Zwei verletzte Seelen - Patricia Vandenberg - E-Book

Zwei verletzte Seelen E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Die schönsten Dr. Norden Romane in einer Serie zusammengefasst. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Er sucht nach Hintergründen, nach der Ursache, warum dem Patienten nicht zu helfen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. »Überall, wo Salsa getanzt wird, braucht es keine Sprache zur Verständigung. Salsa verbindet die Menschen auch ohne Worte. Salsa bedeutet pure Lebensfreude! Vergessen Sie Ihren anstrengenden Alltag und spüren Sie die Freude an der Bewegung!« Felicitas Nordens Stimme war begeistert, als sie die Ankündigung des Workshops vorlas, die ihre Tochter Dési ihr in die Hand gedrückt hatte. Ihre Augen bekamen einen eigentümlichen Glanz, wie Daniel widerwillig feststellte. Tanzen gehörte nicht gerade zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Konzentriert blickte er auf seinen Teller, während Fee den Prospekt sinken ließ und versonnen fortfuhr. »Salsa hab ich noch nie getanzt. Das würde ich auch gern mal machen.« Sie schickte ihrem Mann über den Tisch hinweg einen funkelnden Blick. Genau das hatte Daniel befürchtet, und er hob abwehrend die Hände. »Oh nein, tut mir leid, für so was hab ich keine Zeit.« Sofort zog Dési eine Schnute. »Schade, dabei hatte meine Tanzlehrerin Jacqueline so eine tolle Idee.« Sie saß am Frühstückstisch vor ihrem Müsli mit frischen Früchten und sah ihren Vater missmutig an. Daniel tat vorsichtshalber so, als hätte er nichts bemerkt, und vertiefte sich darin, seine Scheibe Brot besonders liebevoll mit Butter zu bestreichen. Seine Frau lachte in sich hinein. Sie kannte diese Vogel-Strauß-Taktik, die Daniel hin und wieder anwendete, wenn er einer ihm unangenehmen Situation entkommen wollte. Und Tanzen war offenbar so eine.

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Seitenzahl: 109

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Dr. Norden Liebhaber Edition – 22 –Zwei verletzte Seelen

Vater und Sohn wollten keinen Weg zueinander finden

Patricia Vandenberg

»Überall, wo Salsa getanzt wird, braucht es keine Sprache zur Verständigung. Salsa verbindet die Menschen auch ohne Worte. Salsa bedeutet pure Lebensfreude! Vergessen Sie Ihren anstrengenden Alltag und spüren Sie die Freude an der Bewegung!« Felicitas Nordens Stimme war begeistert, als sie die Ankündigung des Workshops vorlas, die ihre Tochter Dési ihr in die Hand gedrückt hatte. Ihre Augen bekamen einen eigentümlichen Glanz, wie Daniel widerwillig feststellte. Tanzen gehörte nicht gerade zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Konzentriert blickte er auf seinen Teller, während Fee den Prospekt sinken ließ und versonnen fortfuhr. »Salsa hab ich noch nie getanzt. Das würde ich auch gern mal machen.« Sie schickte ihrem Mann über den Tisch hinweg einen funkelnden Blick.

Genau das hatte Daniel befürchtet, und er hob abwehrend die Hände.

»Oh nein, tut mir leid, für so was hab ich keine Zeit.«

Sofort zog Dési eine Schnute.

»Schade, dabei hatte meine Tanzlehrerin Jacqueline so eine tolle Idee.« Sie saß am Frühstückstisch vor ihrem Müsli mit frischen Früchten und sah ihren Vater missmutig an.

Daniel tat vorsichtshalber so, als hätte er nichts bemerkt, und vertiefte sich darin, seine Scheibe Brot besonders liebevoll mit Butter zu bestreichen.

Seine Frau lachte in sich hinein. Sie kannte diese Vogel-Strauß-Taktik, die Daniel hin und wieder anwendete, wenn er einer ihm unangenehmen Situation entkommen wollte. Und Tanzen war offenbar so eine.

»Welche Idee hatte Jacqueline denn, mein Schatz?«, wandte sie sich dagegen umso interessierter an ihre Tochter.

Sofort begannen Désis Augen zu leuchten.

»Sie hatte die Idee, Tanzworkshops in Firmen anzubieten. Als Auflockerung in der Mittagspause zum Beispiel«, erklärte sie eifrig. »Die Kosten würden sogar die Krankenkassen übernehmen. Gesundheit am Arbeitsplatz und Prävention und so.«

»Ha, das ist bestimmt als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die Sachbearbeiter der Versicherungen gedacht«, konnte Felix sich wieder einmal nicht mit einem frechen Kommentar zurückhalten.

»Wie meinst du das?«, hakte Dési argwöhnisch nach.

