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Der One-Night-Stand zwischen Benno und Julie entwickelt sich zu einer Fernbeziehung. Ist es Liebe, geht es nur um Sex oder geht es um etwas anderes? Loslassen wäre die Lösung, aber wie - bei der Anziehungskraft?
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Seitenzahl: 213
Veröffentlichungsjahr: 2019
www.tredition.de
Christian Habuch
3XJulie
Roman
www.tredition.de
© 2019 Christian Habuch
Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-7497-1838-2
Hardcover:
978-3-7497-1839-9
e-Book:
978-3-7497-1840-5
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1 Unterwegs
Zehn Stunden Fahrt, der Arsch schmerzt, dort wo die Knochen sich durch die Muskeln und die Haut arbeiten wollen. Ich bin müde. Freiburg kann ich nicht sehen: "Wo sind wir? Ist doch Freiburg?"
Ich frage: "Wie lange musst du denn heute noch arbeiten?" Deine Augen greifen nach mir. "Danke für den Hinweis Tom!" Sowas habe ich noch nie vorher gemacht, eine Frau so direkt gefragt, einfach das tun, was ich hier und jetzt will. Ich brauch es so sehr, hatte nur noch Träume und Sehnsucht nach Geborgenheit in der letzten Zeit. Nach der Trennung inklusive Scheidung war es jahrelang wie Dauerregen im dunklen Urwald und dessen Dach senkte sich sehr langsam.
Wir haben uns soviel geschrieben und bevor wir uns das erste Mal sahen, wussten wir schon sehr viel voneinander. Das war Anfang dieses Jahres, als du mir vier Wochen später aus Brasilien das Messer in den Bauch gestoßen hast. Nach der gescheiterten Ehe warst du die erste Frau, die mich im Schleudergang im Herzen traf.
Zu spät! Wir schaffen es aber noch gerade rechtzeitig alles vorzubereiten und dann gehen wir da rauf und legen los. Vorher flog noch ein Lichtmannn vom Himmel und hatte einfach nur Glück.
"Liebling, ich liebe Dich!" Ein Märchen, so schön aus dem, aus deinem Mund erklingenden, Schloss. Ein Schloss aus roten Backsteinen mit vielen verschiedenen Anbauten und Erkern, nicht kitschig, aber doch sehr verspielt. Ein Schloss aus perfekt intonierten Tönen deiner weichen Stimme gesungen.
Deutschland wird immer kleiner! Der Fisch kommt aus Fischtown! Rotbarsch in Bierteig vom Händler um die Ecke – lecker! Hier gibt es nur Nordsee in der Innenstadt und das ist für mich kein Fischgeschäft! In Wremen war der Fisch versalzen und viel zu teuer! Morgen fahren wir wieder zurück. Achthundert Kilometer sitzen, lesen, pennen und die vorbeifahrenden Autos wahrnehmen. Vielleicht mal ein kurzes und ernstes Gespräch mit Tom oder Matti-das wars. Ich hatte mir ein Lebensziel von vierzig Jahren gesetzt, als ich sechzehn war, nun bin ich schon weit darüber und kann alles genießen, sollte alles genießen. Ich bin jung, jung hält jung! Die meisten meiner Schüler sind noch Kinder, teilweise mögen sie mich sehr und setzen mich auf Wolken. Sowie ich ihnen begegne, bin ich drauf auf der Wolke, für ein paar Stunden.
Braune Augen und dunkle Haare sind meins! Die Wellen am Meer, der Blick hinaus, in die Sterne sehen, der Mond, ist das Liebe? Sali hat mir, bevor mich ihr Messer traf, viele Fotos aus Brasilien geschickt, zu viel, ein ganzes Album quasi. Die Iguazú-Wasserfälle in Argentinien hat sie auch abgelichtet, sehr beeindruckende Bilder, sie ist darauf glücklich zu sehen. Mit ihrer besten Freundin steht sie vor dem Wahnsinnspanorama in der Luft.
