24 Doors to Desire - Tina Keller - E-Book

24 Doors to Desire E-Book

Tina Keller

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Beschreibung

Wichteln war noch nie so heiß Marie liebt ihren Job in einer Berliner Werbeagentur – wäre da nicht dieser unerträgliche Alexander Winter aus dem Hamburger Büro. Arrogant, besserwisserisch und mit einem Sarkasmus, der sie regelmäßig zur Weißglut bringt. Als ein paar Hamburger Kollegen für vier Wochen nach Berlin geschickt werden, steht Marie plötzlich ihrem Erzfeind leibhaftig gegenüber: attraktiv, schlagfertig – und gefährlich reizvoll. Schon bald merkt sie, dass Alexander nicht nur ihre Nerven, sondern auch ihren Körper auf eine Art herausfordert, die sie kaum noch kontrollieren kann. Zu allem Überfluss ruft die Geschäftsführung ein vorweihnachtliches Wichteln aus, bei dem ausgerechnet Alexander ihr Partner ist. Was mit harmlosen Spielchen und peinlichen Büro-Challenges beginnt, verwandelt sich bald in ein Spiel voller knisternder Blicke, zweideutiger Wünsche und erotischer Herausforderungen. Wie lange können Marie und Alex ihre Finger voneinander lassen, wenn jedes Wichtel-Geschenk ihr Verlangen immer weiter anheizt?

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Tina Keller

24 Doors to Desire

Liebesroman

Marie liebt ihren Job in einer Berliner Werbeagentur – wäre da nicht dieser unerträgliche Alexander Winter aus dem Hamburger Büro, der sie regelmäßig zur Weißglut bringt.

Als sie ihrem Erzfeind plötzlich leibhaftig gegenüber steht, ist sie völlig schockiert, denn ihr Körper reagiert äußerst heftig auf ihn.

Alexander bleibt vier Wochen in Berlin und wird zu allem Überfluss Maries weihnachtlicher Wichtel-Partner für alberne Spielchen und peinliche Büro-Challenges.

Zwischen ihnen entsteht eine Hitze, die sie beide kaum noch zähmen können. Alexander kämpft gegen sein wachsendes Verlangen an – und verliert jeden Tag ein bisschen mehr Kontrolle.

Schließlich werden die Wichtel-Wünsche von Tag zu Tag erotischer. Jeder erfüllte Wunsch bringt sie näher an den Moment, in dem sie endgültig die Beherrschung verlieren und ihrem lodernden Verlangen nachgeben.

Ein spritziger Enemies-to-Lovers-Roman mit Charme, Witz und jeder Menge Herzklopfen.

Kapitel 1

Der Tag fing eigentlich so gut an.

Die Sonne schien über den Dächern von Kreuzberg und ein Typ in der U-Bahn hatte mir seinen Platz angeboten, obwohl ich weder alt noch schwanger bin. Ein kleines Wunder in Berlin mit seinen skurrilen, oft bärbeißigen Menschen.

Im Büro war es ruhig und niemand hatte über das neue Zeitmanagement-Tool gemeckert, das keiner benutzen will. Meine Präsentation war fertig und – wie ich fand – ziemlich gut geworden. Dynamisch, überraschend und mit Farben, die knallen und Headlines mit Biss. Ich war bereit für ein dickes Lob.

Aber dann kam die Mail. Natürlich mal wieder von ihm, Alexander Winter.

Betreff: Präsentation – Anmerkungen zur Q3-Kampagne

Guten Morgen Frau Lehmann,

vielen Dank für die Übersendung Ihrer Präsentation. Einige Gedanken dazu:

Folie 3: Die Kernaussage verliert sich in der Farbwahl. Der Kontrast zwischen Text und Hintergrund ist visuell eher herausfordernd. Vielleicht wäre etwas Zurückhaltung eine Überlegung wert.

Folie 5: Das Key Visual wirkt durch die Animation überladen. Weniger wäre hier vermutlich mehr.