»Na ja, irgendwer muss sich ja dann um die ausgekugelten Schultern und gequetschten Zehen kümmern«, grinste er und lachte laut heraus, als Dési ihm die Zunge rausstreckte.

»Das wäre in der Tat der Fall, wenn du dich aufs Parkett wagen würdest. Zum Glück bleibt das der Frauenwelt erspart.«

Während die Geschwister ihren gutmütigen Zank ausfochten, trank Felicitas einen Schluck Kaffee und dachte nach.

»Hmmm. Eigentlich finde ich diese Idee gar nicht schlecht. Wenn ich daran denke, wie erschöpft die Kollegen in der Klinik manchmal sind … Da könnte ein bisschen Spaß und Auflockerung nicht schaden«, sprach sie ihre Gedanken laut aus. »Dann würde die Arbeit gleich wieder besser von der Hand gehen.« Sie leerte ihre Tasse und sah auf die Uhr. »Oh, ich muss los.« Im Rahmen ihrer Facharztausbildung zur Kinder- und Jugendpsychiaterin absolvierte sie ein einjähriges Praktikum in der Pädiatrie der Behnisch-Klinik und musste sich beeilen, um nicht zu spät zum Dienst zu kommen. Sie beugte sich über ihre Kinder und verabschiedete sich mit einer Umarmung von Felix und Dési. »Kann ich ein paar von den Flyern mitnehmen?«, fragte sie ihre Tochter.

»Klar. Jacqueline hat sie uns ja mitgegeben, damit wir sie verteilen. Eigentlich wollte ich Papi ja auch einen aufs Auge drücken.« Dési lächelte ihren Vater engelsgleich an. »Für die Praxis. Vielleicht haben Wendy und Janine auch Lust auf ein bisschen Abwechslung vom stressigen Praxisalltag.« Zu Daniels Missfallen zog sie gleich noch ein paar weitere Prospekte hervor und legte sie demonstrativ auf den Tisch. »Hier, die kannst du bei euch am Schwarzen Brett aufhängen.«

»Wie stellst du dir das vor?«, stellte er eine berechtigte Frage. »Sollen die beiden etwa in der Mittagspause mit Danny und mir tanzen?« Unwillig schüttelte er den Kopf. »Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee wäre. Da mache ich mir meine Patienten ja selbst«, griff er Felix‘ Bemerkung von vorher auf. »Mal abgesehen davon, dass die Arbeit mit mir genug Abwechslung und Aufmunterung bietet«, scherzte Daniel gut gelaunt und hob den Kopf, um seine Frau zum Abschied zu küssen.

»Dass du dich da mal nicht täuscht, mein Lieber«, lachte sie an seinem Mund und verließ das Esszimmer, ehe ihr Mann Gelegenheit hatte nachzufragen, wie sie diese Bemerkung wohl gemeint hatte.

*

Deprimiert lauschte Janine Merck auf das Klingeln im Hörer, das ohne Antwort blieb. Schließlich legte sie auf und starrte auf das Foto, das auf der Kommode stand. Es zeigte ihren Verlobten, den Unternehmersohn Lorenz Herweg, wie er sie im Arm hielt und ihr zärtlich einen Kuss auf die Wange drückte. Das Bild stammte eindeutig aus glücklicheren Tagen. Seit Lorenz auf Wunsch seines Vaters nach Amerika gegangen war, um eine Zweigstelle der Medizintechnik-Firma Herweg aufzubauen, stand es um die Beziehung nicht zum Besten. Dass Janine ihren Verlobten kaum mehr telefonisch erreichen konnte, machte die Sache nicht besser.

»Selbst schuld«, murmelte sie vor sich hin und trank einen Schluck Kräutertee. Seit Wochen kämpfte sie mit einer unerklärlichen Übelkeit, die ihr Chef Dr. Norden zunächst auf eine Schwangerschaft geschoben hatte. Dieser Verdacht hatte sich glücklicherweise nicht bestätigt.

»Ich verstehe nicht, warum du nicht mit ihm gehst«, klangen Janine wieder einmal die missmutigen Worte ihres Schwiegervaters in spe im Ohr. Der alte Patriarch Carl Herweg war alles andere als begeistert darüber, dass sein jüngster Sohn mit einer wesentlich älteren Frau liiert war. Die Tatsache, dass die ehemalige Krankenschwester ihre eigenen beruflichen Pläne über die ihres Verlobten stellte, hatte das Verhältnis nachhaltig getrübt. Daran hatte auch der Unfall von Lorenz nichts ändern können, als sein Leben an einem seidenen Faden hing und Janine sich aufopfernd um ihn gekümmert hatte. Nach dem überwundenen Schock war der Alltag wieder in ihre Beziehung eingekehrt, und Carl Herweg gab sich unfreundlich wie eh und je.

Deprimiert trank Janine ihren Tee aus und griff noch einmal nach dem Hörer.

