Verlag: Emons Verlag Kategorie: Lebensstil Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2015

111 Orte in Augsburg, die man gesehen haben muss E-Book

Gregor Nagler  

3.83333333333333 (12)

Erhalten Sie Zugriff auf dieses
und über 100.000 weitere Bücher
ab EUR 3,99 pro Monat.

Jetzt testen
30 Tage kostenlos

Sie können das E-Book in Legimi-App für folgende Geräte lesen:

Tablet  
Smartphone  
Lesen Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?
Hören Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?
Seitenzahl: 209

Das E-Book kann im Abonnement „Legimi ohne Limit+“ in der Legimi-App angehört werden für:

Android
iOS
Hören Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?

Das E-Book lesen Sie auf:

Kindle MOBI
E-Reader EPUB für EUR 1,- kaufen
Tablet EPUB
Smartphone EPUB
Computer EPUB
Lesen Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?
Hören Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?

Leseprobe in angepasster Form herunterladen für:

Sicherung: Wasserzeichen

E-Book-Beschreibung 111 Orte in Augsburg, die man gesehen haben muss - Gregor Nagler

»Na das ist ja ganz bezaubernd« - hat jemand auf ein leer stehendes Augsburger Gebäude geschrieben. Ist Augsburg bezaubernd? Ein seufzendes »Mei« wäre wohl eine gängige Antwort. Spitzweg-Stadt ist Augsburg ebenso wenig wie coole Metropole. Es ist ein Lebensraum für 270.000 unterschiedliche Charaktere, Bürgerhäuser und Umgehungsstraßen, Bauernhöfe und Trabantensiedlungen, Fabriken und Kanäle - hinter der nächsten Ecke kann ein neues Stadtbild liegen. Und da sind Orte, an denen wir mit ein wenig Phantasie in die Vergangenheit reisen oder ein bisschen Zukunft spielen können. Schon irgendwie bezaubernd.

Meinungen über das E-Book 111 Orte in Augsburg, die man gesehen haben muss - Gregor Nagler

E-Book-Leseprobe 111 Orte in Augsburg, die man gesehen haben muss - Gregor Nagler

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© Emons Verlag GmbH // 2015 Alle Rechte vorbehalten Texte: Gregor Nagler © der Fotografien: Gregor Nagler, außer Seite 199: Cirkularium Catering Service; Seite 225: Michael Wöcherl Gestaltung: Emons Verlag Kartenbasisinformationen aus Openstreetmap, © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL ISBN 978-3-86358-931-8 E-Book der gleichnamigen Originalausgabe erschienen im Emons Verlag

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig über Neues von emons: Kostenlos bestellen unter www.emons-verlag.de

Inhalt

Vorwort

1_Das Anstoßgässchen | AugsburgAnstößiges beim Dom?

