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Dieses Büchlein über die fabelhafte Zecki, einen Haifisch namens Hai, den Borkenkäfer Borkhold und die Ameise Grübelmut könnte ein Einschlafbüchlein sein, ein Büchlein für eine bessere Welt und so weiter. Es ist etwas für Omas und Opas, die ihren Enkelkindern etwas Schönes erzählen möchten. Ein bisschen Zynismus, Satire oder Sarkasmus mag es dabei schon leiden, damit die frechen Rotznasen endlich einpennen.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 39
Veröffentlichungsjahr: 2022
Vorwort
Episode 1
Episode 2
Episode 3
Episode 4
Episode 5
Episode 6
Episode 7
Episode 8
Episode 9
Episode 17
Episode 22
Episode 27
Episode 30
Episode 31
Dieses Büchlein könnte ein Einschlafbüchlein sein, ein Büchlein gegen Parasiten, ein Büchlein für eine bessere Welt und so weiter. Der Konsum durch Topmanager im Idealalter von 35 bis 45 Jahren ist grundsätzlich untersagt. Ausnahmen bewilligt ggf. der Verlag. Nein, Spass beiseite: Es ist eher etwas für Omas und Opas, die ihren Enkelkindern etwas Schönes erzählen möchten. Ein bisschen Zynismus, Satire oder Sarkasmus mag es schon leiden, damit die frechen Rotznasen endlich einpennen.
Vielleicht auch ein Paradigmen-Wechsel, was Sympathien in Natur und Gesellschaft angeht. Wer mag schon Zecken? – Sie saugen Blut, und im schlimmsten Fall übertragen sie schwere Krankheiten. Wer mag schon Haifische? – Sie versetzen Menschen in Angst und Schrecken oder fressen sie sogar auf. Und dennoch: All diese Wesen sind – sagen wir einmal – gottgegeben. Nein, dies ist kein religiöses Büchlein. Aber es ermutigt zu Respekt ganz allgemein. Es zeigt auch die Grenzen des homo sapiens, zum Beispiel, ganz am Rande, mit der Bemerkung, dass der Mensch sich die Unendlichkeit des Universums gar nicht vorstellen kann. Und regelmässig enden die kleinen Episoden mit dem guten Ratschlag, ruhig einzuschlafen. Gute Nacht.
Fabula rasa Ihr Beat Keiser
Wer mag, kann auch den Anhang lesen. Brennnesseln haben ein vergleichbares Imageproblem wie Zecken oder Haifische. Zwar nicht ganz so gefährlich, aber in der Begegnung mit dem Menschen oft unschön. Zecken oder Haifische zu domestizieren, ist eine heikle Aufgabe. Brennnesseln sind dagegen weit weniger problematisch.
Und noch etwas: Die wunderschönen Illustrationen stammen von meinen Neffen, den Schulkindern Aidan und Dylan Ackermann. Sie haben das gerne gemalt. Damit sie endlich einpennen.
Zecki, die kleine Waldzecke, krabbelte aus ihrem Ei. Die Eier für sie und für ihre tausend Geschwister hatte ihre Mutter schon im letzten Herbst gelegt. Dann kletterte Zecki den nächsten Baum hoch. Es war im Wald. Es war ein Ahornbaum. Es war an einem regnerischen Tag im Frühling, am Morgen, und die Sonne schien noch nicht stark. Am Himmel war noch etwas vom Mond zu sehen, was aber bald verschwand. Zecki hatte Glück, dass sie auf einen Ahornbaum traf. Ahornbäume haben grosse, grüne Blätter, genug Platz zum Ausruhen. Diese Bäume können bis zu zwanzig Metern hoch sein oder noch mehr. Also ein unglaublich Vielfaches im Vergleich zur Körpergrösse von Zecki. Zecki war müde. Sie hatte ja erst das Ei durchbrechen müssen, um auszuschlüpfen – und dann das mühsame Hochklettern am Baum. Es dauerte nicht lange, da schlief sie ein. Sie träumte davon, bald einen Warmblüter zu finden, der ihr etwas Blut spenden konnte. Zecken können kein Blut selber machen. Sie benötigen es von anderen Lebewesen, um sich zu ernähren. Zwar saugen Zecken mit ihren kleinen Rüsselchen sich an, sie gelten aber nicht als Säugetiere nach vorherrschender Lehre. Säugetiere nach herrschender Meinung sind zum Beispiel Kühe, Hunde, Katzen und so weiter. Tiere also, bei denen die Mutter ihren Nachkömmlingen etwas zum Säugen gibt, normalerweise Milch. Zecki kannte aber weder ihren Vater noch ihre Mutter. Trotzdem träumte sie ganz friedlich.
Am anderen Tag hatte Zecki einen Moment nicht aufgepasst. Immer wenn man nicht aufpasst, kann etwas Dummes geschehen. Als sie sich umdrehen wollte, fiel sie vom grossen Ahornblatt herab auf den Waldboden. Zum Glück war Zecki nicht schwer. Nur ein paar Milligramm. Ein Milligramm ist das Tausendstel eines Gramms. Ausserdem war der Waldboden weich. Sie hatte sich also nicht verletzt. Keines ihrer Krabbelbeinchen war gebrochen, nicht einmal gestaucht. Trotzdem war ihr die Umgebung auf einmal fremd. Und dazu passte gerade, dass der Borkenkäfer Borkhold sie anschnauzte: »Was machst du denn da?« – Borkhold wollte nicht weiter darüber sprechen, sondern sagte, er habe das ganze Wochenende lang Baumrinden geschält und brauche jetzt seine Ruhe. Borkhold war manchmal etwas mürrisch. Im Grunde aber war er ein lieber Kamerad. Dennoch: Zecki konnte mit der Reaktion von Borkhold nicht viel anfangen. Eine Reaktion ist eine Handlung, die auf eine andere folgt. Borkhold war übrigens wie sie auch kein sogenanntes Säugetier. Noch viel weniger, denn er hatte keinen Saugrüssel, sondern nur eine Art Gebiss. Damit konnte er Baumrinden fressen. Trotzdem: Die Art, wie er sie angeschnauzt hatte, gefiel ihr nicht. Eigentlich hätte Zecki in ihrer Situation einen guten Freund brauchen können. Aber wie das im Leben so ist: Nicht immer kommt gerade das, was man braucht. Meistens kann man nachdenken und das Ganze überschlafen.