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Lieber Erdling, Spaß und Mathematik in einem Satz?! Das ruft bei vielen Bewohnern Deines Planeten einen Lachkrampf oder verständnisloses Kopfschütteln hervor. Das kann ich total verstehen. Langweiliges Rechnen und Auswendiglernen von Formeln … brrr! Da läuft auch mir ein Schauder über den Rücken. Ich weiß wirklich nicht, warum man so viel Zeit darauf verwendet, jungen Erdlingen die Welt der Mathematik so gruselig wie nur möglich zu beschreiben, wo es doch so viele faszinierende Dinge zu entdecken gibt. Lass mich meine Faszination mit Dir teilen. Und über Deine Lippen wird ein Satz kommen, den Du nie für möglich gehalten hättest: Mathe macht Spaß! Deine 3,7 In knapp 20 kurzen persönlichen Briefen erzählt 3,7 spannende Dinge aus der Welt der Mathematik. Geeignet für junge Menschen ab ca. 4. Klasse, aber auch für Erwachsene, die endlich die Angst vor Mathematik verlieren möchten.
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Seitenzahl: 76
Veröffentlichungsjahr: 2020
Raymond Hemmecke
3,7
Briefe aus einer anderen Welt
© 2020 Raymond Hemmecke
Umschlag, Illustration: Carina Hemmecke
Verlag und Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-7323-6635-4
Hardcover:
978-3-7323-6636-1
e-Book:
978-3-7323-6637-8
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DAS UNGLAUBLICHE HOTEL
Lieber Erdling,
Du wunderst Dich bestimmt, dass Du heute von mir Post bekommst, stimmt’s?! Nun, dann erzähle ich Dir vielleicht besser mal ein wenig von mir. Ich heiße 3,7 und ich lebe mit meinem kleinen Flugdrachen Rudi in einer fernen, fernen Welt namens Pirk, in der sehr vieles anders ist als in Deiner. Was zum Beispiel? Puh! Es gibt so vieles, wo fange ich also an? Gut, hier auf Pirk gibt es zum Beispiel keine Uhren. Naja, zumindest keine Uhren, wie Du sie kennst. Hier gibt es nämlich gar keine Zeit, die man messen könnte. Das geht nicht?! Doch, doch! Auch wenn Du Dir das nicht so leicht vorstellen kannst. Ich habe also gar kein Alter! Weder bin ich ungefähr so alt wie Du, noch wie Deine Eltern, Deine Großeltern oder sonst irgendwer, den Du kennst. Zeit spielt hier keine Rolle. Das ist schon anders als bei Dir, oder?!
Ich lebe mit unendlich vielen anderen Pirks hier auf Pirk. Was sagst Du?! Das geht auch nicht, weil es ja gar nicht soviel Platz gibt? Doch, doch, das geht! Selbst für Dich würden wir hier noch Platz finden! Pirk ist nämlich unendlich groß. Und das ist eine echt coole Sache!
Hier auf Pirk gibt es sogar ein Hotel, das hat unendlich viele Zimmer. Stell Dir das mal vor! Das ist gigantisch. Da gibt es ein Zimmer mit der Nummer 1, ein Zimmer mit der Nummer 2, mit der 3 und so weiter. Wenn man ganz weit den Gang entlangläuft, kommt auch ein Zimmer mit der Nummer 314159265 und noch mit viel größeren Nummern. Es hört einfach nicht auf.
So ein Hotel mit unendlich vielen Zimmern, das ist etwas total Tolles! Einmal gab es hier ein großes Fest und alle Zimmer waren schon mit Gästen belegt. Wirklich alle! Und plötzlich kam noch jemand, der ebenfalls ein Zimmer brauchte. Puh. Was nun? Der konnte ja kaum draußen schlafen. Was denkst Du, was passiert ist? Der freundliche Hotel-Manager Hilbert sagte nur lächelnd: „Kein Problem. Natürlich habe ich noch ein freies Zimmer für Sie!“ Häh? Wo soll das denn bitte sein? Alle Zimmer sind doch voll. Aber genau das ist das Tolle an der Unendlichkeit! Da ist so manches anders. Und so hat es funktioniert:
Der Hotel-Manager bat den Gast aus Zimmer 1, ins Zimmer 2 umzuziehen. Den Gast aus Zimmer 2 bat er, ins Zimmer 3 umzuziehen und so weiter. Jeder Gast sollte in das Zimmer gehen, dessen Nummer um 1 größer war als seine bisherige Zimmernummer. So hatte jeder Gast jetzt ein neues Zimmer. Durch diesen kleinen Trick war aber das Zimmer 1 frei geworden und so konnte sich der unerwartete Gast ebenfalls auf ein gemütliches Bett freuen.
