Zusammenstoss mit Folgen - Eve-Lyna Roth - E-Book

Zusammenstoss mit Folgen E-Book

Eve-Lyna Roth

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Beschreibung

Zusammenstoss mit Folgen Der durch Unsportlichkeit und Wutausbrüche bekannte NHL-Eishockeyprofi Alex Curren bringt die Schweiz-Amerikanische Kinderbuchautorin Charlotte Logan durch einen unsanften Zusammenstoß unfreiwillig in die Schlagzeilen sämtlicher New Yorker Zeitungen. Das plötzliche Spießrutenlaufen mit der Presse löst bei Charlie längst vergessen geglaubte schmerzhafte Erinnerungen und Gefühle aus, mit denen sie nur schwer klarkommt, da sie vor Jahren ähnliches durchleben musste. Widerwillig lässt sich die wortgewandte Kinderbuchautorin auf einen verrückten Deal des gutaussehenden aber egoistischen Profisportlers ein. Trotz anfänglicher Machtkämpfe raufen sich die Zwei zusammen und genießen einige Wochen der totalen Zweisamkeit. Dunkle Wolken der Vergangenheit holen Charlie jedoch jäh ein und machen ihr bewusst, wie sie sich wieder durch einen Mann bestimmen lässt und dadurch nicht mehr ihr eigenes Leben lebt. Von Panik erfasst flieht sie und lässt einen völlig verzweifelten Alex Curren zurück, der sich nicht gewohnt ist, nicht zu bekommen was er möchte. Mit all seiner Macht kämpft der erfolgsverwöhnte Hockeycrack zum ersten Mal nicht um Punkte, sondern um die Liebe einer Frau. Die jedoch ist fest davon überzeugt nicht mehr in der Lage zu sein, zu lieben.

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Für meine Mutter

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Epilog

Kapitel 1

Langsam versuchte Charlie, die Augen zu öffnen. Stechende Kopfschmerzen hatten sie geweckt. Sie stellte verwirrt fest, dass sie nicht in ihrem Hotelzimmerbett lag, sondern in einem, das aussah, als gehörte es in ein Krankenhaus. Der Geruch von Desinfektionsmittel stieg ihr in die Nase, die Stille war beängstigend. Tatsächlich ‒ sie war im Krankenhaus. Mit einem Ruck setzte sie sich auf, aber ein heftiger Schmerz in ihrer Brustgegend ließ sie aufstöhnen. Dazu kamen diese pochenden Kopfschmerzen. Mutlos und erschöpft sank sie in die Kissen zurück und atmete tief durch. Was war passiert, und wie in aller Welt kam sie hierher? Ein Blick zum Fenster verriet ihr, dass es Nacht war. Sie schloss die Augen wieder und versuchte, sich an die Geschehnisse, die sie hierhergebracht hatten, zu erinnern.

Vor zwei Tagen war sie in New York angekommen. Wie jedes Jahr hatte sie einige Monate auf Long Island verbringen wollen. Die ersten Tage ihres jährlichen Aufenthaltes in Amerika verbrachte sie jedoch stets in New York, wo sie das Treiben der Großstadt in vollen Zügen genoss. Sie besuchte Museen, kaufte in den Boutiquen neue Kleider, stöberte in den von ihr geliebten kleinen und großen Buchläden und sah sich abends die neuesten Broadwaystücke an. Sie liebte diese aufregende Stadt; und doch hatte sie nach fünf, sechs Tagen genug vom Trubel und Lärm der Großstadt und freute sich stets auf ihr kleines, aber gemütliches Strandhaus in Montauk.

Ihr Kopf pochte. Krampfhaft suchte sie die bruchstückhaften Erinnerungen seit ihrer Ankunft wie Puzzleteile zusammen. Den ersten Abend hatte sie im Hotel verbracht, sich eine kleine Mahlzeit auf ihr Zimmer bestellt, ein bisschen ferngesehen, sich dann aber bis weit nach Mitternacht an ihren Laptop gesetzt, da sie wegen der Zeitverschiebung nicht hatte schlafen können. Sie hatte versucht, ein neues Konzept für ein Kinderbuch zu entwickeln, was ihr aber nicht so recht gelingen wollte. Erschöpft war sie um vier Uhr morgens ins Bett geschlüpft, hatte aber nicht gleich einschlafen können. So hatte sie gerade einmal drei Stunden geschlafen, als sie erwachte. Um 8 Uhr entschied sie sich, aufzustehen und laufen zu gehen, damit sie einen normalen Zeitrhythmus bekäme. Also zog sie sich ihre Joggingsachen an, bevor sie es sich wieder anders überlegte. Vor dem Hotel blieb sie kurz stehen, sah hoch zu den imposanten Hochhäusern und schnupperte die kühle Luft ein. Mit einem befreiten Lächeln im Gesicht stöpselte sie die Ohrstecker ein, und Bruce Springsteen ertönte in ihren Ohren. Ein unbeschreibliches Glücksgefühl überkam sie, als sie Richtung Central Park joggte. Wie einfach doch alles war! Dieses Gefühl hatte sie nur in New York oder in ihrem Strandhaus; warum, wusste sie selber nicht. Aber diese Freiheit, in die Anonymität abzutauchen, war so befreiend!

Mit diesen Glücksgefühlen in ihrem Innern sah sie den Rollerblader zu spät auf sich zukommen. Links von ihr gingen zwei Frauen. Die eine führte ein Kind an der Hand, die andere schob ihren Kinderwagen vor sich her. Reflexartig sprang Charlie nach rechts, der ihr entgegenkommende Blader aus seiner Sicht leider nach links, und sie prallten mit voller Wucht zusammen. Charlie wurde auf die Straße geschleudert, hörte nur noch quietschende Reifen und spürte einen dumpfen Aufprall. An alles, was danach passiert war, konnte sie sich nur vage erinnern. Ein großer, muskulöser Mann hatte sich über sie gebeugt und telefoniert, die sich ansammelnde Menschenmenge weggescheucht und ihr die Hand auf den Hals gelegt, um ihren Puls zu fühlen. Die warme Hand spürend, war es dunkel um sie herum geworden, und sie hatte das Bewusstsein verloren.

Geistesgegenwärtig zog Charlie die Hand unter der Bettdecke hervor und legte sie auf den Hals, als wollte sie die Wärme der fremden Hand wieder spüren, aber nichts dergleichen geschah. Sie öffnete erneut die Augen und sah sich diesmal lange im Zimmer um. Niemand war da, keine anderen Patienten, keine anderen Betten: ein Einzelzimmer. Sie war nicht privat versichert, schoss es ihr durch den Kopf. Was sollte das alles? Sie musste unbedingt Klarheit gewinnen. Charlie suchte nach den Knöpfen, um das Bett in eine Sitzposition zu bringen. Erst jetzt merkte sie, dass mit der rechten Hand irgendetwas nicht stimmte. Ihr Blick schweifte nach unten, und sie erblickte den eingegipsten Arm. Ihr wurde immer mulmiger. Was stimmte noch alles nicht mit ihr? Diese stechenden Kopfschmerzen, der gebrochene Arm, die schmerzende Brust … Mit einem festen Ruck schlug sie die Decke zur Seite und betrachtete ihren Körper: Keine weiteren Gipsverbände, keine sonstigen Verbände, und alles saß noch an seinem Platz. Sie nahm die Klingel, die über ihrem Kopf hing, in die Hand und drückte, so fest sie konnte, auf den roten Knopf.

Schnelle Schritte kamen näher, die Türe ging auf, und eine gemütlich dreinschauende Schwester trat ein. „Na, wie geht’s uns denn? Sie haben ja lange geschlafen! Schauen wir mal, was Ihr Blutdruck macht.“ Die Schwester nahm die Armmanschette des Blutdruckgerätes, die auf dem Nachttisch lag, in die Hand und wollte sie Charlie um den linken Arm legen, doch Charlie zog den Arm beiseite und starrte die Schwester mit versteinertem Blick an.

„Hören Sie“, begann Charlie, „mir geht es ausgezeichnet. Wo bin ich? Wie komme ich hierher? Ich möchte mit einem Arzt sprechen.“

„Nicht so schnell, Kindchen! Sie haben eine schwere Gehirnerschütterung. Sie sollten sich jetzt zuerst einmal schonen. Morgen werden wir dann weitersehen.“

Wieder nahm sie Charlies Arm, legte ihr die Blutdruckmanschette an und ließ sich keineswegs von ihrer Tätigkeit abbringen. Charlie aber wollte sich auf keinen Fall mit dieser Antwort zufriedengeben und versuchte es noch einmal.

„Also hören Sie, Schwester …“ Sie schaute auf die Brusttasche der Schwester und konnte deutlich den Namen lesen; mit ihren Augen schien also alles in Ordnung zu sein, „... Schwester Helen, ich möchte einfach nur wissen, was mit mir passiert ist. Also bitte rufen Sie einen Arzt.“

Schwester Helen deutete auf das Stethoskop, das in ihren Ohren steckte, und gab ihr damit zu verstehen, dass sie sie nicht verstehen könne. Ungeduldig wartete Charlie ab, bis Schwester Helen fertig war, und versuchte es noch einmal, aber Schwester Helen kam ihr zuvor.