2_Die Aphrodite-Statue | AugsburgSchönheitsgöttin im Exil

3_Der Archäologische Garten | AugsburgRömerzeit mit Knastkulisse

4_Das Architekturmuseum | AugsburgUnd über allem wacht Theodora

5_Der Arm des Bildhauers | AugsburgGriff aus dem Nichts ins Nichts

6_Der Augsburger Quadrant | AugsburgAugsburger mit Weitblick

7_Die Aussegnungshalle | AugsburgAn der Pforte ins Jenseits

8_Die Bäckerei Degle | AugsburgWerktags halb sieben in Göggingen

9_Das Barocktreppenhaus | AugsburgÜberraschung in der DIN-Welt

10_Die Bildersammlung | AugsburgDie Nachtwache hängt im Hotel

11_Die Bismarckbrücke | AugsburgFernweh auf der Eisenbahnbrücke

12_Der Brückenwirt | AugsburgAn den Strömen nach München

13_Der Brunnenbach | AugsburgAus den Tiefen des Stadtwaldes

14_Die Bühnenmaschinerie | AugsburgAlles wegen Nanon

15_Das Butzenbergle | AugsburgDer Berg des Herrn Pozo

16_Das Café im Grandhotel | AugsburgMenschen im Hotel

17_Der Chrischdkindle-Automat | AugsburgEin Jesulein fährt eingleisig

18_Die Christophorus-Skulptur | AugsburgDer gebeugte Heilige

19_Der Deckenspiegel | AugsburgMorbidezza in der Parfümerie

20_Die Dickel-Siedlung | Friedberg-DerchingGermania liegt am Autobahnsee

21_Die Doppelwendeltreppe | AugsburgHerrn Walters Meisterstück

22_Die Empore | AugsburgChristinas milde Gaben

23_Der Engelsflügel | AugsburgEin Engel als Pfau

24_Der Engelssturz | AugsburgTheatrum sacrum im Bauerndorf

25_Der Erinnerungsort | AugsburgDie Toten von St. Ulrich

26_Die Fabrikstraße | AugsburgVon Merz zu Mitscherlich

27_Die Fahrradküche | AugsburgDoktorspiele in der Gasse

28_Das fliegende Schwein | AugsburgBaumwolle verleiht Flügel

29_Das Fluchttreppenhaus | AugsburgHinter Glas gehütet

30_Das Fugger'sche Kabinett | AugsburgGrotesken hinter der Loggia

31_Der Gedächtnishain | AugsburgGenie hinter Hecken

32_Das Gignoux-Haus | AugsburgEin Augsburger Drama in sechs Akten

33_Der Glasperlenladen | AugsburgAlles perletti an der Barfüßerstraße

34_Das Grabmal | AugsburgDie Treue des Märchenkönigs

35_Die Grimasse am Stadttor | AugsburgDie Rache des Baurats

36_Die Grottenaupost | AugsburgOben spielt die Musik

37_Die Gustlsburg | AugsburgRitterromantik in der Siedlung

38_Das Gut Bannacker | AugsburgPicknick mit Pianist

39_Die Guzzie Manufaktur | AugsburgSüßes an der Schlossermauer

40_Das halbe Dorf | AugsburgWerden und Vergehen einer Arbeiterkolonie

41_Die Haltestelle Schlössle | AugsburgDas Gespenst von Lechhausen

42_Der Hanreiweg | AugsburgEin Ort spielt Verstecken

43_Das Haus auf dem Friedhof | AugsburgJüdische Geschichte in Kriegshaber

44_Das Himmelsloch | AugsburgWo Christus durch die Decke ging

45_Das Höhmannhaus | AugsburgDer Graf und die Türkin

46_Die Holl-Stadel | AugsburgDie Steine von Augsburg

47_Die Holzhäuser | AugsburgWo der Wald in Frieden ruht

48_Der Interkulturelle Garten | AugsburgWurzeln schlagen in Kriegshaber

49_Das Jugendstil-Fotoatelier | AugsburgStilblüten im Hinterhof

50_Die Kammgarn-Moschee | AugsburgVom Waschhaus zum Bethaus

51_Die Kantine | AugsburgBelvedere im Verwaltungsbau

52_Die Kasernenbauten | AugsburgRelikte im Neubaugebiet

53_Der Katalogsaal | AugsburgReise in die Bücherstadt

54_Die katholische Tür | AugsburgOffene Karten

55_Der Kräutergarten | AugsburgJedem sein Kräutlein

56_Der Kreuzgang | AugsburgMister Bonds Irrtum

57_Die Kunstledertapete | AugsburgFeine Gewächse unterm Treppenlauf

58_Der Lampen-Laden | AugsburgHerr Suntingers Lichtkabinett

59_Die Lechburg | AugsburgDen Arbeitern eine Burg!

60_Das Licht- und Luftbad | AugsburgUnd Sonnabend auf die Wiese

61_Die Liebeserklärung | AugsburgPuschel oder Peutinger?

