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Sarah läuft auf dem Weg nach Hause einen Jungen um und ist im ersten Moment sprachlos. Doch erst zu Hause merkt sie, wie sehr sie dieser erste Blickkontakt berührt hat. War es ihre Liebe auf den erst en Blick? Sie holt ihren Tuschkasten hervor und malt sein Gesicht aus ihren Erinnerungen nach. Ihr Blick kann sich nun nicht mehr von dem Bild lösen und sie muss ständig draufschauen. Wie einen teuren Schatz hütet sie das Bild. Schnell wird ihre beste Freundin Yasmin mit eingespannt und gemeinsam überlegen sie, wie Sarah ihre Liebe wiederfinden könnte. Yasmin hat dann die Idee das gemalte Bild zu kopieren und Plakate und Flyer in der Stadt zu verteilen. Sarah ist begeistert und sofort fangen sie an. Ihre Aktion kommt so gut an, dass sie bis in die regionalen Nachrichten schafft. Jens – die Liebe auf den ersten Blick – wird durch seinen Kumpel darauf aufmerksam gemacht, dass er im Fernsehen ist. Noch genau erinnert er sich an den ersten Blickkontakt und ihre Augen, sofort fährt er in die Stadt um sie wieder zu sehen. Aus den beiden entwickelt sich eine Fernbeziehung. Doch später wird Sarah durch ein Missverständnis aus der Bahn geworfen und will nichts mehr von ihm wissen. Doch Jens kämpft um seine große Liebe und kann sie wieder für sich gewinnen. Der Abschluss ist dann die gemeinsame Hochzeit.
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Seitenzahl: 252
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Heike Datzko
5 Mal Liebe
Die Suche nach der Liebe auf den ersten Blick
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Serie 5 Mal Liebe
Über die Autorin
Die erste Begegnung
3 Jahre später
Die Hochzeit
Kontakt zur Autorin
Impressum neobooks
5 Mal Liebe ist eine eBook Serie mit 5 eBooks zum Thema Liebe.
im ersten Teil geht es um den ersten Blick und die sich daraus entwickelnde Liebe mit dem gemeinsame Leben.
Weitere Bände:
Band 2: Mareike - ein Schicksal unter vielen
Band 3: Eine fast perfekte Love - Story
Band 4: Gebrochene Herzen finden immer einen Weg
Band 5: Meine Traumwelt
Über dieses Buch
Sarah läuft auf dem Weg nach Hause einen Jungen um und ist im ersten Moment sprachlos. Sie begreift nicht, was ihr dort gerade wiederfahren ist. Erst zu Hause merkt sie, wie sehr sie dieser erste Blickkontakt berührt hat. War es ihre Liebe auf den ersten Blick?
Gemeinsam mit ihrer Freund Yasmin fängt sie an, nach diesen unbekannten Augenpaaren zu fahnden und die aufgehängten Plakate holen schnell das lokale Fernsehen auf den Plan.
Wird Sarah ihre Liebe auf den ersten Blick finden? Fühlt er so wie sie und haben sie eine gemeinsame Zukunft?
Eine Kurzgeschichte über die Liebe auf den ersten Blick mit ihren Höhen und Tiefen.
Die Autorin
Heike Datzko wurde 1979 in Pasing bei München geboren. Aufgewachsen ist sie dann allerdings in der Bierstadt Einbeck in Niedersachsen. Seit erfolgreicher Ausbildung zur Informatikkauffrau arbeitet sie im Bereich Personalwesen eines mittelständischen Industrieunternehmens.
„Oh Entschuldigung.“ „Ebenfalls.“ Sie standen sich gegenüber und schauten sich tief in die Augen. Solche tiefen und dabei gleichzeitig klaren Augen hatte Sarah noch nie zuvor gesehen. Und erst diese Stimme, sie schmolz dahin. Die Person hatte sich schon wieder umgedreht und ging weiter ihren Weg. Sarah stand noch am Platz ihres Zusammentreffens und schaute ihr verträumt hinterher. Vor dem unbeabsichtigten Zusammenstoß hatte Sarah schlechte Laune gehabt, es gab Ärger in der Schule, Ärger zu Hause und noch dazu hatte sie sich mit ihrer besten Freundin verkracht. Und jetzt? Jetzt war es als würde sie auf Wolke 7 oder höher schweben. Ihre Probleme, ihre Sorgen, die 5 in Mathe, alles war vergessen. Nur diese Person mit den wunderbar klaren und tiefen Augen war wichtig.
