1,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 1,99 €
Georg Büchners "Woyzeck" ist ein Aufbruch in die Tiefen menschlicher Existenz, der die prekäre Lage eines einfachen Soldaten beleuchtet. In fragmentarischer Erzählweise und mit einem eindringlichen Sprachstil vermittelt das Drama die innere Zerrissenheit und soziale Ausgrenzung des Protagonisten Woyzeck, der als Versuchskaninchen eines skrupellosen Arztes in einer von Krieg und Ungerechtigkeit geprägten Welt gefangen ist. Der Text, unvollendet und posthum veröffentlicht, versteht sich als frühes Beispiel des Realismus und trägt Elemente des Expressionismus in sich, wodurch Büchner die gesellschaftlichen Missstände und das Elend der Unterschicht eindrucksvoll persifliert. Georg Büchner, ein junger Dramatiker, Naturwissenschaftler und Revolutionär des 19. Jahrhunderts, schuf dieses wegweisende Werk in einer Zeit politischer Umwälzungen und sozialer Umbrüche. Sein Engagement für soziale Gerechtigkeit und seine kritische Haltung gegenüber Autoritäten spiegeln sich in der Gestaltung seiner Charaktere wider, die oft zwischen Hoffnung und Verzweiflung schwanken. Büchners eigenes Leben, geprägt von Krankheit und einem frühen Tod, verleiht seinen Schriften eine besondere Brisanz und emotionale Tiefe. "Woyzeck" ist ein unverzichtbares Werk der deutschen Literatur, das den Leser nicht nur zum Nachdenken anregt, sondern auch eine verstörende Reflexion über das Menschsein bietet. Diese tragische Erzählung ist nicht nur eine literarische Meisterleistung, sondern auch ein eindringlicher Kommentar zu den sozialen Bedingungen seiner Zeit. Jeder, der sich mit den Themen Identität, Not und menschlicher Abgrünnis auseinandersetzen möchte, sollte sich diesem zeitlosen Werk widmen.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2020
Georg Büchner
Dieses Stück ist ein Fragment. Es gibt keine einzig richtige Reihenfolge der einzelnen Szenen, denn sie sind weder nummeriert noch in Akte aufgeteilt.
Die hier vorliegende Reihenfolge stimmt mit der Verfilmung mit Klaus Kinski in der Hauptrolle überein, vom Ende vielleicht einmal abgesehen.
Das Stück spielt in Darmstadt, die Figuren sprechen größtenteils in dortigem Dialekt. Deshalb haben im Hochdeutschen grammatikalisch falsche Konstruktionen hier seine Richtigkeit.
Woyzeck Marie Hauptmann Doktor Tamboumajour Unteroffizier Andres Margret Budenbesitzer Marktschreier Alter Mann mit Leierkasten Jude Wirt Erster Handwerksbursch Zweiter Handwerksbursch Käthe Narr Karl Grossmutter Erstes, zweites, drittes Kind erste, zweite Person Polizeikommissar
Soldaten. Studenten. Burschen und Mädchen Kinder. Volk
Woyzeck
Beim Hauptmann
[Hauptmann auf dem Stuhl, Woyzeck rasiert ihn.]
HAUPTMANN: Langsam, Woyzeck, langsam; eins nach dem andern! Er macht mir ganz schwindlig. Was soll ich dann mit den 10 Minuten anfangen, die Er heut zu früh fertig wird? Woyzeck, bedenk Er, Er hat noch seine schönen dreißig Jahr zu leben, dreißig Jahr! Macht dreihundertsechzig Monate! und Tage! Stunden! Minuten! Was will Er denn mit der ungeheuren Zeit all anfangen? Teil Er sich ein, Woyzeck!
WOYZECK: Jawohl, Herr Hauptmann.
HAUPTMANN: Es wird mir ganz angst um die Welt, wenn ich an die Ewigkeit denke. Beschäftigung, Woyzeck, Beschäftigung! Ewig: das ist ewig, das ist ewig - das siehst du ein; nur ist es aber wieder nicht ewig, und das ist ein Augenblick, ja ein Augenblick - Woyzeck, es schaudert mich, wenn ich denke, daß sich die Welt in einem Tag herumdreht. Was 'n Zeitverschwendung! Wo soll das hinaus? Woyzeck, ich kann kein Mühlrad mehr sehen, oder ich werd melancholisch.
WOYZECK: Jawohl, Herr Hauptmann.
HAUPTMANN: Woyzeck, Er sieht immer so verhetzt aus! Ein guter Mensch tut das nicht, ein guter Mensch, der sein gutes Gewissen hat. - Red er doch was Woyzeck! Was ist heut für Wetter?
WOYZECK: Schlimm, Herr Hauptmann, schlimm: Wind!
HAUPTMANN: Ich spür's schon. 's ist so was Geschwindes draußen: so ein Wind macht mir den Effekt wie eine Maus. - [Pfiffig:] Ich glaub', wir haben so was aus Süd-Nord?
WOYZECK: Jawohl, Herr Hauptmann.
HAUPTMANN: Ha, ha ha! Süd-Nord! Ha, ha, ha! Oh, Er ist dumm, ganz abscheulich dumm! - [Gerührt:] Woyzeck, Er ist ein guter Mensch —aber— [Mit Würde:] Woyzeck, Er hat keine Moral! Moral, das ist, wenn man moralisch ist, versteht Er. Es ist ein gutes Wort. Er hat ein Kind ohne den Segen der Kirche, wie unser hocherwürdiger Herr Garnisionsprediger sagt - ohne den Segen der Kirche, es ist nicht von mir.
WOYZECK: Herr Hauptmann, der liebe Gott wird den armen Wurm nicht drum ansehen, ob das Amen drüber gesagt ist, eh er gemacht wurde. Der Herr sprach: Lasset die Kleinen zu mir kommen.
HAUPTMANN: Was sagt Er da? Was ist das für eine kuriose Antwort? Er macht mich ganz konfus mit seiner Antwort. Wenn ich sag': Er, so mein' ich Ihn, Ihn -
WOYZECK: Wir arme Leut - Sehn Sie, Herr Hauptmann: Geld, Geld! Wer kein Geld hat - Da setz einmal eines seinesgleichen auf die Moral in der Welt! Man hat auch sein Fleisch und Blut. Unsereins ist doch einmal unselig in der und der andern Welt. Ich glaub', wenn wir in Himmel kämen, so müßten wir donnern helfen.
