3He - Bernd Stass - E-Book

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Bernd Stass

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Beschreibung

2030 wird für die Menschheit die Zeit des Umbruches, gegen die dunklen Machenschaften einer uralten Organisation. Die sieht ihre Zeit gekommen, wieder die Geschicke der Menschheit zu lenken. Die Weltpräsidentschaftswahlen werden durch diese Ereignisse überschattet und werden zur ersten Bewährungsprobe. Das auf dem Mond geförderte Helium3 ist der Grundstoff für Kernfusion. Sie soll die Menschheit in ein neues Zeitalter katapultieren. Nur durch einen glücklichen Zufall wird klar, was hinter den Kulissen seit langer Zeit geschieht. Oberst Stark mit seinem Team und die Geheimdienste der Erde, haben den Kampf gegen den geheimnisvollen Feind aufgenommen. Sie versuchen verzweifelt nicht den Anschluss zu verlieren, denn der Feind ist ihnen immer ein Schritt voraus. Unterschiedliche Brennpunkte, von der Tiefsee bis zum Mond, verwickeln die Kontrahenten in ein Katz und Maus Spiel um diese wertvolle Resscource. Unter der Führung eines geheimnisumwitterten Mannes profitiert die Bruderschaft von ihren Manipulationen und dem technologischen Vorsprung. Attentäter und Saboteure setzen hochmoderne Geräte ein, um Ihr Ziel zu erreichen. Durchdrungen von Verrätern und Intriganten ist nicht immer klar, wer ist Freund oder Feind. Die Frage, ob wir allein im Universum sind, wird durch eine aufsehend erregende Entdeckung in neue Bahnen gelenkt. Wird die Menschheit für immer verändert? Bedeutet es Anfang oder Ende einer neuen Zeitrechnung?

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Seitenzahl: 505

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Bernd Stass

3He

Helium3: Das neue Zeitalter beginnt

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Prolog

Vollzugshaftanstalt Sahara Süd

Berlin Tempelhof

Erdorbit

Orbitalstation ASS

Mondbasis Alpha

Bergbaugesellschaft Roskomos I (Mond)

Geheime Mondbasis "Gloriam" des Energieordens

Erde

Mondbasis Alpha – Das Team

Attentat

Mondbasis Alpha - Krankenstation

Denzcov

Fluchthelfer

Kontakt

Hauptquartier der Landesverteidigung

Silencer

Jagdfieber

Senator Laskey

Der Auftrag

Der Anschlag

Mond Mine

Gegenschlag

Recherche

Jacomura

Mond Mine - Zugriff

Tage vorher im Mondgraben

Zitadelle

Steckbrief

Intrigen

Atomkraftwerk San Juan

Monderkundung

Festgesetzt

Suche

Angriff

Wahlkampf

Planung

Verstärkung

Aufgespürt

Wende

Flucht

Monddämmerung

Fragen

Schlammschlacht

Zweifel

Verloren

Explosiv

Kooperation

Helium 3

Endspiel

Normalität

Wahlabend

Neubeginn

Countdown

Vorbereitungen

Entführt

Ergebnisse

Aussichten

Impressum neobooks

Prolog

Mallzoni schaute jetzt schon das dritte Mal innerhalb von zwei Minuten auf seinen Chronometer. Date 17.03.2025, Time 22:28 Uhr war abzulesen. Die Zeit schien stillzustehen. Das Zeitintervall der Sicherheitstür änderte den Code genau um 22:30 Uhr. Nur in dem Augenblick der Änderung konnte er seine manipulierte Code Card einsetzen. Er hoffte seine Auftraggeber hatten gute Arbeit geleistet, denn er brauchte diesen Job. In Gedanken ging er noch mal die Informationen durch, die ihm bekannt waren.

Ich konnte dieses Angebot einfach nicht ablehnen. Bei der gebotenen Summe für den Auftrag würde jeder schwach werden. Die Informationen meiner Auftraggeber waren sehr detailliert und umfangreich gewesen, also kennen sich die Leute damit auch aus. Bei der Verschmelzung von Helium3 mit Deuterium entstehen keine Neutronen, sondern Protonen und damit geladene Teilchen. Da sich diese nicht senkrecht zum Magnetfeld bewegen, können sie den Kern der Anlage auch nicht schädigen. Somit bin ich hier relativ sicher. Weiß der Teufel was meine Auftraggeber mit den Proben wollen, die ich entnehmen soll. Vielleicht will ja eine Konkurrenzfirma in dieser Richtung Forschen und braucht noch mehr Informationen. Helium3 ist eben sehr selten! Für welchen Zweck die Proben schlussendlich dienen sollen, ist mir aber egal. Hauptsache die Kasse stimmt. Mit dieser kleinen Aktion bin ich alle meine Sorgen los und kann meine Spielschulden begleichen.Wird schon gut gehen!

Er ahnte nicht, dass er nur Mittel zum Zweck war.

Es war so weit und er zog seine Karte schnell durch den Schlitz der Verriegelung. "Klog", das Geräusch bedeutete, dass die Karte akzeptiert war. Er schwitzte in seiner Ausrüstung und seine Gesichtsmaske war schon feucht vor Angstschweiß. Langsam öffnete er die schwere Tür und schob sich schnell durch die Öffnung, bevor sie sich automatisch schloss. Er war seinem Ziel nahe. Hier war er heiß. Das Rumoren und Singen des Generators war erheblich lauter als vor der dicken Sicherheitstür. Da er Energieplasma Techniker hier im ersten lauffähigen Fusionskraftwerk der Welt „Cadarache“ war, kannte er die Einrichtung nur zu gut. Es war auch seine Eintrittskarte für den gut bezahlten Auftrag gewesen. Um diese Uhrzeit allerdings, außerhalb seiner Schicht, war er noch nie hier gewesen. Die menschenleere Anlage mit der grünen Nachtbeleuchtung wirkte jetzt gespenstisch. Überall blinkten farbige Kontrollleuchten. Sie vermittelten den Eindruck, inmitten eines Computers zu sein.

Vorsichtig schlich er den langen Rundgang entlang, der sich um den Kern der Anlage zog. Den Injektor seiner Auftraggeber hielt er so fest umklammert, dass seine Knöchel weiß hervortraten. Damit sollte er die Helium3 Proben aus der Brennkammer entnehmen. Es beschlich ihn ein ungutes Gefühl. Das ist alles viel zu einfach, hier einzudringen. Entweder war es die gute Vorarbeit meiner neuen Freunde oder es ist hier etwas faul. Er hatte den Gedanken noch nicht einmal zu Ende gedacht, als er einen brennenden Schmerz zwischen seinen Schulterblättern spürte. Wie vom Blitz getroffen brach er zusammen. Bevor sein Kopf auf den Boden aufschlug, hatte er schon das Bewusstsein verloren. Er konnte nicht mehr den huschenden Schatten wahrnehmen, der lautlos verwandt. Ebenso wie die Personen die ihn wenig später verarzteten.

Vollzugshaftanstalt Sahara Süd

Nachdem 2019 endgültig alle Haftanstalten der Erde hoffnungslos überfüllt waren, mussten die Staaten sich auf neue Maßnahmen für den Strafvollzug besinnen. Kein Staat der Erde konnte die finanzielle Last für die Verbrechensbekämpfung noch alleine tragen. Viele Gesetze wurden geändert, um die Probleme in den Griff zu bekommen. In vielen Staaten wurde die Todesstrafe wieder eingeführt, um bei bewiesenen Gewaltverbrechen und Terrorismus die Gefängnisse zu entlasten. Obwohl viele Institutionen einschließlich der Kirche heftig protestierten, wurden die Maßnahmen durchgesetzt.

Es wurden mehrere Ideen erwogen, wie zum Beispiel eine Anstalt im ewigen Eis. Die Klimaerwärmung der Welt, die viel schneller voranschritt, als alle Wissenschaftler je vorhergesagt hatten, machte auch diesen Vorschlag zunichte. Des Weiteren war eine Strafkolonie auf dem Mond im Gespräch, was aber noch teurer würde als die konventionellen Strafanstalten. Man einigte sich darauf, eine Hochsicherheitsanstalt in der Sahara zu bauen, die inzwischen unbewohnbar geworden war. Das war eine praktikablere Lösung, da die Transportkosten für die Gefangenen weniger Kosten verursachte. Die hermetisch verschlossenen Transportgleiter für die Gefangenen konnten von jedem normalen Flughafen Sahara Süd anfliegen. Die Beduinen die Jahrtausende lang hier gelebt hatten, siedelten freiwillig um. Die Tagestemperaturen beliefen sich nicht selten auf einhundert Grad Celsius und der Sand glühte.

Somit wurde in einem Beschluss der UN von 2019 eine weltweit anerkannte Hochsicherheitsanlage für die schlimmsten Verbrecher der Gegenwart eingerichtet. „SAHARA Süd“. Hier wurden die Strafgefangenen nicht durch Mauern und Zäune festgehalten. Die Anlage befand sich viele Hundert Meter tief unter dem ewigen Sand der Sahara. Ein Entkommen war also aussichtslos. Jeder Ausbrecher wäre binnen kurzer Zeit draußen verbrannt. Zusätzlich gab es natürlich noch eine große Anzahl von unsichtbaren Sensoren und Kontrollen.

Alle nannten ihn nur Trilian. Er hatte selbst schon in den Jahren die er hier lebte, seinen Vornamen vergessen. Er war ein perverser Gewaltverbrecher, der seine Strafe hier in dem Backofen, wahrlich verdient hatte. Alle Sträflinge wussten, dass er ein labiler Typ war, der für eine Synitizigarette alles tat. Einer der Wärter hatte ihm vor längerer Zeit ein verlockendes Angebot gemacht. Er sollte Informationen über den Gefangenen Mallzoni sammeln. Dafür wurde er laufend mit der Rauchware versorgt. Es war bis jetzt ein guter Deal gewesen. Sein Wärter wollte ihn heute wieder besuchen, um die neuesten Informationen zu erfahren.