Wir befinden uns im Schlosshof und müssen bis kurz vor Mitternacht arbeiten. Wir wollten heute in den Wald, aber sie hat jetzt keine Lust mehr. "Julie was ist, warum willst du nicht mehr?" Keine Antwort, stattdessen Körpersprache, die ich nicht verstehen kann. Jedes Wochenende durch Deutschland fahren, immer mit den gleichen Menschen auf engstem Raum, im Neunerbus. Manchmal fahren nicht alle mit, dann kann ich mich auf der Rückbank hinlegen, aber im Rücken drückt der Rand der Sitzschale. Stolz berichte ich dem Kochclub am Sonntagabend: "Wir waren in Dresden, waren in Basel, in Belgien, Amsterdam, in Saas Fee, Flensburg, Koblenz, Mainz und Stuttgart, oh bin ich müde!" Aber im Grunde genommen hab ich von den Orten nichts gesehen. Abends ankommen, arbeiten und morgens vom Hotel auf die Autobahn. Ich frage nochmal: "Warum Julie?" Die Antwort folgt wieder in ihrer Körpersprache. Gekrümmt sitzt sie neben mir auf dem Bett und blickt ins Leere. Mit Maria war ich fast zehn Jahre zusammen, fünf Jahre davon verheiratet. Wir haben uns sehr gut verstanden und uns nie gelangweilt. Irgendwann haben meine Hormone kapituliert und ich habe sie deswegen nicht mehr im Bett bedient. Trennung und Scheidung waren das Ergebnis meines bekloppten und auch für mich unverständlichen Verhaltens. Ich habe sie geliebt und tue das immer noch auf eine gewisse Art. Es sind so zweiundzwanzig Grad, für "fast in der Schweiz" im Juli ganz schön kühl, aber ausreichend, ist ja auch schon nach acht. Wir haben uns damals 1998 im Chor kennengelernt und sie wollte mich gar nicht haben. Ich war damals zu wild, zu fertig und abgerockt, aber sehr lieb und hübsch irgendwo! Ich bin Stier, ich habe gekämpft, sie in meinen Besitz genommen und sie, die exotische Maria, beschützt. Wir waren da noch kein Paar und trotzdem war sie meine! In Sinsheim steht die Concorde! Als ich klein war, war da nur ein Acker! Wir sind gar nicht so weit entfernt von Sinsheim. Oben vom Meer dauerts richtig lange dahin! Hier unten sind die Sommer lang und erdrückend warm, Wind gibt‘s kaum, nur mal Sturm! Maria kam und blieb, obwohl sie ging und jetzt ist sie weit weg, in Frankreich mit ihrem Mann und ihren zahlreichen Töchtern. Sie wollte mich heiraten, ich wollt es nicht, aber hab mich überreden lassen. Ich dachte, die Frau ist Klasse, wir verstanden uns prächtig, also was soll‘s, heirate ich sie. Auf der Hochzeitesfeier gab‘s keinen Alkohol, einige waren echt sauer deswegen und kamen aber trotzdem. Ich fand das gut ohne Alkohol, dadurch konnten wir früher heimfahren. Die Hochzeitsreise führte nach Wien, im Nachtzug, ich konnte nicht schlafen und sie wie ein Murmeltier. Wien war schon geil!
"Wir wollten in den Wald, Julie!"
Das Schloss ist weiß und wir sind im Hof, überall sind Menschen, ungefähr achthundert. Das Hotel ist im Schloss und ich habe ein Einzelzimmer, sehr gut! Drei Restaurants gibt es hier, wovon eines sogar einen Stern hat und nur Biozeug serviert. Wir essen im Weinkeller und die Kellnerin bewegt sich wie eine Tänzerin, ist auffällig nett und aufmerksam. Sie sieht auch noch sehr ansprechend aus, hat dunkle Haare und dunkle Augen. Ich rede gleich als erster mit ihr ein paar Takte am Tresen und bin fasziniert von ihren dunkelbraunen Augen und der einladenden Ausstrahlung. Ihr Name ist Julie.
