Zwei plus eins - Christoph W. Bauer - kostenlos E-Book

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Christoph W. Bauer

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Beschreibung

Was tun, wenn man sich nach einer durchliebten Nacht nicht wiedererkennt im Spiegel? Und was hat es mit dem pissgelben Fahrrad im Hauseingang auf sich? Ein Kunsthistoriker sucht die Antworten darauf. ***Erzählung Nr.1 aus dem Sammelband "In einer Bar unter dem Meer"*** Die Figuren in Christoph W. Bauers Erzählungen mögen auf den ersten Blick verschroben wirken. Dabei sind sie vertrauter, als einem lieb ist: Sie trauern verpassten Chancen nach, verrennen sich in Träume, sind unglücklich in ihren Berufen, sprechen von Treue und wandern von einem Bett ins andere, geben sich kühl und erfahren, im nächsten Moment innig und schmachtend. In den unterschiedlichsten Tonarten sprechen sie an, was wir alle kennen: Einsamkeit, Sehnsucht, Liebe und Verlust. Temporeich und direkt sind Bauers Geschichten, manchmal kurz und energisch wie ein Punksong, manchmal eigenbrötlerisch und elegisch wie ein Blick aufs Meer. Dabei oft von einer bestechenden Komik und voll plötzlicher Wendungen, die unversehens den Blick öffnen auf eine Wirklichkeit, die uns alle betrifft. Alle Erzählungen aus "In einer Bar unter dem Meer": Die Meidlinger Bellevue Kalifornien Tannertschok Irgendwo in Deutschland Samsas Erben Windburgen Der Fall Branzer Traunstein Das Gewicht Full Shot Fassbare Formen Eine Melange im Nirgendwo Schusstechnik Relaunch, Schauraum sieben Emira und das Meer Figuren Stecknadeln

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Seitenzahl: 14

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Christoph W. Bauer

Zwei plus eins

Erzählung

„Und glaub ich noch ans Meer, so hoffe ich auf Land.“

Ingeborg Bachmann

Der Tag, an dem ich für verrückt erklärt wurde, war der zweitglücklichste Tag meines Lebens. Dabei begann er alles andere als verheißungsvoll. Ich erwachte mit schwerem Schädel, quälte mich aus dem Bett und hinaus auf den Gang, wo ich über ein Fahrrad stolperte. „Schau an“, sagte ich, „schau an, ein Fahrrad, ja, wem mag wohl dieses Fahrrad gehören“, war mittlerweile im Bad und vorm Spiegel, aus dem ein Gesicht mir auf den Kopf zu sagte: „So weit hast du es also gebracht.“ Die mir seit Jugendtagen vertraute Anrede hatte mich nicht schrecken können, dennoch war ich nahe daran, die Kontrolle über meinen Schließmuskel zu verlieren. „Was ist los“, fuhr mein Gegenüber fort, „hat es dir die Rede verschlagen? Wäre es dazu nicht schon viel früher an der Zeit gewesen? Nun beginnt es zu arbeiten hinter deiner Stirn, ich sehe es dir an.“

Zu arbeiten begann es vor allem in meinen Oberschenkeln, sie leiteten ein Zittern ein, das bald den ganzen Körper erfasste. Ich ging etwas in die Knie, Hände am Beckenrand, Kinn zunächst nach unten, dann in Gegenbewegung –

„Gut, ich will dir auf die Sprünge helfen“, hatte mein Vis-à-vis mich wieder unter Kontrolle. „Du hast es gestern Abend erneut verabsäumt, dich zu überraschen, was deinem Dasein vielleicht keinen Halt gegeben, ihm aber zumindest die Haltlosigkeit genommen hätte.“

Mich schwindelte, ich tastete nach dem Kaltwasser­hahn, hielt die Hände unter den Strahl. Nur bedingt wurde mir klarer, mutmaßlich jedoch aufgrund der Frage:

„Blond, schwarzhaarig?“