Seine heutigen Informationen hatten es in sich. Als Zellengenosse von Mallzoni, hatte er es nicht schwer, seinem Opfer immer nahe zu sein. Trilian hatte im Laufe der Zeit ein richtiges Vertrauensverhältnis zu Mallzoni aufgebaut, er mochte ihn regelrecht. Mallzoni wusste das auch, aber er wollte nicht mehr, als eine Art Freundschaft zuzulassen. Endlich konnte er seinem Auftraggeber nützliche Informationen liefern. Vielleicht konnte er auch noch etwas mehr heraushandeln? Sie trafen sich, wie immer, an einem Treppenaufgang der für Notfälle freigehalten werden musste. Der Wärter hatte es mal wieder ermöglicht, das Trilian ungesehen hier her gelangen konnte. Wie er das bewerkstelligte, wusste er nicht und es war ihm auch egal. Er wollte nur seinen Lohn und diesmal vielleicht sogar etwas mehr.

»Trilian hast du etwas Neues für mich?« Er wedelte mit der Hand, in der sich ein Päckchen der Rauchware befand.

Trilian’s Blick wurde gierig. »Ja, klar und diesmal wirst du überrascht sein. Ich habe wirklich tolle Informationen für dich.«

»So, dann spucke es mal aus.« Die Stimme des Wärters klang so barsch, das Trilian zusammenzuckte.

»Mallzoni hat letzte Nacht im Traum gesprochen. Der war es gar nicht und ich glaube der weiß es selbst nicht, Hi, Hi.« Er schien es lustig zu finden, wenn einer nicht mehr wusste, was er getan hatte.

»Was soll das heißen? Aus deinem Gefasel werde ich nicht schlau!« Der Wärter hatte einen lauernden Ausdruck in den Augen und übergab Trilian das Päckchen. Der riss es ungeduldig auf, fingerte eine Synitizigarette heraus und deutete auf den Wärter.

»Hast du Feuer?«

»Ja, aber nicht hier. Die Wärmesensoren würden das sofort registrieren und Alarm schlagen. Komm mit.« Er öffnete die Tür mit seinem Sensorschlüssel zum Aufgang ins Treppenhaus.

»Bis oben ist es von hier aus nicht weit, stimmt’s?« fragte Trilian.

»Genau,« brummte der Wärter der vor Trilian herging. Er gab ihm jetzt sein Feuer. Tief zog Trilian den Rauch ein. »Komm nur auf keine dummen Gedanken Junge, du, weißt ja ...,« er strich mit einer Bewegung über seinen Elektroschocker.

»Ja, ja, schon klar. Mann tut das gut. Schon lange her, dass ich eine geraucht habe.«

»Weiter erzähl mir mehr.«

»Also Mallzoni, der Trottel, hat seine Gerichtsverhandlung scheinbar gar nicht bewusst mitbekommen, der war anscheinend down. Ich konnte nicht alles aus seinem Gemurmel verstehen. Aber der konnte sich nur an Bruchstücke erinnern. Ich weiß aber noch mehr. Wie wäre es, wenn du mir ein bisschen mehr gibst als sonst.«

»Was willst du denn?« Der Wärter hatte ein listiges Funkeln in den Augen.

»Mann, wenn du mich so fragst. Ich würde gerne die Oberfläche einmal wieder sehen.«

»... und abhauen?«

»Nein ich bin doch nicht blöde. Ich weiß, dass ich das nicht überlebe, da draußen.«

»Also gut, komm, dann will ich aber den Rest hören, verstanden.« Sie stiegen das Treppenhaus hinauf das höher war, als es erst den Anschein hatte. »Also, erzähl weiter. «

»Das da vorn, ist das die Außentür?«

»Ja, das ist sie und jetzt erzähl endlich! Ich habe schon genug Zeit mit dir vertrödelt.«

»Ja, ist ja gut. Also dieser Mallzoni hat scheinbar nach seinem Attentat eine Gehirnwäsche bekommen. Dadurch hat er seinen Prozess nicht mitbekommen und die Schuld auf sich genommen. So verstehe ich das, was er so im Traum gemurmelt hat. Das ist schwer, einen Zellengenossen auszuhorchen, ohne dass der etwas merkt, das kannst du mir glauben.« Er bekräftigte seine Äußerung mit heftigem Kopfnicken.

»Weiter!«

»Was weiter, das war’s!«

»Und dafür sind wir hier hinaufgestiegen? Keine weiteren Informationen mehr?«

»Nein, morgen vielleicht wieder.«

»Ich glaube du spinnst. Gut, wenn wir schon hier hinaufgestiegen sind, sollst du auch etwas davon haben. «

»Wirklich, super Mann.« Trilian bemerkte vor lauter Begeisterung nicht, das sein Wärter am Rande seiner Beherrschung war. Er öffnete die Außentür. Eine sengende Hitze erfüllte sofort den Vorraum des Treppenhauses.

»Wow,« entfuhr es Trilian. Geblendet hielt er die Hand über die Augen. »So habe ich mir das nicht vorgestellt.«

»Oh, du wirst noch mehr sehen.« Mit einem sarkastischen Lachen griff der Wächter den schmächtigen Trilian und riss ihn von den Beinen. Er stieß ihn mit kräftigem Schwung aus der Tür, mitten in den glühend heißen Sand der Sahara. »Na, gefällt die das, frische Luft hier draußen, was?«

Trilian schrie vor Schmerzen, als er auf den heißen Sand prallte. Sofort entwickelten sich an seinen Füßen, Brandblasen.

»Mir ist doch noch was eingefallen,« schrie er verzweifelt.

»Ja? Gut, das kannst du mir ja nächstes Mal erzählen.« Mit einem dumpfen Schlag zog der Wärter die Außentür wieder zu. Danach verriegelte er sie ordnungsgemäß. Ordnung muss sein! Die klagenden Schreie seines Informanten verstummten schon nach kurzer Zeit.

Laslo Mallzoni zerrte mal wieder an seinem Halsband, das er so sehr hasste. Er wusste, dass es nicht zu öffnen war und diejenigen, die es versucht hatten, bezahlten mit Ihrem Leben dafür. Dieses Halsband, der Zwinger wie ihn die Häftlinge nannten, hatte es in sich. Damit ließ sich jeder Gefangene genau orten, und falls er aus dem Erfassungsbereich der Gefängnisanlage geriet, paralysierte der Zwinger seinen Träger sofort. Wenn dann nicht innerhalb von fünfzehn Minuten von der Wachmannschaft der Gegencode am Halsband eingegeben wurde, tat die zweite Stufe des Halsbandes das Übrige. Dem Träger wurde eine Giftinjektion verabreicht, dann gab es keine Rettung mehr. Mittels des Zwingers waren auch krampfartige Schmerzen seitens der Wachmannschaft zuzufügen. Aus Sicherheitsgründen hieß es. Es wurden regelrechte Wetten von den Wachen abgeschlossen, welcher Gefangene die meisten Schmerzen aushalten konnte.

»He, Laslo,« der Ruf riss ihn aus seinen Gedanken.

»Nenn mich nicht so, du Penner! Nur meine Freunde dürfen mich beim Vornamen nennen! Kapiert!« Erwiderte er.

»Uhh, ist seine Majestät heute nicht gut drauf. Hat man von deinem Tellerchen gegessen?«

»Halt die Klappe, was willst du?«

»Hast du das schon von Trilian gehört? Die haben ihn gefunden.«

»Dachte ich mir schon,« brummte Mallzoni zu seinem neuen Zellengenossen. »Er wollte nicht mehr!«

Bouldier der ewig plappernde Franzose hob die Augenbraue. »Was? Etwa leben? Mondjeu. Warum hast du ihn nicht davon abgehalten? Abhauen ist doch nicht die Lösung.«

»Warum sollte ich?«

»Na ja, du warst doch ungefähr vier Jahre mit ihm zusammen.«

»Fünf, fünf Jahre und wir waren nicht verheiratet. Er war nur mein Zellengenosse! Er hat es so gewollt! Im Übrigen war er krank! Er wollte nicht dahinsiechen wie viele anderen und ich will jetzt darüber nicht mehr reden! Verstanden? «

Beklemmendes Schweigen, nur das ewige Rumoren der Fusionsgeneratoren, tief im Felsen verankert, summten ihr tödliches Lied.

Bouldier begann unruhig auf dem unbequemen, verschraubten Metallstuhl hin und her zu rutschen. »Du hältst nicht viel von Freunden, was?« Gespannt wartete er auf eine Antwort. »He Mister Mallzoni, ist es wahr was man so über dich erzählt?«

Mallzoni schaute auf. Seine grasgrünen Augen durchbohrten Bouldier. »Was erzählt man sich denn so?«

Bouldier leckte sich nervös über die Lippen. Er bereute es schon wieder, ein Gespräch mit seinem neuen Zellengenossen begonnen zu haben. Mallzoni war ihm nicht geheuer. »Dass du ein Energieverbrecher bist und einhundert Leute auf dem Gewissen hast? Keiner versteht, wie du aus der Todeszelle wieder herauskamst. Da muss dir einer da oben aber noch einen großen Gefallen schuldig gewesen sein.«

»So ungefähr. Aber es war ein Unfall.« Sagte er leise und schlug die Augen nieder.

»Mondjeu, wenn ich es nicht besser wüsste, könnte ich dir die Gefühlsduselei direkt abnehmen,« ulkte Bouldier.

Bevor er den Satz noch richtig beenden konnte, sah er einen spitz zu geschliffenen Metallstift einen Zentimeter von seinem Auge entfernt in der Hand von Laslo. Es ging so blitzschnell das Er kaum atmen konnte.

»Hör zu Mann,« zischte Laslo, »es war ein Unfall, wie ich es dir sagte!«

»Ja, es war ein Unfall, natürlich, ist klar.« Stotterte Bouldier kreidebleich. Er zitterte am ganzen Körper vor Angst und Schrecken.

Langsam zog Laslo seine Hand zurück, der Metallstift war verschwunden. Das Zellenterminal gab einen durchdringen Ton von sich.

»Mallzoni, sofort ins Verwaltungsbüro kommen. Der Chef will dich sehen! Sofort!«

»Glück gehabt Franzmann, wir sind noch nicht fertig,« raunte Laslo ihm beim Verlassen der Zelle zu.