»Vielleicht ist er ja jetzt da«, murmelte sie hoffnungsvoll. Doch wieder ging ihr Anruf ins Leere, und der ehemaligen Krankenschwester der Behnisch-Klinik blieb nichts anderes übrig, als sich seufzend auf den Weg zur Arbeit zu machen.

Das Wetter war genauso schlecht wie ihre Stimmung, und der feine Nieselregen, der auf die Windschutzscheibe sprühte, erfüllte sie mit grimmiger Freude.

Als Janine eine Viertelstunde später die Praxis betrat, war ihre Freundin und Kollegin Wendy schon da. Mit einer Gießkanne bewaffnet war sie gerade dabei, die Topfpflanzen zu gießen, die großzügig verteilt die Praxis schmückten.

»Herrje, heute bist du wieder eine harte Konkurrenz für unsere weißen Wände«, machte Wendy keinen Hehl aus ihren Sorgen. »Du siehst aus wie ein Gespenst.«

Janine machte gar nicht erst den Versuch zu leugnen.

»Lorenz geht schon seit drei Tagen nicht mehr ans Telefon. Ich habe kein Lebenszeichen von ihm und weiß nicht, ob ich mich darüber ärgern oder mir Sorgen machen soll«, gestand sie geknickt und hängte ihre feuchte Jacke an die Garderobe.

Wendy zögerte einen Augenblick. Dann stellte sie die Gießkanne auf den Tresen und schloss ihre Freundin in die Arme.

»Ich will ja nicht den Teufel an die Wand malen … Aber war es nicht Lorenz selbst, der einer Fernbeziehung von vornherein skeptisch gegenüber gestanden ist?«, bereitete sie Janine behutsam auf das vor, was sie möglicherweise demnächst erwartete.

»Ja, schon.« Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Zumindest schien Janine die Augen vor den bitteren Tatsachen nicht zu verschließen.

»Zumal ich inzwischen überzeugt davon bin, dass es dir deshalb nicht gut geht«, fuhr Wendy ein wenig mutiger fort. »Meiner Ansicht nach bist du einfach nicht für eine Fernbeziehung geschaffen. Du brauchst einen Mann an deiner Seite, nicht irgendwo auf dem Erdball.« Mütterlich wiegte sie Janine in ihren Armen.

Die schmiegte sich an ihre Freundin und genoss die freundschaftliche Wärme und Nähe.

»Du hast ja recht«, räumte sie seufzend ein. »Aber ich bin halt jemand, der nicht sofort aufgibt und alles versucht, bevor er eine Beziehung verloren gibt.«

»Vergiss nicht: Das Wort Lebensgefährte leitet sich von Lebensgefahr ab. Manchmal ist es besser, wenn man schnell rennt, statt sich festzuklammern!«, versuchte Wendy, ihre unglückliche Freundin zum Lachen zu bringen.

Diesmal gelang es ihr.

»Du bist einfach die Beste«, seufzte Janine und löste sich aus der Umarmung. »Nicht auszudenken, was ich ohne dich täte.«

»Du hast mich ja. Diese Sorgen kannst du dir also sparen«, erwiderte Wendy vergnügt und kehrte an ihre Arbeit zurück.

Janine tat es ihr gleich, und als Dr. Norden, gefolgt von seinem Sohn Danny, in die Praxis kam, war alles bereit für den Tag.

*

Obwohl Kurt Kayser die Wohnung im Normalfall nicht mehr oft verließ, hielt ihn an diesem Tag selbst das schlechte Wetter nicht davon ab. Als er auf die Straße trat, fuhr ihm ein wütender Windstoß durch das graue Haar und trieb ihm den Nieselregen ins Gesicht. Er schickte einen unwilligen Blick in den Himmel.

»Nein, Klara, das hast du wirklich nicht verdient!«, murmelte er missmutig und schlug den Mantelkragen hoch. Zum Blumenladen war es nicht weit, und so beschloss er, trotz der unwirtlichen Umstände zu Fuß zu gehen. »Ausgerechnet an deinem Geburtstag so ein Wetter!«, brummte er und schlurfte die Straße entlang. Seine Schritte waren unsicher, und der Wind zerrte an seiner mageren Gestalt. Kurt zog den Kopf ein und blickte angestrengt zu Boden, um nur ja nicht zu stolpern oder gar zu stürzen. So bemerkte er die Fußgängerin nicht, die, einen Schirm vor sich herschiebend, direkt auf ihn zugehetzt kam. Ein Zusammenstoß war unvermeidlich, und ehe es sich der Senior versah, fühlte er einen dumpfen Schlag. Er verlor das Gleichgewicht und schlug mit dem Kopf hart auf dem Boden auf. Fast sofort wurde ihm schwarz vor Augen.

