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Nach dem plötzlichen Tod ihres Ehemannes Kalli machte Siegrid Beyer zum ersten Mal ohne ihn mit der Kirchengemeinde eine Reise nach Rom mit Besichtigung des Vatikans und Audienz bei Papst Benedikt XVI auf dem Petersplatz. Das war für sie ein unvergessliches Erlebnis und weckte die Reise- und Lebenslust. Mehrmals war sie auf Gran Canaria, Teneriffa, La Palma und La Gomera. Mit Bekannten erwanderte sie die Inseln und schildert ihre persönlichen Eindrücke. Schöne Erlebnisse hatte sie mit Wanderfreunden in Deutschland. Mit Fahrrad und Schiff war sie in Holland und an der Donau. Nicht zu vergessen waren die Wanderungen in der Schweiz. Zu ihren abwechslungsreichen Urlauben gehörten auch Rundreisen durch Marokko, Portugal, Andalusien, Irland, Provence, Cornwall, die Insel Ischia und die Türkei, wo sie mit einem Heißluftballon über das Tuffsteingebirge von Kappadokien fuhr. Überwältigend und unwirklich waren die Eindrücke von Dubai und Abu Dhabi. Den letzten Urlaub im Corona-Jahr 2020 machte sie nach Kalabrien, wo sie von einem Reiseunternehmen für Werbeaufnahmen eingeladen wurde.
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Seitenzahl: 338
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Siegrid Beyer
Raus aus dem Alltag
48 kleine und große
Urlaubserlebnisse
mit 22 Farbfotos
„Nur wo Du zu Fuß warst,
bist Du auch wirklich gewesen“
Johann Wolfgang von Goethe
Siegrid Beyer ist in Neumünster geboren. Sie hat drei erwachsene Söhne. Nachdem diese aus dem Gröbsten raus waren, arbeitete sie bis zu ihrem 60. Lebensjahr als Sekretärin. Dann wollte sie zusammen mit ihrem Ehemann Kalli den Ruhestand genießen und mit ihm viele gemeinsame Reisen unternehmen. Doch es kam alles ganz anders. Am 15. Juni 2009 stand Kalli morgens nicht mehr auf. Sein Herz hat über Nacht aufgehört zu schlagen. Das war ein Schock, von dem sie sich lange nicht erholen konnte.
Durch eine Bekannte hat sie Kontakt zur Kirchengemeinde Neumünster Wittorf bekommen. Langsam hat sie wieder Lebensmut gefasst. Es begann ein neuer Lebensabschnitt, den sie nun alleine bewältigen muss und der nie geplant war.
Eine Rom-Reise mit der Kirche weckte die Reiselust. Mit verschiedenen Bekannten fuhr sie jetzt in den Urlaub. Von etlichen Urlauben schrieb sie einen Reisebericht und von den Fotos machte sie ein Video.
Wenn sie nicht verreist ist, liebt sie die Haus- und Gartenarbeit. Außerdem ist Patchwork ihr Hobby. Nicht nur wunderschöne Kuscheldecken hat sie hergestellt, sondern auch verschiedene Taschen und Accessoire.
Darüber hinaus ist sie in einem Sportverein oder wandert mit Freunden im schönen Bundesland Schleswig-Holstein.
Wer ein ca. 30-Minuten Video von einem der Urlaube für 5,00 € erwerben möchte, kann es bestellen unter: [email protected]
1. Rom vom 08. - 15.10.2010
Die evangelische Johanneskirchengemeinde Neumünster organisierte eine Pilgerreise nach Rom, zu der ich mich kurzentschlossen anmeldete. Alles wurde organisiert von Pastor Jens Uwe Ramm und seiner Frau Frederike. Frederike lebte einige Jahre als Reiseleiterin in Rom und spricht fließend italienisch, was für uns von großem Vorteil war.
Wir waren eine Gruppe von 18 Personen. Am Flughafen in Hamburg hatten wir viel Zeit, weil der Flieger sich verspätete. Um 18.00 Uhr landeten wir in Rom und fuhren mit dem Bus zu unserem Quartier in der Straße „Via Andrea Doria“, in der Nähe des Vatikans. Es ist ein von Schwestern geführtes Haus. Man geht durch eine abzuschließende Tür in den schönen Innenhof mit Sitzgelegenheiten, einer Laube und einem großen Zitronenbaum. Die Wände sind mit blühenden Blumen berankt, dazwischen sieht man einige Marienkunstwerke.
Wir stellten nur unsere Koffer ab und fuhren weiter zum gemeinsamen Essen in ein Restaurant an der Engelsbrücke am Tiber.
Jeden Morgen um 8.00 Uhr hielt Pastor Jens-Uwe eine 15-Minuten Andacht in der hauseigenen Kapelle und spielte auch auf seiner mitgebrachten Gitarre das Lied „Danke für diesen guten Morgen“, das wir gemeinsam sangen. Anschließend gingen wir nach nebenan in eine Bar zum Frühstück. In einem kleinen Raum saßen wir an Bistrotischen. Einige saßen draußen. Am Tresen konnte man Cappuccino oder Latte bestellen und ein Cornetto, das ist ein gefülltes Hörnchen, oder ein Croissant. Das war alles. So frühstücken die Italiener.
Am ersten Tag gingen wir in den Vatikan. Der Vatikan-Staat ist durch eine riesige Mauer abgegrenzt. Da wir Karten mit Führung von 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr hatten, brauchten wir uns nicht in die lange Menschenschlange einreihen. Zuerst besichtigten wir die vatikanischen Gärten. Über einen Audioguide erklärte uns die Reiseleiterin alles Sehenswerte. Wir spazierten durch die wunderschönen Parkanlagen mit etlichen Marienstatuen, altem Baumbestand aus Pinien, Zypressen, Zedern, Palmen und Agaven. Die Paläste sind mit biblischen Figuren verziert. Man sieht zahlreiche, kunstvoll gestaltete Brunnen und Grotten mit Wasserfällen, gepflegte Blumenbeete, akkurat geschnittene Hecken und Rasenflächen. Dazwischen schlängeln sich die Wege. Die Kuppel des Petersdoms konnte man von vielen Seiten sehen. Auch hatten wir einen herrlichen Blick über die Dächer von Rom, weil der Vatikan auf einem der sieben Hügel liegt.
Dann gingen wir durch die vatikanischen Museen. Touristen aus aller Welt drängten sich durch die endlosen Gänge mit vergoldeten Wand- und Deckengemälden sowie wunderschönen Skulpturen aus Marmor von Michelangelo, Da Vinci, Raphael und anderen Künstlern. Man ist überwältigt von der Pracht und den Kostbarkeiten in den ehemaligen päpstlichen Gemächern und weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Fast am Schluss kommt man automatisch durch die Sixtinische Kapelle, in der die Papstwahl abgehalten wird. Es ist eine riesige, rechteckige Halle mit Fresken und Wand- und Deckenbemalungen von Michelangelo. Als wir da waren, war die Halle durch ein Gitter geteilt. Der vordere Teil für den Papst und die Kardinäle, der Rest für das einfache Volk. Der Papst betritt diese Kapelle durch eine Tür, die von seinen Privatgemächern hierher führt.
