Zartbittere Gefühle - Patricia Vandenberg - E-Book

Zartbittere Gefühle E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Nun gibt es eine Sonderausgabe – Dr. Norden Extra Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. »Findet ihr nicht, dass es langsam an der Zeit ist, an Frau und Kinder zu denken?«, fragte Magnus Dexter mit brüchiger Stimme und richtete seine wasserblauen Augen auf seine Söhne Oliver und Alexander. Die drei Männer saßen im Kaminzimmer des herrschaftlichen Anwesens beisammen, ein Feuer knisterte, und der sanfte Schein verbreitete eine heimelige Atmosphäre. Doch das romantische Bild trügte. Der Alte hatte nicht im Sinn, Zweifel an seinem Vorhaben aufkommen zu lassen. »Ich bin nicht mehr der Jüngste«, fuhr er fort, als er keine Antwort von seinen Söhnen bekam. »Und ich möchte noch meinen Erben zu Gesicht bekommen, ehe ich diese Welt verlasse.« »Deine Erben sitzen vor dir«, erklärte Oliver und streifte seinen Bruder mit einem Seitenblick. »Ihr wisst genau, was ich meine. Muss ich deutlicher werden?« »Ich habe keine Ahnung, wovon du sprichst, Vater. Oli und ich werden uns die Verwaltung der Häuser und des Vermögens teilen. Das ist doch schon lange geklärt.« Unruhig rutschte Alexander auf seinem gepolsterten Stuhl hin und her. Wenn Magnus so ernst mit ihnen sprach, führte er meist nichts Gutes im Schilde. »Gar nichts ist geklärt. Ich möchte einen Enkelsohn, habe ich mich jetzt deutlich genug ausgedrückt? In eurem Alter war ich schon lange verheiratet und nahm meine Pflichten wahr.

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Seitenzahl: 121

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Dr. Norden Extra – 97 –Zartbittere Gefühle

Wo warst du, als ich einsam war?

Patricia Vandenberg

»Findet ihr nicht, dass es langsam an der Zeit ist, an Frau und Kinder zu denken?«, fragte Magnus Dexter mit brüchiger Stimme und richtete seine wasserblauen Augen auf seine Söhne Oliver und Alexander. Die drei Männer saßen im Kaminzimmer des herrschaftlichen Anwesens beisammen, ein Feuer knisterte, und der sanfte Schein verbreitete eine heimelige Atmosphäre. Doch das romantische Bild trügte. Der Alte hatte nicht im Sinn, Zweifel an seinem Vorhaben aufkommen zu lassen. »Ich bin nicht mehr der Jüngste«, fuhr er fort, als er keine Antwort von seinen Söhnen bekam. »Und ich möchte noch meinen Erben zu Gesicht bekommen, ehe ich diese Welt verlasse.«

»Deine Erben sitzen vor dir«, erklärte Oliver und streifte seinen Bruder mit einem Seitenblick.

»Ihr wisst genau, was ich meine. Muss ich deutlicher werden?«

»Ich habe keine Ahnung, wovon du sprichst, Vater. Oli und ich werden uns die Verwaltung der Häuser und des Vermögens teilen. Das ist doch schon lange geklärt.« Unruhig rutschte Alexander auf seinem gepolsterten Stuhl hin und her. Wenn Magnus so ernst mit ihnen sprach, führte er meist nichts Gutes im Schilde.

»Gar nichts ist geklärt. Ich möchte einen Enkelsohn, habe ich mich jetzt deutlich genug ausgedrückt? In eurem Alter war ich schon lange verheiratet und nahm meine Pflichten wahr. Ihr hingegen lebt unbekümmert euer Lotterleben, verprasst mein sauer verdientes Geld und denkt gar nicht daran, eine Verpflichtung einzugehen. Damit ist jetzt ein für alle Mal Schluss.« Magnus räusperte sich ausgiebig und nahm einen tiefen Schluck aus seiner Teetasse. »Derjenige, der mich zuerst zum Großvater eines Jungen macht, erbt das gesamte Vermögen. Punktum.«

»Das ist nicht dein Ernst, Vater.«

»Du kannst doch nicht wollen, dass ich irgendeine Frau heirate, nur damit du einen Enkelsohn bekommst«, empörte sich Alexander.