2 Verlassen
Verlassen werden, von einer, die man liebt oder sich an sie gewöhnt hat. Oder, das lebendige Spielzeug wird einem weggenommen, das Lieblingsspielzeug, das Wichtigste, um sich groß zu fühlen. Jahrelang wusste man gar nicht, dass man so daran hängt. Keine Heimat, niemand, für den man lebt! Es ist, als wenn Schluss ist mit dem Kokain, es dauert Monate bis die Gier, das Verlangen, die Sucht sich verflüchtigen. Ab und zu denkt man dann nochmal daran, denkt, ich hab Lust auf das Gefühl, auf den Kick, aber man lässt es. Oh Mann, wann werde ich ein neues Spielzeug, eine neue Liebe finden? Jedesmal, wenn es vorbei ist, denke ich, sowas wie die bekomme ich nie wieder, was ja auch nicht möglich ist! Ich war zu doof, habe sie nicht gut genug behandelt, zuviel rumgenörgelt an ihrem Wesen oder eben einfach keine Lust mehr auf sie gehabt. Gelogen, beide haben soviel gelogen und verschwiegen um geliebt zu werden, um Wärme zu spüren! Manchmal, auch wenn schon ein Jahr vergangen war, kannten wir uns nicht einmal annähernd. Vielleicht sollte ich beim nächsten Mal nicht solange zögern und ein Kind zeugen, denn vermehren ist doch der Sinn des Lebens! Ganz klar, dazu sind wir hier, alles andere drumherum ist Pillepalle! Vermehren, für Nahrung sorgen und beschützen, das ist es! Vielleicht beginnt die echte Liebe mit einem gemeinsamen Kind.
3 Künstler
2009 haben sie mich gefragt, ob ich mitmachen will und ich war stolz. Dieser Job ist sehr begehrt und ich solle ihn haben. Die erfolgreichste Truppe der Gegend, jedes Wochenende unterwegs, ab und zu auch mehrere Tage am Stück. Ich muss nur meinen Job machen, alles andere ist akribisch geplant und wird meistens ohne Probleme durchgezogen. Wir haben uns auf dem Balkon getroffen und die Fakten des Vorhabens in einer knappen Stunde besprochen. Dann habe ich mich einen Monat lang hardcoremäßig vorbereitet. Die ersten Stücke hörte ich im Urlaub, am Pool in Portugal, mit dem Blick auf den Atlantik und das am Strand gelegene Fischrestaurant. Das war im Mai, also war es noch nicht heiß, sondern angenehm warm. In dieser einen Woche Urlaub habe ich die Stücke ab und zu angehört und sie am Pool oder beim Spazierengehen an der Steilküste auf mich wirken lassen. Wieder daheim wurde drei Wochen getüftelt und gefeilt und danach zweimal alles mit den anderen geprobt. Jetzt brauch ich mich einfach nur in den Bus setzen und los gehts, Geld verdienen und Spaß haben in einem! Wer kann sowas schon machen, es ist ein Risikoberuf selbstständiger Künstler zu sein. Wieviel Geld man am Jahresende verdient hat, weiß keiner im Voraus. Das ist ein Luxusleben, viel Zeit, manchmal auch zuviel, und das ist gut für den Kopf, er fängt an zu denken! "Keine Zeit jetzt, ich will denken", sagte Schlingensief. Ich konnte mir nie vorstellen einen acht–Stunden-Job zu machen, ich habe es ja versucht, aber ich kann das nicht. Ich fühl mich bei sowas ganz schnell wie ein Gefangener. Natürlich muß es Menschen geben, die das machen, sie sind wahrscheinlich durch ihre Eltern geprägt, sodass sie es können und auch noch glücklich dabei sind. Ich bin Musiker. Als zweites Standbein gebe ich Kochkurse an Schulen. Die Kurse an den Schulen werden sehr gut angenommen. Die Kinder finden es scheinbar toll mit mir, denn sie kommen freiwillig und regelmäßig. Einige von ihnen nehmen mich sogar in den Arm, dann bin ich leicht verlegen, aber auch glücklich. Ich drücke ihnen zum Schnibbeln diese riesigen und angsteinflößenden Thrillermordmesser in die Hand. Sie gucken am Anfang meist etwas sparsam, aber wenn ich ihnen dann zeige, wie mit dem Messer gearbeitet wird und erkläre, dass es im Endeffekt viel sicherer ist mit diesen zu arbeiten, fühlen sie sich nach einigen Versuchen wie Profiköche. "Messer mit der Klinge nach unten halten, wenn du damit von hier nach dort gehst", sage ich