160 Tage Luna - Manuela Heckmanns - E-Book

160 Tage Luna E-Book

Manuela Heckmanns

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Beschreibung

Luna ist 160 Tage meine Hündin gewesen, viel zu kurz. Mit ihrer sanften und leisen, aber auch kompromisslosen Art hat sie sich nicht nur in mein Herz geschlichen. Leider war unsere Zeit von einer schweren Krankheit überschattet und das Schicksal hat uns viel weniger gemeinsame Zeit geschenkt, als wir uns gewünscht haben. Übrig geblieben ist ein Tagebuch mit Briefen an Luna. Erinnerungen an eine aufregende und schöne Zeit, aber auch an das langsame Loslassen und das Akzeptieren der Endlichkeit des Lebens. 160 gemeinsame Tage waren uns gegönnt und diese haben wir in vollen Zügen ausgekostet.

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Seitenzahl: 241

Veröffentlichungsjahr: 2015

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www.tredition.de

Manuela Heckmanns

160 Tage Luna

mein Weg mit Dir

www.tredition.de

© 2015 Manuela Heckmanns

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

Paperback:

978-3-7323-7263-8

Hardcover:

978-3-7323-7264-5

e-Book:

978-3-7323-7265-2

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Vorwort

Dürfen wir trauern, wenn unser Haustier stirbt? Wie stark dürfen wir trauern? Es war doch nur ein Tier!

Dieses Buch von Manuela Heckmanns wird sicherlich auch kritische Stimmen auslösen, die diese Trauer wegen einem Tier nicht nachvollziehen können, ja sogar verurteilen werden. Aber es wird auch genau die Menschen erreichen, die den Schmerz über den Verlust eines Tieres selber erfahren haben. Frau Heckmanns bricht mit diesem Buch ein Tabu. Anhand des eigenen Verlustes ihres geliebten Hundes Luna beschreibt sie sehr eindrucksvoll, sehr emotional, sehr offen und warmherzig ihre Trauer ohne dabei den humorvollen Blick zu verlieren. Diese Geschichte ist eine Liebeserklärung an einen Hund. Aber eigentlich ist es viel mehr. Es ist eine Liebeserklärung an ein Wesen, das sie begleitet hat und das sie begleiten konnte. Dieses Wesen hat sie in Kontakt zu sich selber gebracht, hat ihr gezeigt, dass sie ihre errichteten Mauern überwinden kann, hat lange verschlossene Türen geöffnet. Luna hat Manuela Heckmanns gegeben, was die Menschen ihr nicht vermocht haben zu geben. Eine tiefe Verbundenheit, tiefes Vertrauen und bedingungslose Liebe. Das waren die Schlüssel, die Luna eingesetzt hat, um die Türen zu öffnen.

Es bedarf eines großen Mutes, wenn man in einem Buch für jeden Leser sichtbar seine Gefühle so offen darlegt, wie es Manuela Heckmanns macht. Diese Gefühle nehmen den Leser mit, berühren und stimmen sehr traurig, aber sie stimmen auch nachdenklich. Sie erinnern an die Wichtigkeit und Schönheit des Augenblicks und an die Achtsamkeit, uns und allen anderen Wesen gegenüber.

Ich hoffe, dass dieses Buch viele Menschen ermutigt, offen über Ihre Verluste zu trauern. Trauer drückt nur die Liebe aus, die wir für das verlorene Wesen empfinden. Und genau um diese Liebe geht es in diesem Buch.

Gabriele Cremer

Danke

Viele Menschen haben dazu beigetragen, dass es dieses Buch gibt. Ich bin keine Schriftstellerin, sondern nur eine ganz normale Frau, die ein Geschenk erhalten hat. Viele haben mich ermutigt, meine Gedanken zu Luna zu teilen und sind somit genauso ein Teil dieses Buches, wie meine Worte.