»Ich will, dass ihr anfangt, eure Liebschaften und das Leben ernst zu nehmen. Das ist alles. Und jetzt will ich nicht mehr davon sprechen. Ich bin müde und werde ein wenig schlafen. Oliver, geh und hol Anni. Sie soll mir helfen.«

»Aber Vater ...«.

»Hast du nicht gehört, was ich gesagt habe?«, für Magnus war das Gespräch unwiderruflich beendet. Er lehnte sich in seinem Ohrenbackensessel zurück, schloss die Augen und atmete geräuschvoll ein und aus.

Oliver, der wusste, dass jedes weitere Wort nutzlos war, erhob sich seufzend und mit bitterer Miene. Alexander stand ebenfalls auf und folgte ihm. Schon arbeiteten die Gedanken in seinem Kopf, und er betrachtete seinen Bruder argwöhnisch.

»Wie läuft es denn eigentlich zwischen dir und Elena?«

Aufgebracht musterte Oliver den Jüngeren.

»Hätte ich es mir doch denken können. Du lässt dich also aus lauter Geldgier auf dieses faule Geschäft ein.«

»Haben wir eine andere Wahl?«

»Statt uns durch so eine Geschichte entzweien zu lassen, sollten wir zusammenhalten und überlegen, was jetzt zu tun ist«, erklärte Oliver ernst.

Alexander warf ihm einen hämischen Blick zu.

»Tu doch nicht so, als wären wir beide die besten Freunde. Zeit unseres Lebens wachen wir eifersüchtig darüber, dass der andere nicht bevorzugt wird. Vater hat mit seiner Forderung nichts anderes getan, als den Kampf offiziell zu machen.«

Oliver antwortete nicht sofort. Er bedachte seinen Bruder mit einem eingehenden Blick. Schließlich seufzte er.

»Schade, dass du es so siehst. Im Grunde genommen hatte ich die Hoffnung nie aufgegeben, dass wir uns eines Tages wirklich näherkommen könnten. Aber ich habe mich wohl geirrt, was ich sehr bedauerlich finde«, sagte er aufrichtig. »Nun habe ich allerdings keine Zeit mehr. Ich muss Anni suchen. Vater braucht sie.«

Mit diesen Worten verschwand er in der weitläufigen Halle, um die Pflegerin seines Vaters zu suchen.

Alexander blickte ihm achselzuckend nach, ehe auch er sich umwandte und pfeifend, mit den Händen in den Hosentaschen, seines Wegs ging, um sich den angenehmen Dingen des Lebens zu widmen.

*

»Das Leben hat auch durchaus angenehme Seiten.«

Marion Schott saß in der kleinen Küche der Wohnung, die sie sich mit ihrer Freundin Thea und deren Sohn Steffen teilte.

Sie hatte die Füße hochgelegt und wärmte sich die Hände an einer Tasse Tee.

Thea, die in der kleinen Küche herumhantierte, seufzte.

»Unter angenehm verstehe ich etwas anderes. Wenn wenigstens die Heizung richtig funktionieren würde. Und ich bin schon wieder knapp bei Kasse. Ach, so ein Millionärssohn, das wäre schon etwas.«

»Da kannst du lange träumen. Ich verlasse mich da lieber auf Realitäten. Lex ist zwar kein reicher Mann, dafür liebt er mich von ganzem Herzen.«

»Wie kannst du dir dessen so sicher sein? Du kennst ihn doch kaum, warst noch nie bei ihm zu Hause, und selbst aus seinen Freunden macht er ein Geheimnis«, stellte Thea sachlich fest. Sie hatte ihre Hausarbeit beendet und setzte sich nun ebenfalls an den Tisch, um mit ihrer Freundin und Mitbewohnerin zu plaudern. »Zumindest mir könntest du ihn wenigstens einmal vorstellen.«

»Lex mag das noch nicht. Er hat schon zu viele schlechte Erfahrungen gemacht. Warum willst du das nicht akzeptieren?«

»Weil ich Geheimnistuerei nicht ausstehen kann. Das macht alles schon wieder so kompliziert und klingt beileibe nicht nach ernsten Absichten.«

»Du bist ja nur neidisch, weil du keinen abkriegst«, lachte Marion ein wenig überheblich.