Folie 7: Die Tonalität des Headlines ist originell, aber möglicherweise nicht ganz in Einklang mit der Markenstrategie.

Insgesamt ein mutiger Entwurf. Vielleicht wäre ein klassischerer Ansatz für den Kunden zielführender.

Mit freundlichen Grüßen

Alexander Winter

Ich hole tief Luft, während meine gute Laune schlagartig verpufft. Alexander Winter beherrscht die Kunst der passiv-aggressiven E-Mail-Kommunikation wie kein Zweiter.

Ich lehne mich zurück, puste eine Haarsträhne aus meinem Gesicht und denke: Was genau stört diesen nervigen Typen diesmal? Was passt mal wieder nicht in seine Excel-graue Welt?

Sehr geehrter Herr Winter,

vielen Dank für Ihre Rückmeldung.

Folie 3: Zurückhaltung klingt super. Vielleicht probieren wir das mal bei Ihrer nächsten KPI-Folie – weniger Text, mehr Sinn.

Ansonsten: Ja, ich habe eine starke Farbe gewählt. Gelb auf Schwarz. Weil der Kunde laut sein will und es knallen soll.

Folie 5: Die Animation zeigt, wie flexibel das Visual auf verschiedenen Devices funktioniert. Das ist nicht überladen, sondern dynamisch. Der Effekt ist beabsichtigt, um den crossmedialen Anspruch der Kampagne zu unterstreichen.

Zur Tonalität auf Folie 7: Der Kunde wünscht sich eine jugendlichere Ansprache. Ein „klassischerer Ansatz“ wäre in diesem Fall nicht mutig, sondern schlicht am Ziel vorbei. In der Präsentation in München kam der Slide übrigens sehr gut an. Vielleicht sehen Sie ihn sich mal mit Ton an?

Mit besten Grüßen aus Berlin, wo Mut zur Farbe noch erwünscht ist

Marie Lehmann

Ich drücke auf Senden mit der Befriedigung einer Frau, die ein Schwert geworfen hat und genau weiß, dass es trifft. Jana sieht mich schief an.

„Das war wieder Alex im Winter, oder?“

Ich nicke. „Er hat sich über meine Präsentation ausgelassen, der Arsch.“

Jana schüttelt lachend den Kopf.

„Ihr zwei solltet echt einen Podcast starten. Feuer und Eis – die Kreative und der Kontrollfreak.“

Ich verdrehe die Augen.

„Das ist kein Spiel. Das ist Krieg. Und ich verliere grundsätzlich ungern.“

Jana grinst, während sie sich in ihrem Stuhl zurücklehnt und genüsslich an ihrem Cappuccino nippt. Ich bewundere sie dafür, dass sie alles so leicht nimmt. Für mich fühlt sich jede Mail von Alexander Winter wie ein persönlicher Angriff auf meine kreative Ehre an.

Ich bin Marie, 37 Jahre alt, Texterin mit Herzblut und Hang zu sarkastischen Einlagen. Ich arbeite seit drei Jahren bei Funkenschlag, einer mittelgroßen, ziemlich coolen Werbeagentur in Berlin-Kreuzberg. Unser Büro liegt im fünften Stock eines Altbaus mit knarzenden Dielen, einem verwunschenen Innenhof und einer Kaffeemaschine, die aussieht, als könne sie jeden Moment explodieren – aber wenn sie läuft, macht sie verdammt guten Espresso.

Funkenschlag ist keine normale Agentur, sondern eine Mischung aus Ideengebern, Irrenhaus und Espresso-Abhängigkeits-Selbsthilfegruppe. Bei uns herrscht im besten Sinne das kontrollierte Chaos. Brainstormings enden regelmäßig in hitzigen Diskussionen über Wortwitze, Typografie oder die philosophische Frage, ob man Kunden heute noch emotional abholen darf, ohne sich selbst dabei zu verlieren.

Ich bin in diesem Irrenhaus, weil ich schräge, überraschende Ideen liebe, am liebsten mit einem Augenzwinkern.