Deutlich sah sie sein Bild in ihrem Kopf – wie als würde er noch vor ihr stehen. Seine Stimme klang noch in ihren Ohren nach, als sie sich mit einem tiefen Seufzer wieder auf den Weg nach Hause machte. `Ich muss diese Person treffen, ich muss diese unsagbar schönen Augen wieder sehen´ gingen ihr die Gedanken durch den Kopf. Verträumt schlenderte sie die Straße entlang und merkte nicht, dass ihr Bruder ihr entgegen kam, hörte ihn noch nicht einmal.
Ihre Gedanken waren bei den Augen, bei der Stimme – so was hatte sie noch vorher erlebt. `Das muss Liebe auf dem erste Blick sein´ ging es ihr durch den Kopf, als ihr Bruder sie festhielt. „Hey, du Träumeliesel! Mama und Papa warten schon auf dich! Du hast doch immer noch Stubenarrest, also beeil dich ein wenig!“ Sarah schüttelte sich, wand sich aus dem Griff von ihrem Bruder. „Ich bin ja schon unterwegs, die sollen mal ruhig bleiben. Ich kann nichts dafür, dass die Lehrer die Stunde überziehen.“ Fauchte sie ihn genervt an.
Markus – ihr jüngerer Bruder – zuckte leicht zusammen „Ist ja schon gut Schwesterlein, ich sollte dich halt nur suchen gehen. Mama und Papa machen sich Sorgen um dich. Sie vertrauen dir eben nicht mehr. Du brauchst mich deswegen nicht so anzumachen.“ Beleidigt setzte sich Markus in Bewegung und ging zurück nach Hause. „Tschuldigung“ murmelte Sarah leise. Sie wollte ihren Bruder nicht so anfauchen, aber er hatte sie in ihrem Traum gestört. Sarah hatte einfach Angst, dass sie diese Augen vergessen würden, wenn sie nicht ständig ihr Bild heraufbeschwor. Markus war ganz in Ordnung und ihre Eltern eigentlich auch. Das Problem war ihre Freundin gewesen – ihre ehemalige Freundin. Mit ihr haben die Probleme angefangen.
Nachdem sie hier in die Großstadt gezogen waren, hatte Sarah nur schwer neue Freunde gefunden. Zwar waren ihre Klassenkameradinnen alle nett zu ihr, aber es gab halt kein “beste“ Freundin. Auch traf sie sich nachmittags nicht mit den anderen. Bis sie auf Janna traf. Janna war eine Stufe über ihr und die beiden kamen von Anfang an gut mit einander aus. Vor allem wohnte Janna nur 2 Häuserblocks weiter, was sehr praktisch war. Die Zeit, in der die beiden Mädchen durch die Gegend zogen war eine schöne Zeit für Sarah, es gab viel zu Lachen und zu erleben. Sie war glücklich eine neue beste Freundin gefunden zu haben. Doch dann kam Janna eines Tages mit kleinen Pillen zu ihr an und meinten, das müsste sie unbedingt mal ausprobieren. Sarah hatte schon von Drogen gehört und dass sie einen süchtig machen konnten. Sie weigerte sich, es auszuprobieren.
Von da an verstanden sich die beiden nicht mehr. Sarah versuchte immer wieder Janna die Drogen auszureden. Janna verstand das aber nicht, sondern sah nur das damit ihre Probleme verschwanden und somit wurde sie nach und nach abhängig davon. Es kam der Tag, an dem Sarahs Eltern Wind von der Sache bekamen und es gab eine Menge Ärger. Janna wurde in eine Klinik gebracht, damit sie von den Drogen wegkam und Sarah bekam Stubenarrest. Ihre Eltern trauten ihr nicht mehr. Wie hatte ihre Tochter mit einer Drogensüchtigen befreundet sein können? Sie verstanden es nicht. „Das hättest du uns viel früher sagen müssen. Das ist schlechter Umgang für dich. Versprich uns, nie wieder mit Janna zu sprechen.“ Solche und ähnliche Sachen hatten sie Sarah an den Kopf geworfen, doch Sarah hatte sich nicht daran gehalten. Sie hielt zu Janna und eines Nachts besuchte sie Janna in der Klinik. Immerhin war sie ja immer noch ihre beste und einzige Freundin.
Janna sah ziemlich krank aus, sie war ausgehungert und noch dünner als vorher. Sarah schlich sich zu Janna ans Bett und Janna hatte sie danach fast erwürgt. Denn nur durch Sarah und ihre Eltern war Alles ans Licht gekommen. Jetzt machte Janna natürlich Sarah dafür verantwortlich, dass sie in der Klinik lag und es ihr schlecht ging. Sie stritten sich lautstark, woraufhin die Stationsschwester kam und Sarah nach Hause gebracht wurde. Natürlich verlängerten ihre Eltern den Stubenarrest. Jetzt hatte Sarah immer noch 4 Wochen vor sich und es war Frühling! Sie sollte so gerne raus an die frische Luft.
