A Slice of your Life - Juli Hex - E-Book
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A Slice of your Life E-Book

Juli Hex

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Beschreibung

Auf der Suche nach der eigenen Liebesgeschichte …
Die gefühlvolle Gay Romance für Liebesroman- und Pizzafans!

Phil ist für zwei Dinge bekannt: seine Liebesromane und die unstillbare Leidenschaft für Pizza. Wofür man ihn aber nicht kennt, ist eine eigene Liebesgeschichte zu haben. Nach unzähligen Online-Dates und einem Umzug wird er von seinem neuen Nachbarn Arthur sehr freundlich im Haus empfangen. Und plötzlich steckt er in einer Freundschaft mit gewissen Vorzügen … Daran hat sich in drei Jahren nichts geändert – bis auf Phils Gefühle für Arthur. Aber während Arthur keine Lust auf eine Beziehung hat und Phil damit immer wieder das Herz bricht, übersieht er die verzweifelten und leider viel zu subtilen Flirtversuche des attrakitven Pizzaboten. Dabei wartet Phils Liebesgeschichte irgendwo auf dem Gang, zwischen der Nachbarstür und der samstäglichen Familienpizza …

Erste Leser:innenstimmen
„eine wunderschöne und berührende Liebesgeschichte“
„Tolle Charaktere – besonders Phil mit seiner Liebe zu Pizza.“
„Eine herzerwärmende Geschichte, die zeigt, dass die wahre Liebe nicht so schwer zu finden ist.“
„Gefühlvoll, witzig und charmant – eine Gay Romance zum verlieben.“

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 388

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Über dieses E-Book

Phil ist für zwei Dinge bekannt: seine Liebesromane und die unstillbare Leidenschaft für Pizza. Wofür man ihn aber nicht kennt, ist eine eigene Liebesgeschichte zu haben. Nach unzähligen Online-Dates und einem Umzug wird er von seinem neuen Nachbarn Arthur sehr freundlich im Haus empfangen. Und plötzlich steckt er in einer Freundschaft mit gewissen Vorzügen … Daran hat sich in drei Jahren nichts geändert – bis auf Phils Gefühle für Arthur. Aber während Arthur keine Lust auf eine Beziehung hat und Phil damit immer wieder das Herz bricht, übersieht er die verzweifelten und leider viel zu subtilen Flirtversuche des attraktiven Pizzaboten. Dabei wartet Phils Liebesgeschichte irgendwo auf dem Gang, zwischen der Nachbarstür und der samstäglichen Familienpizza …

Impressum

Erstausgabe Juni 2022

Copyright © 2024 dp Verlag, ein Imprint der dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH Made in Stuttgart with ♥ Alle Rechte vorbehalten

E-Book-ISBN: 978-3-98637-537-9 Taschenbuch-ISBN: 978-3-98637-683-3

Covergestaltung: ArtC.ore-Design / Wildly & Slow Photography unter Verwendung von Motiven von shutterstock.com: © G-Stock Studio Lektorat: Liam Erpenbach

E-Book-Version 05.04.2024, 10:41:25.

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Werks sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

Abhängig vom verwendeten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

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A Slice of your Life

Prolog

Kennst du das Gefühl, in die Vergangenheit reisen zu wollen, um dein früheres Ich einfach mal kräftig ins Gesicht zu schlagen? Dieser Wunsch kommt mir in letzter Zeit immer öfter in den Kopf.

Ich weiß, ich weiß: Wir sind alle nur Menschen. Alles, was uns passiert ist, hat uns zu dem gemacht, was wir heute sind. Und aus Fehlern lernen wir schließlich. Aber sind diese Fehlschläge wirklich immer die besten Lehrmeister?

Sehen wir uns einmal Vergangenheits-Phil an, der gerade in eine wunderschöne Maisonette-Wohnung eingezogen ist, noch kein Internet im neuen Zuhause und erst recht nicht genug Sozialkompetenzen hat, um sein Problem mit einem Anruf zu lösen.

Vergangenheits-Phil steht also in diesem Hausflur, fix und fertig vom Umzug und davon, dass einer der Umzugsleute, die heute seinen Kram von einer Stadt in die nächste gebracht haben, ein ehemaliges Grindr-Date war. Ein insgesamt ziemlich peinliches Wiedersehen. Und den Kommentar Das ist das Schlafzimmer, aber hier kennst du dich ja aus hätte er sich sparen sollen. Im Nachhinein betrachtet war das nämlich nicht open-minded und schlagfertig, sondern nur oberpeinlich, fast schon verbittert. Denn der Umzugskerl war damals direkt abgehauen, obwohl er gesagt hatte, er würde schnell duschen gehen.

Nach diesem Erlebnis will Vergangenheits-Phil also nur eines: Pizza.

Denn Pizza ist Leben, Pizza ist Liebe. Und an einem Tag, an dem jemand, der ahnen kann, in welcher Kiste sich das Sexspielzeug befindet, auch noch deinen Kleiderschrank aufgebaut hat, ist Pizza die einzige Lösung, um dieses Ereignis bestmöglich zu verdauen.

Nicht ahnend, dass er von einem Vorfall in den nächsten stolpert, klingelt Vergangenheits-Phil bei seinem Nachbarn, um zu fragen, ob er dessen WLAN kurz nutzen darf, um sich eine Pizza zu bestellen.

Tja, blöd nur, wenn dieser kein siebzigjähriger Cat Lord ist, sondern ein superheißer Typ, der genug Selbstbewusstsein besitzt, um nur mit einem Handtuch bekleidet die Wohnungstür zu öffnen.

Was soll ich euch sagen? Vergangenheits-Phil ist damals einige Stunden später zufrieden, aber hungrig zurück in seine neue Wohnung gestolpert. Denn Pizza gab es an diesem Abend keine mehr, dafür aber eine Kostprobe davon, was sich unter dem Handtuch verborgen hat.

Mal abgesehen davon, dass man einen Nachbarn für gewöhnlich mehrmals im Leben sieht, weshalb es grundsätzlich eine dumme Idee ist, mit einem solchen zu schlafen, ist es eine noch dümmere, das immer und immer wieder zu tun.

Seit drei Jahren mittlerweile. Regelmäßig.

Und wisst ihr, was ein noch größerer Fehler ist? Den Nachbarn, den man ständig sieht, immer wieder zu vögeln und nicht einmal dann die Reißleine zu ziehen, wenn man bemerkt, dass man Gefühle für diesen Kerl entwickelt.

Würde ich also sagen, dass er auf den echt lahmen Anmachspruch Du kannst hier auch noch ganz anders satt werden, Kleiner nicht hätte eingehen sollen? Um stattdessen angewidert auf dem Absatz kehrtzumachen und das Haus zu verlassen? Wo ihn, oh Wunder, eine Imbissbude auf der anderen Straßenseite erwartet hätte? Eventuell wären die angebotenen Pommes und Pizzen nicht nach seinem Geschmack gewesen, aber vielleicht wäre er dann nicht auf Arthur reingefallen.

Arthur, in dessen Armen Gegenwarts-Phil nun liegt, weil Vergangenheits-Phil ein Trottel ist.

