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Einen Menschen lernt niemand ohne Grund näher kennen. Jede Begegnung hat ihre wüste, undurchschaubare Notwendigkeit. Eine dieser Notwendigkeiten sind für den Ich-Erzähler und Michael die Mädchen Anna und Jessica. Die beiden Männer sind Autor und Kameramann und zwölf Tage auf Rügen unterwegs, um einen Film über Elizabeth von Arnim zu drehen. Zwei Menschen jenseits der Lebensmitte, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Direkt und lebensprall der eine, introvertiert und lebensverzagt der andere. Zwei ungleiche Schuhe, die niemals ein Paar ergeben. Möchte man meinen. Auf ihren Wegen über die Insel begegnen sie aber immer wieder Anna und Jessica. Sie sind ihnen ebenso Herausforderung wie Versuchung. Denn in den Mädchen steckt eine Unruhe, als wären sie gerade aus dem Gefängnis entwischt und nur der Ich-Erzähler und Michael könnten sie vor Polizei und erneuter Gefangennahme retten.
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Seitenzahl: 242
Veröffentlichungsjahr: 2021
Dieter Eue
12 Tage auf Rügen
Chronik einer Freundschaft
© 2021 Dieter Eue
Verlag und Druck:
tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-347-16936-4
Hardcover:
978-3-347-16937-1
e-Book:
978-3-347-16938-8
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Liebe, Freundschaft, Lebenssinn – die Suche hört niemals auf.
Der erste Tag
„IN MILTZOW“, wiederholte die Schaffnerin auf meine Frage. „In Miltzow müßten wir um elf Uhr vierzig ankommen. Wir haben aber Verspätung.“
Ich nickte zufrieden. Sollten alle Züge der Welt an diesem Tag Verspätung haben. Es war Juli, es war Freitag, der Himmel war hoch und blau, Frieden versprach er, Verläßlichkeit versprach er und eine Freude, die wie ein Hobel über alle verbogenen Seelen fuhr.
Ich drückte meine Nase gegen die Fensterscheibe. Landschaft flog vorbei. Gelbe Lupinenfelder, roter Mohn, Straßen, an deren Ränder Bäume in stiller Eintracht standen, Wiesen, helle, fröhliche Wälder. Eine Welt, in der es kein Jüngstes Gericht gab, keinen Hass und keine Katastrophen, sondern nur jubelnde Glückseligkeit.
Bleib` stehen, bat ich die Zeit. Bleibe nur einen Moment stehen. Doch die Zeit ist ein trotziges Kind. Soll sie sich beeilen, trödelt sie, und soll sie stillstehen, rennt und tobt sie erst recht herum. Der Zug verlangsamte bereits seine Fahrt. Gleich musste ich aufstehen und zur Tür gehen. Arbeit erwartete mich in Miltzow, Michael erwartete mich in Miltzow. Ein paar hundert Herzschläge nur und die Lupinenfelder, der rote Mohn und die hellen fröhlichen Wälder verwandelten sich in armselige Kameraeinstellungen.
Miltzow. Landstraße mit alten Bäumen. Die erste Klappe.
Drei Stunden zuvor war ich am Berliner Hauptbahnhof in den Zug gestiegen. Nicht froh, nicht trüb, ein indolenter Reisender war ich, der seine Tour nur rasch hinter sich bringen wollte. Nicht einmal richtig gepackt hatte ich, hatte nach dem Aufstehen nur schnell ein paar Strümpfe und Hemden in den Rucksack geworfen, die Reise sollte etwas Fixes, Flüchtiges haben. Ich wollte es so. Elf Tage war Elizabeth mit ihrer Zofe und ihrem Kutscher August im Sommer 1904 auf Rügen unterwegs gewesen. Wir wollten schneller sein. Wir fuhren mit einem Volvo V 60 über die Insel und nicht mit einer wackligen Pferdekutsche. Vier Tage gab ich mir und Michael. Höchstens fünf.
Die Schaffnerin kehrte zurück. Sie hatte im Nachbarabteil mit Leuten geschwatzt. Alle im Zug schienen sich zu kennen, ich war der einzige Fremde.
„Wir sind gleich da“, sagte sie mit so rosiger Freundlichkeit, dass mir das Herz warm wurde.
„Um wieviel sind wir denn zu spät?“ fragte ich, nur um etwas zu fragen. Es tat gut, sich im Glanz dieses unschuldigen Gesichts zu sonnen.
„Zehn Minuten.“
Ich sah auf die Uhr. Elizabeth musste vor einhundertfünfzehn Jahren ähnliches getan haben. Es war kurz vor zwölf, ein Freitag, Anfang Juli. Damals war der Himmel heiß gewesen, heute war er nur hoch. Aber blau war er gottlob noch immer.