Wir hatten nun einen Rundgang von mindestens sieben Kilometer beeindruckender Kunst hinter uns. Zum Ausklang dieses eindrucksvollen Tages aßen wir abends gemeinsam draußen in einer Pizzeria gegenüber unserer Unterkunft.
Am Sonntag waren wir in der deutschen evangelischen Kirche in Rom. Zufällig wurde dort ein besonderes Fest gefeiert. Der Pastor lud unsere Gruppe zu einem kleinen Imbiss im Pfarrhof ein. Dann fuhren wir mit dem Bus ins Zentrum von Rom und machten einen Spaziergang durch die Innenstadt. Wir begannen oben bei der Kirche und gingen die 134 Stufen der breiten „Spanischen Treppe“ hinunter auf einen großen Platz mit einem schönen Brunnen. Auf der Treppe, auf dem Platz und auf den Straßen wimmelte es nur so von Menschenmassen. In den Schaufenstern der Nobelboutiquen war hübsche, tragbare Mode ausgestellt, aber ohne Preise. Wir gelangten zum Trevi-Brunnen. Der populäre Brunnen mit dem barocken Bauwerk ist 26 Meter hoch und 50 Meter breit. Viele Figuren und Fabelwesen aus weißem Marmor säumen den Meeresgott Neptun. Etliche kleine Wasserfälle plätschern in den Brunnen. Rundherum auf der kleinen Brunnenmauer saßen Leute oder schoben sich dicht gedrängt aneinander vorbei. Zu dieser Jahreszeit waren die engen Straßen sehr schattig. Auf den hohen Häusern sah man viele Dachterrassen mit Bäumen und Pflanzen. Am Tiber gingen wir durch die Platanenallee zurück. Es wurde schon dunkel, als wir den Vorplatz vom Petersdom erreichten. Sehr beeindruckend waren die beleuchteten Gebäude und die Kuppel des Petersdoms.
Erwähnenswert ist hier der Straßenverkehr. Auf den Straßen fahren nicht nur Autos, sondern auch viele Motorräder und Roller. Praktisch rast eine mehrspurige Blechlawine an einem vorbei und niemand hält freiwillig an. Als Fußgänger kann man eine Straße nur überqueren, wenn man bei einem Zebrastreifen einfach auf die Straße geht mit Blickkontakt zum Autofahrer. Der Fahrer hält kurz an und wenn man ihn passiert hat, fährt er gleich weiter. So geht es auch mit den anderen Autos, bis man die mehrspurige Straße überquert hat. Am Straßenrand parken die Autos Stoßstange an Stoßstange. Wo eine Lücke ist, stehen Motorroller – dicht an dicht.
Am nächsten Tag besichtigten wir zuerst das Forum Romanum. Dort hatten wir eine Führung. Das römische Reich existierte ca.1.000 Jahre unter verschiedenen Herrschern. Das Forum Romanum hatte vor ca. 2.000 Jahren seine Blütezeit. Für die damalige Zeit war es ein kulturell hochentwickelter Staat mit prunkvollen Gebäuden. Sogar eine Münzprägerei war vorhanden. Die beste Zeit war unter Kaiser Nero und Augustus. Im Laufe der Jahre verlor das römische Reich durch verlorene Kriege an Macht und Einfluss, so dass die Gebäude im Lauf der Zeit verfielen. Von den zerstörten Gebäuden wurden die Steine und der Marmor abgetragen und das neue, jetzige Rom erbaut. Erst Ende des 18. Jahrhundert nach Christi fing man an, anhand der noch vorhandenen Grundmauern bzw. der Überreste von Mauern und Säulen archäologisch das Forum Romanum zu rekonstruieren, wie es wohl ausgesehen haben könnte. Die originalen Pflastersteine der Straßen sind noch vorhanden. Am besten kann man die Überreste und die Ruinen von einem höher gelegenen Aussichtspunkt überblicken.
Um das Volk bei Laune zu halten, wurde 70 n. Christi das Kolosseum errichtet. Es liegt nicht weit vom Forum Romanum und wir gingen zu Fuß dort hin. Es ist ein riesiger, ovaler Bau, der im Grunde einem Fußballstadion gleicht und in dem ca. 50.000 oder sogar bis 70.000 Zuschauer Platz finden konnten. Rundherum auf mehreren Ebenen waren Marmorstufen, auf denen die Zuschauer saßen. Die Stufen sind jetzt nicht mehr zu erkennen. In der Mitte war eine ovale Bühne, auf der Tier- und Gladiatorenkämpfe, Seeschlachten und weitere Spiele und Vorführungen stattfanden. Der Boden dieser Bühne ist auch nicht mehr vorhanden. Jetzt sieht man nur die Mauern der darunterliegenden Kellerräume, wie einen Irrgarten. In diesen Räumen wurden unter anderem auch die Tiere gehalten, die auf der Bühne die Kämpfe austrugen. Im Grunde genommen ist das Kolosseum nur ein Gerippe, das zusammen mit dem Forum Romanum zum UNESCO Weltkulturerbe gehört.
Nach so viel alter Geschichte und Kultur wurde es Zeit, wieder in das quirlige Leben von Rom zu gehen. An der Piazza Venezia steht ein riesiges Monument aus weißem Marmor „Vittorio Emanuele“ oder „Schreibmaschine“ genannt. Auf der „Via del Corso“ gingen wir durch die römische Altstadt mit beeindruckenden Hausfassaden, noblen Geschäften und großen Kirchen bzw. Basiliken mit unglaublich viel Prunk bis zum „Piazza del Popolo“. In der Mitte des Platzes steht der Flaminio-Obelisk auf einem Sockel mit vier runden Becken und wasserspeienden Steinlöwen.