Und Gegenwarts-Phil, das bin ich. Leider ein genauso großer Totalversager wie Vergangenheits-Phil, allerdings mit dem Unterschied, dass Gegenwarts-Phil weiß, was für eine Scheiße er baut. Damit aber auch nicht aufhört und stattdessen Arthurs Nähe genießt, solange dieser döst und nicht mitbekommt, wie ich mich in seine Arme schmiege.

Arthur, der mir klargemacht hat, dass es zwischen uns nur ein praktisches Sex-Arrangement gibt, und ich ihm deshalb nicht mal Vorwürfe machen kann, weil ich so blöd bin und mich darauf eingelassen habe.

Vergangenheits-Phil hätte sich nach dem Umzugskerl eine Instant-Nudelsuppe machen sollen und wäre am nächsten Tag nicht so schwach gewesen, um auf die doch sehr unkreative Anmache von Arthur reinzufallen.

Jetzt ist das Kind schon in den Brunnen gefallen und ich kann den Geruch von Arthurs Haut genießen, bis er aufwacht und ich wieder so tun muss, als wäre ich ganz cool mit unserem Arrangement.

Arthur ist ein verdammter Fehler.

Ein verdammt heißer Fehler.

Und egal, wie tief ich gerade schon drinstecke, in diesem Fehlerkreislauf, so leicht komme ich da nicht mehr raus.

Also genieße ich es einfach und hoffe, dass ich noch irgendeine andere Weisheit aus dieser Situation ziehen kann, außer, dass es sich echt beschissen anfühlt, sich jeden Tag aufs Neue das Herz brechen zu lassen.

Zumindest so lange, bis in frühere Zeiten zu reisen und Vergangenheits-Phil mit einem Kinnhaken zurück zwischen seine Umzugskisten zu befördern, eine reale Option ist.

Nachrichten von Noah

03. Oktober 2018

Noah: Kadir? Absoluter Notfall!

Kadir: Dir ist hoffentlich klar, was absoluter Notfall bedeutet.

Wenn das jetzt wieder so ein Sexspielzeug ist, das beim Nachbarn gelandet ist und ich abholen muss, weil du dich schämst, dann raste ich aus, Mann.

Ich raste aus!

Noah: Die Sache sitzt tief, oder?

Kadir: Bei dir hoffentlich auch, damit es sich wenigstens gelohnt hat.

Wer bestellt denn auch bitte bei Dildoparadies 3000?

Diskretion steckt da nicht gerade im Namen.

Noah: Tut mir leid. War ein Impulskauf.

Kadir: Gab es bei dir nicht gerade noch einen absoluten Notfall?

Noah: Ich bin gerade dem tollsten Typen der Welt begegnet. *_*

Kadir: Wie? Ich dachte, du bist arbeiten.

Noah: Bin ich auch. Es war ein Kunde. Ich hab ihm Pizza gebracht.

Kadir: Okay …

Noah: ?

Kadir: Ich warte darauf, wie es weitergeht.

Noah Das war’s schon.

Ich hab ihm Pizza gebracht.

Und ich glaube, ich habe noch nie einen so süßen Typen gesehen.

Er hat so ein Lächeln … Es war warm und vertraut, aber auch irre schön, weil er dabei richtig strahlt, weißt du?

Kadir:

Habt ihr geflirtet, Nummern getauscht? Irgendwas?

Noah: Nein, ich war einfach nur hingerissen.

Kadir: Hingerissen … mehr nicht.

Da bringt einen also das Dildoparadies 3000 hin.

Du bist also so ausgeglichen, dass du einen echten Kerl nur hinreißend findest, statt direkt was zu unternehmen?

Noah: …

So würde ich das jetzt auch nicht ausdrücken.

Kadir: Und was hast du jetzt vor?

Noah: Keine Ahnung, Mann.

Hoffen, dass er mit der Pizza zufrieden ist?

Kadir: Machst du dann vielleicht was? Eine Nummer lässt sich auch ganz easy auf die Pizzaschachtel schreiben.

Noah: Wir wissen doch beide, dass ich das nicht tun werde.

Verdammt, ich kriege dieses Lächeln nicht aus dem Kopf.

Wie kann man nur so lächeln?

Aber wahrscheinlich steht er gar nicht auf Typen.

Man weiß das ja einfach nicht.

Fuck, ich muss mir seine Adresse aufschreiben. Und dafür sorgen, dass ich auch seine nächsten Bestellungen ausliefere.

Vielleicht finde ich dann mehr über ihn raus.

Aber was dann?

Wir wissen ja, wie das mit mir ist.

Dieses Lächeln … OMG.

Kadir?

Sagst du vielleicht auch mal was dazu?

Kadir: Eigentlich möchte ich nichts mehr sagen.

Denn das hier klingt für mich wie dieser Disney-Scheiß von der Liebe auf den ersten Blick.

Besorg dir einfach mal ein echtes Date, du Dussel.

Kapitel 1

Ein Finger, der sich in mein Brustbein bohrt und dort einen stechenden Schmerz hinterlässt, reißt mich aus meinen Gedanken.

»Aua!«

Der Vorgang wiederholt sich, doch dieses Mal traue ich mich nicht, meinem Leid noch einmal Ausdruck zu verleihen. Denn der Blick meiner besten Freundin ist ganz schön böse.

»Hörst du mir überhaupt zu? Oder denkst du nur an Arthurs perfekten Arsch? Im Ernst, Phil, es ist verdammt schwer, einen Termin in dieser Klinik zu bekommen. Aber weißt du, was noch schwerer ist? Eine Begleitperson mitbringen zu dürfen.«

Betreten sehe ich erst zu Emma und dann auf die Picknickdecke, auf der wir sitzen. »Entschuldigung.«

Sie seufzt. »Weißt du überhaupt, wovon ich die ganze Zeit geredet habe?«

Endlich kann ich auftrumpfen, auch wenn der ein oder andere Gedanke tatsächlich zu Arthurs Hintern abgeschweift ist. »Deinen Möpsen.« Ein Lächeln schleicht sich wieder auf ihre Lippen und ich greife nach ihrer Hand. »Ich weiß, wie wichtig dir die Operation ist. Und auch wenn mir nicht ganz klar ist, wie ich als schwuler Mann da meine Expertise beisteuern kann, bin ich bei dir. Gedanklich, physisch, emotional.«

Deutlich kann ich die Rührung in ihrem Gesicht sehen und spüre, wie sie den Druck auf meine Hand erwidert.

Emma ist trans. Sie hat zum Glück ein unterstützendes Umfeld um sich gehabt, weshalb sie seit der zweiten Klasse als Mädchen lebt und ihre Eltern alles dafür getan hatten, ihr eine männliche Pubertät zu ersparen. Aber die anderen Kinder haben das damals nicht so wirklich verstanden.

Mir war es immer gleich. Für mich war sie von Anfang an Emma und ich habe sie von der ersten Sekunde an geliebt wie eine Schwester. Alles, was ich immer wollte, war, sie dabei zu unterstützen, um all ihre Wünsche in Erfüllung gehen zu lassen. Dazu gehörte damals auch, ihr bei allen Schlachten beizustehen, die sie auszufechten hatte. Oft habe ich sie dafür bewundert, wie stark sie unseren Mitschülern entgegengetreten ist. Sie hatte schon immer ein sehr provokantes, aufbrausendes Wesen. Aber ich war immer bei ihr und habe sie für all ihren Mut bewundert. Bei ihrem Vortrag vor der ganzen Klasse, dass sie ein Mädchen ist und jeden, der sie bei ihrem alten Namen nennen würde, kopfüber ins Klo stecken wird. Oder bei meinem Outing mit fünfzehn, bei dem sie wie ein Pitbull an meiner Seite geklebt hat, um jeden daran zu erinnern, was ihm blüht, wenn man mich dumm anmacht.