Noch immer rot und einsam ist auch der Bahnhof von Miltzow, einer kleinen Station an der Strecke Berlin-Stralsund. Nur das Kiefernwäldchen fehlt. An seiner Stelle stehen heute eine Autowerkstatt und eine Baracke mit einem verwitterten Schild über dem Eingang, das den Ankommenden mitteilt, hier würde mit Landwaren gehandelt. Viel wird in Miltzow aber nicht gehandelt und angekommen. Wie zu Elizabeths Zeiten rauscht das Gros der Reisenden in ungeduldigen Schnellzügen vorbei, ohne vom Bahnhof und vom Landwarenhandel Notiz zu nehmen.
Ich sah ihn schon vom Fenster aus. Er war massiv und kräftig, hatte ein breites Gesicht und einen rapsgelben Boxerhaarschnitt, ich mochte ihn nicht. Ich mochte auch nicht, dass er mit dem Volvo auf den Bahnsteig hinaufgefahren war. Eine ganz unnötige Vorsichtsmaßnahme. In Miltzow konnte man sich nicht verfehlen. Bis auf drei Teenager, die gelangweilt auf der anderen Bahnsteigseite warteten, war er der einzige Mensch weit und breit.
Der Zug hielt mit leisem Stöhnen. Die rosige Schaffnerin öffnete die Tür und sprang hinaus. Tolles Wetter habe ich mir für den Urlaub ausgesucht, sagte sie.
Ich deutete auf meinen Rucksack und erwiderte, dass ich nur zum Arbeiten gekommen sei. Die Frau zuckte bedauernd mit den Schultern und lächelte erneut, ich lächelte zurück, von der Seite hörte ich das Knirschen von Schritten. Der Boxer war im Anmarsch.
„Ich werde bereits erwartet“, meinte ich noch.
Da klappte auch schon die Waggontür, und ebenso leise wie der Zug gekommen war, fuhr er auch wieder davon. Ich drehte mich herum. Michael stand dicht hinter mir.
„Hi!“ begrüßte er mich.
Sein Händedruck war übertrieben fest und übertrieben herzlich. Ich war größer als er. Es war mir ein leichtes, seinen Gruß von oben herab zu erwidern. Wie zufällig ließ ich dabei meine Blicke an seinen Schläfen entlangrutschen. Das Rapsblond war gefälscht. Der Kerl gefiel mir immer weniger. Ich musste an Tobias denken. Tobias färbte sich niemals die Haare und fuhr auch niemals mit Autos auf Bahnsteige hinauf.
Tobias war ein Kollege von mir, war beinah ein Freund. Seit drei Jahren arbeiteten wir zusammen. Kleine Filme hatten wir gedreht, für die wir nur selten eine Crew anheuern mussten. Regie, Kamera, Ton, Schnitt, wir machten alles selbst. Tobias liebte dieses intime Arbeiten. Massen, sagte er, machten nur unempfindlich und roh. Sie lenkten vom Wesentlichen ab und das Wesentliche war immer einfach und klar.
Einfach und klar sollte auch unser Elizabeth-Film werden. Keine Schnörkel, keine Verschraubtheiten, kein kulturkritisches Hosianna. Eine Geschichte wollten wir erzählen, die einzig durch ihre Schlichtheit leuchtete. Doch dann war Tobias verunglückt. Ein Sportunfall bei einem Amateur-Radrennen. Seine Beine waren mehrfach und obendrein auch noch kompliziert gebrochen.
Richard, unser Chef, fackelte nicht lange. Der Film müsse produziert werden, sofort und auf der Stelle. Er, die Firma, alle warteten auf das Honorar, das mit dem Auftraggeber, einer Fernsehanstalt, vereinbart worden war. Er hatte immerzu von Kohle und ich immerzu von Sensibilität und künstlerischer Verantwortung geredet. Irgendwann war Richard aufgesprungen. Ich befände mich nicht in einem Diskutierklub von Deutschlandfunk Kultur, hatte er mit einem Hals gebrüllt, der einen bedrohlich violetten Farbton angenommenen hatte, sondern in einem Medienunternehmen der überaus freien Marktwirtschaft.
Ich war nur ein Mitarbeiter der Amadeus Filmproduktion, mir stand es nicht zu, zu brüllen. Allein mein Hals durfte um ein paar Grade dunkler werden.
Sechs Kameramänner hatten sich auf Richards Anzeige gemeldet. Der erste, der sich vorstellte, war mittelgroß und gedrungen, hatte einen rapsgelben Boxerhaarschnitt und hieß Michael.
Ich vermied es, dem Mann ins Gesicht zu sehen. Um nicht so stumm neben ihm zu stehen, sagte ich irgendetwas von schönem Wetter und Urlaubmachen.