»Ach, du liebe Zeit!« Zu Tode erschrocken kniete Petra Gerlach – so hieß die Frau mit dem Schirm – neben dem bewusstlosen Mann nieder. »Es tut mir leid! Es tut mir ja so leid.« Ihre zitternden Hände schwebten Millimeter über Kurts Gesicht, als er glücklicherweise die Augen aufschlug und sie verwirrt anblinzelte.

»Wo bin ich?«, stammelte er heiser und versuchte, den Kopf zu heben. »Was ist passiert?« Mit Petras Hilfe gelang es ihm, sich aufzusetzen.

»Wir sind zusammengestoßen«, erklärte die Frau mittleren Alters über die Maßen erleichtert. »Eigentlich war es gar nicht schlimm. Aber Sie sind ja so furchtbar dünn.« Schuldbewusst sah die stämmige Frau kurz an sich hinab. »Sie sind umgefallen wie ein Dominostein.«

Endlich stand Kurt Kayser wieder auf seinen zwei Beinen. Obwohl die Nässe durch seine Kleider drang, lächelte er gutmütig.

»Schon gut. Es ist ja nichts passiert.«

Täuschte sich Petra oder war seine Stimme voller Bedauern?

»Sind Sie sicher?«, hakte sie vorsichtshalber nach.

»Völlig.« Um seine Worte zu beweisen, machte Kurt einen Schritt nach vorn. Und schwankte bedenklich.

Sofort war Petra Gerlach wieder an seiner Seite. Sie haderte kurz mit sich und sah sich um. Dann traf sie eine Entscheidung.

»Hier ganz in der Nähe ist die Praxis Dr. Norden. Da lasse ich Sie jetzt hinbringen«, erklärte sie resolut. »Leider bin ich ziemlich in Eile, sodass ich Sie nicht begleiten kann. Aber die Damen in der Praxis sind sehr nett, und der Arzt ist der beste, den München zu bieten hat. Dort sind Sie auf jeden Fall gut aufgehoben. Und falls etwas sein sollte, haben die auch meinen Namen. Ich bin seit Jahren Patientin dort.« In ihrer Nervosität redete Petra wie ein Wasserfall, sodass Kurt keine Chance hatte, sie zu unterbrechen oder sich gar zur Wehr zu setzen. Während sie den Senior am Arm führte, hatte sie nach einem Taxi Ausschau gehalten. Tatsächlich wurde sie nach kurzer Zeit fündig und winkte den Wagen herbei.

»Könnten Sie den Mann bitte zur Praxis Dr. Norden bringen?«, fragte sie und drückte dem Fahrer kurzerhand einen Fünfzig-Euro-Schein in die Hand. »Das sollte reichen.«

»Haben Sie eine Adresse?«, erkundigte sich der Fahrer, während Kurt sich von Petra auf den Rücksitz bugsieren ließ.

Petra Gerlach nannte sie ihm. Er war ortskundig und wusste Bescheid, ohne sein Navi programmieren zu müssen.

»Wie fühlen Sie sich?«, erkundigte sich Petra noch pflichtschuldig bei Kurt, der wie ein Häuflein Elend auf dem Rücksitz saß.

»Geht schon.« Er war gar nicht dazu gekommen, ihr zu sagen, dass auch er Patient in der Praxis Dr. Norden war. Selbst wenn er schon lange nicht mehr dort gewesen war. Den letzten Termin hatte er vereinbart, als er Dr. Norden nach einem Schwindelanfall zufällig auf der Straße begegnet war. Unter einem fadenscheinigen Vorwand hatte er den Termin gleich darauf telefonisch wieder abgesagt. Doch in diesem Fall zeigte sich das Schicksal von seiner hartnäckigen Seite.

»Gut.« Damit war die Geschäftsfrau zufrieden und drückte ihm zum Abschied die magere Hand. »Mein Name ist übrigens Gerlach. Herr Dr. Norden kennt mich gut.« Sie lächelte ihm ermutigend zu. »Alles Gute. Und essen Sie ein bisschen mehr«, gab sie ihm noch mit auf den Weg. »Sie sind ja nur Haut und Knochen.«

Ehe Kurt Kayser etwas erwidern konnte, schlug sie die Wagentür zu und winkte zum Abschied. Aus den Augenwinkeln konnte er noch beobachten, wie sie sich abwandte und davon hastete. Dann beugte er sich vor und tippte dem Fahrer auf die Schulter.

»Sie können mich wieder raus lassen«, verlangte er matt.

Doch er hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Ein Blick in den Rückspiegel genügte, und der Chauffeur wusste, dass er seinen Fahrgast auf keinen Fall seinem Schicksal überlassen würde.

»Kommt nicht in Frage, guter Mann«, lächelte er freundlich. »Ich habe einen Auftrag, den ich erfüllen werde.«