ihnen, oder "Lass das Messer am besten immer am Arbeitsplatz liegen, ja?" Manche merken sich das tatsächlich! Und der Dreck darf ruhig mal rumliegen, auch auf dem Boden, wenns nicht zu ekelig ist, geputzt wird zum Schluss. Ich erkläre auch nicht viel zum Thema Lebensmittel-von wegen gesund und sowas. Manchmal aber lese ich den Kindern das Kleingedruckte, zum Beispiel das auf einer Ketchupflasche vor und sage nichts dazu. Die Kinder sollen einfach lernen zu Hause selbstständig zu kochen, das ist mein Ziel. Sie sollen alles selbermachen hier, vom Vorbereiten über Kochen und dann Essen, bis zum finalen Abwasch. Und zum Schluß wird die ganze Küche noch gefegt, damit die Reinigungskräfte ein leichtes Spiel haben und mich mögen. Pizza Margherita mögen alle Kinder, egal aus welchem Erdteil sie hierher gefunden haben. Ich wiederhole die Herstellung der Pizzen mit denen dann so oft, bis sie quasi in fünf Minuten aus Mehl, Hefe, Wasser und Salz einen geschmeidigen Pizzateig zaubern und, nachdem er zwanzig bis dreißig Minuten aufgegangen ist, in die gewünschte Form bringen können. Die Auflage ist ganz schnell und einfach gemacht: Passierte Tomaten mit Salz, Pfeffer und reichlich Kräutern der Provence würzen, kurz umrühren und probieren. Danach Gouda reiben und die Auflage ist fertig! Salami oder andere tierische Produkte lass ich weg, die Kinder vermissen das nicht. Logischerweise koche ich mit den Kids auch andere Speisen, aber es ist so wie es ist, alle sind aus dem Häuschen, wenn die Pizza auf der Tagesordnung steht.
4 Julie
"Bis drei Uhr ungefähr", sagt sie.
"Und, was machst du danach?", frage ich.
Sie lächelt!
"Hast du Lust mit mir danach was zu machen?", frage ich.
"Welches Zimmer hast du?",fragt sie.
"404!",sage ich.
"Gut, dann komm ich später", sagt sie.
"Also kommst du nach der Arbeit zu mir?", frage ich nochmal absichernd.
"Ja", sagt sie.
"Ok, dann trink ich heute nur zwei Bierchen!", sage ich.
Hey, mein Hirn mag es nicht glauben, wie ist die denn drauf, ohne kompliziertes Angemache und Gesabbel will diese abgöttische Supertraumfrau zu mir kommen, zu mir, juhuu! Noch bevor das Konzert losging habe ich sie am Tresen gefragt, habe Julie gefragt, die hier im Keller für das Catering der Band zuständig ist, einfach gefragt wie lange sie noch arbeiten muß, und es hat funktioniert.
Sali ging mir bis jetzt nicht aus dem Kopf. Als sie mich vor vier Monaten weggeworfen hat, reagierte ich so bescheuert, dass der Kontakt von ihrer Seite aus verstummte und das tat unheimlich weh. Wir haben uns ein paarmal richtig gestritten, wie ein Ehepaar. Sali und ich waren nur zwei Nächte zusammen, insgesamt noch nicht einmal vierundzwanzig Stunden. Wir haben uns aber gut zwei Wochen lang sehr oft und ausführlich Briefe geschrieben. Sie hat mein Herz geöffnet und mir nach fast zehn Jahren, mehr oder weniger Sololebens gezeigt, dass ich noch lieben kann und will. Als es mit ihr vorbei war, war ich so fertig, dass ich mir nach gut einer Woche Quälerei erstmal Hilfe bei meiner Hausärztin suchte. Im Wartezimmer bin ich fast vor Liebeskummer kollabiert. Meine Ärztin hörte sich meine Liebeskummernummer an und checkte mich mit ein paar modernen Instrumenten durch. Diagnose: "Irgendwas stimmt mit ihrem Herzen nicht, da sind Unregelmäßigkeiten auf der Vektorgrafik, also auf dem Herzschlagdiagramm, zu sehen", sagte sie. Daraufhin bekam ich eine Überweisung in die Kardiologie des hiesigen Krankenhauses und, auf mein Bitten, eine Packung Downertabletten. Zwei Tage später hatte ich den Termin in der Kardiologie. Es ging dort unerwartet zügig voran und am Ende stellte sich heraus, dass bei mir alles tip top in Ordnung ist. Die Tabletten löschten im Gehirn so einige Gedankengänge, was ganz gut war, aber nach vier Tagen setzte ich sie ab. Mein Körper wollte die Dinger nicht mehr, konnte sie nicht mehr