Unsichtbare Augen verfolgten seinen vorbestimmten Weg und alle Sicherheitssperren öffneten sich automatisch, wenn sein Zwinger in die Reichweite der Sensoren kam. An den Metallwänden erschien jedes Mal ein eingeblendeter Pfeil für die Richtung, in die er gehen musste um sein Ziel, das Büro des Chefs, zu erreichen. Laslo hatte im Laufe der Jahre viele Pläne geschmiedet und wieder verworfen, um hier wegzukommen. Es war aussichtslos von hier zu fliehen. Dieses Gefängnis war wirklich ausbruchssicher. Die Türen des Turbolifts öffneten sich.

»Treten Sie ein und legen Sie die Handflächen auf die dafür vorgesehenen Felder.« Hörte er die Stimme einer künstlichen Intelligenz. »Gefangener Mallzoni, ID 34321, Zugang gewährt, behalten Sie die Handflächen auf den Sensoren, sonst wird der Lift angehalten und mit Betäubungsgas geflutet!«

Blah, blah, blah. Das kenne ich schon alles. Es war nicht das erste Mal, das er diesen Weg nahm. 400 Meter weiter oben, nahmen ihn zwei bewaffnete, uniformierte der Wachgarde in Empfang. Sie begleiteten ihn zum Büro des Chefs.

Der Chef war momentan Chris Fletcher, Colonel der britischen Armee. Im fünfjährigen Rhythmus wurde die Gefängnisverwaltung von allen beteiligten Staaten übernommen. Er saß hinter einem gewaltigen Schreibtisch mit allerlei elektronischen Spielereien.

»Wie geht es ihnen, Laslo?« Kam die rein rhetorische Frage gepresst über seine Lippen.

»Nennen Sie mich nicht beim Vornamen Sir, das dürfen nur meine Freunde.«

Unbeeindruckt fuhr Fletcher fort. »Laslo, sie haben Freunde? Ach, ja ich vergaß, sie müssen bedeutende Freunde haben. Sonst wären sie schon damals hingerichtet worden.« Ein säuerliches Lächeln umzog die Mundwinkel des Colonels. »Wenn es nach mir gegangen wäre ... aber lassen wir das. Sie haben jetzt fünf Jahre und drei Monate hier eingesessen und damit gerade einmal ein Fünftel Ihrer Strafe bis zu einem Wiederaufnahmeverfahren abgesessen. Ich weiß nicht wo Ihre Freunde sitzen, aber ich habe hier eine offizielle Verfügung des Justizministeriums der UN, das Sie sofort zur Mondbasis Alpha überführt werden sollen. Mir war nicht bekannt, dass dort oben auch eine Haftanstalt ist.« Fragend blickte er zu Mallzoni hinüber der regungslos zwischen den Wachen stand. Der Colonel rechnete auch nicht mit einer Antwort.

Verdammt, was wollen Die von mir? Ich bin doch schon zu lange aus dem Spiel. Auf der Strafbank! Fletcher fuhr fort.

»Sie hatten 2025 einen Unfall des Fusionskraftwerkes in Cadarache provoziert, bei dem 123 Menschen ihr Leben verloren. Nur weil Sie an das verdammte Helium3 heran wollten. Ihr Pech, das es zu diesem Unfall kam und die Innenwandung des Generators dadurch schmolz. Ein Neffe von mir war auch unter den Toten.« Fletcher war jetzt sichtlich aufgebracht. »Am liebsten würde ich Sie auf der Stelle erschießen. Glauben Sie mir das Laslo? Glauben sie das?« Der Colonel war nahe daran seine Fassung zu verlieren und seine Hand kam in bedrohliche Nähe seiner Dienstwaffe, die er im Halfter trug.

»Sir, der Gleiter ist gerade gelandet,« meldete sich einer der Gardisten und entspannte so die Situation. »Er wird in 30 Minuten abflugbereit sein.«

»Danke« entfuhr es dem Colonel. Er hatte sich wieder im Griff, aber es war ihm anzusehen, dass er sich sichtlich schwer tat. »Hinaus mit dem Abschaum!« Wies er die Wachen an. Kümmern Sie sich um die Formalitäten und erstatten Sie mir Bericht, sobald alles erledigt ist.

»Jawohl Sir,« antwortete der angesprochene Gardist. »Los Mallzoni!« Ein harter Stoß traf seinen Rücken, um das Gesagte des Gardisten zu unterstreichen.

»Mann, so sauer hab ich den "Alten" noch nie gesehen,« flüsterte er zu seinem Kameraden. Der nickte nur. »Ich glaube wenn der Transporter nicht in dem Augenblick gekommen wäre hätte der ihn umgepustet.«

Die Gardisten unterhielten sich, als wenn Laslo gar nicht anwesend wäre und drängten ihn durch den Gang. Das störte ihn aber momentan überhaupt nicht. Er fragte sich, was das alles zu bedeuten hatte.

Der Gleiter stand im unterirdischen Hangar des Gefängniskomplexes. Gut geschützt vor Sand und unerträglicher Hitze. Die Wartungsmannschaft hatte das Fluggerät überprüft und die Sicherheitseinrichtungen auf ihren speziellen "Gast" kalibriert. Die Personenzelle war durch einen Energievorhang und ein Schott, strikt von der Pilotenkanzel getrennt. Es konnte aber mittels magnetischen Andockklammern, vom Gleiter getrennt werden. Diese Art Gleiter konnten nur in der Erdatmosphäre fliegen. Sie hatten nur die Aufgabe, Gefangene von der Strafanstalt zum Raumhafen, oder einem anderen Ziel zu transportieren. Die Personenzelle war fensterlos und besaß nur einen Sitzplatz mit Kopfhalterung, Hand- und Fußfesseln. Hier wurde dann dem Gefangenen vor dem Start des Gleiters der Zwinger abgenommen. Der Gefangene blieb aber trotzdem noch auf dem Sitz unter Kontrolle der zuständigen Transportmannschaft.

Es war so weit. Nachdem Mallzoni sicher auf seinem Sitz durch die Gardisten verstaut war und das Transportdisplay an die Piloten übergeben worden war, sprach ihn der Kopilot an.

»Gefangener Laslo Mallzoni. Sie werden jetzt laut der Verfügung, Nummer 21103, von uns zum Raumhafen Kairo transportiert. Ich wünsche uns einen störungsfreien Flug!« Ein sarkastisches Lächeln stahl sich auf seine Lippen. »Es ist allerdings auch schon vorgekommen, dass sich die Transportklammern aus unerfindlichen Gründen auf 60.000 Fuß Höhe gelöst haben. Technische Defekte könnten, was ich nicht für Sie hoffe, vorkommen.«

Regungslos nahm Laslo das Gesagte zur Kenntnis und dachte, hoffentlich sind die nicht bestochen worden. Die Sicherheitsverschlüsse schnappten ein, nachdem der Kopilot die Personenzelle verließ und seinen Platz in der Pilotenkanzel einnahm. Nur ein dämmriges Licht erhellte jetzt noch seinen Sitz. Ein leises Zittern ging durch die Personenzelle, als die Treibwerke des Gleiters zündeten. Die Piloten kontrollierten über die Kameras, ob es dem Gefangenen noch gut ging. Nach einem kurzen Andruck änderte sich das Geräusch zu einem hellen Singen. Der Gleiter war auf dem Weg.

Was die Piloten sahen, war immer wieder fantastisch. Der Gleiter schob sich durch die irisartigen Hangar Tore und gewann schnell an Höhe. Die sandgeschwängerte, flirrende Luftschicht über der Wüste wich schnell einem azurblauen Himmel.

»Wie ein Korken aus der Flasche, jedes Mal wieder ein Vergnügen,« sagte der Pilot zu seinem Kollegen. Der nickte nur schweigend. Er war in Gedanken bei dem Gefangenen und hoffte, dass alles reibungslos klappte.

»... und die Transportklammer halten!«

Beide lachten über Ihren eigenen Witz. Der Flug war nur von kurzer Dauer. Der Gleiter stieg schnell auf 58.000 Fuß Höhe und glitt in einem flachen Sinkflug Richtung Nordost, auf den Raumhafen Kairo zu. Beim Landeanflug waren aus dieser Höhe gut die Pyramiden von Gizeh zu sehen. Ein Anblick, für den manche Menschen viel Geld bezahlen würden. Aber Mallzoni bekam von alledem nichts mit. Hier in Kairo waren die Temperaturen trotz Klimaerwärmung noch erträglich. Der Tower gab die Landerlaubnis für den Security Bereich. Nachdem der Gleiter gelandet und gesichert war, wurde die Personenzelle auf den Orbital Shuttle verankert. Keiner der Transportmannschaften durfte die Personenzelle öffnen, bis das vorgesehene Ziel erreicht wurde, das war Vorschrift.

Nachdem Mallzoni mit der gleichen Prozedur von der Gleiter Mannschaft an die Orbital Shuttlepiloten übergeben worden war, bekam der Shuttle Starterlaubnis. Laslo nutzte die Zeit, um sich über einige Dinge klar zu werden. Dies hatte er in den vergangenen fünf Jahren nicht gekonnt oder bewusst verdrängt.

Der Gefängnispsychologe meinte damals, dass eine posttraumatische Blockade seines Gedächtnisses vorlag.

Auch wenn er in seiner Kabine nichts sah, war ihm klar, was um ihn herum geschah.

Der Orbital Shuttle A-012 war eine Weiterentwicklung des X-33. Das von der damaligen NASA konzipierte Wasserstoff- Sauerstoff-Triebwerk wurde im Jahr 2019 von Miniatur Fusionsantrieben auf Helium3 und Deuterium Basis ersetzt.

Die Probleme der Abschirmung waren inzwischen gelöst. Neue Entwicklungen von Werkstoffen in der Schwerelosigkeit machten dies erst möglich. Der Litiummantel, auch Blanket genannt, der die ringförmige Plasmakammer umschloss, wurde stark verbessert. Auch das Strukturmaterial und die supraleitende Spule wurden durch neue Materialien ersetzt.