Und dann gibt es da ihn. Alexander Winter, den wir alle nur Alex im Winter oder Snowman nennen. Er ist Creative Director im Hamburger Büro und der Typ, der Mails in Times New Roman schreibt, weil alles andere seiner Meinung nach „den professionellen Ton untergräbt“ und der vermutlich nachts von Excel-Tabellen träumt.

Wir haben uns – zum Glück – noch nie persönlich getroffen. Alles, was ich von ihm kenne, sind seine gehässig-höflichen Mails, seine stoisch-neutralen Kommentare und die Tatsache, dass er meine Konzepte grundsätzlich „interessant“ findet. Was in der Werbewelt ungefähr so viel bedeutet wie: „Gut gemeint, aber such dir am besten einen anderen Job.“

„Vielleicht steht er auf dich“, sagt Jana, ohne aufzublicken.

Ich reiße den Kopf hoch.

„Was? Hast du am Putzmittel geschnüffelt oder bewusstseinserweiternde Drogen eingeworfen?“

„Weder noch.“ Sie zuckt mit den Schultern. „Aber euer ständiges Aufeinander-rumhacken klingt für mich nach einem heißen Flirt.“

Ich lache trocken.

„Wenn das Flirten ist, dann lebt der Mann vermutlich allein mit seiner Waschmaschine.“

Dabei ist Jana nicht die Erste, die so einen Schwachsinn verbreitet. Als ich neulich mit Lisa in der Kaffeeküche stand, meinte sie:

„Ihr streitet wie ein altes Ehepaar. Fehlt nur noch, dass er dir ein Croissant mitbringt und du es ihm an den Kopf wirfst.“

„Das ist schwerlich möglich, da er in Hamburg weilt. Zum Glück. Nicht auszudenken, wenn er bei uns in Berlin wäre. Ich würde sofort kündigen.“

„Dann streitet ihr eben wie ein altes Ehepaar, das in zwei verschiedenen Städten wohnt und sich per E-Mail fetzt“, ließ Lisa sich nicht beirren.

Ich schüttele den Gedanken ab. Alexander Winter ist überhaupt nicht mein Typ. Ich mag Menschen, die lachen, spontan sind und beim Brainstorming auf den Tisch klopfen, wenn ihnen eine gute Idee kommt. Ich mag Herz, Chaos, Leben.

Snowman ist das Gegenteil davon. Er ist Ordnung, Struktur, Perfektion und damit absolut langweilig.

Ich rutsche näher an den Bildschirm, öffne die Präsentation erneut – und ändere demonstrativ gar nichts. Ich finde sie nämlich perfekt und von Snowman lasse ich mir überhaupt nichts sagen.

Da ploppt eine weitere Mail auf.

Betreff: Verstärkung aus Hamburg im Dezember

Hallo zusammen,

wie ihr sicher schon geahnt habt: Funkenschlag schläft nicht – und manchmal zieht es auch Kollegen aus dem hohen Norden zu uns nach Berlin.

Vom 1. bis 24. Dezember bekommen wir tatkräftige Unterstützung aus dem Hamburger Büro. Ein paar Kollegen packen ihre Siebensachen, tauschen Franzbrötchen gegen Schrippen und ziehen für gute drei Wochen ins Berliner Office.

Grund dafür ist ein großes Projekt, das hier vor Ort volle Aufmerksamkeit braucht und das wir gemeinsam rocken wollen.

Mit dabei sind:

Alexander Winter (ja, genau DER Winter, der auch im Sommer nie auftaut),

Sophie Krüger (Design – bringt frischen Wind in unsere Farbpaletten),

Jonas Feldmann (Strategie – behauptet, Excel könne Spaß machen),

Leonie Bergmann (Social Media – kann Memes schneller basteln als der Drucker „Papierstau“ sagt).

Wir haben die Kollegen bereits vorgewarnt, dass in Berlin Kaffee nur schwarz getrunken wird, unsere Heizung manchmal eigene Pläne hat und die Kreativität lauter ist als der Drucker.

