A little Christmas! - TL Travis - E-Book

A little Christmas! E-Book

TL Travis

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Beschreibung

Für Jacob Shelton war das Leben alles andere als normal, denn er wurde mit einem silbernen Löffel im Mund geboren, auch wenn es eine lieblose Existenz war. Er hatte immer gehofft, dass es mehr im Leben gibt als Geld, aber er sollte es auf die harte Tour herausfinden. Richard Worthington sehnt sich nach einem eigenen Jungen. Einen, den er pflegen, verhätscheln und verwöhnen kann. Seine Freunde haben ihren Partner fürs Leben gefunden, warum ist es für ihn so schwer? Ein Sugar Baby nach dem anderen lässt Richard sich fragen, ob es das wert ist. Ihre Wege kreuzen sich bei einem zufälligen Treffen, obwohl es eine Entscheidung über Leben und Tod ist, die sie letztendlich zusammenbringt. Dies ist eine MM Daddy/Little Christmas Variante des klassischen Märchens "Die kleine Prinzessin". Jeder dieser Age-Play Liebesromane der Multi-Autoren-Reihe kann als eigenständiges Buch gelesen werden.

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EPUB
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Seitenzahl: 261

Veröffentlichungsjahr: 2023

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TL Travis

A Little Christmas: Jacob

Impressum

© dead soft verlag, Mettingen 2023

http://www.deadsoft.de

© the author

Titel der Originalausgabe: A little Christmas: Jacob

Übersetzung: Cleo Göttert

Cover: Irene Repp

http://www.daylinart.webnode.com

Bildrechte:

© Milkica – stock.adobe.com

© Kateina – stock.adobe.com

© Lilya – stock.adobe.com

1. Auflage

ISBN 978-3-96089-650-0

ISBN 978-3-96089-651-7 (ebook)

Inhalt:

Für Jacob Shelton war das Leben alles andere als normal, denn er wurde mit einem silbernen Löffel im Mund geboren, auch wenn es eine lieblose Existenz war.

Er hatte immer gehofft, dass es mehr im Leben gibt als Geld, aber er sollte es auf die harte Tour herausfinden.

Richard Worthington sehnt sich nach einem eigenen Jungen. Einen, den er pflegen, verhätscheln und verwöhnen kann. Seine Freunde haben ihren Partner fürs Leben gefunden, warum ist es für ihn so schwer? Ein Sugar Baby nach dem anderen lässt Richard sich fragen, ob es das wert ist.

Ihre Wege kreuzen sich bei einem zufälligen Treffen, obwohl es eine Entscheidung über Leben und Tod ist, die sie letztendlich zusammenbringt.

Die Welt mit den Augen eines Kindes zu sehen, ist ein wunderbarer Anblick.

Erstes Kapitel

Jacob

Ich kannte meine Mutter nicht.

Man hatte mir erzählt, dass sie gleich nach meiner Geburt gestorben war, aber ich wusste weder wie, noch hatte ich einen Beweis dafür, dass das stimmte. Vielleicht war sie irgendwo da draußen und wollte mich einfach nicht haben.

Die Geschichte, die sie mir erzählt hatten, stellte sie als einen One-Night-Stand für meinen Vater dar, einen von vielen, denn das war seine Art zu leben. Rein und raus, ohne Verpflichtung oder Austausch von Nummern. Stellen Sie sich seine Überraschung vor, als meine Tante ihn aufspürte, vor seiner Haustür auftauchte und mich ihm übergab. Woher sie wusste, wer er war oder wie sie ihn finden konnte, werden wir wohl nie erfahren, obwohl ich mich frage, ob es noch mehr von uns gibt. Vielleicht hatte ich einen Bruder oder zwölf.

Der liebe Papa war jung und eingebildet, so erzählte es zumindest mein Kindermädchen Madeline. Madeline war das, was für mich einer Familie am nächsten kam, doch wenn man sie reden hörte, erfuhr man, dass ich in ihren Augen genauso nutzlos war wie mein Vater. Ich hatte das Gefühl, er benutzte sie wie meine Mutter als nichts weiter als einen warmen, willigen Körper, mit dem er machen konnte, was er wollte. Sie war verbittert und ließ das immer an mir aus. Wäre meine Mutter genauso gewesen, wenn sie gelebt hätte? Oder wäre sie der liebevolle Elternteil gewesen, nach dem ich mich sehnte? Wenn die Tatsache, dass meine Tante mich abgegeben hatte, ein Hinweis darauf war, wie die Familie meiner Mutter funktionierte, war ich in der kalten, lieblosen Existenz, in der ich bereits lebte, wahrscheinlich besser dran.

Die ganze Sache klang für mich ein wenig dubios, aber was machte man, wenn man nur ein Kind war, das niemand wollte? Seine Blutsverwandten jagen? Sie zwingen, dich zu akzeptieren? Sie dazu bringen, dich zu lieben? Das würde nur mit einer Tracht Prügel oder noch schlimmer mit Herzschmerz enden.