Ihre großen Brüder auf der Erde verbrauchten bis auf wenige neue Versuchs-Fusionskraftwerke mit riesigen Leistungen, wie der "Nippon One" und der "Swiss Generator" noch Deuterium und Tritium als Brennstoff. Das erste Fusions-Kraftwerk in Cadarache wurde ja nach offiziellen Aussagen durch Sabotage 2025 zerstört. Wobei die Täter scheinbar nie gefasst worden waren. Der Anschlag wurde einer militanten Terrorgruppe im Nahen Osten zugeordnet. Es gab zu diesem Zeitpunkt immer noch Nachahmer der legendären Al-Kai-da Terrorgruppe, die nicht mehr existierte.

Bei diesem Gedanken musste er innerlich grinsen, denn er wusste es inzwischen besser! Vertuschen, das konnten SIE zu gut! Und er, Laslo Giuseppe Mallzoni, war als "dummer Junge" damals auf SIE hereingefallen!

Jeder Mensch hat seinen Preis. Sein Preis war hoch gewesen. Den Preis, den er bezahlen musste, war aber zu hoch gewesen. Er war wahrscheinlich der Letzte, der noch genau wusste, was sich 2025 genau abgespielt hatte. Holte man ihn deswegen jetzt raus? Bestimmt nicht um ihn zu bemitleiden oder zu bezahlen. Nein, es musste etwas anderes sein! Entweder hatte sich die Situation grundlegend geändert oder man wollte ihn beseitigen.

Trotz gut klimatisierter Kabine bekam er bei dem Gedanken einen Schweißausbruch. Er musste auf eine Gelegenheit warten, um abzuhauen und unterzutauchen. In den letzten Jahren war ein solcher Gedanke an Flucht aussichtslos, aber jetzt. Seine Chancen stiegen! Er wollte sein noch verbleibendes Leben ab jetzt wieder selbst in die Hand nehmen. Der Orbital Shuttle A-012 verließ die Stratosphäre und erreichte den erdnahen Weltraum.

Berlin Tempelhof

Es war Nacht über der nördlichen Halbkugel. Ein fast sternenklarer Himmel. Nur in der Ferne schob sich eine bedrohlich wirkende schneeweiße Wolkenbank über den Horizont. Feine Ausläufer, wie Schleier wirkend, rahmten den heraufziehenden Vollmond ein. Der Raumhafen von Berlin war direkt an den Flughafen von Berlin Tempelhof angebaut worden. Eine Erweiterung des bestehenden großen Komplexes erhob den deutschen Raumhafen jetzt zum viertgrößten der Welt.

Edward Irving stand am Rande des Flugfeldes vor Hangar 7 und rauchte eine nikotinfreie Syntizigarre. Im Ohr hatte er den Minilautsprecher seines Multicom. Allerdings hörte er nicht die ankommenden geheimen Informationen ab, sondern er hörte gute, alte Popmusik der achtziger Jahre. Mit dieser Musik wuchs er auf und hatte sich bis heute, diese Liebhaberei bewahrt. Auf diese Musik hatte er als Jugendlicher getanzt und geliebt. Gerade kam ein seiner Lieblingssongs aus der Tonkonserve, "you don`t fool me" von Queen, als der Multicom auf die abhörsichere Prioritätsfrequenz umschaltete.

»General Irving, die A-012 ist planmäßig gestartet und die zuständige Abteilung wurde informiert.«

Der Song wurde wieder eingeblendet. Irving gab sich ein paar Minuten des Luxus hin, diese Musik zu genießen. Sein Blick schweifte hoch zum jetzt voll strahlenden Vollmond. Die Nachtluft war lau und doch fröstelte er bei dem Gedanken an den Trabanten. Der Mond. Er soll uns zu einer besseren Zukunft verhelfen? Viele Menschen mussten bereits sterben, um die weit gestreckten Ziele zu erreichen. Wir arbeiten so lange daran und sind schon auf der Zielgeraden!

Die letzten Takte waren verklungen, die Zigarre aufgeraucht und der Multicom meldete sich auch schon wieder. Die Luxusminute war vorüber. Zackig drehte er sich um und schritt schnellen Schrittes auf den Hangar zu. Dort er wurde bereits erwartet. Das Areal um Hangar 7 war ein Sicherheitsbereich des amerikanischen Geheimdienstes, zu dem nur wenige Personen Zutritt hatten. General Irving gehörte dazu. Als einer der ranghöchsten Offiziere hatte er alle Vollmachten und Sicherheitsstufen die ihm alle Einsichten in jegliche Geheimunterlagen gestatteten.

Zu welcher Gruppe von Geheimdienst dieser Bereich gehörte, wusste hier mit Sicherheit nur einer, General Irving. Dass dieser geheimnisumwitterte Mann ein unkalkulierbarer Machtfaktor war, sah man ihm auf den ersten Blick, nicht an. Seine Verbindungen reichten weit, sehr weit. Weiter als manchem Staatsmann lieb gewesen wäre.

Der Hangar 7 sah wie die anderen Gebäude von außen ziemlich unspektakulär aus. Die Sensoren in der Außenhülle des Hangars waren nicht zu sehen. Sie sondierten aber jede Person im Umkreis von 100 Metern. Als Irving die kleine Seitentür des Hangars erreichte, öffnete diese sich automatisch für einen kurzen Moment. Irving trat ein. Auch innen unterschied sich der Hangar nicht wesentlich zu den anderen, bis auf eine Kleinigkeit. Irving durchschritt den großen Raum, bis er in der Ecke hinter einem Stapel von Kisten mit undefinierbarem Inhalt stehen blieb. Es sah aus als schaute er auf seinen Chronometer, der eine Vielzahl an Funktionen aufwies. Er tippte auf der kleinen Tastatur einen Code ein und schon änderte sich seine Umgebung. Das Lichtbrechungsfeld wurde abgeschaltet. Vor ihm erschien eine Lifttür die vorher nicht zu sehen gewesen war. Ein zweiter Eingabecode und sie gingen auf. Im Inneren hatte man den Eindruck man befand sich in einer anderen Welt. Chromartig spiegelte er sich in der Kabine.

Du siehst eigentlich noch ganz gut aus für dein Alter. Er fuhr sich mit der Hand durch seine kurz geschnittenen, grauen Haare. Der Lift überwand in der Zwischenzeit einen Höhenunterschied von guten 200 Metern. Unten angekommen öffneten sich die Lifttüren geräuschlos. Zwei Wachposten salutierten, als der General den Lift verließ. Nach einem langen Gang und mehreren Sicherheitssperren betrat er die Zentrale. Ein Dutzend anwesender Offiziere und Zivilbedienstete verschiedenster Dienstränge und Staatenzugehörigkeiten salutierten.

»Weitermachen!« Seine dunkle Stimme war auch im letzten Winkel der Zentrale noch gut zu hören. Eine Offizierin eilte auf ihn zu.

»Major Monique Evens Sir. Sie werden von den Herren im Konferenzraum inzwischen erwartet.«

Wortlos betrat er den Raum. Der Konferenzraum hatte ein gediegenes Ambiente. Hier wurde an nichts gespart. Auf den dunklen Ledersesseln saßen etwa zehn Personen die ihn erwartungsvoll anblickten.

»Meine Damen und Herren.« Er ging zu dem in der Wand eingelassenen Podium und postierte sich hinter dem Rednerpult. »Ich möchte keine langen Reden schwingen. Sie sind mit der jetzigen Situation wohl vertraut. Nur ein paar kurze Informationen, die sich Ihrer Kenntnis bisher entzogen haben dürften. Wie Sie alle wissen.«

Es folgten detaillierte Anweisungen an die Anwesenden Bereichsleiter der verschiedensten Sektionen.

»... und damit wären wir auch schon am Ende des offiziellen Briefings, noch Fragen? Übrigens, Oberst Müller hat noch etwas für Sie vorbereitet. Sozusagen einen Almanach unserer bisherigen Aktivitäten. Ich denke unsere jährliche Motivationsstunde wird ihnen allen gut tun! Besonders unseren neuen Mitgliedern. Oberst, wie hieß es früher so schön? Film ab!«

Irving verließ den Tagungsraum lächelnd und suchte in seiner Brusttasche den Multicom.

Der Film war eher eine Dokumentation der ungewöhnlichen Art. Diese Chronologie konnte aus einem Roman stammen.

"Non nobis Domine, non nobis, sed nomini tuo da gloriam!" "Nicht uns, o Herr, nicht uns, sondern Deinem Namen gib Ehre!"

Der Vorspann blendete aus und der Moderator wurde eingeblendet, General Irving. Sein Abbild lächelte gewinnend. »Ich möchte ihnen erst einmal die Fakten unserer Organisation ins Gedächtnis rufen.

Unser Geheimbund hat eine sehr lange Tradition und er war es, der die Geschichte der Menschen zeichnete. Es begann schon im Jahre 1118. Als Hugo von Payens mit seinen Getreuen den Ritterorden gründete. Damals fingen wir an, die Geschicke der Menschheit in die richtigen Bahnen zu lenken. Nachdem wir 1129 von Papst Honorius II als Orden anerkannt wurden, entstanden unsere 72 Ordensregeln für die Kriegsmönche. 1131 machten wir aber einen großen Fehler. Als wir das angebotene Land von König Alfons I von Aragon ablehnten. 1139 erhielten wir dann von Papst Innozenz II vollkommene Autonomie. 1291 verloren wir dann in der Schlacht bei Akkon viele unserer geliebten Brüder, aber unsere Bankgeschäfte wuchsen weiter. Da wir 1304 König Philipp IV die Ehrenmitgliedschaft verweigerten, startete er 1307 eine große Strafaktion gegen uns. Das hatte so weit reichende Folgen, das unser Orden 1312 von Papst Clemens V aufgehoben wurde und unser Vermögen an die Johanniter verteilt wurde. Unser letzter Großmeister verfluchte noch im Jahr 1314 auf dem Scheiterhaufen den König und den Papst. Aber wir geben NIE auf. 1319 schafften wir als Ritter Christi in ganz Europa einen Neuanfang. Berühmte Persönlichkeiten gehörten zu uns. Vasco da Gama, König Heinrich und Christoph Kolumbus. 1398 begann dann Bruder Saint-Claire die Vereinigten Staaten zu erobern. Wir waren im Laufe der Jahrhunderte auf fast jedem Teil unserer geliebten Erde tätig.

