Wovon sein Vater träumte - Patricia Vandenberg - E-Book

Wovon sein Vater träumte E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Die schönsten Dr. Norden Romane in einer Serie zusammengefasst. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Er sucht nach Hintergründen, nach der Ursache, warum dem Patienten nicht zu helfen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. »Sollen wir dir ein Taxi schicken oder schaffst du's noch auf deinen eigenen Beinen?«, klang Dr. Daniel Nordens Stimme fröhlich durch den Park. Wie öfter in letzter Zeit joggte er mit seinem Sohn Danny und der Assistentin Janine Merck in der Mittagspause zum Ausgleich zur Arbeit eine Runde durch die nahe gelegenen Grünanlagen. »Schonen Sie ihn doch ein bisschen«, nahm Janine den Junior atemlos in Schutz. Sie lief fast gleichauf mit ihrem Chef, als Danny aufholte und es ihm gelang, wenigstens an ihr vorbeizuziehen. »Schließlich haben wir einen ziemlich großen Trainingsvorsprung.« Auf einer besonders idyllischen Lichtung blieb Daniel schließlich stehen und wartete auf seine Trainingspartner. Ein junger Mann, den er schon öfter im Park getroffen hatte, lief schon zum dritten Mal konzentriert an ihm vorbei und schien ihn gar nicht zu bemerken. »Es macht mir gar nichts aus, nicht so gut in Form zu sein wie ihr«, keuchte Danny, als er gleich darauf ebenfalls auf der Lichtung Halt machte. »Aber gegen eine Frau zu verlieren, das ist schon eine Schande!« Er stemmte die Hände auf die Oberschenkel und beugte sich vornüber. Janine schickte ihm einen bitterbösen Blick. »Soso, gegen eine Frau zu verlieren ist also eine Schande? In welchem Jahrhundert leben wir denn?«, fragte sie herausfordernd, und ihre Augen blitzten. »Wer als Letzter in der Praxis ist, muss Kuchen bei Frau Bärwald holen!« »Ich bin dabei!«

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Seitenzahl: 111

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Dr. Norden Liebhaber Edition – 21 –Wovon sein Vater träumte

Raphael muss eigene Wege gehen

Patricia Vandenberg

»Sollen wir dir ein Taxi schicken oder schaffst du’s noch auf deinen eigenen Beinen?«, klang Dr. Daniel Nordens Stimme fröhlich durch den Park. Wie öfter in letzter Zeit joggte er mit seinem Sohn Danny und der Assistentin Janine Merck in der Mittagspause zum Ausgleich zur Arbeit eine Runde durch die nahe gelegenen Grünanlagen.

»Schonen Sie ihn doch ein bisschen«, nahm Janine den Junior atemlos in Schutz. Sie lief fast gleichauf mit ihrem Chef, als Danny aufholte und es ihm gelang, wenigstens an ihr vorbeizuziehen. »Schließlich haben wir einen ziemlich großen Trainingsvorsprung.«

Auf einer besonders idyllischen Lichtung blieb Daniel schließlich stehen und wartete auf seine Trainingspartner. Ein junger Mann, den er schon öfter im Park getroffen hatte, lief schon zum dritten Mal konzentriert an ihm vorbei und schien ihn gar nicht zu bemerken.

»Es macht mir gar nichts aus, nicht so gut in Form zu sein wie ihr«, keuchte Danny, als er gleich darauf ebenfalls auf der Lichtung Halt machte. »Aber gegen eine Frau zu verlieren, das ist schon eine Schande!« Er stemmte die Hände auf die Oberschenkel und beugte sich vornüber.

Janine schickte ihm einen bitterbösen Blick.

»Soso, gegen eine Frau zu verlieren ist also eine Schande? In welchem Jahrhundert leben wir denn?«, fragte sie herausfordernd, und ihre Augen blitzten. »Wer als Letzter in der Praxis ist, muss Kuchen bei Frau Bärwald holen!«

»Ich bin dabei!« Während sein Vater Feuer und Flamme für diesen Vorschlag war, verdrehte Danny die Augen.