Der Boxer lachte. Sein Lachen war ebenso gefälscht wie sein Haar. Er griff nach meinem Rucksack. Ob er mir helfen könne, fragte er. Noch ehe ich antworten konnte, hatte er eine Hand auf meine Schulter gelegt. Ich drehte mich herum und machte einen großen Schritt. Der Mann war ein Kindskopf. Mein Rucksack war kaum größer als ein Turnbeutel. Außerdem steckten keine Bleikugeln in ihm, sondern nur ein paar Hemden und ein paar Strümpfe, und die konnte ich gut und gern allein tragen, ohne dafür Schultern wie ein Fleischhauer haben zu müssen. Ich machte noch einen Schritt. Ich brauchte Raum, ich brauchte Platz. Der Kerl war mir zu wuchtig und zu breit. Alles zerrte er an sich, jeden Blick, jede Bewegung.
„Hast du das Buch von der Arnim gelesen?“
Ich rannte auf den Volvo zu. Michael rannte hinter mir her. Ich hörte sein Atmen.
„Ähh…“, stotterte er. „Ich habe nur den Anfang geschafft, `n paar Seiten.“
Ich hatte nichts anderes erwartet. Michael war Sportler, und Sportler lesen wenig. Sie gehen auch wenig ins Theater oder belegen Malkurse in der Volkshochschule oder züchten Kakteen oder sammeln Briefmarken. Mit Sportlern muss man Mitleid haben und ich hatte Mitleid mit ihnen. Wenn einer Speere wirft oder Fußball spielt oder rudert oder boxt, dann bleibt nicht viel frei in so einem Kopf. Dann kann jede Faser, jede Zelle nur noch denken: Erster sein, Erster sein, Erster sein!
„Und wann liest du den Rest?“
Ich verdrehte die Augen. Vier Tage lang würde ich die Auf- und Abstiegschancen der großen deutschen Fußballvereine durchhecheln müssen. Das gleiche stand mir mit den englischen Vereinen bevor und mit den italienischen und holländischen und brasilianischen. Mein Augenverdrehen fand kein Ende.
„Heute Abend“, erwiderte Michael. „Ich kam gestern einfach nicht dazu. Ich musste noch die Geräte aus der Firma holen.“
Er erzählte mir eine Geschichte. Der Scheinwerferkoffer sei nicht komplett gewesen, ein Stativ habe gefehlt, und die Suche nach einem passenden Ersatz hätte ihn einen halben Tag gekostet.
Seine Stimme war immer weicher und immer bittender geworden. Ich aber blieb hart.
„Heute Abend“, wies ich ihn zurecht, „müssen wir uns Putbus ansehen!“
Er senkte den Kopf wie ein Pennäler, der seine Strafe entgegennimmt. Mit gesenktem Kopf öffnete er mir auch die Tür des Volvos.
„Elizabeth hat in Putbus nicht Station gemacht, oder? Sie ist doch in Lauterbach abgestiegen.“
Seine Widerrede klang wie eine Frage. Dennoch reizte sie mich. Ich holte tief Luft, ließ mich auf den Beifahrersitz fallen und schnaubte: „Lauterbach gehört zu Putbus!“
Ich schlug die Tür zu. Michael öffnete sie wieder.
„Wenn wir schon hier sind, können wir doch gleich ein paar Einstellungen vom Bahnhof mitnehmen.“
Seine Stimme war weich und bittend geblieben.
„Steht im Drehplan irgendwas von Miltzow?“ Ich hob meinen Blick nur bis zu seiner Kinnspitze. „Die erste Einstellung ist `ne Landstraße. Allee mit alten Bäumen! Haben wir doch hundert Mal besprochen.“
Statt eine Antwort zu geben, öffnete Michael die Heckklappe des Kombis und durchwühlte den Kofferraum.
„Was suchst du denn?“ fragte ich ungehalten.
Ich wollte weiter. Vier Tage hatten wir nur. Die Zeit begann bereits schwer zu werden. Hundert kleine Gewichte legte sie auf meine Brust.
„Ich bin gleich wieder da“, antwortete er leichthin.
Meine Gereiztheit kümmerte ihn nicht, er schien sie nicht einmal zu bemerken. Vergnügt schwenkte er eine kleine Handkamera über seinem rapsgelben Kopf und rannte auf das alte Bahnhofsgebäude zu. Seine Schnelligkeit verwunderte mich. Niemals hätte ich diesen kurzen Armen und Beinen zugetraut, dass sie sich mit solcher Geschwindigkeit bewegen konnten. Ich bewegte mich langsamer. Als ich aus dem Auto stieg, war Michael bereits in dem staubigen Haus verschwunden.
Die Bahnhofshalle in Miltzow ist lang und schmal und so trostlos wie eine Gefängniszelle. Bis zur Decke hinauf sind die Wände mit rostroten Kacheln beklebt. Nirgendwo gibt es einen Hinweis auf Elizabeth, nirgendwo einen Fingerzeig der Vergangenheit.
Nur Gegenwart war um uns. Große rostrote Gegenwart, die nach Zigarettenasche und nach Zementstaub roch.