Bei der Formulierung der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung haben wir auch durch unsere Brüder, George Washington, Thomas Jefferson und Benjamin Franklin mitgewirkt. Unsere Ziele haben sich natürlich im Laufe der Zeit anpassen müssen. "Bestimme, ohne zu herrschen, lenke, ohne zu befehlen!" Unsere Gefolgschaft unterwanderten im Laufe der Zeit alle wichtigen Zentren der Macht. Angefangen von deutschen Fürstentümern, bis hin zu anderen Ritterorden, wie der Malteser. Dieser Schachzug garantierte uns diplomatische Immunitäten und unkontrollierbare Grenzüberschreitungen.

Wir waren somit auch Mitbegründer der CIA. Die Gründungsväter, Allan Dulles und William Donovan vom Malteserorden legten hier schon unsere zukünftigen Möglichkeiten fest. Wie oft die Geheimdienste dieser Welt in den Lauf der Geschichte eingriffen, ist bekannt. Von Vietnam bis Warschauer Pakt. Von Al-Kai-da bis weltweite Finanzgeschäfte. Die Fusionsgenerator Katastrophe im Jahr 2025 in Cadarache sollte allerdings etwas anders verlaufen. Viele Aktivitäten in jüngster Vergangenheit haben wir inzwischen aber ohne Fehlschläge vollbracht. Nun wollen wir die Fesseln unserer geliebten Erde lösen. Wir sind inzwischen, wie Sie wissen, auch auf dem Mond tätig. Unser nächstes Primärziel muss es nun sein, die Fusionstechnik unter unsere Kontrolle zu bringen. Denn Kernfusionen sind die entscheidenden Energiequellen im Universum. Alle Sterne funktionieren nach diesem Grundprinzip. Bei Fusionsreaktionen in der Todesphase eines Sterns werden die Atome geschaffen, aus denen auch unsere menschlichen Körper bestehen. Ohne sie gäbe es kein Leben im Universum.«

Diese "Hymne" kam, wie es schien, aus tiefsten Herzen des Moderators.

»Dabei kann uns das Helium3 gute Dienste leisten. Denn Helium3 ist der Brennstoff der Zukunft. Nur so kann es eine saubere Verbrennung mit hoher Effizienz geben. Da Helium3 auf der Erde kaum vorkommt, ist es momentan der wertvollste Rohstoff für die Erde. Weil wir eine Atmosphäre besitzen und die künstliche Herstellung sehr teuer und nur in Kernkraftwerken möglich ist, müssen wir uns diesen Rohstoff sichern. Eine Tonne des Materials hat momentan etwa vier Milliarden Euro wert. Unser Großmeister hat sich zum Ziel gesetzt, unseren Anteil daran zu erhalten!«

Ein Raunen ging durch den Saal.

»Das sollte uns doch einigen Anstrengungen Wert sein!« Fuhr der Moderator fort. »Eine Zehennmilliarden Menschheit, die in Wohlstand und Bequemlichkeit lebt, braucht mindestens 4000 bis 5000 Tonnen Helium3 pro Jahr. Die Raumfahrt wird wahrscheinlich selbst der Hauptabnehmer sein. Sie wird ungeheurere Mengen an Fusionstreibstoff für Triebwerke benötigen. Genau so wie wir!

Die Mondoberfläche enthält das Element Helium3, das es bei uns in verschwindend geringem Maße gibt. Seine Verwendung bei der Kernfusion wird dies zu der Energiequelle der Zukunft machen, die wir dringend brauchen. Mit den vorhandenen Vorräten auf dem Mond ließe sich unser Energiebedarf für die nächsten Jahrhunderte decken. Wir müssen, um unsere Position zu stärken, hier unbedingt tätig werden. Mitglieder des "Ordens der reinen Energie",« unbewusst hatte der General eine neue Ordensbezeichnung geprägt. »Euch ist hoffentlich bewusst, dass ihr euch hier auf historischem Boden befindet. Schon im Jahre 1250 war hier eine Zitadelle errichtet gewesen, Berlin Tempelhof, der Gutshof. Diese Zentrale diente auch als Umschlagsplatz für Finanzen, und wie sich unschwer erkennen lässt, kommt der Name von unseren vorangegangenen Glaubensbrüdern, den Templern. Gedenken wir den Toten.«

Die filmische Geschichtsstunde war beendet. Kurze Zeit war es sehr still.

»Wow, was für eine Datenflut.« Alle Teilnehmer der Runde schmunzelten über den ungewollten Versprecher von Oberst Müller. Jeder der Mitglieder des Energieordens war mehr den je der Überzeugung, auf der richtigen Seite zu stehen und das Richtige zu tun. Da die Bereichsleiter sich der jährlichen Motivationsveranstaltung hingaben, konnte Irving sich seinem Tagesgeschäft widmen.

»Major Evens, wie weit sind wir in der Sache Mallzoni? «

»Alles läuft nach Plan, Herr General.«

»Gut so, wunderbar. Bitte halten sie mich auf dem Laufenden.«

»Selbstverständlich.«

Major Evens drehte sich mit einem kurzen Kopfnicken um und ging an ihr Display. Irving schaute ihr hinterher. Gute Figur die Kleine. Die Uniform steht ihr wirklich gut!

Erdorbit

Sie brauchten eine halbe Erdumrundung, etwa 20 Minuten, um die Orbitalstation, ASS zu sehen. Diese Station war eine Weiterentwicklung der damaligen Internationalen Raumstation ISS. Man hatte in den Jahren, wo der Ausbau dieser Raumstation stagnierte, eingesehen, dass die Staaten noch mehr zusammenarbeiten mussten, um solch eine Station zu betreiben. Es wurden erhebliche Anstrengungen unternommen, diese Orbitalstation auszubauen, damit sie auch in Zukunft wirtschaftlich einsetzbar war. So war die jetzige ASS, ein internationales gewachsenes Projekt, das sehr zuverlässig arbeitete. Sie sicherte den Pendelverkehr zwischen Mond und Erde und sollte das Sprungbrett zu den Sternen sein.

Auf ihren Ortungsgeräten hatten sie die Station schon lange im Visier. Die ASS wurde von der Sonne seitlich angestrahlt, sodass Sie wie ein Juwel in der Dunkelheit glitzerte.

»Hier spricht der Orbital-Shuttle A-012 auf Sondermission. ASS bitte melden.«

»Hier ASS Ortungsabteilung, wir haben Sie schon erwartet. Ist bei ihnen alles in Ordnung.«

»Ja, danke, alles verläuft nach Vorschrift. Planmäßige Ankunft um 0 Uhr 12 Weltzeit.«

»Verstanden, sie docken an Laderampe 3 um 0 Uhr 12 WZ an! Der Mondtransporter Moony ist in Stand-by und erwartet die Übergabe der Zelle. Die Laderampe der Station ist gesichert.«

Die Piloten der A-012 blickten wieder einmal auf den Zellenmonitor, wie so oft schon vorher. Mallzoni schlief, er konnte auch nichts anders tun. In seinen Träumen aber sah er wieder und immer wieder die Sterbenden seiner Tat. Bei jedem seiner Träume kamen mehr Einzelheiten der Tat vor sein geistiges Auge.

»Den Massenmördern geht heutzutage besser als uns schuftenden Idioten. Vielleicht sollte ich ja doch die Andockklammern lösen,« sprach der Kopilot seinen Kapitän an.

»Denk an den Papierkrieg, den wir dadurch hätten. Dann kannst du deinen Urlaub vergessen,« gab er missmutig zurück.

»Stimmt!«

Solche Gespräche führten die Piloten öfter auf ihren Flügen. In Wirklichkeit hätte nie einer von ihnen, ernsthaft daran gedacht, einem Sträfling etwas anzutun. Diese Piloten waren die loyalsten in der Pilotengilde, hundertfach gesiebt und getestet.

Die A-012 schwenkte in einem Mustermanöver an die Laderampe 3 heran und verriegelte die Luftschleuse.

»Geschafft, jetzt noch die Zelle raus und wir können uns aufs Ohr legen. In der Schwerelosigkeit schlafe ich immer doppelt so gut.«

Die Personenzelle, war wegen der guten Vorbereitung, schnell umgeladen und die Formalitäten erledigt. Die Piloten waren froh ihre heiße Fracht endlich loszuwerden. Man wusste ja doch nie, ob etwas passiert. Die Besatzung der Moony konnte dadurch viel früher als geplant starten und hatte es so auch schneller hinter sich.

»Hier Mondtransporter Moony, wir legen ab. Voraussichtliche Flugzeit bis Mondbasis Alpha, 28 Stunden.«

»Danke Moony, bestätigt, guten Flug.«

Die Piloten, alte Hasen in dem Job, kontrollierten nochmals laut ihrer Checkliste alle Systeme. Der Gefangene schlief anscheinend immer noch. Nur ab und zu ging ein Zucken durch seinen schlafenden Körper.

»He, Peer, kannst du dich erinnern, dass wir je einen solchen Gefangenen transportiert haben?«

Der Pilot runzelte die Stirn und meine, »in den letzten acht Jahren, seitdem ich diese Route fliege, auf jeden Fall nicht. «

Der Mondtransporter legte ab und nahm Fahrt auf, Ziel Mondbasis Alpha. Von alle dem bekam Mallzoni nichts mit, ihn plagten seine Träume. ihnen kam der Mondtransporter Iceland entgegen, was im Pendelverkehr Ass - Mondbasis - ASS nichts Besonderes mehr war. Trotzdem freuten sich die Piloten immer wieder, in der Leere des Raumes etwas Irdisches zu sehen. Es gab einen kurzen Funkverkehr mit den neuesten Kosmos Witzen oder Nachrichten und schon war der Spuk wieder vorbei. Die Piloten der Mondfähren waren schon eine eigene Spezies mit sonderbarem Humor.

