100 % Macho - Magda Maria Schüeli - E-Book

100 % Macho E-Book

Magda Maria Schüeli

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Beschreibung

Der Machismus hat in der Weltgeschichte seine Spuren hinterlassen, doch langsam aber sicher es Zeit, ihm nicht nur ein Monument, sondern auch den Grabstein zu setzen ... Vierzehn heitere und skurrile Kurzgeschichten.

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Seitenzahl: 104

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Inhalt

Einleitung

100 % Macho

Gebrauchsanweisung

Pinocchio

Top Secret

Inkognito

Michael Jackson & Co.

Model-Time

Stecknadeln

Kamillengold

Vorstellungen

Der Schokoladenkuchen, mit dem mein Onkel Millionär wurde

Bio-»logisch«

Das Auge des Leoparden

Kleines privates Königreich

Ein Fall für den Psychiater

Lug und Trug

MAX-field

Versöhnendes Nachwort

Einleitung

Nachfolgende Geschichten sind wahr – entstanden in einem Zeitraum von circa 20 Jahren.

Wenn nicht alles haargenau bis ins letzte Detail der Wahrheit entspricht, mag es allerdings im Wesentlichen so gewesen sein. Man möge dies als künstlerische Freiheit verstehen wie die beispielsweise eines Malers, der sich gewisser Abstraktionen bedient, damit seinem Bild Wirkung und Aussage nicht verloren gehen.

Die Namen von mehreren real existierenden Personen wurden abgeändert zum Schutz ihrer und meiner eigenen Person.

Wer auch immer sich persönlich wiedererkennt, sei versichert, dass dies ganz bestimmt ein sinnvoller Zufall ist.

100 % Macho

Gebrauchsanweisung

Ein 100-%-Macho ist dauernd in Kriegsstellung. Sein größter Feind ist die Frau. Sie muss erobert, niedergeworfen und »nieder«-gemacht werden.

Sein noch größerer Feind sind Gefühle. Sie müssen unterdrückt, geleugnet und abgetötet werden. Wurden sie notgedrungen doch einmal wahrgenommen, so kann dies nur ein momentaner Schwächeanfall gewesen sein, der jederzeit widerrufbar und unverbindlich ist.

100-%-Machos haben keine Gefühle, sie stellen sie nur dar. Und sie sind Meisterschauspieler. Sie können Gefühle überzeugender darstellen, als die meisten Menschen ihre wahren Gefühle zum Ausdruck zu bringen vermögen.

Gefühle sind naturgegebene Realitäten, die dem Macho zuwider sind, denn ein Macho lässt sich von nichts bestimmen, was sich seiner Kontrolle und Willkür entzieht. Sein Wille geschehe. Für den 100-%-Macho gibt es keinen anderen Gott als seinen eigenen Willen. Und um seinen Willen durchzusetzen, ist ihm jedes Mittel recht: Lug, Trug, Diebstahl, schlimmstenfalls auch Mord. Was immer ein Macho sagt, es heißt noch lange nicht, dass er es tun wird. Oder dass es einer verbindlichen Realität entspricht.

Für den Macho gibt es keine gleichwertigen Menschen. Er sieht sich selbst an der Spitze einer Hierarchie, und am nächsten steht ihm, wer ihm vorbehaltlos und bedingungslos zu Willen und zu Nutzen ist.

Da ein Macho menschlich gesehen sich selbst, das heißt seine wahre Natur mit ihren natürlichen Gefühlen und Bedürfnissen, nicht akzeptiert, kann er andere noch viel weniger annehmen. Jeder wird über kurz oder lang ebenso Opfer seiner Ablehnung.

Machos sprechen am liebsten im Befehlston, und dies bedarf eigentlich kaum einer weiteren Erklärung. Ein Macho sieht sich immer als Herrscher, auch wenn er keinen einzigen Untertan sein Eigen nennen kann.