„Dr. Finley hat vor einer Viertelstunde nochmals bei Ihnen vorbeigeschaut, aber Sie haben noch tief geschlafen. Er hat mich genau instruiert über Ihren Fall: Sie bräuchten vor allem viel, viel Ruhe; und falls Sie zu starke Schmerzen hätten, dürfte ich Ihnen ohne Weiteres ein Schmerzmittel verabreichen. Dr. Finley hat auch Ihren Verlobten nach Hause geschickt und ihm versichert, dass Sie wieder vollkommen gesund werden; ein netter Mann. Also machen Sie sich nicht so viele Gedanken. Es wird alles wieder gut. Haben Sie Schmerzen, brauchen Sie was?“

„Nein, es geht schon“, stotterte Charlie völlig verdattert.

Schwester Helen tätschelte ihr aufmunternd den Schenkel und lächelte Charlie liebevoll an, kehrte ihr den Rücken zu und verließ das Zimmer.

Charlie schaute verstört auf die sich schließende Tür. Schwester Helens Worte hallten noch deutlich in Charlie wider. Ihr Verlobter, ein netter Mann? Was war hier los? Sie war nicht verlobt! Panik machte sich in ihr breit, sie musste jetzt einfach wissen, was los war. Sie hasste Krankenhäuser, und sie hasste es, behandelt zu werden, als wäre sie minderbemittelt. Sie hatte zwar starke Kopfschmerzen, aber ihr Gehirn arbeitete, völlig klar, und das auf vollen Touren. Sie musste sich selber Gewissheit verschaffen. Langsam setzte sie sich auf, ein heftiger Schmerz durchzuckte ihren Körper, aber es musste sein. Vorsichtig schob sie ihre Beine über die Bettkannte und verweilte einen kurzen Moment. Ihr Kopf drohte zu platzen. Vielleicht hätte sie doch ein Schmerzmittel verlangen sollen. Mit der linken Hand umfasste sie den Infusionsständer, der neben dem Bett stand, rutschte von der Bettkannte und stand auf. Ihr schwirrte der Kopf, und ihre Beine drohten nachzugeben, deshalb setzte sie sich schnell wieder hin. Ihre körperliche Verfassung schien doch nicht die beste zu sein. Sie atmete einige Male tief durch und versuchte dann nochmals, auf die Beine zu kommen. Einen Moment lang blieb sie stehen und versuchte, mit kleinen Schritten das Waschbecken zu erreichen, das unweit des Bettes angebracht war. Sie war ganz schön wackelig auf den Beinen, aber es gelang ihr. Mit beiden Händen hielt sich Charlie am Beckenrand fest und starrte in den Spiegel. Oh, mein Gott, sie sah schrecklich aus! Oberhalb ihrer rechten Schläfe klebte ein riesiges Pflaster. Vorsichtig tastete sie mit der linken Hand danach und wollte die Wunde spüren. Sie fühlte sich heiß und schmerzlich an. Ihr Blick schweifte weiter. Ansonsten war nichts zu sehen, außer dass ihre Haare in alle Richtungen standen. Sie hörte, wie sich die Türe öffnete. Wie ein ertappter Dieb drehte sie sich ruckartig um, was ein Fehler war. Ihr wurde schwindelig, ihre Beine gaben nach, und sie verlor das Bewusstsein.

Alex schaute in sein Whiskeyglas, als ob er darin lesen könnte, wie er all die Scheiße, die er in letzter Zeit verursacht hatte, wieder aus der Welt schaffen könnte. Mit einem Zug kippte er den Whiskey hinunter und klopfte ungeduldig mit den Fingern auf die Theke. Seit einer Stunde wartete Alex auf seinen Freund und Manager, was seine Stimmung nicht gerade verbesserte. Es war nicht seine Angewohnheit zu trinken, wenn er in Schwierigkeiten war, heute aber musste er die vorgefallenen Ereignisse einfach mit einem guten Tropfen hinunterspülen. Mit einem Wink in Richtung seines leeren Glases machte er dem Barkeeper klar, er solle nachschenken, was der mit einem stummen Blick sofort tat.

„Du wolltest mich sprechen?“ John Smith setzte sich neben Alex an die Bar und sah ihn sich kritisch an. Es konnte nichts Gutes bedeuten, wenn sein Schützling ihn um Mitternacht in eine ihm unbekannte Bar beorderte. John Smith kannte Alex schon, seit dieser mit sieben zum ersten Mal zu ihm ins Eishockeytraining gekommen war. John wusste, wann Alex glücklich, trotzig, übellaunig, aggressiv, enttäuscht oder traurig war. Als er vor fünf Minuten die Bar betreten und sich nach Alex umgesehen, ihn dann von Weitem beobachtet hatte, wie er zwei Whiskeys nacheinander in sich hineingeschüttet hatte, war ihm sofort klar geworden, dass Alex übellaunig war – wie so oft in letzter Zeit.

Alex drehte sich zu der ihm vertrauten Stimme um und fuhr John an: „Wird auch langsam Zeit, dass du kommst. Ich warte hier schon seit einer Stunde.“

„Das riecht man. Was ist jetzt schon wieder los? Solltest du nicht um diese Zeit in deinem Bett liegen und schlafen, wie es sich für einen Profi gehört? Wenn dich hier jemand erkennt, ist das ein gefundenes Fressen für die Presse. Zurzeit hast du genügend Probleme, du musst es nicht noch herausfordern, indem du dir hier in dieser Spelunke einen hinter die Binden kippst. Also, was zum Henker ist los?“

Alex musste sich beherrschen, damit er nicht all seine Wut an seinem Freund ausließ. „Ist ja gut, ich brauche jetzt keine deiner Predigten, sondern einen Rat.“ Alex deutete mit seinem frisch eingeschenkten Glas Whiskey auf einen freien Tisch. „Lass uns da rübergehen, ich will keine Zuhörer.“

John bestellte ein Mineralwasser und folgte Alex zu einem kleinen Tisch in einer dunklen Nische. „Also schieß los, ich will heute Nacht noch ins Bett kommen.“

Alex wusste nicht recht, womit er beginnen sollte. Erst nach einem weiteren Schluck Whiskey fing er an zu erzählen. „Heute früh wollte ich eine Runde mit meinen Rollerblades drehen, um meinen Kopf wieder etwas freizubekommen. Als ich nach Hause wollte, klingelte mein Handy, und ich ging ran. Es war Angela, du weißt schon. Wie immer, wenn ich mit dieser Frau spreche, kriegen wir uns in die Wolle. Es ist jetzt Monate her seit dieser Geschichte, aber immer noch kapiert sie es nicht oder will es nicht kapieren. Angela hatte mir gerade noch gefehlt nach all der Scheiße, die gestern vor dem Ausschuss abgelaufen war. Bei all der Zankerei am Telefon muss ich sie übersehen haben: Auf einmal stand da eine Joggerin vor mir, ich konnte ihr nicht mehr ausweichen, denn rechts von ihr gingen zwei Mütter mit kleinen Kindern, und wir sind zusammengestoßen.“

John wartete auf weitere Erläuterungen, aber Alex starrte in seinen Whiskey und schien vollkommen abwesend.

„Und weiter?“

„Sie hat es ganz schön erwischt, sie wurde auf die Straße geschleudert und von einem Auto erfasst. Gehirnerschütterung, Rippenprellung, und ihr Arm ist gebrochen.“

„Ach du grüne Neune! Ich hoffe doch, du hast dich um sie gekümmert und bist nicht einfach abgehauen?“

„Was denkst du denn! Natürlich habe ich mich um sie gekümmert. Ich bin zwar ab und zu ein ziemliches Arschloch, aber ich weiß, wann ich mich zu benehmen habe. Ich habe sie in die Klinik begleitet und dafür gesorgt, dass sie erstklassig versorgt wurde und wird.“ Alex verstummte und sah wieder die ihm fremde blutende Frau vor sich liegen.

John sah ihm an, dass irgendetwas da noch sein musste. „Da ist doch noch was? Was ist mit dem Autofahrer?“

John sah ihn mit genau dem Blick an, den Alex erwartet hatte. Viel schlimmer konnte es nicht mehr werden. Es würde schwierig genug werden, das Ganze zu verheimlichen, damit die Presse keinen Wind von der Sache bekam. John forderte Alex stumm auf fortzufahren.

Alex fiel es sichtlich schwer weiterzusprechen, denn erst einige Stunden später war ihm bewusst geworden, dass das, was er getan hatte, keine gute Idee gewesen war. „Also, weißt du, auf einmal standen da Dutzende von Menschen um uns herum, und alle dachten, dass diese blutende Frau, um die ich mich kümmerte, zu mir gehöre. Die Sanitäter nahmen dies auch an und ließen mich ohne weitere Fragen mit dem Krankenwagen mitfahren. Im Krankenhaus wurden mir dann auf einmal Fragen gestellt, wie das passiert sei, wie sie versichert sei, wie sie heiße, alles Dinge, von denen ich selber keine Ahnung hatte. Aber schließlich war ich nicht ganz unschuldig an ihrem Zustand und wollte, dass sie unbedingt gut versorgt wurde. Da hab ich irgendwie gesagt, sie sei meine Freundin, wir seien so gut wie verlobt.“

John sah ihn an, sagte jedoch nichts, da fuhr Alex fort: „Du weißt doch, wie sie mit Leuten umgehen, die unterversichert sind.“

Er verstummte und sah skeptisch zu John, dessen Gesicht sich erhellte und zu grinsen begann, was Alex nicht verstehen konnte.