Sie ist rabiat, aber effektiv. Denn im Großen und Ganzen hatte ich dank ihr nie Probleme in meinem Umfeld. Na ja, wenn man von Herzschmerz und Verliebt-in-den-Falschen-Szenarien mal absieht. Aber auch dann war Emma immer sofort mit einer großen Packung Eis und den besten Umarmungen der Welt zur Stelle. Und dann war ich im Gegenzug wieder bei ihr, wenn ihre Maske aus Selbstbewusstsein und Mut abgefallen ist. Denn die Worte der anderen prallten nie ganz ohne Folgen an ihr ab.

Jetzt kann ich endlich mal für sie da sein, denn nach langem Überlegen hat sie sich dafür entschieden, sich einer Brust-OP zu unterziehen. Und so hartnäckig wie sie ist, hat sie dafür gesorgt, mich als ihren Beistand mitbringen zu dürfen. Direkt bis in den Aufwachraum. Völlig unabhängig von den Besuchszeiten. Nur im OP bin ich nicht mit dabei.

»Du musst mir noch mal bestätigen, dass ich die richtige Wahl getroffen habe, wie viel gemacht werden muss. Und vor allem musst du bei mir sein, wenn ich aufwache, weil ich dann wieder alles zerdenke. Hätte ich vielleicht lieber mehr machen lassen sollen? Habe ich genug Geduld, um auf das große Reveal zu warten? Du kennst mich doch. Deshalb musst du mich ablenken.« Sie verdreht theatralisch die Augen und bringt mich mit ihrer Aussage zum Lachen. Genau das ist der Grund, warum sie diese Operation so lange hinausgezögert hat. Sie wollte sich absolut sicher sein, über alle Möglichkeiten recherchiert zu haben und die besten Ärzte zu kennen. Und sich die guten Stücke selbst leisten zu können.

Nächste Woche geht der Trip ans andere Ende Deutschlands los und bis dahin müssen wir sehr viel vorarbeiten. Emma und ich sind beide selbstständig und da wir nicht wissen, wie viel Zeit und Fürsorge sie brauchen wird, haben wir alle Termine und Treffen verschoben, um ohne Ablenkung etwas schaffen zu können.

Das ist auch der Grund, weshalb wir uns heute in den Park gesetzt haben, obwohl es Februar und entsprechend kalt ist – die Sonne scheint und die wollen wir genießen, bevor wir uns komplett einigeln.

Ein Seufzen entkommt meinen Lippen, denn leider bedeutet das alles auch, dass ich Arthur heute zum letzten Mal für die nächsten zwei Wochen gesehen habe.

»Das Seufzen sagt mir, dass du schon wieder bei Arthur bist.«

Niedergeschlagen lasse ich mich nach hinten auf die Decke fallen. »Ich werde ihn echt vermissen. Aber weißt du, was das Beschissenste an der ganzen Sache ist?«

»Dass er es vermutlich nur schade findet, niemanden zu haben, den er so leicht flachlegen kann?«

Verdammt. Emma kennt mich und meine Situation nicht nur viel zu gut, sie spricht die Dinge auch sehr unverblümt aus. Und die Wahrheit zu hören, tut weh.

Ich bin nur Sex für ihn. Schnell zugänglich. Einfach zu haben.

Meine beste Freundin scheint zu bemerken, dass sie den Nagel ein bisschen zu genau auf den Kopf getroffen hat, denn sie legt sich neben mich und schmiegt sich in meine Arme. Sie ist so zierlich. Immer wenn ich sie so wie jetzt im Arm halte, fällt mir auf, wie schlank und feingliedrig ihr Körper ist. In einem anderen Leben hätte sie sicherlich eine ganz wunderbare Balletttänzerin abgegeben. In diesem Leben ist sie dafür zu ungeschickt.

Meine Hand verirrt sich in ihre silberblonden Haare, streicht leicht durch die langen Strähnen. Wenn wir so zusammenliegen und ich darüber nachdenke, wie Passanten uns sehen, wird mir immer ein bisschen warm ums Herz. Sie sehen uns innig beieinander, vertraut, lediglich zwei Menschen, die glücklich wirken. Was sie nicht erkennen, ist all der Ballast, der unsichtbar über uns schwebt und uns an manchen Tagen fast zu erdrücken scheint.

Denn weit ab von diesem Bild des perfekten Paares auf einer Picknickdecke, sind wir Menschen, die anders sind. Menschen, die auch immer anders behandelt wurden. Wir beide haben uns ein Universum erschaffen, in dem wir die Normalen sind und wo nur zählt, dass wir glücklich sind. Aber leider halten sich eben nicht alle anderen an die Regeln, die wir mit neun festgelegt haben.

Es gibt langwierige Gerichtsverfahren, die es Emma erschweren, ihr Leben selbstbestimmt als Frau zu führen, was schon bei der Änderung im Personalausweis anfängt. Und es gibt Leute wie Arthur, die der Meinung sind, dass es eine Schande sei, sich heteronormativen Beziehungsmustern zu unterwerfen, wenn wir doch schwul sind. Das bedeutet in diesem speziellen Fall, dass er an Sex glaubt und nicht an Liebe oder Beziehungen.

»Ich bin selbst schuld. Eigentlich hätte ich ihn schon nach drei Wochen aus meinem Leben kehren müssen. Aber da dachte ich noch, es könnte peinlich werden, wenn wir uns im Hausflur über den Weg laufen. Stell dir das mal am Briefkasten vor. Oder das eisige Schweigen im Keller, wenn man die Weihnachtsdeko hochholt.«

Emma lacht und ich spüre ihren warmen Atem an meiner Halsbeuge. »Tja, und dann warst du auch schon Hals über Kopf in ihn verliebt.«

Ich ziehe meine Hand zurück und rücke demonstrativ ein Stück von ihr weg. »Mach dich nicht über mich lustig. Ich bin Krebs, wir verlieben uns eben schnell.«

»Und noch dazu schreibst du diese kitschigen Geschichten, in denen du deine absolut unmögliche Vorstellung von Liebe richtig ausleben kannst. Ich glaube, dadurch hast du es doppelt so schwer, denn kein Mann kann diesen Vorstellungen im wahren Leben gerecht werden.«

Vielleicht hat sie damit gar nicht mal so unrecht. Als Autor von queeren Liebesgeschichten neige ich dazu, meinen schusseligen Protagonisten gern den perfekten Prinzen anzudichten. Und eventuell fließen dabei einige Wunschvorstellungen mit ein.

Ich drehe mich auf die Seite, um Emma direkt ansehen zu können. »Aber sieh es mal so, in der Theorie braucht man nur meine Bücher zu lesen, um zu erahnen, welches Beziehungsmodell ich anstrebe und was ich romantisch finde.«

»Du wünschst dir also jemanden, der auf einem Pegasus angeflogen kommt?« Schon im nächsten Moment bricht sie in schallendes Lachen aus.