62_Die Litera-Nummern | AugsburgDie Stadt als Irrgarten

63_Die Loggia | AugsburgAugsburger spielen Italien

64_Die Lokalhelden | AugsburgDas Gemüse ist Trumpf

65_Das Martini-Gelände | AugsburgDie Reste der Industrielandschaft

66_Das Mausoleum | AugsburgDas Vermächtnis des Herrn Käß

67_Das Museumsstüble | AugsburgFrau Schuber bittet zu Tisch

68_Der Nacken der Schönen | AugsburgNonnen schreiben Kunstgeschichte

69_Der Neptunbrunnen | AugsburgMunteres Brunnenschieben

70_Die Parsevalhalle | AugsburgAugsburger Luftschlösser

71_Die Piazza | AugsburgEin Platz im Hintergrund

72_Der Porzellanladen | AugsburgMeißen in Augsburg

73_Die Prärie | AugsburgDer Mittlere Westen Augsburgs

74_Die Promenade | AugsburgWanderbares Augsburg

75_Die Quergässchen | AugsburgSkandal im Sachsenviertel

76_Die Reihenhäuser | AugsburgGeschichte eines Bautyps

77_Das Relikt am Dürren Ast | AugsburgLuftfahrtgeschichte in Augsburg

78_Das Restehaus | AugsburgÜberbleibsel der Textilstadt

79_Der Saurengreinswinkel | AugsburgUnterm Ulrich ist die Welt in Ordnung

80_Der Schaezlerbrunnen | AugsburgStonehenge in Augsburg

81_Das Schlemmerhäusel | AugsburgVom Schlimmen zum Schlemmen

82_Der Schmiedlech | AugsburgDamals in Augsburg

83_Die Schmuddelecke | AugsburgGeschichte aus Kronkorken

84_Die Schrift an der Mauer | AugsburgGeschichte von unten

85_Das Sozialkaufhaus | AugsburgKontakte knüpfen Im Tal

86_Der Stadtmarktgockel | AugsburgBlechernes über dem Markt

87_Die Stahlhäuser | AugsburgDie letzten ihrer Art

88_Die St.-Magdalena-Kirche | AugsburgDie ausgeraubte Schatzkammer

89_Die Straßenbahnlinie 1 | AugsburgAuch ein Eindruck

90_Die Straßenbahnzentrale | AugsburgLicht an für die Kunst

91_Die Stuckwerkstatt | AugsburgPutten in der Pferdeschmiede

92_Der Süpermarkt | AugsburgGott hat gegeben

93_Das Tastmuseum | AugsburgAugsburg zum Begreifen

94_Das Telegraphenamt | AugsburgZickzackhausen in Augsburg

95_Die Theaterküche | AugsburgDie Diva aus dem Lautsprecher

96_Die Theresienapotheke | AugsburgEine Apotheke zieht um

97_Der Turm am Sparrenlech | AugsburgRapunzel lebt in der Trabantenstadt

98_Die Ulmer Straße | AugsburgKompetenzzentrum für Brautmode

99_Das verschwundene Kino | AugsburgGrabe, wo du stehst

100_Die Vorstadtkathedrale | AugsburgDer Turmbau zu Ypsilon

101_Das Wandbild | AugsburgDie Unsichtbaren werden sichtbar

102_Die Wandelhalle | AugsburgDer bröselnde Kurort

103_Die Wandtreppe | AugsburgMagritte am Eck

104_Die Wasserbrücke | AugsburgDie dunkle Seite des Wassers

105_Das Wasserwerk | AugsburgTempel des Wassers am Hochablass

106_Das WBG-Museum | AugsburgTypologie der Kloschüssel

107_Die Weihnachtsinsel | AugsburgInsel im Weihnachtstrubel

108_Der Winnetou | AugsburgKarl May ist an allem schuld

109_Die Wolfzahnau | AugsburgDie Wildnis liegt hinterm Industriegebiet

110_Das Wunderbarliche Gut | AugsburgDie Bluthostie von Augsburg

111_Das Zentrum für Kunst und Musik | AugsburgKunst-Kiste mit Seeblick

Bildteil

Übersichtskarten

Vorwort

»Na das ist ja ganz bezaubernd«, stand jahrelang auf einem verwahrlosten Gebäude in der Innenstadt. Ist Augsburg bezaubernd? Thomas Bernhard hatte da eine klare Meinung. »Lechkloake« nannte er die Stadt, ein Sinnbild für muffige Spießigkeit. Der Zug nach München wäre, frei nach Brecht, ein Ausweg. Und die Augsburger? Fassen ihre Meinung wohl in ein seufzendes »Mei« – die Stadt ist einfach ein Lebensraum, über den sie immer wieder gerne brummeln.

Klar, Augsburg, der Puppenkisten-Stadt, fehlen romantische Landschaftsszenerie und eine geschlossene Altstadt-Kulisse. Stattdessen Kontraste: Schnellstraßen und Kanäle, Bürgerhäuser und Fabrikanlagen, zerschrundene Arbeiterquartiere und das verlorene Nirgendwo eben kommerziell ausgehusteter Kuben-Architektur prallen aufeinander; um die Ecke kann schon ein ganz anderes Stadtbild liegen.

In diesem »Dickicht« verbergen sich gar nicht so wenige im Wortsinn eigen-artige Orte. Da zieht sich die pompöse Maximilianstraße wie ein Fluss durch die Innenstadt, oder man trifft auf Ikonen der Kunstgeschichte – die Bauten Elias Holls, die Figuren Georg Petels oder die Bilder Hans Holbeins des Älteren. Nicht zuletzt gibt es diese kleinen anrührenden Orte, einen Platz wie eine Phantasmagorie Carl Spitzwegs, ein Haus mit Rosenranken, eine Gruppe knorriger Bäume. Überall stehen sie noch, die Relikte, die Augsburgs konfliktreiche, glanzvolle Geschichte spiegeln. Manchmal wirkt die Gegenwart da banal. Doch wer genau hinsieht, wird sogar oder vielleicht doch gerade in Augsburg auf Orte stoßen, an denen die Zukunft geprobt wird, wenigstens ein wenig.

Um dies alles zu entdecken, braucht man etwas Zeit und offene Augen. In den Zug nach München kann man immer noch steigen.

Augsburg
Zum Vollbild

1_Das Anstoßgässchen

Anstößiges beim Dom?

weiter

Manchmal braucht man einen Anstoß; in diesem Fall könnte es das Anstoßgässchen sein, das neugierig macht auf jenen Ort im Domviertel. Ein bisschen anstößig sieht er auch aus, der kurze Durchgang zwischen dem Äußeren und dem Mittleren Pfaffengässchen. Bei seinem Anblick muss man befürchten, dass man sich an einer der kräftig patinierten Fassaden stößt, so eng stehen die Häuser zusammen. Licht dringt wenig hinein in die Gasse. Wer gerne spekuliert, könnte auch vermuten, dass der Stein mit dem Pinienzapfen, dem Augsburger Stadtwappen, irgendwann einmal ein Stein des Anstoßes gewesen sein könnte.