»Ass an Mondtransporter Moony, bitte melden.«

»Hier Mondtransporter Moony, Kapitän Peer Olsen was gibt es.«

»Sie müssen mit verstärkt aufkommendem Sonnenwind rechnen. Das kann ihre Instrumente stören. Wenn Sie Ihren Kurs und Geschwindigkeit beibehalten, erreichen Sie aber Mondbasis, bevor es gefährlich wird.«

»Danke ASS, Ende. Als wenn wir das nicht wüssten.« Peer schüttelte den Kopf. »Da wollte sich bestimmt so ein Frischling in der Ortungsstation ein Schulterklopfen verdienen. Wir sind schon durch manchen Sonnensturm gesegelt! Weißt du noch ...«

Mallzoni erwachte in seinem Gefangenensitz, der in Liegestellung gekippt war, schweißgebadet.

»He, Piloten, he wo sind wir?« Längere Zeit bekam er keine Antwort auf seine mehrfach wiederholten Fragen.

»Gefangener Smith, halten Sie den Mund! Wir dürfen nicht mit ihnen sprechen. Ich mache mich ja jetzt schon strafbar.« »Aber hören Sie mir doch zu. Sie müssen ja gar nicht sprechen.«

»Da hat er Recht.« Meinte Peer zu seinem Kopilot. »Wahrscheinlich will er jetzt uns erzählen das er natürlich unschuldig ist.«

»...und warum nennen Sie mich Smith, ich heiße Mallzoni?«

Die Piloten schauten sich verwundert an. Der Kopilot suchte das Datendisplay heraus und schaute sich die Überführungsdaten an. Nach längerem Studieren der Aufzeichnungen rang er sich eine Antwort ab.

»Hier steht Smith Jack, schwerer Diebstahl, soll über Alpha nach Bergbau Station Roskomos I gebracht werden.« Peer runzelte wieder einmal seine Stirn. »Gefangener Smith oder Milloni oder wie immer Sie heißen mögen, halten Sie die Klappe, wir dürfen nicht mit ihnen reden. Hier gibt es auch nichts zu klauen!«

»He, Ihr stumpfsinnigen Sternenkutscher, ich heiße Mallzoni und habe nichts geklaut.« Seine Stimme senkte sich. »Ich soll Menschen getötet haben. Hört mir einfach zu.«

Die Sternenkutscher ergaben sich seufzend in Ihr Schicksal und hörten zu.

»Leute, in letzter Zeit träume ich immer mehr, richtige Albträume. Ich habe schon seit Jahren nicht mehr geträumt! «

»An deiner Stelle hätte ich auch Albträume,« warf Peer leise ein.

»Mann hört mich einfach an. Also, in letzter Zeit kommen die Träume immer stärker. Ich erinnere mich an Sachen, die ich erlebt haben soll, die so aber gar nicht stimmen. Ich fühle, dass ich umgebracht werden soll.«

»Ja, und zwar von mir.« Meinte der Kopilot, der sich da bald nicht mehr anhören konnte. »So ein Schwachsinn, wer sollte einen Dieb umbringen, der in der ASS den Gästetresor ausräumen wollte.«

»Dieb, Gästetresor? Von was redet ihr eigentlich? Ich heiße Mallzoni, Laslo Mallzoni und soll ein Fusionskraftwerk in die Luft gejagt haben. Wobei ich mir da nicht mehr so sicher bin. Bis jetzt glaubte ich es jedenfalls noch.« Er erzählte den Piloten von seinem Gefängnisaufenthalt.

»Verflucht, hier stimmt doch was nicht,« meinte, Peer.

»Ja, sehe ich auch so.«

»Nein, ich meine das da.« Er tippte mit dem Handschuh auf die Kontrollleuchten.

»Die Triebwerke haben Übertemperatur. Das kann doch gar nicht sein.«

Ein dumpfer Schlag erschütterte die Moony. Auf dem Monitor, der die Triebwerke überwachte, sah man eine blaue Stichflamme in den Raum schießen. Ein zweiter Ruck ging durch die Mondfähre.

»He, ihr Blödmänner, was ist los bei euch dort draußen? Wollt ihr mich umbringen?« Schweiß stand auf Mallzoni's Stirn, er hatte Angst, Todesangst.

Die Piloten hörten nicht auf seine Fragen. Sie hatten alle Hände voll zu tun.

»Ich weiß wirklich nicht, was los ist, die Kontrollen spielen verrückt.«

»Setze einen Notruf ab! Es kommt mir vor, als wenn etwas am Triebwerk explodiert wäre. Ich versuche, das Schiff zu stabilisieren!« Sagte Peer zu seinem Kopiloten.

Der wurde jetzt kreidebleich. »Mayday, Mayday, hier Mondtransporter Moony auf Sondermission. Bitte helfen Sie uns! Wir haben eine Explosion am Triebwerk verzeichnet und könnten gleich hochgehen. Mit dem Gefangenen an Bord stimmt auch etwas nicht, das muss überprüft werden. Mayday, May ...«

Eine dritte Explosion riss die Moony in drei Stücke. Die Trümmer verteilten sich lautlos in alle Richtungen des tiefschwarzen Raumes. Viele kleine Fragmente der Raumfähre verglimmten im immer schwächer leuchtenden Lichtschein der Explosion. Es herrschte Totenstille.

Orbitalstation ASS

Der Ausblick war fantastisch. Daniel Stark war ein Überflieger. Er hatte alle Abschlüsse und Hürden in Rekordzeit hinter sich gebracht. Er war erst 35 Jahre alt und somit der jüngste militärisch und wissenschaftlich eingesetzte Direktor außerhalb der Erde. Die internationale Mondbasis Alpha war bislang das größte und teuerste Projekt der Erde, dass je gestartet wurde. Und er, Daniel Stark war bald der Befehlshaber dieser ersten echten Außenstation der Menschheit. Das Auswahlverfahren für diesen Job war sehr hart gewesen. Er hatte manchmal das Gefühl, das er es nie schaffen würde. Die Konkurrenten waren allesamt erstklassige Wissenschaftler oder Offiziere gewesen. Er hatte den Vorteil gehabt, dass er beides war und nicht letztlich durch seinen hohen IQ, hatte es ihm ermöglicht, sich an die Spitze zu setzen. Das alles ging ihm durch den Kopf als er den wunderbaren Ausblick auf die Erde in sich einsog.

Ein Juwel auf schwarzem Samt. Wie klein doch die Menschheit ist.Solange wir nur auf diesen Planeten beschränkt sind ... In dem Aussichtslunch waren vier große Fenster installiert. Auch diese Technik war erst vor Kurzem aus der Entwicklung freigegeben worden. Durchsichtiges, hochfestes Aluminium machte es möglich.

Er riss sich los und konzentrierte sich auf das Kommende. In dem Warteraum hielten sich momentan etwa zwölf Personen auf. Die einen warteten auf ihr Shuttle zur Erde, weil sie hier oben arbeiteten. Die anderen wie auch er, auf einen Anschluss Transport zum Mond. Die Sicherheitsbestimmungen hier oben waren sehr streng. Überall Metall Detektoren, Wärmefühler, Drucksensoren und vieles mehr. Der Ausbau der Raumstation, die im 20. Jahrhundert stark in Stocken geraten war, erfuhr um 2018 eine neue Blühte. Mit der ersten Einführung der Fusionsgeneratoren, die auf Deuterium und Tritium beruhten, wurden viele geplante Vorhaben erst Realität. Da diese Reaktoren aber immer noch radioaktive Asche produzierten, mussten die Generatoren in einem geringen Abstand zu Station errichtet werden.

Einer der Wartenden kam auf ihn zu. Ein hochgewachsener breitschultriger Mann. Sein kantiges Gesicht verriet seinen slawischen Ursprung.

»Entschuldigen Sie, aber ich beobachte Sie schon eine Weile. Mir kommt es so vor, als wir uns kennen.« Er reichte ihm seine große braun gebrannte Hand entgegen. »Gestatten, Mirko Denzcov.«

»Daniel Stark, angenehm.« Er erwiderte den festen Händedruck. Denzcov, - Mirko Denzcov, woher kenne ich den Namen?

»Sie meinen, dass Sie mich kennen? Woher? Momentan weiß ich wirklich nicht ...«

»Waren Sie nicht auch auf dem Geologen Kongress in Atlanta, letztes Jahr?«

»Ja, in der Tat, ich war dort. Es waren interessante Vorträge dabei. Haben sie nicht auch ein Referat gehalten, - über Mondgeologie?«

»Ja, das habe ich. Und jetzt bin ich auf dem Weg zu meinem neuen Arbeitsplatz!«

»Nach Alpha?«

»Nein, nein, ich habe mich dort zwar beworben,« eine Verlegenheitsröte schoss in sein Gesicht, »aber so gut bin ich dann wohl doch nicht. Dort wird doch nur die Elite genommen. Und wohin sind Sie unterwegs?«

»Ich muss auch meinen Dienst antreten, auf A ...«

Eine Lautsprecherdurchsage unterbrach jäh das sich entwickelnde Gespräch. Eine heitere, weibliche Stimme sagte: "Der Mondtransporter Iceland wird in 15 Minuten an der ASS andocken. Bitte halten Sie ihre ID Karten und Sicherheitsausweise bereit. Das Gepäck können Sie jetzt an der Laderampe zwei abgeben. Bitte beachten Sie, dass die Gepäckstücke das ausgewiesene Maximalgewicht nicht überschreiten. Es können keine Ausnahmen gemacht werden. Danke". Denzcov grinste Stark an und meinte:

»Eine tolle Stimme, wenn die so aussieht, wie sie spricht, Madremia!«

Stark konnte ihm da nur stumm beipflichten. Ein Teil der Passagiere nahmen ihre Reisetaschen und Bordcases und schlenderten zur Laderampe um ihr Gepäck wiegen zu lassen. Auch Stark und sein Gesprächspartner schlossen sich an.

30 Minuten später, nachdem alle Formalitäten abgeschlossen waren, befanden sich fünf Mondreisende sicher untergebracht auf der Mondfähre. Diese Raumschiffe waren eine stabile Konstruktion ohne extravagante Schnörkel. Der Innenraum war größer als man es auf den ersten Blick vermuten würde. Die Andrucksitze waren trotz der Anschnallgurte bequem. Die Inneneinrichtung erinnerte an Geschäftsreisemaschinen früherer Jahre. Trotz der Sicherheit, die dieses Gefährt bot, mussten alle Reisende einen leichten Raumanzug tragen. Für den Fall der Fälle. Die Handhabung im Umgang mit solchen Raumanzügen mussten alle Passagiere vor Reisebeginn nachweisen.

