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Erprobte Familiengottesdienste - eine Chance für die Gemeinde
Gottesdienste brauchen Familien und Familien brauchen Gottesdienste. Wie das geht, zeigt Jörg Henzen. Dieser Band bietet 21 fertig ausgearbeitete Gottesdienste, die Eltern und kleine Kinder begeistern!
Eine klare Struktur und ein fester Ablauf erleichtern die Vorbereitung, bieten den Familien die Möglichkeit, sich schnell im Ablauf zurechtzufinden und motivieren die Kinder dabei, aktiv mitzumachen, weil sie mit den Gottesdienstelementen vertraut sind.
Die Vielfalt der Themen, die biblischen Geschichten und die Spontaneität der Kinder machen jeden Gottesdienst dennoch immer wieder anders, neu und spannend.
Ein Must-Have für jedes Kindergottesdienst-Team!
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Seitenzahl: 210
Veröffentlichungsjahr: 2022
Schritt für Schritt zum Eltern-Kind-Gottesdienst!
Gottesdienste brauchen Familien und Familien brauchen Gottesdienste. Wie Gottesdienste für und mit Familien gehen, das zeigt Jörg Henzen. Dieser Band bietet 21 fertig ausgearbeitete Modelle, die Eltern und kleine Kinder begeistern!
Eine klare Struktur, eingängige Lieder, lebendige Gebete und Gesprächsimpulse, biblische Geschichten und vielfältige Predigtideen holen Familien ab und beziehen sie ein. In jedem Modell wiederkehrende Elemente nehmen die Spontanität der Kinder auf und laden sie ein, aktiv mitzumachen.
Ein Must-Have für jedes Kindergottesdienst-Team!
Jörg Henzen, Jahrgang 1963, gelernter Diplom – Kaufmann. Er wurde in Essen geboren, ist im Ruhrgebiet, dem Westerwald und den Niederlanden aufgewachsen und zog nach dem Abitur im westmünsterländischen Bocholt zum Studium nach München. Seit nunmehr 18 Jahren wohnhaft in Arnstorf/Ndby. Er arbeitet als freiberuflicher Interim Manager und Berater. Seit 18 Jahren in der evangelischen Kirchengemeinde in Arnstorf ehrenamtlich tätig u. a. als Lektor. Schwerpunkt der gottesdienstlichen Tätigkeit liegt im Bereich der Familien- und Kindergottesdienste.
Jörg Henzen
Zwergengottesdienste
21 Gottesdienstmodelle für Familien mit kleinen Kindern
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Copyright © 2022 Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh,
in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH,
Neumarkter Str. 28, 81673 München
Umsetzung eBook: Greiner & Reichel, Köln
Umschlagmotiv: © ankomando – iStock.com (Menschen) © quisp65 – iStock.com (Kirche)
ISBN 978-3-641-29298-0V001
www.gtvh.de
Inhalt
Vorwort
Einführung
Zwergengottesdienst – eine große Chance
Zwergengottesdienste – einige Grundüberlegungen Rahmenbedingungen
Das Konzept
Der Zwergengottesdienst – so geht’s!
Detailablauf
Praktische Hinweise
UNSERE ZWERGENGOTTESDIENSTE
1. Martin Luther für Kinder
2. Jona und der Wal
3. David gegen Goliath
4. Licht
5. Steine, Steine …
6. Team
7. Streit
8. Weißt du schon, wie lieb Gott dich hat?
9. Feste feiern
10. Wind und Wolken
11. Beten
12. Das goldene Kalb
13. Reisen – Mit Gottes Segen unterwegs
14. »Was sagt man dann?«
15. Jesus kommt
16. Suchen und Finden
17. Das Gleichnis vom Sämann
18. Frieden, wie geht das?
19. Arche Noah
20. Der barmherzige Samariter
21. Abschied von der kleinen Raupe
Literatur / Empfohlene Zusatzliteratur
Vorwort
Mein Leben lang war ich mit dem Glauben und der Kirche verbunden. Insbesondere in meiner Kindheit habe ich viel Gutes erlebt und ich bin in die Kirche und den Glauben hineingewachsen. In meinen Teenager-Jahren habe ich mich zwar etwas von der Kirche entfernt, aber der Glaube war mir immer wichtig. Besonders relevant ist mir die Zugehörigkeit zur Gemeinde geworden, als meine Tochter geboren wurde. Wenn Kinder die Eltern am Sonntag um sechs Uhr in der Früh wecken, dann ist auch Zeit, um neun Uhr oder zehn Uhr in die Kirche zu gehen und eine Stunde für sich und seine Gedanken zu haben. Das habe ich als eine wertvolle Zeit erlebt.
