Bad Boy Player - Rosemary Rogers - E-Book
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Bad Boy Player E-Book

Rosemary Rogers

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Beschreibung

Sie ist reine Unschuld – er bedeutet dunkles Verderben: Der Dark-Romance-Roman »Bad Boy Player« von Rosemary Rogers jetzt als eBook bei dotbooks. »Ich werde dich vernichten!« Die junge Fernsehmoderatorin Jasmine weiß, dass Brant Newcomb seine Drohung in die Tat umsetzen wird. Zu weit hat sie sich bereits in die abgründige Welt des Geschäftsmanns vorgewagt, um die Wahrheit hinter den Gerüchten ans Licht zu bringen, dass er selbst vor Entführung nicht zurückschreckt. Nun hat wie zwar einen Beweis, doch der Preis ist gnadenlos: Sie soll sich ihm hingeben – sonst wird Brant alles zerstören, was ihr etwas bedeutet! Aber je mehr er von ihr fordert, desto mehr hat Jasmine das Gefühl, dass dieser Mann mehr ist als sein eiskalter Ruf. Aber was hat Brant zu verbergen? Während Jasmine versucht, seine abweisende Fassade Stück für Stück einzureißen, entbrennt zwischen ihnen ein Spiel aus Dominanz und Unterwerfung, dunklen Lügen und der gefährlichen Hoffnung auf ein anderes Leben … Jetzt als eBook kaufen und genießen: »Bad Boy Player« von Rosemary Rogers bietet aufregend prickelnde Unterhaltung zum Genießen für alle Leserinnen von J. S. Wonda und Sarah Saxx. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks – der eBook-Verlag.

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Seitenzahl: 446

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Über dieses Buch:

»Ich werde dich vernichten!« Die junge Fernsehmoderatorin Jasmine weiß, dass Brant Newcomb seine Drohung in die Tat umsetzen wird. Zu weit hat sie sich bereits in die abgründige Welt des Geschäftsmanns vorgewagt, um die Wahrheit hinter den Gerüchten ans Licht zu bringen, dass er selbst vor Entführung nicht zurückschreckt. Nun hat wie zwar einen Beweis, doch der Preis ist gnadenlos: Sie soll sich ihm hingeben – sonst wird Brant alles zerstören, was ihr etwas bedeutet! Aber je mehr er von ihr fordert, desto mehr hat Jasmine das Gefühl, dass dieser Mann mehr ist als sein eiskalter Ruf. Aber was hat Brant zu verbergen? Während Jasmine versucht, seine abweisende Fassade Stück für Stück einzureißen, entbrennt zwischen ihnen ein Spiel aus Dominanz und Unterwerfung, dunklen Lügen und der gefährlichen Hoffnung auf ein anderes Leben …

Über die Autorin:

Rosemary Rogers (1932–2019) kann mit Fug und Recht als Legende gefeiert werden: Wie kaum eine andere hat sie das Genre der Liebesromane geprägt. Geboren in Ceylon, schrieb sie mit acht Jahren ihre erste längere Geschichte, der schon in ihrer Teenagerzeit erste Liebesromane folgten. Mit 22 Jahren wurde sie gegen den Willen ihrer Eltern Reporterin und zog nach London. Viele Jahre später zog es sie jedoch zurück nach Kalifornien, in das »Land der Mandelblüten«. Ihre zahlreichen Bücher haben sich weltweit über 50 Millionen Mal verkauft.

Bei dotbooks veröffentlicht Rosemary Rogers ihre Love-and-Landscape-Romane:

»Das Land der Mandelblüten«

»Der Himmel über der Zimtinsel«

»Das Flüstern der Orangenblumen – Die große Exotiksaga 1«

»Im Land der Pelikane – Die große Exotiksaga 2«

»Die Insel der Tabakblüten – Die große Exotiksaga 3«

»Das Leuchten der Kaktusblüte – Die große Exotiksaga 4«

Außerdem erscheinen bei dotbooks ihre Dark-Romance-Romane:

»Royal Player«

»Hollywood Player«

***

eBook-Neuausgabe Februar 2021

Dieses Buch erschien bereits 2015 unter dem Titel »Duft des Verlangens« bei dotbooks und 1981 unter dem Titel »Duft des Verlangens« im Hestia Verlag.

Die amerikanische Originalausgabe erschien erstmals 1979 unter dem Originaltitel »The Insiders« bei Avon Books, New York.

Copyright © der amerikanischen Originalausgabe 1979 by Rosemary Rogers

Copyright © der deutschen Erstausgabe 1981 Hestia Verlag GmbH, Bayreuth

Copyright © der Neuausgabe 2015 dotbooks GmbH, München

Published by Arrangement with Rosemary Rogers. Dieses Werk wurde vermittelt durch die Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, Hannover 30161.

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Titelbildgestaltung: Wildes Blut – Atelier für Gestaltung Stephanie Weischer unter Verwendung mehrerer Bildmotive von © shutterstock / FX Quadro / Artem Masaev / tomertu

eBook-Herstellung: Open Publishing GmbH (rb)

ISBN 978-3-96898-007-2

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Liebe Leserin, lieber Leser, wir freuen uns, dass Sie sich für dieses eBook entschieden haben. Bitte beachten Sie, dass Sie damit ausschließlich ein Leserecht erworben haben: Sie dürfen dieses eBook – anders als ein gedrucktes Buch – nicht verleihen, verkaufen, in anderer Form weitergeben oder Dritten zugänglich machen. Die unerlaubte Verbreitung von eBooks ist – wie der illegale Download von Musikdateien und Videos – untersagt und kein Freundschaftsdienst oder Bagatelldelikt, sondern Diebstahl geistigen Eigentums, mit dem Sie sich strafbar machen und der Autorin oder dem Autor finanziellen Schaden zufügen. Bei Fragen können Sie sich jederzeit direkt an uns wenden: [email protected]. Mit herzlichem Gruß: das Team des dotbooks-Verlags

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Liebe Leserin, lieber Leser, in diesem eBook begegnen Sie möglicherweise Begrifflichkeiten, Weltanschauungen und Verhaltensweisen, die wir heute als unzeitgemäß oder diskriminierend verstehen. Bei diesem Roman handelt es sich um ein rein fiktives Werk, das vor dem Hintergrund einer bestimmten Zeit spielt oder geschrieben wurde – und als solches Dokument seiner Zeit von uns ohne nachträgliche Eingriffe neu veröffentlicht wird. Diese Fiktion spiegelt nicht unbedingt die Überzeugungen des Verlags wider.

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Rosemary Rogers

Bad Boy Player

Roman

Aus dem Amerikanischen von Helga Künzel und Udo Wolff

dotbooks.

Kapitel 1

Jasmine Mason saß mitten auf ihrem Bett, die Beine nach Yoga-Art untergeschlagen und die Augen geschlossen, um sich besser konzentrieren zu können. Sie versuchte sich zu entspannen. Sie versuchte auch, nicht an die helle Sonne draußen, jenseits der herabgelassenen Jalousien, zu denken und das Telefon zu vergessen, das hartnäckig schwieg. Was erwartete sie denn überhaupt? Sie hatte sich eine neue Nummer geben lassen, weil das ständige Läuten David aufgebracht hatte, wenn sie beisammen gewesen waren. Und von den anderen Männern, mit denen sie sich gelegentlich einließ, wenn sie die Leere nicht mehr ertrug, die seit Marks Tod in ihrem Leben herrschte, hörte sie sowieso schon lange nichts mehr.

Sie kniff die Lider zusammen und kämpfte gegen die Verkrampfung ihres Körpers. Bevor David in ihr Leben getreten war, vermochte sie sich ganz gut zu entspannen. Der Teufel hole ihn! Diesmal würde sie nicht versuchen, die Gedanken an David zu verdrängen. Peter hatte ihr gestern abend den kostenlosen Rat gegeben, es einmal mit dem ›Bewußtseinsstrom‹ zu probieren. Denk doch einfach darüber nach, hatte er gesagt, erinnere dich. Vielleicht hast du es nach einer Weile satt, an den Schweinehund zu denken.

Seit neuestem schlief Jasmine mit Peter, aber nur an Wochenenden, um den freigewordenen Platz auszufüllen, der bis dahin David gehörte. Dr. Peter Petrie, der Modepsychiater San Franciscos. So verdammt beschäftigt und ausgebucht, daß er Jasmine als Patientin nicht mehr unterbringen konnte. Doch wenn er eine großzügige Anwandlung hatte, ließ er ihr eine kostenlose Beratung angedeihen. Vielleicht damit sie bis zum folgenden Wochenende, wenn er zweifellos wieder mit ihr schlafen wollte, nicht den Verstand verlor.