Luna gab es wirklich. Manchmal hat man das große Glück, dass eine Seele den Weg kreuzt, die einen tief bewegt. Ich hatte dieses Glück und musste es leider wieder loslassen. Trotzdem hat sich mein Leben stark verändert. Wir hatten traurige und sehr innige Momente in unserer kurzen gemeinsamen Zeit. Keinen einzigen davon möchte ich missen. Mein erster Dank geht an alle Menschen, die es ermöglicht haben, dass Luna ein Teil von meinem Leben sein durfte. Da steht an erster Stelle Lunas Familie, die eine sehr schwere Entscheidung im Sinne von Luna getroffen hat. Ich kann mir nicht einmal annähernd vorstellen, wie schmerzhaft dieser Schritt gewesen sein muss. Sie haben uns Luna anvertraut. Ihren Hund, den sie mit jeder Faser ihres Herzens geliebt haben.

Danken müssen wir natürlich auch allen Mitgliedern von Retriever & friends, unserem Tierschutzverein. Es gibt so viele Hände, die hier ineinander gegriffen haben, um uns zusammen zu bringen, dass ich gar nicht alle einzeln aufzählen kann. Es gab Menschen, die die Einschätzung gemacht haben. Es wurden viele Telefonate geführt, um uns als passende Pflegestelle zu finden. Eine Fahrkette wurde organisiert und viele Menschen haben an einem Samstag ihre Freizeit geopfert, um Luna ein Stück zu begleiten. Wir hatten eine sehr nette Pflegestellenbetreuung, die jederzeit ein offenes Ohr für uns hatte und natürlich auch eine sehr kompetente Nachbetreuung. Es gab immer jemand, der für uns da war, viele haben mit uns gelacht und geweint. Es gab Menschen, die mit fachlichem Rat an unserer Seite standen, aber auch Menschen, die einfach nur zugehört haben.

Einen großen Teil des Weges habe ich meinem Mann zu verdanken. Ohne ihn wäre Luna nicht zu uns gekommen und nur gemeinsam als Familie haben wir Höhen und Tiefen gut überstanden. Beim Schreiben dieses Buches war er es, der mir den Rücken freigehalten hat und mir immer wieder Mut gemacht hat. Meinen Kindern gehört ebenfalls ein großes Dankeschön. Nur als Familie haben wir schwere Zeiten hinter uns gebracht und dafür bin ich ihnen unendlich dankbar. Sie haben alle an mich geglaubt und mich unterstützt.

Unserer Tierärztin möchte ich auch noch einmal ausdrücklich danken. Sie war immer an unserer Seite, hat uns mit Rat und Tat unterstützt. Sie hat uns nicht nur medizinisch begleitet, sondern war auch menschlich immer an unserer Seite

Gabriele Cremer gehört mein Dank für ihre ermutigenden Worte und ihrer schonungslosen Kritik an dem Buch. Viele Wege sind wir schon gemeinsam gegangen und auch diesen ist sie mit Herz und Gefühl an meiner Seite.

Es gibt noch viele Menschen, die bei mir waren. Manchmal waren es nur kleine Gesten, die ermuntert haben. Viele haben mir Mut gemacht, aus dem kleinen Tagebuch ein richtiges Buch zu machen. Alleine hätte ich es nicht gemacht. So sind viele Menschen, an unserer kleinen Geschichte beteiligt.

Manuela Heckmanns

Spuren von Dir

Liebe Luna,

unsere Unterhaltungen waren immer recht einseitig, aber bis jetzt hast Du mich zumindest angesehen oder auch weg gesehen. Du warst trotzdem Teil unserer Zwiesprache. Jetzt habe ich eine Vorstellung, wie Du reagieren würdest, aber ich muss Dir schreiben, weil Du nicht mehr da bist. Ich habe keine Vorstellung davon, ob Du weißt, dass ich Dir schreibe. Ich mache das eher für mich, als für Dich. Ich brauche etwas, um mich festzuhalten. Mein kleines Stückchen von Dir, meine Erinnerung an die Zeit mit Dir.

Du hast Spuren hinterlassen, bei jedem Einzelnen, dessen Weg Du gekreuzt hast. Wusstest Du das eigentlich? Du bist immer so selbstverständlich da gewesen und ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, ob Du weißt, was Du hier angerichtet hast. Es tut mir leid, wenn ich das so sagen muss, aber das war schon ein wenig gemein von Dir! Du hast einen Haufen Scherben hinterlassen, einen unüberschaubar großen Haufen und jetzt hast Du mich ganz alleine gelassen und ich muss aufräumen. Das stimmt natürlich nicht, ich bin gar nicht alleine, aber niemand ist da, der Deinen Platz füllen könnte. Vielleicht geht es Dir genau so? Ich weiß es nicht, ich kann nur für mich sprechen und Dir sagen, dass Du hier fehlst. Es ist viel zu still und zu leer.