Ausgerechnet jetzt hatte sie so einen süßen Kerl gesehen. Am liebsten wäre sie ihm sofort gefolgt. Nur hätten ihre Eltern dann sofort die Polizei verständigt und sie hätte den ganzen Sommer über Stubenarrest bekommen. „Wo bleibst du denn?“ fragte Markus, er war um einiges weiter vor ihr. Erst jetzt bemerkte Sarah, dass sie ihr Leben hasste. Sie hasste diese ganze Situation und das was im letzten halben Jahr passiert war. Warum musste gerade ihre beste Freundin anfangen Drogen zu nehmen? Warum hatte sie ihr nicht helfen können? Warum machte Janna sie jetzt dafür verantwortlich, nur weil es herausgekommen ist? Und warum traf sie genau jetzt auf den Typen, den sie sich als ihren zukünftigen Mann vorstellen konnte? „Ich komme ja schon“ sprach sie missmutig aus und schloss zu Markus auf. Zu Hause angekommen ging sie nach einer Standpredigt ihrer Eltern auf ihr Zimmer. Sie setzte sich vors Fenster und schaute raus auf die Straße.
Sie wohnten in dem äußeren Teil einer Großstadt. Rechts und links standen weitere Häuserblocks, ebenfalls vor und hinter ihnen. Zwischendurch verliefen rechtwinklig angelegt die Straßen. Jetzt schaute sie auf die Straße hinab und hoffte, die Augen würden vorbeigehen. Warum war er nicht stehen geblieben?
Es war unlogisch, dass sie ihn hier sehen würde, aber man darf ja hoffen, oder? Nach kurzer Zeit setzte sie sich an ihren Schreibtisch und fing an auf ihrer Unterlage Herzen zu malen. Zu jedem Herz malte sie ein Augenpaar. Dann holte sie ihren Tuschkasten heraus und fing an zu malen. Sie fing mit den Augen an, klare und doch tiefe Augen. Anschließend kam dann erst der Rest. Jetzt, wo sie sich noch einmal auf den kurzen Augenblick konzentrierte, fielen ihr nach und nach auch die anderen Einzelheiten wieder ein.
Er hatte eine quadratische Brille mit feinem Silberrand getragen und seine dunklen, vollen Haare waren wild durcheinander gekämmt. Dann kam sie zu den Augenbrauen – schwarz wie die Haare, aber nicht buschig sondern gut verteilt. Eine reine Haut mit kaum Pickeln. Halt, bis auf einen auf dem Nasenrücken – einen ganz kleinen. Sie wunderte sich selbst, dass sie sich an so viele Kleinigkeiten erinnern konnte. Alles hatte sich in ihren Kopf eingebrannt. Hatte sie ihn wirklich nur gut 10 Sekunden gesehen und dabei eigentlich nur auf die Augen geachtet? Noch mehr fiel ihm ein. Die Nase war klein und zierlich, aber haargenau passend zum Rest. Der Mund war nicht zu voll gewesen und beim Lächeln – er hatte sie angelächelt! – hatte er Grübchen rechts und links gehabt. Vom Rest des Körpers hatte sie dann leider nur noch den Rücken gesehen. Er wirkte schlank und er hatte sich mit einem schwingenden und gleichzeitig federnden Gang von ihr entfernt.
Kaum hatte sie ihr Kunstwerk fertig, fing ihr Herz schneller an zu schlagen. `Das ist er! Haargenau so hat er ausgesehen´ schossen ihr die Gedanken durch den Kopf. Blut schoss durch ihre Adern und es rauschte in ihren Ohren, sie konnten ihren Blick nicht mehr abwenden. „Sarah! Abendessen.“ Rief ihre Mutter und sie zuckte zusammen. Schnell versteckte sie das Bild unter ihrem Kopfkissen. Natürlich war die Tusche schon getrocknet.