Tatsächlich markiert dieser Stein eine uralte Grenze in der Stadt: Der Bereich um den Dom herum war seit dem 11. Jahrhundert ummauert. Im Norden entwickelte sich im 12. und 13. Jahrhundert um die Stifte St. Stephan und St. Georg herum ein neues Viertel, die »Untere Stadt« oder nach dem Liebfrauendom auch Frauenvorstadt genannt. Als dieses Quartier in den Stadtmauerring einbezogen wurde, blieb die alte Domstadtmauer stehen und wurde beständig erneuert. Der Bischof hatte guten Grund, sich hinter der alten Mauer zu verschanzen: Seit dem Mittelalter luchsten die findigen Bürger ihrem Stadtherren immer mehr Rechte ab, bis Augsburg sich schließlich Freie Reichsstadt nennen durfte. Jetzt bestimmte ein Rat mit zwei Kammern die Geschicke der Stadt. Nur der Kaiser konnte da noch hineinreden.

Info

Adresse Anstoßgässchen, 86152 Augsburg-Innenstadt | ÖPNV Tramlinie 2, Haltestelle Mozarthaus | Tipp Am Mittleren Pfaffengässchen 12 steht das 1953/54 erbaute Wohnhaus des langjährigen Stadtheimatpflegers Robert Pfaud. Es ist in die Ruine einer 1944 zerstörten Turnhalle hineingebaut.

Wer nun von Norden kam und in die Domstadt, eben den Bezirk der Pfaffen, wollte, gelangte dorthin zunächst einzig durch das Frauentor. Später entstanden zwei weitere Durchlässe, einer an der Alten Gasse und ein zweiter, winziger, von Bögen überfangener, der »Innere Neue Gang«. Im Volksmund setzte sich aber der Begriff Anstoßgässchen durch, wahrscheinlich weil die beiden Stadtteile hier »aneinanderstoßen«. Nichts Anstößiges also im Schatten des Domes.

In der Nähe

Die Loggia (0.05 km)

Das Café im Grandhotel (0.12 km)

Der Archäologische Garten (0.19 km)

Die Wasserbrücke (0.19 km)

Zur Online-Karte

Zum Kapitelanfang

Augsburg
Zum Vollbild

2_Die Aphrodite-Statue

Schönheitsgöttin im Exil

zurück

weiter

Da steht sie nun, die Bronzegöttin, in leicht verschämter Pose, vor wenig göttlichem Hintergrund an der Augsburger Peripherie. Dabei hatte die Geschichte so schön begonnen: Die Verlegerin der »Augsburger Allgemeine«, Ellinor Holland, meinte es gut mit Augsburg und wollte einen Brunnen stiften – vor St. Ulrich und Afra, dort, wo es schon einmal einen Ziehbrunnen und im 18. Jahrhundert einen Prachtbrunnen mit der Figur eines Wappenträgers gegeben hatte und bis heute eine Bushaltestelle jegliche Platzromantik tötet.

Weil die Figur in einer Reihe mit den großartigen Prunkbrunnen von Adriaen de Vries und Hubert Gerhard stehen sollte, wollte man sich bei der Wahl des Künstlers für die neue Figur nicht lumpen lassen. Markus Lüpertz war der Auserwählte, und seine Idee, die herrenlastige Brunnentrias um die Schönheitsgöttin zu ergänzen, klang wenig provokant.

Info

Adresse Curt-Frenzel-Straße 2, 86167 Augsburg-Lechhausen | ÖPNV Buslinie 46, Haltestelle Medienzentrum | Öffnungszeiten auf Anfrage an der Pforte der »Augsburger Allgemeinen«| Tipp In der Bonzener Straße, gleich in den alten Industriebauten von Prinz Druck, erhebt sich das 1999 bis 2000 erbaute Gemeindehaus der Aleviten (www.alevican.de). Noch weiter südlich, in der Zusamstraße 17, errichtete die syrisch-orthodoxe Gemeinde 1998 ein Gotteshaus (www.syrisch-orthodoxe-kirche.de).

Doch was mit antiker Mythologie begann, endete nach Enthüllung der Figur mitten im bayerisch-schwäbischen Komödienstadel. Zu dick sei sie, die Göttin, fanden nicht wenige Betrachter, zu hässlich, ihr Kopf zu groß. Sicher, mit dem über Baumärkte und Kitschposter trivialisierten Bild der antiken Schaumgeborenen hat die Lüpertz‘sche Version wenig zu tun.

Ob der prallen Venus kam es sogar zu Handgreiflichkeiten zwischen dem Künstler und einem der Kritiker. Immerhin: Nicht viele Damen, schon gar keine leblosen, können von sich behaupten, Anlass eines Duells geworden zu sein. Lüpertz inszenierte der verschmähten Liebesgöttin einen wirklich barocken Abgang, indem er sie in einer Art Prozession über die Maximilianstraße hinaus, vorbei an nämlicher Bushaltestelle ziehen ließ. Doch »von hinten« herein kam Aphrodite dann doch noch nach Augsburg, wenn auch nur bis zum Stadtrand: Im Schutz der AZ-Gebäude sieht sie aus, als würde sie darüber grübeln, warum eine Bushaltestelle besser sein soll als eine üppige Göttin.