Sobald ich alt genug für ein Internat war, hatten sie mich abgeschoben und niemand kam jemals zu mir. Weder zu Besuch noch in den Ferien. Er zahlte extra dafür, dass ich das ganze Jahr über hierbleiben konnte, sowie für den Laptop, die Uniformen und alle Gebühren und Materialien, die ich für die Schule benötigte. Das Geld wurde auf meine Mensakarte eingezahlt, und Kleidung wurde nach Bedarf gekauft, bis ich alt genug war, sie selbst zu bestellen. Dann wurde mir ein Online-Konto bei den Geschäften seiner Wahl eingerichtet, das er bestätigte und mir die Links dazu per E-Mail zusandte. Kein ›Hallo, mein Sohn, wie geht es dir? Wie läuft’s in der Schule?‹ Gott bewahre, dass sich jemand tatsächlich nach mir erkundigt hätte, Sie wissen schon, nach dem Jungen mit Gedanken und Gefühlen. Ich hatte nie um etwas gebeten, nie ein Geschenk erhalten, nicht einmal eine Karte zu meinem Geburtstag oder zu Weihnachten. Alles, was ich wollte, war seine Liebe, und wenn er sich nicht die Mühe machen konnte, mir das zu geben, was umsonst war, dann wollte ich ganz sicher nicht mehr. Wenigstens sorgte er dafür, dass ich gekleidet und ernährt wurde, dafür sollte ich wohl dankbar sein.

Papa-Probleme, ich hatte davon ein ganzes Arsenal …

Ich konnte mich nicht entscheiden, was schlimmer war: in einem lieblosen Elternhaus aufzuwachsen oder eine Schule zu besuchen, in der ich ein völliger Außenseiter war. Schüchternheit, Ungeschicklichkeit und mangelndes Selbstwertgefühl hätten mir nicht mehr schaden können als auf der Akademie. Diese Aasgeier hatten ein Gespür für Schwächen, die sie ausnutzen konnten.

An dem Tag, an dem mein Vater verhaftet wurde, spitzte sich alles zu. Ich hatte nur Bruchstücke gehört, meist abfällige Kommentare, während mir auf dem Handy-Bildschirm Nachrichtenausschnitte vor die Nase gehalten wurden, in denen zu sehen war, wie mein Vater in Handschellen abgeführt wurde, während die Polizei ihn auf den Rücksitz eines Streifenwagens setzte. Meine Mitschüler fanden es lustig: das Einzelgängerkind und sein krimineller Vater aus der weißen Klasse. Die wohlhabenden, anspruchsvollen Arschlöcher. Ich ignorierte sie und versteckte die Tränen in meinem Kopfkissen, wenn ich mich nachts in den Schlaf weinte. Warum konnte ich nicht kalt und grausam sein, wie sie und mein Vater es waren? Warum sehnte ich mich danach, gehalten zu werden? Dass man mir sagte, ich sei ein guter Junge. Einen anderen Menschen zu haben, der sich um mein Wohlergehen sorgte. Jemand, der mich mochte. Jemand, der sich um mich kümmerte. Jemand, der meine Gesellschaft genoss. War das zu viel verlangt? Gibt es so einen Menschen überhaupt?

Ich war siebzehn, als die Sache mit meinem Vater passierte. Das Sahnehäubchen auf dem Eisbecher der dysfunktionalen Familie war, als die Bundespolizei in der Schule auftauchte, um mich zu verhören. Wie sie glauben konnten, dass ich irgendeinen Einblick in seine illegalen Geschäfte hatte, wo ich doch nichts mehr von ihm gesehen oder gehört hatte, seit ich diese Schule besuchte, war mir ein Rätsel. Ich wusste nichts über meinen Vater oder über seine Geschäfte. Ich dachte, sein Reichtum stamme aus dem Familienvermögen. Der Mann hatte mein ganzes Leben lang kein einziges Wort mit mir gesprochen, und je älter ich wurde, desto besser fand ich das. Wahrscheinlich hatte es mich davor bewahrt, mit ihm vor Gericht gezogen zu werden.

Nachdem das Vermögen meines Vaters eingefroren worden war, blieb mir nichts anderes übrig, als mich in das Fürsorgesystem zu begeben, da ich noch keine achtzehn Jahre alt war. Schulleiterin Stout sagte der Sachbearbeiterin, dass ich bleiben könnte, und versicherte ihr, dass ich ein gutes Zuhause, drei Mahlzeiten am Tag und ein Dach über dem Kopf hätte. »Sein Schulgeld wurde für den Rest des Jahres bezahlt«, sagte sie. »Bis dahin ist er achtzehn und kann für sich selbst sorgen.«

Ich saß auf einem Stuhl in der Nähe und verfolgte ihr Gespräch, während sie sich weiter unterhielten, als ob ich nicht da wäre. Unsichtbar. So hätten sie mich nennen sollen, denn das schien ich für alle zu sein.