Beim Abendessen kam natürlich das übliche Thema wieder hoch. „Sarah, du musst verstehen, dass dieses Stubenarrest nur zu deinem Besten ist.“ Fing ihre Mutter an und Sarah verdrehte leicht die Augen. „Mama, es ist schönes Wetter, die Sonne scheint und ich möchte endlich mal wieder einkaufen gehen.“ Sarah schob missmutig ihr Essen auf dem Teller von der einen Ecke in die andere. Sie wollte nicht einkaufen, sie wollte nach diesen Augen suchen, die sie seit heute Nachmittag verfolgten. Und wenn sie jeden Fleck dieser verdammten Stadt absuchen musste, sie würde diese Augen finden! „Pass auf, wir machen dir ein Angebot. Du hilfst uns am Wochenende im Garten beim Umpflanzen und dafür darfst du dann nächste Woche einen Tag später heimkommen. Das ist unser einziges Angebot und wir hoffen, dass du es annimmt. Vor allem ist es eine Möglichkeit unser Vertrauen wieder zu gewinnen. An diesem Tag kannst du beweisen, dass wir uns noch auf dich verlassen können. Vor allem auf das was du uns erzählst.“ Sarah nickte fleißig. „Ja, ich werde euch am Wochenende helfen. Ich würde fast alles tun um mal wieder richtig in Ruhe einkaufen zu gehen.“
Ihre Eltern wechselten einen kurzen Blick. „Unter einer Bedingung“ sprach ihr Vater „du nimmst Markus mit. Er braucht dringend eine neue Hose und neue Turnschuhe.“ Sarah senkte den Kopf und konnte ihr „Oh nein“ gerade noch herunterschlucken. „Au ja!“ Markus sprang von seinem Stuhl und fiel seinen Eltern um die Arme. Er liebte es mit seiner Schwester einkaufen zu gehen, aber Sarah? Sarah hasste es und sie wollte ja auch nach den Augen suchen und nicht einkaufen mit ihrem Bruder. „Sarah?!“ ihr Vater sprach sie streng an. Sarah sah hoch und nickte traurig. „Ja, ich werde mit ihm einkaufen gehen, dachte mir schon, dass ihr es mir doch noch nicht zutraut, alleine einkaufen zu gehen. Wollt ihr mich jetzt auf jeden meiner Schritte überwachen?“ fragte sie sarkastisch. Dann schob sie energisch ihren immer noch vollen Teller von sich weg. „Ich habe keinen Hunger mehr“ sie stand auf und ging in ihre Zimmer. „Fräulein, aufessen!“ sprach ihr Vater ernst. „Lass sie, du könntest ihre ruhig mehr vertrauen. Sonst verlieren wir den Kontakt zu ihr noch ganz.“ „Krieg ich dann vorher noch Taschengeld?“ quengelte Markus seine Eltern an. „Bekommst du dann schon“ blockte seine Mutter ihn kurz ab. Sie konnte jetzt nicht mit Markus über sein Taschengeld reden, Sarah ging jetzt mal vor.
Sarah ließ die Tür zu ihrem Zimmer zufallen und sank auf dem Boden vor der Tür zusammen. Sie zog die Beine an, schlug ihre Arme um die Knie und schloss die Augen. Ihr Kopf fiel nach hinten gegen die Tür. Sie spürte, wie ihr Zwerchfell anfing unkontrolliert zu zucken und sich ihre Augen mit Tränen füllten. Dann fing sie an leise zu schluchzen. Sie verstand die Welt nicht mehr. Wie sehr wünschte sie sich jetzt eine Freundin. Jemanden mit dem sie über alles reden konnte, bei dem sie sich ausheulen konnte. Hinter der Tür hörte sie ihren Bruder und ihre Eltern über das Wetter und andere Dinge reden. `Die haben mich jetzt schon ganz vergessen. Ich war ihnen doch eh nie viel wert gewesen.´ Energisch schüttelte sie den Kopf, ihre Haare fielen auf ihre nassen Wangen und klebten fest. Sie zog die Nase hoch und wischte sich mit ihrem Ärmel die restlichen Tränen aus den Augen. Sie wollte jetzt nicht traurig sein.
Ihr Blick wanderte zum Fenster und dann über ihre Wand zu ihrem Bett. Vom Fußende zur Bettdecke und dann zum Kopfkissen. Obwohl man das Bild nicht sehen konnte, wusste Sarah genau wo es lag. Sue wusste genau wie es aussah und sofort wurde ihr Schluchzen langsamer, hörte das Zucken vom Zwerchfell auf und ihre Tränen versiegten komplett. Langsam stand sie auf und noch immer traurig ging sie zu ihrem Bett. Bedächtig schob sie ihre Bettdecke zur Seite und dann kam das Kopfkissen dran. Sie genoss diesen Augenblick der Vorfreude, gleich würde sie ihn wiedersehen. Erst sah sie allerdings nur die untere Ecke von seinem Gesicht. Dann kamen der Mund, die Nase und die Augen dazu.
Sofort schlug ihr Herz höher und sie konnte ihre Augen nicht mehr abwenden. Ein heißer Schauer durchliefe ihre Blutbahnen und es rauschte in ihren Ohren. Behutsam nahm sie das Bild hoch, es war wundervoll geworden. Es hielt diese unsagbar langen 10 Sekunden für immer fest. Sarah konnte nicht glauben, dass sie es geschafft hatte diesen Augenblick in einem Bild festzuhalten. Vor allem nicht, dass es so realistisch geworden war.