Freut euch also auf frischen Input, neue Gesichter in der Kaffeeküche und ein bisschen „Hamburg-Style“ in Kreuzberg. Vielleicht bringen sie uns sogar bei, wie man richtig „Moin“ sagt, ohne dass es klingt, als hätte man gerade einen Keks verschluckt.

Wir heißen die Kollegen herzlich willkommen – und wie immer gilt: Zeigt ihnen, warum Berlin das bessere Büro hat (natürlich nur ganz objektiv betrachtet).

Auf einen funkelnden Dezember und ein starkes Projekt, Mark & Ben.

Ich starre auf die Rundmail und lese die Namen noch einmal. An einem bleibt mein Blick lange hängen.

Alexander Winter. Perfekt. Genau das, was mir im Dezember noch gefehlt hat: noch mehr Winter. Als ob es nicht schon kalt genug wäre.

„Na toll“, murmele ich und lehne mich in meinem Stuhl zurück.

Fast vier Wochen Snowman im Berliner Büro. Vier Wochen bissige Kommentare, live und in Stereo. Ich öffne meinen Kalender, als könnte ich darin irgendwo ein Schlupfloch finden. Vielleicht einen spontanen, dreiwöchigen Kreativ-Workshop auf den Malediven? Leider nein. Stattdessen Berlin, Winter und Winter.

Ich atme tief durch. Okay. So schlimm wird es schon nicht werden. Schließlich sind wir Profis. Und Profis können auch mit Schneestürmen umgehen.

Kapitel 2

Zwei Wochen später sitzen wir im Konferenzraum und warten gespannt auf die Ankunft unserer neuen Kollegen aus Hamburg. Als sich die Tür öffnet, drehe ich meinen Kopf erwartungsvoll nach rechts. Ich weiß gar nicht, wie Alexander Winter überhaupt aussieht. Er ist noch nicht lange in der Agentur und bisher gibt es kein Bild von ihm auf unserer Website. Wahrscheinlich ist er ein unattraktiver Typ mit einem verkniffenen Gesicht. Das würde zu seinen gehässigen Mails passen.

„So, ihr Lieben“, beginnt Mark, der zusammen mit Ben die Agentur leitet.

„Ihr wisst es ja alle schon: Wir haben für Dezember hochkarätige Verstärkung aus Hamburg bei uns in Berlin. Ein großes Projekt braucht viele Hände, viele Köpfe und auch mal frischen Wind. Ich freue mich sehr, dass wir unsere hochgeschätzten Kollegen bei uns begrüßen dürfen.“

Er dreht sich nach links.

„Das ist Sophie Krüger aus dem Design. Sophie wird mit unserem Kreativteam zusammenarbeiten und dafür sorgen, dass es noch ein bisschen bunter und aufregender wird.“

Sophie winkt freundlich und strahlt mit ihren blauen Haaren und einem knallroten Pullover, als wolle sie beweisen, dass sie das Wort „bunt“ erfunden hat.

„Dann haben wir Jonas Feldmann aus der Strategie. Jonas bringt jede Menge Erfahrung mit, vor allem, wenn es um Markenarchitektur und KPIs geht.“

Jonas hebt die Hand und lächelt verschmitzt.

„Keine Sorge, ich rede nicht nur in Abkürzungen.“

„Und das ist Leonie Bergmann, Social Media. Wenn ihr also plötzlich in TikTok-Trends auftaucht, war das wahrscheinlich Leonie. Und schließlich Alexander Winter, unser Creative Director, der die Koordination mit dem Kunden auf strategischer Ebene begleiten wird.“

Ich starre ihn an. Und starre weiter.

Alexander Winter ist mitnichten der steife Bürohengst, den ich mir aus seinen Mails zusammen gebaut habe. Er ist nicht der blasse Schneemann, den ich „Snowman“ getauft hatte. Sondern – verdammt!