»Gehen wir«, sagte Schulleiterin Stout zu mir, nachdem der Sachbearbeiter gegangen war. Ich folgte ihr durch die überfüllten Gänge zurück in mein Zimmer. Als wir an den anderen Schülern vorbeigingen, drückten sie deutlich ihre Abneigung gegen mich aus. Wertlos. Nicht besser als sein Vater. Verschwendung von Menschenleben. Er wird es nie zu etwas bringen.

Teenager zu sein, war wirklich lustig.

Sobald sich die Tür des Schlafsaals hinter uns geschlossen hatte, packte mich Schulleiterin Stout an den Haaren und riss meinen Kopf zurück, sodass ich mich ihr zuwenden musste. »Jacob, du bringst jetzt sofort deine Sachen auf den Dachboden. Dort wirst du von nun an schlafen. Du darfst mit niemandem sprechen, kein einziges Wort. Dein Vater hat diese Schule schon genug in Verlegenheit gebracht, ich werde nicht zulassen, dass deine Anwesenheit dasselbe bewirkt. Wir treffen uns um fünf Uhr morgens im Speisesaal, und ich sorge dafür, dass du deinen Unterhalt verdienst.« Kaum war sie weg, sank ich auf die Knie, drückte sie an meine Brust und schaukelte hin und her, während die Tränen flossen.

»Genug«, murmelte ich kurze Zeit später. »Weinen hat mir noch nie etwas gebracht. Es kümmert sowieso niemanden.« Ich rappelte mich auf, verfrachtete die wenigen Habseligkeiten, die ich besaß, auf den Dachboden und verbrachte die nächsten Stunden damit, die muffigen alten Kisten zu durchstöbern, die überall herumstanden, und Dinge herauszuholen, die ich brauchen konnte. Geistig und körperlich erschöpft ließ ich mich in das Behelfsbett fallen, das ich aus einer alten Matratze und Bettwäsche gebaut hatte, die genauso streng roch wie der zugige Raum, der jetzt mein Zuhause war, und schlief ein.

»Jacob, es wird Zeit, dass du dich bewegst!«, brüllte Schulleiterin Stout und hämmerte am nächsten Morgen an die Tür. Mein Wecker war auf vier Uhr dreißig gestellt, aber er hatte noch nicht geklingelt. »Los geht’s. Dein Schulgeld ist vielleicht bezahlt, aber dein Essen nicht.«

»Ich komme, Frau Direktorin«, antwortete ich, während ich die schäbige Lampe einschaltete, die ich aus einer Kiste gezogen und auf einen dreibeinigen Nachttisch gestellt hatte. Ich hatte ihn in der Ecke an die Wand gelehnt, um das fehlende Glied auszugleichen. Die traurige Ausführung eines Bettes, dessen Matratze mit wer-weiß-was befleckt war, lag unter mir. Ich war letzte Nacht so müde gewesen, dass ich mir nicht die Zeit genommen hatte, es zu begutachten, da die Not den Verstand überwogen hatte. Ich fröstelte, als ein Luftzug durch die losen Wandbretter kam. Diese unpassenden Gegenstände und ich hatten eines gemeinsam: Wir wurden alle wie Müll entsorgt, für nutzlos gehalten und vergessen.

Hastig zog ich mich an und schnappte mir auf dem Weg nach draußen meine Umhängetasche. Die Schulleiterin und ich gingen durch die stillen Flure, die gestern noch von Zwischenrufern gefüllt waren, auf dem Weg zur Cafeteria. Wenn es nur immer so ruhig wäre. Ich war dankbar, dass alle noch im Bett waren, obwohl ich ihnen später im Unterricht begegnen würde. Wenigstens gewährte mir das frühe Aufstehen eine Art Gnadenfrist, wenn auch nur für eine kurze Zeit.

»Mrs. Dillinger«, begrüßte Schulleiterin Stout die Cafeteria-Managerin ebenso kühl wie alle anderen. »Ich habe Ihnen eine Hilfskraft mitgebracht.« Sie schob mich nach vorne: »Geben Sie ihm Arbeit.«

»Ja, Frau Direktorin«, antwortete Mrs. Dillinger. Ich war mir nicht sicher, wer mir mehr Angst machte, sie oder unsere Schulleiterin.

»Jacob hast du schon gegessen?«, fragte Mrs. Dillinger, sobald die Schulleiterin außer Hörweite war.

»Nein, Ma’am«, antwortete ich und starrte auf den Boden.

»Francesca, kannst du ihm bitte etwas zu essen machen, bevor wir anfangen?«, fragte sie eine der anderen vier Damen.

»Jacob, ich bin mir nicht sicher, ob du es verdienst, hier zu sein. Wir wissen, was passiert ist, und das ist nicht deine Schuld. Bleib ruhig, dann ist das alles bald vorbei. Setz dich dort drüben hin.« Mrs. Dillinger wies auf einen Stuhl in der Nähe. Ihre Freundlichkeit war ein warmes Willkommen für meinen Magen und meine Ohren.

»Ja, Ma’am«, antwortete ich. Sie nickte und kehrte zu dem Topf zurück, den sie gerade füllte.