`Was kann ich nur tun um dich wieder zu sehen. Oh, was würde ich geben um noch einmal in diese Augen schauen zu dürfen – in die realen Augen´ sorgsam strich sie mit dem Zeigefinger der rechten Hand über ihr gemaltes Bild von der Liebe auf den ersten Blick. Über seine Haare `wie fühlen sie sich wohl an?´ Über die Nase `wie fühlt sich der kleine Huckel auf dem Nasenrücken an?´ Über die Augenbrauen `sind sie so weich, wie sie aussehen?´ Und zuletzt über den Mund `wie fühlt es sich an, wenn er mich küsst?´
Verträumt nahm sie das Bild in die Hände und hielt es fest umarmt. Es war fast, als wäre es wieder der Augenblick. `Was er jetzt wohl denkt? Bestimmt hat er mich schon längst vergessen. Wie alle anderen auch.´ Sie stand langsam vom Bett auf und schaute sich in ihrem Zimmer um. Viel zu kindlich fand sie auf einmal, zu viel erinnerte an ein Kinderzimmer. Vielleicht sollte sie es jugendlicher gestalten. Sie war verliebt, oh ja. In seine Augen, seine Haare, seinen Mund. Aber auch in seine Stimme. Erst jetzt fiel ihr seine Stimme wieder ein. Diese sanfte Stimme, was hatte er noch einmal genau gesagt?
„Ebenfalls.“ Aber in einer Art und Weise, in der sie es vorher noch nie gehört hatte. Mit so einem weichen, liebevolle Klang. „Ebenfalls.“ Sie ließ das Wort auf ihrer Zunge zergehen, versuchte den Augenblick von heute Nachmittag wieder herzuholen und erinnerte sich an alles. Jede Sekunde ihres Zusammentreffens hatte sich bei ihr eingeprägt.
Dann ging sie langsam und bedächtig zu ihrem Schreibtisch, packte ihren Tuschkasten beiseite und legte das Bild vorsichtig in die oberste Schublade zu ihrem Tagebuch. Sie schaute ihr Tagebuch zögernd und gleichzeitig fragend an. Wie lange hatte sie dort nichts mehr eingetragen? Noch bevor sie Janna kennen gelernt hatte, schrieb sie täglich 2 Seiten in ihr Tagebuch, sonst hatte sie ja keinen zum Erzählen. Oder wie sie immer so gerne sagte: „Zum Sorgen weglabern.“ Aber jetzt hatte sie keine Lust darauf, es würden eh nur Herzen, Augen und irgendwelche in einander verschlungene Symbole entstehen. Sie war heute nicht mehr in der Stimmung etwas zu schreiben. Sie wollte heute einfach nur immer wieder diesen einen kurzen Moment durchleben, wollte ihn sich immer wieder in Gedächtnis rufen. „Diese Augen“ seufzte sie leise, schloss die Schublade und legte sich auf ihr Bett.
Sie schaut an die Decke – weiß. Sie entschied, dass die Decke eindeutig zu weiß war, denn sie brauchte jetzt etwas zum Träumen. Sie brauchte hier jetzt Sterne oder einen schönen Sonnenuntergang. Sie erinnerte sich an ein Bild, was ihr Vater vor ein paar Jahren gemacht hatte. Damals waren sie alle gemeinsam nach Frankreich in die Bretagne gefahren. Jeden Abend gab es dort wundervolle Sonnenuntergänge und es verging kaum ein Tag an dem sie nicht abends am Meer in die untergehende Sonne geschaut hatten. Sie stand wieder auf, schnell war sie bei ihrer Fotokiste angelangt und wühlte aufgeregt in ihr herum. Da war es!
Mit ein paar Stecknadeln hatte sie es schnell an der weißen Decke befestigt. Das kräftigte Rot mit dem hellen Gelb setzte sich gut von der weißen Tapete ab, so konnte sie träumen. Doch irgendetwas fehlte noch, etwas Schönes. So etwas wie die schönen tiefen, aber doch klaren Augen von ihrer Liebe auf den ersten Blick. `Wie schön wäre es, wenn er jetzt neben mir liegen würde, mich in den Arm nehmen und mir zärtliche Worte ins Ohr flüstern würde.´ Sie seufzte zufrieden.
Dann wären alle ihre Sorgen vergessen, ihr ganzer Ärger weg. Dann wäre sie endliche glücklich. Sarah hatte so etwas noch nie zuvor für einen Jungen oder Mann gefühlt. Klar, da waren harmlose Schwärmereien für den Lehrer, ein Pop Idol oder den hübschen Jungen aus den Nachbarklassen – den natürlich alle toll fanden. Aber so etwas wie das hier?