Er ist groß, dunkelhaarig und richtig gut durchtrainiert. Er hat ein Gesicht, das man eher in einer Kampagne für Herrendüfte vermuten würde: markante Wangenknochen, einen sinnlichen Mund und unfassbar blaue Augen. Dazu ein Lächeln, das ausgesprochen charmant wirkt und einen Blick, der die Temperatur im Raum drastisch erhöht.

Ich schlucke. Das kann nicht sein. Das ist er?

Er nickt in die Runde.

„Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit euch und darauf, die nächsten Wochen in Berlin zu verbringen.“

Seine Stimme ist tief, warm und null frostig. Mir läuft ein wohliger Schauer den Rücken hinunter.

Jana stupst mich in die Seite.

„Sag mal, hast du gerade die Fähigkeit verloren zu atmen?“

„Ich … äh … nein.“

„Doch. Du sabberst.“

„Mache ich nicht.“

„Doch, tust du. Wie alle anderen Frauen. Snowman sieht ziemlich heiß aus.“

Ich rolle mit den Augen und kann meinen Blick nicht von ihm abwenden. Er ist heiß. Mega heiß sogar. Verflucht. Jana hat recht.

Mark beendet seine Rede:

„Also, seid ausnahmsweise mal nett und zeigt unseren Gästen, wie Berlin tickt. Wir rocken dieses Projekt zusammen. Hamburg und Berlin, eine Agentur, ein Team.“

Es gibt Applaus, die Leute lachen und jemand ruft:

„Willkommen in Kreuzberg. Der Ton hier ist hart, aber herzlich.“

Die Hamburger verteilen sich im Raum, greifen nach den aufgetischten Häppchen und stoßen mit Sekt an. Ich bleibe wie angewurzelt sitzen. Mein Bild von Alexander Winter bricht in sich zusammen wie ein schlecht gemachtes PowerPoint-Diagramm.

Als er langsam auf mich zukommt, bemühe ich mich, gelassen zu wirken. In mir tobt ein Chaos aus „Verdammt, er ist attraktiv“ und „Oh nein, das ist mein Erzfeind“.

Er streckt mir die Hand entgegen. Ich blicke in seine unglaublichen Augen und vergesse vorübergehend meinen Namen.

„Sie sind bestimmt Marie“, sagt Alexander so sanft und beinahe zärtlich, dass sich mir sämtliche Nackenhaare aufstellen. „Marie Lehmann.“

Seit wann hat er eigentlich so eine erotische Stimme? Am Telefon klang sie irgendwie ganz anders.

„Sehr richtig.“ Meine Stimme ist auf einmal ganz kratzig. „So heiße ich.“

Gut, dass mir mein Name eingefallen ist.

Oh Mann. Snowman ist eindeutig zu Hotman aufgestiegen!

„Schön, Sie endlich persönlich kennenzulernen.“

Seine Hand ist warm, sein Händedruck fest, sein Lächeln viel zu gewinnend. Ich bringe nur ein „Ebenso“ heraus und hoffe, dass ich nicht rot werde.

Wir lösen den Handschlag, und ich suche verzweifelt nach meiner Stimme.

„Also … willkommen in Berlin. Hoffentlich haben Sie einen warmen Mantel eingepackt. Der Winter hier ist …“

Ich halte inne und grinse schief.

„Na ja, Ihr Revier, nehme ich an.“

Er lacht. Es ist ein tiefes, unkompliziertes Lachen, das ich aus seinen Mails so überhaupt nicht herauslesen konnte. Ich blinzele irritiert. Er kann also wirklich lachen.

„Ich freue mich jedenfalls auf die Zusammenarbeit“, sagt er, und sein Blick bleibt einen Moment länger bei mir hängen, als es unbedingt nötig wäre.