Der Mondgeologe hatte es sich neben Stark bequem gemacht, nur durch einen schmalen Mittelgang getrennt. Mittels eines großen Displays konnten die Passagiere die Cockpitansicht genießen.

»Wir werden in fünf Minuten starten,« ließ der Kopilot etwas monoton verlauten. Für ihn war es eben Routine.

Alle sahen sich auf dem Display die Schwärze des vor ihnen liegenden Weltraumes an.

Was für ein Anblick, obwohl ich schon oft im Weltraum war, fasziniert es mich immer wieder. Er konnte sich der Faszination des Alls nie entziehen.

Ein kleiner Ruck ging durch den Transporter, als sie abdockten und Kurs auf den Mond nahmen. Die samtweiche Stimme der Pilotin war im Lautsprecher über dem Display zu hören.

»Ich darf Sie recht herzlich an Bord der Iceland begrüßen. Unsere Geschwindigkeit wird etwas schneller als die Standardgeschwindigkeit der Mondfähren sein. Laut den Angaben der Scanner von der ASS müssen wir mit verstärkt aufkommendem Sonnenwind rechnen. Wir werden dadurch einen sechsstündigen Flug vor uns haben, also machen sie es sich gemütlich und erleben sie die Wunder des Alls.« Letzteres kam mit einem Lächeln in der Stimme gut zur Geltung.

Im Display konnte man sehen, wie die Kamera das Cockpit mit den Piloten zeigte.

»Mein Kopilot Jes Mitchell und ich, Anne Schönrain, wünschen ihnen einen angenehmen Transfer.«

Denzcov pfiff leise durch die Zähne und sagte leise etwas auf Russisch.

»Richtig!« Meinte Stark zu seinem Nebenmann, »Sie sieht verdammt gut aus, Ihre Stimme passt zu Ihr!«

Nicht nur die beiden mussten lachen. Nach vier Stunden Flug, wobei die meisten Fluggäste dösten, hörten sie alle aus dem Cockpit den durchgeschalteten Funkverkehr.

»Mayday, Mayday, hier Mondtransporter Moony auf Sondermission. Bitte helfen Sie uns! Wir haben vermutlich eine Bombe an Bord und unser Antrieb, Tzzzzz.«

Es war noch ein verebbendes Krachen zu hören und die Funkverbindung brach ab.

»Hier Mondtransporter Iceland, ich rufe Mondbasis Alpha, können Sie mich hören?«

»Wir hören laut und deutlich.«

»Wir haben soeben einen Notruf von der ...«

»... von der Moony empfangen.« Ergänzte der diensthabende Offizier von der Mondbasis, Kapitän Schönrain's Meldung. »Wir geben ihnen die letzten bekannten Koordinaten des Schiffes durch. Sie müssen ganz in der Nähe sein. Vergleichen Sie die Koordinaten mit den Ihrigen und versuchen Sie einen Bergungsversuch. Gehen Sie kein Risiko ein. Wir wissen nicht, was da draußen los ist. Viel Glück. Kapitän Schönrain. «

»Verstanden, Alpha Basis, wir halten Sie auf dem Laufenden.«

Die Piloten der Iceland machten sich an die Arbeit. Sie checkten ihren Treibstoff, Luft und Koordinaten der automatischen Ortung.

»Die können wirklich nicht weit weg sein. Eigentlich hätten wir was sehen müssen.«

Sie schwenkten auf einen vermeintlichen Abfangkurs der Moony ein. Die Scanner liefen auf höchster Auflösung. Im Passagierteil hatte eine aufgeregte Unterhaltung zwischen den Gästen begonnen.

»Was halten Sie davon?« Sprach Denzcov seinen Sitznachbarn an.

»Ich kann mir auf die Sache auch keinen Reim machen. Wenn die nicht etwas von einer Bombe erwähnt hätten, würde ich von einer technischen Panne ausgehen. Aber so?«

Technische Panne, dass ich nicht lache. Da steckt etwas ganz anderes dahinter und ich bin nicht informiert worden! Dachte Denzcov. »Vermutlich haben die Piloten nur die Nerven verloren und haben sich das mit der Bombe eingebildet. In so einem Moment ist der Stressfaktor sehr hoch.«

Stark sah ihn etwas ungläubig an. »Das glaube ich nicht! Das waren erfahrene Piloten auf dieser Tour.« Aber was für eine Sondermission soll das gewesen sein? Er hatte keine Informationen darüber erhalten. Er würde es auf der Mondbasis als Erstes überprüfen müssen.

Das Gespräch versank damit erst einmal in Schweigen. Die Scanner der Iceland hatten ein Signal empfangen. »Irgendetwas sendet da draußen, ungewöhnlich.« Meinte Jes zu seinem Kapitän.

»Halten Sie den Kurs, wir müssen näher ran!«

Die ersten Trümmer flitzten an der Iceland vorüber.

»Jes, gehen Sie mit der Geschwindigkeit runter! Ich will nicht in einem Trümmerhagel enden.«

»Ok, das Signal kommt aus Richtung 2.2.4. Ich drehe uns nach Backbord.«

Auf dem Passagier Display konnte man ein größeres Trümmerstück sehen, das um seine eigene Hochachse drehte. Es schien einigermaßen intakt zu sein.

»Das kann aber nicht das Cockpit sein,« meinte Schönrain.

»Das sieht eher wie ein Transportbehälter aus. Solche Container haben wir doch gar nicht in Gebrauch.« Nach kurzem Überlegen meinte Jes, »sieht eher aus wie eine Personenzelle für Orbital-Transporter. Die haben so etwas für Gefangenentransporte im Einsatz. Diese Zellen sind auch mit einem Peilsender ausgestattet und dieses Signal empfangen wir die ganze Zeit schon.«

Schönrain schaute ihn etwas verwundert an, »Woher wissen sie das? Aber richtig, sie könnten Recht haben. Hier Iceland an Mondbasis, wir haben etwas gefunden. Es scheint sich um eine noch intakte Personenzelle eine Orbital Transporters zu handeln.«

Ein Knacken und rauschen, dann hörte man die Stimme der Mondbasis. »Hier spricht Direktor Deluces, eine Personenzelle sagten Sie? Darüber ist uns hier nichts bekannt. Die Moony sollte Ersatzteile von der ASS abholen und einen Dieb zur Bergbaugesellschaft bringen, damit er dort seine Strafe abarbeiten sollte. Personenzellen werden meines Wissens nur im Hochsicherheitsgefängnis der Sahara verwendet. Ich werde mit dem dortigen Kommandanten mal ein Wörtchen reden, und fragen was da schief gelaufen ist. Versuchen Sie die Zelle zu bergen, aber gehen Sie kein Risiko ein. Ich will nicht noch eine Fähre verlieren, eine ist schon zu viel. Suchen Sie weiter nach Überlebende und ähm - richten sie dem neuen Direktor Stark einen Gruß von mir aus. Er ist doch an Bord?«

»Ja, ein gewisser Herr Stark ist an Bord, aber ich wusste nicht das er...«

»Ja, schon in Ordnung. Bergen und retten sie was sie können.«

»Verstanden, wir geben unser bestes. Iceland Ende.«

Die Piloten schauten sich etwas fragend an.

»Ok Jes, bekommen wir das Ding an den Ausleger?«

»Ich denke schon, mit den Magnethalterungen könnten wir das schaffen.«

»Danach müssen wir eine Notluftschleuse an der Zelle anbringen um den Insassen zu bergen.«

Die Bergung stellte sich als schwieriger heraus als sie dachten. Schließlich kurz bevor sie schon aufgeben wollten, blieb die Zelle mit noch einer intakten Magnethalterung hängen.

»Phuu, das hätten wir erst einmal.« Meldete Jes sich.

Kapitän Schönrain hatte sich inzwischen durch den Passagierraum in den hinteren Teil der Fähre begeben, wo Sie die Notluftschleuse in Betrieb nahm. All das verfolgten die Passagiere mit Spannung. Bis auf zwei Personen. Denzcov war in Gedanken versunken und grübelte.

Stark schnallte sich los und trieb gekonnt durch den Passagierraum, bis auch er den hinteren Fährenabschnitt erreichte.

»Ich weiß es ist gegen die Vorschrift sich aus dem Andrucksitz zu lösen, aber ich denke es handelt sich hier um eine Ausnahmesituation, Kapitän.«

Sie sah ihn mir Ihren schönen braunen Augen an, die gar nicht zu einem Raumkapitän passen wollten, und meine, »es ist in Ordnung. Da Sie ja schon in Kürze mein Vorgesetzter sein werden, kann ich ihre Hilfe ja kaum ablehnen.« Letzteres sagte sie mit einer gewissen Belustigung in ihrer Stimme.

Beide trafen Vorbereitungen, die Zelle mit der Fähre zu verbinden. Nachdem die Verbindung über den flexiblen Schlauch, hergestellt war, checkten sie ihre Raumanzüge durch. Diese Notverbindung hatte zwei Meter Durchmesser und hatte sich schon oft bewährt.

»Sie bleiben hier und sichern mich!« Das war eine klare Anweisung vom Kapitän.

»Jawohl Kapitän.« Er war sich im Klaren darüber, dass die Zeit für Verbale Spielchen jetzt vorbei war. Anne Schönrain musste alle Kraft aufbieten, um den verbeulten Verschluss der Zelle auf zu bekommen. Durch den Druckausgleich entwich mit einem leisen Zischen die Luft, als die Luke sich öffnete. Ein diffuses Licht erhellte das Innere. Der Metallstuhl war aus der Verankerung gerissen und lag auf der Seite. In dem ganzen Gewirr von verdrehtem Metall hing ein lebloser menschlicher Körper.

»Mister Stark, wir haben ein Problem. Es handelt sich um einen Gefangenen. Er scheint zu leben, ist aber mit den Sicherheitsschellen noch mit dem Stuhl, oder was es immer auch war, verbunden. Ich kenne den Öffnungscode nicht und bekomme ihn so nicht heraus.«

Stark dachte nach. Er hatte doch seine Unterlagen im Gepäck. Darunter musste auch ein Codegenerator sein. Diese Geräte bekamen nur hochrangige Offiziere in Führungspositionen oder Leute vom Geheimdienst.