Als ich in Neumarkt in der Oberpfalz wohnte, habe ich erlebt, dass dort regelmäßig ein Krabbelgottesdienst angeboten wurde. Hier trafen sich Eltern mit ihren Kindern, die überwiegend im Vorschulalter waren, um Gottesdienst zu feiern. Dort lernte ich, dass es auch für Erwachsene sehr hilfreich ist, die biblischen Inhalte in einer kindgerechten Sprache zu hören. Auch Erwachsene verstehen nicht immer den wörtlichen Text der Bibel und zuweilen auch nicht eine akademische Predigt.
Berufsbedingt sind wir dann mit der Familie in das niederbayerische Arnstorf umgezogen. Leider gab es keinen Kindergottesdienst (mehr) und ich stellte fest, wie sehr mir das fehlte. So begann ich, in der Kinderarbeit aktiv zu werden, und dabei hat sich ein Konzept entwickelt, das Gottesdienstelemente für Kleinkinder mit Eltern kombiniert.
Auf den folgenden Seiten möchte ich dieses Konzept vorstellen und insgesamt 21 Gottesdienste, die wir in den vergangenen 18 Jahren erarbeitet haben, mitgeben. Das sollen keine starren Anordnungen sein, sondern Anregungen, wie so etwas – aus unserer Erfahrung – funktionieren kann. Außerdem möchte ich einige Anregungen geben, wie Sie selbst solche Gottesdienste gestalten können. Unser Maßstab: schöne Gottesdienste, einfache Gestaltung und wenig Aufwand – dafür aber viel Spaß und Freude.
Mein großer Wunsch ist, dass Familien gemeinsam den Gottesdienst besuchen können und wertvolle Erfahrungen mit der Gemeinde und mit dem Glauben machen, und dadurch bereichert werden.
Bei der Vorbereitung und der Durchführung der Gottesdienste wünsche ich Ihnen viel Freude und Gottes Segen!
Jörg Henzen, im Frühjahr 2022
Einführung
Zwergengottesdienst – eine große Chance
… für Kinder
Für Kinder gibt es oft nur wenig Angebote in der Kirchgemeinde. Zwischen Taufe und Konfirmation existiert in der Regel eine große Leerstelle, bzw. das Angebot beschränkt sich auf einen Kindergottesdienst, der meist parallel zum Erwachsenengottesdienst stattfindet. Doch das bringt einige Fragen mit sich. Manchmal möchten Kinder zum Kindergottesdienst, aber die Eltern möchten nicht in die Kirche. Dann müssen die Kinder hin- und wieder zurückgefahren werden, was insbesondere im ländlichen Raum nicht leicht zu bewerkstelligen ist. Mit dem Konzept eines familiengerechten Gottesdienstes kommen sowohl Erwachsene als auch Kinder auf ihre Kosten. Bibelgeschichten werden kindgerecht erzählt und die Kinder werden im Dialog in den Gottesdienst eingebunden. So kommt keine Langeweile auf und die Kinder werden aktiv in das Gemeindeleben einbezogen und lernen kindlich-spielerisch die Grundlagen des christlichen Glaubens kennen.
… für die Familie
In der heutigen Zeit, in der meist beide Elternteile arbeiten und Erwachsene und Kinder gleichermaßen viele Termine haben, ist Familienzeit knapp bemessen. Wer möchte sich da schon den Sonntagmorgen zerreißen mit hin- und herfahren? Das Konzept dieses Gottesdienstes soll helfen, Stress zu minimieren und eine gemeinsame Familienzeit zu ermöglichen. In regelmäßigen Abständen kann die ganze Familie einen Gottesdienst besuchen, an dem sich die Kinder freuen und in dem die Erwachsenen nicht gelangweilt werden. Auf diese Weise kommen beide Interessen zum Tragen. Die Kinder werden auf spielerische Weise eingebunden und die Eltern haben eine kurze Pause zum Durchatmen, und sie nehmen auch einige wertvolle Ideen und Gedanken mit, denn auch den Erwachsenen wird ein Themenblock im jeweiligen Gottesdienst gewidmet. Auf diese Weise geht niemand leer aus. Jeder kann etwas mit nach Hause, in den Alltag mitnehmen. Außerdem kann auf diese Weise das Gespräch in der Familie auch auf religiöse Fragen zu sprechen kommen und so den Austausch und das eigene Denken anregen.