Peter war mit David befreundet. Und David war ihre Krankheit, ihre Besessenheit, ihre Verrücktheit! Sie mochte ihn nicht ihre große Liebe nennen, eben weil sie sich bemühte, die Liebe zu David zu überwinden. Auch das hatte Peter zu ihr gesagt: Hör auf, dagegen anzukämpfen, analysiere es vielmehr. Aber wie sollte man Gefühle und Emotionen unter ein Mikroskop legen, zumal die eigenen?

Jasmine, du Idiotin! Wie konntest du dich so rettungslos verlieben, daß du jede Scham und jeden Stolz verloren hast?

Beim bloßen Gedanken daran schauderte ihr. Wahrlich, sie empfand Abscheu vor sich selbst, weil sie wieder und wieder völlig haltlos und unterwürfig zu David kroch und sich trotz seiner Zurückweisungen an ihn klammerte. Peter war als Liebhaber natürlich nur Lückenbüßer; aber er hatte selbst zugegeben, daß dies seine Spezialität sei.

»Ich übernehme die abgelegten Geliebten und renoviere sie, Süße«, hatte er ihr einmal erklärt. »Ich mache sie neu. Ich bumse sie bis zum Vergessen. Sie vergessen sehr bald, von wem sie abgeschoben worden sind, und dann sind sie neue Frauen, rehabilitiert, könnte man sagen. Das ist mein kleiner Beitrag zur ›Befreiung der Frau‹.«

»Hübsch zu wissen, daß ich für dich ein Versuchskaninchen bin«, hatte sie giftig erwidert.

Sie war jedoch nicht auf Peter angewiesen, wenn sie einen Mann brauchte. Nach David hatte sie immer wieder flüchtige Affären gehabt – Abenteuer für eine Nacht, mit Männern, die sie kein zweites Mal traf und denen sie auch ihre Geheimnummer nicht gab. Komisch, früher hatte sie Frauen verabscheut, die einfach so herumbumsten, weil es ihnen Spaß machte oder weil sie beweisen wollten, daß sie den Männern ebenbürtig waren – als könnte man das nur auf diese eine Art beweisen. Doch früher war sie unabhängig und selbstsicher gewesen; damals hatte sie genau gewußt, was sie wollte!

Zu ihrer Mitbewohnerin Marti hatte Jasmine unlängst gesagt, sie habe das Gefühl, ihr Leben lasse sich in zwei Abschnitte unterteilen: vor David und nach David. Marti, die indirekt an der Bekanntschaft zwischen David und Jasmine schuld war, hatte Jasmine nur mißmutig angesehen. Marti mochte David nicht – hatte ihn von Anfang an nicht gemocht, von jenem Abend an, wo er zum ersten Mal hergekommen war, begleitet von Stella ... Stella – der Stern. Stella mit dem platinblonden Haar, das sich weich um ihr Gesicht und im Nacken ringelte. Stella mit der sanften, zurückhaltenden Art, der Stimme einer Dame – und dem Körper einer Dirne.

Anfangs hatte Jasmine gemeint, Stella gehöre zu David. Oder umgekehrt. Aber Marti hatte sie bald aufgeklärt. Marti war Lesbierin und Stella ihre derzeitige Geliebte. Weil Stella, die bei David als Sekretärin arbeitete, sich nicht offen zu ihrer Veranlagung bekennen mochte, ließ sie sich tunlichst von einem Mann begleiten, als »Tarnung« sozusagen.

Bei jeder Festivität damals war ihr aufgeschlossener junger Chef, David Zimmer, die Tarnung gewesen. Gut aussehend, raffiniert gekleidet, Aufsteiger – genau ihr Typ. Jasmine, spät nach Hause gekommen, hatte ihn sofort bemerkt. Und war prompt auf ihn geflogen.

Vielleicht nur, weil er ihr irgendwie leid tat – er hatte so aufrichtig ausgesehen – ganz im Gegensatz zu Martis übrigen Freunden. Vielleicht auch wegen seiner Größe, seinen ausnehmend schönen braunen Augen und seinem vollen, sinnlichen Mund. Sie schaute immer zuerst auf Augen und Mund. Wie dem auch sei, da hatte er gestanden, ein Glas in der Hand, etwas abseits von den zehn ausgelassenen Freunden Martis.

Jasmine hatte einen besonders harten Tag hinter sich gehabt, Dreharbeiten für ihren Film über die »Regeneration von Height Ashbury«. Seit sie zum Blickfang der KNTX-Frühnachrichten avanciert war, hatte sie kaum Zeit gehabt für die Außenaufnahmen und für Interviews mit Menschen auf der Straße. Und gerade dieser Filmauftrag hatte ihr viel Freude gemacht; dennoch war der Tag anstrengend gewesen, und sie hatte eigentlich sofort zu Bett gehen wollen.

Statt dessen aber streifte sie ihre Schuhe ab und bat David in spöttischem Ton, ihr einen Drink zu mixen.

Es hatte sie amüsiert, wie er sie studierte, offensichtlich einzuordnen versuchte, sich fragte ...

»Sehr gern«, sagte er. Auch seine Stimme war schön. Tief, ausgesprochen männlich. »Leider weiß ich nicht, wo ich das Nötige dazu finde – ich bin hier nur Beobachter.«

»Das habe ich bemerkt!« In den ersten Tagen, als sie mit ihm noch nicht vertraut gewesen war, konnte sie ihm gegenüber noch spöttisch sein, sogar die Kühle spielen. »In dem Schrank hinter Ihnen ist alles versteckt. Übrigens, ich bin Martis Mitbewohnerin.«

Er hatte ihr den erbetenen Drink gemixt – und dann noch zwei weitere. Sie erinnerte sich an die Erleichterung in seiner Stimme, als er endlich zu fragen wagte: »Sie sind also ›normal‹? Wollen Sie das damit sagen?«

Später waren sie in Jasmines Zimmer gegangen. Nachdem die anderen beschlossen hatten, tanzen zu gehen, und Marti verkündete, sie werde Stella heimbringen und es sei okay, wenn Jasmine und David die Party allein fortsetzen wollten ...

Jasmine legte den Kopf in den Nacken und versuchte sich auf ihren Atem zu konzentrieren. Sie biß sich auf die Unterlippe. Geh in die Vergangenheit zurück, hatte Peter gesagt. Wenn sie das nur fertigbrächte.

In jener ersten Nacht – warum nur war sie bei David nicht auf der Hut gewesen wie bei den anderen Männern, mit denen sie nach Marks Tod geschlafen hatte? David fragte nach ihrem Leben und ihrer Arbeit. Einige der Nachrichtensendungen mit ihr hatte er gesehen und darum gleich gemeint, er müßte sie kennen. Aber für ihn erscheine sie zu früh oder zu spät auf dem Bildschirm, fügte er hinzu, denn um acht sei er gewöhnlich unterwegs in sein Büro. Er war Anwalt ...

Beide wußten in diesem Stadium bereits, daß sie den Rest der Nacht zusammen verbringen würden. Doch er hatte sich Zeit gelassen, wollte offenbar wirklich den wahren Menschen hinter der bekannten KNTX-Nachrichtensprecherin Jasmine Mason kennenlernen.

Vielleicht war er schon damals zu ihr gelangt, durch die Mauer aus Reserviertheit gedrungen, die sie um sich selbst errichten gelernt hatte. Oder war es später gewesen, im Bett? Dort verlagerte er seine Konzentration von ihrer Seele auf ihren Körper. Welcher Gegensatz zwischen dem eben noch gelösten, freundlichen Mann und dem hemmungslosen Liebhaber, als der er sich dann erwies! Der Kontrast erregte Jasmine bis aufs äußerste. Sie hatte sich ganz und gar hingegeben, mit David frei und natürlich Dinge getan, die sie noch mit keinem Mann gemacht hatte, nicht einmal mit Mark.