»Muss das sein?«, fragte er unlustig.

Doch Janine kannte keine Gnade.

»Auf die Plätze, fertig, los!«, zählte sie und spurtete los. Als geübte Läuferin hatte sie keine Probleme mit dem Tempo.

Doch Danny war wild entschlossen, sich keine Blöße zu geben. Er mobilisierte sämtliche Reserven und sprintete los und an seinen beiden Trainingspartnern vorbei.

»Ha, jetzt schaut ihr beiden ganz schön alt aus!«, frohlockte er atemlos, aber zufrieden.

Schon sah es so aus, als müsste Janine selbst zum Bäcker fahren, als sich das Blatt jäh wendete. Plötzlich knickte Danny ein und fasste sich mit einem Schrei an den Oberschenkel.

»Ahhhh, mein Bein!«, rief er eine Spur theatralisch. Er fiel zu Boden und umklammerte mit beiden Händen den Oberschenkel.

Sofort war sein Vater bei ihm. Janine kniete sich auf die andere Seite.

»Was ist passiert?«, erkundigte sich Dr. Norden besorgt.

»Ist der Muskel gezerrt?«, mutmaßte Janine.

»Bestimmt ein Muskelfaserriss«, stöhnte Danny. Als Daniel das Bein betastete, stöhnte er noch lauter auf. »Aua, verdammt! Du tust mir weh!«, beschwerte er sich lautstark über die seines Erachtens rüden Untersuchungsmethoden seines Vaters. »Ein Wunder, dass du überhaupt noch Patienten hast … wenn du mit allen so grob umgehst …«

Für diesen Kommentar hatte Daniel nur ein müdes Lächeln übrig.

»Jetzt stell dich mal nicht so an! Das ist ein ganz normaler Krampf«, gab er gleich darauf Entwarnung.

»Kommt in den besten Familien vor.« Auch Janine konnte sich einen spöttischen Kommentar nicht verkneifen, stand auf und lief weiter.

Auch Daniel erhob sich, half seinem Sohn auf und spurtete dann los.

Doch dem jungen Arzt war die Lust an sportlicher Aktivität fürs Erste vergangen.

»Ihr seid doch bloß neidisch, weil ich euch überholt hab«, schimpfte er den beiden schlecht gelaunt nach und machte sich humpelnd auf den Weg zurück in die Praxis, um am Nachmittag seine verlorene Wette einzulösen und ein paar leckere Süßigkeiten in der Bäckerei zu besorgen, in der seine Freundin Tatjana neben ihrem Studium arbeitete.

*

Normalerweise aß Dr. Nordens langjährige Assistentin Annemarie Wendel mit ihrer Freundin und Kollegin Janine selbstgekochte Köstlichkeiten zu Mittag. An den Tagen, an denen Janine zum Joggen ging, nutzte Wendy die Zeit jedoch, um private Dinge zu erledigen. Diesmal war sie beim Friseur gewesen und eben im Begriff, in die Praxis zurückzukehren, als ihr ein Wagen am Straßenrand auffiel. Als sie daran vorbei ging, schlug ihr Herz augenblicklich schneller.

»Wendy, halt!«, rief ihr eine bekannte, männlich-tiefe Stimme zu. »Bitte warte einen Augenblick!«

Sie stutzte einen Moment, dann drehte sie sich um und kehrte zögernd zurück.

»Hanno, das ist ja eine Überraschung!«, begrüßte sie ihren Jugendfreund, den sie vor einigen Wochen zufällig in der Praxis wiedergetroffen hatte.

Sofort waren alle Gedanken und Gefühle wieder da, die sie seit ihrem überstürzten Aufbruch von seinem Heidelberger Gutshof hartnäckig verdrängt hatte.