… für die Gemeinde
Gemeinde ist kein Selbstzweck, sondern es ist eine Gemeinschaft, in der alle einen Anteil haben – alle können etwas beitragen und alle können davon profitieren. Leider ist es aber oft so, dass ganz wenige die Arbeit machen und andere eher konsumieren. Das vorliegende Konzept soll dazu anregen, Gemeinde nicht nur zu »konsumieren«, sondern ein Teil des Geschehens zu sein – sei es als Teamer in der Vorbereitung oder als Eltern, die mit ihren Kindern den Gottesdienst genießen oder sogar mitgestalten. Durch das gemeinsame Erleben wird die Gemeinde erst richtig stark und ein Ort, an dem wir Kraft tanken können, an dem wir innehalten können und an dem wir mit Gott in Verbindung treten. Ganz nebenbei wird dadurch die nächste Generation in das Gemeindeleben integriert und dadurch auch ein Beitrag zum Fortbestand der Kirche geleistet.
Die Zwergengottesdienste sollen genau das leisten – sie sollen Kindern, Familien und den Gemeinden gemeinsame Erlebnisse bescheren, die bereichern, erfreuen und einfach Spaß machen! Darüber hinaus soll dieses Buch ehrenamtlichen Mitarbeitern eine Hilfe sein, mit wenig Aufwand und unkomplizierter Vorbereitung schöne Zwergengottesdienste auf die Beine zu stellen. Im Gottesdienst sind alle willkommen. Auch z. B. Familien mit behinderten Kindern haben sich in unseren Gottesdiensten wohl gefühlt. Es war immer eine Bereicherung für uns, alle einzubeziehen.
Zwergengottesdienste – einige Grundüberlegungen Rahmenbedingungen
Ein passgenaues Angebot
Für die Gestaltung ist es wichtig, genau zu wissen, für wen dieser Gottesdienst bestimmt ist. Der Zwergengottesdienst, wie wir ihn entwickelt haben, ist ein Kindergottesdienst für Kinder von 0-7 Jahren mit Eltern. Kinder ab 8 Jahren und Jugendliche sollten in den Familiengottesdiensten angesprochen werden. Eine solche Zielgruppendefinition ist in vielerlei Hinsicht wichtig. Alle Besucher sollen wissen, was erwartet werden kann und was nicht, denn eingeladen zu den Kindergottesdiensten waren immer alle Interessierten. Niemand wird aufgrund des Alters an der Tür abgewiesen. Auch steht unsere Tür allen Gläubigen offen, nicht nur den evangelischen.
Die wichtigste Zielgruppe sind die Kinder. Damit sind wesentliche Elemente eigentlich bereits definiert: kindgerechter Aufbau, kindgerechte Themen, kindgerechte Sprache und kindgerechte Lieder. Es ist eine echte Herausforderung, wenn man selbst die Altersgrenze von 40 oder 50 Jahren vielleicht schon überschritten hat, sich in das Denkmuster eines vier- oder sechsjährigen Kindes zu versetzen. Daher ist es wichtig, gezielt Materialien, Geschichten, Lieder etc. zu suchen, die für dieses Alter passen. Wenn es möglich ist, empfehle ich, Rat bei ausgebildeten Erzieherinnen oder Erziehern zu holen – optimal ist natürlich, wenn auch eine fachlich ausgebildete Person im Vorbereitungsteam dabei ist.
Als zweite Zielgruppe sollten auch die Eltern angesprochen werden. Das bedeutet, dass wir auch eine Darstellung oder eine Erklärung des Themas für die Eltern mit aufnehmen. Dadurch werden auch die Eltern in die Lage versetzt, auf Nachfragen der Kinder nach dem Gottesdienst eingehen zu können. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass wir nicht unterstellen können, dass Erwachsene theologische Sachverhalte kennen oder mit den Bibelstellen und deren Auslegungen vertraut sind. Daher sollte also auch dieser Teil für Laien verständlich gestaltet werden. Auch unser Vorbereitungsteam ist nicht akademisch ausgebildet in der Theologie. Die Suche nach dem christlichen Wert einer Geschichte ist manchmal spannend und hat unsere Gedanken bereichert.