Ich wollte von Deinen Spuren erzählen. Manche sind ganz offensichtlich, die kann jeder sehen. Bei uns im Keller steht eine große Kiste mit Deinen Sachen, ich kann sie nicht weg werfen. Stehen lassen konnte ich sie aber auch nicht. Die Erinnerung an Dich hat mir in den ersten Tagen ohne Dich die Luft zum Atmen genommen. Jetzt mache ich einen großen Bogen um das Regal und schaue mir lieber die Wand auf der anderen Seite an. Großartig, wie ich die Situation meistere. Ich kann Dein Schmunzeln sehen. Obwohl ich alles ordentlich sauber gemacht habe, finde ich im ganzen Haus noch Deine Spuren. Die Kiste zu packen war ganz einfach: alles musste rein. Niemand hat mich auf die anderen kleinen Spuren vorbereitet, die Du hinterlassen hast. Dass ich auch noch Wochen später Deine Haare finde, überall, hat mir niemand verraten. Es scheint, als ob Du eine kleine Erinnerung in jedem Winkel unseres Hauses verteilen wolltest. Manchmal freut es mich und ich erinnere mich an eine der tausend Kleinigkeiten, die unser gemeinsames Leben so wertvoll gemacht haben. Es gibt aber auch die anderen Momente, in denen ich innehalten und tief durchatmen muss. Ich schaffe es inzwischen, wieder einen Alltag zu organisieren und tagsüber bin ich ganz guter Dinge, aber die Nächte sind grausam. Du, meine Gefährtin durch lange Nächte, bist gegangen. Dein Weg war ein anderer, nicht an meiner Seite. 160 Tage haben wir uns geschenkt: Du mir und ich Dir, hoffe ich zumindest. Eines der Geheimnisse, die Du mitgenommen hast. Ich hätte gerne in Deinen Kopf geschaut und Antworten bekommen, aber vielleicht weißt Du sie ja selber nicht. Wahrscheinlich hast Du eh viel weniger nachgedacht als ich. Ich weiß es nicht.

Briefe an Dich

Lass mich noch ein paar Sachen erklären, weil es für Dich vollkommen neu ist, dass ich Dir schreibe. Dass ich schreibe, wusstest Du. Ich habe vom ersten Tag Dein Tagebuch geschrieben – in Deinem Namen. Es gehörte zu meinen Aufgaben: jeder Tierschutzhund bei Retriever & friends besitzt ein Tagebuch und das sollte geführt werden. Eigentlich nur so lange, wie der Hund ein Pflegehund ist, aber manchmal geschieht es, dass Tagebücher länger geführt werden. Ich habe weiter geschrieben, so lange, wie Du bei uns warst, aber auch noch weiter. Du warst ja recht einsilbig, also habe ich mir die Freiheit genommen, in Deinem Namen zu schreiben. Da Du nicht widersprochen hast, habe ich das als Zustimmung gewertet. Ich kann auch kompromisslos sein, meine Liebe! Dann kam der Tag, an dem Du uns verlassen hattest und es gab keinen Grund mehr für mich, Dein Tagebuch weiter zu schreiben. Aber ich konnte nicht. Ich habe Dich hier gehen lassen, aber ich konnte Dich nicht auch noch im Tagebuch gehen lassen. Das hat sich alles so falsch angefühlt. So falsch, wie alles andere auch. Immerhin hast Du uns genug Zeit gelassen, um uns darauf vorzubereiten und so hatte ich den letzten Tagebucheintrag schon in meinen Gedanken unzählige Male im Kopf geschrieben. Einige Worte, kurz und knapp, angemessen, aber nicht zu rührselig. Hat nicht funktioniert, ich habe mich als absolute Versagerin entpuppt.