»Ich hoffe, eine schöne!«, erwiderte er, als er auf sie zukam.

Hannos Frau Helena war vor einigen Jahren gestorben. Seither lebte der Architekt und Immobilienmakler allein mit seiner Schwägerin auf dem Gutshof in Heidelberg. Ein Geschäft hatte ihn neulich nach München geführt, und mit einer harmlosen Beinverletzung war er in der Praxis Dr. Norden aufgetaucht. Wendy und Hanno hatten sich jede Menge zu erzählen gehabt, und die Gefühle von damals flammten wieder auf. Wendy ließ sich überreden, ein Wochenende auf dem Anwesen ihrer Jugendliebe zu verbringen. Allein Philomenas Anwesenheit und ihrer beständigen Nörgelei war es zu verdanken gewesen, dass sie vorzeitig die Flucht ergriffen hatte. Energisch schob sie diese unguten Erinnerungen beiseite und lächelte ihn freundlich an.

»Was machst du denn hier?«

Verlegen stand Hanno vor ihr und musterte sie mit fast zärtlichem Blick.

»Du hast mir gefehlt«, gestand er schließlich rau und streckte die Hand aus, um ihr eine Strähne des frisch frisierten Haares aus dem Gesicht zu streichen. »Du bist sehr schön. Hast du eine neue Frisur?«

Wendy war gerührt von dieser liebevollen Geste. Dabei hatte sie sich doch vorgenommen, hart zu bleiben.

»Ich komme gerade vom Friseur«, sagte sie leise und wusste vor Verlegenheit nicht, wo sie hinsehen sollte. »Was sagt deine Schwägerin dazu, dass du hier bist?«, stellte sie die naheliegende Frage.

»Lass doch mal Philo aus dem Spiel«, bat Hanno ein wenig ungeduldig.

»Das kann ich leider nicht, und das weißt du genau. Sie ist der Grund, warum ich den Kontakt abgebrochen habe. Sie und deine Frau Helena.«

Hanno seufzte.

»Es tut mir leid, wie das alles gelaufen ist.« Er ging zurück zum Wagen und zauberte einen riesigen Blumenstrauß hervor, der auf dem Rücksitz gelegen hatte. »Ich habe lange über deine Worte nachgedacht und mich dazu entschlossen, mein Leben zu ändern. Gemeinsam mit dir will ich die Fenster aufreißen und frischen Wind hereinlassen«, wiederholte er die Worte, die Wendy ihm zum Abschied gesagt hatte. »Willst du mir dabei helfen?«, fragte er heiser.

Ungläubig starrte Wendy auf die Blumen. Nie zuvor in ihrem Leben hatte sie einen herrlicheren Strauß bekommen. Hannos Worte taten ein Übriges, ihr Herz höher schlagen zu lassen.

»Bist du dir denn sicher, dass Philomena das zulässt?«, äußerte sie dennoch ihre Zweifel. Schwager und Schwägerin schienen über die Jahre eine nahezu symbiotische Beziehung aufgebaut zu haben, die keinen Dritten duldete. Zumindest war es das gewesen, was Philomena Wendy mit ihren intriganten Spielchen zu verstehen gegeben hatte.

Doch Hanno schien diese Bedenken nicht zu teilen.

»Philo weiß, dass ich hier bin, um um dich zu kämpfen. Sie hat nichts dagegen gesagt.« Er legte die Hände auf Wendys Schultern und sah sie innig an. »Sie kann auf Dauer nicht anders, als unsere Beziehung gutzuheißen.«

»Ich wünschte wirklich, ich könnte das glauben«, gab Wendy unsicher zurück.

Lächelnd schüttelte Hanno den Kopf. Er fühlte, wie ihr innerer Widerstand bröckelte.