„Und dabei musstest du natürlich deine Personalien bekannt geben.“

„Ja, denn einer der Pfleger hatte mich erkannt, da konnte ich schlecht ein Pseudonym erfinden.“

„Das wäre auch nicht sehr geschickt gewesen. Was ich allerdings nicht verstehen kann, ist, wieso du sie als deine fast Verlobte ausgegeben hast. Es hätte doch gereicht, wenn du gesagt hättest, sie wäre eine Bekannte von dir.“

„Ich weiß nicht; ich war irgendwie schockiert, als sie so leblos voller Blut auf der Straße lag. Ich dachte, sie wäre schwer verletzt, und das durch meine Schuld.“

„Was ist mit dem Autofahrer?“

„Der hat sich aus dem Staub gemacht.“

„Na, dann möchte ich dir ganz herzlich zu deiner Verlobung gratulieren!“ John lachte.

„Das ist absolut nicht witzig! Kannst du mir sagen, was ich jetzt machen soll und wie ich wieder aus dieser Sache rauskomme?“ Er sah John mit finsterem Blick an.

„Alex, dagegen kann ich auch nichts tun. Ich frage mich wirklich, weshalb du immer handelst und erst im Nachhinein darüber nachdenkst. Du bist keine zwanzig mehr, also verhalte dich auch dementsprechend.“

Alex konnte es nicht fassen: Er wollte einen Rat von John, und was machte der? Hielt ihm seine Verfehlungen vor.

„Na, vielen Dank für deine Worte.“

John sah Alex an, dass er verzweifelt war. Stets hatte er darauf geachtet, seine geliebte Freiheit nicht zu verlieren. Immer wenn eine Frau zu viel von ihm forderte und es für die Frau ernst wurde, hatte er es mit der Angst zu tun gekriegt und sich manchmal schnell, oft auch schleichend von ihr entfernt, bis es zur endgültigen Trennung kam. Die Vorstellung, dass er nun durch seine eigene Schuld auf einmal verlobt sein sollte, machte Alex unheimlich Angst.

„Hast du mit dieser Frau schon gesprochen?“

„Sie haben mich nach Hause geschickt, da sie noch nicht ansprechbar war, es geht ihr aber gut.“

„Du kannst dich natürlich nicht einfach aus dem Staub machen. Ein so gut wie Verlobter kümmert sich normalerweise um seine Verlobte, wenn diese schwerverletzt im Krankenhaus liegt. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass diese Frau nicht gerade begeistert ist. Hast du dir überlegt, was du machst, wenn sie bereits verheiratet ist und da morgen ein besorgter Ehemann auftaucht, der dich belangt, sobald er erfährt, dass du nicht gerade unbekannt bist?“

„Nein, aber wenn der liebe Gott einmal auf meiner Seite ist, dann lässt er die Frau unverheiratet, verständnisvoll und gutgesinnt sein.“

„Der liebe Gott, mein Lieber, war stets auf deiner Seite; und wenn diese Frau einigermaßen klug ist, will sie mit dir genauso wenig verlobt sein. Hat jemand Fotos gemacht?“

„Irgendjemand hat bestimmt Fotos gemacht, du weißt ja, wie das heutzutage ist. Was soll ich denn jetzt tun?“

„Zuerst mal drüber schlafen, dann mit der Frau reden, und dann sehen wir weiter.“

John grinste wieder übers ganze Gesicht. Er hätte die Geschichte einfach köstlich gefunden, wenn sie nicht so ernst gewesen wäre. „Komm, ich bringe dich nach Hause.“

Kapitel 2

Vorsichtig öffnete Julia mit dem Schlüssel, den sie vom Schlüsselbrett ihres Vaters geklaut hatte, die Tür zum Loft. Nur mit Mühe hatte sie den Eingang zu dem alten Gebäude gefunden. Alex wohnte noch nicht lange in Brooklyn. Da sie ihn noch nie in seinem neuen Zuhause besucht hatte oder vielmehr Alex sie und ihren Vater noch nie eingeladen hatte, fand sie die Gelegenheit gerade richtig, endlich mal vorbeizuschauen, bei all dem Ärger, den sie zu Hause hatte. Nicht mal einen Portier hatte diese Bruchbude, aber wofür auch? Wahrscheinlich wohnten hier sowieso nur Freaks. So konnte also jedermann in diesem Haus ein- und ausgehen, vorausgesetzt allerdings, man fand den verdeckten Eingang.

Julia traute dem alten Aufzug nicht und nahm stattdessen die Treppe. Das Einzige, was sie mit Sicherheit wusste, war, dass Alex im obersten Stockwerk wohnte, und zu ihrem Glück war dort nur eine Eingangstüre. Denn natürlich war die Türglocke nicht beschriftet. Obwohl sie mit großer Wahrscheinlichkeit wusste, dass Alex nicht zu Hause war, drückte sie trotzdem zweimal kurz auf die Klingel. Nichts tat sich, und deshalb kramte Julia den Schlüssel aus der Tasche, öffnete die alte schwere Tür und trat in die Wohnung ein.

„Wow, nicht schlecht!“

Schwungvoll warf sie die Türe hinter sich ins Schloss und lief zu der großen Fensterfront, durch die die nachmittägliche Sonne einladend hereinstrahlte. Faszinierend blickte sie über den Süden Manhattans, der sich vor ihr erstreckte. Der Blick war traumhaft. Von wegen Bruchbude! Die war frisch renoviert, was man immer noch deutlich riechen konnte.

Ein Lächeln umspielte ihre Mundwinkel, es war herrlich! Sie war fest entschlossen, eine Weile hierzubleiben, auch wenn das Verhältnis zu ihrem Vater dadurch noch komplizierter werden würde. Sie hatte es satt, seine ständig schlechte Laune zu ertragen. Nun war sie siebzehn, also beinahe erwachsen, und fest davon überzeugt, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, sollte ihr Vater daheim in Chicago noch so toben und schimpfen. Auf keinen Fall würde sie sich noch einmal von ihm schlagen lassen. Der Gedanke daran machte sie traurig. und tief in ihrem Innern wusste sie natürlich, sie hatte genau so viel Schuld daran, dass es zu einer solch heftigen Auseinandersetzung zwischen ihnen gekommen war. Aber nie im Leben hätte sie gedacht, dass er sie je schlagen würde. Doch er hatte es getan, obwohl er seinen Kindern stets gepredigt hatte, Konflikte verbal auszufechten. Das war typisch: Die Erwachsenen bogen ihre Meinung immer so zurecht, wie es ihnen passte. Nun aber war damit Schluss. Sie brauchte diese blöde Schule nicht, vom heutigen Tag an würde sie ihr Leben selbst in die Hand nehmen und nur noch machen, was sie wollte. Es würde nicht einfach werden, aber Alex würde ihr sicher helfen. Alex war schließlich ihr leiblicher Vater, auch wenn das nur die Familie wusste.

Die trüben Gedanken zur Seite schiebend, ließ sie ihren Koffer achtlos auf den Boden fallen und erkundigte die zweihundert Quadratmeter Luxuswohnung. Die Wohnung war ein Traum, die ganzen Böden waren mit Parkett neu verlegt worden, was den hohen Räumen eine warme Atmosphäre verlieh. Das Wohnzimmer strahlte trotz seiner Größe Gemütlichkeit aus, was nicht zuletzt dem offenen Kamin zu verdanken war. Die Einrichtung jedoch ließ zu wünschen übrig: Außer einem riesengroßen Sofa links und rechts des Kamins, einem aus Ahornholz gefertigten rechteckigen Esstisch mit acht dazu passenden Stühlen, einer Stereoanlage und einem Fernseher war die Wohnung mehr als spärlich eingerichtet. Aber schließlich war Alex ja ein viel beschäftigter Hockeyprofi, der, wenn er nicht irgendwo auf dem Eisfeld stand, trainierte, Interviews gab oder für ein Fotoshooting posierte und kaum Zeit für andere Dinge fand, auch für sie nicht, geschweige denn für den Einkauf von Möbeln. Die Familie bekam ihn wirklich nicht oft zu Gesicht während der langen Saison. Es würde ihm sicherlich Freude und Abwechslung bringen, wenn seine Jules für eine Weile bei ihm bliebe. Gerade jetzt, da die Presse kein gutes Haar an ihm ließ, konnte er jemanden aus seinem engsten Familienkreis gebrauchen.

Die offene Küche war ein kleines Paradies für jemanden, der es liebte zu kochen, was allerdings auf Alex nicht zutraf. Auf der Anrichte stand kein schmutziges Geschirr, wie es Julia erwartet hatte. Es sah mehr aus, als wäre diese Küche noch nie benutzt worden. Das würde sich auf jeden Fall ändern. Gleich heute Abend würde sie ihm ein köstliches Mahl zubereiten. Sie ging weiter zu den verschlossenen Türen. Dahinter verbargen sich zwei Gästezimmer. Eines davon war leer, das andere sah aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Es stand voller Kisten; Lampen, Bilder und jede Menge Trainingskleider lagen herum. Das letzte Zimmer, das sie betrat, war sein Schlafzimmer, der einzige Raum, der vollständig möbliert war. Das sah ihm ähnlich! Wahrscheinlich wollte er auf seine ständig wechselnden Eroberungen einen guten Eindruck machen, wenn er sie mit nach Hause nahm. Julia lächelte vor sich hin, obwohl sie es nicht verstand, weshalb er sich nicht endlich ernsthaft in eine nette Frau verliebte. Julia kannte keinen besser aussehenden Mann als Alex, und sie hätte bestimmt nichts dagegen.