Was?! Du bist der Meinung, das funktioniert gar nicht, weil der Gast aus dem letzten Zimmer gar kein neues Zimmer bekommen hat?! Doch, doch! In dem unendlich großen Hotel gibt es nämlich gar kein letztes Zimmer! Es geht immer weiter. Die Zimmerreihe hört einfach nicht auf. Und hinter jedem Zimmer kommt noch eins! Und das hat wieder eine um 1 größere Zimmernummer. Und dahinter kommt noch ein Zimmer. Und so weiter. Unendlich fort.
Sowas funktioniert natürlich nur in dem Hotel hier auf Pirk. Da, wo Du wohnst, haben die Hotels keine unendlich vielen Zimmer. Wenn da das Hotel voll ist, ist es voll. Dann kann der neue Gast schauen, wo er schlafen wird. In diesem Hotel sicherlich nicht.
Nach dem einen unerwarteten Gast kamen hier auf Pirk dann noch ein paar kleinere Gruppen mit 4, 20 und 117 Gästen. Aber immer wieder bat der Hotel-Manager die Gäste, in ein Zimmer mit einer höheren Nummer umzuziehen und schon waren genügend viele Zimmer für die neuen Gäste frei. (Es ist schon gut, dass es hier keine Zeit gibt, die man durch diese ständige Umzieherei verplempern würde.) Alle Zimmerwünsche ließen sich also recht leicht erfüllen.
Aber dann kam plötzlich ein Reisebus mit unendlich vielen Leuten, die noch ein Zimmer zum Schlafen wünschten. Puh! Jetzt war guter Rat teuer. Aber unglaublich! Der Hotel-Manager Hilbert lächelte nur und sagte: „Herzlich Willkommen in unserem schönen Hotel! Ich werde Ihre Zimmer vorbereiten.“ Und so ging er zu seinen Gästen und bat den Gast im Zimmer 1, ins Zimmer 2 zu ziehen, der Gast aus Zimmer 2 sollte ins Zimmer 4, der aus Zimmer 3 ins Zimmer 6 und so weiter. Jeder Gast sollte in das Zimmer mit der Nummer ziehen, die genau doppelt so groß war wie seine bisherige Zimmernummer. Das war vielleicht ein Durcheinander, sag ich Dir! Aber dann waren alle bisherigen Gäste in ihren neuen Zimmern mit den Nummern 2, 4, 6, 8, 10, 12, … untergekommen und die Zimmer mit den Nummern 1, 3, 5, 7, 9, 11, 13, … waren frei für die unendlich vielen neuen Gäste, die diese Zimmer nacheinander belegten. Der Erste ging in das Zimmer mit der Nummer 1, der Nächste in das mit der 3, der Nächste in das mit der 5 und so weiter. Jeder neue Gast ging in ein Zimmer, dessen Nummer um genau 2 größer war als das, was sein Mitreisender vor ihm gerade bezogen hatte. Und so hat doch tatsächlich jeder der unendlich vielen neuen Gäste ein Zimmer zum Schlafen gefunden!
Jetzt habe ich so viel vom Unendlichen erzählt, dass auch ich unendlich müde geworden bin. Rudi ist schon längst neben mir ins Land der Träume entschwunden. Na dann: Gute Nacht für heute!