„Ihre Präsentation zur Q3-Kampagne habe ich übrigens sehr geschätzt. Auch wenn ich ein paar Anmerkungen hatte.“

„Ein paar?“ Ich ziehe eine Augenbraue hoch. „Das war eher ein halber Roman.“

Er verzieht den Mund zu einem schiefen Grinsen. „Vielleicht neige ich manchmal zur Ausführlichkeit.“

„Ganz bestimmt“, murmele ich, mehr zu mir selbst, aber er scheint es gehört zu haben.

Seine Augen blitzen amüsiert.

„Dann verspreche ich, mich künftig kürzer zu fassen – zumindest in Mails. Im Gespräch bin ich eigentlich ganz erträglich.“

Ich will eine spitze Antwort geben, aber sie bleibt irgendwo in meinem Hals stecken.

Mark klatscht in die Hände.

„Also, Leute, wo wir schon mal so nett beisammen sind, können wir uns gleich dem Moonlight Projekt widmen. Wir brauchen eine klare Richtung. Storyline, Tonalität, Visuals – alles muss rund werden. Marie, fängst du an?“

Ich nicke und klicke meine Folien an, das Herzstück meiner Arbeit. Die Headline knallt, die Visuals sind mutig, genau das, was die Marke braucht. Ich sehe, wie Sophie anerkennend nickt. Perfekt.

Bis er den Mund aufmacht.

„Das Visual ist stark, aber die Farbwahl könnte den Fokus verzerren. Wir verlieren damit die eigentliche Botschaft.“

Ich atme tief ein.

„Im Gegenteil. Die Farbe verstärkt die Botschaft. Genau das ist doch der Punkt.“

Er legt den Kopf leicht schräg.

„Oder sie schreckt ab.“

„Oder sie bleibt hängen.“

„Oder sie wirkt aufgesetzt.“

„Oder sie sorgt dafür, dass der Kunde endlich mal auffällt.“

Stille im Raum. Alle blicken abwechselnd zwischen uns hin und her, wie beim Tennis. Sophie kaut an ihrem Stift. Jonas tut so, als würde er Notizen machen, grinst aber. Mark hebt beschwichtigend die Hände.

„Okay, okay. Beides sind valide Punkte. Vielleicht kombinieren wir…“

„Kombinieren?“, rufen Alexander und ich synchron. Ich funkele ihn an.

„Das Visual lebt von Mut. Halbmut gibt’s nicht.“

Er hält meinem Blick stand.

„Mut ist gut. Aber ohne Balance wird es nur Chaos.“

Sein Ton ist ruhig, aber bestimmt – und genau das macht mich wahnsinnig. Ich will, dass er lauter wird, dass er die Kontrolle verliert. Aber nein, er bleibt cool, Snowman eben.

„Vielleicht können wir beide Varianten vorbereiten und schauen, wie sie im Testlauf performen“, schlägt Herr Winter vor.

Ich verschränke die Arme.

„Und wenn meine gewinnt, schreiben Sie in Ihrer nächsten Mail ‚Sie hatten recht‘. Mit Smiley.“

Ein Lachen geht durch den Raum. Alexander hebt eine Augenbraue und sein Mundwinkel zuckt.

„Abgemacht. Und wenn meine gewinnt?“

Ich neige den Kopf und tue so, als überlege ich.

„Dann bringe ich Ihnen morgen ein belegtes Brötchen mit.“

Jetzt lacht er wirklich. Ein tiefes, warmes Lachen, das mich kurz aus dem Konzept bringt.

„Okay“, seufzt Mark halb amüsiert und halb genervt. „Es gibt also zwei Varianten. Und ihr beide merkt euch mal, dass ihr das nächste Mal weniger Showkampf und mehr Teamwork abliefert.“

Ben schüttelt den Kopf.

„Das ist doch alles Quatsch. Wir brauchen keine zwei Varianten. Alex hat recht – die Farbe ist zu grell. Wir nehmen die gedecktere Version.“

Mein Kopf fährt hoch. „Wie bitte?“

Ben nickt. „Wir wollen den Kunden überzeugen, nicht erschrecken. Balance, wie Alex sagt. Das passt besser.“

Es dauert einen Moment, bis ich begreife, was Ben da wirklich gesagt hat. Mein Herz rutscht mir in den Magen. Ich starre auf die Folie und mein knalliges Gelb, das plötzlich aussieht, als hätte ich eine Warnweste in die Präsentation geschmuggelt.