Mittwoch war der Höhepunkt unserer Rom-Reise. Bei strahlend schönem Wetter waren wir zur Papstaudienz auf dem Petersplatz. Wir waren als Gruppe angemeldet und hatten Eintrittskarten für 10.30 Uhr und durften somit problemlos durch die Absperrungen und Kontrollen. Pünktlich um 10.30 Uhr sahen wir auf einem großen Bildschirm Papst Benedikt XVI in seinem Papamobil, begleitet von den neben dem Wagen gehenden Kardinälen, durch die Menschenmenge zur Tribüne fahren. Er setzte sich auf einen Thron unter einem Baldachin. Tausende Menschen aus aller Welt waren versammelt und jubelten ihm zu. Alle angemeldeten Gruppen wurden namentlich aufgerufen, u. a. Südafrika, Australien, Kanada, USA, Thailand, Japan, Lateinamerika und auch unsere Gruppe, Johanneskirche Neumünster. Jede aufgerufene Gruppe klatschte, rief, johlte, sang, schwenkte Banner oder führte Kunststücke auf. Es war eine gigantische Stimmung. Von unseren Plätzen in der Nähe des Obelisken konnten wir den Papst gut sehen. Er grüßte alle Menschen in ihrer Sprache. Die Gruppen aus Deutschland, ca. 50, begrüßte er nochmals auf deutsch. Dann hielt er in mehreren Sprachen eine Ansprache mit der gleiche Geschichte: Eine Frau, die nicht besonders gläubig war, lebte mit ihrem Mann und den Kindern glücklich und zufrieden, bis auf einmal der Mann und die Kinder verstarben. Nun stand sie alleine da und durch diesen Schicksalsschlag wandte sie sich an Gott. Sie verschenkte alle ihre Reichtümer und kümmerte sich um die Armen und Bedürftigen.
Dann beteten alle das lateinische Vaterunser, das auf der Eintrittskarte stand. Papst Benedikt gab dabei seinen Segen, indem er eine Zeile sprach, die Anwesenden im Chor die nächste usw. bis Amen. Schmuck, den man bei sich hat, wird dadurch auch gesegnet. Ich hatte meine grüne Swarovski-Kette mit dem Kreuz in der Hand und dachte bei der Segnung an Kalli, meinen verstorbenen Ehemann, meine drei Söhne und die Familie. Diese Zeremonie hat mich sehr zu Tränen gerührt. Es war für mich ein unvergessliches Erlebnis.
Nach dieser Zeremonie wurden nochmal anwesende Gruppen verlesen, die durch verschiedene Aktivitäten auf sich aufmerksam machten. Es herrschte eine unglaublich fröhliche Stimmung in der Menschenmenge. Ich hätte nie gedacht, dass es mich so mitreißt, beeindruckt und bewegt.
Wir hatten den Nachmittag zur freien Verfügung. Ich schlenderte mit Reinhard durch die Geschäfte und kaufte mir sogar ein dunkelblaues Kostüm. Um 17.00 Uhr wollte er unbedingt zur Messe im Petersdom. Wir reihten uns in die Warteschlange ein, mussten durch Sicherheitskontrollen und als wir endlich im Dom waren, war der Altarraum unter der Michelangelo-Kuppel durch ein bewegliches Holzgeländer für Besucher abgesperrt. Nur wer eine Anmeldung hatte, wurde durchgelassen. Wir leider nicht. Darum nutzten wir die Gelegenheit und besichtigten die heilige Pracht. Der Petersdom ist die größte Kirche der Welt, in der bis 20.000 Menschen Platz finden. Der Innenraum mit seinen insgesamt 800 Säulen aus Marmor, Bronze und Stuck beherbergt 44 Altäre und zahlreiche Kunstschätze wie die Pietà des Michelangelo oder die Bronzestatue des Heiligen Petrus. Wir waren überwältigt von dem unglaublichen Prunk und konnten aus dem Staunen gar nicht mehr rauskommen.
Am nächsten Tag fuhren wir mit Bus und Bahn nach Ostia Antica. In der Blütezeit des antiken Rom bis ca. 200 n. Christi war Ostia eine wohlhabende Hafenstadt am Tiber und am Meer. Mittlerweile ist das Meer 4 km weit entfernt. Durch Versandung, Brände oder Seuchen wurde die Stadt unbewohnbar und verlassen. Erst ab ca. 1950 begann man mit den Ausgrabungen. Ostia sollte ca. 80.000 Einwohner gehabt haben. Es ist schon beeindruckend, wenn man auf den Steinen einer so alten Römerstraße geht. Die Häuser waren dicht gebaut, was man anhand der noch stehenden Mauerreste gut erkennen konnte. In einigen Zimmern sah man noch die wunderschönen Marmorfußböden oder Fußböden mit Figuren aus Mosaiksteinchen. Sehr gut erhalten waren die römischen Badehäuser mit Wellnessbereich sowie das Freilichttheater.
Zurück in Rom kaufte ich mit drei Frauen in der nahen Markthalle ein. Aus Brot, hauchdünn geschnittenem Parmaschinken, Salami, Mortadella, verschiedenen Käsesorten, Oliven, Tomaten und Früchten zauberten wir ein leckeres Büfett. Im Hof unserer Unterkunft deckten wir eine lange Tafel und speisten zünftig mit Wein und Selters. Es war ein sehr schöner, milder Abend mit guter Unterhaltung und netten Leuten.
Unser letzter Erlebnistag war angebrochen. Wir besuchten in Rom die Papstbasiliken Santa Maria Maggiore, die Lateranbasilika und die Sankt Paul Basilika. Zum Schluss war der Petersdom angesagt. In Rom gibt es vier Papstbasiliken. In diesen Basiliken steht ein Papstthron und ein Papstaltar, wo nur der Heilige Vater die Messe halten darf.
Mir reichten die drei Gotteshäuser. Mein Bedarf an religiöser Kultur war nun endgültig gedeckt. Ich wollte lieber auf die Vatikankuppel. Mit Reinhard und Ewald reihte ich mich in die Fahrstuhlschlange ein und nach ca. einer Stunde Wartezeit fuhren wir zum Dach auf Höhe der Apostelfiguren. 230 Stufen hatten wir gespart. Man geht ein Stück über das Dach zur Kuppel und gelangt nun ins Innere des Doms. Die Kuppel hat einen Durchmesser von 42 Metern und ist durch einen ca. 2,50 Meter hohen Maschendrahtzaun gesichert, durch den man aber gut auf die Besucher unten im Petersdom schaut. Es war wirklich sehr eindrucksvoll, direkt unter der Kuppel und über dem Papstaltar zu stehen! Nachdem wir uns sattgesehen hatten, ging es 320 Stufen auf einer sehr engen, schrägen, doppelwandigen Wendeltreppe rund um die Kuppel bis in die Spitze. Es gab immer wieder kleine Luken zum Verschnaufen oder Überholen. Zum Glück gab es keinen Gegenverkehr. Es gibt einen separaten Auf- und Abstieg. Wenn man es geschafft hat, wird man mit einem überwältigenden 360° Blick über Rom belohnt. Auf dem Rückweg machten wir auf der Dachebene ein Päuschen und bestaunten die riesigen Apostelskulpturen, die auf den Petersplatz blicken, von hinten.
Nun war der Rückreisetag angebrochen. Nach dem Frühstück fuhren wir mit dem Charterbus zum Flughafen und dann ging's ab nach Hause.
Die Papstaudienz war für mich ein unvergessliches und unvergleichbares Erlebnis.