Zeitrahmen
Am schönsten wäre es natürlich, wenn man jeden Sonntag einen Kind-Eltern-Gottesdienst oder separate Kindergottesdienste anbieten könnte. Aber für die meisten Gemeinden mit eingeschränkten Möglichkeiten und einer beschränkten Anzahl ehrenamtlich Mitarbeitenden, ist das unrealistisch. Daher ist es wichtig, einen passenden Rhythmus zu finden, der den Möglichkeiten und Bedürfnissen gerecht werden kann. Man kann einen solchen Gottesdienst z. B. einmal pro Monat, alle sechs oder acht Wochen oder in einem anderen Takt anbieten. Wir haben in unserer Gemeinde vier Zwergengottesdienste im Jahr angeboten, das heißt einmal im Quartal. Auf diese Weise war eine zuverlässige Regelung getroffen, die niemanden überfordert. Engere Abstände sind natürlich auch schön, denn dann müssen die Kinder nicht so lange auf den nächsten Gottesdienst warten, wenn sie mal an einem nicht teilnehmen können. Optimalerweise können sich die Kinder auch noch an den letzten Gottesdienst erinnern und es gerne als Highlight wiederholen. Darüber hinaus werden so auch die Mitarbeitenden nicht überlastet.
Auch die Vorbereitung sollte sich entsprechend im Rahmen halten. Gerade am Anfang, wenn eine solche Arbeit anläuft, ist es sinnvoll und empfehlenswert, mehr als ein Vorbereitungstreffen als Team zu verabreden. Auch dann, wenn Sie neue Gottesdienste und Inhalte entwickeln, ist mehr Zeit ratsam. Das muss aber jedes Team selbst entscheiden.
Nicht zuletzt ist die Gottesdienstzeit sehr wichtig. Die Dauer des Kindergottesdienstes ist auf 45 Minuten ausgelegt. Wenn die Kinder mal besonders gut drauf sind, viel mitmachen und eine Menge zu erzählen wissen, kann es auch mal 60 Minuten dauern. Länger sollte es nach Möglichkeit nicht gehen, denn dann lässt die Konzentration nach, nicht nur bei den Kindern.
Das Team
Als wir mit dieser Arbeit anfingen, war das Team sehr klein: die Pfarrerin, ein Ehepaar, eine Mutter zweier Kinder und eine Kindergartenerzieherin. Da Kinder schnell heranwachsen, muss man sich im Team auf ständige Veränderung einstellen. Daher ist es von Vorteil, ein gutes, flexibles Team zu entwickeln. Natürlich ist es möglich, Eltern von Kindern einzubinden, aber für sie ist der Gottesdienst ja eigentlich auch gedacht. Deshalb rate ich dazu, die Last nicht zu sehr an die beteiligten Eltern abzugeben. Eine Möglichkeit ist, z. B. Konfis mit einzubinden. Wenn die Arbeit auf weitere Schultern verteilt werden kann, ist der Aufwand überschaubar und mit den vielen Terminen und Verpflichtungen, die alle haben, gut vereinbar.
Die Kirche oder der Gottesdienstraum
In der Regel finden Gottesdienste in der Kirche statt, aber eben auch nicht immer. Die Räumlichkeiten sollten in jedem Fall schon etwas vorbereitet sein – die Temperatur sollte angenehm und die Materialien, die gebraucht werden, sollten schon vor Ort sein. Es bringt zu viel Unruhe und Hektik in den Gottesdienst, wenn zehn Minuten vor Beginn erst noch zwei Kisten geholt werden müssen. Schön ist es aber, wenn die Kinder schon ein wenig in die Vorbereitung eingebunden werden, z. B. in das Schmücken des Altars oder beim Glockenläuten, beim Austeilen der Liedblätter. Die Kinder sollen ankommen können, sich wohl und willkommen fühlen. Kinder helfen aber auch gern. Die richtige Mischung zwischen Zur-Ruhe-Kommen und Einbezogenwerden schafft eine gute Atmosphäre. Es empfiehlt sich, für diese Gottesdienste gesonderte Liedblätter anzufertigen. Sie können mit nach Hause genommen werden – zum Singen oder einfach nur als Erinnerung. Der nächste Termin kann auf dem Liedblatt schon angekündigt werden.
