegt also die besondere Herausforderung darin, das Spannungsfeld auszuhalten, dass der Bau des Reiches Gottes im Kleinen beginnt, in unseren täglichen Interaktionen, in unserer Treue und Hingabe am Arbeitsplatz oder im Dienst an den Mitmenschen und dennoch von der höchsten Priorität und Wichtigkeit ist!
Egal ob als Politiker oder als Putzfrau: beide sind als Christen Könige und Priester, berufen mit einem herrlichen Ruf, der Wirkung für die Ewigkeit hat! Wir alle sind im Kleinen wie im Großen angehalten, der Berufung würdig zu leben, die an uns ergangen ist. Wir dürfen daran glauben, dass das Reich Gottes wächst, auch und gerade durch jeden Einzelnen von uns!
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