Das war mein erster Brief an Dich, um allen zu sagen, dass Du gehen musstest:

Liebe Luna,

heute ist unser gemeinsamer Weg zu Ende gegangen. Den Kampf gegen Deine Krankheit hast Du tapfer ertragen, aber leider ist Dir die Kraft ausgegangen. Uns blieb nicht viel zu tun, als Dich zu begleiten. Eine Aufgabe, die wir gerne übernommen haben und die uns mit Stolz erfüllt. Zu dieser Aufgabe hat auch gehört, dass wir Dich heute gehen lassen mussten, um Dich nicht weiter leiden zu lassen. Mein schwerster Moment mit Dir, aber auch da warst Du es, die mich getröstet hat und mir den ganzen Tag gezeigt hat, dass heute der richtige Tag ist. Du hast uns so viel in der kurzen Zeit geschenkt. Dafür sind wir Dir unendlich dankbar.

Ich wünsche Dir eine gute Reise. Wir haben alles getan, um Dir den Weg leicht zu machen, aber jetzt musst Du ohne uns weiter. Ich wünsche Dir, dass Du dort keine Schmerzen hast und wieder wild über die Felder toben kannst. Du findest dort bestimmt einen Apfelbaum - für unseren eigenen hat die Zeit nicht gereicht, aber wir werden jeden einzelnen Apfel essen und dabei an Dich denken. Ich wünsche Dir auch einen Gebirgsbach mit vielen Stöcken drin. Das hast Du im Urlaub immer so geliebt. Eine schöne Wiese, auf der Du dösen kannst, wie Du es bei uns immer gemacht hast, wünschen wir Dir auch. Jetzt müssen wir selber unsere Schuhe einzeln verstecken und am Mülleimerdeckel klappern, weil Dudas nicht mehr machst. Aber ich bin mir sicher, dass Du dort eine Menge Schuhe finden wirst. Du hattest die beste Nase hier im Haus. Irgendwo gibt es bestimmt auch einen verwesten Fisch, in dem Du Dich wälzen kannst und dann kommt auch niemand mehr mit dem Schlauch und will Dich wieder sauber machen - versprochen!!!

Liebe Luna, warum musstest Du so früh gehen? Wir wollten Dich noch so lange behalten, aber Du konntest einfach nicht mehr.

Lass es Dir gut gehen und pass auf Dich auf. Wir sind traurig und vermissen Dich jetzt schon. Du bist so friedlich an meiner Seite eingeschlafen, dass ich noch gar nicht glauben kann, dass Du wirklich für immer weg bist.

Mach es gut, meine Maus, und lass es Dir gut gehen!

Dein Frauchen

Geschrieben am 14. August, 19:12 Uhr

Der erste Eintrag war auch noch einigermaßen in Ordnung. Auf den Abend folgt ja ein Morgen – der erste ohne Dich - und das hat mein Herz gebrochen. Vorbei waren die Reserviertheit und das Zurückhalten der Gefühle. Es war fast greifbar, diese Leere und Stille, die im ganzen Haus zu spüren waren. Ich habe wie selbstverständlich meinen Computer angeschaltet und wie in Trance unser Forum aufgemacht. Ich hatte mir geschworen, dass ich nicht die Reaktionen auf Deinen letzten Eintrag beachte und gar nicht mehr in das Tagebuch schaue, aber konsequent, wie ich in solchen Sachen bin, habe ich mir eine Tasse Tee gemacht und gelesen und geweint. Es hat mich tief getroffen und es hat weh getan, tief in meinem Herzen und in meinem Kopf. So viele nette Worte und so viele Menschen, die Du nur kurz berührt hast und die Dein Weggehen betroffen gemacht haben. So kam es, dass ich meinen Plan geändert habe. Es ist einfach passiert. Ich wollte Dich ganz in Ruhe gehen lassen und das hat auch gut funktioniert, so lange Du da warst. Dann habe ich diese Leere gespürt und ich wusste nicht wohin mit meinen Gedanken, mit meinen Gefühlen.