Deine 3,7
GANZ GROß
Lieber Erdling,
na, wie geht es Dir? Hattest Du heute schon etwas Spaß? Rudi und ich hatten vorhin definitiv ganz viel Spaß! Wir haben eine gaaanz lange Reihe von Dominosteinen aufgebaut. Jeweils einen dicht nach dem anderen. Diese Reihe war nicht nur gaaanz lang, sie war sogar unendlich lang! Und auf jeden Dominostein haben wir eine Zahl geschrieben. Auf den ersten eine 1, auf den zweiten eine 2, auf den dritten eine 3 und so weiter. Jeder Stein bekam die Zahl, die um 1 größer war als die auf dem Stein davor. Und dann hat Rudi den Stein mit der Zahl 1 umgeworfen und es machte klack, klack, klack, … Das war ein Gaudi! Nach und nach fielen alle unendlich vielen Dominosteine um! Einer nach dem anderen. Das musst Du unbedingt mal probieren. Das macht Spaß!
Was?! Du kannst Dir etwas unendlich Großes einfach nicht vorstellen? Nicht so schlimm! Das kann wohl kaum jemand wirklich. Aber es gibt einen kleinen Trick, mit dem man sein Gehirn hereinlegen kann und dann zumindest das Gefühl hat, man würde sich gerade etwas unendlich Großes vorstellen: ein Ding ist unendlich groß, wenn es jede beliebige Grenze durchbricht, so groß Du sie auch festlegen magst. Lass uns das mal an unseren Beispielen anschauen:
Die Reihe von Dominosteinen geht immer weiter, hört einfach nicht auf und die Zahlen auf den Dominosteinen werden immer größer. Selbst wenn Du in gaaanz weiter Ferne in Gedanken einen Zaun aufbaust und sagst, dass es da über die Zahl
70000000000000000000000
nicht weitergeht, wird in unserer Reihe irgendwann auch der Dominostein mit der Zahl
70000000000000000000001
umfallen und Deine gedachte Zaungrenze durchbrechen. Diese Domino-Reihe hört einfach nicht auf! Sie ist unendlich lang und wenn ich an ihr entlang schaue, erinnert mich das immer an meinen letzten Urlaub am Meer. Das Meer geht bis zum Horizont und sicherlich dahinter noch weiter. Ich kann aber kein Ende sehen. Genau wie bei meiner Dominoreihe. Egal, wie gut meine Augen sind und wie weit ich schauen kann.
Wie jetzt?! Du weißt nicht, wie man die Zahl 70000000000000000000000 liest? Das hattest Du noch gar nicht in der Schule?! Seufz. Das ist aber gar nicht so schlimm. Zwar gibt es eine Regel, wie man beliebig (!) große Zahlen lesen kann, aber im normalen Leben braucht das eigentlich niemand. Dich interessiert das aber trotzdem?! Du bist ziemlich neugierig heute, weißt Du das?! Na gut, ich denke, Du weißt sicher, wie man 1, 10 und 100 liest, oder?! 1000 liest man als „Tausend“ beziehungsweise genauer als „Eintausend“. Damit kannst Du jetzt sicher auch Zahlen wie 2345 vorlesen, oder?!
Zweitausend.dreihundertfünfundvierzig
Ich habe mal einen Punkt gesetzt, um Dir das Lesen zu vereinfachen. Solche Punkte sind auch bei langen Zahlen als Lesehilfe ganz praktisch, um nicht durcheinander zu kommen. Und zwar macht man da von hinten alle drei Ziffern einen Punkt. Zum Beispiel 123.456. Das sind also
Einhundertdreiundzwanzigtausend.vierhundersechsundfünfzig
Puh! Was für ein langes Wort, was?!
So, und wie geht es weiter? Im Deutschen sieht es folgendermaßen aus:
1.000.000
Million
1.000.000.000
Milliarde
1.000.000.000.000
Billion
1.000.000.000.000.000
Billiarde
1.000.000.000.000.000.000
Trillion
1.000.000.000.000.000.000.000
Trilliarde
1.000.000.000.000.000.000.000.000
Quadrillion
1.000.000.000.000.000.000.000.000.000
Quadrilliarde
1.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000
Quintillion
1.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000
Quintilliarde
Und so geht es weiter mit Hilfe von lateinischen Zahlwörtern vor -illion und -illiarde.