»Ich glaube ich kann ihnen helfen. Welche Codenummer steht den auf den Schellen?«

Nachdem Schönrain ihm die gewünschten Informationen durchgegeben hatte, machte er sich auf den Rückweg. Er schwebte zu dem Trennschott des Materialcontainers. Da die Gepäckstücke der Reisenden auch im hinteren Teil der Raumfähre verstaut waren, hatte er es nicht weit. Er musste nur noch seine Bordcases finden. Es war gar nicht so leicht, da die meisten Gepäckstücke ziemlich gleich aussahen. Als er sie schließlich gefunden hatte und den Öffnungscode eingegeben hatte, hielt er das 10x10 Zentimeter großem Gerät in den Händen.

Nach dem Er den Codeschlüssel der Schellen eingegeben hatte erschien auf dem kleinen Display der Codeschlüssel. »Kapitän geben Sie die Nummer 34321/S/CIA0334 ein.« In dem Er die Nummer durchgab, schwebte er auch schon wieder auf Schönrain zu.

»Ok, es hat funktioniert. Ich weiß zwar nicht wie sie das geschafft haben, aber es hat geklappt. Die Fesseln sind jetzt offen.«

Da in der Schwerelosigkeit Gewicht keine Rolle spielt, konnte Anne den regungslosen Körper leicht durch die provisorische Luftschleuse bugsieren.

Stark war zur Stelle, um den Gefangenen entgegen zu nehmen.

»Wir müssen ihn stabilisieren und medizinisch versorgen.« Meinte Schönrain. »Jes, sie haben mitgehört? Informieren Sie die Mondbasis und suchen sie die Umgebung nach weiteren Überlebenden ab.«

Der bestätigte und scannte weiter.

»Mister Stark, ich weiß nicht wie sie es angestellt haben an den Öffnungscode zukommen, aber ich danke ihnen. Haben Sie eigentlich einen militärischen oder wissenschaftlichen Rang?« Anne schaute ihn kurz fragend an, bevor sie sich weiter dem Verletzten widmete.

»Ähm, ja beides. Richtig vorgestellt haben wir uns ja wohl noch nicht.« Es war ihm etwas peinlich, auf den Rang angesprochen zu werden. Er hielt nicht sonderlich viel von Rangbezeichnungen. Er maß die Menschen lieber an deren Einstellung und Fähigkeiten. »Oberst Daniel Stark. Neuer Direktor der Mondbasis Alpha für die nächsten fünf Jahre und Astrophysiker,« erwiderte er die Fragestellung.

Kapitän Schönrain schluckte unhörbar und meinte. »Daniel, ein schöner Name. Bestimmt hatten Sie deutsche Vorfahren.« Der Mann imponierte ihr immer mehr, und er sah auch noch gut aus. Sie schüttelte den Gedanken ab. Das ist wirklich nicht der geeignete Augenblick. Sie riss sich zusammen.

Sie trugen den Gefangenen, der immer noch in einer tiefen Bewusstlosigkeit war, in den Passagierraum. Dort betteten sie ihn auf einen der Andrucksitze und schnallten ihn an.

»Sie dort vorne. Ja sie meine ich.« Sie zeigte auf einen der Fluggäste. »Sie passen auf diesen Verletzten auf! Sobald er zu Bewusstsein kommt, informieren Sie mich! Verstanden?«

Der Angesprochene nickte stumm und setzte sich neben den Gefangenen. Die meisten Mitreisenden waren etwas verwirrt über die Ereignisse ihres Fluges. Die Iceland suchte noch den nahen Weltraum ab. Außer Trümmer fanden sie aber nichts. Keine weiteren Überlebenden. Sie nahmen Kontakt zur Mondbasis Alpha auf und berichteten über ihre Erkenntnisse. Sie bekamen die Anweisung die Suche abzubrechen und umgehend die Mondbasis anzufliegen. Der Direktor wollte sie sehen. Indessen kam Mallzoni kurz zu Bewusstsein. Er konnte sich aber im Moment an nichts wesentliches Erinnern. Sagte er zumindest. Er musste sich erst über seine weiteren Schritte klar werden. Er hatte hier eine einmalige Chance aus dem Ganzen heraus zu kommen.

Der Flug der Iceland verlief für die letzte Etappe ohne besondere Vorkommnisse. Sie setzten zum Landeanflug auf Mondbasis Alpha an. Die relative Ruhe an Bord hatte Stark genutzt, um die Ereignisse noch einmal Revue passieren zu lassen. Denn er war es, der diese Katastrophe aufklären musste. Das ist ja eine verrückte Amtseinführung. Der Sprung ins kalte Wasser!

Mondbasis Alpha

Die Mondbasis, mit deren Bau im Jahre 2020, mit internationalen, finanziellen Mitteln begonnen wurde, hatte sich im Laufe der darauf folgenden 10 Jahre zu einer echten Mondbasis gemausert. Unter der Federführung der U.S.A und den finanziellen Mitteln der internationalen Gemeinschaft, war es zu dem größten Projekt internationaler Zusammenarbeit gewachsen. Die besten Ingenieure der ganzen Welt hatten es mit ihrem Wissen und Innovationen zu einem Vorzeigeobjekt der Erde ausgebaut. Die internationale Besatzung bestand aus Wissenschaftlern aller Fakultäten. Hier wurden in den letzten Jahren bahnbrechende Erkenntnisse gewonnen, die der ganzen Welt technologisch einen enormen Aufschwung bescherte.

Die Basis sah aus der Umlaufbahn des Mondes wie ein überdimensionales X aus. An den Ausläufern waren große kugelförmige Kuppeln angebaut. Hier waren die Laboratorien, Werkstätten und Hangars untergebracht. In der Mitte der Anlage war die Zentrale. Sie war doppelt so groß wie die Nebengebäude. Da die Basis zur zu einem Bruchteil aus der Mondoberfläche herausragte, wurden die gefährdeten Angriffsflächen für Meteoriteneinschläge möglichst gering gehalten. Die Panzerung der Station konnte man mittels Polarisierung der Materialoberfläche kurzzeitig molekular verstärken. Der größte Teil des Komplexes war tief in den Mondboden eingelassen. Diese Anlage war eine gute ausgestattete Allround Station und bot Platz für rund 100 Personen.

Das Militär hatte es sich nehmen lassen, eine gewisse Bewaffnung für die Verteidigung, in die Basis zu integrieren. Welche genauen Verteidigungseinrichtungen installiert waren, unterlag allerdings der Geheimhaltung. Unweit des Kernkomplexes, waren die Landesilos der Oberflächenfahrzeuge und Gleiter untergebracht. Diese riesigen Plattformen funktionierten wie riesige Lifte. Damit konnten alle Materialien von den unterirdischen Anlagen an die Mondoberfläche befördert werden.

Für die Besetzung der Station gab ein festgelegtes Wechselsystem, wonach die Befehlshaber und Besatzungen nach bestimmten Zeiten, ausgetauscht werden mussten. Dieses Rolliersystem hatte sich bis jetzt bestens bewährt. Somit hatten alle beteiligten Nationen einmal die Befehlsgewalt über die Mondbasis.

Général de Brigade Deluces war ein guter Direktor in den letzten fünf Jahren gewesen. Er hatte die Hochachtung der gesamten Besatzung von 63 Personen. Er war hart aber gerecht und immer präsent. Diese Jahre waren für ihn ein harter Job gewesen, aber er hätte auf nichts in der Welt darauf verzichten mögen.

Gerade jetzt, kurz vor seiner Versetzung in den Generalstab auf der Erde, musste noch solch eine Katastrophe geschehen, dachte Deluces. Nachdem er mit der Iceland gesprochen hatte, und sich keinen Reim auf die Vorkommnisse machen konnte, war er doch recht beunruhigt.

»Leutnant stellen Sie eine Verbindung zur Vollzugshaftanstalt "Sahara" her. Ich muss dort mit dem Kommandanten sprechen.«

Nachdem die Verbindung hergestellt worden war, unterhielten sich die zwei Kommandanten längere Zeit. Direktor Fletcher schilderte ihm seine Version der Ereignisse. Den kleinen Ausrutscher in seinem Büro hingegen verschwieg er wissentlich.

»... und von wem waren die Überführungsunterlagen unterzeichnet gewesen?« Fragte Deluces.

»Moment, ich habe die Kopien hier. Es war eine offizielle Verfügung des Justizministeriums der UN, unterzeichnet von einem gewissen Staatssekretär, Moment bitte, es ist etwas schwer zu entziffern, ach ja, Mike Horn.« Nach mehreren Entschuldigungen und Beteuerungen von Fletcher ging das Gespräch unverrichteter Dinge dem Ende entgegen.

»Leutnant, bitte stellen Sie eine Verbindung zum "Justizministerium" her.

»Bitte einen Augenblick, Général.«

Deluces fragte sich durch mehrere Instanzen im Ministerium durch. »Der Staatsapparat ist noch genauso unflexibel wie vor 100 Jahren.« Meinte er genervt zu seinem Funkoffizier. »Ja? Hier spricht Général de Brigade Deluces. Ich hoffe, dass ich bei ihnen jetzt richtig bin. Gibt es in ihrem Ministerium einen gewissen Staatssekretär namens Mike Horn? Ich hätte ihn gerne gesprochen.«

»Einen Moment bitte Herr Général de Brigade.« Es raschelte und klapperte am anderen Ende der Verbindung. »Ja, einen Staatssekretär namens Mike Horn gibt es bei uns. Aber er wird sie leider nicht sprechen können. Er ist vor zwei Wochen bei einem Unfall ums Leben gekommen. Tut mir Leid.«

Das Gespräch wurde daraufhin von Deluces beendet. Die Sache wird immer mysteriöser. Hier ist etwas oberfaul. Mein Nachfolger wird alle Hände voll zu tun haben, um die Sache aufzuklären, wenn er es überhaupt kann.

»Général, Die Iceland ist im Landeanflug und wird in zehn Minuten eintreffen.« Meldete sich der Leutnant.