Es fing mit einem einzelnen Brief an, den ich Dir geschrieben habe. Ich habe Dich gefragt, warum Du gehen musstest. Ich war verzweifelt und wütend, da war noch kein Platz für Trauer. Ich bin morgens nach unten gekommen und konnte nicht verstehen, dass Du nicht auf mich gewartet hast. Ich hatte schon am Abend Angst davor, aber nichts hat mich auf die Wirklichkeit vorbereitet. Ich habe in der Nacht geschlafen wie in einem Koma, weil ich erschöpft war. Die letzten Tage mit Dir waren sehr anstrengend und haben mich viel Kraft gekostet, aber diese Nacht ging vorbei und ich war wach und ausgeschlafen. Da habe ich es gespürt. Ich bin aus dem Schlaf hochgefahren, weil ich nichts gehört habe. Die normalen Geräusche im Haus, der Kühlschrank, ein Auto auf der Straße, die Katzen in unserem Schlafzimmer, aber keinen Deiner Atemzüge. Ich bin runter gerannt und habe Deinen Platz leer gefunden. Ich habe am Abend schon Deine Sachen weggeräumt, weil ich diese vorwurfsvolle Leere nicht ertragen konnte. An diesem Morgen ist mir bewusst geworden, dass es nicht Deine Sachen waren, die mir fehlen, sondern Deine Geräusche. Kein schlurfender Gang, kein schweres Atmen. Ach, Luna, wenn Du wüsstest, wie sehr ich mit Dir gelitten habe. Jeder Deiner Atemzüge der letzten Stunden hat mir weh getan und ich konnte Dir nicht helfen. Ich war bei Dir und ich habe Dich nicht mehr alleine gelassen, aber mehr konnte ich nicht für Dich tun.

In dieser Stimmung habe ich doch noch einmal in Dein Tagebuch geschaut und ich musste Dir einmal schreiben. Mit einer Tasse Tee neben mir und den Geräuschen des frühen Morgens, in denen Deine Geräusche gefehlt haben. Ich habe Dir geschrieben, von den Dingen, die passiert sind, aber Du hast nicht geantwortet. Weißt Du, dass ich da gesessen habe und Dich mit jeder Faser meines Körpers vermisst habe? Ich weiß es nicht und ich hoffe, dass Du es nicht wusstest. Du solltest Dir keine Sorgen machen, genieße Dein Glück, meine Schöne. Über diesen ersten Brief an Dich ist es ganz langsam geschehen. In der nächsten Nacht konnte ich nicht schlafen, weil Du nicht da warst. Ich war nicht mehr so erschöpft wie in der ersten Nacht und diese Nacht war grausam. Unendlich still war es im Haus und die Dämmerung noch in unendlicher Ferne. Weißt Du eigentlich, wie langsam die Zeit vergehen kann, wenn man auf den Morgen wartet? Im Kopf eine Schleife mit Gedanken und ein Herz, das laut schreien möchte. Ich wollte niemanden wecken, es konnte ja auch niemand etwas dazu sagen. Nichts hätte unser Schicksal geändert.

Liebe Luna,

ich bin heute Morgen aufgestanden und war erschrocken, dass mich niemand geweckt hat. Keiner hat unten gefiept und ich wurde auch nicht mit einem fröhlichen Bellen an der Treppe erwartet. Da ist mir erst aufgefallen, dass Du nicht mehr da bist.

Herr Chester ist ja morgens immer recht gemütlich, während Du bis zum Schluss morgens immer fröhlich und aufgeweckt warst und alle mit Deiner guten Laune angesteckt hast. Ich bin neugierig, um wen Du heute Morgen springst und wen Du freudig begrüßt. Ich wünschte mir so sehr, dass ich das sein kann, aber Dein Platz ist jetzt woanders. Du fehlst uns so sehr!!! Ich mag gar nicht daran denken, dass ich gleich nur eine Leine in der Hand halten werde. Ich habe gestern Abend Deine Sachen schon alle weg geräumt, weil ich Deinen leeren Napf nicht mehr sehen konnte.