»Hier, Jacob«, sagte Francesca und schob mir einen Teller mit Speck, Eiern und Rösti vor die Nase, zusammen mit einer Packung Milch. »Iss auf.« Sie lächelte, klopfte mir auf die Schulter und widmete sich wieder ihrer Arbeit.

»Danke«, murmelte ich. Ich war dankbar für das Essen. Bei allem, was gestern passiert war, hatte ich das Abendessen verpasst und war fast am Verhungern. Schweigend wie bei den meisten Dingen im Leben leerte ich den Teller. Ich wollte mehr, aber ich wollte nicht stören und riskieren, sie zu verärgern, indem ich mich danebenbenahm. »Wo soll ich das hinstellen?«, fragte ich und hielt den Teller hin.

»Du könntest lernen, wie man den Geschirrspüler füllt und bedient«, sagte Mrs. Dillinger und ging dann mit mir die Treppe hinunter, wo ich immer noch stand, als die Morgenglocke ertönte. »Zeit, in den Unterricht zu gehen, Jacob.«

»Ja, Ma’am. Nochmals vielen Dank«, sagte ich zu den Damen. Sie nickten, winkten und sagten nichts mehr. Ich schob meine Umhängetasche über die Schulter, ging den Flur hinunter und setzte mich in die erste Stunde Geschichte, bevor es zum zweiten Mal klingelte.

Ich war ein ruhiges Kind, auch noch als Teenager, aber trotzdem fanden mich die Raufbolde. Sie sprachen mich an, stürzten sich auf mich und die Schikanen begannen. Da ich ein Niemand ohne Eltern war, die sich beschwerten, ignorierte man die Beschimpfungen, und es wurde nur noch schlimmer, als sie mich bei der Arbeit in der Cafeteria entdeckten.

»Bist du zu arm, um das Schulgeld zu bezahlen, jetzt, wo Daddy im Gefängnis ist, Shelton?«, stichelte Dean Newton, während seine hirnlosen Handlanger wie Hyänen lachten. Ich ignorierte sie und fuhr fort, die Tische im Speisesaal abzuräumen. »Ups«, sagte Dean und stieß ein volles Tablett um, das jemand zurückgelassen hatte, sodass der Tisch mit Apfelmus und Ketchup bedeckt war.

»Newton!«, schrie Mrs. Dillinger. »Du und deine witzige Bande von Verlierern müsst gehen. Das Essen ist vorbei.«

»Hat der arme kleine Jacob eine neue Mami?«, stichelte Dean.

»Jetzt, Dean, oder es geht direkt ins Büro der Schulleiterin«, drohte sie, obwohl ich mir sicher war, dass Schulleiterin Stout ihn dort für den jüngsten finanziellen Beitrag seines Vaters loben würde.

»Nicht nötig.« Er drehte ein weiteres Tablett um. »Wir werden diesen Versager später erwischen.«

Ja, ich war nur zu froh, dass mein letzter Wachstumsschub ihnen die Möglichkeit nahm, mich in einen Spind zu stecken. Wieder. Bei einer Größe von knapp eins achtzig würde ich selbst in der Mitte gefaltet nicht hineinpassen, obwohl ich dünn war und zweifellos keinerlei Fähigkeiten besaß, mich zu schützen. Kinder sind schlauer, als ihre Eltern es ihnen zutrauen. Vorher hatten sie nicht gewusst, wer mein Vater war oder wie viel Geld unsere Familie hatte. Aber sie wussten, dass mich nie jemand besuchen kam. Niemand war bei den Elternsprechtagen anwesend. Niemand tauchte jemals zu irgendetwas auf, das mit Jacob Shelton zu tun hatte, und sie klammerten sich daran wie an einen verdammten Schnuller und ernährten sich davon. Kinder von Politikern, Berühmtheiten, Erben von großen Vermögen. Jedes Einzelne von ihnen benahm sich wie ein totaler Neandertaler. Und warum? Weil Mami und Papi damit drohten, die Spenden für die Schule zurückzuziehen, wenn sie ihren hübschen Kindern auch nur ein Haar krümmten. Allen außer mir.

Diese Kostbarkeiten würden später die Familienunternehmen übernehmen und sich im Leben der Drogen und Huren sonnen. Sie waren in einen Reichtum hineingeboren worden, den sie nicht verdient hatten. Währenddessen wäre ich zu einem Leben in Knechtschaft verdammt, ob in der feinen Kunst der Gastronomie oder der glorreichen Gabe des Einzelhandels. Ich, Jacob Shelton, würde arbeiten, bis ich verdammt noch mal sterben würde. Alleine. Pleite. Wahrscheinlich würde ich in einer Einzimmerwohnung leben, die nach schmutzigen Füßen roch. Vielleicht hätte ich ein oder zwei Katzen, die sich nach meinem Tod von meiner Leiche ernähren könnten, bis sie gefunden würden. Dann hätte ich wenigstens einen Sinn in diesem mittelmäßigen Leben, auch wenn es nur der wäre, meine geliebten Haustiere am Leben zu erhalten, bis man sie wieder aufnehmen könnte.