Das wichtigste Ziel des Machos ist, immer der Größte und Wichtigste zu sein. Wo er das nicht schafft, arbeitet er daran. Ein 100-%-Macho ist niemals ein wahrer Freund …

Für einen Macho ist Sex nicht Ausdruck von Liebe und intimer Nähe, sondern von Stärke, Potenz und erfolgreicher Unterwerfung. Deshalb auch ist er vielseitig, vielerorts und zu den unmöglichsten Zeiten und Gelegenheiten sexuell zugänglich für Objekte aller Art. Auf dem Feld der Sexualität ist er ein Jäger, der Trophäen sammelt – je mehr, desto besser.

Der Verlust einer Frau erschüttert einen Macho nur in dem Ausmaß, als dass sie Mittel zu seinen Zwecken war. Sie muss schnellstmöglich ersetzt werden. Wo dies nicht ohne Weiteres gelingt, stürzt er in Verzweiflung und trauert um seinen Machtverlust – nicht aber um den Verlust eines geliebten Menschen. Er wird unter Umständen auch versuchen, die Position der Frau zu schwächen, um seinen Machtverlust zumindest scheinbar in Grenzen zu halten. Ebenso wird mit Freundschaften verfahren.

Von Natur gegeben ist die Frau der gleichwertige Gegenpol des Mannes wie Yin und Yang, positiv und negativ, Tag und Nacht. Indem der Macho seinen ebenbürtigen Gegenpol eliminiert, beraubt er sich seiner schöpferischen Quelle, blockiert den Lebensfluss, verunmöglicht einen dynamischen Energieaustausch und verdammt sich so zum Untergang, den er in allen Variationen der Destruktion vollzieht.

Machos sind gerissen und schlau, aber leider nicht intelligent, was den Sinn für lebendig und liebevoll betrifft.

Suchtmittel aller Art spielen im Leben des Machos eine große Rolle. Wer sich seiner wahren Natur entzieht, schafft viele Schmerzen, die auch ein Macho auf Dauer nicht erträgt. Drogen sollen hier Erleichterung verschaffen, um so die Wahrnehmung des Grundübels zu verwerfen.

Der Faschismus ist nichts als ein Ausläufer des Machismus, »die Spitze des Eisberges«, die militanteste und zwingendste Form der Destruktion. Der Machismus macht alle gleich. 100-%-Machos sind liebesunfähige, lebenszerstörende, gefährliche Wesen. Man kann sie nur verlassen, respektiv entsprechende Distanz einnehmen, denn sie machen das Leben einfach unmöglich. 0- bis 100-%-Machos gibt es alle Abstufungen.

Das Problem Macho löst sich letztlich von selbst. Entweder sie ändern sich, oder sie werden das Opfer ihrer Selbst-Zerstörung.

Gibt es auch weibliche Machos? Machas? Frauen machen meist alles ein bisschen besser, im Guten wie im Schlechten. Doch auch für sie gelten dieselben Lebensgesetze wie für Machos. Machas sind seltener. Nicht weil Frauen an und für sich besser sind, sondern weil sie sich, geschichtlich und gesellschaftlich bedingt, mehr um die Kindererziehung und um das soziale Beziehungsgeflecht gekümmert haben und somit im Normalfall den Versuchungen zu Macho-Verhalten weniger ausgesetzt waren.

Frauen sind allerdings an der Existenz von Machos genauso mitbeteiligt wie die Ausführenden selbst. Es sind Frauen, die als Mütter ihre Söhne erziehen. Und es sind Frauen, die das Macho-Verhalten ihrer Gefährten bewundern und schlimmstenfalls sogar unterstützen.