Wir wissen, dass wir gestern alles richtig gemacht haben. So richtig bewusst ist uns das erst abends geworden, als Du schon gar nicht mehr da warst. In unserer letzten gemeinsamen Nacht sind wir beide auf der Terrasse gewesen. Du hast geschlafen und ich habe über Dich gewacht und dabei gestrickt. Meine Liebe, ich habe bei jedem Deiner Atemzügemit Dir gelitten und jeder Deiner Atemzüge tat mir weh und ich konnte Dir nicht helfen. Jetzt ist es ganz still hier, ich kann niemanden mehr atmen hören und ich merke, dass mir dabei ein Stein vom Herzen fällt. Die Sorge um Dich hat hier viel Platz eingenommen. Jetzt ist es die Traurigkeit und die wird noch lange bleiben. Herr Chester und ich werden noch lange brauchen, um wieder einen Alltag ohne Dich zu finden. Beim Spaziergang gestern Abend haben wir uns beide ertappt, dass wir immer noch in Deinem Tempo gehen. Wie lange wird das noch so bleiben? Wie lange wird es noch so weh tun??? Jeder Deiner Schritte in Deinen letzten Stunden hat mir weh getan. Ich habe gesehen, wie Du gezittert hast, war bei Dir, als Du gar nicht mehr konntest und habe gewartet, bis wir wieder zwei Schritte laufen konnten. Ich war bei Dir, als Du Dich kaum noch auf den Beinen halten konntest, wenn Du mal musstest. Das hat so unendlich weh getan und trotzdem vermisse ich es so.

Dein Licht ist gestern ausgegangen, aber es war schon so schwach, dass es nur noch geflackert hat. Wir wollten doch noch den Winter mit Dir verbringen, warum war uns das nicht mehr vergönnt? Es ist so schnell gegangen und es war so erbarmungslos. Du hattest gar keine Zeit, um Deine Rente zu genießen. Wir wollten Dir noch so viel zeigen. Wenn ich gewusst hätte, wie wenig Zeit Dir bleibt, hätte ich Dir reihenweise tote Fische gebracht, in denen Du Dich wälzen könntest. Ich hätte sie Dir eigenhändig in unseren Garten getragen.

Ich bin mir sicher, dass es Dir jetzt gut geht und wirmüssen jetzt lernen, ohne Dich zu leben. Wir werden wieder schneller und weiter spazieren gehen lernen und dass wir morgens nicht mehr von einer übermütigen Dame erwartet werden. Weißt Du noch im Urlaub? Da bist Du morgens an mein Bett gekommen und hast einen Freudenhüpfer gemacht, als Du gesehen hast, dass ich die Augen bewege. Wir waren so früh dran, dass wir manchmal noch den Sonnenaufgang gesehen haben. Jetzt ist hier kein Frühaufsteher mehr im Haus.

Es ist so still hier geworden, Deine Geräusche fehlen mir so sehr!

Hol tief Luft, meine Liebe, wo auch immer Du bist und renn schneller als der Wind, bis Deine Ohren flattern.

Dein Frauchen

Geschrieben am 15. August, 7:10 Uhr

Der Tag verging irgendwie und es wurde wieder Nacht, die schlimmste Nacht in meinem Leben. Jetzt war mir die Tragweite vollkommen bewusst. Ich hatte den ersten Tag ohne Dich irgendwie durchgestanden und ich habe gelitten. Ich habe mich mitten in der Nacht an den Rechner gesetzt und geschrieben. Ich habe Dir alles geschrieben, was mir in diesem Moment durch den Kopf gegangen ist. Alle Bitterkeit und Trauer ist in diesen Brief an Dich geflossen, aber danach ging es mir besser. Ich hatte den Eindruck, dass ich ein kleines Stück von Dir behalten darf. Das war meine Verbindung zu Dir. Ich musste das Unfassbare in Worte bringen, um zu verstehen und um nicht wahnsinnig zu werden. Ich konnte mich auf vieles vorbereiten, aber das traf mich vollkommen unvermittelt. Was hast Du nur mit mir gemacht? Ich, die sonst so beherrscht und tapfer ist, breche hier zusammen, halte mich an Briefen fest, die ich Dir ins Ungewisse schreibe. Das wäre mir vor Dir nie passiert. Jetzt ist aber alles anders. Du hast Dich in mein Herz gestohlen, hast es aufgemacht und jetzt stehe ich hier. Ich habe weiter geschrieben, jeden Abend, manchmal in der Nacht und auch morgens. Ich war noch nicht bereit, Dich auch noch aus meinem Herzen gehen zu lassen. Unsere Zeit war zu kurz und es gab noch so viel, was ich Dir erzählen wollte.