»Jasmine – Jasmine! Du bist wie dein Name. Blüte, die sich öffnet. Ich mag es, daß du dich nicht zurückhältst.«

»Redest du immer beim Lieben?«

»Ich liebe nicht oft. Meist bumse ich nur herum. Du bist anders.«

Nichts Einmaliges an seinen Worten, doch das echte Gefühl und die Aufrichtigkeit in seiner Stimme hatten ihnen einen neuen tieferen Sinn gegeben. Und gleich danach sagte er, daß er sie so oft wie möglich sehen wolle. Sie vereinbarten, am folgenden Abend zum Essen zu gehen und am Wochenende, wenn Jasmine frei war, nach Albany zu fahren, damit sie seine Familie kennenlerne.

Wer konnte schon einem Mann wie David widerstehen, einem so gut aussehenden, zärtlichen, wilden und wissenden Mann?!

Seine Eltern waren vier Jahre zuvor bei einem Autounfall ums Leben gekommen, und seither mußte David für seine drei jüngeren Geschwister sorgen. Für die hübsche siebzehnjährige Francie, die mehr vom Leben wußte, als sie verlauten ließ; für den dreizehnjährigen Rick, einen durchschnittlichen, nach Baseball verrückten Jungen; und für Lisa, die erst sieben war, sieben und stumm – sie schwieg seit dem Tod ihrer Eltern. Lisa sei keineswegs zurückgeblieben, erklärte ihr David sofort. Der Tod der Eltern sei eben ein gewaltiger Schock für sie gewesen. Er schickte sie zu einem Sprachtherapeuten und der meinte, sie mache Fortschritte ...

Mehr als alles andere brauchte Lisa jedoch Liebe und Zärtlichkeit – jemanden, der sie abends zudeckte und ihr Gute-Nacht-Geschichten vorlas. Jasmine machte nur einmal den Versuch, David dies klarzumachen, aber er lachte sie nur aus.

»Widmest du ihr deshalb soviel Aufmerksamkeit? Du bist eben die geborene Mutter, Jasmine, auch wenn du nach Karrierefrau aussiehst!« Kein Wort, daß er sie heiraten wolle.

Aber damals war sie überzeugt, die Zeit werde schon noch kommen. Wenn sie beide bereit waren. Wie dumm von ihr! Nie mehr würde die Zeit kommen.

Zum Teufel mit David – und seinen voreiligen, falschen Schlüssen! Jasmine mußte daran denken, daß sie Lisa, die eben anfing, sich ihr gegenüber ein bißchen zu öffnen, fast mehr vermißte als David. Lisa war wie Jasmines kleine Schwester Pattie, die damals so heftig weinte, als Jasmine nach dem wilden Streit mit ihrem Vater von zu Hause weggegangen war. Und Lisa war auch wie Jasmine selbst mit sieben Jahren, nichts als dünne Beine und Haar.

»All dieses Haar!« klagte Jasmines Mutter immer wieder. »Liebling, kannst du nicht was tun damit? Flicht es, oder binde es zurück oder so, wenn du es schon so lang tragen mußt. Du kannst es nicht so in die Augen hängen lassen und dein hübsches kleines Gesicht völlig verstecken.«

Ihr Haar hatte sie vor der Welt verborgen – Jasmine hatte die Stirnfransen absichtlich wachsen lassen, bis sie ihre Augen fast ganz vor den Ungeheuern ihrer Kindheit verhüllten. Besonders von ihrem Vater mit seiner harten Hand und seiner lauten, schreienden Stimme.

Der Vater war fast die Wand hochgegangen, als Jasmine nach Abschluß der Gemeindeschule erklärt hatte, sie werde aufs College gehen. Auch ihre Mutter konnte das nicht begreifen. »Aber, Liebling, du brauchst doch kein College! Allen Harvey hat eine so gute Stellung, und er wird das Geschäft seines Vaters übernehmen ...«

»Mutter, ich werde Allen nicht heiraten! Um Himmels willen, nur weil ich ein paarmal mit ihm ausgegangen bin ...«

»Laß den Himmel da draußen, sei so gut!« Auf der Stirn des Vaters pochte eine Ader, und an der Art, wie er mit der Handfläche über seine Hose gefahren war, erkannte Jasmine, daß es ihn juckte, sie zu verdreschen, wie er es ein paar Jahre früher noch ohne zu zögern getan hätte. »Nun hör mal zu: Ein College ist schon schlimm genug, aber der Studienort, den du dir ausgesucht hast, Berkeley! Gehen dort nicht alle diese verdammten Radikalen hin? Die immer in Schwierigkeiten geraten, immer Proteste erheben und Demonstrationen veranstalten? Ich sage dir, eine Tochter von mir wird nicht ...«

»Papa, ich will im Hauptfach Staatswissenschaft studieren. Und vielleicht dazu Zeitungswissenschaften. Berkeley ist eine der besten Universitäten, und ich habe ein Stipendium. Du brauchst mich also nicht zu unterstützen! Ich gehe ja nur aufs College, Papa. Ich fange kein Leben in Sünde an!«

»Da bin ich mir nicht so sicher, nach allem, was ich über diesen Laden gehört habe!«

Die Auseinandersetzungen und Streitereien nahmen kein Ende, bis Jasmine eines Tages einfach ging; in den Ohren das drohende Gebrüll des Vaters, sie solle sich bloß nicht in Schwierigkeiten bringen und brauche sich zu Hause nicht mehr blicken lassen, wenn ihr die Familie so wenig bedeute.

Aber sie hatte es geschafft! Zum ersten Mal hatte sie für sich selbst gekämpft und gesiegt. Zum ersten Mal war sie wirklich frei gewesen, vollkommen selbständig.

Aus dem dürren Hering war mittlerweile ein schlankes Mädchen mit Kurven an den richtigen Stellen geworden. Ihr noch immer langes, kupferbraun glänzendes Haar hatte sie gebändigt. Die »dünne kleine Jasmine« war zu einer natürlichen Schönheit erblüht, doch die Scheu war ihr geblieben. Sie ängstigte sich damals sehr vor der neuen Umgebung, und plötzlich überkamen sie eine Menge Zweifel über sich selbst.

Auf die kalifornische Universität Berkeley war Jasmine vor allem deshalb verfallen, weil diese in jenen Tagen die Art Freiheit symbolisierte, nach der sie sich zu sehnen glaubte. Die Freiheit, zu denken und zu reden, wie es ihr paßte; die Freiheit, nicht zur Kirche gehen zu müssen; die Freiheit, zu ficken, wenn sie wollte – dieses Wort freilich würde sie seinerzeit nie und nimmer gebraucht haben.

Bald jedoch mußte sie feststellen, daß ihr zwischen den Vorlesungen, dem Halbtags-Job und der Lernerei – ihre Noten mußten gut sein, sonst verlor sie ihr Stipendium – keine Zeit für etwas anderes blieb, auch nicht für einen festen Freund. Die Jungen, mit denen sie gelegentlich ausgegangen war, erwarteten alle, mit ihr schlafen zu können. Sie war jedoch noch längst nicht so emanzipiert, Sex um seiner selbst willen zu akzeptieren; und sie wollte die Burschen nicht wissen lassen, daß sie mit achtzehn noch Jungfrau war.

Kein einziges aufregendes Erlebnis ergab sich für Jasmine, und schon fürchtete sie, es werde immer so bleiben. Ihre Noten waren gut, und da sie Talent zum Schreiben besaß, entschied sie sich endgültig für Journalismus als Hauptstudienfach. Dann, gegen Ende des zweiten Studienjahres, geschah alles auf einmal. Ihr Vater starb – er hatte seit ihrem Weggang nicht mehr mit ihr gesprochen –, und ihre Mutter brauchte finanzielle Unterstützung. Jasmine dachte daran, das Studium aufzugeben und eine Stellung anzunehmen; aber was konnte sie schon?

Kurz darauf bereitete die Zeitschrift Good Taste einen Artikel unter dem Titel »Unentdeckte Schönheiten in amerikanischen Universitäten« vor; und der Fotograf dieser Zeitschrift hatte Jasmine entdeckt, als er an einem regnerischen Nachmittag in der Bibliothek Aufnahmen machte.

Die Moderedakteurin von Good Taste nahm sich Jasmine vor, sie gab ihr Tips, wie sie sich schminken und kleiden sollte. Im Grunde aber war es der Fotograf, Phil Metzger, der sie bildschön aussehen ließ.

»Du gäbest ein perfektes Modell ab, Baby – du gehörst zu den wenigen Glücklichen, die Kurven haben und sich trotzdem schlank fotografieren. Und dieses Gesicht! Du bist wirklich schön, weißt du das? Hast die richtigen Knochen an allen richtigen Stellen.«

Während der ganzen Zeit seiner Arbeit mit ihr bemühte Phil sich, sie herumzukriegen, und in der Nacht vor seiner Abreise gab sie sich ihm schließlich hin.