Sie ist echt unfassbar fies. Da habe ich ein einziges Mal einen kleinen Ausflug in Richtung Fantasy gemacht …

»Ich lasse dich nie wieder etwas von mir lesen.«

Sie zuckt mit den Schultern. »Dann sind die Dinger aber voller Fehler. Finde mal eine gute Germanistik-Fee, die sich seitenweise Kitsch und sexy Times durchliest.«

Deutlich spüre ich, wie mein Kopf heiß wird. Das ist mir nämlich echt peinlich. Ich schreibe gern Sexszenen und die kommen bei den Lesenden gut an. Zumindest werden sie in Rezensionen und Privatnachrichten, die ich auf Social Media empfange, immer gelobt. Das ist nämlich die gute Seite an meinem Arrangement mit Arthur, denn wir haben jede Menge Sex, was auch jede Menge Inspiration für diese Szenen bedeutet. Allerdings ist es mir echt unangenehm, dass meine beste Freundin das Lektorat für mich übernimmt, denn sie schreibt mir dann jedes Mal ziemlich obszöne oder teilweise kindische Kommentare neben diese Szenen, von denen Haha sein großer, breiter Penis noch das Netteste war.

»Aber«, sagt sie und reißt mich damit wieder aus meinen Gedanken, »hast du mal überlegt, dass Arthur das auch lesen könnte? Und durch das ganze kitschige Geschwafel mitbekommen könnte, dass du verdammt verknallt in ihn bist? Neun von zehn deiner Protagonisten bekommen von dir sehr ähnliche Attribute zugeschrieben, wie sie Arthur hat.«

»Arthur weiß nicht, was ich beruflich mache. Er interessiert sich vermutlich nicht genug für mich als Person, als dass er mich auf Instagram suchen würde.«

Als ich das Mitleid in Emmas Augen sehe, wird mir bewusst, wie traurig das eigentlich ist.

»Ich finde, nachdem wir die Angelegenheit mit meinen Möpsen erledigt haben, solltest du mal wieder jemanden daten. Vielleicht mal über eine dieser Apps.«

Ich lache bitter auf. »Weil die dort alle andere Absichten haben als Arthur? Bei Grindr schreiben sich die Liebesgeschichten ja praktisch von selbst.« Demonstrativ schüttle ich bei der Vorstellung noch einmal den Kopf, denn meine Zeit mit diesen Dating-Apps ist vorbei. »Außerdem stellst du dir das viel zu unkompliziert vor. Matchen, Kontakt herstellen, irgendwie kommunizieren, Treffen vereinbaren. Von den vielen nicht angefragten Dickpics fangen wir lieber gar nicht erst an. Das kostet alles Zeit und Nerven.«

***

Am Absatz der Treppe angekommen, sehe ich Arthur mal wieder halb nackt in seiner Tür stehen. Er lässt den Zettel, den ihm ein fremder Typ entgegenstreckt, in der Tasche seiner viel zu engen Jeans verschwinden.

»Gut, ich bin auch negativ. Dann können wir ja ein bisschen Spaß haben«, sagt Arthur zu dem Kerl in diesem raunenden Tonfall, den er sonst bei mir verwendet.

Ich erlebe hautnah mit, wie unkompliziert Sexdates doch sein können. Toll.

Der fremde Kerl geht in die Wohnung, während ich dieses Schauspiel gebannt verfolge.

Arthur bemerkt mich dabei leider. Mit einem Lächeln zuckt er mit den Schultern. »Ist ein Grindr-Date. Du hast ja gesagt, dass du nächste Woche keine Zeit für mich hast. Er ist ganz süß und war bereit, sich vorher testen zu lassen. Dann kann ich ihn in nächster Zeit vielleicht öfter sehen.«

Noch einmal zuckt er mit den Schultern, dann dreht er sich um und geht in seine Wohnung, während ich so verdammt durch den Wind bin, dass ich versuche, mit zitternden Händen und dem Briefkastenschlüssel meine Wohnungstür zu öffnen.

Es tut weh und ich fühle mich gerade, als wäre ich wie ein abgelegtes Spielzeug einfach zur Seite geschoben worden, weil unter dem Weihnachtsbaum etwas Neues lag. Diese blöden Gefühle für ihn kann ich leider nicht wegzaubern, auch wenn er von Anfang an klargestellt hat, wie es zwischen uns laufen wird. Aber nach all der Zeit habe ich wohl wirklich geglaubt, ich wäre auf irgendeine Art besonders für ihn.

Dieser verfluchte Scheißkerl!

Am Morgen habe ich noch in seinen Armen gelegen. Und nur weil ich ihm für die nächste Zeit abgesagt habe, muss er sich am selben Tag ein neues Spielzeug per App bestellen?

Kapitel 2

Wie wild haue ich in die Tasten und bemerke den eingehenden FaceTime-Anruf nur, weil das Symbol der App immer wieder auf meinem Bildschirm aufhüpft.

Ich zögere kurz, denn der Anrufer ist Sascha, mein Bruder. Er wird mich ansehen und wissen, dass etwas nicht stimmt. Lässt sich bei einem Videocall leider nicht vermeiden.

In dem Versuch, noch etwas zu verschleiern, lösche ich die Lampe auf meinem Schreibtisch und zwinge mich zu einem Lächeln, bevor ich den Anruf annehme.

Mein Bruder reagiert anders, als ich erwartet habe, denn ihm fällt das Lächeln direkt aus den Mundwinkeln. »Ach du Scheiße, Philip! Was ist mit deinem Gesicht passiert? Bist du jetzt in der Botox-Phase angekommen?«

Ehrlich gesagt, hatte ich Sorge erwartet. Es muss also schlimmer sein, als ich gedacht habe. Ein Blick auf den kleinen Bildschirm, wo ich mich selbst erkennen kann, macht mir ziemlich deutlich, was ihn so aufregt: Mit dem vom grellen Bildschirm beleuchteten Gesicht und dem festgetackerten Grinsen sehe ich aus, als würde ich direkt aus dem Geisterhaus kommen.

Schnell schalte ich die Lampe wieder an, denn der Lichtschein, den mein Monitor absondert, ist alles andere als schmeichelhaft. »Mit meinem Gesicht ist alles in Ordnung, danke der liebevollen Nachfrage. Mal abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass jemand in meinem Alter mit Botox anfängt.«

Wobei … ich wurde direkt am selben Tag, an dem ich noch Sex mit meinem Nachbarn hatte, durch einen anderen Kerl ausgetauscht, nur weil ich nicht für das zweite Mal an diesem Tag verfügbar war. Vielleicht sollte ich also doch über Botox nachdenken. Denn was ist, wenn es nicht ausschließlich an der Verfügbarkeit lag, sondern wirklich an meinem Gesicht? Die Reaktion meines Bruders hat gerade ein bisschen an mir gekratzt.

Ich konzentriere mich lieber wieder auf Sascha und erkenne ein gemütliches Feuer, das im Hintergrund in seinem Kamin brennt.