Ich war überwältigt von den Reaktionen. Viele haben Deine Briefe oder besser meine Briefe an Dich gelesen. Viele haben mir Mut zugesprochen, am Telefon mit mir geweint, aber viele haben mich auch ermuntert, Dir weiter zu schreiben. Viele haben mir ihre Geschichte erzählt und mich daran teilhaben lassen. Das hat mich wiederum berührt. Viele haben mir geraten, dass ich weiter schreiben soll, von Dir erzählen und von Dir berichten. Wir hatten alle zu wenig Zeit mit Dir! Ich habe erzählt und erzählt, all die Kleinigkeiten, die Dich ausmachen, alle Gefühle, die mich überrannt haben. Ich war erstaunt, wie viele Menschen ähnliches erlebt haben und in ihrer Trauer geblieben sind. Für Dich, aber auch alle anderen, die ihre Lieben gehen lassen mussten, schreibe ich diese Briefe. Liebe Luna, Dir gehört ein großes Stück in meinem Herzen und ich werde Dich überall mit hin nehmen. Wo ich gehe und stehe, begleitest Du mich. Es gibt kaum einen Ort, an dem ich nicht denke, was Du hier machen würdest. Meistens wahrscheinlich Unsinn, aber wir haben auch viel Zeit in schweigender Einigkeit verbracht. Meine schöne und tapfere Kämpferin, dieses Buch ist für Dich.

Liebe Luna,

es tut mir leid, wenn ich nerve, aber im Moment brauche ich noch diesen Platz, um Dir nah zu sein. Alles was sich tagsüber so richtig anfühlt, ist nachts nur noch ein Haufen Müll. Es tut mir so leid, dass ich nicht mehr für Dich tun konnte. Wenn ich die Augen zu mache, sehe ich Dich vor mir stehen, wie Du den Kopf schief hältst und mich ansiehst. Ich höre Dich fiepen und zweifle an allem, was ich für richtig gehalten habe. Warum, Luna, warum?

Chester hat jetzt Deinen Part übernommen und ist gerade an die Treppe gekommen, als ich runter gekommen bin. Unendlich müde hat er sogar seinen Ball mitgebracht und liegt jetzt vor meinen Füßen. Ich weiß auch nicht, warum er das macht, das war immer Dein Platz. Wie viele Stunden haben wir so verbracht? Du vor meinen Füßen, während ich am PC gesessen habe? Ich habe auf Dich Acht gegeben und Du warst einfach nur da. Hier im Dorf haben viele nach Dir gefragt und alle sind traurig.

Ich weiß, dass ich morgen früh wieder aufstehe und alles wieder ein wenig klarer sehe, aber diese Nacht gehört uns. Ich werde gleich die Socken weiterstricken, die ich in unserer letzten Nacht angefangen habe, obwohl ich sie wahrscheinlich niemals tragen werde, aber irgendwie muss die Nacht ja vorbei gehen. Es tut mir so unendlich leid und ich möchte so gerne wissen, ob es Dir gut geht, aber dieses Geheimnis wirst Du für Dich behalten.

Wir müssen jetzt die ganzen Äpfel essen, die meine Freundin noch für Dich vorbei gebracht hat - sie schmecken scheußlich, aber ich kann sie nicht wegwerfen. Immerhin habe ich eben noch Deine restlichen Tabletten zu unserer Tierärztin gebracht. Die brauchen wir hier nicht mehr und ich musste mich dabei ertappen, dass ich schon eine auseinander gebrochen hatte und in Deinen Napf legen wollte. Der Napf ist nicht mehr da, die Tabletten jetzt auch nicht mehr. Dein halber Maiskolben liegt auch noch angefuttert auf dem Feldweg. Ich hoffe, dass er bis morgen weg ist, weil es mich unendlich viel Kraft kostet, daran vorbei zu gehen. Chester und den anderen geht es gut, die Mädchen haben die Nacht bei ihren Freundinnen verbracht und es sind nur noch wenige Tränen geflossen. Wir haben viel über Dich gesprochen und Du bist noch ganz nah bei uns. Tagsüber schaffe ich das auch, aber heute Nacht bricht es mir das Herz, dass Du nicht da bist. Ich würde alles dafür geben, noch einmal die Ohren abgeleckt zu bekommen. Ich würde Dir liebend gerne noch einmal Maden aus dem Fell waschen, weil Du Dich in schlimmen Sachen gewälzt hast, aber das muss ich jetzt nicht mehr tun.