Ihr Handy piepste wieder, sie schaute schnell auf das Display und sah den Namen ihres Vaters. Sofort kehrte das schlechte Gewissen und ihre Wut auf ihren Vater zurück. Sie würde bestimmt nicht klein beigeben. Er sollte nur ein schlechtes Gewissen haben.

Da Alex nicht so schnell aufzutauchen schien, entschied sie sich, für das Abendessen einzukaufen. Sie würde ihm sein Lieblingsessen zubereiten, genau so, wie sie es von ihrer Mutter gelernt hatte und er es liebte. Es verging kein Tag, an dem Julia nicht an ihre Mutter dachte. Sie war das Herz ihrer Familie gewesen, nun aber fehlte dieses Herz; und sie hatte versucht, es zu ersetzen, und festgestellt, dass sie kläglich versagt hatte. Sie hatte in den vergangenen Monaten oft die von ihrem Vater geliebten Mahlzeiten gekocht, die ihr ihre Mutter beigebracht hatte, aber er hatte stets nur darin herumgestochert und nach wenigen Bissen den Teller ganz weggeschoben. Vielleicht würde Alex diese kleine Aufmerksamkeit mehr schätzen. Julia zog sich eine Jacke über und verließ pfeifend die Wohnung.

Es dunkelte bereits ein, als sie wieder in die Wohnung zurückkam. Julia hatte die Zeit völlig vergessen. Denn auf der Suche nach einem Lebensmittelladen war sie an den verschiedensten Boutiquen vorbeigekommen und hatte sich jede Menge Kleidungsstücke gekauft, die sie ihrer Ansicht nach unbedingt brauchte. Müde und ziemlich pleite hatte sie zwar jede Menge Tüten nach Hause geschleppt, aber in keiner waren, wie vorgesehen, die Zutaten für das Lieblingsessen, das sie für Alex hatte kochen wollen. Was soll’s, wahrscheinlich würde er sowieso darauf bestehen, sie am ersten Tag ihres Besuches auszuführen.

Alex aber war noch immer nicht zu Hause. Wo konnte er stecken? Das Training war seit Stunden beendet. Er wusste doch, dass sie heute kommen würde, denn sie hatte ihm auf den Anrufbeantworter gesprochen. Wahrscheinlich war er noch irgendwo hängen geblieben und würde in Kürze auftauchen. Sie suchte vergeblich im Kühlschrank nach etwas Essbarem. Außer Mineralwasser, Orangenjuices, Essiggurken, Butter, Milch, Mayonnaise, einem alten Salat, Eier und jeder Menge Bier konnte sie nichts Essbares finden. Julia entschied sich für Cornflakes, schaltete den Fernseher ein, setzte sich davor und wartete auf Alex.

Erschrocken fuhr sie hoch, als die Haustüre ins Schloss fiel, denn sie war vor dem Fernseher eingeschlafen. Es war stockdunkel, und nur der Fernseher flimmerte vor sich hin. Sie hörte langsame Schritte auf sie zukommen. Mit schüchterner Stimme fragte sie vorsichtig: „Alex bist du das?“

Das Licht ging an. Julia kniff die Augen zusammen, denn die plötzliche Helle ließ ihre Augen für Sekunden nicht richtig sehen. Erleichtert stellte sie fest, dass da ihr alles geliebter Alex mitten im Wohnzimmer stand – doch offensichtlich über ihren Besuch nicht sehr erfreut zu sein schien.

„Jules? Was in aller Welt machst du hier? Weiß Dad, dass du hier bist?“

Julia senkte den Blick. Sie hasste es, wenn Alex diesen väterlichen Ton anschlug, aber diesmal würde sie sich das auf keinen Fall von ihm gefallen lassen.

„Ich habe dich angerufen, hast du deinen Anrufbeantworter nicht abgehört? Dein Handy ist auch aus.“

„War das die Frage?“ Alex wusste sofort Bescheid: Sie war abgehauen. Seit Wochen herrschte zu Hause, bei seinem Vater und Julia, gedrückte Stimmung. Er fühlte sich teilweise schuldig, da er selber mit seinem Vater einige Differenzen hatte. Zurzeit jedoch hatte er genügend eigene Probleme und hielt sich absichtlich aus den pubertären Streitigkeiten zwischen Julia und seinem Vater heraus – obwohl das natürlich falsch war. Sein Vater hatte das Sagen, so war die Abmachung. Das hatte ihm gerade noch gefehlt! Er konnte jetzt auf keinen Fall auch noch Jules, wie er Julia nannte, gebrauchen, er hatte genug um die Ohren. Er bräuchte nicht auch noch einen frechen Teenager um sich herum, der ihm das Leben zusätzlich komplizieren würde; und dass Julia das tun würde, sah er ihr gleich an.

Alex nahm das Telefon von der Anrichte und warf es Julia zu.

„Du rufst auf der Stelle zu Hause an.“

„Du könntest wenigsten Hallo sagen.“

„Hallo, und jetzt ruf an.“

„Wenn es dir nicht passt, dass ich hier bin, dann sag es, und ich bin innert Sekunden von hier verschwunden. Ich bin alt genug, auf mich alleine aufzupassen.“ Julia stand auf und marschierte schnurstracks Richtung Haustür.

Mit zwei Schritten holte Alex sie ein und packte sie am Arm. „Jetzt mach aber mal halblang! Du weißt, dass du willkommen bist. Immer. Verstanden? Du gehst nirgendwohin um diese Zeit. Ich möchte nur, dass du Dad anrufst. Wie ich dich kenne, hat er keine Ahnung, wo du steckst.“

„Auf keinen Fall. Lass mich los, du tust mir weh. Hast du getrunken?“

Alex lockerte den Griff um ihren Arm und führte sie zum Sofa zurück. Er versuchte es auf die sanfte Tour.

„Setz dich.“ Er schubste sie sanft auf das Sofa und setzte sich ihr gegenüber, nahm ihre Hände in seine und schaute sie an. „Was ist los? Habt ihr euch wieder gezofft?“

Julia sah auf den Boden. Sie verstand es ja selber nicht, warum sie sich seit dem Tod ihrer Mutter ständig mit ihrem Vater stritt. Aber seine ständige Nörgelei und Fürsorge gingen ihr dermaßen auf die Nerven. Früher hatte er sich nie in ihre Angelegenheiten eingemischt, er war mehr ihr Freund, ihr Verbündeter gewesen, hatte sich nie umso lästige Dinge wie die Schule gekümmert. Julia nickte nur und sah zu Alex hoch, der ihr ansah, wie sehr sie litt und wie Tränen in ihren blauen Augen schimmerten.

„Du bist abgehauen, stimmt’s?“

„Ich geh nicht mehr zurück, darf ich hierbleiben?“ Julias Blick war herzzerreißend und flehend. Sie senkte wieder den Kopf. Warum nur war nichts mehr wie früher? Ihr ganzes Leben war aus den geordneten Fugen geraten, seit ihre Adoptivmutter, zugleich Alex’ Mutter, tot war.

„Hör mal, Jules, ich weiß, es ist momentan nicht leicht für dich, aber das ist es für Dad auch nicht. Er leidet genauso wie wir. Du kannst ihn jetzt nicht alleinlassen. Er braucht dich, auch wenn er es dir vielleicht nicht sagt. Du bist die Einzige, das Wichtigste, was er jetzt noch hat. Nur du gibst ihm die Kraft, das alles durchzustehen.“

Julia warf sich Alex an die Brust und fing bitterlich an zu weinen. Alex wiegte sie hin und her wie ein kleines Baby, wobei ihm selber eine Träne über die Wange lief.

„Ich vermisse sie so“, schluchzte sie nach einigen Minuten.

„Mir fehlt sie auch.“ Auch ihm fehlte seine Mutter schrecklich. Auch wenn er sie selten gesehen hatte, so hatte er doch ständig mit ihr telefoniert und gewusst: Sie war da, wann immer er sie brauchte. In den letzten Monaten hatte er sich oft selber gesagt, es sei lächerlich, er sei ein erwachsener Mann und hänge wie ein kleiner Junge immer noch am Rockzipfel seiner Mutter. Aber das war es nicht. Ihm fehlten ihre Ratschläge, ihre Herzlichkeit und vor allem ihr Lachen.

„Er redet nicht mehr mit mir, wir streiten uns nur noch, gestern hat er mich geschlagen.“ Alex schob sie von sich und sah ihr mit erschrockenem Blick ins Gesicht. „Das glaube ich nicht, Dad hat uns nie geschlagen!“

„Gestern hat er’s getan. Bitte, Alex, ich will nicht nach Hause zurück.“ Sie flehte ihn förmlich an.

„Was ist passiert?“ Alex konnte es nicht glauben. Wenn sein Vater Julia geschlagen hatte, musste er einen sehr guten Grund gehabt haben, was die Sache natürlich nicht rechtfertigte.

Julia konnte ihm nicht in die Augen sehen, sie schämte sich dafür und wusste, dass er es nicht gerne hören würde. „Es war so“, begann sie langsam: „Dad hat erfahren, dass ich die Schule seit einiger Zeit schwänze. Wie du dir denken kannst, war er ziemlich sauer, besser gesagt, er rastete völlig aus, hielt mir wieder eine Standpauke wegen guter Schulbildung und so, na, du weißt schon. Da habe ich ihm erklärt, dass ich sowieso nicht aufs College gehen würde, und das hat ihm wahrscheinlich den Rest gegeben. Ein Wort gab das andere, und dabei ist mir was rausgerutscht.“

Alex sah sie streng an, bis sie damit rausrückte.