Mein Bruder sieht mich ernst an. »Was ist los? Dein Gesicht ist ein einziges Seufzen.«

»Das ist sehr gut. Denn ich schreibe gerade etwas, was den Arbeitstitel Scherbenhaufen trägt. Spoiler-Alert: Es geht um ein gebrochenes Herz. Und genau diese Attitüde brauche ich dafür.«

Nun ist es mein Bruder, der hörbar seufzt und nicht nur so aussieht. »Arthur mal wieder.«

Was genau halte ich eigentlich davon, dass mein gesamtes Umfeld darüber Bescheid weiß? Mein gesamtes Umfeld mit Ausnahme des Kerls, mit dessen Körperflüssigkeiten ich regelmäßig Kontakt habe?

Ich winke ab. »Lass uns nicht darüber reden. Da du anrufst, bist du scheinbar noch nicht von einem Bären gefressen worden.«

Sascha lacht. »Nein, ganz offensichtlich nicht. Ich habe auch noch keinen einzigen gesehen, falls dich das beruhigt.«

Mein Bruder ist nur ein Jahr älter als ich, aber er ist das komplette Gegenteil von mir. Während das Spannendste in meinem Leben die Tatsache ist, dass ich regelmäßig auf Scheißkerle reinfalle und mir von ihnen jahrelang das Herz brechen lasse, ist Sascha ständig unterwegs. Momentan hängt er wegen starken Schneefalls irgendwo in Norwegen fest. Und mit irgendwo meine ich eine Hütte mitten im Wald. Was mich beeindruckt, ist seine stabile Internetverbindung, aber die hatte er auch auf dem Machu Picchu. Sascha ist Fotograf. Und zwar leider nicht von süßen Hundewelpen, sondern von eindrucksvoller Natur und unglaublichen Orten. Dafür steigt er auf Berge, springt über Vulkanen aus dem Flugzeug oder pirscht sich in der Serengeti an ein Hyänenrudel an. Dieses Mal ging es um Orca-Kolonien, aber bis dahin ist er nicht gekommen und hängt jetzt fest.

Ich brauche eigentlich nicht zu erwähnen, dass unsere Eltern über meinen Berufswunsch Autor zu werden, wesentlich begeisterter waren, nachdem sie Sascha schon dank einer Drohne live in einem Kanu über einen Wasserfall haben fallen sehen. Schreiben ist dagegen ein regelrecht sicherer Job, wenn man mal von den Einnahmen absieht.

»Weißt du schon, wann du nach Hause kommst?«

»Nein. Ich kriege momentan nicht mal die Tür auf, so hoch liegt der Schnee. Ich muss aus dem Fenster steigen. Stell dir das mal vor!« Er lacht auf und wirkt dabei so glücklich und voller Leben. »Aber ich nutze die Zeit, mache lange Wanderungen und versuche, so viel von dieser wunderschönen, rauen Natur einzufangen wie möglich. Gestern habe ich einen wilden Fluss gefunden; die Aufnahmen sind wirklich unglaublich geworden. Die Wetterlage ist so weit im Norden schwer einzuschätzen. Wenn es weiter so schneit, werde ich eine Weile lang nicht abreisen können. Bis dahin möchte ich genug Material in Reserve haben.«

Ich nicke. Denn auch wenn mir der Gedanke, wie mein Bruder mit seinem gesamten Kamera-Equipment und der Drohne stundenlang durch meterhohen Schnee wandert, missfällt, liebe ich doch die Leidenschaft, mit der er dabei ist.

Eine Idee macht sich in meinem Kopf breit. »Mit den Fotos könntest du vielleicht einen Kalender erstellen und ihn verkaufen. Und ein paar Poster. Damit kommst du sicher eine Weile über die Runden. Na ja, ich könnte auch mal wieder neue Bilder an der Wand gebrauchen.«

Mein Bruder lächelt mich an. Mit diesem Lächeln ziehen sich nicht nur automatisch auch meine Mundwinkel mit nach oben, ich werde auch gleich von einer Welle Sehnsucht überrollt. Ich vermisse Sascha. Bei jeder seiner Reisen. Natürlich bin ich wahnsinnig stolz auf ihn und seine Projekte, aber er fehlt mir sehr. Seine Umarmungen sind die besten. Die haben schon immer jeden Kummer geheilt.

»Dir würde es hier sicher auch gefallen. Es ist schön ruhig und einsam. Die Hütte hat eine kleine Scheune, da könnten wir dir einen Schreibraum einrichten. Niemand würde dich stören und niemand würde dir das Herz brechen.«

Entschieden schüttle ich den Kopf. »Und niemand würde mich inspirieren. Außerdem vergisst du etwas ganz Entscheidendes: Wo bekomme ich in dieser Hütte meine Pizza her?«

»Ach, verdammt. Deinen süßen Lieferanten gäbe es in dieser Einöde vermutlich auch nicht.«

Theatralisch verdrehe ich die Augen. Sascha war einmal hier gewesen, als ich meine samstägliche Pizza bestellt habe, und unterstellt dem Pizzaboten seitdem, er würde auf mich stehen. Aber mal abgesehen davon, dass sein Radar auf dieser Ebene absolut falsch eingestellt ist, ist es auch großer Humbug.

»Meinst du nicht, er hätte mal was gesagt, wenn er wirklich auf mich stehen würde?«

Sascha legt den Kopf leicht zur Seite. »Möglicherweise traut er sich nicht, weil er nicht weiß, ob du schwul bist.«

»Die Gay-Pride-Flagge hängt im Flur direkt gegenüber von der Tür«, sage ich und kann es leider nicht verhindern, dabei sehr schnippisch zu klingen.

Mein Bruder lacht. »Stimmt, du versteckst dich nicht gerade.«

Da kann ich ihm nur voller Stolz zustimmen. »Na ja, aber sobald es um das Thema Beziehungen geht, bin ich offensichtlich der Schwan im Teich der Regenbogen-Enten.«

Ganz deutlich sehe ich, wie sich mein Bruder auf die Unterlippe beißt, wahrscheinlich um sich einen Kommentar über diesen Vergleich zu verkneifen, dann lächelt er mich wieder nur an. »Es wird auch einen anderen Schwan geben. Aber vielleicht musst du dich endlich von dem Gedanken lösen, dass dieser unbedingt Arthur heißen muss.«

Mit einem Seufzen stütze ich den Kopf auf meine Hand, weil er mir auf einmal viel zu schwer erscheint. Da ist sie wieder, die melancholische Stimmung, mit der ich dieses schlimme Herzschmerz-Buch schreiben werde.

»Was gibt es sonst noch so bei dir?«, fragt Sascha, der mich wieder einmal so gut kennt, dass er allein durch diese kleine Geste deutlich sieht, dass ich noch nicht so weit bin und nicht über dieses leidige Thema reden kann.

Ein bisschen richte ich mich wieder auf. »Also die Schreiberei läuft gut. Ein Buch ist gerade im Lektorat. Dank meiner momentanen Situation schreibt sich das nächste wie von selbst. Und in zwei Tagen fahre ich mit Emma nach Bayern, weil sie sich die Brüste machen lässt.«

Nun bin ich es, der beobachten kann, dass meinem Bruder fast die Augen aus dem Kopf fallen.

»Sie … oh, wie schön. Dann richte ich Glück- und Genesungswünsche aus.«

Schon seit mehreren Jahren vermute ich, dass mein Bruder auf Emma steht. Oft hatte ich das Gefühl, sie flirten, besonders, da die beiden wahnsinnig viele Insider haben. Und dann ist da auch noch diese Art, wie Sascha möglichst beiläufig fragt, wie es Emma gerade geht und ob sie jemanden datet. Aber vielleicht schreckt sie ihn mit ihrer passiv-aggressiven Art ab. Beziehungsweise wirkt sie absolut nicht wie jemand, der unbedingt eine Partnerschaft im Leben braucht. Emma braucht nur sich selbst – und Schokolade. Auch ich bin nur eine Nebenfigur. Das kann beängstigend sein.