Erinnern Sie mich noch einmal daran, warum ich hier war?

»Komm schon, Jacob«, sagte Francesca. »Wir räumen es auf, während du isst. Du musst eine Pause machen.«

Als ich ins Hinterzimmer ging, wartete dort ein Teller Lasagne mit Brot und Salat auf mich. Diese Frauen kümmerten sich um mich und wurden so etwas wie Freundinnen, obwohl sie nicht viel für mich tun konnten. Sie hatten ein Leben außerhalb dieser Schule, im Gegensatz zu mir, der ich rund um die Uhr in diesen Mauern festsaß. Nachdem ich mit dem Essen fertig war, kehrte ich auf meinen gewohnten Posten als Tellerwäscher zurück und arbeitete, bis wir fertig waren. Die Damen verabschiedeten sich, und ich beschloss, den langen Weg zurück in mein Zimmer zu nehmen, in der Hoffnung, Dean und seinen hirnlosen Anhängern zu entgehen, von denen ich wusste, dass sie nach der heutigen Interaktion stinksauer sein würden.

Wie lautet das alte Sprichwort? Wenn es kein Pech gäbe, hätte ich gar kein Glück?

»Sieh an, sieh an, wenn das nicht die Essensdame selbst ist«, sagte Dean, als er und seine Leute mich umringten, als ich mich dem Eingang zum Außentreppenhaus näherte, der zu den Schlafsälen führte. Es war, als hätten sie geahnt, dass ich den Weg nehmen würde, den nur wenige gingen. »Was ist denn los? Haben die alten Damen in der Cafeteria deine Zunge verschluckt?« Er spottete und drückte mich mit dem Rücken gegen die Backsteinmauer. »Wenn ich so darüber nachdenke, kann ich mich nicht erinnern, dich jemals sprechen gehört zu haben. Und das ist gut für uns, nicht wahr, Blake?«

Blake ballte seine Fäuste und traf mich mit dem ersten Schlag direkt in den Bauch. Hustend und stotternd krümmte ich mich vor Schmerzen.

»Selbst wenn er am Boden liegt, spricht er nicht. Der wertlose Stumme«, sagte Dean. »In Ordnung, Jungs, gebt euer Bestes.«

Ich lag da, zusammengerollt in der Fötusstellung, als sie mich nacheinander traten. Ich hatte keine Ahnung, wie lange das so ging, denn ich wurde während des Angriffs ohnmächtig und wachte irgendwann später auf der Krankenstation auf.

»Jacob? Jacob?«, hörte ich eine entfernte Stimme sagen, aber ich hatte zu große Schmerzen, um zu antworten. »Jacob?«

»Hm?«, murmelte ich, als ich versuchte, mich umzudrehen. »Ah!«, schrie ich und umklammerte meinen Oberkörper. Der brennende Schmerz schoss wie Feuer durch mich hindurch.

»Jacob, die Polizei ist hier und möchte mit dir sprechen«, sagte die Krankenschwester der Schule, Mrs. Blackwell. »Bist du bereit, mit ihnen zu reden?«

»Okay?« Wie viel sollte ich sagen? Oder sollte ich gar nichts sagen? Sie zu verraten, führte mit Sicherheit zu einer weiteren Tracht Prügel, aber nichts zu sagen, könnte dazu führen, dass jemand anderes verletzt würde.

»Jacob, ich bin Officer Brandt, das ist mein Partner, Officer Statham. Kannst du uns sagen, was heute Abend passiert ist?«, fragte er.

Als ich mich im Raum umsah, war das gesamte Personal der Cafeteria anwesend, zusammen mit einer finsteren Schulleiterin Stout, die in der Nähe stand. »Ich wurde überfallen«, sagte ich.

»Hast du die Angreifer gesehen?«, fragte Officer Statham, und ich nickte. »Weißt du, wer sie sind?« Die Schulleiterin schüttelte den Kopf. Eine stumme Warnung, den Mund zu halten. Officer Statham bemerkte dies. »Vielleicht sollten die Damen auf dem Flur warten?«

»Das werde ich nicht tun«, protestierte die Schulleiterin, »das ist meine Schule.«

»Wie dem auch sei, Sie behindern unsere Ermittlungen«, erwiderte Officer Statham. Mrs. Dillinger lächelte fast. »Ich bitte Sie noch einmal, in der Halle zu warten.« Die Schuldirektorin ärgerte sich, kam aber der Bitte nach.

»Jacob«, sagte Officer Brandt, als sie weg waren, »kennst du die Namen derer, die dich angegriffen haben?«

Ich stieß einen schweren Seufzer aus, der erneut den Schmerz auslöste, der durch meine Brust schoss und mich zusammenzucken ließ. »Geht es dir gut?«, fragte Officer Brandt.

»Ich bin mir nicht sicher, vielleicht ist etwas gebrochen«, sagte ich ihm. Er ging in den Flur und kam einen Moment später mit Schwester Blackwell zurück.