Phil wollte zuerst nicht glauben, daß Jasmine Jungfrau sei, und war fast sprachlos vor Verwunderung.

»Oh, mein Gott!« stammelte er immer wieder. »Ich habe nicht gedacht, daß es so was überhaupt noch gibt! Ich meine – verdammt, haben die Burschen hier denn keine Augen im Kopf?! Himmel, Kleines, du bist die erste Jungfrau, die ich knacke, weißt du das?«

Danach versuchte er halben Herzens, sie zu überreden, mit ihm nach New York zu gehen. Aber beide wußten, daß der Grund Jasmines verlorene Jungfräulichkeit und nicht eine echte Beziehung zwischen ihnen war.

Jasmine lehnte höflich ab, und sie spürte seine Erleichterung sehr deutlich. Und vermutlich hatte er ihr zum Dank dafür, daß sie ihn so leicht ziehen ließ, Abzüge seiner besten Fotos von ihr gegeben, ihr gesagt, wie sie sie zusammenstellen solle, und noch einen Empfehlungsbrief an den Chef der Modellagentur Ray Burnside in San Francisco beigefügt.

Kapitel 2

Jasmine kam rasch darauf, daß sie nicht Fotomodell werden wollte. An dem angeblichen Traumberuf war nichts Erregendes oder Herausforderndes. Man stand herum und posierte, schmorte unter heißen Scheinwerfern oder fror elend im Freien. San Francisco und seine Umgebung boten einfach nicht genug Möglichkeiten oder Gelegenheiten, so daß die Sache lohnend gewesen wäre. In New York, ja, dort war das große Geld zu machen. Nach der Ausbildung nahm Jasmine trotzdem einige Aufträge an, größtenteils aus einem Gefühl der Dankbarkeit, außerdem aber auch, um auszuprobieren, was es in praxi bedeutete, Fotomodell zu sein. So hatte sie Marti kennengelernt – und Mark Blair. Zuerst jedoch Marti.

Marti Meredith war ein berühmtes Modell und gehörte an der Ostküste, bevor sie in den Westen kam, zur Gruppe jener, die sechshundert Dollar für die Stunde kassierten. Marti, drei Zentimeter größer als Jasmine mit ihren einssiebzig, besaß ein wahrhaft aristokratisches Gesicht, einen Teint wie poliertes Elfenbein und große dunkle Augen mit dichten schwarzen Wimpern. Wo Jasmine Kurven hatte, war Marti eckig.

Eine der Agentursekretärinnen machte die beiden miteinander bekannt, weil sie wußte, daß Jasmine eine Bleibe suchte und Marti eine Mitbewohnerin, da sie eben ein Appartement gemietet hatte, das für sie allein zu groß und zu teuer war.

Als sie dann zusammen loszogen, um sich das Appartement anzuschauen, war Marti nicht lange um den heißen Brei herumgegangen.

»Etwas solltest du wissen, Jasmine, bevor du entscheidest, ob du mit mir zusammenziehst oder nicht. Ich mag Männer nicht, außer als Kumpels. Ich stehe auf Frauen. Ich bin lesbisch. Die meisten in unserem Verein wissen das.«

Marti sagte noch einiges mehr, rundheraus, während Jasmine einfach dastand und sie anstarrte. Später war Jasmine sich bewußt geworden, daß es vor allem die Herausforderung in Martis Worten war, die sie bewog, zu der Wohnung und auch zu Marti selbst ja zu sagen. Jetzt, drei Jahre später, akzeptierten und verstanden die beiden Mädchen einander nicht nur, sondern sie mochten sich ausgesprochen gern. Wie Marti in einem früheren Stadium ihrer Bekanntschaft erklärte, war es durchaus von Vorteil, wenn zwei zusammenwohnten, die ihre Spielgefährten nicht unter demselben Geschlecht suchten – vor allem mußten sie nicht fürchten, einander ins Gehege zu kommen.

Nun denn ... Jasmine öffnete die Augen und erblickte sich in dem großen Spiegel, der an der Wand gegenüber ihrem Bett hing. Der Spiegel war Davids Idee gewesen – er hatte ihn vor etwa vier Monaten dort aufgehängt. Der Teufel sollte David holen, sich wieder so in ihre Gedanken zu drängen! Sie kam sich wie ein Kind vor, das nach dem Mond oder nach den Sternen weinte, weil es alles übrige besaß. Behaupteten nicht andere Leute oft neidisch, sie habe alles? Warum wollte sie David unbedingt, früher war sie doch sehr gut ohne ihn zurechtgekommen!

David, David, David. Nur seinen Namen sagen, immer wieder, wie eine Litanei, einen Schrei des Schmerzes und der Leidenschaft. David, noch vor zwei Monaten ihr David. Wem gehörte er jetzt?

Ihr Spiegelbild starrte sie an, verwischte Schminke unter den Augen. Konzentriere dich, Jasmine. Beurteile dich selbst, sonst geht's nicht. Alle deine Pluspunkte. Gesicht ganz in Ordnung. Wangen leicht eingefallen (gut für Kamera-Blickwinkel) von zuviel Nachdenken und zuwenig Essen. Grünliche Haselnußaugen, eigentlich eher grün als nußfarben. Kupferbraunes Haar, auf Schulterlänge geschnitten. Hübsche Brüste, nicht zu groß, Gott sei Dank, aber auch nicht zu übersehen. Und lange, schlanke Beine, zu lang, als daß Jasmine sie hinter dem Schreibtisch im Redaktionszimmer bequem hätte kreuzen können. Seit einiger Zeit spielte sie wieder Tennis, und das tat ihr gut. Geistige und körperliche Disziplin, das war es, was sie brauchte!

Warum kann ich David nicht aus meinem Geist verbannen? Ich habe mich doch auch selbst davon abgebracht, an Mark zu denken ... Lieber Mark, warum mußtest du sterben?

Jasmine dachte jetzt ganz bewußt an Mark, an ihre erste Begegnung mit ihm. Eine Möglichkeit wenigstens, David aus ihren Gedanken herauszuhalten, nicht wahr? Der nette, hilfsbereite Peter und seine Tips! Selbstanalyse für den gewöhnlichen Sterblichen und Psychoanalyse im Do-it-yourself-Verfahren! Hör auf damit, Jasmine! Es ist Samstag, und du hast nichts zu tun bis Montag früh halb fünf, bis der Wecker wieder klingelt. Erinnere dich an Mark. Er wenigstens war gütig.

Sie beachtete Männer immer, die sie überragten, wenn sie hochhackige Schuhe trug. Gleich bei seinem Eintritt spürte sie, daß er eine bedeutende Persönlichkeit war, weil alle um ihn herumscharwenzelten. Mark besaß Präsenz, er gehörte zu jenen Menschen, die man nicht übersehen konnte.

Auf einem Wohltätigkeitsball zwei Wochen vor Eröffnung der Opernsaison hatte sie ihn kennengelernt. Jasmine führte Abendkleider vor und war verzweifelt, weil sie wußte, daß sie Arbeit finden mußte, eine richtige Stellung. Sie war von Berkeley an die staatliche Universität in San Francisco übergewechselt, aber das hatte nicht viel gebracht. Stipendium oder nicht, sie brauchte unbedingt eine Teilzeitbeschäftigung, damit sie Geld nach Hause schicken und trotzdem noch leben konnte.

»Marti, ich muß einfach was finden! Mr. Higgins hat dieses großartige Empfehlungsschreiben an den Herausgeber des Record geschickt, aber das ist bereits zwei Wochen her, und ich habe noch nichts gehört ...«

»Du wirst schon Antwort kriegen. Leg' jetzt diese trübselige Miene ab, um Himmels willen. Du spielst nicht die Violetta, denk dran, sondern führst ein Kleid vor, das Beverly Sills tragen wird. Raus mit dir, Kleines. Du bist dran.«

Das Kleid, eigentlich ein Kostüm, war prachtvoll. Unendlich weiter Rock und eng anliegendes Mieder, das ihre Arme und ein Stück des Tals zwischen ihren Brüsten frei ließ. Jasmine schritt zu den Klängen des heiteren Walzerthemas aus La Traviata hinaus, und der erste Mensch, den sie erblickte, war Mark.