»Du, sag mal«, beginne ich vorsichtig, um nicht mit der ganzen Tür ins Haus zu fallen. »Ich habe da seit Jahren so eine Vermutung und frage jetzt einfach mal nach: Kann es sein, dass du Emma magst?«

Sascha verdreht die Augen. »Natürlich mag ich sie. Dank dir habe ich sie doch auch mein halbes Leben um mich gehabt.«

»Das meine ich nicht. Eher so auf eine Junge-liebt-Mädchen-Art.«

Wieder entgleiten seine Gesichtszüge. Aber schon im nächsten Moment fährt er die Schutzschilde hoch. »Ich glaube, du verlierst dich ein bisschen zu sehr in deinen Liebesgeschichten.«

Einen Moment lang bin ich geneigt, weiter in meiner Vermutung rumzustochern, bis er mir Antworten gibt. Dann fällt mir wieder ein, wie sensibel er seit drei Jahren mit mir zusammen um das Thema Arthur herumtanzt.

Ein wenig niedergeschlagen nicke ich. »Ist gut. Aber wenn du da mal Redebedarf haben solltest, dann bin ich für dich da. Sie ist zwar meine beste Freundin, aber du bist mein Bruder. Von mir würde sie kein Wort erfahren.«

Er seufzt so laut und so schwer, als würde er das für die ganze Welt übernehmen. Wenn er mir von allem, was gerade in ihm vorzugehen scheint, etwas abgeben würde, hätte ich wirklich jede Menge Stoff, über den ich schreiben könnte. Und erst jetzt wird mir so richtig bewusst, dass mein Bruder da irgendwo in Norwegen hockt und ganz allein ist. Egal, wie gern ich wissen will, ob meine Vermutungen bezüglich Emma stimmen oder nicht, darum sollte es gerade nicht gehen. Denn sicherlich ist er in seiner Hütte manchmal sehr einsam.

»Sag mal, wollen wir den Abend über FaceTime zusammen verbringen, gemeinsam essen und vielleicht einen Film gucken?«, frage ich direkt. Ich mag es, allein zu sein, habe aber jederzeit die Möglichkeit auf reale Kontakte, wenn mir danach ist. Auf Arthur, auf Emma oder andere Freunde. Bei Sascha allerdings hat sich nicht mal ein Bär blicken lassen. Mir ist klar, dass das ein Teil seines Jobs ist. Er ist oft an entlegenen Orten, wandert durch Wüsten und Schneelandschaften, aber er hatte bislang immer die Aussicht auf das Ende eines seiner Projekte, und damit die Chance, wieder nach Hause zu kommen. Zu seiner Familie und seinen Freunden.

Gerade hat er nur diese Hütte im Wald.

Doch er sieht mich skeptisch an. »Wolltest du nicht noch ein Buch schreiben oder so? Eins, wo du jede Menge Seufzer und Herzschmerz brauchst?«

Ein Lachen entkommt meinem Mund. »Das kann ich auch morgen noch machen. Denn weißt du, bei Arthur gehen jeden Tag drei Grindr-Dates ein und aus. Mir tut also genug das Herz weh, um dieses Lebensgefühl noch eine Weile aufrechtzuerhalten. Aber vielleicht würde ich gern ein bisschen Zeit mit dir verbringen.« Tief hole ich noch einmal Luft, denn er soll nicht denken, ich will nur aus Mitgefühl mit ihm den Abend verbringen. »Ich habe Angst, dass du dich allein fühlst.«

Kurz sieht er mich einfach nur an, dann schleicht sich ein sanftes Lächeln auf seine Lippen. Es ist dieses typische Großer-Bruder-Lächeln, was mir irgendwie zeigt, dass er stolz auf mich ist. Auch wenn ich nicht genau weiß, wofür.

»Das ist lieb von dir, Phil. Ich gucke gern mit dir zusammen einen Film. Aber mach dir nicht zu viele Sorgen, ja? Ich stürze mich gerade in Arbeit und habe praktisch ein kreatives Hoch. Vielleicht tut mir ein bisschen Einsamkeit mal ganz gut. Du kennst das ja.«

Mit einem Nicken stimme ich ihm zu. Denn ich hätte theoretisch auch weiterhin mit Emma und ihrer Schwester in einer WG wohnen können, so wie während unseres Studiums, aber ich wollte unbedingt allein leben. Für mich. Und für meine Arbeit. Manchmal brauche ich die Möglichkeit, nächtelang durchzuschreiben, in Worten zu versinken und mich an ihnen zu nähren, ohne dass sich jemand sorgt. Dann brennt dieses kreative Feuer am besten, wenn es in mir drin ein bisschen schmerzt. Gefühle, die man selbst fühlt, kann man so am glaubwürdigsten vermitteln. Da kann es wirklich helfen, ein wenig zu vermissen, zu sehnen, zu hoffen, während ich mich von einer neuen Geschichte verschlingen lasse.

Noch bevor ich auf die Aussage meines Bruders eingehen kann, klingelt es an der Tür. »Meine Pizza!«

Ich springe vom Stuhl auf und renne die Treppe nach unten in den Flur, stolpere dabei vor lauter Aufregung fast über eine Teppichfalte.

Jeden Samstagabend gibt es eine Familienpizza. Nur für mich allein. Da kann mir sogar Arthur gestohlen bleiben.

Schnell schaue ich noch einmal in den Spiegel und öffne aufgeregt die Tür.

Wie jedes Mal steht der gleiche Typ davor. Er ist einer dieser Menschen, deren Lächeln auch ihre Augen erreicht. Und die sind so hellbraun, dass sie fast golden schimmern, und denen sieht man sehr deutlich das Lächeln auf seinen Lippen an. Heute ist aber etwas an seiner Kleidung anders. Einen Moment lang lenken mich seine nackten Oberarme, deren Bizepse die kurzen Ärmel seines Oberteils herausfordern, von der eigentlichen Sache ab.

Pizza annehmen, lieb Danke sagen, mich ins Koma fressen.

Der Typ räuspert sich. »Hey! Na, was gibt es diese Woche für einen Film dazu?«

Ich habe ihm mal von meinem Ritual erzählt: Pizza futtern und Trashfilme gucken. Seitdem fragt er ab und zu nach meiner Filmauswahl, während er das Essen aus der Warmhaltebox herausnimmt.

Auch jetzt stellt er, direkt nach seiner Frage nach dem Film, die Box zwischen uns ab und bückt sich, um den Deckel zu öffnen.

»Weiß noch nicht. Mein Bruder und ich wollen heute digital etwas zusammen gucken. Den kann ich leider nicht für den dritten Teil von Deep Blue Sea begeistern, fürchte ich.«

Der Pizzabote stoppt kurz in seinen Bewegungen und sieht zu mir auf. »Es gibt einen dritten Teil? Wow. Der zweite war schon echt abgrundtief.«

»Das klingt für mich wie ein ziemlich großes Kompliment.«

Er lacht auf und während er am Verschluss der Thermobox nestelt, murmelt er etwas, das ich aber nicht verstehen kann.