Werbung
Ein wichtiges Thema ist auch, wie wir Menschen auf diesen Gottesdienst aufmerksam machen. Anfangs haben wir unsere Kindergottesdienste in der regionalen Presse oder im Gemeindebrief angekündigt und Plakate gemalt, die in Kindergärten und Grundschulen aufgehängt wurden. Plakate haben zwar nur wenig Reichweite, können aber z. B. eine schöne Kooperation mit Kindergärten mit sich bringen und die Kinder schon vorab beteiligen.
Die besten Erfahrungen haben wir damit gemacht, die Kinder in der eigenen Gemeinde mit einer Postkarte einzuladen. Auch die Verteilung von Einladungskarten im evangelischen Religionsunterricht in der Schule erreicht die Zielgruppe des Kindergottesdienstes. Eine Einladung per Karte ist persönlich und spricht direkter an.
Einladungen per E-Mail an die Eltern sind natürlich auch möglich, aber hier sind unbedingt die Bedingungen des Datenschutzes zu berücksichtigen.
Positive Mundpropaganda der Teilnehmenden ist ein wichtiger Erfolgsfaktor und natürlich auch eine Anerkennung für das Team. Es macht Spaß, wenn wir als Team positive Rückmeldung bekommen und sich dies in den Besucherzahlen des Gottesdienstes ausdrückt.
Das Konzept
Wer spricht?
Eine sehr zentrale Frage bei den Gottesdiensten ist: Wer spricht mit den Kindern? Der Pfarrer, die Pfarrerin im Talar oder lieber jemand aus dem Gottesdienstteam? Für Begrüßung, Gebet und andere liturgische Elemente ist das gut möglich. Z. B. kann auch das Wort an die Erwachsenen gut von einem Teammitglied gesprochen werden. Die zentrale Frage ist jedoch, was Kinder so ansprechen und abholen kann, dass Aufmerksamkeit erzeugt und gehalten wird? Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir große Aufmerksamkeit und auch Identifikation bei Kindern durch Marionetten und Handpuppen erreichen. So kamen wir auf die Handpuppe Valentin – eine weiße Kirchenmaus. Solch eine Handpuppe kann ich nachdrücklich empfehlen, weil durch den Einstiegsimpuls der Handpuppe sofort die Aufmerksamkeit gebunden ist. Hier sollte meiner Erfahrung nach auch nicht gespart werden. Die einmal gewählte Figur bleibt bestehen und entwickelt sich schnell zu einem Markenzeichen des Zwergengottesdienstes.
Unsere Kirchenmaus kann und darf angefasst werden, ist aufgrund ihrer Farbe sympathisch, und da sie in der Natur nur selten zu sehen ist, ist sie auch eine Ausnahmeerscheinung. Diese Kirchenmaus kann die Kinder im Kindergottesdienst begleiten. Da sie keine reale Person ist, darf sie naiv und witzig sein, ungewöhnliche Fragen stellen und auch ein wenig lausbubenhaft sein. Sie muss nicht alles wissen, darf aber viele Fragen stellen. Sie kann Fragen stellen, die auch die Kinder haben, aber selbst zu schüchtern sind, sie zu stellen.
Kinder bis zum siebten Lebensjahr nehmen eine solche Handpuppe als echtes Lebewesen mit einer echten Persönlichkeit wahr. Oft wurde ich, wenn ich den Kindern außerhalb des Kindergottesdienstes begegnete, gefragt, wie es denn Valentin der Kirchenmaus ginge. Das bedeutet auch, dass wir mit der Puppe ordentlich umgehen. Dieser Effekt wird verstärkt, wenn die Handpuppe nicht öffentlich irgendwo rumliegt, sondern z. B. in einem verschlossenen Koffer wohnt, aus dem sie nur rauskommt, wenn sie gerufen wird.
Mit einer solchen Handpuppe wird die Aufmerksamkeit geweckt und die Geschichten, die sie erzählt, bekommen eine gewisse Eigendynamik.