„Was machen Sie hier?“
Der Mann, der plötzlich breitbeinig in der Eingangstür stand, war klein und schmächtig, trug Jeans und T-Shirt und hatte so gar nichts von der olympischen Statur, die die englische Elizabeth an deutschen Bahnhofsvorstehern vor einhundertfünfzehn Jahren bewunderte.
„Die Tür stand offen“, antwortete Michael entschuldigend.
Wir hatten schnell eins und eins zusammengezählt. Der Bahnhof von Miltzow war kein Bahnhof mehr, sondern eine Lagerhalle für Baumaterialien und der dünne Mann war Maurer, der ein paar Zementsäcke für eine Baustelle holte.
„Mir machen hier nur kurz `n Dreh“, versuchte Michael die Zornesfalten auf der Maurerstirn zu glätten. „Wir sind vom Film.“
Das entzückte Augenaufreißen, das einem solchen Satz stets folgt, blieb aus.
„Sie dürfen hier nicht rein! Das hier ist Betriebsgelände!“
Auf der Maurerstirn faltete es sich weiter.
„Ach, das wussten wir nicht“, erwiderte Michael daunenweich. „Wir sind auch schon weg.“
Doch als er auf den Ausgang zustürmen wollte, packte ihn der Mann am Arm.
„Was haben Sie da?“ rief er mit überraschend freundlicher Stimme.
Der Maurer hatte Michaels Handkamera entdeckt und wurde plötzlich ebenso hektisch wie zutraulich. Er sei Hobbyfilmer, begann er eilig zu erzählen, und habe so ein Ding noch nie gesehen. Nicht einmal in den Fachmagazinen. Wieviel so eine Kamera koste, wollte er wissen. Michael nannte eine vierstellige Summe. Nun sausten die Augenbrauen des Maurers doch in die Höhe. Dort blieben sie auch, bis wir in den Volvo gestiegen waren. Michael startete den Motor und mit gemächlichem Tempo rollten wir in die melancholische Weite Vorpommerns hinaus.
DIE GLEWITZER FÄHRE erreichten wir nach zwanzigminütiger Fahrt. Michael hatte die ganze Zeit über geredet. Von seiner Frau, von seiner Arbeitslosigkeit, beinah ein Jahr sei er ohne Job gewesen. Er redete mit einer hohen, sich oft überschlagenden Stimme, die wie geborgt klang. Als gehörte sie zu einem ganz anderen Menschen.
Aus Höflichkeit nickte ich hin und wieder, sagte Ja und Ach, meist aber sah ich aus dem Fenster. Wieder flog Landschaft vorbei. Dieses Mal sah ich den Wiesen und Feldern ohne Neugier und ohne Regung zu. Meine Augen standen einfach nur offen. Ich dachte an Birgit, dachte an Kreta. Sie hatte Vollpension gebucht, das Zimmer mit Meerblick und TV. Ich liebe dich, hatte sie mir am Flughafen ins Ohr geflüstert. Zu jeder Mahlzeit würde sie an mich denken. Immer zum Frühstück, zum Mittagessen und zum Abendbrot. So ein Mund kann vieles. Er kann viel reden, viel lachen, er kann auch viel lügen. Augen können das alles nicht. Sie bleiben immer gleich. Und Birgits Augen waren auf dem Flughafen immer gleich kühl und distanziert geblieben.
Weiter kam ich nicht mit meinem Grübeln, plötzlich war alles dunkel und zäh in meinem Kopf.
„Bitte nicht!“ rief Michael kurz vor Stahlbrode.
Er hatte für einen Moment das Lenkrad losgelassen und klopfte mit beiden Händen gegen die Windschutzscheibe.
„Das wird doch nicht etwa regnen?!“
In der Ferne hatten sich Wolken aufgebaut. Aber keine unheildrohende Wand wuchs da am Horizont, sondern nur ein paar fröhliche Wanderer kamen heranspaziert. Frei waren sie, heiter und gelöst waren sie, nichts drückte sie, nicht machte sie schwer.
„Ach“, sagte ich nur wieder.
Vor einhundertfünfzehn Jahren war Stahlbrode noch leer und still. Heute ist Stahlbrode laut und voll und ganz und gar kein unschuldiger und harmloser Ort mehr, wie ihn Elizabeth von Arnim in ihrem Büchlein „Elizabeth auf Rügen“ beschrieben hat. Bis zum Dorf hinauf standen die wartenden Autos. Neben den Autos standen die wartenden Touristen. Sie hatten die Münder aufgerissen und die Arme ausgebreitet. Das Meer war nah. Komm, flüsterte und raunte es. Kaum ein Herz, das nicht schneller schlug beim Anblick des funkelnden Strelasunds.