»Jacob, du hast ein paar gebrochene Rippen. Ich habe deinen Oberkörper so fest bandagiert, wie ich konnte, ohne es zu verschlimmern, aber es gibt nicht viel mehr, was man tun kann. Da du jetzt wach bist, kannst du ein paar Aspirin gegen die Schmerzen nehmen.«

»Ist er gesund genug, um zu sprechen? Oder sollte er ins Krankenhaus gehen?«, fragte Officer Statham.

Schwester Blackwell sah mich an und fragte mich wortlos, ob ich gehen wollte. Wenn sie der Meinung war, dass ich nach ihrer Einschätzung in Ordnung war, würde ich mich daran halten. Ins Krankenhaus zu gehen, würde nur dazu führen, dass das Jugendamt angerufen würde, und das wollte ich nicht noch einmal riskieren.

»Ja, Sir, ich weiß, wer das war«, antwortete ich, wobei ich seine Bemerkung über das Krankenhaus absichtlich ignorierte. »Es waren Dean Newton, Blake Simpson, Trevor Patton und Lyle Dalton«, ratterte ich los. Entweder hatte ich gerade meine eigene Todesurkunde unterschrieben oder dafür gesorgt, dass sie von der Schule flogen. So oder so, man würde mich hassen, selbst wenn ich das Richtige getan hätte.

Die beiden Polizisten starrten einander an: »Simpson, der Sohn von Senator Simpson?«

Schwester Blackwell entschied sich für eine Antwort. »Der einzige. Der Apfel ist nicht weit vom morschen Stamm gefallen.«

»Hast du dich gewehrt, mein Sohn?«, fragte Officer Brandt.

»Nein, Sir.«

»Warum nicht?«, fragte Officer Statham.

»Das war es nicht wert. Sie hätten mich geschlagen, egal, was ich getan hätte. Vier gegen einen, ich hatte keine Chance. Außerdem spielt es keine Rolle«, sagte ich.

Sie machten Fotos von meinen Verletzungen, und die blauen Flecken zeigten bereits ihre hässlichen Schattierungen. Kaum waren sie weg, kam die Schulleiterin wieder herein und warf mir eine kleine Tasche zu. »Das ist ein Nähset. Du hast kein Geld für neue Uniformen, also repariere das, was du trägst, und es sollte besser brandneu aussehen, wenn du fertig bist«, sagte sie und stürmte davon.

Mrs. Dillinger, Francesca, Lorelei und Sarah aus der Cafeteria kamen herein. »Ich schwöre«, sagte Francesca und nahm mir das Set ab. »Diese Frau ist der Teufel.«

»Hier, Jacob«, sagte Schwester Blackwell und legte einen Stapel Kleider neben mich. »Lass uns dich umziehen, damit diese wunderbaren Damen ihre Nähkünste an dir ausprobieren können.«

Ich war zu müde und zu erschöpft, um mich darum zu kümmern, wer mich in meinen Boxershorts sah, und ließ mir von ihnen aus den Lumpen helfen, die einst der Schuluniform ähnelten, und zog mir Sweatshirts und ein T-Shirt an. Wessen? Das konnte ich nicht sagen, weil sie aus dem Fundbüro kamen.

»Hast du noch eine andere Uniform in deinem Zimmer?«, fragte Sarah.

»Ja, Ma’am«, antwortete ich und erinnerte mich an diesen Raum, der alles andere als ein richtiges Zimmer war.

»Okay, du gehst jetzt ins Bett und wir bringen sie dir morgen«, sagte Sarah.

»Danke«, flüsterte ich.

»Wofür bedankst du dich bei uns?«, fragte Lorelei.

»Weil Sie nett zu mir sind.«

Als ich in mein Zimmer zurückkam, hatten mir die Feen der Cafeteria ein Geschenk hinterlassen. Ein gegrilltes Käsesandwich und eine Schüssel mit Tomatensuppe. Es war schön, Menschen zu haben, die sich kümmerten.

Zweites Kapitel

Richard

»Alex, ich habe es wirklich satt, immer dieselben geldgierigen Jungs zu treffen«, beschwerte ich mich bei meinem bald nicht mehr besten Freund, der mich wieder einmal drängte, in den Privatclub zu gehen, in dem wir beide Mitglieder waren.

»Richard, das ist es, was einen Daddy ausmacht«, antwortete er durch den Telefonlautsprecher.

»Wirklich? Ich kann mich nicht erinnern, gesagt zu haben, dass ich ein Sugar-Daddy sein will«, sagte ich.

»Sugar-Daddy? Daddy-Daddy? Wo ist da der Unterschied?«, fragte Alex.