Kurz nach der Rückkehr unserer Reise erkrankte Pastor Jens-Uwe Ramm an Krebs und starb 2014 im Alter von 50 Jahren. Das hat uns alle sehr betroffen.
Blick von der Vatikankuppel auf den Petersdom-Vorplatz
2. Oybin in der Oberlausitz vom 09. - 16.06.2013
Wanderurlaub mit Christiane, Erhard, Ute und Manfred. Wir fünf passten gut in den VW-Bus rein, den Christianes Mann uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt hatte.
Auf der Hinfahrt machten wir einen Besichtigungstopp in Bautzen. Um den alten Stadtkern führt eine historische Stadtmauer mit mindestens 20 Festungs-, Wasser- und Kirchtürmen. Zuerst gingen wir in den St. Petri Dom, gleich am Marktplatz, wo wir unser Auto abgestellt hatten. Ein Gitter teilt im Kirchenschiff die katholische von der evangelischen Gemeinde. Es übte gerade ein Kirchenchor und wir lauschten dem Gesang.
Wir besichtigten ein wassertechnisches Denkmal „Alte Wasserkunst“ an der Spree. Vom Aussichtsturm hatten wir einen herrlichen Blick über Bautzen.
Als wir unsere Unterkunft in Oybin, Hotel Nensch, erreichten, fing es fürchterlich an zu regnen und beim Aussteigen gab es einen Donnerschlag – wie Weltuntergang. Wir parkten das Auto unter einem Dach, so dass wir trocken ausladen konnten. Nach dem Abendessen hörte der Regen auf und wir machten noch einen kleinen Spaziergang durch den Kurort.
Am nächsten Tag besichtigten wir in Bertsdorf die älteste evangelische Kirche in der Oberlausitz. Die Pastorenfrau, die zufällig anwesend war, erzählte uns viel über den Ort.
In der Johanniskirche in Zittau hatten wir das gleiche Glück. Ein Pastor berichtete uns ebenfalls von der Geschichte dieser Kirche. Sie wurde vom Baumeister Schinkel erbaut. Auf dem Altar steht eine Jesusskulptur als junger Mann in einem fließenden Gewand. Darüber ein großes Bild von Johannis, der aus einem Buch liest, in das die Menschen nicht einsehen können, und darüber ist ein dunkelblauer Sternenhimmel. Jeder Stern ist durch eine Geldspende der Gemeindemitglieder persönlich erworben worden.
Zwickau ist Erhards Heimatstadt und so konnte er uns viel aus seiner Jugend- und Schulzeit erzählen und zeigen. Die Häuser und Kirchen sind wieder sehr schön restauriert worden.
Typisch für die Oberlausitz sind Umgebindehäuser. Die eine Hälfte ist Fachwerk, meist geteilt durch drei hölzerne Rundbögen und die andere Hälfte Massivbau. Das Obergeschoss und der Dachaufbau sind aus Holzschindeln. Früher arbeiteten in dieser Gegend viele Weber und Tuchmacher. Auf der Holzseite stand der Webstuhl, die Massivseite war der Wohnbereich.
Mit Erhards Cousin und dessen Frau machten wir eine von ihm geführte Bergwanderung von 16km. Wir wanderten über drei Berggipfeln rund um Oybin. Die Wege führten steil über Berggeröll, Baumwurzeln und ausgewaschenen Felsen zum Gipfel des Töpfers auf 650 m. Herrlicher Ausblick über das Land nach Tschechien, Polen und Deutschland. Oft gingen wir direkt an der tschechischen Grenze entlang. Das Wetter war super und wir hatten eine tolle Fernsicht. Manchmal ragen die Felsmassive steil aus dem Boden heraus. Sie sind aus Sandstein und haben eine ganz sonderbare bizarre Form. Wir hatten einen wunderschönen Tag. Landschaftlich ist es hier sehr schön.
Bevor wir unseren Hausberg, den Oybin, bestiegen, schauten wir in die kleine Hochzeitskirche rein, die am Fuße des Massivs liegt. Sie ist im 17. Jahrhundert erbaut und die ungewöhnliche Anordnung der Kirchenbänke, wie in einem Theater, ist dem Felsen angepasst. Die Inneneinrichtung ist größtenteils aus bemaltem Holz. Das Vaterunser ist unterhalb der Empore auf Bildtafeln geschrieben.
Der Eintritt auf den Oybin kostet 4,50 €. Wir besichtigten die Burgruine mit Klosteranlage. Die Burg wurde um 1400 erbaut. Mit einem Rundgangprogramm informierten wir uns geschichtlich und kulturell über die Anlage. Bei herrlichem Wetter mit fantastischer Weitsicht hatten wir in alle Richtungen einen wunderbaren Blick. Den Abstieg machten wir auf der anderen Bergseite und gingen einen steilen Stufenweg runter. Angekommen in Oybin erfrischten wir uns im Kurpark im Kneipp-Wassertretbad. Das Wasser war für mich wahnsinnig kalt. Ich konnte es kaum aushalten und musste fast schreien vor Schmerzen.
Am nächsten Tag hatte Ute Magen- und Darmprobleme und so ist Manfred auch nicht mitgekommen. Wir fuhren ca. zwei Stunden mit Erhards Cousin und dessen Frau durch das Isergebirge ins Riesengebirge nach Tschechien. Luftlinie ist es ca. 70 km entfernt. Im Skikurort Harrachov fuhren wir mit dem Lift auf 1000 m Höhe. Dann wanderten wir – zuerst auf Asphaltstraße – dann auf Wanderwegen bis auf 1350 m Höhe, meist durch Tannenwälder. Weil es sehr warm war und immer bergauf ging, hatte Erhard Luft- und Herzprobleme. Wir gingen nicht bis zum Gipfel. Etwas unterhalb bogen wir ab und gingen parallel zum Bergkamm verhältnismäßig flach zurück. Hier wuchsen niedrige Krüppelkiefern, Heidelbeeren und Heide. An der Endstation eines Skilifts machten wir Rast und hatten einen schönen Blick auf Tschechien. Dann ging es auf dem Skihang bergab. Das war sehr beschwerlich, weil es teilweise sehr steil war und somit in die Oberschenkel ging. Dann mussten wir noch ca. sechs km auf Asphaltstraße abwärts bis zum Auto gehen.
Am nächsten Tag fuhren wir in den Nachbarort Johnsdorf. Von dort aus wanderten wir durch schmale Felsschluchten, teilweise auf Treppen- und Wurzelstufen bergauf – bergab und kamen auch an einen Felsen, aus dem früher Mühlräder in Handarbeit geschlagen wurden. Das muss eine Schwerstarbeit gewesen sein, denn die Mühlsteine mussten auf Schlitten ins Tal transportiert werden.
Am letzten Tag hatte mich die Magen- und Darmverstimmung erwischt und ich wanderte nicht mit.