Groß. Silbergraues Haar. Durchdringende blaue Augen in einem sonnengebräunten, markanten Gesicht. Sein Anzug stimmte in der Farbe fast genau mit seinem Haar überein. Und Jasmine wußte, ohne ein zweites Mal hinsehen zu müssen, daß er sie beobachtete.

Erst später erfuhr sie, daß sie auf seine Veranlassung beim Dinner neben ihm gesessen hatte. Und daß die fünf Mannequins überhaupt nur auf seine Veranlassung zum Dinner eingeladen wurden. Mark Blair bekam stets, was er wollte. Und jetzt wollte er Jasmine. Damals wußte sie nicht einmal, wer er war und was er verkörperte. Erst Marti hatte sie aufgeklärt, spät in der Nacht, nachdem Jasmine auf einer Champagnerwolke nach Hause geflogen war.

»Liebes Kind, deine Zukunft ist gesichert. Mark Blair! Der zurückhaltende, schwer zugängliche Mr. Blair, dem zufällig fast alles hier herum gehört! Kommst du dir nicht wie Aschenputtel vor?« Marti war selbst ziemlich beschwipst, aber sie freute sich aufrichtig für Jasmine, die ihr Glück noch gar nicht erfaßt hatte.

Jasmine dachte nicht an »Glück«. Ihr war noch nie zuvor ein Mann wie Mark Blair begegnet; er selbst, der Mensch Mark Blair, beeindruckte sie weit stärker als die Aura der Macht, die ihn umgab. Ihr gegenüber gab er sich nicht zurückhaltend. Er wurde ein faszinierender Gefährte und ein zärtlicher, anspruchsloser Liebhaber.

Erst nach seinem Tod erkannte Jasmine, wieviel Mark für sie getan hatte. Er war es, der immer alles in die Hand nahm. Sie war inzwischen Berichterstatterin beim Record geworden, eine seiner Zeitungen, nachdem sie ihr Studium abgeschlossen hatte. Und Mark war es, der ihr das Angebot von der Fernsehgesellschaft KNTX vermittelte und darauf bestand, daß sie es annahm. Es war fast, als habe er sie auf das Kommende vorbereiten wollen – auf das Leben ohne ihn. Geblieben waren ihr von den zwei Jahren mit Mark nur Erinnerungen. Erinnerungen an plötzliche, überraschende »Ferien« auf der ganzen Erdkugel. Dazu eine Bildung, wie sie sie auf der Universität nie erlangt hätte, ein Schrank voll teurer Kleider und einige wertvolle Schmuckstücke.

Was von Mark Blair selbst geblieben war, wurde an einem unziemlich sonnigen Vormittag verbrannt. Jasmine war nicht zur Totenfeier gegangen. Marks erwachsene Kinder hatten teilgenommen, ferngeblieben aber war auch seine bettlägerige Frau, die schon seit zehn Jahren an einer mysteriösen Krankheit »starb«. Mark war an einer Herzattacke gestorben, beim Tennisspielen.

Zwei Jahre. Nach Marks Tod hatte Jasmine nicht um ihn geweint. Jetzt aber liefen ihr die Tränen übers Gesicht. Weinte sie um Mark, um die Liebe und Sicherheit, die er ihr geschenkt hatte? Oder weinte sie um David? Oder waren es Tränen des Selbstmitleids, weinte sie über Jasmine Mason, die jung, schön und klug war, die alles hatte – und dennoch nichts?

Kapitel 3

»Peter, Schatz, ich habe alles versucht, Yoga, Bewußtseinsstrom, Nachdenken über Fehler, die ich gemacht habe, aber ich kann ihn nicht austreiben.«

Warum, so fragte sich Jasmine, drückte sie sich beinahe aus wie Peter, wenn sie mit ihm beisammen war?

Sie blickte ihn erwartungsvoll an. In der Hoffnung, daß er das Kaninchen aus dem Hut zaubere, daß er mit den Fingern schnippe und ihr beruhigend sage, es sei alles gut, sie solle aufwachen, der Bruch mit David war lediglich ein Alptraum.

Jasmine und Peter saßen noch bei ihrem samstäglichen Abendessen in Peters Lieblingsrestaurant, einem jener Lokale, die ›in‹ und in allem, bis auf das Essen, wahrhaft schauerlich waren.

Peter seufzte theatralisch und schüttelte den Kopf über Jasmine, aber unterm Tisch spürte sie seine Hand nach ihrem Knie tasten, höher gleiten und auf ihrem Schenkel verharren. Peter berührte sie gern, vor allem in der Öffentlichkeit; und meist ließ Jasmine ihn gewähren, denn es weckte ein seltsames, erregendes Gefühl in ihr.

»Ich habe dir gesagt, Jasmine, Liebling, daß ich es dir berechne, wenn ich dich analysiere, dich aber umsonst vögle. Was also soll es sein?«

»Bring mich lieber nicht auf Ideen?, Peter – vielleicht sollte ich anfangen, dir was zu berechnen. Möchtest du mich nicht als ›Fallgeschichte‹ haben? Ich bespreche mit meiner schönsten Kleinmädchenstimme dein hübsches Tonband und benutze die schmutzigsten Ausdrücke, die ich kenne. Das müßte einen Bestseller geben.«

Peter neigte sich über den Tisch, scheinbar um ihr tief in die Augen zu schauen, aber sie spürte seine Finger auf ihrem Schenkel weitergleiten, vorsichtig und zart forschend, bis sie seine Beharrlichkeit mit einem kleinen Seufzer belohnte, einem Entspannen der Muskeln.

»Kluge Jasmine. Du sagst immer das Richtige, nicht? Schenken wir uns den Café royale und gehen wir zu mir, damit wir ficken können.«

»Mhm. Und danach darf ich reden?«

»Erst ficken, Liebling. Reden später.«

In jener Nacht besprach Jasmine das erste der »Peter-Bänder«, wie sie es nannte. Ihr war klar, daß sie es für sich selbst tat, weil sie Hilfe brauchte und weil Peter Psychiater war – normalerweise hätte sie sich Peter nicht leisten können. Welche unterbewußten Gründe sie sonst noch haben mochte, sie mußte sich eingestehen, daß die Aufzeichnung des Liebesspiels in ihr dasselbe erregende Gefühl hervorrief wie Peters Hand, wenn sie unter Restauranttischen an ihren Schenkeln emporstrich.

Peter mochte es nicht, wenn sie »bumsen« sagte.

»Bumsen ist ein so mechanisches Wort, Süße. Es erinnert mich an Autounfälle. Du bist kein Auto, ich bin auch keines. Ficken ist viel menschlicher, meinst du nicht?«

Peter war gut im Bett, sehr leistungsfähig, sogar aufmerksam – er achtete immer darauf, daß auch sie ihr Teil bekam. Aber er wollte, daß sie obszön redete. Bisher hatte sie sich stets geweigert. Warum sollte sie ihre Stimme und ihr Stöhnen von einem seiner Bänder aufnehmen lassen?

Endlich war er dann so ehrlich gewesen, ihr von seiner Sammlung an Pornobändern zu erzählen und sie zu fragen, ob er das Band nicht laufen lassen dürfe, wenn sie wieder fickten.

»Was fängst du denn damit an, Peter? Spielst du die Dinger ab, wenn du allein bist? Spielst du an dir selbst, während du zuhörst?«

»Ich bin Psychoanalytiker, Jasmine«, erwiderte er vorwurfsvoll und erklärte, daß er eines Tages eine Art Tonband-Collage mit den Stimmen aller Frauen machen wolle, die er je gefickt habe. »Jeder Mensch hat einen geheimen Ehrgeiz, Hübsche, und das ist eben meiner.« Jasmine hatte lachen müssen. Irgendwie mochte sie Peter gern. Er war ehrlich, bediente sich keiner Schliche; und weil sie nicht zu seinen Patientinnen aus der besseren Gesellschaft gehörte, bemühte er sich ihr gegenüber auch nicht, taktvoll zu sein.

Heute nacht spielte sie Peters Spiel mit. Warum nicht? Vielleicht würde er das Band irgendwann einmal vor David ablaufen lassen; möglicherweise machte das David sogar eifersüchtig. Irgendwie wußte Jasmine, daß David noch immer eifersüchtig war, daß es ihn berührte, was sie tat.

Und nachdem sie für Peter auf dem Band war, ließ er sie für sich selbst darauf sprechen. Es sollte ihr helfen, ihre Probleme zu verstehen, wenn er beim nächstenmal das Band für sie abspielte. Therapie nach Peters Art.