Pinocchio

Top Secret

Er war klein und hässlich. Er war so hässlich, dass er schon fast wieder schön war. Oder zumindest interessant. Seine Nase war enorm. Sie beherrschte den Ausdruck seines ganzen Gesichts, soweit man von Ausdruck sprechen konnte. Heimlich nannten wir ihn Pinocchio. Er hatte einen scharfen Verstand. Und er konnte witzig sein – manchmal beißend ironisch. Auffallend war der Tonfall seiner Stimme. Ohne Höhen und Tiefen, alles bewegte sich in einer Skala von einem bis anderthalb Ton. Wenn er mit mir sprach, wechselte er immer nur ein paar Worte. Und das war schon viel. Mit den meisten sprach er überhaupt nicht.

In seiner Nähe hatte ich immer das Gefühl: Pass auf, von da bis da kannst du dich frei bewegen, doch wenn du die Grenzen nur ein bisschen übertrittst, kommt eine Mauer, wo alles niedergeschlagen wird. Er hatte so etwas Steinernes und Unbewegliches, das mich beunruhigte und abschreckte. Doch dann schien er wieder völlig harmlos und sympathisch. Ein alter Mann, der am Ende war, zu viel gesoffen hatte, was in diesen Kreisen und an diesem Ort üblich und eh nichts Außergewöhnliches war. Ein kranker Mann, der scheinbar unter der Last eines schlimmen Geheimnisses still in sich hineinlitt und niemanden an sich herankommen ließ.

Gleichwohl hatte er manchmal sogar fast gönnerhaft ein aufmunterndes Wort für andere übrig, oder er bewegte eben durch seine witzigen Sprüche die ganze Gesellschaft zum Lachen. Fast täglich nahm er in den Nachmittagsstunden in der ewig selben Stammbar ein Bier zu sich. Mehr war ihm vom Arzt nicht erlaubt, und die Einhaltung dieses Verbots schien ihn große Überwindung zu kosten.

Er reizte meine Neugier, und eines Tages forderte ich ihn zum Interview auf. Ich arbeitete für die Lokalzeitung und machte Interviews zum Thema Liebe: »THE TOP SECRET INTERVIEW ON LOVE«.

Erst reagierte er ablehnend, doch ich bot all meinen Charme auf und insistierte. Plötzlich, wie aus dem Boden gestampft, waren wir von Leuten umringt. Einer sagte: »Pass auf, sie wird dich in einen Comic verwandeln.« Ein anderer: »Willst du das wirklich machen, überleg es dir gut.«

Er zögerte, doch dann schien es seinen Widerspruchsgeist zu entfachen und er sagte zu mir: »Okay, go ahead.«

Noch einmal sagte einer: »Ich an deiner Stelle würde es nicht tun«, doch da wurde Pino ärgerlich.

»Lass mich«, sagte er, »ich entscheide das selbst.« Die Anwesenden entfernten sich ein wenig, doch blieben sie in Sichtweite stehen und beobachteten uns unentwegt.

Ich stellte die erste Frage: Who are you?

(Wer bist du?)

Er bezeichnete sich mit einem Namen, den ich im Zusammenhang mit ihm noch nie gehört hatte, und die Anwesenden brachen in schallendes Gelächter aus. Ich ging nicht darauf ein, denn ich befürchtete, er könnte sich dann doch noch anders besinnen und das Interview abrupt abbrechen. Er beantwortete die Fragen wie ein Maschinengewehr, kurz, klar, schnell und präzise. Ich habe die gleichen Fragen noch vielen Menschen gestellt, doch so schnell wie mit ihm bin ich mit weitaus niemandem fertig geworden.

2. What is most worthy of loving about you?

(Was ist am liebenswertesten an dir?)

PINO: Money!

(Geld!)

3. What do you hate most about you?

(Was hasst du am meisten an dir?)

PINO: Me dealing with women and poverty.

(Mich, wie ich Frauen und Armut behandle.)

4. What is the craziest thing you ever did for love?

(Was ist das Verrückteste, das du je für Liebe getan hast?)

PINO: Get married.

(Zu heiraten.)