»Wie bitte?«

Er schüttelt den Kopf. »Nicht so wichtig. Du kannst mir ja nächste Woche erzählen, für welchen Film ihr euch entschieden habt.«

Wieder liegt da dieses Lächeln auf seinen Lippen – und in seinen Augen. Wenn er lächelt, verändert das sein gesamtes Gesicht. Irgendwie wirkt er dann so nahbar und sensibel.

Ich könnte ihn jedenfalls stundenlang anstarren.

In Gedanken versunken nehme ich die Pizza an und registriere verwirrt die Packung Eis, die obendrauf steht. »Habe ich aus Versehen einen Nachtisch bestellt?«

Wieder schüttelt er den Kopf. »Du weißt doch, Stammkunden bekommen manchmal ein kleines Extra.« Er zwinkert mir auf eine Weise zu, die ich als wahnsinnig sexy empfinde.

Sofort ist da dieses aufgeregte Kribbeln in meiner Magengegend und ich stelle mir mehr Situationen vor, in denen er mir diese Seite von sich zeigen könnte. Und das auch nicht zum ersten Mal. Klar ist er mir aufgefallen, aber ich habe gefühlstechnisch schon genug mit Arthur zu tun. Außerdem ist er der Pizzabote. Ich habe keine Ahnung, ob er überhaupt auf Kerle steht. Vielleicht flirtet er generell gern, wenn er merkt, dass es ankommt. Das hält die Kunden im Haus.

»Aber letzte Woche gab es doch schon Tiramisu.« Jetzt, wo ich genau darüber nachdenke, fällt mir auf, dass es davor auch schon Mousse au Chocolat gab … und davor Käsekuchen. Mir ist das nur noch nie so richtig aufgefallen und ich habe das einfach nach der Pizza verputzt.

Seine Oberarme spannen sich an, als er die Box wieder aufhebt. Dann zuckt er mit den Schultern. »Und es gibt ganz sicher auch nächste Woche wieder etwas. Bis bald.«

Verwirrt, aber auch ein bisschen kribbelig drehe ich mich um, schließe die Tür mit einem kräftigen Tritt und gehe wieder nach oben zum Arbeitsplatz, wo mein Bruder geduldig auf mich wartet. »Sascha? Ich glaube, der Pizzabote hat heute vielleicht doch ein bisschen geflirtet.«

Nachrichten von Noah

- 2021 -

Kadir: Meinst du, du bringst heute wieder Restpizzen mit? Ich hab so einen Hunger, kann mich aber nicht mehr bewegen.

Noah: Vorlesungsfreie Zeit tut dir echt nicht gut.

Wieder so ein Video von Pamela Reif?

Kadir: Jap. Diese Work-outs von ihr killen mich.

Noah: Warte, ich bin jetzt wieder bei ihm.

Kadir:>.<

Bei ihm.

Als dein bester Freund muss ich dir sagen, dass das so langsam echt oberpeinlich ist.

Wie lange rennst du dem Kerl jetzt hinterher?

Ach ja, 3 JAHRE!

Und wie gut kann er mittlerweile aussehen, wenn er seit drei Jahren jeden Samstag eine Familienpizza isst?

Noah: ER HAT NACH DEM EIS GEFRAGT!

Kadir: Ach, das machst du immer noch?

Noah: Ja, jede Woche ein anderer Nachtisch.

Aber er hat es registriert.

Kadir: Das ist ja ein riesiger Erfolg.

Mensch, und das hat nur drei Jahre gedauert.

Noah: Das klingt ganz schön sarkastisch.

Aber ich habe ihm nicht gesagt, dass ich ihm die Desserts dazukaufe.

Kadir: Ich möchte durchs Handy springen und dich würgen!

Wenn das in dem Tempo weitergeht, tauscht ihr dann in 9 Jahren Nummern aus.

Echt Mann, du stellst dich an.

Noah: Ich weiß.

Aber ich habe ihm zugezwinkert und dann hat er mich richtig angelächelt.

Ich bin so was von verloren.

Kapitel 3

Die letzten Tage sind anstrengend und aufregend zugleich gewesen. Während Emma sieben Tage stationär betreut wurde, bin ich fast die gesamte Zeit über bei ihr gewesen. Wenn sie geschlafen hat, habe ich geschrieben, ansonsten haben wir viel geredet, philosophiert oder ganz klassisch Karten gespielt. Erst wenn ihr Abendessen ins Zimmer gebracht wurde, bin ich zurück in mein Hotelzimmer gegangen. Es ist schön gewesen, dass ich für sie da sein konnte, doch für mich war es auch sehr viel mehr Socializing, als es sonst in meinem Alltag vorkommt. Leider ist auch nicht alles so gelaufen, wie wir das in mühsamer Kleinarbeit in Vorbereitung auf Emmas OP geplant haben. Was wir nämlich nicht mit einberechnet haben, ist Emmas Umgang mit Schmerzen. Sie sagt, ihr sei klar gewesen, dass es schlimm wird, aber sie sagt auch, dass sie die ganzen Erfahrungsberichte zu locker genommen habe.

Jetzt sitzt meine beste Freundin unglücklich auf der Couch und scrollt durch das Netflix-Menü. Wir sind erst seit zwei Stunden von der großen Reise zurück, und Emma geht es nicht wirklich gut. Sie hat starke Schmerzen, kann kaum schlafen oder sich auch nur ansatzweise bewegen. Da möchte ich sie ungern in ihre Wohnung zurückschicken und hoffen, dass sie klarkommt. Vor der Abfahrt hatte sie zu einem stärkeren Schmerzmittel gegriffen und war davon bei unserer Ankunft verwirrt genug gewesen, dass sie erst im Treppenhaus gemerkt hat, dass wir nicht zu ihr gefahren sind.

»Ich finde es immer noch blöd, dass du mich praktisch gekidnappt hast«, sagt sie und verzieht im nächsten Moment das Gesicht, als sie sich ein winziges Stück zur Seite bewegt.

Immer wieder sehe ich von meinem Handy und unserer abendlichen Pizzabestellung auf, um sie genau zu beobachten.

Der Arzt hat gesagt, dass Schmerzen in der Heilungsphase normal seien. Ob das, was sie da durchmacht, wirklich so normal ist und sie die Sache nur vollkommen unterschätzt hat, weiß ich nicht. Deshalb beobachte ich das jetzt ein paar Tage und schleppe sie, wenn es nötig wird, persönlich zum Arzt.

Ich lege mein Handy beiseite. »Kidnappen sieht ganz anders aus, Liebling. Denn ich pflege dich die nächsten Tage gesund.«

»Und was ist mit deinem Schreibkram? Du hast in den letzten Tagen so manisch auf deinen Laptop eingehauen, da will ich dich nicht noch weiter davon abhalten.«

Ich verdrehe die Augen und reiche ihr ein Glas Cola. »Du hältst mich von nichts ab. Außerdem hast du gerade den Tagesrhythmus eines Koalas. Ich kann also in Ruhe arbeiten, während du schläfst.«

Sie will etwas dazu sagen, das sehe ich ganz deutlich, aber die Türklingel kommt ihr dazwischen.

Hä? Das kann unmöglich die Pizza sein, die habe ich immerhin erst vor wenigen Minuten bestellt.