Etwas, das einen komplett durchfuhr wenn man nur dran dachte. Etwas, was einfach passiert ist und sich nun in jeden Gedanken einmischte? So etwas hatte sie noch nie erlebt. Sarah seufzte noch einmal, diesmal etwas lauter. Dann stand sie entschieden wieder auf und holte das Bild aus der Schublade. `Ein letzter Blick´ versprach sie sich. „Damit ich schön von dir Träumen kann“ flüsterte sie leise dem Bild zu und gab ihrer Liebe auf den ersten Blick einen sanften Kuss auf den Mund. So stand sie in der Mitte ihres Zimmers – sie musste es unbedingt anders gestalten, es gefiel ihr ganz und gar nicht mehr – hielt ihr Bild in den Armen, als wäre es ihr Kind und schaute den Sonnenuntergang auf dem Foto an.
`Ach wärest du doch hier´ ihre Gedanken machten sich wieder selbstständig. Sie sah ihre Hochzeit, ein gemeinsames Haus, sah Kindern. Ihre Kindern und alle hatten diese tiefen und klaren Augen wie der Vater. Sie drehte sich schwungvoll und landete auf ihrem Bett. Sorgsam darauf bedacht das wichtige Bild nicht zu knicken, steckte sie es neben ihr Kopfkissen zwischen Bett und Wand. Jetzt konnte sie einschlafen, jetzt war er bei ihr. Ganz in der Nähe, direkt neben ihrem Kopf.
Sie schlief glücklich ein und träumte fast sofort von den Augen. Sie merkte nicht, dass ihre Eltern kurze Zeit darauf in ihr Zimmer kamen um nach dem Rechten zu sehen. Seit Sarah einmal nachts abgehauen war, trauten ihre Eltern ihr nicht mehr. Vor allem ihr Vater. Hauptsächlich lag es daran, dass sie sich einfach große Sorgen um sie machten.
„Sie wird erwachsen“ flüsterte ihre Mutter zärtlich zu ihrem Mann. Dieser nickte. „Ja, schon bald bringt sie ihren ersten Freund mit nach Hause. Schau, ich glaube sie ist schon verliebt. Warum sonst sollte sie sich einen Sonnenuntergang an die Decke pinnen?“ Ihre Mutter nickte „Ja, unsere Tochter wird erwachsen. Wir sollten jetzt wirklich nicht mehr so streng mit ihr sein. Ich glaube die Sache mit Janna bereit ihr auch einiges an Sorgen.“ Ihre Mutter lehnte sich an ihren Mann an und erinnerte sich daran, wie es sich anfühlt, das erste Mal richtig verliebt zu sein.
„Du hast Recht. Ich glaube wir können ihr Stubenarrest etwas verkürzen. Wenn sie wirklich verliebt ist, wird sie ihren Schatz wohl so oft sehen wollen, wie nur irgend möglich.“ Die beiden schauten sich lächelnd an. Einst waren sie auch so verrückt wie Sarah gewesen. Hatten sich nachts von ihren Eltern weggeschlichen um sich heimlich bei Vollmond unter dem wolkenlosen Himmel zu treffen. Das waren romantische Abende, von denen beide noch heute träumten. Dann gingen sie wieder raus, schlossen sanft die Tür und ließen Sarah ruhig schlafen.
Sarah war wieder in der Fußgängerzone und dieses Mal hatte sie bessere Laune. Sie achtete auf alle Leute, die ihr entgegen kamen. Da waren sie! Da waren die Augen. Erneut stießen die beiden zusammen. Sarah sagte „Oh Entschuldigung“ und die Stimme sagte „Ebenfalls.“ Dann schauten sich die beiden tief in die Augen. Sarah schmolz dahin. Wie er sie musterte!
Von oben nach unten ging sein Blick und durchbohrte sie regelrecht. Sarah genoss diesen Augenblick, stellte sich unbewusst grader hin, drückte ihre Brust raus und zeigte ihr bestes Lächeln. „Ich hoffe Dir ist nichts passiert?“ fragte die Stimme lächelnd. Sarah durchfuhr ein heißer Schauer, diese Stimme war so zart. „Ja bei mir ist alles in Ordnung“ sagte Sarah und lächelte die Stimme weiterhin an. „Komm ich gebe Dir einen Kakao aus“ sprach die Stimme und fasste Sarah sanft am Arm an. Sarah zuckte zusammen, heiße und kalte Schauer liefen über ihren Rücken, ihr Herz fing an wie wild zu klopfen und sie konnte sich nicht röhren. Doch sie wurde einfach mitgeschleift, stolpernd ging sie neben ihm her und fühlte seine Nähe. Sie war glücklich. Er hatte sie zu einem Kakao eingeladen! Sie hatte ein Date!
Nach ein paar Metern stolperte sie nicht mehr, sondern ging mit einem fast schon schwebenden Schritt neben ihm her. Inzwischen hatte er seinen Arm unter ihren eingehakt. Wir gehören zusammen, sollte das bedeuten. Sarah konnte im Moment nur an das eine denken. Er hat sie angesprochen und auf einen Kakao eingeladen. Ihre Gedanken kreisten immer wieder um diesen einen Punkt und sie sah natürlich seine Augen. Sie war überglücklich, es hätte ihr nicht besser gehen können.