»Nein, wirklich nicht. Ich möchte Steffen nur nicht alle paar Wochen einen neuen Mann zumuten und treffe meine Auswahl daher sorgfältig.«

»Hör mal, deinen letzten Freund hattest du vor zwei Jahren. Und Stef ist inzwischen elf Jahre alt. Da verkraftet er schon mal einen Mann neben sich. Willst du dein Leben in den nächsten Jahren als Nonne verbringen?«

»Ich bin eben wählerisch. Wenn ich mich auf eine neue Liebe einlasse, dann möchte ich diesmal wissen, dass es der Richtige ist. Von Experimenten habe ich die Nase voll. Aber was ist denn mit dir? Du bist ja auf einmal ganz bleich«, fragte Thea und starrte ihre Freundin erschrocken an.

Tatsächlich war Marion innerhalb von Sekunden leichenblass geworden und presste ihre Hand auf den Bauch.

»Ich weiß auch nicht. Diese merkwürdigen Krämpfe habe ich schon seit einiger Zeit. Sie kommen ganz plötzlich und dauern immer nur kurz.«

»Du solltest zum Arzt gehen.«

»Ach was, das geht schon wieder vorbei«, winkte Marion leichtfertig ab und versuchte ein Lächeln.

»Solche Dinge darfst du nicht auf die leichte Schulter nehmen«, blieb Thea jedoch hart. »Weißt du was? Ich bin später ohnehin bei Dr. Norden, um ein Rezept für Steffen abzuholen. Dann mache ich gleich einen Termin für dich aus.«

»Wenn es unbedingt sein muss, Mama«, sagte Marion ironisch.

Thea ließ sich davon nicht beirren.

»Natürlich. Und jetzt muss ich los, ein paar neue Termine für die Stadtführungen ausmachen. Bis später.« Thea erhob sich, stellte ihre Tasse in die Spüle und lächelte Marion zu. Dann verließ sie die Küche. Wenig später klappte die Wohnungstür zu, und Marion wusste, dass sie alleine war. Sie lauschte in sich hinein. Die Krämpfe waren ebenso plötzlich verschwunden, wie sie gekommen waren, und das Wohlgefühl kehrte zurück. Schnell verdrängte Marion die Angst. Da war es angenehmer, an Lex zu denken, den großen Geheimnisvollen, der ihr Leben seit einigen Monaten mit seiner Liebe verzauberte. Marion war überzeugt davon, dass tatsächlich Magie im Spiel war. Und wenn dann, wie in diesem Augenblick, auch noch das Telefon klingelte, konnte sie ihre Begeisterung kaum in Zaum halten.

»Liebster, ich wusste, dass du es bist«, jubelte sie ins Telefon, als Lex sich mit seiner sympathischen Jungenstimme meldete. »Hast du gespürt, wie sehr ich an dich denke?«

Alexander konnte sich ein Lachen nur schwer verkneifen. Für ihn war die Geschichte mit Marion nicht mehr als ein amüsantes Spiel, und ihr Glaube an die übernatürliche Kraft ihrer Liebe bereitete ihm großen Spaß.

»Liebste, ich fühlte, wie dein Herz nach mir rief. Da bin ich sofort zum Telefon geeilt, um deine geliebte Stimme zu hören.«

»Du bist so unglaublich romantisch, Lex. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal einen Mann wie dich finden würde. Es ist zu schön, um wahr zu sein.«

»Das finde ich auch, mein Engel. Aber ich habe wenig Zeit. Leider muss ich unsere Verabredung für heute absagen. Mein Vater hat einen Auftrag für mich, den ich umgehend erledigen muss. Und ich habe dir doch erzählt, wie launisch und krank der alte Mann ist. Ich kann ihn unmöglich warten lassen«, log er ungeniert.