5. Do you believe in love at first sight?

(Glaubst du an Liebe auf den ersten Blick?)

PINO: Oh, every sight.

(Oh, auf jeden An-Blick.)

6. You have fallen in love. What do you do to gain her attention?

(Du hast dich verliebt. Was machst du, um ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen?)

PINO: This is rather difficult. Buy her a drink. Ask her for Champagne.

(Das ist ziemlich schwierig. Ihr einen Drink kaufen. Sie zu Champagner einladen.

7. Do you believe that there is just one true partner possible or (many) different ones?

(Glaubst du, dass nur ein richtiger Partner möglich ist oder (viele) verschiedene?)

PINO: Different ones.

(Verschiedene.)

8. You are deeply in love, but all your friends find your choice absolutely out of range. What is your reaction?

(Du bist zutiefst verliebt, aber all deine Freunde finden deine Wahl absolut unmöglich. Wie ist deine Reaktion?)

PINO: It doesn't matter. It's my choice.

(Egal. Es ist meine Wahl.)

9. What conditions must a woman fulfill so you can love her?

(Welche Bedingungen muss eine Frau erfüllen, dass du sie lieben kannst?)

PINO: Go to bed with me.

(Mit mir ins Bett gehen.)

10. You come home and find your companion in bed with someone else. What do you do?

(Du kommst nach Hause und findest deine Gefährtin im Bett mit einem anderen. Was machst du?)

PINO: Shake his hand and say »Good luck, glad to get rid of her.«

(Ihm die Hand schütteln und sagen: »Viel Glück, bin froh, sie loszuwerden.«)

11. Can you live without sex?

(Kannst du ohne Sex leben?)

PINO: You've got to after a certain age when it's all crumple.

(In einem gewissen Alter muss man, wenn alles nur noch knitterig ist.)

12. Can you make love with someone without loving her/him? If yes, for what reason?

(Kannst du mit jemandem Liebe machen, ohne zu lieben? Wenn ja, aus welchem Grund?)

PINO: Manytimes – lust – stamina.

(Oftmals – Lust – Stamina.)

13. You earn enough to live well. One day you get the chance to earn much more, but this means also to have practically no time left for your love. How do you decide?

(Du verdienst genug, um gut zu leben. Eines Tages erhältst du die Chance, viel mehr zu verdienen, doch dies bedeutet auch, dass du praktisch keine Zeit mehr für deine Liebe hast. Wie entscheidest du?

PINO: Make more money.

(Mehr Geld machen.)

14. What do you like doing best?

(Was machst du am liebsten?)

PINO: Sex.

(Sex.)

15. What do you fear most?

(Was fürchtest du am meisten?)

PINO: Pregnancy.

(Schwangerschaft.)

16. How big do you estimate is the influence of money on relationships of love?

(Wie groß ist deiner Schätzung nach der Einfluss von Geld auf Liebesbeziehungen?)

PINO: Zero!

(Null!)

17. You had a fantastic love night and you are madly in love. A few days later you meet your adored one with another man. She tells you: »Please go away, this is the best friend of my fiancé, if you don't, I'll have disastrous problems.« What do you do?

(Du hattest eine fantastische Liebesnacht und du bist verliebt wie verrückt. Ein paar Tage später triffst du deine Angebetete mit einem anderen Mann. Sie sagt dir: »Bitte geh weg, dies ist der beste Freund meines Verlobten. Falls du es nicht tust, werde ich katastrophale Probleme haben.« Was tust du?)

PINO: Wishing her best of luck. Hope she'll enjoy it. Go and find somewhere else to live.

(Ihr das Beste wünschen. Hoffe, sie wird es genießen. Einen anderen Platz zum Wohnen finden.)

18. Do you think, women suffer more from failed love than men?

(Glaubst du, dass Frauen mehr unter missglückter Liebe leiden als Männer?)

PINO: No, women are very fickle and men very tough.