vertragen. Sali war eine Hammerfrau, sie wollte eigentlich eine Profikarriere im Tennissport einschlagen und war schon ganz weit vorn dabei, als sie die Sache beendete. Stattdessen studierte sie gerade im Endstadium Medizin, als wir uns in der Nähe von Hamburg zufällig begegneten. Ich sprach sie ohne weitere Absichten an: "Na, hast du dich gelangweilt bei unserer Musik?" Da blieb ihr die Spucke weg und es fiel ihr schwer sich zu artikulieren. Ich war cool, kam gerade aus dem Backstageraum hinter der Bühne. Nach guten Konzerten bin ich meistens super selbstbewusst und suche im verbliebenen Publikum nach einer netten Konversation. In diesem Fall war es Sali, weil sie teilnahmslos, aber frisch und unverbraucht, mit drei viel Älteren im Foyer stand, die sich unterhielten. Ansonsten habe ich niemanden interessanten gesehen. Ich bin direkt auf sie zugegangen und habe mich vor ihr aufgebaut, die Anderen habe ich da gar nicht beachtet. Als wir uns ansahen, blitzte es hin und her. Sie war größer als ich, zwei Zentimeter wie sich später rausstellte und schwerer war sie auch, wegen der Muskelmasse! Sali hat mich dann am gleichen Abend im Internet ausfindig gemacht und mir eine Mail geschrieben: "Bist du der hübsche Bassist…?" Und als ich das drei Tage später gelesen habe, bin ich fast von den Socken gefallen. Hey, da ist eine, die was von mir will, ja ich kann mich erinnern, wer sie ist, das ist der Wahnsinn. Dann ging die Schreiberei los und zwei Wochen später lagen wir zusammen im Bett. Ich mit einer Fünfundzwanzigjährigen, die ultraknackig und schlau obendrein ist. Eigentlich ein falscher Film, aber so kann das halt kommen, was für ein Glück! Und jetzt, jetzt ist Sali endlich schwupp di wupp verdrängt worden, mein Kopf ist frei.
Um drei Uhr hat Julie Feierabend, um drei. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass sie wirklich kommt, hoffe es aber und wünsche es mir. Wir spielen unser erstes Set vom Gig und mir geht es so dermaßen gut, die will mich haben, Mann, Mann, Mann, das kann doch nicht sein. In der Pause frage ich sie nochmal: "Du kommst dann, ne?“ "Ja", sagt sie gelassen. Unser zweites Set spiele ich in der gleichen Hochstimmung runter und die Zugaben leiten den Countdown zu einer hoffentlich unvergesslichen Nacht ein. Wir haben es geschafft, das Publikum war grandios und es folgen die üblichen Verbeugungen: Verbeugen, Applaus, Winke Winke und runter von der Bühne, warten, wieder rauf und das gleiche Prozedere nochmal. Zu siebzig Prozent gehen wir dann nocheinmal auf die Bühne und wiederholen die Sache. Ich finde das ist zu oft und irgendwie peinlich. Mann steht da, macht einen Diener und denkt nur: "Ich will jetzt schnell runter hier, relaxen!" Bis drei Uhr muß ich mich nun wachhalten, mit den Kollegen abhängen, Wasser trinken und ab und zu am Stehtisch mit der molligen Südamerikanerin flirten, um die Zeit zu kürzen. Die Mollige stand ganz hinten im Publikum, sie fiel mir durch ihre dunkle Haut, das fröhliche Gesicht und ihre lustigen Locken auf. Außerdem ist sie recht jung. Die meisten unserer Gäste bei den Gigs sind leider meist schon im frühen Rentenalter. Wenn meine Augen sie finden können, beobachte ich Julie nun vom Schlosshof aus, wie sie in dem großen Saal des Schlosses und in den anderen Räumen am Werkeln ist. Sie geht an mir im Hof vorbei und beachtet mich nicht, sie arbeitet und arbeitet und arbeitet. Ich werde langsam richtig müde und muss mich zusammenreißen, eigentlich schlafe ich schon fast. Die anderen Kollegen sind, bis auf den Drummer, schon im Bettchen und träumen vor sich hin. Unser Drummer hingegen kann kaum noch stehen von den vielen Havanna-Cola. Er redet mit einem Typen, der ein Coca–Cola-Label auf der Stirn kleben hat, einen Haufen Wirrwarr. Die beiden haben unheimlich viel Kondition, Mann, die saufen lustig immer weiter.