»Und ich kann einfach nicht glauben, dass zwei so einzigartige Frauen nicht Freundinnen werden sollten. Ich verspreche dir, dass ich das klären werde. Aber jetzt haben wir erst einmal ein paar Tage ganz für uns allein. Natürlich nur, wenn du willst.«

Wendy war hin und her gerissen. Sie fühlte sich zu Hanno hingezogen, verstand sich so gut mit ihm wie lange nicht mit einem Mann. Trotzdem zögerte sie, nichts ahnend, wohin diese Sache führen sollte. Das lag nicht allein an Hannos Schwägerin. Sie bangte außerdem um ihre Freiheit, um das unabhängige Leben, das sie sich in all den Jahren so schön eingerichtet hatte. Aber das sagte sie Hanno nicht. Vielleicht musste nicht nur er die Fenster aufreißen und frischen Wind in sein Leben lassen. Vielleicht musste sie dasselbe tun.

»Also gut, einen Versuch ist es wert«, erklärte Wendy sich endlich einverstanden. »Aber zuerst muss ich noch ein paar Stunden arbeiten.« Aus den Augenwinkeln sah sie, wie ihre drei Mitstreiter von ihrer Joggingrunde zurückkehrten.

»Dann sehen wir uns heute Abend?« Hannos Augen leuchteten vor Freude, als sie nickte. »Ich hol dich ab.« Und dann konnte er nicht länger an sich halten und zog sie an sich, um sie in aller Öffentlichkeit auf der Straße zu küssen.

»Aber Hanno«, keuchte Wendy atemlos, als er sie endlich wieder losließ.

Der lachte unbeschwert und stieg in seinen Wagen.

»Du machst mich zum glücklichsten Mann der Welt!«, rief er ihr noch zu, bevor er die Tür zuschlug und davonfuhr.

*

Als begeisterter Sportler ging auch Stephan Hagedorn fast täglich zum Laufen, meist mit seinem 18-jährigen Sohn Raphael. Dieses Programm ergänzten die beiden durch regelmäßige Besuche im Fitnessstudio.

»Hallo, Kai, wie geht’s?«, begrüßte Stephan den Trainer des Studios, den er seit Jahren kannte.

»Alles klar!«

»Ist Raphael schon da? Ich hab ihn am Handy wieder mal nicht erreicht.«

»Der ist vor ’ner guten Stunde vom Laufen direkt hierher gekommen.«

Unwillig schüttelte Stephan den Kopf.

»Sein Trainingsplan sieht eigentlich was anderes vor.« Er schulterte seine Tasche und ging durch das Studio zur Umkleide. Auf dem Weg dorthin entdeckte er seinen Sohn, der vor einem Spiegel Hanteln stemmte.

»Hey, Sportsfreund. Alles klar?«

»Dad! Auch schon aufgestanden?« Während Raphael sich mit den Gewichten abmühte, rang er sich ein Lächeln ab.

»Nicht so frech, mein Lieber«, grinste Stephan. »Im Gegensatz zu dir muss ich zwischendurch auch mal arbeiten. Was hast du denn heute schon getrieben?«

»Och, nicht viel. Ausgeschlafen, gefrühstückt. Dann bin ich vor ’ner guten halben Stunde hergekommen«, erwiderte der junge Mann lapidar und legte die Gewichte zurück. Er lockerte die Muskeln und begutachtete seinen Körper kritisch im Spiegel.

»Da hab ich aber was anderes gehört«, gab Stephan unwillig zurück.

Einerseits schätzte er den Eifer seines Sohnes, der das erreichen wollte, was sein Vater nie geschafft hatte. Er wollte Profilangstreckenläufer werden. Anderseits fürchtete er, dass Raphael mit seinem harten Training über das Ziel hinausschießen könnte. »Übertreib es nicht. Wir haben doch extra einen Plan zusammen ausgearbeitet.«

»Ich pass schon auf.« Raphael griff nach den nächsten Gewichten und wollte sie stemmen, als er plötzlich aufstöhnte und sein rechtes Knie kurz nachgab.

»Was ist los?«, fragte Stephan sofort alarmiert.