Zwei Fähren mussten wir fahren lassen, ehe wir an der Reihe waren. Eine Frau in einem blauen Ticket-Häuschen verkaufte uns die Schiffskarten, ein Angestellter der Weißen Flotte öffnete eine Kette und Rügen war auf Steinwurfweite herangerückt.
Die Fährleute schwitzten. Freitagmittag in der Ferienzeit, das bedeutete Knochenarbeit für sie. Über die Gesichter der beiden Männer huschte ein erschöpftes Lächeln, als ich mich zu ihnen stellte. Eine Doppelschicht mussten sie schieben. Zwölf Stunden und niemals ein Funkeln und niemals ein Meeresraunen. Nur Blech sahen ihre müden, dunkel gewordenen Augen.
„Wir waren von Anfang an mit dabei.“
Vor Stolz wurden die Augen der Männer eine Spur heller.
„Am zweiten Mai vierundneunzig ging`s ja hier wieder los. Aber mächtig, sag` ich Ihnen!“
Fünfzig Jahre zuvor hatten ein paar Matrosen die jahrhundertalte Fährtradition kurzerhand für beendet erklärt, indem sie das Fährboot kaperten und der heranrückenden Roten Armee in Richtung Kiel davonbrausten. Der Handstreich nahm Glewitz und Stahlbrode mit einem Schlag Bedeutung und Identität. Viel Kopfzerbrechen werden sich die Matrosen darüber nicht gemacht haben. Es war Kriegszeit und die einzige Identität, die sie zu wahren hatten, war ihr bedrohtes Leben.
Kaum an Rügens grüner Küste gelandet, kletterte Michael aus dem Auto und rief, dass er etwas essen müsse. Wie zum Beweis drückte er die Hände auf seinen Bauch.
„Fass mal an!“
Als Antwort warf ich die Tür ins Schloss. Der Kerl war verschroben oder verrückt, vielleicht war er auch beides. Ich fasste niemanden an den Bauch, schon gar keinem Boxer, den ich erst vor ein paar Tagen kennengelernt hatte.
Ich ließ Michael vorauslaufen. Wieder war mir alles zu eng und zu dicht. Vier Tage! Ich würde mit dem Mann in einem Zimmer schlafen müssen, ich würde sein Schnarchen hören müssen und sein Zähneknirschen und sein Furzen. Tobias, dachte ich verzweifelt, stiller, nobler Tobias. Noch niemals hatte ich ihn schnarchen oder mit den Zähnen knirschen hören. Er war ein idealer Kollege. In großer Hitze war er der kühlende Schatten und an trüben Tagen das hell und warm machende Licht. Eine ganz krautige Sehnsucht hatte ich plötzlich nach ihm.
„Hast du keinen Hunger?“
Michael drehte sich mit einem fragenden Kinderlächeln nach mir um.
„Ich habe im Zug gegessen“, log ich.
Der erste Imbissstand, ein umgebauter Campingwagen, stand gleich an der Mole. Michael studierte lange die Angebotstafel. Dabei hob er immer wieder seine Nase und schnoberte in den Bratdünsten herum, die aus dem Wagen quollen. Er war nicht zufrieden. Zum ersten Mal huschten Unmutswellen über seine Stirn.
Zum zweiten Imbissstand gehörten ein halbes Dutzend bunter Tische und bunter Stühle. Er war nah am Ufer aufgebaut, hatte eine Leuchtreklame auf dem Dach und nannte sich „Delikatessen des Meeres“. Michaels Stirn glättete sich rasch. Er bestellte sich eine Terrine Pommersche Fischsuppe, ein Glas Bier und zwei Fischbuletten mit Kartoffelsalat. Viel lieber hätte er zwar Thüringer Bratwurst gegessen, erklärte er Suppe löffelnd, in Thüringen sei er geboren, deshalb esse er überall, wo er hinkäme, Thüringer Bratwurst.
„Das ist mein Heimattrieb.“
Er hob das Bierglas und prostete mir zu. Nach Bier, lachte er, würde er immer müde werden.
„Dann trinke keins“, erwiderte ich kühl.
„Aber es schmeckt mir so gut.“
Er rieb sich abermals den Bauch.
„Du kannst fahren, wenn du willst“, schlug er mir vor.
Ich aber wollte nicht. Ich wollte viel lieber den Wolken zusehen. Immerzu waren sie anders. Mal kamen sie klein und schüchtern daher und mal gewaltig und in Massen.
Ich musste wieder an Birgit denken. Über Kreta gab es ganz sicher keine Wolken. Öd` und leer musste der Himmel dort sein. So öd` und leer wie eine Eisscholle in der Antarktis.
„Ich werde auch etwas essen“, antwortete ich knapp.
Ich stand auf, aber statt zu den Delikatessen des Meeres, ging ich hinunter ans Wasser, zog Schuhe und Strümpfe aus und sagte leise: „Hallo.“
Es war ein erster Gruß.