„Na ja, ich habe ihm gesagt, dass er mich mal kreuzweise kann und so ...“

„Sag mal, spinnst du?“, fiel ihr Alex wütend ins Wort. „So kannst du mit Dad nicht reden! Da bist du selber schuld, wenn er dir eine gescheuert hat. Ich sag dir mal was, Kleines: Da hast du dir die falsche Adresse ausgesucht, um dich auszuheulen.“ Alex war stinksauer auf Julia. Er war ja in seiner Teenagerzeit auch kein Musterknabe gewesen und hatte jede Menge Machtkämpfe mit seinem Vater ausgefochten, aber er hatte immer gewusst, wann er seine freche Klappe halten musste. Er nahm das Telefon wieder in die Hand und streckte es Julia hin. „Ruf an, und zwar sofort!“

Julia nahm ihm das Telefon ab und schaute ihn mit bettelnden Augen an. „In Ordnung, aber nur, wenn ich bleiben darf. Bitte, Alex.“

„Da kannst du noch so lange betteln, nein, ich habe zurzeit einiges um die Ohren.“

„Nur ein paar Tage, bitte, Alex! Ich verspreche dir, wenn ich ein paar Tage bleiben darf, dann koche jeden Abend für dich.“

„Sehe ich verhungert aus? Hör zu, Jules, es geht einfach nicht.“ Er kramte sein Handy aus der Hose und sah, dass er eine Menge verpasste Anrufe hatte, drei davon von seinem Vater. Mist, er hatte im Krankenhaus sein Handy ausschalten müssen und hatte danach vergessen, es einzuschalten. Ein schlechtes Gewissen holte ihn ein. Auch wenn er zurzeit mit seinem Vater Differenzen hatte, nahm er seine Telefonate immer an, weil vielleicht etwas mit Julia sein konnte, und genau das war es heute.

„Wenn ich bleiben will, brauche ich deine Hilfe nicht.“

Alex hasste diese Spielchen. Sie war wirklich so dreist, ihm zu drohen. „Julia. treibe es einfach nicht zu bunt! Heute ist ein schlechter Tag, um mir zu drohen.“

Julia wusste, Alex meinte es ernst, er hatte den gewissen Blick, den sie schon als Kind gekannt hatte, und sie wusste, dass es kein Durchkommen bei ihm gab. Da war er wie Daddy. Aber sie hatte auch immer gewusst, wie sie diese beiden Männer um den Finger wickeln konnte. Mit schmachtendem Blick sah sie Alex an. „Bitte, Alex, nur ein paar Tage! Ich verspreche dir auch, wieder in die Schule zu gehen, wenn ich bleiben darf.“

Alex war es leid, noch länger mit ihr zu verhandeln. „In Ordnung, aber nur, wenn Dad damit einverstanden ist. Und jetzt ruf endlich an.“

„Daddy schläft bestimmt schon.“

„Julia!“

Julia wählte, und es klingelte keine zwei Mal, und ihr Vater war dran.

Alex ließ sie alleine. Er wusste, dass es ihr nicht leichtfiel, sich bei ihrem Vater zu entschuldigen. Aber wie er ihn kannte, hatte er ihr schon lange verziehen und machte sich fürchterliche Vorwürfe, weil er sie geschlagen hatte. Er liebte seine Kleine, wie er sie heute noch nannte, über alles.

Julia kam mit dem Telefon in der Hand in die Küche, und Alex konnte hören, wie sie sagte: „Alex will dich noch etwas fragen.“ Sie streckte Alex den Hörer hin, der ihr diesen verächtlich aus der Hand riss.

„Hi, Dad, wie geht es dir? Tut mir leid, ich hatte mein Handy aus und bin gerade erst nach Hause gekommen. Ich wusste nicht, dass sie hier ist.“

„Jetzt, da ich weiß, dass sie bei dir ist, wieder gut. Geht’s ihr gut?“

„Sie ist okay, also hör zu: Von mir aus kann sie bleiben bis zum Wochenende, aber nur, wenn du wirklich nichts dagegen hast.“

„Das ist in Ordnung. Ich glaube, es tut uns beiden gut, wenn wir ein paar Tage voneinander Abstand haben. Sie ist zurzeit so schwierig, sie will die Schule abbrechen und, wie sie sagt, einfach ein bisschen jobben. Kannst du mal mit ihr reden? Vielleicht hört sie ja auf dich.“

„Mit Bestimmtheit werde ich mit ihr reden, da kannst du sicher sein. Ich bin in dieser Sache genau deiner Meinung.“

„Und bei dir, alles klar? Wie lief deine Anhörung, die war doch gestern?“

„Nicht so gut. Ich wurde für fünf Spiele gesperrt, dagegen kann ich absolut nichts machen, und das ist noch nicht alles. Sie haben mich zu einer Buße von 25.000 Dollar verdonnert.“ Er hätte es seinem Vater lieber verschwiegen, aber morgen würde es sowieso in allen Sportzeitungen stehen. Daher war es besser, wenn er es von ihm persönlich erfahren würde.

„Kannst du dir solche Eskapaden leisten?“ Alex hörte die Enttäuschung in der Stimme seines Vaters, was ihm gerade noch gefehlt hatte.

„Dad, ich weiß, dass ich einen Fehler gemacht habe, also rede du mir nicht auch noch ein schlechtes Gewissen ein.“

„So war das nicht gemeint Alex.“

„Ist schon gut. – Also, Dad, es ist schon spät. Ich setze Julia am Sonntag in ein Flugzeug, die genaue Zeit wird sie dir noch durchgeben.“

„Okay.“ Es entstand eine Pause. „Alex, sie braucht dich vielleicht jetzt mehr als mich. Mach’s gut.“ Mit diesen Worten hängte er auf.

„Du auch. Bye.“ Alex hängte auf, er war ausgepumpt: gestern die Anhörung, am Morgen der Unfall, das Krankenhaus, der Whiskey, Julia und jetzt noch die Enttäuschung in der Stimme seines Vaters. Warum lief seit Wochen alles schief?

Julia riss ihn aus seinen dunklen Gedanken: „Wo kann ich schlafen?“

„Auf der Couch.“

„Das meinst du nicht im Ernst.“

„Sehe ich aus, als würde ich Scherze machen? Schließlich bist du unangemeldet gekommen. Dein Zimmer ist noch nicht fertig. Also beklage dich nicht. Im Wandschrank sind Decken. Gute Nacht.“ Alex machte kehrt und verschwand in seinem Schlafzimmer. Er wollte endlich schlafen und diesen grässlichen Tag hinter sich lassen.

Kapitel 3

Ein Lächeln lag auf Doras Lippen. Sam mochte es, wenn seine Frau so zufrieden vor sich hin lächelte. Sie war die Liebe seines Lebens. Nie hätte er vor vierzig Jahren gedacht, dass diese Liebe noch stärker und intensiver werden würde. Sie beide waren damals weit über die dreißig Jahre alt gewesen und hatten schon einiges erlebt, aber seit dem Tag ihres Kennenlernens hatten sie gewusst, zusammenzugehören. Sie betrieben fünfzig Meilen von Montauk entfernt eine Pferdefarm, wo sie in früheren Jahren auch Reitunterricht erteilt hatten. Nun aber betrieben sie nur noch eine kleine, aber sehr bekannte Pferdezucht, auf die sie sehr stolz waren. Pferde waren ihre Passion und hatten sie damals auch zusammengebracht.

Sam nahm eine Hand vom Lenkrad, streichelte Dora sanft über die Wange und lächelte sie an. „Du freust dich unheimlich, habe ich recht?“

Dora schaute Sam mit leuchtenden Augen an. „Ja, es ist schön, dass Charlie kommt! Es sind über zehn Monate vergangen, seit sie das letzte Mal hier war. Die Gespräche mit ihr haben mir gefehlt.“ Dora musste daran denken, wie Charlie vor über dreißig Jahren an der Hand ihres Mannes und seines Jugendfreundes Anthony Logan, Charlies Vater, auf ihr Haus zugelaufen kam. Alle drei hatten gestrahlt und gelacht, wenn sie das kleine Mädchen immer wieder hochgeschwungen hatten. Sie konnte sich noch genau erinnern, wie ein tiefer Schmerz durch ihren Körper gestochen hatte, da sie wenige Wochen davor erfahren hatten, dass Sam und sie nie Kinder haben würden.

Sam verdrehte die Augen. „Ihr telefoniert doch ständig miteinander.“

„Das ist nicht das Gleiche. – Bitte schau auf die Straße.“

Den Blick wieder auf die Straße gerichtet, musste er lachen. „Weißt du, was? Auch ich freue mich auf ihren Besuch, aber nicht der Gespräche wegen, sondern weil sie immer jugendlichen Charme in unser Heim bringt.“

„He, was soll das denn heißen? Bin ich dir nicht mehr charmant genug?“

„Du weißt genau, wie ich das meine. Charlie ist ...“

„… einfach wunderbar“, beendete Dora Sams Satz.

