Zwischen mir und der Welt - Ta-Nehisi Coates - E-Book

Zwischen mir und der Welt E-Book

Ta-Nehisi Coates

4,7
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Beschreibung

Wenn in den USA schwarze Teenager von Polizisten ermordet werden, ist das nur ein Problem von individueller Verfehlung? Nein, denn rassistische Gewalt ist fest eingewebt in die amerikanische Identität – sie ist das, worauf das Land gebaut ist. Afroamerikaner besorgten als Sklaven seinen Reichtum und sterben als freie Bürger auf seinen Straßen. In seinem schmerzhaften, leidenschaftlichen Manifest verdichtet Ta-Nehisi Coates amerikanische und persönliche Geschichte zu einem Appell an sein Land, sich endlich seiner Vergangenheit zu stellen. Sein Buch wurde in den USA zum Nr.-1-Bestseller und ist schon jetzt ein Klassiker, auf den sich zukünftig alle Debatten um Rassismus beziehen werden.

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EPUB
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Seitenzahl: 286




Über das Buch

Für Toni Morrison ist er so wichtig wie einst James Baldwin, und sein Buch ist schon wenige Monate nach Erscheinen ein Klassiker, der aus keiner zukünftigen Diskussion um Rassismus wegzudenken ist. Ta-Nehisi Coates, aufgewachsen im Ghetto von Baltimore, ist einer der führenden Intellektuellen der USA – einem Land, das auch 150 Jahre nach Ende der Sklaverei ungebrochen an die Existenz von »Rasse« glaubt und diesen Glauben seit jeher gewaltsam an den Körpern schwarzer Frauen und Männer vollzieht. Sie besorgten als Sklaven den Reichtum des Landes und sterben als freie Bürger auf seinen Straßen. Was heißt das für junge Schwarze heute? Mit fulminanter sprachlicher Kraft verdichtet Coates amerikanische und persönliche Geschichte zu einem bewegenden Brief an seinen Sohn, der in einem Land aufwächst, das sich seiner Vergangenheit nie gestellt hat.

Hanser Berlin E-Book

TA-NEHISI COATES

ZWISCHENMIR UNDDER WELT

Aus dem Englischen vonMiriam Mandelkow

Hanser Berlin

Die amerikanische Originalausgabe erschien 2015 unter dem TitelBetween the World and Me bei Spiegel & Grau, New York.

Der Essay »Plädoyer für Reparationen« auf S.151ff. wurde übersetzt von Britt Somann-Jung. Er erschien zuerst unter dem Titel »The Case for Reparations« in The Atlantic Magazine, distributed by Tribune Content Agency.

Richard Wright, »Between the World and Me« (S.9), übersetzt von Eva Hesse, zitiert nach: Englische und amerikanische Dichtung 4: Amerikanische Dichtung von den Anfängen bis zur Gegenwart, hg. von Eva Hesse und Heinz Ickstadt, München 2000.

Die Auszüge aus den Gedichten von Sonia Sanchez (»Malcolm«, S.11) und Amiri Baraka (»Ka’Ba«, S.77) sowie das Zitat von James Baldwin (S.133) wurden übersetzt von Laura Dshamilja Weber.

John Locke (S.153) zitiert nach: Zwei Abhandlungen über die Regierung, hg. und eingeleitet von Walter Euchner, aus dem Englischen von Hans Jörn Hoffmann, Frankfurt am Main 1977.

ISBN 978-3-446-25195-3

© 2015 Ta-Nehisi Coates

»The Case for Reparations« © 2014 The Atlantic Media Co.

Alle Rechte der deutschen Ausgabe

© Hanser Berlin im Carl Hanser Verlag München 2016

Umschlag: Peter-Andreas Hassiepen, nach einer Idee von Greg Mollica

© Private Collection / Peter Newark American Pictures / Bridgeman Images

Satz: Greiner & Reichel, Köln

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Datenkonvertierung E-Book: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

INHALT

Zwischen mir und der Welt

Plädoyer für Reparationen

Namenglossar

Für David und Kenyatta,die glaubten

ZWISCHEN MIR UND DER WELT

Und eines Morgens unterwegs in den Wäldern stieß ich auf einmal darauf,

Stieß darauf in einer grasbewachsenen Lichtung, umstellt von Ulmen und Eichen mit tiefrissiger Borke.

Und die rußige Szene erstand vor mir bis ins Kleinste und schob sich zwischen mich und die Welt.

RICHARD WRIGHT

I

Sprich nicht zu mir von Märtyrertum,

von Männern, die sterben, um gefeiert zu werden

an irgendeinem Gedenktag.

Ich glaube nicht ans Sterben

und doch, auch ich bin sterblich.

Und Veilchen wie Kastagnetten

werden mein Echo sein.

SONIA SANCHEZ

Mein Sohn,

letzten Sonntag fragte mich die Moderatorin einer beliebten Nachrichtensendung, was es bedeute, seinen Körper zu verlieren. Die Moderatorin saß in Washington, D.C., und ich in einer New Yorker Dependance an der Westside von Manhattan. Ein Satellit überbrückte die Meilen zwischen uns, doch keine Technik konnte die Lücke zwischen ihrer Welt und jener schließen, für die zu sprechen man mich hergebeten hatte. Als die Moderatorin mich zu meinem Körper befragte, wurde ihr Gesicht ausgeblendet und über den Bildschirm liefen Worte, die ich in derselben Woche geschrieben hatte.

Die Moderatorin las den Zuschauern diese Worte vor, und dann kam sie auf meinen Körper zu sprechen, wenn auch nicht direkt. Aber inzwischen bin ich daran gewöhnt, dass sich intelligente Menschen, ohne sich dessen bewusst zu sein, nach dem Zustand meines Körpers erkundigen. Diese Moderatorin wollte konkret wissen, weshalb der Fortschritt des weißen Amerika beziehungsweise der Fortschritt jener Amerikaner, die glauben, sie seien weiß, meiner Meinung nach auf Plünderung und Gewalt beruhe. Als ich das hörte, stieg in mir eine alte, unbestimmte Traurigkeit auf. Die Antwort auf diese Frage liegt in der historischen Bilanz dieser Gläubigen. Die Antwort ist die amerikanische Geschichte.

Nichts an dieser Aussage ist überspitzt. Amerikaner vergöttlichen die Demokratie auf eine Weise, die sie übersehen lässt, dass sie ihrem Gott hin und wieder trotzen. Doch die Demokratie ist ein nachgiebiger Gott, und Amerikas Ketzereien – Folter, Diebstahl, Versklavung – sind unter den Menschen und Nationen so weit verbreitet, dass keiner für sich Immunität beanspruchen kann. Streng genommen haben Amerikaner ihren Gott auch niemals hintergangen. Als Abraham Lincoln 1863 verkündete, durch die Schlacht von Gettysburg müsse sichergestellt sein, »dass die Regierung des Volkes durch das Volk und für das Volk nicht von der Erde weiche«, war das nicht nur Ausdruck eines politischen Bestrebens; zu Beginn des Bürgerkriegs hatten die Vereinigten Staaten von Amerika eine der weltweit höchsten Wahlrechtsquoten. Die Frage ist nicht, ob Lincoln tatsächlich eine »Regierung des Volkes« im Sinn hatte, sondern was mit dem politischen Begriff »Volk« in unserem Land – quer durch seine Geschichte – eigentlich gemeint war. 1863 waren damit deine Mutter und deine Großmutter nicht gemeint und auch nicht du und ich. Amerikas Problem ist also nicht der Verrat an der »Regierung des Volkes«, sondern die Art und Weise, wie »das Volk« zu seinem Namen kam.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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