Irritierend war für mich, wenn die Leute hier was bestätigen. Statt „ja“ sagen sie “no“ oder sogar „no no“.
Auf der Rückfahrt hielten wir in Görlitz. Das war ein Abstecher wert. Die Altstadt mit den historischen Gebäuden wie Rathaus, Peterskirche, Unter- und Obermarkt mit den prunkvollen Bürgerhäusern mit prächtigen Eingangsportalen lässt auf früheren, großen Handelsreichtum schlißen. Über die Neißebrücke kommt man direkt nach Polen.
Auf der Rückfahrt wurden wir zweimal geblitzt.
Siegrid, Ute, Manfred, Christiane, Erhard
3. Fahrradtour durch das Naturparadies Masuren
vom 21. - 30.07.2013
Organisiert durch das Busunternehmen Neubauer buchten Ebba und ich diese Busreise.
Wir waren nur eine kleine Gruppe von 10 Teilnehmern. Momme war unser Busfahrer und hatte Ellen, seine Frau, als Gast mitgenommen. Unsere Reiseleiterin Anna begrüßte uns in unserm sehr schönen, direkt am See gelegenen Hotel in Sensburg. Sie betreute und leitete unsere Radtouren. Sie ist Polin ohne deutsche Wurzeln und spricht fließend fehlerfreies Deutsch ohne Akzent. Auf den Bustouren und auch sonst hat sie uns viel über Land und Leute erzählt.
Auf der Hinfahrt fuhren wir durch die Stadt Deutsch Krone und ich hatte Kallis Geburtshaus, die Bäckerei von meinen Schwiegereltern, im Vorbeifahren gesehen. Ein sehr markantes Haus an einer großen Straßenkreuzung. Deutsch Krone liegt an einem See wie Ascheberg, wo die Schwiegereltern zuletzt wohnten. Auf der Rückfahrt wollte ich gerne ein Foto von dem Haus machen, aber leider bogen wir vorher nach Stettin ab, so dass wir nicht mehr an dem Haus vorbei kamen.
In Schneidemühl war eine Zwischenübernachtung. Nach dem Abendessen gingen wir spazieren und ließen den milden, schönen Abend in einem Ausflugslokal ausklingen.
Am nächsten Morgen fuhren wir durch die Bromberger Heide nach Thorn. Alle Landschaften, die hier „Heide“ heißen, sind große Waldgebiete. Thorn liegt an der Weichsel, hat gute, große Straßen- und Eisenbahnbrücken und eine sehenswerte Altstadt. Bekannt ist Thorn durch Lebkuchenbäckereien und den Astronomen Kopernikus. Weiter fuhren wir durch dünn besiedelte Landschaften mit viel Mais- und Getreideanbau zu unserem wunderschönen, an einem See gelegenen Hotel in Sensburg.
Unsere erste Fahrradtour begann in Seehesten, früher Sensburg. Wir besichtigten eine Kachelofen-Manufaktur, die zu einem renovierungsbedürftigen Schloss gehörte und einen sehr schöner Nutz- und Bauerngarten. Der Verdienst aus der Manufaktur und dem Garten diente zur Renovierung des Schlosses.
Wir radelten durch sehr hügelige Landschaften auf Sandwegen, Kopfsteinpflaster, asphaltierten Holperstrassen und durch wunderschöne Eichenalleen. Dabei überquerten wir einen ehemaligen Flugplatz, der einst zur Wolfsschanze gehörte. Weiter fuhren wir durch ein riesiges Waldgebiet bei Rastenburg, bis wir die Ruinen des Führerhauptquartiers von Adolf Hitler erreichten. Hier hatten wir eine Führung durch die gesprengten Anlagen der „Wolfsschanze“ bzw. wir sahen, was nach der Sprengung geblieben ist. Hitler hatte den Decknamen „Wolf“.
Danach besuchten wir als Gegenprogramm die Wallfahrtskirche „Heiligelinde“. Diese Basilika ist um 1700 erbaut und wurde nicht zerstört. Wir hörten eine Orgelpräsentation mit beweglichen Figuren beim Spielen auf der Orgel - sehr beeindruckend !!
In Masuren gibt es kaum nennenswerte Sehenswürdigkeiten, dafür punktet Masuren mit einer besonders schönen Landschaft, bestehend aus vielen kleinen oder langgezogenen Seen, hügeligen Wäldern, Wiesen und Getreidefeldern. Es ist eine durch die Eiszeit entstandene Moränenlandschaft und gehört zum baltischen Höhenzug. Landschaftlich ähnlich wie die Holsteinische Schweiz oder auch wie Mecklenburg-Vorpommern. Der nördliche Teil besteht aus Mischwäldern und fruchtbarem Ackerland; der südliche Teil ist sandig mit Kiefernwäldern.
Auf einer anderen Radtour kehrten wir zur Mittagszeit in einem ehemaligen Jagd- und Forsthaus, das jetzt eine Gaststätte ist, ein. Dort gab es Zander oder drei Pfannkuchen mit Blaubeeren. Lecker!!! In dieser Gaststätte befindet sich im ersten Stock der „Salon der Gräfin Marion Dönhoff“. Nach dem Essen besichtigten wir das Museum. Die deutsche Journalistin Renate Marsch-Potocka, die mit der Gräfin befreundet war und hier wohnt, erzählte uns aus deren Leben und spielte uns auch eine CD vor, auf der Alice Schwarzer und Marion Gräfin Dönhoff abwechselnd aus ihrem Buch über die Flucht aus Ostpreußen vorlasen. Marion Gräfin Dönhoff war Chefredakteurin der Wochenzeitung „Die Zeit“. Sie verstarb 2002.
Weiter fuhren wir durch einige Dörfer von „Altgläubigen“. Diese Minderheit ist eine Sekte der russisch-orthodoxen Kirche, die vor dem 2. Weltkrieg aus religiösen Gründen verfolgt wurde. Außerdem wohnen hier auch viele reine Orthodoxen, was man an den Zwiebelturm-Kirchen erkennt. Auffallend ist, dass in diesen Dörfern die Holzhäuser der Altgläubigen dunkel gestrichen sind.
Salon der Gräfin Marion Dönhoff
Bei einer Geländetour durch die Johannisburger Heide auf Sand- und Waldwegen, auf Schotter und Kopfsteinpflaster mit permanenten Mückenangriffen erreichten wir einen herrlichen Badesee, wo ich zum ersten Mal in diesem Jahr badete. An einem anderen Badesee, wo wir Mittagspause machten, kam ein Priester mit einem Eimer und bespritzte uns und den Bus mit Weihwasser und wünschte uns eine gute Reise – nett. Anna übersetzte, dass er, als Schutzpatron der Reisenden, uns und unseren Bus segnete und eine gute Reise wünschte.