DAS ERSTE BAND:

Dieses verdammte Ding läuft. Peter, wie soll ich anfangen? Was soll ich sagen? (Seufzen)

Jasmine, du warst sehr gut heute nacht, und ich bin sehr müde. Rede einfach - sag' einfach irgendwas, was dir gerade einfällt. Das Band läuft noch eine Stunde und gehört ganz dir.

Oh – Scheiße!

Keine obszönen Wörter mehr, Engel, sonst regst du mich wieder auf. Und versuche bitte, nur rhetorische Fragen zu stellen, sei so nett. Ich möchte ein bißchen schlafen.

Peter, du bist wirklich ein kalter Fisch. Nein – ich nehme das zurück. Du bist nicht schlecht, wirklich. Für einen Mann. Trotz der Dunkelheit sehe ich, daß du die Schultern zuckst. Magst du es nicht, wenn ich zur Abwechslung mal was Nettes über dich sage? Oje, entschuldige, war eine rein rhetorische Frage.

Weißt du, es ist wirklich ein komisches Gefühl. Im Bett zu sitzen und mit mir selber zu reden. Wenigstens kommt es mir so vor. Ich weiß, du bist da irgendwo, Tonband, aber ich kann dich nicht sehen. Ich sollte öfter mit mir selber reden; es macht wirklich irgendwie Spaß.

Worüber soll ich reden? Über David natürlich. Deshalb bin ich ja hier. Du wirst später einige Fragen beantworten müssen, Peter, Schatz. Vielleicht wenn du das hier abspielst. Schließlich bin ich auf Davids freundliche Empfehlung hier, nicht? Tut er so was oft? Erzählst du ihm, was zwischen uns vorgeht? O verdammt, ich wünschte, ich könnte die Antworten jetzt gleich haben; aber da liegst du und stellst dich schlafend.

Na gut. Zurück zu David. Ich verstehe ihn nicht. Verstehst du ihn, Peter? Vermutlich habe ich David nie verstanden, nicht einmal, als ich mich in ihn verliebte. Ich glaubte natürlich, es zu tun. Ich glaubte, alles von ihm zu wissen – wie er dachte, wie er mich erregen konnte, ohne mich auch nur zu berühren. Guter Gott! Da glaubte ich, er werde sich als einer von vielen erweisen; ich suchte irgendeinen Fehler an ihm, etwas, das ich hassen konnte. Und plötzlich traf es mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel.

Ich liebe David. Mein Gott, ich liebe ihn wirklich. Das ist ein großer Augenblick für jede Frau – eine Art Verlust der Jungfräulichkeit, nur besser, auch furchterregender. Gibt es nicht einen Schlager, »Ich hab noch nie geliebt im Leben«? Nun, ich hatte noch nie geliebt. Ich fragte mich schon, ob ich nach Mark überhaupt noch etwas für einen Mann empfinden könnte, ob ich noch einmal einen Mann finden würde, dem ich wirklich vertrauen konnte. Und dann, ohne es zu merken, war ich in David verliebt.

David rief nicht an, und da wurde es mir klar. Bis jetzt hatte er mich jeden Tag angerufen, von unserem ersten Zusammensein an. Es war wie – wie etwas, auf das man sich jeden Tag freuen konnte. Anfangs fand ich es ein bißchen amüsant – David erschien mir so gar nicht als romantischer Typ; er wirkte sehr prosaisch, sehr sachlich. Aber als ich ihn besser kennenlernte, hatte ich das Gefühl, er öffne sein wahres Ich und lasse mich ein, in etwas sehr Geheimes, Verborgenes. Ich war die erste, die einzige Frau für ihn. Dieses Gefühl gab er mir.

Wie dem auch sei, David rief immer an. Mindestens einmal am Tag. Ich begann auf den Anruf zu warten, weißt du. Ich wurde immer ganz locker, wenn ich mit ihm redete. Er ist – er war, meine ich – so verständnisvoll. Er ließ mich sogar über Berufliches reden, über meine schmerzenden Füße ... Oh, mir geht etwas auf. Dies als Nebenbemerkung für dich, Peter, du bist wirklich klug. Ich vermute, David war mein privates Tonband, nur eben nicht ganz; ein Tonband kann nicht ficken und einem nicht das Gefühl geben, man sei die einzige Frau auf der Welt – das ist eines der Dinge, die David verstand. Er konzentrierte sich auf mich; er ließ mich glauben, ich sei – einmalig. Und eines Tages – dann rief er nicht an! Ich konnte nicht schlafen; ich war außer mir! Ich lief in der Wohnung hin und her wie ein Tier im Käfig, ging Marti auf die Nerven, und plötzlich traf es mich wie ein Schlag – ich liebte David. Ich meine, ich hatte mich in ihn verliebt. Und er rief nicht an! Da beging ich Fehler Nummer eins – den ersten in einer langen Reihe. Ich rief ihn an. Mitten in der Nacht.

»David«, sagte ich, »ich liebe dich.« Er lachte. »Jasmine, du bist eine Närrin«, sagte er. Dann sagte er, es tue ihm leid, daß er nicht angerufen habe. Er habe plötzlich einen dringenden Fall bekommen, lange im Büro bleiben und einen Schriftsatz ausarbeiten müssen. Danach sei er einfach eingeschlafen. Ich kam mir dumm vor. Aber ich fühlte mich auch gut. Jetzt wußte er es. Frag mich nicht, warum ich es ihm sagen wollte. Vielleicht wollte ich, daß er dieselben Worte zu mir sagte. Aber das hat er nicht getan, nie. Schlauer David.

Peter, hast du David auch analysiert? Wie seid ihr Freunde geworden? Was hat David dir über mich erzählt? Ach, komm, ich weiß, daß du nicht schläfst – ich sehe es daran, wie du die Schultern hochziehst. Du willst wieder ficken, das merke ich auch, stimmt's, Peter? Hat er dir etwas über unseren Streit gesagt?

Die Zeit ist um, Jasmine. Du kannst den Streit für das nächste Band aufheben. Komm her jetzt, sei ein liebes Mädchen, und sag mir, daß du gefickt werden willst. Los, auf dem Band sind noch ein paar Minuten, genug für eine Menge sinnlicher Worte und Geräusche. Du bist ein Schweinehund, du auch, Peter ... Nein, hör auf; ich will nicht ... Ach, der Teufel soll dich holen!

Sag es, Jasmine, sag es!

Fick mich, Peter, fick mich, fick mich!

ENDE DES BANDES.

Kapitel 4

Jasmine kam sehr spät nach Hause, trotzdem war Marti noch wach. Sie hörte sich Platten von Rod Stewart an. Wie üblich trank sie; ein halbvolles Glas stand in Reichweite auf dem Couchtisch.

Jasmine machte sich Sorgen um Marti. Bis jetzt sah man weder in ihrem Gesicht noch an ihrer Figur, daß sie trank, aber wenn sie so weitermachte, würde es sich unweigerlich bemerkbar machen.

Marti und Stella mußten wieder gestritten haben. Jasmine fragte sich mit einer Spur Bitterkeit, ob Stella noch immer David alles anvertraute. Doppelgesichtige Stella, die zwischen zwei Lagern stand und schwankte.

»Jasmine, Kleines, willst du einen Drink?«

»Mhm. Ich bin erschlagen. Dieser Peter, manchmal kommt er in Stimmung und ist fast unersättlich. Sogar meine Beine schmerzen.«

»Du mußt ihn gehörig aufgeregt haben, Kleines.«

Jasmine lachte kurz und streifte die Schuhe ab.

»Nicht ich, wirklich nicht. Das Tonband war es, das ich mit ihm ›bespielt‹ habe. Peter hat alles aufgenommen – Worte, Geräusche. Würdest du glauben, daß er sogar sein Bett so montiert hat, daß es bei jeder Bewegung quietscht?«

»Das glaube ich sofort. Peter scheint was von Ausschweifung zu verstehen. Ein verdammter Jammer, daß ich nicht bisexuell bin wie Stella, sonst würde ich mir von ihm eine Kostprobe seiner Schlafzimmertherapie geben lassen.«

»Marti ...«

Marti ergriff ihr Glas und schwenkte es in Jasmines Richtung.