Inhalt
Die inhaltliche Gestaltung der Zwergengottesdienste dreht sich meistens um eine Bibelgeschichte, um Begegnungen oder Begebenheiten im Alltag oder um Fragen des Lebens. All das wird dann mit Glaubensinhalten verknüpft. Bei biblischen Geschichten lautet die Kernfrage, was das für unser eigenes Leben bedeutet, und bei alltäglichen Fragen suchen wir religiöse Bezüge oder entdecken Gott in den kleinen und großen Dingen des Lebens. Thematisch kann sich das am Kirchenjahr, am Kalenderjahr, der jeweiligen Perikope oder an kurzfristigen Erlebnissen und Ereignissen orientieren. In der Zusammenstellung in diesem Buch habe ich aus ganz verschiedenen Bereichen geschöpft und ich möchte dazu ermutigen, auch eigene Ideen zu entwickeln.
Quellen für Ideen (Siehe auch S. 191) sind z. B. Kinderbibeln, Kinderbücher, Themen im Kindergarten, Jahreszeiten, Kirchenjahr etc. Hier finden sich immer gute Anlässe, um schöne Gottesdienste zu feiern. Schauen Sie bei nächster Gelegenheit einmal in die Bilderbuchabteilung ihres Buchhändlers, was gerade so »in« bei den Kindern ist. Hören Sie genau hin, wenn Ihre Kinder Sie etwas fragen, oder worüber sie sich untereinander unterhalten.
Kindergottesdienst und Liturgie
Jeder Gottesdienst hat eine Form, eine Liturgie. Eine feste Form macht es den Teilnehmenden leichter, sich zu orientieren, und sie erhöht den Wiedererkennungswert. Sie erleichtert zudem die Vorbereitung, bietet aber andererseits nur begrenzten Raum, um ein Thema darzustellen und zu bearbeiten. Diese Begrenzung ist aber für die Vorbereitenden und für Teilnehmende hilfreich. Ich rate dazu, nicht zu viele unterschiedliche Aspekte, sondern wenige, im Idealfall nur einen Aspekt, zu beleuchten und damit nicht durch Reizüberflutung zu überfordern und durch artistisch anmutende Gedankensprünge den roten Faden zu verlieren. Weniger ist dann mehr – für die Kinder, die Eltern und für das Vorbereitungsteam.
Bei der Vorbereitung können und sollten alle möglichen Aspekte eines Themas angesprochen werden. In der Durchführung sollte dann aber nur ein wesentliches Merkmal Gegenstand des Gottesdienstes sein und sich wie ein roter Faden von Anfang bis Ende durchziehen. Zudem erhöht der Fokus auf wenige Reize die Wahrscheinlichkeit, dass sich Kinder und Erwachsene nach dem Gottesdienst weiter Gedanken machen.
Grobgliederung des Gottesdienstes
Es klingt zwar banal, aber im ersten Schritt haben wir drei Blöcke, die den Ablauf bestimmen.
1. Vor dem Gottesdienst
2. Der eigentliche Gottesdienst
3. Nach dem Gottesdienst
Mit dieser Dreiteilung steht zwar der Gottesdienst noch nicht, aber vor allem der erste Punkt, ›Vor dem Gottesdienst‹, sollte nicht unterschätzt werden. Vor dem Gottesdienst kommen die Kinder mit ihren Eltern an. Wer ankommt und den Gemeindesaal betritt, wird begrüßt: »Guten Morgen, schön, dass Ihr das seid« – »Hallo, wie geht es Dir?« – »Habt ihr ein Liedblatt?« etc.
Vor dem Gottesdienst können die Lieder geprobt und gesungen werden. Von jedem Lied eine Strophe ist ausreichend. Es darf auch öffentlich werden, dass wir beim gemeinsamen Singen nicht perfekt sind, das ist völlig in Ordnung.
Vor dem Gottesdienst läuten die Glocken. Lassen die örtlichen Gegebenheiten es zu, können auch die Kinder selbst die Glocken zum Läuten bringen. Wir halten noch einen Moment inne. Es spielt eine einfache sanfte Melodie und wir lauschen mit den Kindern und sammeln uns.
Es ist einfach etwas los vor dem Gottesdienst. Kein Kind muss ruhig auf seinem Stuhl sitzen, sondern kann beobachten, erleben und mitmachen.
Dann kommt natürlich der eigentliche Hauptteil, der Gottesdienst, in dem das Thema für Kinder und Erwachsene vorgestellt und mit den Kindern interaktiv bearbeitet wird.