In der Nähe

Die Haltestelle Schlössle (1.68 km)

Die Lechburg (1.89 km)

Die Wolfzahnau (2.25 km)

Die Dickel-Siedlung (2.43 km)

Zur Online-Karte

Zum Kapitelanfang

Augsburg
Zum Vollbild

3_Der Archäologische Garten

Römerzeit mit Knastkulisse

zurück

weiter

Neben Trier, Köln oder Mainz ist Augsburg eine der deutschen Städte mit bedeutender römischer Vergangenheit. Sie hieß Municipium Aelium Augustum oder Augusta Vindelicum und war in der Spätantike die mit Abstand größte Siedlung weit und breit. Und die heutigen Augschburger? Sagen »heu«, ein praktisches Wörtchen, das übrigens auf fast alles passt, und schimpfen dann bei einem »Woiza« über Kaugummiflecken auf den innerstädtischen Pflastersteinen.

Die Grabungen der Stadtarchäologie nimmt man als notwendiges Übel hin, wenn nur danach die erhaltenen Fundamente plattgemacht und überbaut werden dürfen. Die Folge ist, dass man nicht nur in Trier oder Köln, sondern auch in Eining, Aalen oder Pfünz mehr von der römischen Vergangenheit zu sehen bekommt als in Augsburg. Man möchte die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, aber es geht schlimmer: Auch das Römische Museum an der Dominikanergasse musste 2012 geschlossen werden. Wann die fleißig ausgegrabenen Fundstücke zeitgemäß präsentiert werden können, weiß somit vermutlich nicht mal Jupiter.

Info

Adresse Äußeres Pfaffengässchen 9, 86152 Augsburg-Innenstadt | ÖPNV Tramlinie 2, Haltestelle Mozarthaus | Öffnungszeiten Di–So 10–17 Uhr| Tipp Gleich in der Nähe, in der Jesuitengasse 2, hat die Bayerische Kammerphilharmonie ihr Büro. Als Konzertsaal dient der ehemalige Kongregationssaal des Jesuitenklosters, der seiner heiteren Rokoko-Ausstattung wegen auch »Kleiner Goldener Saal« genannt wird (www.kammerphilharmonie.de).

Ganz Augsburg scheint also Römer-freie Zone zu sein. Ganz Augsburg? Nein. Es gibt Lichtblicke wie den 2013 eröffneten Archäologischen Garten am Äußeren Pfaffengässchen. Grabungen brachten dort 1992 bis 1996 wohl Reste einer großen Badeanlage zutage. Neben den Fundamenten gibt es hierher verpflanzte Spolien anderer Bauwerke von Augusta Vindelicum zu sehen. Ein guter Platz, denn im Umfeld des heutigen Archäologischen Gartens ragten vor 1.800 Jahren Forum, Markthalle und Kapitolstempel in die Höhe, hier lag das Herz der römischen Stadt. Dann legte sich Bauschicht über Bauschicht. So wurde gleich in der Nähe das Karmelitenkloster gebaut. Im 19. Jahrhundert entstand dort ein Gefängnis, das bald jedoch an die Peripherie umzieht. Dass Teile des römischen Stadtzentrums aber 200 Jahre unter einem Gefängnis begraben lagen – ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

In der Nähe

Das Himmelsloch (0.16 km)

Das Anstoßgässchen (0.19 km)

Die Loggia (0.2 km)

Das Café im Grandhotel (0.24 km)

Zur Online-Karte

Zum Kapitelanfang

Augsburg
Zum Vollbild

4_Das Architekturmuseum

Und über allem wacht Theodora

zurück

weiter

Vielleicht liegt es an der etwas verwunschenen Lage inmitten eines großen Gartens am Rande des Thelottviertels, dass einige immer noch nicht wissen, was sich hinter den roten Außenmauern dieser »Villa« verbirgt. Einen besseren Ort könnte man sich für das 1995 eingerichtete Architekturmuseum, eine Zweigstelle der TU München, dennoch kaum vorstellen. Mit dem »Landhaus« verwirklichte der Architekt Sebastian Buchegger seinen Traum vom Leben im Grünen und doch in Großstadtnähe. Und weil er das auch anderen gönnte, errichtete er eine ganze »Einfamilienhäuser-Colonie«, das heutige Thelottviertel. Sein Straßennetz ist malerisch geschwungen, kein Haus gleicht völlig dem anderen.