Marion unterdrückte ein enttäuschtes Seufzen.

»Schade, aber ich verstehe das schon.«

»Du bist eine wunderbare Frau. Morgen klappt es bestimmt. Das verspreche ich dir.«, er hauchte einen Kuss in den Hörer, es klickte in der Leitung. Das Gespräch war beendet.

Marion bedachte den Hörer mit einem tieftraurigen Blick. Das wunderschöne Gefühl war schlagartig verschwunden. Stattdessen fühlte sie eine abgrundtiefe Enttäuschung. Ihr Magen krampfte sich erneut schmerzhaft zusammen.

»Ja, ja, tu nur weh. So werde ich wenigstens an meine eigene Dummheit erinnert, immer nur zu warten.«

Sie atmete tief ein und aus, um den Schmerz zu bewältigen. Als der Krampf langsam nachließ, erhob sie sich vorsichtig. Trotz aller Enttäuschung war es an der Zeit, sich an ihre Arbeit als Übersetzerin zu machen. Ein dicker Stapel Papier wartete auf ihrem Schreibtisch. »Arbeit ist die beste Medizin«, murmelte Marion. Doch ganz überzeugen konnte sie sich selbst nicht davon.

Nachdem Alexander sich so geschickt aus der Affäre gezogen hatte, machte er sich auf den Weg in den Tennisklub, um seinen besten Freund zu treffen. Die Forderung seines Vaters hatte ihn doch mehr verunsichert, als ihm lieb war. Er brauchte einen Rat, was zu tun war.

»Was machst du denn für ein Gesicht?«, erkundigte sich sein bester Freund Hanno Wolter, nachdem sie sich mit großem Hallo begrüßt hatten. In knappen Sätzen berichtete Alexander vom Gespräch mit seinem Vater.

»Verstehe. Offenbar will er deinem entspannten Leben ein Ende bereiten.«

»Zumindest was die Frauen anbelangt.«

»Das würde ich nicht so eng sehen. Sieh mal, von einer Frau kann man sich immer wieder trennen«, wandte Hanno ein. »Und dein Vater ist auch nicht mehr der Jüngste. Es gilt also, höchstens ein paar Jahre zu überbrücken. Und wir haben doch schon ganz andere Sachen geschafft, nicht wahr?«

»Ich weiß nicht. Der Gedanke, mich an eine Frau zu binden, erscheint mir ganz und gar unerträglich.«

»Warum schlägst du ihr dann nicht ein Geschäft vor? Scheinehen werden überall auf der Welt geschlossen. Warum nicht zu diesem Zweck? Sie erhält eine angemessene Aufwandsentschädigung dafür, dass sie deinem Sohn das Leben schenkt und die perfekte Ehefrau und Mutter mimt. Dafür behältst du alle Freiheiten. Natürlich darf dein Vater nichts davon merken.«

Alexander bedachte Hanno mit einem abwesenden Blick, während er sich diesen Vorschlag durch den Kopf gehen ließ. Schließlich erhellte sich seine Miene.

»Keine schlechte Idee, ich muss schon sagen«, lächelte er hintergründig.

»Sag’ ich doch. Und ein geeignetes Opfer hast du auch schon. Wie heißt das Mädchen, das so vernarrt ist in dich?«

»Marion? Ich glaube kaum, dass sie sich auf so ein Geschäft einlässt. Sie hält mich für ihre große Liebe, glaubt an Magie und derlei Unsinn. Wenn ich ihr sage, dass ich sie nur für geschäftliche Zwecke brauche, wird sie mir die Augen auskratzen.«

»Im ersten Moment wird sie vielleicht böse sein. Aber wenn sie dich wirklich liebt, wird sie bei dir bleiben und dir verzeihen. Das verspreche ich dir. Ich kenne die Frauen inzwischen«, gab Hanno kühl zurück.