»Nichts. Hab mir beim Laufen heute das Knie verdreht. Aber es geht schon wieder.« Tapfer biss Raphael die Zähne zusammen. Auf keinen Fall wollte er vor seinem Vater eine Schwäche zeigen. Schon gar nicht, seit der nach der Trennung von seiner Mutter Lydia eine neue Frau kennengelernt hatte. Seither wurde Raphael von noch größeren Verlustängsten geplagt, und er sah nur einen Weg, sich ins Gedächtnis seines Vaters einzubrennen: Er musste eine einzigartige Läuferkarriere hinlegen. Tapfer lächelte er Stephan an.

»Bist du sicher?«, fragte der skeptisch.

»Klar.« Zum Beweis griff Raphael nach den Hanteln, die noch mehr wogen, und stemmte sie mit einem Ruck hoch in die Luft.

Fasziniert sah der stolze Vater dabei zu.

»Du bist einfach ein Teufelskerl!«, entfuhr es ihm. »Ich war seinerzeit genauso zielstrebig wie du. Leider hat bei mir der Körperbau einfach nicht gepasst. Zu kurze Beine. Deshalb ist aus der Profikarriere nichts geworden«, erinnerte er sich noch immer an den Tag, als ihm der Trainer mit dieser Einschätzung die bitterste Enttäuschung seines Lebens bereitet hatte. »Aber du wirst es schaffen. Mein Sohn! Einfach unglaublich.« Stephans anerkennender Blick ruhte auf Raphael, bis er in die Gegenwart zurückkehrte. »So, und jetzt machst du Schluss für heute. Das reicht.« Er klopfte dem jungen Mann auf die Schulter und lächelte in sein schweißnasses Gesicht. »Ich trainiere noch ein bisschen.« Gut gelaunt ging er in die Umkleide und stand wenige Minuten später auf dem Laufband. Raphael hatte sich seinen Rat zu Herzen genommen und gesellte sich kurz darauf frisch geduscht zu ihm. Er grinste breit, als er sah, dass Stephan in mäßigem Tempo auf dem Band ging.

»Soll ich’s ein bisschen schneller machen, Papa?«, fragte er frech und streckte schon die Hand aus, um eine schnellere Gangart einzustellen.

»Halt, halt, schließlich bin ich ein alter Mann!«, wehrte sich Stephan lachend gegen diese Herausforderung. »Ich muss mich ordentlich warm machen.«

Damit war Raphael einverstanden.

»Alles klar. Bis morgen dann.«

Das erinnerte Stephan an etwas.

»Oh, gut, dass du es sagst. Morgen hab ich leider keine Zeit. Paula hat mir Kinokarten geschenkt«, erklärte er bedauernd. »Es macht dir doch hoffentlich nichts aus?«

»Schon gut.«

Ein heißer Stich durchfuhr Raphaels Herz. Als er sich umdrehte, machte er einen gedankenlosen, großen Schritt. Sein Körper rächte sich sofort dafür. Der Schmerz durchfuhr ihn wie ein Messerstich, und er stöhnte gequält auf.

»Bist du sicher, dass alles in Ordnung ist?«, erkundigte sich sein Vater besorgt.

»Alles gut! Ist nur das Knie. Ich schätze mal, ich hab’s heut ein bisschen übertrieben«, winkte Raphael scheinbar lässig ab und machte sich auf den Heimweg, zerfressen von der Sorge, dass sein Vater bald keine Zeit mehr für ihn haben, mit seiner Freundin eine neue Familie gründen und seinen erwachsenen Sohn bald vergessen haben würde. Und erneut wuchs in Raphael die Sicherheit, dass er das nur verhindern konnte, indem er Stephan nicht enttäuschte.

*

»Mein armer, schwarzer Kater!«, erklärte Tatjana Bohde in Erinnerung an das alte Kinderspiel und streichelte Danny ein bisschen spöttisch über die Wange.