Die Fäden des Viertels liefen einst im Geschäftszimmer des Herrn Buchegger zusammen, hier empfing er Hauskäufer oder Mieter, dieweil seine Gattin Berta im Garten den richtigen Ort für Gemüsepflanzung per Pendel ermittelte. Die in solchem Ambiente offenbar recht schrullig geratenen vier Kinder der Bucheggers lebten auch nach dem Tod der Eltern gemeinsam in der Villa; Theodora, die Älteste, soll das Haus nie verlassen haben, ihr Geist lässt laut Insider-Information immer noch Türen und Dielen knarzen. Der jüngste Sohn der Bucheggers, Arno, rief schließlich 1983 eine Stiftung ins Leben, zu der seit seinem Tod auch das Buchegger-Haus gehört. In den Erdgeschossräumen werden nun jährlich vier Ausstellungen gezeigt. Zudem gibt es eine Bibliothek mit der historischen Bauamtsbibliothek als Herzstück und ein Archiv mit Architekten-Nachlässen, darunter die phantastische Grafik-Sammlung des Raimund von Doblhoff.

Info

Adresse Thelottstraße 11, 86150 Augsburg-Innenstadt, www.architekturmuseum.de/am-schwaben/home | ÖPNV Tramlinie 1, Haltestelle Kongress am Park, Tramlinie 3, Haltestelle Rosenaustraße | Öffnungszeiten während der Ausstellungen: Di–So 14–18 Uhr| Tipp Am Wertachkanal steht ein kleiner Kiosk mit dem schönen Namen »Sonnenglück«. Laut einem dem Autor bekannten Informanten gibt es hier die beste Currywurst in Augsburg.

Im Garten wird längst kein Gemüse mehr kultiviert. Er wird für Ausstellungen von Plastiken und Skulpturen oder Installationen genutzt, die zum Teil auch angekauft werden. Ob zur Ermittlung der passenden Plätze auch Pendel oder Wünschelruten benutzt werden – man weiß es nicht.

In der Nähe

Der Gedächtnishain (0.44 km)

Die Theresienapotheke (0.54 km)

Das Grabmal (0.66 km)

Die Reihenhäuser (0.67 km)

Zur Online-Karte

Zum Kapitelanfang

Augsburg
Zum Vollbild

5_Der Arm des Bildhauers

Griff aus dem Nichts ins Nichts

zurück

weiter

Zwischen den Gräbern ein Fingerzeig: Wo sonst prächtige Figuren oder Miniaturarchitektur an die Verstorbenen vom Protestantischen Friedhof erinnern, ragt über der Grabstelle des Bildhauers Fritz Koelle nur ein Arm auf schmaler Stele empor; es wirkt beinahe so, als würde er schweben, dieser muskulöse, erschaffende rechte Arm. Thomas Wechs, der das Grab gestaltete, ließ hierfür einen Abguss von der in St. Ingbert aufgestellten Figur eines Walzmeisters (1939) nehmen.

Koelle starb 1953 im Interzonenzug von München nach Berlin bei Probstzella, nur vier Jahre nachdem er die lang ersehnte Stellung als Professor zunächst in Dresden und dann in Berlin-Weißensee erlangt hatte. Diesen Tod als Reisender, man könnte ihn als symbolischen Schlusspunkt nehmen für ein zerrissenes Leben. Koelle, 1895 in Augsburg geboren, wurde in den 1920ern vor allem für Bronze-Bildnisse von aufrechten Arbeitern bekannt. 1946 aber schienen die Werke Koelles für den Publizisten Hans Eckstein schlicht Ausgeburten eines Ewiggestrigen, eines Nazi-Künstlers zu sein. Für den Bildhauer hatte dies niederschmetternde Folgen: Die in Aussicht gestellte Professur in München konnte er nicht antreten.

Info

Adresse Protestantischer Friedhof, Haunstetter Straße 36, 86161 Augsburg-Hochfeld, www.protestantischer-friedhof.de | ÖPNV Tramlinie 2, 4, Haltestelle Haunstetter Straße/Protestantischer Friedhof/Hochschule Augsburg | Öffnungszeiten März‒2. Nov. täglich 7–20 Uhr, 3. Nov.‒Feb. täglich 8–17 Uhr| Tipp Sie suchen einen Hut? In der Haunstetter Straße 49 werden seit 1861 bei Lembert Hüte gefertigt – vom Trachtenhütchen bis zum Zylinder (www.hutfabrik-lembert.de).

Tatsächlich hatte Koelle während der NS-Zeit als Bildhauer weiterarbeiten können und auch Aufträge erhalten. Andererseits war er 1934 von der Gestapo verhaftet worden wegen »bolschewistischer« Kunstauffassung. Von 1940 bis 1945 wurde er mehrfach durch Atelierkontrollen schikaniert. Er galt deshalb als politisch verfolgt und wurde gebeten, ein Denkmal für den Platz vor dem KZ-Gelände bei Dachau anzufertigen, das 1947 aufgestellt wurde. Seiner Geburtsstadt Augsburg vermachte Koelle zahlreiche Bronzefiguren, von denen einige an Straßen und Plätzen aufgestellt sind, darunter der »Lechflößer« in Lechhausen sowie der »betende Saarbergmann« und der »Bergmann« an der Fritz-Koelle-Straße im Stadtteil Herrenbach.