Von Stahlbrode kam die nächste Fähre heran. Die Wellen an ihrem Bug waren ein einziger glitzernder Schaum. Andere Boote kamen, kleine, große, und alle hinterließen im Wasser eine leuchtende Spur, die bis in die Haarspitzen glücklich machte.
In meinem euphorischen Schwall hörte ich Michael nicht sofort. Irgendwann stand er neben mir. Er hatte einen Pappteller in der Hand, auf der eine Fischbulette lag, und sagte: „Schön hier.“
„Was, schön?“ fragte ich unfreundlich zurück. Ich wollte ihn nicht neben mir haben. Das Leuchten und Glitzern gehörten allein mir und sonst niemand.
Michael zeigte erst auf den Strelasund hinaus, dann zeigte er mit einem Kopfnicken auf den Teller mit der Fischbulette.
„Da nimm“, grinste er. „Du musst etwas essen. Dein Magen knurrt schon.“
„Knurrt er nicht!“ widersprach ich.
Ich hielt die Luft an.
Wehe! grummelte ich in mich hinein. Aber was kümmerte meinen Magen, dass ich Boxer nicht leiden konnte. Er roch nur den würzigen Bratgeruch und tat, was alle leeren Mägen tun, er knurrte.
Während ich aß, planschte Michael mit den Füßen im Wasser.
„Am liebsten würde ich reinspringen“, seufzte er leise. „Du auch?“
„Weiß nicht“, wich ich aus. „Es sind zu viele Leute hier.“
„Wie alt bist du eigentlich?“ fragte er dann unvermittelt.
Ich war beim letzten Bissen angelangt. Er blieb mir zwischen Lippe und Schlund hängen. Ich wollte dem Mann keine Antwort geben, wie ich ihm auch keine Fragen stellen wollte. Mir war sein Alter egal und wie viele Kinder oder Frauen er hatte. In vier Tagen würde alles vorüber und der Job geschafft sein. Dann sah ich ihn niemals wieder und für vier Tage reichte es, wenn ich von ihm nur seinen Vornamen kannte.
„Ende dreißig“, log ich ein zweites Mal.
Wenn einer graue Haare hat, die nicht nur am Scheitel dürr und schütter werden, sondern am ganzen Kopf, und wenn dazu noch Tränensäcke kommen und ein gelber, faltiger Hals, dann kann so eine Antwort nur Verwunderung stiften.
Michael wunderte sich auch. Seine kleinen staubigen Augen, die immerzu nach innen zu sehen schienen, wurden mit einem Mal rund und groß. Er öffnete den Mund, sagte aber nur: „Aha.“
Ohne sich Schuhe und Strümpfe angezogen zu haben, drehte er sich herum und marschierte zum Auto zurück. Ich folgte ihm mit ein paar Metern Abstand. Mein Spott war ein höhnischer Schmetterling. Unentwegt flatterte er um seinen breiten Kopf. Kurz bevor wir den Volvo erreichten, überholte ich ihn.
„Ich fahre!“ sagte ich bestimmt.
Ich hoffte auf das Bier und die beiden Fischbuletten. Sie sollten Wirkung zeigen. Wenn Michael schlief, dann war er nicht mehr richtig vorhanden, dann verschwand er ein wenig und die Wolken und das Glitzern des Strelasunds hatte ich für mich allein.
„Bist ‘n Kumpel!“ klatschte Michael in die Hände. „Wenn du fährst, kann ich noch ein Bier trinken.“
Er zwinkerte mir verschmitzt zu, machte auf dem Absatz kehrt und stellte sich erneut bei den Meeresfrüchten an.
„Bring` mir eins mit“, rief ich ihm nach.
Die Flasche würde ich Michael anbieten. Ich würde ihm sagen, ich hätte es mir plötzlich anders überlegt. Drei Bier waren ein verlässliches Schlafmittel. Bis Putbus wäre ich ihn ganz sicher los und bis Putbus war es weit.
„Willst du meins auch haben?“
Meine Stimme war ohne Arg, als wir über die sanften Höhen der Halbinsel Zudar hinwegfuhren. Michael wollte. Er trank schnell und lautlos und ebenso schnell und lautlos schlief er auch ein.
GARZ ist eine wunderliche Stadt. Ein paar schmale Straßen, ein paar schweigsame Häuser und das war`s. So langsam kann man gar nicht fahren, um nicht in Minutenfrist durch Garz hindurch zu sein.
Früher einmal muss es ganz andere Zeiten gegeben haben, mit einem regen städtischen Treiben, selbst des Nachts. Von Bordellen und gewerbsmäßiger Unzucht ist in Chroniken die Rede und von entrüsteten Regierungspräsidenten im fernen Stralsund, die der Garzer Lohnhurerei ein kategorisches Ende bereiten wollten. Damals, 1849. Einhundertsiebzig Jahre später ist von diesem kollektiven Sinnenrausch nichts mehr geblieben. Heute muss man Mitleid mit der Stadt haben, so leer und still ist sie. Ein heißer Sommertag in Garz, das ist ein ganz unmöglicher Ort auf Erden. Nicht einmal eine Kneipe gibt es, in die man fliehen könnte.
