Wünsche in Papier gehüllt - Klaus Ulaszewski - E-Book

Wünsche in Papier gehüllt E-Book

Klaus Ulaszewski

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Beschreibung

In einem Dorf am 9. Mai 1945. Was kann der kleine Emil von diesem besonderen Tag noch erwarten, nachdem der Vater das mit Mühe besorgte Geburtstagsgeschenk vergisst. Doch bevor Emil den Tag mit hängendem Kopf beschließen muss, kommt dem Vater eine rettende Idee.

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Seitenzahl: 21

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Klaus Ulaszewski

Wünsche in Papier gehüllt

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

1

2

3

Impressum neobooks

1

Auf diesen besonderen Tag freute Emil sich schon lange. Putzmunter hüpfte er aus dem Bett. Noch im Nachtpolter setzte er sich an den Küchentisch, aß die von der Mutter mit Rübensirup bestrichene Scheibe Graubrot und trank dazu den in einer Warmhaltekanne bereitstehenden Hagebuttentee. Dann lief er ins Bad, putzte sich eilig die teils wackligen, aber noch komplett erhaltenen Milchzähne und rannte wieder zurück in sein Zimmer. Dort schlüpfte er in die bereitgelegte Kniebundhose, streifte den von der Oma gestrickten Pullover über und zog die schon bedenklich abgelaufenen Sandalen an. Wieder in der Küche verstaute er die Pausenbrote im ledernen Tornister, den er sogleich schulterte, und vergewisserte sich mit einem letzten Blick in die Wohnung, dass er auch nichts vergessen hatte.

An der Wohnungstür dachte er: ›Gut, dass die Schule wieder geöffnet ist.‹ Wie sonst sollte er den Tag bloß überstehen.

Er zog die Tür ins Schloss, drehte den Schlüssel zwei Mal herum, so wie es ihm die Eltern für den Fall auftrugen, dass er als Letzter das Haus verlassen würde, und machte sich auf den Weg. Übermütig warf er Arme und Beine von sich, lief über den Marktplatz, vorbei am Rathaus, den Kirchweg hinauf, an der ockerfarbenen Marienkapelle vorbei und dann in den Schulweg hinein bis er, schneller als üblich, vor dem schmiedeeisernen Zugangstor stand.

Wie jeden Morgen, wenn er den Schulhof betrat, prüfte er auf der Uhr über dem - wie er es empfand - für eine Volksschule viel zu bedeutsam geratenen Eingangsportal seine Ankunftszeit. Meistens war es knapp. Heute blieben ihm noch einige Minuten.

Er hielt Ausschau nach Konrad und Peggy. Am Ende des Hofes, gleich neben ihrer Lieblingspausenbank, sah er die beiden in der Hocke sitzen.

Schon während er zu ihnen lief, löste er den Tornister vom Rücken, kramte, kaum angekommen, eine Handvoll bunter Glasmurmeln heraus und ließ sie nacheinander in eine kleine Mulde rollen, in der sie mit einem ›Klick, Klickklick, Klickklick‹ auf die Kugeln der Freunde trafen. Noch einige Male rollten die Kügelchen in die Vertiefung, bis die weit über das Dorf hinaus zu hörende Schulklingel den Unterrichtsbeginn ankündigte.

Der Unterricht war seltsam an diesem Vormittag. Frau Sutter vergaß ihre übliche Strenge und begann mit den Worten »Der Krieg ...« eine lange Rede, der Emil aber nicht folgen konnte, weil er träumend aus dem Fenster schaute.