Zuletzt kommt der Schluss. Wir laden ein zu Veranstaltungen, zum nächsten Kindergottesdienst, wir spielen noch ein bisschen Musik oder bleiben noch zum Essen, trinken einen Kaffee, eine Limonade. Im Sommer laden wir vielleicht zum Grillen ein. Jedes Kind kann z. B. noch ein kleines »Geschenk« bekommen, um sich an den Gottesdienst zu erinnern, z. B. einen selbstgebackenen Keks, etwas zum Basteln oder zum Ausmalen.
Der Zwergengottesdienst – so geht’s!
Jeder Gottesdienst in diesem Buch folgt einem klaren Schema – einer Liturgie. Diese Struktur soll helfen, sich im Gottesdienst zu orientieren und gleichzeitig die Vorbereitung erleichtern. Bei den Gottesdiensten, die ich hier vorstelle, gebe ich zunächst kleine inhaltliche Impulse, gefolgt von kurzen Vorüberlegungen, einer Aufstellung der benötigten Materialien und Hilfsmittel, sowie einen vollständigen Ablauf mit Vorschlägen für Lieder, Gebete und das jeweilige Thema. Selbstverständlich kann überall auch variiert werden. Zunächst soll aber der allgemeine Ablauf jedes Gottesdienstes erklärt werden.
Jeder Gottesdienst besteht aus 12 einzelnen Schritten:
1. Ankommen
2. Eingangslied
3. Eingangsgebet
4. Gespräch mit der Handpuppe
5. Lied
6. Geschichte
7. Lied
8. Wort an die Erwachsenen
9. Gemeinsames Gebet
10. Segen
11. Segenslied
12. Ausklang
Detailablauf
1. Ankommen
Ankommen, begrüßen, Lieder ansingen, Glockenläuten. Der Altar wird hergerichtet, Kerzen werden angezündet. Wenn ältere Kinder da sind und die Streichhölzer lang genug, dann können auch die Kinder die Kerzen anzünden. Die Kerzen spenden Wärme, Licht in der Dunkelheit. Wir können uns orientieren. Jesus hat gesagt: »Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht im Finsteren wandeln.« (Johannes 8,12). Alle Vorbereitungen vor der offiziellen Eröffnung werden erklärt, kommentiert. Sie finden bewusst statt. Wir sind nicht leise. Manchmal lassen wir das auch weg und fragen dann: »Können wir schon anfangen oder fehlt da noch etwas?«
Dann beginnt der eigentliche Gottesdienst mit der Begrüßung:
Jesus hat gesagt: »Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.« Vielleicht spüren wir ja seine Anwesenheit, heute hier unter uns?
Wir sind vorbereitet und feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
2. Eingangslied
Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von schönen Eröffnungsliedern für Kinder. Auch wenn sich diese Lieder wiederholen, ermöglichen sie wegen ihrer Bekanntheit das Mitsingen. Die hier angegebenen Lieder entstammen verschiedenen Liederbüchern, z. B. dem Kindergesangbuch (KG). Hier können natürlich auch andere Lieder, die in der Gemeinde oder in der Kinderarbeit bekannt sind, eingebracht werden.
3. Eingangsgebet
Ein einfaches Kindergebet sollte gesprochen werden. Es gibt eine Vielzahl von Kindergebetbüchern, mit kurzen und leicht verständlichen Gebeten. Gebete mit mehr als 8-10 Zeilen sind für Kinder eher schwer verdaulich. Gebete mit 4-6 Zeilen sind sehr angenehm. Sie sollten nur nicht kitschig wirken. Da wir von Anfang bis Ende einen roten Faden im Ablauf haben, besteht eine Herausforderung darin, ein kurzes, thematisch passendes Gebet zu finden. Wenn dies nicht gelingt, bleibt es bei einem allgemeingültigen Gebet oder wir schreiben ein eigenes. Gebete werden, wie bei den Erwachsenen, angekündigt mit »Lasst uns beten!« Bitte nicht: »Wir wollen beten!« Schließlich ist ja nicht klar, ob tatsächlich alle beten wollen.