Und dann sehe ich Alexander, wie er gelassen in seinem Stuhl sitzt, die Arme verschränkt und mit einem triumphierenden Grinsen im Gesicht. Ich könnte schreien.

„Also … das war mein Vorschlag“, sage ich scharf, „und ich finde es extrem schade, dass…“

Ben hebt die Hand.

„Marie, wir wissen, dass deine Arbeit stark ist. Aber wir müssen eine Linie finden. Und ich vertraue da auf Alex’ Einschätzung.“

Bumm. Was für eine Ohrfeige.

Im Raum wird es still. Sophie kaut nervös an ihrem Müsliriegel, Leonie verschickt wahrscheinlich schon Memes mit brennenden Feuer-Emojis und Jonas tut, als wäre er plötzlich todmüde.

Ich presse die Lippen aufeinander und zwinge mich zu einem Nicken.

„Balance klingt super.“

Innerlich koche ich. Ich will aufspringen und Ben zurufen, dass Mut Balance schlägt, doch stattdessen bleibe ich sitzen. Ich weiß, wenn ich jetzt noch ein Wort sage, rutscht es ins Persönliche.

Alexander sieht mich an. Seine Augen sind viel zu blau, und in ihnen liegt dieses winzige Funkeln, das mich wahnsinnig macht.

Jana lehnt sich zu mir und flüstert:

„Nicht ausrasten. Denk an deinen Blutdruck.“

„Ich raste nicht aus“, zische ich zurück. „Ich entwickle nur gerade eine Mordkampagne.“

Kaum ist die Tür des Konferenzraums hinter uns ins Schloss gefallen, marschiere ich los.

„Herr Winter.“ Meine Stimme klingt schärfer, als ich beabsichtigt hatte. Er bleibt stehen und dreht sich langsam um.

„Frau Lehmann?“

Dieses ruhige Lächeln treibt mich auf die allerhöchste Palme.

„Fühlen Sie sich eigentlich gut dabei, jede meiner Ideen in Grund und Boden zu stampfen?“

Ich stemme die Hände in die Hüften.

Er grinst blöde. „Ich stampfe nichts in Grund und Boden. Ich gebe lediglich mein Feedback dazu.“

„Feedback?“ Ich lache trocken. „Das war gerade eine öffentliche Hinrichtung.“

Er zieht eine Augenbraue hoch.

„Wenn Sie so empfindlich reagieren, war vielleicht das Visual nicht das Einzige, das zu grell war.“

Mir stockt kurz der Atem. Was für ein dreister, unverschämter Kerl.

„Sie genießen das, oder?“, fahre ich ihn an.

„Was?“, stellt er sich dumm.

„Mich vor allen bloßzustellen.“

Er neigt leicht den Kopf und mustert mich.

„Nein. Ich genieße gute Diskussionen. Und ich genieße es, wenn am Ende das beste Konzept gewinnt.“

„Ach was. Und zufällig ist das immer Ihres?“

„Nicht zufällig.“

Für einen Moment ist es still. Es gibt nur unsere Blicke, verhakt wie zwei Klingen, die sich aneinander reiben. Mein Herz hämmert.

„Sie wissen schon, dass Sie nicht ewig der Schneekönig bleiben werden. Irgendwann schmilzt auch Ihr Winter.“

Sein Mundwinkel zuckt.

„Vielleicht. Aber bis dahin ziehen Sie sich lieber warm an.“

Ich beiße mir auf die Lippe, weil mir nichts Schlagfertiges mehr einfällt. Nichts! Er dreht sich um und geht den Flur so verdammt souverän entlang, dass ich ihm am liebsten meine Kaffeetasse nachwerfen würde.