So, ich habe Julie schon länger nicht mehr gesehen, ich geh auf mein Zimmer duschen, schön saubermachen den Körper. Ob sie wirklich gleich zu mir kommt, zu mir? Wieso hat es fast zehn Jahre gedauert bis ich wieder will, was hat mich so ohnmächtig gemacht? Ja, ich war nach der Trennung erstmal völlig am Ende und habe mich mich mit verbotenen Substanzen betäubt. Mir fiel die Decke auf den Kopf, ich bin fast wahnsinnig geworden und habe auf einmal gemerkt, wie wenig gute Freunde ich habe. Einer hat sich damals um mich gekümmert und sich für mich Zeit genommen, einer von dem ich es nicht erwartet hätte. "Der ist doch Egoist?" Nee, als es ernst wurde, hat er sich um mich gekümmert, das war ganz groß! Die Zeit heilt alle Wunden, aber dass es dann so lange dauert! Abgesehen von einigen Mini-Bettgeschichten, die nicht einmal echt Spaß gemacht haben, nur damit andere nicht irgendwas Komisches von mir denken, war nichts im Busch. Es war einfach leer wie in der Wüste. Ich habe viel gearbeitet, gemacht und getan, habe mich an das Einsamsein gewöhnt und es war dann auch alles ganz nett, aber nicht aufregend. Einsamkeit schmerzt gleichmäßig! Das Licht ist nicht aus und nicht an, es ist dazwischen, wie ein Stand-by-Zustand.
Ich seh in den Himmel und hoffe!
Mähe den Rasen, um zu vergessen!
Das Wasser im Bach steht immer an der gleichen Stelle, obwohl es fließt!
Um zwei Uhr dreiundzwanzig schreibt Julie , dass sie kurz heimgeht und dann zu mir kommt. Yes, es läuft wie am Schnürchen, Baby! Frisch geduscht und aufgepäppelt warte ich in dem kleinen aber feinen fünf-Sterne-Hotelzimmer. Es ist hier drinnen mörderisch warm trotz Aircondition. Gestern, und die Tage davor, waren hier im Breisgau noch weit über dreißig Grad Wärme angesagt und der ganze Bau glüht noch. Ich stehe am Fenster und sehe hinaus, der Hoteleingang ist rechts, wird sie dort reingehen? Nochmal ins Bad gehen und in den Spiegel gucken, ob alles in Ordnung mit mir ist. Nochmal Zähne putzen, obwohl ich das schon zweimal gemacht habe. Nochmal aus dem Fenster gucken und wieder im Zimmer wie Falschgeld auf und ab gehen. Ich drehe durch, warten auf eine Unbekannte! Ich denke nicht darüber nach, was passieren könnte, wenn sie endlich da ist. Ich habe die Zimmertür einen Spalt breit aufgelassen, dann muss sie nicht auffällig klopfen. Der Teppich ist dunkelrot, das Bett ist zwei Meter lang und neunzig Zentimeter breit. Richtige Einzelzimmer gibt es in fast keinem Hotel mehr! Der kleine Sessel ist auch dunkelrot mit hellen Buchenholzeinlagen an den Lehnen. Die Beinchen sind auch aus Buche, ist ja superstabil dieses Holz. Der kleine, runde Tisch hat eine fast schwarze Granittischplatte. Der Teppich ist auch dunkelrot mit grauen, kleinen Mustern darauf. Ob das reine Wolle ist? Die Wände sind beige und die Lampe…. "Oh, wann kommt die denn nun endlich, weiß sie die Zimmernummer noch? Klar, muss ja, ist doch einfach, 404."
Beim Kochunterricht habe ich vor einiger Zeit mit zwei Mädchen, die waren elf und zwölf Jahre alt, über eine lächerliche Entscheidung gesprochen: Wer soll bei dem Gespräch zwischen meiner Partnerin und mir den Anfang machen? Der Sachverhalt wurde von mir dargelegt und die beiden hörten aufmerksam zu. Das ältere Mädchen sagte dann sehr entschlossen, dass meine Partnerin anfangen muss. Die Jüngere fing an über ihre Eltern zu erzählen und wie die ihre Probleme gelöst haben, bevor sie sich trennten. Ich habe dabei nach einigen Minuten erkannt, dass sie eine große Begabung hat, mit Begeisterung sehr, sehr lange Geschichten zu erzählen. Sie gab keine Antwort auf meine Frage und ich wartete noch etwas, um mich schließlich unauffällig aus der Affaire zu ziehen, weil sie mit weit geöffneten und glänzenden Augen unaufhörlich weiter redete. Mit einem Bassschüler diskutierte ich darüber, ob ältere Frauen schwieriger beim Sex zu "händeln" sind als junge Frauen, wegen deren Erfahrung und so. Sind die meisten Männer nicht sowieso total egoistisch im Bett? Anfangs diese Zärtlichkeiten, Küssen, Streicheln, Umarmen und nach wiederholter Aufforderung vor der ganzen Aktion Blumen schenken! Das lässt nach bei den Meisten, ganz schnell, man merkt es gar nicht und will das auch gar nicht, es passiert einfach. Was bleibt ist meist ein erbärmlich primitiver Standardsexakt.