Ich würde so gerne die Zeit zurück drehen und wieder mit Dir ins Allgäu fahren, da ging es Dir so gut. Ich weiß, dass es da auch nicht besser gewesen wäre. In den letzten Urlaubstagen hast Du schon langsam abgebaut, aber da war es noch so langsam, dass es niemand außer mir gemerkt hat. Außerdem darf ich mitten in der Nacht irrational sein. Ich habe eben noch lange mit der Tierärztin gesprochen und sie hat auch noch einmal gesagt, dass Du keine Chance hattest, alles ging so schnell und Deine Krankheit war so aggressiv, dass es ein Wunder war, dass Du im Urlaub noch einmal so aufgeblüht bist. Unser kleines Urlaubswunder. Ich danke Dir von ganzem Herzen dafür und es tut mir leid, dass ich nicht mit Dir schwimmen war. Ich habe die Bilder gemacht.

So, meine Liebe, ich gehe jetzt stricken und heulen und warte auf den Sonnenaufgang. Auch diese Nacht wird vorbei gehen und morgen sieht die Welt wieder anders aus.

Dein Frauchen

Geschrieben am 16. August, 1:55 Uhr

Ich würde Dir das gerne alles selber erzählen, aber Du bist nicht mehr da. Ich weiß nicht, wo Du jetzt bist, aber nicht mehr hier vor meinen Füßen, wo Du am liebsten gelegen hast. Ich höre nicht mehr Dein Atmen, Dein Schnarchen und Schmatzen, wenn ich etwas schreibe. Ich kann meine Beine ausstrecken und inzwischen auch von Dir erzählen – sogar mit einem glücklichen Lächeln. Du hast uns sehr viel geschenkt und ich habe mich bemüht, Dir etwas zurück zu geben. Ich bin immer noch stolz, dass ich Deinen Weg für eine kurze Zeit begleiten durfte. Dich in unserem Leben zu haben, war eine großartige Erfahrung und ich möchte keinen der 160 Tage mit Dir missen. Aber lass mich von Anfang an erzählen. Es war eine schöne Zeit, voller Höhen und Tiefen, eine Zeit der Hoffnung, Angst und Trauer, aber auch eine Zeit des Lachens und des puren Glücks.

Warum bist Du zu uns gekommen?

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, meine Schöne! Ich kann Deinen Anteil an unserer Geschichte natürlich nur in Bruchstücken nachvollziehen. Du warst immer sehr schweigsam diesbezüglich, aber ich kann unseren Anteil erzählen. Es fing an mit einem kleinen Anruf, von dem Du gar nichts wusstest. Eine Frau von unserem Tierschutzverein hat angerufen und gesagt, dass es eine Hündin gibt, die gut zu uns passen könnte. Sie nannte Deinen Namen und wir erfuhren, dass Du Deine Familie verlassen musst und die Basisdaten: schwarzer Flat-coated Retriever, 8 Jahre, kastriert und ehemalige Rettungshündin. Um Dich und Deine Familie nicht unnötig lange warten zu lassen, haben wir beschlossen, uns schnell zu entscheiden. Wir haben ganze zwei Minuten gebraucht, in der Zwischenzeit kam auch noch Dein Bild per Mail und alle Überlegungen waren vorbei. Du solltest kommen! Eine Nacht haben wir noch darüber geschlafen, aber die Entscheidung war eindeutig und so haben wir einstimmig beschlossen, Dir ein neues Zuhause zu geben. Eine der besten Entscheidungen in unserem Leben – trotz allem, was passiert ist.

Aber wie kam es dazu? Deinen Teil müsstest Du erzählen, bei uns war es ganz einfach. Wir haben schon einen Hund, unseren jungen Schnösel. Der ist mit 11 Wochen auch als Abgabehund zu uns gekommen. Nachdem ich zehn Jahre lang Deinem Herrchen in den Ohren gelegen habe, dass ein