In der Nähe

Die Bismarckbrücke (0.35 km)

Die Wandtreppe (0.37 km)

Die Lokalhelden (0.49 km)

Die Stuckwerkstatt (0.72 km)

Zur Online-Karte

Zum Kapitelanfang

Augsburg
Zum Vollbild

6_Der Augsburger Quadrant

Augsburger mit Weitblick

zurück

weiter

Zwischen Bäumen steht der Turm, im Sommer verdeckt vom dichten Laub. Es ist ein mystischer Ort mit langer Geschichte. In Göggingen nennen sie ihn den »Römerturm«, womöglich reichen seine Grundmauern tatsächlich in die Antike zurück. Er soll identisch sein mit dem Turm auf dem Gögginger Wappen: Acht Männer, die »acht guten Gesellen«, hätten ihn 1462 gegen die Truppen Herzog Ludwigs von Bayern vergeblich verteidigt. Acht Schwerter zeigt deshalb das Wappen.

1570 gehörte das Bauwerk dem Augsburger Stadtpfleger Paul Hainzel. Der hatte eine Leidenschaft, nämlich in den Himmel zu blicken; denn just weilte der Astronom Tycho Brahe in Augsburg und scharte Anhänger um sich. Neben Paul Hainzel und dessen Bruder Johann Baptist waren das Hieronymus Wolf, der Rektor des Anna-Gymnasiums, der Lehrer Johannes Major und der Silberschmied Lorenz Denn. So ragte in der Nähe des Gögginger Turmes bald der nach Brahes Plänen konstruierte »Augsburger Quadrant« auf. Das Bedienen des etwa zehn Meter hohen Quadranten war sehr umständlich, trotzdem begann der Augsburger Astronomiekreis um Paul Hainzel nun, den Himmel fleißig zu vermessen. Man bestimmte etwa die Position eines 1572 im Verlöschen hell aufleuchtenden Sterns. Brahe publizierte dieses Phänomen in seiner Schrift »Astronomiae instauratae progymnasmata« und nannte es »Supernova«.

Info

Adresse Zugang über den Park des Parktheaters im Kurhaus Göggingen, Klausenberg 6, 86199 Augsburg-Göggingen | ÖPNV Tramlinie 1, Haltestelle Göggingen Rathaus | Öffnungszeiten März‒Okt. jeweils am letzten Fr im Monat 14–18 Uhr nach Anmeldung über das Parktheater im Kurhaus Göggingen, Tel. 0821/9062211| Tipp Immer an zwei Adventswochenenden findet im Hof des Kurhauses ein stimmungsvoller kleiner Weihnachtsmarkt statt. www.wir-in-goeggingen.de. An dem kleinen Stand an der Bürgermeister-Aurnhammer-Straße (Nähe Nummer 20) kann man im Sommer frisches Obst und Gemüse kaufen.

Obwohl der Quadrant fest verankert war und mit einer Plane abgedeckt werden konnte, zerstörte ihn ein Sturm schon 1574. Bei Tychos zweitem Besuch in Augsburg lag er noch in Trümmern. Das Instrument wurde jedoch wiederhergestellt und war bis 1580 in Betrieb. Die Augsburger Astronomen lieferten ihrem dänischen Kollegen damit zuverlässig Messergebnisse für seine Publikationen. 2006 wurde der Quadrant im Maßstab 1:5 nachgebaut und im Turm eine kleine Ausstellung eingerichtet. Es gibt also auch heute Augsburger mit Weitblick.

In der Nähe

Die Bühnenmaschinerie (0.11 km)

Die Wandelhalle (0.53 km)

Die Bäckerei Degle (0.91 km)

Das Licht- und Luftbad (0.96 km)

Zur Online-Karte

Zum Kapitelanfang

Augsburg
Zum Vollbild

7_Die Aussegnungshalle

An der Pforte ins Jenseits

zurück

weiter

Zunächst ist man in der Düsternis gefangen, so lange, bis sich die Augen an das gedämpfte Licht gewöhnt haben. Dann erst löst sich die Wandgestaltung aus der Dämmerung: Ein Fries aus Ranken führt um die Wände herum, weiß gekleidete Sphärengeschöpfe schweben zur Kuppel mit den Symbolen der Sternzeichen. Die Flächen im unteren Bereich aber sind mit Bändern und Feldern aus Hunderten von Schneckenhäuschen, Muscheln und Kieseln besetzt. Der Raum ist sozusagen eine Übersetzung der irdischen Welt ins Künstliche. Ausgesprochen christliche Sinnbilder fehlen fast ganz. Im Zentrum der Gestaltung der Aussegnungshalle steht vielmehr das Tor ins Jenseits. Es hat hier die Form eines Ziboriums. Am Beginn von Trauerfeiern öffnen sich die bronzenen Torflügel. Während Musiker auf einer verdeckten Empore die Halle mit ihren Klängen erfüllen, fährt auf Schienen der Sarg heraus und bei Feuerbestattungen am Ende wieder hinein. Denn hinter der Aussegnungshalle liegt ein Krematorium.