Gerade in diesem Moment schrillte ihr Wecker laut und Sarah wachte langsam auf. „Ich will noch nicht. Ich will noch weiterträumen“ murmelte sie leise und drehte sich in ihrem Bett zur Wand um. „Sarah?! Hörst Du nicht, dass dein Wecker klingelt? Aufwachen!“ Ihr Vater klopfte an ihre Tür. Sarah drehte sich um und schlug auf ihren Wecker. „Bin wach“ rief sie ihrem Vater zu. In der nun wieder hergestellten Stille des Morgens seufzte Sarah tief und lang. Der Traum war weg, die Stimme war auch weg und die Augen ebenfalls. Kein Kakao wurde ihr ausgegeben, es war nur ein Traum gewesen.
Sarah ließ sich in die Kissen zurückfallen und schaute an die Decke. Der Sonnenuntergang hing noch dort und sofort kamen ihr die Ereignisse von gestern wieder hoch. Sie drehte sich zur Wand um und sah nach dem Bild. Da war es! Es war ein schönes Gefühl, neben ihm aufzuwachen. Wie schön würde es erst sein, wenn er real neben ihr liegen würde? Wenn sie morgens vor ihm aufwachte und ihm dann beim Schlafen zusehen könnte? Wie schön wäre das!
Sie zog ihre Decke bis kurz unter die Nasenspitze, sie wollte heute nicht aufstehen. `Wenn ich jetzt wieder einschlafe, kommt der Traum bestimmt wieder´ dachte sie sich und schloss genüsslich die Augen. Da war er wieder, sie gingen wieder gemeinsam durch die Stadt auf der Suche nach einem heißen Kakao. Sie gehörten zusammen.
„Sarah!“ sie wurde gerüttelt. „Sarah, wach auf. Du musst doch zur Schule“ sie kniff die Augen zu. „Ich will heute nicht aufstehen, ich habe so schön geträumt.“ Ihre Mutter setzte sich neben sie auf die Bettkante. Es war lange her, dass sie es gemachte hatte und Sarah genoss es. Genoss es ihre Mutter einmal wieder für sich alleine zu haben und nicht mit ihrem Bruder teilen zu müssen. Er war zwar ganz in Ordnung und Sarah kam auch ganz gut mit ihm zurecht, aber er war halt 1 Jahr jünger als sie und wurde immer bevorzugt, fand sie. Irgendwie hatte sie immer das Gefühl zu kurz zu kommen, aber an dem jetzigen Hausarrest war sie ja nicht ganz unschuldig.
„Sag mal, Sarah, kann es vielleicht sein, dass es da einen Jungen gibt, denn du gut findest?“ Ruckartig öffnete Sarah ihre Augen und starrte ihre Mutter ertappt an. `War es so auffällig? Hatte sie sich so anders verhalten?´ Ihr Mutter schaute sie an und musste lachen. „Wusste ich es doch.“ Sarah wurde knallrot. Ihr viel ihr Bild neben dem Kopfkissen ein, doch bevor sie es wegnehmen oder verdecken konnte, hatte ihre Mutter es schon entdeckt. Sie nahm es vorsichtig an sich „Mama, nein.“ sprach Sarah aus. Es fühlte sich so an, als wenn ihre Liebe auf den ersten Blick ihr weggenommen wurde. Ein leichter Stich traf ihr Herz.
Ihre Mutter tätschelte ihr vorsichtig die Arme. „Ich bin schon vorsichtig damit, bleib ruhig. Das ist wirklich ein sehr schönes Bild, Sarah. Ich wusste gar nicht, dass du so schon malen kannst. Pass auf, das bleibt unser kleines Geheimnis. Ich sage Papa nichts davon, versprochen. Solltest Du noch mit mir über etwas reden wollten, ich bin immer für dich da. Du kannst mich alles fragen.“ Sie streichelte Sarah leicht über die Stirn. Ihre Tochter wurde erwachsen, sie freute sich für sie mit.
„Es steht dir jedenfalls auf die Stirn geschrieben, dass du verliebt bist.“ Sarah wurde noch ein wenig roter „wirklich?“ Sie schloss die Augen und sofort kam das Bild von ihm wieder vor ihrem geistigen Auge hergeschwebt. „Mama, krieg ich mein Bild wieder“ sprach sie aus und öffnete die Augen wieder. Sie wollte noch mal schauen, ob das Bild wirklich ihren Gedanken entsprach.