Zur Mittagspause am Bus gab es das obligatorische 3-Gänge-Menü - Wurst, Senf und Brot oder Milchreis mit Kirschen bzw. wurde unterwegs im Sklep etwas zu Essen gekauft. „Sklep“ sind die „Tante-Emma-Läden“ im Dorf.
Am letzten Tag besichtigten wir ein privates, liebevoll gestaltetes, masurisches Bauernhausmuseum in der Pension Christel. Christel begrüßte und verabschiedete jeden Gast. Sie sprach ostpreußischen Dialekt wie ein typisch ostpreußisches Marielchen. Sie erzählte von ihrer Familie und wie sie die alten Sachen, die zu besichtigen sind, geerbt hat. Die Pension und die gesamte Anlage ist sehr sauber und gepflegt. Besonders liebt sie ihren großen Blumengarten, den sie meistens selbst bearbeitet.
Zum Abschluss der Reise genossen wir eine Stakenfahrt auf der Krutinna. Es war wie im Spreewald. Klares, flaches Wasser, ca. 70 cm tief, auf dem Grund große bunte Steine und Wasserpflanzen. Am Ufer die grünen Bäume und ab und zu kamen wir an Gaststätten mit Kanuverleih vorbei. Bei dem schönen Wetter waren viele Freizeitboote auf dem Fluss - es herrschte eine Ruhe und Stille - einfach herrlich zum Abschalten und zum Urlaubsabschluss.
In unserem masurischen Hotel gab es morgens Frühstücksbüfett und abends wurde immer eine Suppenterrine auf den Tisch gestellt, aus der sich jeder bedienen durfte. Danach gab es Büfett mit viel Kohl, Sauerkraut, Zwiebeln, Fleisch und Fisch und natürlich Nachtisch, meist Kuchen oder Pudding. Es war alles sehr lecker und eine gutbürgerliche Küche. Am letzten Tag hatten wir einen Grillabend und waren noch lange auf der Terrasse am See.
Nach der Rückkehr von den täglichen Fahrradtouren hatten einige von uns noch im See gebadet oder sogar schon morgens vor dem Frühstück. Ebba und ich hatten zum Abschluss der Tagestouren immer einen halben Piccolo auf unserer schönen Seeterrasse genossen, bevor wir zum Abendessen gingen. Viel Spaß hatten wir, wenn der Ober uns nach dem Essen einen Wodka Magenbitter anbot. Das war ein Zungenbrecher: ausgesprochen „Goschka-jon-kowa“. Schmeckte ähnlich wie Bärenfang, aber nicht ganz so süß. Bärenfang ist ein ostpreußischer Honiglikör.
Auf unseren Radtouren sahen wir viele Storchennester und auf den Wiesen unzählige Störche. Bevorzugt waren die gerade frisch abgemähten Felder, wo viel Nahrung für die Jungstörche zu finden war. In den Wäldern gab es Blaubeeren und Pilze. Wir stellten unsere Räder ab und pflückten die Blaubeeren gleich in den Mund.
Die Touren waren teilweise wegen den schlechten Straßenverhältnissen und Berg- und Talfahrten sehr anstrengend. Man musste konzentriert und mit Abstand fahren. Außerdem gab Anna ein verhältnismäßig schnelles Tempo vor. Auf den Autostraßen musste man besonders vorsichtig fahren, weil die polnischen Autofahrer unwahrscheinlich schnell an unserer Gruppe vorbei fuhren.
Aufgefallen ist uns, dass viele Straßen und auch die Promenade sowie Freizeiteinrichtungen in Sensburg durch EU-Gelder finanziert wurden.
Am Wochenende war in Sensburg „Picknick Country-Music Festival“ direkt auf der Straße vor unserem Hotel, die deshalb abgesperrt war. Außer kulinarischen Verkaufsständen wurden Country-Hüte, Lederkleidung und -stiefel angeboten. Viele Leute, alt und jung, trugen diese Ledersachen, bevorzugt Hüte. Es war alles ruhig und friedlich. Ich hatte keinen Betrunkenen gesehen und nichts Ausfallendes. Es spielten einige Country-Bands und es wurde auch getanzt. Dieses Festival besuchten wohl überwiegend Motorradfahrer, denn die großen, blitzblanken Maschinen standen überall und wurden voller Stolz vorgeführt, auch mit lautem Auspuffknall usw. Die Leute zelteten friedlich auf der anliegenden, zugeteilten Campingwiese.
Auf der Rücktour übernachteten wir in Stettin. Ich ging noch zur nahegelegenen Hakenterrasse.
Am nächsten Tag machten wir in Wismar Mittagspause. Um 16.30 Uhr holte André mich in Kiel ab.
Zwei Tage Busfahrt nach Masuren, je ca.1.130 km. In Masuren fuhr der Bus ca. 700 km
und auf dem Fahrradtacho hatte ich 230 km für sechs Tagestouren.
4. Wien vom 10. - 17.09.2013
Mit Taxi und Kielius waren Lotti und ich rechtzeitig gegen 14.00 Uhr am Flughafen in Hamburg. Um 16.30 Uhr sollte unser Flieger nach Wien starten. Wir gingen in die Flughafenhalle rein, aber es war ziemlich dunkel. Die Rolltreppe nach oben stand still. Wir gingen weiter zum Lift. Dort sagte uns eine Angestellte, es ist zur Zeit totaler Stromausfall und nichts geht mehr. Kein Computer, keine Fliegerabfertigung, keine Uhrzeit – nichts!!! Nur die Notbeleuchtung in der Abfertigungshalle. Ab ca. 15.00 Uhr war der Strom wieder da und lange Schlangen bildeten sich vor den Buchungsschaltern. Wir flogen um 16.45 Uhr ab und waren um 18.00 Uhr in Wien. Am Flughafen kauften wir uns ein Wochenticket für alle Verkehrsmittel für 15,80 Euro und fuhren mit der S-Bahn zu unserem Hotel Congress, das ca. zwei Minuten von der Station entfernt war. Das Zimmer war sauber, lag zum Hinterhof und wir konnten das Fenster öffnen, ohne den Straßenlärm von der zentral gelegenen Hauptstraße zu hören. Das Frühstücksbüfett war auch gut, es wurde ständig nachgelegt und die Platten waren immer voll und sauber.
Unser erster Eindruck von Wien waren die sehr sauberen Straßen. Keine Blätter, keine Kippen, kein Papier – nichts lag auf dem Bürgersteig – aber multi kulti! Sehr viele Ausländer. Man hörte alle Sprachen; italienisch, englisch, ungarisch usw. Die Verkäuferinnen waren auch mehrsprachig.
Am ersten Tag machten wir eine große und eine kleine Stadtrundfahrt mit dem Bus Hop on Hop, um die schönsten Sehenswürdigkeiten in Wien kennen zu lernen.