Sie lächelten einander an und fuhren schweigend weiter Richtung Montauk, wo sie sich alle paar Wochen, wenn Charlie nicht in den Staaten war, um deren Haus kümmerten. Seit Jahren erledigte Dora die anfallenden Arbeiten dort, und Sam kümmerte sich ausschließlich um die Arbeiten an den Außenanlagen. Auch Charlie hatte einst bei Sam reiten gelernt, ihr Vater war Sams Jugendfreund. Oft musste Sam an die Zeit seiner Jugend denken, als er mit Anthony Logan musiziert hatte. Tonys Talent hatte man schon früh erkennen können, und so war es nicht verwunderlich gewesen, als er bereits im Alter von fünfzehn Jahren nach New York gegangen war und sein Glück in der Musik gesucht hatte. Tony war immer wieder nach Montauk zurückgekommen, um seine Eltern und Sam zu besuchen, die er trotz seiner Tingelei durch die Staaten nie vergessen hatte. Als er dann plötzlich mit einem kleinen Mädchen aufgetaucht war und ihm erklärt hatte, das sei seine Tochter aus der Schweiz, hatte Sam es kaum glauben können. Ganze vier Jahre lang hatte Tony kein Sterbenswörtchen darüber verloren, dass er Vater sei, und dann hatte er einfach stolz wie Oskar vor ihm gestanden und ihm Charlie präsentiert. Seit diesem Zeitpunkt gab es eine Regelmäßigkeit im Leben Anthony Logans. Immer im August verbrachte er ruhige Tage mit seiner Tochter in Montauk. Auch für Sam und Dora war diese Zeit immer was Besonderes. Dora hatte darauf bestanden, das Haus vor ihrer Ankunft mit Charlies Lieblingsblumen zu dekorieren. Die weißen Rosen sollten sie willkommen heißen. Charlie war ihnen in den Jahren sehr ans Herz gewachsen, und seit dem Tod ihres Vaters kehrte sie immer wieder zu ihnen zurück.

Der Regen prasselte auf die Windschutzscheibe seines Range Rovers. Alex klopfte ungeduldig mit den Fingern auf das Lenkrad. Denn seit einer halben Stunde stand er im Stau, und das morgens um zehn. Er wollte schon längst im Krankenhaus sein, um sich um den Gesundheitszustand seiner sogenannten Verlobten zu erkundigen. Was ihm allerdings mehr Kopfzerbrechen bereitete, war die Reaktion der ihm fremden Frau, der er die verzwickte Lage erklären musste.

Als er gestern in seinem Bett gelegen hatte, war er den ganzen Tag noch einmal durchgegangen und zum Schluss gelangt, dass es vollkommen verrückt gewesen war, sich als ihren Freund auszugeben. Was war, wenn sie bereits verlobt oder noch schlimmer verheiratet war? John hatte recht: Dann wäre alles noch komplizierter. Was zum Teufel hatte ihn da nur geritten. Ganz einfach, er war in Panik geraten, was ihm normalerweise nicht so schnell passierte. Er wusste stets, was er wollte, sei dies bei privaten oder beruflichen Situationen. Bei all seinen Entschlüssen, die er in seinem bisherigen Leben getroffen hatte, war er immer Herr der Lage gewesen. Die Tatsache, dass er diese zarte Frau verletzt hatte, all das Blut, das ihr über die Stirn gelaufen war, und der ausdruckslose Gesichtsausdruck hatten ihn völlig aus dem Gleichgewicht geworfen.

Im Schritttempo erreichte er das Krankenhaus, aber was er da sah, gefiel ihm überhaupt nicht. Vor dem Eingang standen mindestens zehn ihm bekannte Reporter. Da musste jemand vom Krankenhauspersonal gequatscht haben. Das fehlte ihm gerade noch. Seit dem Unfalltod seiner Mutter und der Schlägerei mit einem Schiedsrichter letzte Woche folgten sie ihm auf Schritt und Tritt, berichteten über jede Kleinigkeit in seinem Leben. Die heutige Schlagzeile lautete:

Alex Curren für fünf Spiele gesperrt!

Was würde morgen der Aufhänger der Zeitung sein? Alex Curren verlobt, Curren hat junge Joggerin verletzt oder Schon wieder Ärger mit Alex Curren?

Bei Alex machte sich Ärger breit. Diese Aasgeier! Wie kam er ohne Schaden aus dieser Geschichte wieder heraus? Das Wichtigste: Er musste cool bleiben. Alex fuhr an den wartenden Journalisten vorbei zum Hintereingang, aber auch dort lauerten sie ihm auf. Er entschloss sich, sich der Situation zu stellen, parkte sein Auto direkt vor dem Eingang und stieg aus. Carl Miller vom Star erblickte Alex und steuerte auf ihn zu.

Ausgerechnet Carl Miller, dieser Schmierfink, konnte es natürlich nicht erwarten, ihn ein weiteres Mal durch den Dreck zu ziehen. Er würde diese „Verlobung“ ausschlachten. Alles zerrte er an die Öffentlichkeit und sog sich ihm fehlendes Material einfach aus seinen schmutzigen Fingern. Hauptsache, er konnte die Yellow Press und das Netz damit füllen und durch seine erlogenen Geschichten eine Menge Geld verdienen.

Miller war es auch, der ihn seit Beginn der Saison verfolgte und geschickt abgewartet hatte, bis Alex nur einen kleinen Fehler begangen hatte, damit Miller zuschlagen konnte. Dies alles nur, weil dieser kleine Scheißer in seiner Männlichkeit verletzt war. Alex war der Fauxpas unterlaufen, eben diesem Carl Miller die Freundin auszuspannen. Angela und Alex hatten sich bei einem Interview kennengelernt, Angela war Fotografin. Sie verstanden sich gut und gingen daher einige Male miteinander aus, bis Alex herausfand, dass Angela mit dem berüchtigten Reporter Carl Miller liiert war; und da Alex sich nie in bestehende Beziehungen zu drängen pflegte, brach er den Kontakt mit Angela kurzerhand ab, was diese ihm sehr übel nahm und prompt Einzelheiten ihrer Treffen an die Presse weitergab. Nach dieser Erfahrung hatte sich Alex geschworen, sich vom weiblichen Geschlecht fernzuhalten und sich nicht so schnell wieder von seinen Hormonen leiten zu lassen.

Der Tod seiner Mutter war die erste Geschichte gewesen, auf die sich Carl Miller eingeschossen hatte. Der Mistkerl bog den tragischen Unfall so hin, dass jedermann, der seine Berichte las, dachte, Alex’ Mutter wäre eine gelegentliche Alkoholikerin gewesen. Nicht mal vor Bildern von der Trauerfeier schrak er zurück, und dies löste in Alex eine Wut aus, die sich seit diesem Zeitpunkt nie mehr ganz gelöst hatte. Alex drohte ihm, und nur dank Johns beruhigender Worte schlug er Miller damals nicht die Nase ein. Für einige Wochen gab dieser Mistkerl Ruhe, wartete aber wie ein Sprinter auf der Startlinie auf den ersten Schwachpunkt oder Fehler seinerseits. Als Alex vor Wochen in ein Leistungstief fiel, war das für Miller ein gefundenes Fressen ihn noch schlechter aussehen zu lassen als bislang. Aber richtig hartnäckig wurde Miller erst, als Alex durch eigene Schuld die Nerven verlor und durch nicht entschuldbare Unsportlichkeit auffiel. Vor einer Woche, nach dem Spiel gegen die Boston Bruins hatte er dem Schiedsrichter die Nase zertrümmert, weil der eine Bemerkung über seine Mutter gemacht hatte. Da hatte Miller zugeschlagen wie ein Krieger, hatte Alex in jeder Hinsicht schlecht aussehen lassen, was eine Meute sensationsgeiler Journalisten nach sich gezogen hatte. Bis zum heutigen Tag wurde Alex’ Leben durch jede erdenkliche noch so kleine Handlung von der Presse ausgeschlachtet. Seit Beginn seiner Profikarriere vor fünfzehn Jahren war er an die Presse gewöhnt, aber was seit sechs Wochen ablief, war einfach nicht mehr normal. Er war sich ziemlich sicher, dass Carl Miller ihn fertigmachen wollte.

„Alex, was ist an dem Gerücht dran, dass Sie verlobt seien?“

„Lass mich in Ruhe, Miller, du bist der Letzte, dem ich irgendetwas beantworte.“

„Also stimmt es?“

Alex zog sich den Kragen seiner schwarzen Lederjacke tiefer ins Gesicht und lief direkt, ohne auf weitere Zurufe zu reagieren, auf die Eingangstür des Krankenhauses zu. Erleichtert stellte er fest, dass im Innern des Krankenhauses Ruhe herrschte. Ein Sicherheitsbeamter kam auf ihn zu und nahm ihn auf die Seite.

„Mr Curren, es tut uns leid, aber irgendwie hat die Presse erfahren, dass Ihre Verlobte gestern hier eingeliefert wurde. Selbstverständlich haben wir sofort reagiert und werden alles uns Mögliche tun, damit Ihre Verlobte nicht gestört wird.“

„Ja, vielen Dank.“ Alex zuckte bei dem Wort „Verlobte“ innerlich jedes Mal zusammen. Ihm wurde ganz heiß. Wie kam er aus dieser Sache nur wieder heraus?