Verwirrt und mit dem undeutlichen Gemecker meiner besten Freundin im Ohr, gehe ich nach unten und öffne die Tür.

Es ist wirklich nicht die Pizza.

»Arthur? Was machst du denn hier?« Völlig überrumpelt sehe ich ihn an.

Er wedelt mit seinem Handy vor meiner Nase und kommt in den Flur. Dabei schiebt er sich so eng an mir vorbei, dass sich unsere Oberkörper berühren und ich ihn riechen kann. Verdammt, er riecht so gut. Mir war bewusst, dass ich seine Nähe vermisst habe, aber wie sehr, wird mir jetzt erst so richtig klar.

»Ich habe mir extra im Kalender markiert, wann du wieder da bist, Baby.« Ganz ohne auf mich zu achten, knöpft er sich das Hemd auf.

Gedankenverloren lasse ich die Tür ins Schloss fallen. Und ich bin einen Moment lang so wahnsinnig abgelenkt von seinem unfassbar schönen Körper, dass ich viel zu spät reagiere. »Stopp! Du kannst dich doch nicht einfach so selbst einladen. Ich bin gerade erst seit zwei Stunden wieder hier. Hättest du dir nicht auch für heute Abend ein Date besorgen können?«

Er sieht mich verständnislos an. »Warum sollte ich mich um ein Grindr-Date bemühen, wenn ich dich nebenan habe? Immerhin weiß ich, was ich hier bekomme.«

Er kommt näher. Sein Körper strahlt unglaublich viel Wärme aus, die sofort auf mich überspringt, und auch die Küsse, die er mir jetzt auf den Hals haucht, machen es mir nicht leicht, streng mit ihm zu sein.

Aber ich muss.

Denn egal wie sexy er die Worte gehaucht hat, sie tun ganz schön weh. Ich bin praktischer als ein Grindr-Date und hier weiß er wenigstens, was ihm geboten wird. Wenn es für mich doch auch nur so verdammt leicht wäre wie für ihn.

Ich schiebe ihn bestimmt von mir weg. »Arthur, so läuft das nicht. Ich bin müde von der Reise, habe schrecklichen Hunger und Emma liegt oben im Wohnzimmer. Etwas, das ich dir vielleicht hätte sagen können, wenn du dir nicht direkt die Kleider vom Leib gerissen hättest.«

Einen Moment lang sieht er mich nur an. Irgendwie entsetzt. Vermutlich hat er nicht damit gerechnet, dass er jemals einen Korb von mir bekommen könnte. Ist ja auch sein erster. Normalerweise springe ich immer sofort, wenn er eine Nachricht schickt. Manchmal besteht diese nur aus zwei Emojis – einer Aubergine und den Spritzern.

Mann, er hat es echt so was von verdient, einen Korb von mir zu kriegen.

»Also willst du jetzt keinen Sex?«, hakt er nach. Es sieht wirklich so aus, als hätte ihn das tief getroffen.

Seufzend lasse ich den Blick noch einmal über Arthurs Körper wandern. Wie er dasteht, mit seinem offenen Hemd, den definierten Bauchmuskeln und den verwuschelten Haaren, die immer ein bisschen so aussehen, als wäre er gerade erst nach einer heißen Nacht aus dem Bett gestiegen. Es fällt mir schwer, hart zu bleiben und nicht hart zu werden. »Nein, jetzt gerade will ich nur meine Pizza und mich um meine beste Freundin kümmern.«

Arthur blinzelt. Er dachte wirklich, dass es so einfach wird. Dass er rüberkommt und ich mich nach ihm verzehrt habe, dass wir es am besten gleich hier im Flur tun.

Umso mehr Genugtuung fühle ich jetzt. Aber da ist auch ein bisschen Angst, dass meine Abfuhr zu sehr an seinem Ego kratzt. Wenn ich eine Sache aus den drei Jahren Bettgeschichte mit ihm gelernt habe, dann, dass man sein Ego immer schön aufpolieren muss.

Deshalb trete ich wieder näher an ihn ran, lege meine Hände auf seinen durchtrainierten Oberkörper und streiche leicht darüber. »Hör zu, ich melde mich bei dir, wenn es Emma wieder besser geht, okay? Aber jetzt gerade habe ich echt viel um die Ohren.«

»Tja, Phil. Vielleicht habe ich das dann auch, wenn du dich das nächste Mal meldest.« Mit einem deutlich eingeschnappten Gesichtsausdruck schließt er zwei seiner Hemdsknöpfe.

Ich massiere mir seufzend die Schläfen. »Jetzt sei kein Arschloch, Arthur. Du hattest wahrscheinlich die ganze Woche über unzählige Dates. Du wirst es ja wohl schaffen, heute ohne Sex ins Bett zu gehen.«

»Warum hältst du mir eigentlich immer meine Dates vor? Dir ist doch klar, dass wir nicht exklusiv sind. Was soll dann also dieser ätzende Tonfall?«, fragt er und bringt mich damit in Bedrängnis.

Ich kann ihm ja jetzt schlecht sagen, dass es wegen mir sehr gern exklusiv sein könnte. In meinem Kopf jagen sich die Gedanken und Formulierungen regelrecht.

Die Türklingel läutet und ich gehe die zwei Schritte zur Seite, die mich vom Summer trennen. »Ich habe keinen ätzenden Tonfall. Du kannst tun und lassen, was du willst. Aber vielleicht habe ich die Nase voll davon, nur deine bequeme Lösung zu sein, wenn du Druck hast. Mein Gefühlsreichtum ist weitaus größer als der einer Tomatenpflanze.«

»Weißt du was, Phil? Mir wird das alles zu kompliziert mit dir.« Arthur reißt die Tür auf und rennt beinah den Pizzaboten über den Haufen, der nur wenige Meter vor meiner Tür steht. Er geht rüber und knallt seine Wohnungstür zu.

Der Pizzabote zuckt genauso zusammen wie ich.

Er sieht zwischen Arthurs Tür und mir hin und her. In seinen Augen blitzt etwas auf, was ich nicht ganz deuten kann. »Ärger mit dem Freund?«

Ich schüttle den Kopf. »Das da ist ganz sicher nicht mein Freund, sondern nur ein verdammtes Arschloch, was meinen Wert nicht zu schätzen weiß!« Ich hoffe wirklich, laut genug zu sein, damit Arthur mich hört. Aber dann wird mir bewusst, dass da noch immer der Schnuckel mit meinen beiden Familienpizzen steht. »Sorry, ich wollte nicht, dass du jetzt mein Drama abbekommst.«

Sein Gesichtsausdruck verändert sich und seine Augen haben wieder diesen liebenswürdigen Schimmer. »Dann passt es ja gut, dass ich dir heute die große Dose Eis mitgebracht habe. Veganes Kokoseis. Sollte bestimmt über einiges hinweghelfen.«

Zu sagen, ich wäre verwundert, beschreibt nicht mal annähernd, wie ich mich gerade fühle.

»Ich dachte, das bekommen Stammkunden zufällig dazu.«

In meinem Kopf rechne ich all die Male nach, die ich schon einen Nachtisch dazu bekommen habe. Sie sind immer vegan, aber das habe ich darauf geschoben, weil ich ja auch nur vegane Pizza bestelle.