»Geh ins Bett, Kleines, und kümmere dich nicht um mich. Wenn ich in dieser Stimmung bin, kann mir niemand helfen. Wir hatten einen großen Krach, Stel und ich, aber wir werden uns versöhnen. Tun wir das nicht immer?«

Marti klang keineswegs überzeugt, aber das ging Jasmine schließlich nichts an.

»Hm, ich denke, keine von uns wird morgen einen Anruf kriegen, also können wir beide lang schlafen! Nacht, Marti.«

Als Jasmine in ihr Schlafzimmer verschwunden war, mixte sich Marti einen neuen Drink. Sie dachte an Jasmines Bemerkung über das Tonband. Vielleicht sollte sie sich selbst eines besorgen und es in Nächten wie dieser besprechen. Möglicherweise war das eine bessere Therapie als der Alkohol. Sie hatte den Drink viel stärker gemacht als den letzten und verzog das Gesicht, er schmeckte zu scharf. Sie durfte nicht zur Alkoholikerin werden, die Gefahr lag in der Familie. Als sie noch zu Hause lebte, vor sehr langer Zeit, hatte immer irgend jemand sie vor dem Trinken gewarnt. Damals gab sie es auf. Aber Stella – die konnte einen wirklich zum Trinken treiben.

O Gott, welches Miststück, diese Stella. Aber wie schön und wie raffiniert mit ihren Händen und ihrer Zunge und ihrer sanften, zarten Stimme, die sogar die schmutzigsten Worte wie ein Liebesgedicht klingen ließ.

Marti fand es komisch, auf ungute Art komisch, daß Jasmine und sie jetzt im selben Boot saßen. Jasmine hatte David verloren, und sie Stella. War es nicht sonderbar, wie ihre Schicksale ineinandergriffen? Hier Marti und Jasmine, die sich in eine Wohnung teilten; dort Stella und David, die sich in ein Büro teilten. Zumindest hoffte Marti, daß die beiden nicht mehr teilten, aber wer wußte das schon bei Stel? »Mr. Zimmer«, nannte sie David im Büro. Als sie ihn damals zur Party mitbrachte, war er einfach »David« gewesen. Aber wie sollte man es David oder anderen Männern zum Vorwurf machen, daß sie Stella zweimal anschauten und dann besitzen wollten? Stella war bezaubernd; wäre sie nicht so klein gewesen, hätte sie sich ebenfalls zum Fotomodell geeignet. So unschuldig konnte Stella aussehen, und wenn sie weinte, wirkte sie so mitleiderregend, so entsetzlich traurig!

Heute abend hatte Stella geweint.

Marti wußte schon bei Stellas Eintreffen sofort, daß etwas passieren würde. Stella war verkrampft und gereizt gewesen. Als Marti sie küßte, war sie gleich zurückgewichen und wandte den Kopf ab.

»Okay Schatz, schieß los. Dich plagt etwas, und du kannst es mir ebensogut gleich sagen wie später.«

Marti drehte Stella den Rücken zu und schenkte Drinks ein. Warum Stella sehen lassen, wie aufgewühlt sie war. Stella war sich ihrer Macht über Marti ohnehin schon viel zu sicher.

»Marti«, sagte Stella schließlich nervös und zögernd. Marti wußte, sie sammelte Mut. Dann sprudelten die Worte in einem Schwall hervor: »George hat mich eingeladen. George Cox – erinnerst du dich, ich habe dir von ihm erzählt? Und – ich habe zugesagt. Marti, ich muß es versuchen, verstehst du nicht? Ich – ich will es!«

Marti mußte sich zwingen, den Abstand zwischen ihnen mit ruhiger Stimme zu überbrücken, einer geradezu verdammt ruhig klingenden Stimme!

»Hm, Liebling, wenn du es willst, kann ich wohl nichts dagegen tun, oder?« Sie war mit den Drinks zu Stella getreten und reichte ihr ein Glas. »Du bist schließlich nicht mein Eigentum, Schatz.« Stella legte ihr die Hand auf den Arm, und sie hatte an sich halten müssen, um gelassen zu bleiben.

»Marti«, flehte Stella, »Schatz, es ist nur eine Verabredung, mehr nicht. Und er ist so alt. Er will bloß Gesellschaft, das ist alles – er hat es gesagt. Und er will mit einem Mädchen gesehen werden, jemand Jungem, weißt du. Es geht ihm nur um seinen Ruf, sein Ich.«

»Und was bringt es dir? Mußt gerade du es sein, die sein verdammtes männliches Ich aufpoliert?«

Stella hatte schmollend den Mund verzogen, den Kopf geneigt und die Flüssigkeit in ihrem Glas gemustert.

»Es ist doch nichts dabei, wenn man zu jemandem nett ist, oder? Und er ist mit Mr. Bernstein befreundet; er kann mir helfen, weiterzukommen, siehst du das nicht ein? Er wird nichts verlangen von mir; wir beide können uns weiter sehen und weiter haben. Oh, Marti, Liebling, bitte versteh doch! Ich bin so verdammt schwach, ich bin nicht stark wie du. Ich muß so tun als ob ... Weil ich nicht möchte, daß die Leute was merken. Wenn ich nie mit einem Mann ausgehe – die Leute müssen doch glauben, daß das nicht normal, nicht natürlich ist. Ich habe das Gefühl, daß sie schon anfangen, mich zu beobachten und über mich reden. Und den Gedanken ertrage ich nicht, Marti.«

Marti hatte die Zähne zusammengebissen und die Hände zu Fäusten geballt, aber sie brachte es fertig, ihre Stimme unter Kontrolle zu halten.

»Stella, ich verstehe schon. Du hast dich bereits entschieden, hast nachgedacht und glaubst, daß du so handeln mußt. Aber denke auch daran, Schatz: ich liebe dich. Liebt George dich auch? Oder möchte er nur eine hübsche Puppe zum Essen ausführen? Ich will mehr als das, Stel. Himmel, manchmal wünschte ich, ich wäre ein Mann und könnte mit dir ausgehen und dich aller Welt stolz als die Meinige zeigen. Aber auch ich bin ein verdammter Feigling. Ich werde nicht um dich kämpfen. Weißt du was, Schatz? Zieh los, geh mit George aus. Ich werde mir unterdessen einen antrinken, denke ich!«

Stella fing an zu weinen und lehnte den Kopf an Martis Schulter.

»Marti, tu das nicht! Bitte mach mich nicht unglücklich, denn ich liebe dich auch, das weißt du! Ich habe nur Angst, das ist alles. Was haben wir schon für Aussichten, Marti? Für eine Zukunft, meine ich? Ich möchte nicht alt sein und mit einer anderen alten Jungfer zusammenleben. Alte Jungfern – alte Mannweiber, so würden sie uns nennen. Und uns auslachen und verspotten. Und – ich habe welche gesehen, Marti ... Wir würden so häßlich ausschauen, vierschrötig und dick wie Männer. Oh, das könnte ich nicht ertragen. Ich würde mich lieber umbringen!«

»Hör auf, Schatz, hör auf! Du bist jung und schön und wirst nie alt werden – man braucht nur Geld, dann kann man sich liften lassen. Hör also auf zu weinen. Geh mit George aus; hole dir bei ihm, was du kriegen kannst; geh aus und täusche die gottverdammte Welt. Aber, Schatz, komm danach zu mir zurück – hör nie auf, zu mir zurückzukommen!«

Marti hatte Stellas zitternden Körper gestreichelt und liebkost, bis das Zittern zum Verlangen geworden war, zu einem so heftigen Verlangen, daß Stella stöhnte und sich wand.

»O Gott – ja, Schatz – ja, ja! Mach es mit mir – laß mich auch – Marti – Marti! Liebling – Liebling!«

Sie waren zusammen auf die dicke Plüschdecke gesunken, jede zerrte an den Kleidern der anderen, jede berührte die andere hungrig, küßte sie. Marti schwor sich, nichts von der Lebendigkeit, Leidenschaft und Liebe, die Stella verströmte, für den alten Mann namens George mit dem distinguierten grauen Kopf und den manikürten Händen übrigzulassen.

Marti brachte Stella zum Höhepunkt, bis sie vor Begierde und Lust stöhnte und wimmerte; der weiche, kindliche Mund stand offen, die kleine Zunge leckte gierig nach Martis Brustwarzen. Natürlich hatte Stella sie wiedergeliebt! Stella würde George benutzen, aber Stellas Liebe gehörte ihr. Stella gehörte ihr, nur ihr!