Wien hat 1,7 Mio Einwohner. Die Altstadt „Innere Stadt“ besteht nur aus Barockgebäuden, dagegen die Neustadt - vorwiegend auf der anderen Donauseite, nur aus Glaspalästen. Danach sind wir durch die prächtigen Einkaufsstraßen gebummelt, haben den Stephansdom besichtigt und im Café Sacher Apfel- und Topfenstrudel gegessen.
Am nächsten Tag fuhren wir mit der U-Bahn zum Prater und drehten eine Runde im berühmten Riesenrad.
Danach fuhren wir zum Schloss Schönbrunn. Mit einem Audioguide besichtigten wir die prunkvollen Repräsentations- und Wohnräume.
Dann spazierten wir durch den Schlossgarten und die Parkanlagen zum Neptunbrunnen und oberhalb am Ende des Parks zur Gloriette. Von dort hat man einen wunderschönen Ausblick über das Schloss und die Stadt Wien.
Abends hatten wir in der Innenstadt beim Italiener gegessen.
Am nächsten Vormittag besichtigten wir die Schlossanlage Belvedere, die nur ca. 500 m von unserem Hotel entfernt ist. Zwischen dem Oberen- und dem Unteren-Belvedere-Schloss befindet sich ein sehr schön gestalteter Garten mit Treppen, Wasserspielen und seitlich begrenzten Hecken mit Skulpturen. Vom Oberen Belvedere hat man einen schönen Blick auf die abfallenden Gärten zum Unteren Belvedere Schloss, auf die Türme Wiens und die Höhenzüge des dahinterliegenden Wiener Waldes. Nachmittags bummelten wir durch die Innere Stadt und waren im Hotel Sacher und Café Zentral.
Für Sonnabend hatten wir uns mit Nicole und ihrer Freundin zu einer Fiakerfahrt verabredet. Leider regnete es und wir machten eine Führung durch die Hofburg, das Sissi-Museum, die Kaiserappartments und die Silberkammer.
Im Sissi-Museum erzählte man uns den Lebenslauf der Kaiserin Elisabeth und ich stellte fest, dass diese Frau alles andere als eine Romy Schneider war. Sie war groß, schlank, schön, sehr eitel und mit sich selbst beschäftigt. Sie hatte lange schwarze Haare. Die Haarwäsche und das Trocknen zur damaligen Zeit dauerte sehr lange. Auch machte sie ständig Diäten und mehrere Stunden Sport, um schlank zu bleiben. Dafür hatte sie extra ein Turnzimmer. Alle Räume im Kaiserappartement, Schlafzimmer, Arbeitsräume usw. sind sehr schön und prächtig eingerichtet. Kaiserin Sissi hatte eines der ersten Badezimmer mit richtiger Badewanne und Klo. Sie hatte sieben Kinder, kümmerte sich aber wenig um diese. Sie liebte ihren Mann, den Kaiser Franz wohl nicht so sehr, wie er sie liebte. Sissi war erst 16 Jahre, als sie ihn heiraten musste. Er war zwei Jahre älter und sehr diszipliniert, stand bereits morgens um fünf Uhr auf und arbeitete sehr viel. Sissi war oft Monate lang alleine ohne Familie, aber mit einem großen Hofstaat unterwegs und machte Urlaube und Kuren im Ausland. Mit 60 Jahren wurde sie in Genf ermordet.
In den Räumen der Silberkammer befinden sich viele Vitrinen mit Geschirr in Silber, Gold und aus Porzellan. Tafelaufsätze, Suppenschüsseln, Servierteller sowie Besteck in Hülle und Fülle in verschiedenen Dekors und jedes einzelne in hundertfacher Ausfertigung.
Als wir am Nachmittag aus dem Schloss kamen, schien die Sonne und wir gingen zum Naschmarkt, wo Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Gewürze und viele andere Spezialitäten angeboten werden. Sonnabends ist zusätzlich noch Floh- und Antiquitätenmarkt.
In einem der Gaststättenzelte aßen wir Fisch.
Danach fuhren wir mit der U-Bahn und weiter mit dem Bus nach Neustift am Walde. Dort gibt es etliche Heurigen-Gaststätten mit lauschigen Terrassengärten. Man hatte uns die Weingaststätte Fuhrgassl-Huber empfohlen. Wir hatten dort einen Heurigen getrunken für 2,80 € p. P. und hatten einen netten Abend.
Am Sonntag waren wir im Wiener Stadtpark und sahen dort - wie überall - viele Obdachlose auf Parkbänken liegen. Nicht weit entfernt war das Hundertwasser-Village zu bestaunen. Dann spazierten wir am Donaukanal zur Innenstadt. Im Café Central probierten wir eine überteuerte Sachertorte und genossen die Wiener Kaffeehaus-Atmosphäre. Bei einer 2-stündigen Stadtführung erklärte man uns, dass die Wiener das Kaffeehaus als 2. Wohnzimmer betrachten, dort Zeitung lesen und eine besondere Kaffeehauskultur pflegen.
In der Nähe unseres Hotels hatten wir zweimal abends in einer Gaststätte gegessen. Ein original Wiener Schnitzel mit Kalbsfleisch und einmal Schnitzel nach Art des Hauses. Das war Schweineschnitzel in Reibekuchenpanade. Schmeckte ganz lecker. Es gab jeweils zwei Schnitzel auf den Teller.
Zum Rückflug waren wir auch pünktlich am Flughafen. Um 18.00 Uhr sollte der Flieger starten. Wir sahen ihn, aber es wurden keine Koffer eingeladen. Statt dessen kam eine Durchsage, dass wegen eines technischen Fehlers der Flug sich verzögert und wir mit einem anderen Flieger starten müssten. Im Flugzeug erfuhren wir, dass das erste Flugzeug mit einem Vogel kollidiert war und am Flügel eine große Delle geglättet werden musste, bevor es wieder fliegen durfte.
4. Wanderurlaub mit dem Tungendorfer Sportverein in Latrup im Sauerland vom 20. - 26.10.2013
Wir fuhren mit dem Auto um 8.00 Uhr vom SVT-Parkplatz ab und trafen um ca. 14.00 Uhr in unserem Hotel Hubertushöhe in Latrup ein. Insgesamt waren wir 21 Personen und fast alle sprachen miteinander platt. Ich konnte es gut verstehen, aber leider nicht sprechen.
Schon unterwegs begeisterte uns die schöne Laubfärbung. Die Landschaft hier im Rothaargebirge ist hügelig und mit Mischwald bepflanzt. Die Herbstfärbung hatte voll eingesetzt und das Laub leuchtete in den schönsten Farben, grün, goldgelb und in vielen Rottönen. Zwischen den Waldgebieten sah man die grünen Felder – einfach wunderschön. Die Fachwerkhäuser sind alle weiß gestrichen und mit Schiefer gedeckt. Es sah hier alles so sauber, ruhig und friedlich aus. Man traf kaum Menschen.