Was war der Unterschied? Ich seufzte verzweifelt über seine lahme Antwort. »Ich bin mir nicht mehr sicher. Ist es zu viel verlangt, jemanden zu wollen, der mehr als mein Geld will, der mit mir zusammen sein will? Jemand, der keine üppigen Geschenke verlangt? Er hat um ein verdammtes diamantenbesetztes Diadem gebeten, Alex. Wer tut so etwas?«

Alex‹ Lachen machte mich nur noch wütender. »Richard, du wusstest, dass Shiloh ein Sugar-Baby ist. Das hast du schon von seinen früheren Daddys im Club gehört, und trotzdem hast du dich von Anfang an in die Sache gestürzt. Ehrlich, diesmal hast du niemandem etwas vorzuwerfen außer dir selbst.«

Ich konnte die Wahrheit in seinen Worten nicht leugnen, egal wie sehr ich es wollte. Die Einsamkeit hatte mir zu schaffen gemacht, und als Shiloh an diesem Abend im Club auf meinen Schoß gesprungen war, all die richtigen Dinge gesagt und sich auf die richtige Weise gegen meine Leistengegend bewegt hatte, war mein Schwanz munter geworden und die Vernunft hörte auf zu existieren. »Nun, er ist ausgezogen und der Sicherheitsdienst hat ihm den Zugang zum Gebäude blockiert. Er kann jetzt das Problem von jemand anderem sein.«

»Lass uns heute Abend in den Club gehen. Orion will ein bisschen mit seinen Freunden spielen«, sagte Alex. Was immer Orion wollte, Daddy Alex gab es ihm. Man konnte es ihm nicht verübeln, sein Junge war ein süßer Kerl. Er konnte ein kleiner Teufel sein, aber die meiste Zeit war er ein guter Junge. Alex und Orion hatten eine einzigartige Beziehung. Eine, in der sie den Lebensstil in Vollzeit lebten. Alex kümmerte sich rührend um seinen Jungen, hatte tagsüber sogar ein Kindermädchen für ihn und Orion liebte jede Minute davon. Ich war neidisch auf das, was sie hatten, aber auch glücklich, dass mein Freund sein Leben gefunden hatte.

»Ich habe einfach keine Lust. Shiloh ist jetzt schon vierundzwanzig Stunden weg. Ehrlich gesagt wäre ich heute Abend lieber allein zu Hause.« Ich seufzte erneut und erinnerte mich daran, dass ich noch weit nach Einbruch der Dunkelheit im Büro war.

»Wie du willst. Wir sehen uns morgen bei der Vorstandssitzung«, sagte Alex, bevor er auflegte. Alex war nicht nur mein bester Freund und Vertrauter, sondern auch mein Finanzchef, und ein verdammt guter noch dazu.

Dreiundvierzig Jahre alt, und ich war wieder allein.

Ich fuhr meinen Laptop herunter, nahm mein Jackett von der Stuhllehne und machte Feierabend. Der Luxus, ein erfolgreicher Immobilieninvestor zu sein, bestand darin, dass mir das Gebäude gehörte, in dem sich sowohl mein Büro als auch meine Wohnung befanden. Der private Aufzug klingelte, als er das Penthouse erreichte. »Guten Abend, Mr. Worthington«, begrüßte mich meine Haushälterin, als ich aus dem Aufzug in das Foyer trat.

»Guten Abend, Claudine«, erwiderte ich.

»Das Abendessen ist im Ofen. Brauchst du meine Dienste heute Abend noch?«, fragte sie und reichte mir ein Glas mit drei Fingern Whiskey.

»Du weißt genau, was ich brauche, nicht wahr?«, sagte ich und sie lächelte. »Nein, danke, Claudine. Genieße den Rest deines Abends.«

»Du auch, Richard«, antwortete sie und ging in Richtung ihres Zimmers.

Claudine war seit Jahren mit mir zusammen, mit mehreren Jungs, und obwohl sie sich nie beklagte, konnte ich immer erkennen, wann sie ihr zu viel wurden. Normalerweise war es ungefähr zur gleichen Zeit, wenn sie mir zu viel wurden. Claudine hatte nie geheiratet und keine eigenen Kinder, war aber in meinen Augen ein wahres Juwel. Sie hatte kein Problem damit, dass ich schwul war, oder damit, mich auf meinen Unsinn anzusprechen, was ich mehr zu schätzen wusste, als sie ahnte. Claudine konnte zwar niemals die wunderbare Mutter ersetzen, die ich durch Krebs verloren hatte, aber sie war tatsächlich eine zweite Mutter für mich geworden, als ich fast so alt war wie meine. Sie und meine Mutter hatten sich prächtig verstanden, und als meine Mutter krank geworden war, war Claudine an ihrer Seite, genau wie ich.

Mein Vater war ein strenger, aber liebevoller Mann. Als ich direkt nach dem College in der ersten Firma, für die ich arbeitete, meinen ersten Verkauf getätigt hatte, war er direkt dabei und hatte mich angespornt. Er war ein Typ, der keinen Mist machte, und er liebte meine Mutter und mich über alles. Als er im Alter von zweiundsechzig Jahren einen Herzinfarkt erlitten hatte und verstarb, war das für meine Mutter und mich ein schwerer Schlag. Sie waren so verliebt. Sie waren ein College-Pärchen und ich war ihr einziges Kind. Meine Mutter hatte sich entschieden, ihre Karriere aufzugeben, um zu Hause zu bleiben und mich aufzuziehen, während mein Vater die Familie ernährte. Er hatte gerade seinen Rücktritt von der Investmentfirma angekündigt, bei der er Partner war, als sich vor fünf Jahren die Tragödie ereignete. Sie mögen beide nicht mehr da sein, aber es verging kein Tag, an dem ich nicht an sie dachte. Ich hatte wirklich das Glück, so wunderbare, liebevolle Eltern zu haben.