Ungeduldig wartete er auf den Aufzug. Als sich die Türe öffnete, trat er entschlossenen Schrittes ein und fuhr in den fünften Stock. Ohne nach rechts und links zu schauen, ging er auf das Zimmer zu, indem die Frau lag, die er am gestrigen Abend nur kurz hatte sehen dürfen. Sie lag ruhig atmend im Bett, die Spuren des Blutes waren weggewischt worden, und durch ein Pflaster wurde ihre Wunde an der Schläfe verdeckt. Die ganze Nacht durch hatte er immer wieder das Bild der ihm fremden Frau vor Augen gehabt, die ruhig in dem Krankenhausbett lag. Nun würde sich herausstellen, wie ruhig diese Frau blieb, wenn sie von ihrer „Verlobung“ erfuhr, von der die Presse bereits mehr zu wissen schien als sie selbst. Zögernd stand er jetzt vor der geschlossenen Tür und hatte Angst, die Türklinke niederzudrücken.

„Mr Curren?“

Erschrocken zuckte Alex zusammen, drehte sich um und erblickte Dr. Finley. „Oh, Dr. Finley, gut, dass ich Sie treffe. Wie geht’s ihr? Hat sie die Nacht gut überstanden?“

„Ich wollte gerade zu ihr. Kurz nachdem ich gestern das Haus verlassen hatte, hat sie unerlaubt das Bett verlassen und ist dabei umgekippt.“

„Hat sie sich dabei verletzt?“ Alex hatte sofort wieder ein schlechtes Gewissen.

„Nein, sie ist okay, schauen wir mal nach ihr.“ Dr. Finley öffnete die Tür und trat ein, Alex folgte ihm langsam.

Charlie war die ganze Nacht hindurch immer wieder von den Schwestern geweckt worden, um zu kontrollieren, ob sie bei Bewusstsein sei. Um sechs Uhr morgens konnte sie dann nicht mehr einschlafen und überlegte sich, ob sie aufstehen und die Klinik verlassen sollte. Sie entschied sich dagegen, denn es konnte nicht schaden, noch zu warten, bis endlich ein Arzt auftauchen würde, um sie über ihren Gesundheitszustand aufzuklären. Also blieb sie liegen und versuchte, die Geschehnisse vom gestrigen Tag noch einmal Revue passieren zu lassen. Doch irgendwie gelang es ihr nicht, all das Durcheinander zusammenzusetzen. Sie schlummerte vor sich hin. Beim Geräusch der öffnenden Tür schlug Charlie die Augen auf und sah einen klein gewachsenen, glatzköpfigen, aber nett dreinblickenden Arzt auf sie zukommen. Ihr Blick aber blieb auf dem hinter dem Arzt eintretenden großen, kräftigen Mann haften. Wie ein Blitz schlug es bei Charlie ein: Das war dieser Rowdy, der sie über den Haufen gefahren und in diese Lage gebracht hatte!

„Ah, Miss Klein, wie ich sehe, geht es Ihnen besser. Ich bin Dr. Finley, Ihr behandelnder Arzt, solange Sie bei uns sind.“ Freudestrahlend nahm er ihre Hand, um ihren Puls zu fühlen.

„Mein Name ist nicht Klein! Was ist mit mir los, hatte ich eine Amnesie oder so etwas?“ Charlie wurde langsam wütend. Was geschah mit ihr? War sie so schwer auf den Kopf gefallen, dass sie vergessen hatte, wie sie hieß, oder gar, dass sie einen Verlobten hatte? Nein, da war irgendetwas faul, gewaltig faul sogar.

„Aber ja, tut mir leid, aber Ihr Verlobter“, er nickte in Alex’ Richtung, „wollte, dass Sie unter falschem Namen eingetragen werden, damit Sie niemand belästigt. Sie wissen ja: die Presse.“

Alex wurde es ganz heiß, als er den Blick, den ihm diese Fremde zuwarf, sah. Dieser Blick sagte ihm, dass sie wütend war, sehr wütend sogar. Es würde nicht leicht werden, ihr die ganze Geschichte zu erklären. Aber er würde seinen berühmten Charme spielen lassen, was bis jetzt bei den Frauen immer gewirkt hatte.

„Was Ihre Verletzungen angehen, ist es nicht allzu schlimm“, fuhr Dr. Finley fort. „Ihre Hand ist in sechs Wochen wieder vollständig zusammengewachsen, ein glatter Bruch, und Ihre Gesichtsverletzung hat unser bester Schönheitschirurg versorgt. Sie werden also die Narbe später kaum mehr sehen. Ihre Rippen jedoch werden noch eine Weile schmerzen. Was mir allerdings mehr Kopfzerbrechen bereitet: Sie haben eine schwere Gehirnerschütterung, und mit so was ist nicht zu spaßen. Also schlage ich Ihnen vor, dass Sie noch ein, zwei Tag hierbleiben, um sich richtig zu erholen.“

Holte dieser Mann auch Atem? Sein Wortschwall über ihren Zustand ließ ihre Kopfschmerzen wieder heftiger werden. Er strahlte sie fröhlich an, und Charlie meldete sich das erste Mal richtig zu Wort. Sie sollten gleich wissen, dass sie Krankenhäuser hasste wie die Pest und dass sie sich von einem fremden Kerl, der sich als ihr Verlobter ausgab, keinerlei Vorschriften machen ließ.

„Ich glaube nicht, dass das nötig ist. Ich kann mich ebenso gut zu Hause hinlegen. Mein Verlobter wird vorzüglich für mich sorgen, nicht wahr, mein Schatz?“ Charlies Blick wanderte von Dr. Finley zu Alex, dem sie ein gekonntes Lächeln zuwarf, ihr Tonfall verriet jedoch ihren Ärger.

Zum ersten Mal, seit Alex das Zimmer betreten hatte, meldete er sich zu Wort: „Ich weiß nicht, Darling“, Alex spielte dieses Theater mit, „du solltest auf den Doktor hören und vielleicht doch noch einen Tag hierbleiben und dich erholen.“

„Wissen Sie, was? Ich lasse Sie jetzt einfach alleine.“ Mit einem verschmitzten Lächeln verschwand Dr. Finley aus dem Zimmer, denn er spürte die Spannungen, die zwischen diesem Paar lagen. Er wollte nicht wissen, was vor dem Unfall zwischen ihnen vorgefallen war.

„Klein also. Habe ich auch einen Vornamen?“ Charlie sah Alex mit zornigen Augen an. Es brodelte in ihr, und sie war kurz davor, diesem eingebildeten Affen die Meinung zu blasen.

„Lassen Sie mich das erklären, ich wollte nicht, dass ...“, fing Alex an, Charlie aber ließ ihm keine Chance, sondern fiel ihm ins Wort.

„… erklären – was zum Teufel gibt Ihnen das Recht, mich als Ihre Verlobte auszugeben? Zuerst fahren Sie mich über den Haufen, verpassen mir einen fremden Namen, lassen sich über meinen Gesundheitszustand informieren und spielen hier den rettenden Engel. Können Sie mir vielleicht sagen, was das soll?“ Charlie spuckte ihm diese Worte förmlich entgegen.

Alex musste sich zusammenreißen, damit er nicht auch so schroff reagierte. Seine Hände umklammerten das Bettgestell am Fußende so fest, dass seine Knöchel weiß wurden.

„Jetzt mal langsam: Erstens habe ich Sie nicht absichtlich über den Haufen gefahren, das war ein Unfall, Sie sind mir direkt vor meine Füße gelaufen.“

„Sie haben telefoniert!“ Charlie sah auf einmal den ganzen Unfall wie einen Kurzfilm vor ihren Augen ablaufen.

„Und Sie haben Musik gehört.“

„Hören Sie keine Musik beim Joggen?“

Alex merkte auf einmal, dass sie einander angifteten. Sofort senkte er die Stimme und fuhr fort: „Okay, hören Sie, es war falsch, mich als Ihren Verlobten auszugeben, aber ehrlich gesagt, habe ich mir Sorgen um Sie gemacht. Wenn ich mich nicht als Ihren Verlobten ausgegeben hätte, hätte man Sie in eine dieser miesen Kliniken untergebracht, das wollte ich nicht. Sie hatten ja keinerlei Papiere bei sich. Ich wusste nicht, woher Sie sind oder wem ich Bescheid sagen könnte. Tut mir leid.“

Beide sahen sie sich an, und es war zum ersten Mal still im Zimmer, seit er dieses betreten hatte.

„Also, ich bin Alex.“

Er meinte es offensichtlich ernst, dieser Mann hatte Schuldgefühle, was Charlie einerseits schmeichelte, aber anderseits misstrauisch machte. Jedoch das interessierte sie nicht besonders, da sie mit ihm in einigen Stunden sowieso nichts mehr zu tun hätte.

„Ja, ich verstehe, also vergessen wir das Ganze. Tut mir auch leid. Charlie.“ Charlie schob die Bettdecke zur Seite und schwang die nackten Beine über den Bettrand.

„Moment mal, was machen Sie da?“ Alex stand blitzschnell neben ihr und sah besorgt auf sie nieder.