Kapitel 3

Am nächsten Tag trommelt Ben erneut alle zusammen. Die Stimmung ist schon halb weihnachtlich – Lichterketten flackern, jemand hat Zimtsterne mitgebracht und wir trinken Glühwein.

Ben klatscht in die Hände.

„So, Leute. Dezember heißt nicht nur Deadline-Marathon, sondern auch ein bisschen Spaß. Deshalb haben wir uns etwas Besonderes überlegt.“

Ich halte inne und ahne sofort: nichts Gutes.

„Wir machen dieses Jahr ein Funkenschlag-Adventsspiel“, fährt Ben munter fort.

„Eine Art Wichteln, aber in dynamischerer Form. Wir nennen es ‚Adventsbuddies‘.“

Die Kollegen schauen Ben interessiert an. Ich nicht. Ich wittere Unheil.

„Und so läuft es: Jeder bekommt einen Buddy zugelost. Anstatt 24 Türen zu öffnen, gibt es 24 Wünsche. Jeden Tag darf sich abwechselnd einer von dem anderen einen Gefallen wünschen. Das kann etwas Nettes sein, etwas Lustiges oder eine kleine Challenge. Hauptsache, es bleibt im Rahmen des Machbaren. Am Ende des Monats haben wir alle 24 Geschichten erlebt und hoffentlich viel Spaß dabei gehabt.“

Es folgt Gelächter und Gemurmel.

„Also darf ich mir wünschen, dass jemand meine Excel-Tabellen farblich sortiert?“, ruft Jonas mit glänzenden Augen.

„Exakt“, grinst Ben. „Oder dass jemand dir einen Chia-Karamell-Kaffee bringt.“

„Au ja“, ruft Leonie begeistert. „Ich hätte gern einen Flat White mit Hafermilch, extra heiß, aber nur mit einem halben Shot Espresso und einem Hauch Zimt – aber nur linksrum eingerührt.“

Alle lachen.

„Und ich einen Cappuccino, aber den Milchschaum in Herzform.“

„Cold Brew mit Tonicsplash, Rosmarinzweig und Orangenzeste.“

„Latte Macchiato, aber nur mit Schokopulver in Sternform oben drauf. Advents-Special.“

„Ein Espresso Martini – ach nein, ist ja noch Vormittag …“

Die Funkenschlag-Kaffeespezialisten übertreffen sich gegenseitig. Ben hebt die Hand.

„Okay, okay. Folks. Ihr könnt auch bestimmen, dass euer Kollege für euch ein Lied singt. Eurer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt – na ja, fast keine.“

Alle nicken, kichern und tuscheln. Ben zieht eine Box mit Zetteln hervor.

„Okay, die Auslosung beginnt.“

Ein Raunen geht durch den Raum. Jeder zieht ein Kärtchen. Jana hält den Atem an und bricht in Gelächter aus.

„Ich habe Sophie. Das ist super.“

Leonie quietscht, weil sie Jonas gezogen hat.

Und dann bin ich dran. Ich ziehe mein Kärtchen und falte es auseinander

Bitte nicht. Bitte nicht. Bitte nicht. Oh nein!

Da steht es schwarz auf weiß: Alexander Winter.

Mir fällt fast der Zettel aus der Hand.

„Nein“, entfährt es mir laut. Alle Köpfe drehen sich zu mir um.

„Was ‚nein‘?“, fragt Ben unschuldig.

„Das muss ein Fehler sein“, stammele ich und halte den Zettel hoch, als könnte man die Buchstaben irgendwie umtauschen. Alexander tritt näher und grinst. Tosendes Gelächter brandet auf.

„Ohhh, wie süß“, ruft Leonie.

„Perfektes Match“, jubelt Jonas.

Jana klatscht wie eine Irre in die Hände.

„Das Universum hat Humor.“

Ich will im Boden versinken. Alexander wirft mir einen Blick zu, der gleichzeitig belustigt und neugierig wirkt.

---ENDE DER LESEPROBE---