Marti hatte sich schließlich ihrem Gefühl hingegeben und aufgehört zu denken, berechnend zu handeln. Nachtschwarzes und blondes Haar vermischten sich; die beiden Körper umschlangen und vereinten sich in den uralten sapphischen Mustern.

Noch nie war Marti so ungestüm, so anspruchsvoll, so großzügig und so zärtlich gewesen. Unter ihrem leidenschaftlich suchenden Mund spürte sie voll Freude, wie Stella bebte, als brenne sie inwendig und zerfließe. Stellas schöner Körper hatte dagelegen, ihren Händen und Lippen preisgegeben, völlig in Besitz genommen von ihr. Und was ihre eigenen Bedürfnisse betraf – hatte Stella sie je so gut geliebt? Gewöhnlich war Stella eher scheu und gehemmt, und gewisse Dinge mochte sie nicht tun. Heute nacht aber war Stella wild geworden, als wollte sie etwas beweisen. Ihre Hände und ihre Zunge waren gnadenlos gewesen, trugen Marti von einem Gipfel der Lust zum nächsten.

Als alles vorüber war, streckten sie sich keuchend aus und schmiegten sich wie Tiere aneinander. Stellas Haut bebte noch vor Empfindsamkeit. Stella, mit geschlossenen Augen auf dem Rücken liegend, die rosigen Kinderlippen geöffnet, stöhnte leise. Marti, lag auf dem Bauch, einen Arm und ein Bein besitzergreifend über ihrer Geliebten. Sie war für den Augenblick zufrieden.

Mochte Stella nun ruhig mit George ausgehen. Sollte sie herausfinden, ob es das war, wonach sie sich sehnte, ob George ihr solche Wonnen schenken konnte.

Doch nachdem Stella gegangen war, noch halb benommen von dem leidenschaftlichen Ausbruch zwischen ihnen, bemächtigte sich Martis wieder Verzweiflung. Stellas letzte Worte, als sie einander an der Tür zum Abschied küßten, waren gewesen: »Marti, ich liebe dich. Bitte versteh mich!«

Stella würde also trotzdem mit George ausgehen. Wie sollte George ihr widerstehen? Marti war sich der Schönheit Stellas sehr wohl bewußt – und auch ihrer Selbstsucht. Stella würde immer zuerst sich selbst sehen. Wäre nicht George gekommen, dann irgendwann irgendein anderer. Das wußte Marti genau, sie hatte es immer gewußt. Aber wie konnte man es sich abgewöhnen, einen bestimmten Menschen zu lieben, ihn zu brauchen? Die letzte Platte war verklungen; die Stille toste in Martis Ohren. Warum war Jasmine nicht aufgeblieben? Sie hätten sich zusammen einen andudeln und gegenseitig trösten können. Arme Jasmine, die wegen ihres blöden Taugenichts David genauso unglücklich war wie sie wegen Stella.

Ihr Glas war leer. Sollte sie sich noch einen genehmigen? Als sie aufstand, spürte sie, daß sie schwankte. Eine Welle plötzlicher Übelkeit stieg in ihr hoch, Schweißperlen traten ihr auf die Stirn. Schnell griff sie nach der Armlehne ihres Sessels. Kein Alkohol mehr – sie haßte Übelkeit, haßte die Qualen des Erbrechens. Vorsichtig ging sie auf ihr Schlafzimmer zu.

Unterwegs lehnte sie sich kurz an die Tür von Jasmines Zimmer. Wach auf, Jasmine – ich brauche jemanden. Halte mir die Hand; rede mit mir; sag mir, daß sie wiederkommen wird.

Aber nur Stille umgab sie. Na, sie konnte sich ja auch in den Schlaf weinen.

Kapitel 5

In der Damentoilette der Anwaltskanzlei Hansen, Howell & Bernstein betrachtete sich Stella Gervin prüfend im Spiegel. Gott sei Dank, man sah ihr die letzte Nacht nicht an, nur leichte Schatten unter den Augen kündeten davon, doch das Make-up verdeckte sie weitgehend. Stella verzog den Mund, lächelte ihrem Spiegelbild selbstgefällig zu. Keine Runzeln. Und ihr Haar wirkte hübsch heute morgen; sie war froh, daß sie beschlossen hatte, es wieder wachsen zu lassen.

Stellas neues blaues Kleid betonte die Farbe ihrer Augen, der kleine Rüschenkragen ließ ihren Hals schlank erscheinen, und der Rock war gerade so lang, daß man ihre überaus wohlgeformten Beine sehen konnte. Sie fragte sich, ob David sie wohl bemerke. In letzter Zeit hatte sie das Gefühl, daß er sie sehr wohl beachte, es aber zu verbergen versuche. Allerdings fanden Männer, die wußten, daß sie Martis Freundin war, sie fast immer interessant. Jeder wollte derjenige sein, der sogar eine Lesbierin zum Orgasmus bringen konnte.

Stellas blasses Gesicht rötete sich. Marti und ihre Philosophie ...! Sie selbst haßte das Wort Lesbierin. Ich bin keine. Bisexuell vielleicht. Das klingt richtig klinisch, viel besser als lesbisch. Nie und nimmer lesbisch. Bei mir muß es keine Frau sein. Ein Mann mit sanften Händen, der Frauen versteht und gerne fickt, könnte das alles genauso gut. Wider Willen dachte sie daran, wie Marti in der vergangenen Nacht gewesen war. Schöne schlanke Marti mit dem harten, muskulösen Körper einer Tänzerin, die ihr Wonnen schenkte – so tiefe Wonnen! Ob ein Mann das auch fertigbrächte?

Eine der anderen Sekretärinnen kam herein, und Stella wandte sich rasch vom Spiegel ab, das Gesicht noch immer leicht gerötet. Sie nahm ihre Handtasche, nickte dem Mädchen zu und ging schnell hinaus. Dem Himmel sei Dank, daß es nicht Gloria gewesen war. Gloria brachte es immer fertig, daß Stella sich unscheinbar vorkam und unsicher wurde. Stella wußte, der eigentliche Grund lag darin, daß Gloria ein Auge auf Stellas Chef, David Zimmer, geworfen hatte. Gloria sah in jedem weiblichen Wesen, das in Davids Umgebung arbeitete, eine Konkurrentin, vor allem seit Jasmine von der Bildfläche verschwunden war. Darum unterließ Gloria es nie, Stella auf die eine oder andere Weise an ihre Position zu erinnern, ihren Platz in Davids Vorzimmer.

Stella ging an ihren Schreibtisch zurück, stellte die Handtasche weg und setzte sich mit übergeschlagenen Beinen auf den Drehstuhl. David war noch nicht da. Mr. Zimmer nannte sie ihn im Büro, denn das klang geschäftsmäßiger und hielt ihr außerdem Gloria vom Hals. Tatsächlich war es Gloria gewesen, die George Cox hergebracht hatte, unter dem Vorwand, er wollte David sprechen. Gloria wußte ganz genau, daß David an jenem Nachmittag nicht dasein würde! Und bestimmt hatte sie ebenso genau gewußt, daß George lieber Davids Sekretärin als David selbst sehen würde. Nun, in dem Punkt konnte Stella nicht über Gloria klagen – in dem gewiß nicht. George sah sie, Stella gefiel ihm, und es dauerte nicht lange, bis er anrief und fragte, ob sie nicht mit einem einsamen alten Mann zum Abendessen gehen wolle. Stella wußte, daß George Cox mindestens dreimal verheiratet gewesen war und daß es ihm keineswegs an weiblicher Begleitung mangelte, aber allein schon die Tatsache, daß er sie einlud, war schmeichelhaft – und er war ein so reicher Mann!

Von dem Fenster hinter ihrem Schreibtisch überblickte man die Stadt. Stella liebte die Aussicht auf die weißen Häuser, die in der Sonne zu glitzern schienen, wenn sich der Nebel verzog, und auf die San Francisco Bay dahinter, diesen halbmondförmigen, blaßblauen Streifen in der Ferne. Los Angeles war ihr verhaßt gewesen, in San Francisco dagegen hatte sie auf Anhieb das Gefühl, hier gehöre sie hin. Vielleicht weil sie hier zum ersten Mal im Leben wirklich frei war, ihre Freunde selbst wählen und allein über ihr Leben bestimmen konnte. Dank der Kontakte, die sie durch Mim geknüpft hatte, war es ihr gelungen, den Job als Anwaltssekretärin bei H. H. & B. an Land zu ziehen.