Ich aber hatte einen Job, ich hatte einen Auftrag und da ich den schlafenden Michael auch noch hatte, schlug ich das Lenkrad nach links, schaukelte eine der schmalen Straßen hinunter und parkte den Volvo im Schatten eines der schweigsamen Häuser.
Das Ernst-Moritz-Arndt-Museum ist ein kleines, rotes Backsteingebäude, in dem man sich gut eine dreiköpfige Familie vorstellen kann. Vater, Mutter, Kind, dazu Hund und Katze und im Garten eine bunte Zwergenschar.
Familiär geht es im ganzen Haus zu. Keine Aufseher und keine Pförtner bewachen die beiden Etagen. Die Tür steht offen, nur um ein Klingelzeichen wird auf einem handgeschriebenen Zettel gebeten.
Ich klingelte, einmal, zweimal, doch niemand zeigte sich. Ich hatte das ganze Museum für mich allein. Ernst-Moritz Arndts Sofakissen gehörte mir und seine Kleiderbürste und sein Poesiealbum und seine Märchenbücher. Vor allem aber gehörte mir der Neuntöter im Dachgeschoß. Auf einem Stöckchen saß er. Ein unscheinbares Bürschchen, das irgendwann einmal in Kapstadt oder Johannisburg aufgebrochen war, um mit hundert anderen nach Garz zu fliegen. Unwetter, Plage, Not, nichts konnte ihn aufhalten. Auch keine Vernunft. Zwölftausend Kilometer und kein anderer Sinn, als ein paar Eier in einen Fliederbusch zu legen und die träge Weite von Garz mit afrikanischen Gesängen zu füllen.
Ich stand lange vor dem Neuntöter. Er sah mich an. Ich sah ihn an. Der Vogel wollte mir eine Geschichte erzählen, aber ich begriff sie nicht. Ich würde sie nie begreifen. Nicht jetzt, nicht morgen und nicht in hundert Jahren.
Michael schlief noch immer, als ich zum Auto zurückkehrte. Auf seinen Lippen lag der Rest eines Lächelns und auf seiner verschwitzten Stirn das Leuchten von himbeerroter Zufriedenheit.
Ich startete den Motor. Die schmalen Straßen von Garz verwandelten den Volvo in eine behutsam dahinschaukelnde Sänfte.
Acht Kilometer mochte eine zweispännige Pferdekutsche in einer Stunde schaffen. Draußen auf der Landstraße drosselte ich die Geschwindigkeit noch weiter. Ich versuchte mir vorzustellen: Elizabeth und ihre Zofe Gertrud in der offenen Victoria, vorn auf dem Kutschbock der stumpfe August, und dann kommt aus Richtung Kasnevitz das Automobil auf sie zugerast. Keine leis` dahinwippende Kombilimousine, sondern ein Lärm und Gefahr versprühendes Ungeheuer. Die Pferde drohen durchzugehen, Elizabeth und Gertrud springen, wirr vor Angst, aus der Kutsche und der trottlige August bemerkt von allem nichts und fährt, ohne sich umzudrehen, nach Putbus weiter.
Kurz vor Kasnevitz hielt ich an, stieg aus dem Auto und untersuchte die Steine am Wegrand. Steine haben ein langes Leben. Sie haben viel gesehen und noch mehr über sich ergehen lassen. Eine deutsch-englische Reiseschriftstellerin zum Beispiel, die sich zur vorletzten Jahrhundertwende in den Kopf gesetzt hatte, allein nach Rügen zu reisen. Ohne Mann, ohne Kinder. Gegen alle Konventionen und Vorurteile der Zeit.
Ich nahm einen Stein in die Hand und prüfte sein Gewicht. Die Zeit hatte ihn rund und schwer werden lassen. Ich streichelte ihn, schüttelte ihn, dann hielt ich ihn lange ans Ohr. Zu schade auch, dass ich nicht verstand, was er mir erzählte.
IN KASNEVITZ erwachte Michael. Er rieb sich die Augen, entdeckte den nadelspitzen, aus gelben Ziegeln gemauerten Turm der Dorfkirche und gähnte: „Den müssen wir unbedingt aufnehmen.“
Obwohl Kasnevitz nicht im Drehplan stand, antwortete ich: „Okay, können wir machen.“
Das kühne Flämmchen meines Großmutes leuchtete aber nicht lange. Michael hatte gerade erst die Hecktür des Kombis geöffnet, da war es auch schon wieder erloschen. Ihr habt keine Zeit, flüsterte mir das schlechte Gewissen zu. Und prompt rief ich: „Wir müssen uns beeilen, Mann! Putbus wartet.“
Doch Michael hatte sich schon Kamera und Stativ gegriffen und rannte auf den Friedhof zu. Wie verwandelt war er. Alles Plumpe, Schläfrige war von ihm abgefallen. Er hüpfte die Wege entlang, zeigte hierhin und dorthin und lachte und redete.