Ihre Mutter schaute sie an, dann setzte sie ihr verschmitztes Lächeln auf. „Nur wenn du dann auch aufstehst, mein Spatz.“ Sie stand vom Bett auf und ging in die Mitte von Sarahs Zimmer. Dort hielt sie das Bild in der Hand fest und wartete. Sarah war sofort aus ihrem Bett aufgestanden und bei ihrer Mutter. Behutsam nahm sie ihr das Bild aus der Hand. Eigentlich wollte sie es sofort umarmen, konnte diesen Drang aber gerade noch unterdrücken. Sie wollte ihre Mutter nun auch wieder nicht zeigen wie sehr sie verliebt war. Stattdessen legte sie das Bild behutsam auf ihren Schreibtisch und setzte sich danach auf die Bettkante um sich langsam anzuziehen. Ihre Mutter setzte sich neben sie und lächelte. „Wenn das Einkaufen nächste Woche gut klappt, können wir darüber reden, dein Stubenarrest um 2 Wochen zu verkürzen.“ Sarah nickte überglücklich „es wird klappen! Auf jeden Fall! Aber Mama, muss Markus denn unbedingt mit?“
Ihre Mutter nickte langsam. „Ja, ich komme im Moment einfach nicht dazu mit ihm einkaufen zu gehen. Papa hat halt noch etwas bedenken. Du willst ihn wiedersehen? Halte noch ein wenig durch mein Spatz und jetzt zieh dich an und komm zum Frühstück.“ Sarah nickte, noch 2 Wochen musste die durchhalten, dann war ihr Stubenarrest endlich beendet. Dann würde sie die ganze Stadt nach den Augen absuchen.
„Sarah? Träumst du schon wieder? Ich glaube kaum, dass du die Unterhose über deiner Hose tragen möchtest, oder ist das ein neuer Trend?“ Ihre Mutter fing an zu lachen und Sarah schaute an sich herunter. Sie hatte wirklich die Unterhose über ihrer Jeans angezogen hatte. Sie schüttelte den Kopf und fing ebenfalls an zu lachen. Immer noch lachend ging sie anschließend, nachdem sie zigmal überprüft hatte, ob ihre Klamotten richtig saßen, zum Frühstückstisch.
Nach einem kurzen Schnellfrühstück verabschiedete sie sich von ihren Eltern. Ihr Bruder Markus schlief noch, da er erst später zur Schule musste. Sie machte die Haustür hinter sich zu und ging schnellen Schrittes los zur Schule. Sie hatte etwas zu lange getrödelt und so musste sie sich jetzt beeilen. Vor allem, wenn die das noch machen wollte, was sie vorhatte. Sarah musste auf dem Weg zur Schule immer durch einen kleinen Teil der Innenstadt. Eben in diesem Teil hatte sie am Vortag ihre Lieben auf dem ersten Blick gefunden. Jetzt hoffte sie, dass sie vielleicht wieder da sein würde.
Von weiten sah sie schon den genauen Punkt, wo sie sich begegnet waren, aber sonst sah sie nichts weiter. Dann war sie an dem Punkt angekommen. Die letzten paar Meter hatte sie laufend zurückgelegt. Sie stand nach Luft schnappen an dem Punkt und versuchte das Gefühl vom Vortag heraufzubeschwören. Drehte sich so, wie sie gestern gestanden hatte und schloss ihre Augen. Es mag für die anderen Menschen um sie herum ein komisches Bild abgegeben haben, aber das war Sarah egal. Sie war verliebt und wenn man verliebt ist, darf man solche komischen Sachen machen. Am liebsten hätte sie mit einem dicken Edding ein Kreuz auf die Bodenplatte gemalt und daneben geschrieben. „Hier traf ich die Liebe auf den ersten Blick. Leider verlor ich sie wenige Sekunden später aus den Augen.“
Sie setzte ihren Rucksack ab und wühlte schon nach ihren Stiften um zur Tat zu schreiben, da hörte sie eine Stimme. Seine? Ihr Herz machte einen Sprung, doch es war nur eine ihrer Klassenkameradinnen. „Hey Sarah! Wusste gar nicht, dass du auch immer diesen Weg nimmst.“ Yasmin kam auf sie zugelaufen und lachte sie fröhlich an. Sarahs Herz rutschte weiter runter und die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit diesen wundervollen Augen schwand dahin. Leicht betrübt schaute sie Yasmin entgegen und ihr fiel ein, warum sie sich noch nie auf dem Weg getroffen hatten.
Yasmin kam jeden Tag um mindestens 10 Minuten zu spät zum Unterricht. Sarah kam immer so, dass sie noch genug Zeit hatte, sie hasste Unpünktlichkeit. Von daher waren sie sich morgens nie begegnet. Sarah schaute verwundert auf ihre Uhr, war sie wirklich so spät dran?
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