Da kommt Julie, ich kann sie sehen, sie kommt von links, dort, wo die von Pappeln verzierten Parkplätze sind und nähert sich mit selbsbewussten Schritten. In einer hellen Jeans und mit einem leichten Jäckchen gekleidet läuft sie an meinem Fenster vorbei und schaut kurz zu mir hinauf. Sie bewegt sich dabei unglaublich geschmeidig in den Hüften. Ihre langen, dunklen Haare sind kunstvoll hochgesteckt und glänzen ganz weich. Die Frau macht mich schon jetzt überglücklich. Nun verschwindet sie im Hoteleingang und müsste dann ja gleich hier auftauchen. Mein Herz rast und ich bin ungeduldig wie ein kleiner Hund, der sein Herrchen an der Türe hört. Müsste gleich hier auftauchen, kommt aber nicht. "Was ist denn jetzt los, wollte die nicht zu mir?" Ich raufe mir die Haare und zupfe sie schnell wieder vor dem Spiegel im Bad zurecht. Es ist zwei Uhr vierzig an einem Sonntag im Juli. Morgen bin ich wieder weg, das wird also ein sogenannter One-Night-Stand. Ich mag diese One-Night-Geschichten normalerweise gar nicht, man sollte sich vor einer Bettgeschichte schon etwas kennenlernen, sich verabreden und flirten, aber dann ist es ja kein One-Night-Stand mehr. Was solls, heute mach ich das, wäre ja total blöde, wenn ich es nicht mache. Ich denke, sie will auch einfach nur Sex. Was ich gleich tun werde, passt gar nicht zu mir! Solche Frauen stoßen mich normalerweise ab, für mich wird es uninteressant, wenn so offensichtlich das Interesse an Sex preisgegeben wird. Ich will mich schon etwas bemühen müssen, eine Frau schwach zu machen, normalerweise! Zimmer 404, sie kommt herein, ich sehe sie, oh Mann, ist sie heiß. Ich küsse sie und ihre Kusstechnik sagt mir gewaltig zu. Jetzt befreit sie sich von ihrem Jäckchen und legt es auf den Stuhl. Was jetzt? Ich setz mich auf die Bettkannte und sie steht rechts vor mir, macht den Knopf von ihrer Hose auf, zieht den Reißverschluß elegant aber schnell mit ihrer wahnsinnig schönen Hand herunter, legt die Bündchen der Hose leicht zur Seite und lässt die Hose mit gekonnten Griffen heruntergleiten. Ein türkisfarbener String Tanga mit Spitze und solchem Trallala kommt zum Vorschein. Als sie sich hochbeugt und ihr T-Shirt abstreift, wobei sich ihr ganzer Körper streckt, kann ich sie voll ansehen, kann ihre total geniale Superfigur und das Paradies zwischen ihren Beinen, noch mit Tanga bedeckt, bestaunen. Uh, wie gelähmt schau ich da hin! Mehr brauch ich eigentlich gar nicht zum Glücklichsein. -Mann, das geht aber unheimlich schnell hier, wie im Puff- Ich war natürlich noch nie in so einem Ding, aber man kennt ja aus Filmen, wie das mit Prostituierten vonstatten geht. Sie fragt, sie befiehlt leise: "Zieh dich aus!" und ich mach es dann auch sofort. Ist ihr egal, wer ich bin? Ist egal! Mir ist jetzt schon megawarm hier drinnen und ich bin ziemlich fertig, der Tag war anstrengend aber auch wunderschön bis jetzt. Sie sagt: "Ich habe ein Kondom dabei!" "Das habe ich selber!", antworte ich