„Weißt du, wie mir das alles gefehlt hat?!“
Er vollführte eine Armbewegung, die von Horizont zu Horizont reichte.
„Seit bald einem Jahr habe ich so etwas nicht mehr gemacht. Habe nur zu Hause gesessen und vor mich hin gewartet.“
Er wiederholte die Armbewegung. Sie reichte jetzt kaum über die Friedhofsmauer hinweg.
„Manchmal habe ich schon gedacht, ich wäre tot. Ich war gar nicht mehr richtig am Leben. Ich war so klein und überflüssig. So wie ‘n Wurm ungefähr.“
Er scharrte aufgeregt im Sand. Aber nicht ein Regenwurm blieb an seiner Schuhspitze hängen. Die beißende Sonne hatte alles Getier tief in die Ritzen der Friedhofserde getrieben.
„Oder, oder“, rief er laut, schlug sich aber plötzlich vor die Stirn, als hätte er den Satz vergessen oder sich eines Besseren besonnen.
„Oder“, rief er noch einmal.
Er fuhr herum und sprang suchend an den am Wegrand stehenden Büschen entlang. Die von Spinnweben überzogenen Blätter eines Rosenstrauches lieferten ihm dann das Sinnbild seiner Verzweiflung.
„Oder wie `ne Laus!“ jappte er erleichtert.
Er rollte das verkrüppelte Blatt auseinander und hielt es mir vor das Gesicht. Ich streifte das Blatt mit halbem Blick. Auf der Unterseite markierten sich winzige, schwarze Punkte.
„Das sind keine Läuse“, erwiderte ich nüchtern. „Das sind Pilze.“
„Ach, Mann“, stammelte Michael enttäuscht. Er warf mir das Blatt vor die Füße.
„Du hast ja keine Vorstellung, was die mir alles auf dem Arbeitsamt zugemutet haben. Mal sollte ich UX-Designer werden, mal Producer und dann wieder Layouter. Ich bin aber K-a-m-e-r-a-m-a-n-n!“
Er rannte zum Kirchenportal zurück, vor dem noch immer der Camcorder auf dem Stativ stand.
„Geträumt habe ich von so einem Ding“, rief er mit wieder erstarkter Stimme. „Ich habe von so einer Kamera wie von einem kleinen Kind geträumt.“
Er streichelte und küsste das schwere Gerät, nahm es in die Arme und wiegte es.
„Du meine Güte“, erwiderte ich kühl, „ich war auch schon arbeitslos.“
Mir war sein Gefühlsausbruch unangenehm. In einer Friedhofsecke waren zwei Frauen auf uns aufmerksam geworden. Sie hatten ihr Harken und Blumengießen unterbrochen und sahen mit strafenden Blicken zu uns hinüber. Eine schüttelte sogar ihren Kopf. Ein vernehmliches „Tsss“, war zu hören.
Wir hatten die Frauen bei einer wichtigen Arbeit gestört. Sie pflegten die Gräber ihrer Vorfahren und Ahnen. Sie standen mit Gott in Verbindung, mindestens aber mit Engeln. Wir dagegen waren nur flüchtige Fremde, wir sollten von ihrer geweihten Erde verschwinden. Es wurde abermals gezischt.
„Du hast doch jetzt ‘n Job“, sagte ich noch eine Spur kühler.
Mit zwei, drei Sprüngen war Michael bei mir.
„Mensch, deswegen freue ich mich doch auch so!“
Ich wich einen Schritt zurück. In seinen Augen war so ein übermütiges Funkeln, jeden Moment konnte er mich bei den Schultern packen und mit mir die Friedhofswege entlangtanzen.
Doch er zwinkerte mir nur zu, sagte: „Komm“, und griff sich Stativ und Kamera. „Vielleicht finden wir noch was Interessantes im Dorf.“
„Was sollen wir denn da finden?“
Mein Widerspruch war nur schwach. Gegen Michaels kraftstrotzende Fröhlichkeit kam er nicht an. Außerdem waren da noch immer die beiden Frauen. Ihre Mienen hatten sich weiter verdunkelt. Wie finstere Sirenen standen sie auf ihren Harken gestützt. Jeden Moment konnten sie losheulen und Kasnevitz wehrbereite Männer herbeirufen. An so einer Begegnung war mir nicht gelegen und so wirbelte ich herum und rannte hinter Michael her.
„Was sollen wir denn da finden?“ wiederholte ich.
„Wirst schon sehen“, lachte Michael. „Ich kenne mich hier aus.“