Als Otto Holzer 1914 den kommunalen Westfriedhof entwarf, mag das Raumkonzept in seiner Bildersprache ungewöhnlich erschienen sein, der Bau einer Einäscherungshalle aber war absolut neuartig und kontrovers. Denn Feuerbestattungen waren über Jahrhunderte für die katholische Kirche undenkbar gewesen.

Info

Adresse Westfriedhof, Stadtberger Straße 80a, 86157 Augsburg-Pfersee | ÖPNV Tramlinie 3, Haltestelle Westfriedhof | Öffnungszeiten März‒2. Nov. täglich 7–20 Uhr, 3. Nov.‒Feb. täglich 8–17 Uhr| Tipp Schon in Stadtbergen, in der Goethestraße 12, liegt das von der Arbeiterwohlfahrt betriebene »Haus der Familie«. Das Kursangebot finden Sie unter www.awo-haus-der-familie.de.

Auch die Anlage des Friedhofes setzt sich von den klassischen kirchlichen Gottesäckern ab. Man dachte sich die letzte Ruhestätte als lichtes Wäldchen mit geschwungenen Wegen. Otto Holzer hatte sicherlich den 1905 von Hans Grässel entworfenen Münchner Waldfriedhof vor Augen, als er die Planungen für dieses Begräbnisfeld im Westen Augsburgs, knapp an der Grenze zu Stadtbergen, aufnahm. Viele der Grabmonumente stammen noch aus der Entstehungszeit. Sie sind aus rauen Natursteinen, Travertin, Nagelfluh oder Muschelkalk und mit Bronzefiguren kombiniert. Und darüber rauschen ewig die Baumkronen.

In der Nähe

Das Haus auf dem Friedhof (0.78 km)

Der Winnetou (0.96 km)

Die Kasernenbauten (1.03 km)

Der Interkulturelle Garten (1.08 km)

Zur Online-Karte

Zum Kapitelanfang

Augsburg
Zum Vollbild

8_Die Bäckerei Degle

Werktags halb sieben in Göggingen

zurück

weiter

Am besten duftet und schmeckt das Gebäck natürlich in der Früh um halb sieben, wenn es gerade dem Bäckerofen entschlüpft ist. Brezen, Semmeln, Zwetschgendatschi und Plundergebäck warten nur darauf, gekauft und vertilgt zu werden. Im Grunde hat sich hieran seit 1928 nicht viel geändert. In diesem Jahr öffnete Max Degle die Bäckerei, seitdem standen seine Nachkommen, sogar der als BCA-Fußballspieler weit und breit bekannte »Degle Hube«, in der Backstube und an der Verkaufstheke. Das tun sie bis heute. So etwas ist selten geworden. Kein Wunder also, dass der kleine Laden auf angenehme Weise wirkt, als sei er etwas aus der Zeit gefallen.

Die Stelle ist günstig für eine Bäckerei. »Der Degle« liegt genau dort, wo in Göggingen die Butz- und die Wellenburgerstraße zusammentreffen. Hier fahren Autos und Busse Richtung Wellenburg und Bergheim hinaus oder hinein »ins Dorf«. So nennen die alten Gögginger ihren Stadtteil immer noch, während Augsburg für sie nur »die Stadt« ist.

Info

Adresse Wellenburger Straße 35, 86199 Augsburg-Göggingen | ÖPNV Tramlinie 1, Haltestelle Hessing-Kliniken, Buslinie 38, Haltestelle Nähfadenfabrik | Öffnungszeiten Mo, Di, Do und Fr 6.30–12.30 Uhr, 14.30–18 Uhr, Mi 6.30–12.30 Uhr, Sa 6–12.30 Uhr| Tipp Der Garten des Hauses Habsburgstraße 10 ist vollständig von einer Miniatur-Eisenbahn besetzt.

Als Herr Degle 1928 seine Bäckerei eröffnete, standen viele der Häuser in der Umgebung schon. Fast alle gehörten zur Gögginger Zwirnerei und Nähfadenfabrik. In den Villen mit ihren Giebeln und Erkern gegenüber wohnten der Betriebsingenieur sowie die Leiter der Zwirnerei und der Färberei. Dorfauswärts steht daneben das bescheidenere Haus, in dem einmal der »Herrschaftsgärtner« lebte, denn in dem großen Park mit seiner von Laternen gesäumten Einfahrt versteckte sich zu Max Degles Zeiten die Villa des Direktors Wilhelm Butz. Je näher die Häuser dem Fabrik-Hochbau aus roten Blankziegeln kamen, desto niedriger war der Status ihrer Bewohner. Teile der Nähfadenfabrik gehören nun zur Amann-Gruppe, viele Werksbauten sind verschwunden oder umgenutzt. Noch immer aber treffen sich die Leute beim »Degle« am Eck, wo ein Duft nach frischem Gebäck in der Luft liegt und man das Neueste aus dem Dorf und der Welt erfahren kann.

In der Nähe