»Auf jeden Fall ist die Idee wirklich nicht schlecht«, wich Alexander aus. »Mal sehen, ob es nicht noch ein anderes geeigneteres Opfer gibt. Wenn die Verhältnisse von vornherein klar sind, habe ich weniger Schwierigkeiten.«

»Du gehst wohl immer den Weg des geringsten Widerstandes, was?«

»Das Leben ist zu kurz, um sich unnötigen Ärger zu machen. Aber nun sollten wir eine Runde Tennis spielen. Schließlich sind wir nicht zum Vergnügen hier«, forderte Alexander seinen Freund Hanno auf. Der nahm die Herausforderung gerne an, und kurz darauf war das leidige Thema über einer leidenschaftlichen Partie Tennis gänzlich in den Hintergrund getreten.

*

Von den Gesprächen, die über ihre Freundin Marion geführt wurden, hatte Thea Kasprik keine Ahnung. Sie hatte viele Sorgen und Probleme, als dass sie sich mit Liebesgeschichten beschäftigen konnte und wollte.

Seit der Trennung von ihrem Mann Udo war die Liebe für Thea ohnehin kein Thema mehr. Hin und wieder hatte sie zwar Männerbekanntschaften gemacht, die aber nie in die Tiefe gegangen waren. Keiner war ihr gut genug für ihren Sohn Steffen, und so verzichtete sie lieber, als ihn einer unnötigen Belastung auszusetzen. Das erzählte sie auch Wendy, mit der sie am Tresen der Arztpraxis Dr. Norden plauderte. Durch die Erkrankung von Steffen und die dadurch notwendigen häufigen Arztbesuche war ein regelrechtes Vertrauensverhältnis zwischen ihnen entstanden.

»Ich habe mir mein Leben eingerichtet und bin ganz zufrieden so. Ein reicher Mann würde es mir zwar leichter machen, besonders Steffen würde davon profitieren. Aber ich frage Sie: ist das-das Risiko wert, verletzt und gedemütigt zu werden?«

»Vor allen Dingen sollte die Liebe im Vordergrund stehen und nicht die Finanzen«, gab Wendy zurück und druckte das Rezept aus, wegen dem Thea in die Praxis gekommen war. Auf einem Stück Papier notierte sie den Termin für Marion Schott, um den Thea gebeten hatte und reichte ihn ihr.

»Mit der Liebe habe ich ohnehin keine guten Erfahrungen gemacht. Trotz Partner fand ich mich immer alleine, wenn ich einmal mit Problemen zu kämpfen hatte. Deshalb lasse ich inzwischen lieber die Finger davon«, erklärte Thea und verstummte, als ein neuer Patient die Räume betrat und mit seiner Anwesenheit dem vertraulichen Gespräch ein vorzeitiges Ende bereitete. »Frau Kasprik, ich muss Sie leider bitten, sich noch eine Weile zu gedulden. Dr. Norden wird gleich kommen und das Rezept unterschreiben«, erklärte Wendy freundlich. Thea nickte verstehend.

»Ich gehe inzwischen ins Wartezimmer. Dort gibt es gewiss neue Fachliteratur zum Thema Neurodermitis.«, sie öffnete die Tür zum Wartezimmer und begrüßte den anwesenden Herrn. Aus dem Ständer der Fachzeitschriften suchte sie sich eine Zeitschrift mit interessantem Titel aus und machte es sich auf einem der Stühle bequem. Schnell vertiefte sie sich in einen Artikel und bemerkte nicht, dass ihr immer wieder verstohlene, bewundernde Blicke zugeworfen wurden. Erst als Dr. Norden hereinkam, um den nächsten Patienten aufzurufen, blickte sie auf.

»Herr Dexter, gehen Sie bitte schon einmal ins Behandlungszimmer. Ich komme gleich«, erklärte er dem Herrn, der die Blicke nicht von Thea lassen konnte. Dann wandte sich der Arzt an Thea und lächelte erfreut. »Guten Tag, Frau Kasprik. Sie können auch gleich mitkommen. Das Rezept ist unterschrieben. Ich hoffe, diese Salbe wird Steffen Erleichterung verschaffen.«