Durch die Fensterwand, die sich über das Penthouse erstreckte, blickte ich auf die Lichter, die die Stadt erleuchteten. Ashwood Park war bei Tag ein wunderschöner Ort und bei Nacht absolut atemberaubend. Die Feiertage rückten näher, und bald würde jeder Zentimeter der Stadt von Kopf bis Fuß mit bunten Lichtern, Girlanden und festlichen Dekorationen geschmückt sein. Für meine Mutter war dies die liebste Zeit des Jahres gewesen. Sie hatte Bing Crosbys »White Christmas« in einer Endlosschleife gespielt, bis wir es Wort für Wort aufsagen konnten, während wir Lebkuchenteig ausrollten. Ich schnippelte wahllos mit den alten Metallplätzchenausstechern herum und verunstaltete die meisten von ihnen. Sie lächelte und sagte: »Wichtig ist nur, dass du Spaß hast, Richard. Am Ende schmecken sie alle gleich«, dann bestrich sie meine Nasenspitze mit Zuckerguss und sang wieder die Weihnachtslieder mit.

Gott, wie vermisste ich diese Tage.

Ich konnte mich nie von dem Plattenspieler oder ihrer Schallplattensammlung trennen, die unberührt in der raumhohen Schrankwand meines Wohnzimmers ausgestellt waren. Nachdem ich mir ein weiteres Glas Whiskey eingeschenkt hatte, holte ich das Abendessen, das Claudine für mich zubereitet hatte, aus dem Ofen und setzte mich zum Essen hin. Alleine. Ich sehnte mich nach jemandem, mit dem ich eine Mahlzeit und mein Leben teilen konnte. Jemand, der Weihnachtslieder und die Einfachheit des Plätzchenbackens und des Baumschmückens genauso liebte wie ich. Jemand, der alles zu schätzen wusste, ob es nun ein Geschenk war oder etwas so Einfaches wie sich vor dem Kamin einzurollen und einfach … zu sein.

Gab es einen solchen Jungen, oder verlangte ich zu viel vom Universum?

Mit einem schweren Seufzer stellte ich den leeren Teller in die Spüle, lehnte mich gegen den Tresen und betrachtete den riesigen, makellos dekorierten Raum, den ich mein Zuhause nannte.

Imposant.

Leer.

Einsam, wie ich es war.

Die Liebe zu den Feiertagen, die ich einst besessen hatte, war mit meiner Mutter gestorben. Ich brachte es nicht mehr übers Herz, einen Weihnachtsbaum zu schmücken, geschweige denn auszusuchen. Es schmerzte zu sehr. Anscheinend konnte man mit Geld fast alles kaufen, außer einem Heilmittel für Krebs. Meine Mutter wäre stolz darauf, dass ich das Haus meiner Kindheit nicht für den Wert verkauft hatte, den es hatte. Stattdessen entschied ich mich, es an eine junge Familie zu verkaufen, die ihr erstes Haus zu einem Preis kaufte, den sie sich leisten konnte. Sicher, es war abbezahlt, also hatte ich einen Gewinn gemacht, aber ich hatte mit meinem Herzen gehandelt, wie sie es mir immer gesagt hat. »Richard, was sagt dir dein Herz?«, hatte sie immer gefragt, wenn ich ein Problem hatte. »Höre darauf.« Diesmal hatte ich es getan und es nicht bereut.

Ihre vielen Kisten mit Weihnachtsdekoration füllten den Schrank in einem meiner drei freien Schlafzimmer. Ich weiß nicht, warum die Nostalgie dieses Jahr so stark war, aber die melancholischen Gefühle verschlangen mich fast. Aber wie immer hatte ich viel zu viele Stunden im Büro verbracht, um sie zu verdrängen und in der Verleugnung zu leben, anstatt sie zu verarbeiten, wie ich es sollte. Wie Claudine mit mir zurechtkam, würde ich nie erfahren, obwohl ich sie gut bezahlte. Dieses Jahr wollte ich ihr einen schönen Urlaub schenken. Vielleicht eine Kreuzfahrt mit allem Drum und Dran oder eine Reise nach Europa? Gott weiß, sie könnte eine Auszeit von hier gebrauchen. Ich musste sie fragen. Vielleicht würde sie lieber ihre Schwester in Vancouver besuchen.

Nun, Richard, es wäre hilfreich, wenn du rechtzeitig nach Hause kämst, um ab und zu mit ihr zu Abend zu essen, damit ihr plaudern könnt, euch über das Leben austauschen und es herausfinden könnt.

Gewissen, wenn du recht hast, hast du recht.

Es ist meine Schuld, dass ich die einzige Konstante in meinem Leben ausschließe: Claudine.