Latrup liegt im Tal und ist ein Enddorf und Ausgangspunkt für die Wanderer zum Rothaarsteig.
Das Hotel Hubertushöhe war auch gut. Wir hatten Halbpension – Frühstücksbüfett und abends die Auswahl zwischen 3 gutbürgerlichen, leckeren Gerichten. Ich hatte ein Zimmer mit Balkon zur Südseite, schönem Ausblick und war sehr zufrieden.
Nach dem Abendessen saßen wir immer noch gemütlich zusammen und machten das Knobelspiel „10.000“. Wir hatten dabei Spaß und lachten viel, weil es so spannend und lustig war.
An einem Abend zeigte Claus uns über den Fernseher die Bilder vom vorherigen Wanderurlaub.
Unsere erste Wanderung machten wir um Latrup herum. Es ging bergauf und bergab durch die bunte Herbstlandschaft, oft auch auf schmalen Wegen durch die Wälder und mit Blick in das ruhige Tal.
Am 2. Tag fuhren wir mit dem Bus zum „Kahlen Asten“ auf eine Höhe von 840 m. Von hier aus wanderten wir auf dem Rothaarsteig nach Latrup – ca. 16 km. Wir hatten schönes Wetter, Sonnenschein, blauen Himmel und ca. 16 – 18°, aber auf dem kahlen Höhenkamm war es teilweise sehr windig. Nicht nur das, oft mussten wir auch steile, mit Wurzeln und Steinen versehene Waldpfade erklimmen. Doch die Anstrengung lohnte. Wir hatten immer einen herrlichen Überblick auf das Hochsauerland.
Bergstation „Kahler Asten“ Sauerland
Man glaubt es kaum, am nächsten Morgen regnete es in Strömen. Kein Problem für uns Wanderer. Regencape über und die bunte Truppe marschierte los. Nach einer Stunde hörte es auf zu regnen und wir hatten wieder einen schönen Wandertag.
Am folgenden Tag schien die Sonne und für die Jahreszeit war es warm. Wir wanderten über den Kyrill-Pfad und staunten, was für einen Schaden dieser Orkan im Jahr 2007 angerichtet hatte. Alle Bäume lagen entwurzelt kreuz und quer. Ca. einen Kilometer wanderten wir durch das Gelände auf Holzstegen, kleinen Brücken, auf und unter umgestürzten Bäumen mit imposanten Wurzeltellern sowie auf Trittleitern zu verschiedenen Aussichtspunkten.
Dann führte unsere Wanderung über den WaldSkulpturenWeg. Künstler haben mit ihren Kunstwerken am Wegesrand einen Kunstwanderweg geschaffen. Der Krummstab, der einen Bischofsstab darstellen soll, sieht aus wie ein Elefantenrüssel. Das Kunstwerk „Kein leichtes Spiel“ stellte eine Gruppe von Toren dar, die aus einer großen Eisenplatte rausgebrannt wurden. Das soll an die hiesigen Religionskonflikte erinnern. Das Denkmal „Stein-Zeit-Mensch“ zeigt die Zeitlichkeit und Vergänglichkeit der Natur.
Für die Kaffeepause hatte unser Wirt an einem schönen Plätzchen im Wald Tische und Bänke hingestellt und uns mit Kaffee und leckerem Butterkuchen versorgt.
Am letzten Tag fuhren wir mit einem Taxi zum Startpunkt und von dort aus wanderten wir zu unserem Hotel nach Latrup. Es war bedeckt und zwischenzeitlich nieselte es auch mal. Die Bäume waren schon recht kahl und das Laub lag auf den Wegen. Nach dieser letzten Wanderung waren fast alle recht erschöpft und wir freuten uns auf die Heimfahrt am nächsten Tag.
6. Kururlaub in Baska auf Krk vom 10. - 24.11.2013
Die Busreise war eine Odyssee! In Neumünster stieg ich um 18.00 Uhr in den Zubringer nach Hamburg. Von dort aus ging die Fahrt mit Zusteigern - bis der Bus voll war - durch die Nacht. Es war mir unmöglich zu schlafen. Gegen 6.00 Uhr standen wir bei München in einem 2-stündigen Stau. Auf der Tauernautobahn fuhren wir durch eine wunderschöne Winterlandschaft nach Kroatien. Dort änderte sich das Wetter. Es wurde sehr stürmisch und die Straßen waren wegen umgestürzter Bäume nicht befahrbar oder gesperrt. Wir sahen sogar ein Auto unter einem eingestürzten Gebäude. Diesen starken Fallwind, der vom Festland kommt, nennt man hier Bora und die hatte jetzt eine Geschwindigkeit bis zu 220 km/h. Wir mussten umkehren und fuhren Richtung Triest an der Adriaküste entlang nach Rijeka. Gegen 17.00 Uhr wurde es dunkel und alle Straßen nach Krk waren gesperrt. Unser Busfahrer telefonierte mit dem Hotel in Baska und bekam die Anweisung, ein Hotel in Rabac anzufahren, das wir dann endlich um 20:00 Uhr erreichten. Also war ich 26 Stunden unterwegs. Die beiden Busfahrer konnten zwar gut fahren, waren aber sehr unfreundlich. Schlimm war jedoch, dass sie keine Auskunft gaben und sogar frech antworteten. Ich hatte großen Hunger, da die letzte Mahlzeit ein Würstchen zu Mittag war.
Nach dem Frühstück erfuhren wir, dass die Brücke nach Krk zwar wieder freigegeben ist, die Strassen auf Krk aber von den umgestürzten Bäumen noch nicht geräumt waren.
Als Entschädigung für unsere Strandung hatten wir von Trendtours eine Fahrt mit einem freundlichen und kompetenten Reiseführer in die schöne Küstenstadt Pula bekommen. Pula wurde 200 v. C. von den Römern erbaut. Das Kolosseum, das dem Römischen gleicht, wird heute noch im Sommer für Festspielaufführungen genutzt, ebenso die von den Römern erbaute Kanalisation. Teile der Stadtmauer, die Torbögen und Säulentempel erinnern an diese Vergangenheit. Nach den Römern besetzten die Venezianer die Stadt und errichteten viele städtische Gebäude und öffentliche Paläste in ihrem Baustil, insbesondere die Innenarchitektur.
Wir gingen durch die schmalen, mediterranen Gassen der Altstadt. Auf dem Markt gab es frisches Gemüse und Früchte. Es gibt hier viele lange Alleen und Parkanlagen, die im Sommer wohltuenden Schatten spenden.
Die Rückfahrt auf der Küstenstraße durch Istrien war sehr beeindruckend. Wir fuhren auf Serpentinen durch Waldgebiete. Das Gebirge besteht aus weißem Kalkstein und viele Gebäude sind aus diesem Material erbaut.