„Ich will nach Hause. Entweder Sie helfen mir dabei, oder Sie verduften.“ Ohne auf ihn zu achten, schlug sie die Beine über den Bettrand und erhob sich, im knielangen Krankenhaushemd stand sie vor ihm. Erst jetzt fiel ihr auf, dass er ein Riese war und sie ihm gerade mal bis zur Schulter reichte. Sie musste ihr Kinn heben, um ihm in die Augen schauen zu können. Mann, hatte dieser Mann Augen, schoss es Charlie durch den Kopf, Augen blau wie der Himmel, bevor ein Sturm losbrach! „Also, was ist jetzt, helfen Sie mir oder nicht?“

„Ich werde Ihnen bestimmt nicht helfen, ich möchte, dass Sie sich wieder hinlegen und bis morgen hierbleiben. Sie haben doch gehört, was der Arzt gesagt hat.“

Charlie ignorierte ihn einfach und verschwand hinter dem Vorhang, wo sich das Waschbecken und die Kleiderschränke befanden.

Alex raufte sich die Haare. Was hatte er sich da aufgeladen? Diese Frau war hochgradig explosiv und furchtbar anstrengend. So, wie er das sah, war sie fest entschlossen, die Klinik zu verlassen, und er konnte überhaupt nichts dagegen tun. Genervt setzte er sich auf den Bettrand und wartete: Na schön, wenn sie gehen wollte, sollte sie, aber ihn würde sie nicht so schnell loswerden. Er konnte sich das Lachen nicht verkneifen, als er Charlie hinter dem Vorhang fluchen hörte.

Es kostete Charlie ihre ganze Kraft, sich die engen Jogginghosen mit einer Hand anzuziehen, und sie hatte das Gefühl, in ihrem Kopf wandere eine Kugel hin und her.

„Alles in Ordnung?“

„Nein, verdammt, ich kann mein Sweatshirt nirgends finden.“

„Ja, das ist ein Wink des Schicksals, meinen Sie nicht auch? So, wie ich mich erinnern kann, haben sie das gestern zerschnitten.“

„Mist.“

Alex schmunzelte. „Sieht also so aus, als müssten Sie doch bis morgen bleiben.“

Charlie streckte den Kopf aus dem Vorhang. „Auf keinen Fall! Ich kriege Ausschlag, wenn ich noch länger hierbleiben muss.“ Beim Anblick ihres neuen Verlobten erhellte sich ihr Gesicht. „Ziehen Sie Ihr Shirt aus.“

„Was?“ Alex sah an sich hinunter. Er trug unter der Lederjacke ein Sweatshirt und sonst gar nichts.

„Das sind Sie mir schuldig.“

„Ich bin Ihnen überhaupt nichts schuldig.“ Verärgert über sich selber und wissend, dass diese Nervensäge sonst einen Riesentumult machen würde, zog er die Lederjacke und danach sein Sweatshirt aus und drückte es Charlie mit bösem Blick in die Hände.

Kapitel 4

Das Krankenhaus zu verlassen, erwies sich als nicht so einfach. Zuerst musste Alex Dr. Finley überzeugen, dass es besser wäre, wenn Charlie sich zu Hause erholen würde, und ihm versprechen, darauf zu achten, dass sie sich an seine Anordnungen hielt und noch zwei Tage im Bett liegen blieb – was er Charlie natürlich nicht auf die Nase band, da sie sonst ohne ihn losmarschiert wäre. Also ließ er sie in dem Glauben, dass er sie nach Hause fahren würde. Mehr Kopfzerbrechen bereitete ihm jedoch die wartenden Journalisten vor dem Krankenhaus. Wie sollte er ihr dies erklären, ohne dass sie ihm gleich wieder ins Gesicht springen würde? Diese Frau war auf der einen Seite eine Nervensäge, aber auf der anderen Seite eine Herausforderung, der er sich stellen wollte. Ihm war ihre Attraktivität keineswegs entgangen, als sie ihre nackten schlanken Beine ohne jede Hemmung vor ihm entblößt hatte, als sie aus dem Bett gestiegen war. Ihre Haare waren von einem Dunkelblond, das es selten gab. Sie standen ihr wirr in alle Richtungen, was sie unheimlich reizvoll machte. Was hinter ihren großen smaragdgrünen Augen lag, konnte Alex noch nicht recht erkennen. Eines aber war sicher: Sie sprühten zurzeit vor Zorn, was nicht zuletzt an ihm lag.

Mit Mühe konnte Alex Charlie erklären, warum die Journalisten auf ihn warteten und dass wahrscheinlich jemand vom Krankenhauspersonal für ein paar Scheine die Presse informiert hatte, dass die Verlobte Alex Currens im Krankenhaus lag – was zurzeit spannender war als die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen im kommenden November.

Erst als sie den Aufzug verließen, wurde Charlie klar, dass dieser nicht ganz unattraktive Mann an ihrer Seite wirklich ein bekannter Sportler sein musste, wenn die Presse so an seinen Fersen klebte, nur um seine Verlobte zu Gesicht zu bekommen. Ihr wurde es flau im Magen. Vor Jahren hatte sie Ähnliches erlebt, als Journalisten sich wie Geier auf sie gestürzt hatten. Auf keinen Fall wollte sie so etwas noch einmal durchmachen.

„Sie haben mir nicht gesagt, dass Sie eine Berühmtheit sind. Langsam sollte auch bei Ihnen der Groschen gefallen sein, dass dies eine saublöde Idee war, eine Verlobte zu erfinden. Ich für meinen Teil nehme den Hinterausgang.“

Wieder sprühten ihre Augen böse Blitze, was Alex sofort registrierte. Er dürfte jetzt auf keinen Fall die Beherrschung verlieren! Wie oft musste er sich eigentlich noch bei dieser Frau entschuldigen?

„Da ist es auch nicht besser.“

„Ich gehe alleine, mich kennt ja niemand.“ Charlie wollte gerade losmarschieren, Alex aber stellte sich ihr in den Weg.

„Kommt nicht infrage! In diesem Zustand lasse ich Sie nirgendwohin alleine, Sie können sich ja kaum auf den Füßen halten.“

Charlie sah ihn an. Sie fühlte sich wirklich nicht gut, und dieser Mann wirkte sehr bestimmt; und doch wollte sie sich von diesem Großkotz nichts vorschreiben lassen.

„Und wo sollen wir raus?“

„Tut mir leid, aber da müssen wir durch. Mein Wagen steht da draußen. Wir geben keinen Kommentar ab, auch wenn es Ihnen schwerfällt, für ein paar Minuten Ihren süßen Mund zu halten.“ Alex legte den Arm beschützend um Charlies Schulter und zog sie an seine Seite. Charlie wollte gerade gegen die intime Geste rebellieren, ließ es aber, als sie Alex’ zornige blauen Augen sah.

Wie ein verliebtes Paar verließen sie das Krankenhaus und marschierten auf direktem Wege auf Alex’ Auto zu, ohne die Journalisten zu beachten, die mit ihren Kameras hinter ihnen herliefen und ihnen zuriefen. Er half ihr, in das Auto zu steigen, und fuhr ohne direktes Ziel los. Erst als er sich sicher war, dass ihnen niemand gefolgt war, sah er zu Charlie hinüber und sah eine erschöpfte Frau, die ihren Kopf an das Seitenfenster legte und auf die vorbeiziehenden Häuser starrte.

„Alles in Ordnung?“

Charlies Blick musterte ihn von der Seite. „Geht schon, danke. Eigentlich dachte ich, ich müsste mich mit meinen schmerzenden Rippen in einen Porsche quetschen.“ Charlie bereute ihre Worte gleich wieder und fragte sich, warum sie so gereizt auf diesen Mann reagierte. Er gab sich Mühe und hatte sichtlich ein schlechtes Gewissen.

„Das ist eine rein praktische Wahl, aber wenn ich gewusst hätte, dass Sie den Porsche vorziehen, hätte ich selbstverständlich den genommen.“

Charlie entwischte zum ersten Mal ein Lächeln. Dieser Mann konnte tatsächlich auch Witze reißen.

„Wo wohnen Sie? Ich schlage vor, dass Sie sich einige Sachen zusammenpacken und für die nächsten Tage bei mir wohnen.“

„Ha, ich glaube, Sie haben sie nicht mehr alle! Ab sofort ist unsere Verlobung aufgelöst. Ich hoffe, dass das Ihr muskulöses Sportlerhirn auffassen kann.“

Alex schäumte vor Wut. Was bildete sich diese Ziege ein? Aus diesen Worten zu schließen, hatte sie offenbar wie so viele Normalsterbliche die Vorstellung, alle Sportler seien völlig bekloppt und zurückgeblieben. Na, da war sie bei ihm aber auf dem Holzweg. Vielleicht kam er ja mit Geduld und Verständnis bei so viel Abneigung gegen ihn weiter.

„Also, wo wohnen Sie?“, fragte er, so nett er konnte, noch einmal.

Charlies Kopf dröhnte. War es doch ein Fehler gewesen, das Krankenhaus heute schon zu verlassen und sich jetzt mit diesem entschlossen wirkenden Mann herumzuschlagen? Sie hatte sich die Tage in New York weiß Gott anders vorgestellt.

„Hilton.“

„Hilton Hotel? Sie wohnen im Hotel?“

Ohne weitere Erklärung meinte Charlie trocken: „Ja“, denn sie wollte so schnell wie möglich in ihr Hotel, die Türe hinter sich abschließen, sich hinlegen und das Ganze vergessen.

Alex wurde auf einmal klar, dass diese ihm fremde Frau gar nicht hier wohnte, daher ihr Akzent.

„Sie wohnen nicht hier? Sie machen hier Urlaub?“ Es war mehr eine Feststellung als eine Frage.

„Richtig.“

„Mist. Ich habe Ihnen die Ferien versaut, stimmt’s?“