4. Valentin, die Kirchenmaus (oder eine andere Handpuppe)
Valentin unterhält sich mit den Kindern. Er versteht da etwas nicht. Er braucht Hilfe. Valentin bereitet mit seinen Fragen und Anmerkungen auf das biblische Thema vor. Die Fragen beziehen sich auf das, was im täglichen Leben, in der Welt der Kinder geschieht. Es sind keine Fragen, die mit Bibelwissen beantwortet werden oder Bibelwissen abfragen. Ziel ist es, zwischen dem alltäglichen Leben und der Bibel eine Brücke zu bauen. Christlicher Glaube sollte im Alltag erkennbar werden.
Valentin hat sich zwar ein paar Fragen vorab überlegt, die hier als Gesprächsimpulse mitgegeben werden und die helfen sollen, das Gespräch in Gang zu bringen. Alles weitere ergibt sich aus den Antworten und Beiträgen der Kinder. Mitunter ist es nicht ganz einfach, darauf zu achten, den roten Faden des Gottesdienstes nicht aus den Augen zu verlieren. Kinder sind spontan, und um den roten Faden nicht aus den Augen zu verlieren, ist es notwendig, zum einen jede Äußerung der Kinder als wertvollen Beitrag anzuerkennen und zum anderen die Unterhaltung so zu steuern, dass das Gespräch mit den Kindern nicht abschweift. Dieser Teil erfordert immer besondere Konzentration, zuweilen schnelles Denken und Spontanität. Das ist aber gut lernbar. Durch die Erfahrung, die im Lauf der Zeit wächst und durch Überlegungen im Vorfeld, was die Kinder sagen könnten, lässt sich das gut bewerkstelligen. Was könnte ein Kind antworten und wissen wollen? Wie reagiere ich darauf? Kindersendungen wie Die Sendung mit der Maus, Löwenzahn oder Willi will’s wissen bringen einem Erwachsenen gut die Gedankenwelt eines Kindes nahe. Solche Sendungen sind wie eine Schulung.
Valentins Unterhaltung wird übergeleitet zu einem Lied mit thematischem Bezug.
5. Lied – möglichst mit Themenbezug
6. Geschichte
Eine biblische Geschichte bzw. eine Geschichte, die einen biblischen Bezug ermöglicht. Eine Geschichte, die einen christlichen Wert oder christliches Verhalten darstellt. Die berühmteste Geschichte, die nicht in der Bibel steht, aber christliche Werte vermittelt, ist die Geschichte von Sankt Martin.
Dieser Teil kann auch in Form eines Puppenspiels oder einer Aktion gestaltet sein.
7. Lied – möglichst mit Themenbezug
Das ist eine weitere Herausforderung, denn wir brauchen ein zweites Lied mit thematischem Bezug. Das geht manchmal ganz schnell, manchmal aber auch nicht. Viele Lieder stehen im Kindergesangbuch und man muss einfach nur blättern. Eine wahre Fundgrube immer noch sind die Lieder von Rolf Krenzer oder auch Detlef Jöcker. Auch die Lieder von Daniel Kallauch sind gute Hilfen. Vorteil dieser Quellen: Sie werden auch im Kindergarten oder der Grundschule gesungen.
8. Wort an die Erwachsenen
Dieser Teil ist eine Mini-Predigt. Sie soll den älteren Kindern und den Erwachsenen Aspekte zum Thema aus nicht-kindlichem Blickwinkel bieten. Eine gute Richtschnur sind maximal zwei DIN-A4-Seiten handgeschriebene Stichpunkte. Das sind ca. 5-8 Minuten Redezeit. Mir persönlich ist bei Wortbeiträgen immer wichtig, diese nicht abzulesen. Ich bin der Überzeugung, beim weitestgehend freien Vortrag bei den Zuhörenden mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich bin außerdem in der Lage, auch mal bei den Zuhörenden nachzufragen, oder auch einfach nur Stimmungen, auch tagesaktuelle Stimmungen, aufzunehmen. Kurzum: Der weitestgehend freie Vortrag lässt mich flexibel reagieren. Im Gegensatz zum selbst geschriebenen, ausformulierten Text wirken für mich freie Vorträge immer noch authentischer als vorgelesene eigene Texte. Das ist aber auch persönlich unterschiedlich. Jede und jeder muss sich mit der Art des Vortrages gut und sicher fühlen.
Hier biete ich immer meine eigenen Überlegungen an, die als Vorlage oder Anregungen verwendet werden dürfen, aber auch gerne Ihren Gedanken angeglichen werden können.
Die Mini-Predigt endet immer mit dem Kanzelgruß
