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Eigentlich wollte Felix mit seinem besten Freund Danny nur eine Runde Ski fahren - Mitten in der Nacht.
Was dann passiert? Lest selbst.
Dieses Buch ist nur für Leser gedacht, die kein Problem mit gleichgeschlechtlicher Liebe haben und nicht anstößig auf entsprechende, erotische Szenen reagieren.
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Veröffentlichungsjahr: 2017
„Mann, Felix! Du kannst doch hier jetzt nicht mitten in der Nacht Skifahren gehen. Der Werner bringt uns um, wenn der davon erfährt!“
Genervt rollte Felix die Augen nach hinten. Dass Danny aber auch immer so spießig sein musste. Keine Frage, er mochte seinen besten Freund. Aber ein bisschen mehr Spontanität würde dem Achtzehnjährigen mit Sicherheit nicht schaden.
„Meine Fresse, Danny“, stieß er schnaufend aus und zog sich Skijacke und Handschuhe über. „Wir sind auf Abifahrt. Wir haben gefeiert, getrunken und jetzt will ich eben ein bisschen Spaß. Wo ist das Problem?“
„Wo das Problem ist?!“ Er stieß seinem Kumpel gegen die Schulter. „Wir haben ein Uhr nachts, es schneit und es ist dunkel. Wo zum Teufel willst du denn hin? Da draußen sieht man nicht einmal die Hand vor Augen!“
Felix' Lachen erhellte den ansonsten stillen Raum. Kleine Grübchen bildeten sich an seinen Wangen. Die dunklen Haare wackelten lustig hin und her. „Bor, Alter. Du bist so spießig. Du bist schlimmer als meine Mutter.“ Er deutete auf ein paar Skier hinter Danny an der Wand, dann stieg er in seine. „Also entweder ziehst du dich jetzt um und kommst mit oder du bleibst hier und ich habe Spaß ohne dich. Mir ist das zu blöd und ich hab keinen Bock, jetzt weiter mit dir über so einen Schwachsinn zu diskutieren. Wenn du meinst, du musst den Spielverderber mimen, dann bitte. Aber ich lass mir den Abend nicht von dir verderben.“ Mühselig schleppte Felix sich zur Tür, stülpte sich den Helm über den Kopf, der daneben auf einem Holzbrett lag und nahm die Skistöcke in die Hand. „Was ist jetzt? Mann oder Memme? Meine Güte, stell dich doch nicht immer so an, du Weichei!“
Danny schüttelte ungläubig den Kopf. Manchmal – und dies kam in letzter Zeit nicht selten vor – hätte er seinen besten Freund mit dem Kopf gegen die Wand klatschen können. Wie konnte man nur so unvernünftig sein?
Aber war Felix jemals anders gewesen? Diese Frage konnte er sich ohne groß zu überlegen mit einem Nein beantworten. Schon als Kind hatte er nur Flausen im Kopf, und obwohl Danny der Jüngere der beiden gewesen war, war immer er derjenige gewesen, der ein Auge auf Felix geworfen hatte. Es verging kaum ein Tag, an dem er ihn nicht zurechtweisen oder ihm in den Arsch treten musste.
„Warum muss man eigentlich immer auf dich aufpassen, als wärst du ein Kleinkind? Kannst du dich nicht ein einziges Mal deines Alters entsprechend verhalten?“
Felix klappte das Visier des Helmes auf und drehte sich grinsend zu seinem Kumpel zurück. Er wusste ganz genau, dass er ihn bereits jetzt so weit hatte, dass er ihn begleiten würde. Danny war leichter zu durchschauen wie eine Scheibe Plexiglas.
„Es reicht doch, wenn einer von uns beiden den spießigen, alten Sack heraushängen lässt. Was wäre unser Leben langweilig, wenn ich genauso wäre wie du? Einer von uns beiden muss ja mal Leben in die Bude bringen.“
„Da fragt man sich doch, warum du überhaupt mit mir befreundet bist, wenn ich doch so ein spießiger, alter Sack bin, wie du so schön sagst. Warum fährst du also nicht alleine da raus in die Hölle und holst dir den Tod? Ich kann da verdammt gut drauf verzichten!“
„Weißt du, das würde ich ja sogar machen, aber-“ Er klappte das Visier des Helmes wieder nach unten, allerdings entging Danny nicht das spöttische Grinsen, das Felix noch immer auf seinen Lippen trug. Der Kerl konnte es nicht lassen. „Wie wir beide ja wissen, führst du dich liebend gern auf wie meine Mutter und wirst mich eh begleiten. Ganz egal, ob ich allein fahren will oder nicht. Es liegt in deiner Natur, auf mich aufzupassen. Daran kannst du nichts tun.“
Ungläubig sah Danny Felix hinterher, als dieser den Raum verließ und nach draußen huschte.
„Bekomme ich eigentlich auch lebenslänglich, wenn ich dich umbringe, weil du mir tierisch auf den Sack gegangen bist?!“, rief er ihm noch hinterher, doch Felix antwortete ihm schon gar nicht mehr. Dieser Scheißkerl wusste ganz genau, wo er Danny anpacken musste und das war etwas, über das er sich selbst jeden Tag aufs Neue hätte aufregen können. Er hasste sich selbst dafür, dass Felix ihn so im Griff hatte. Aber wie er gerade schon sagte: Daran konnte er nichts tun. „Glaub mir, wenn ich dich in die Finger kriege, bist du fällig. Mann!“
Genervt von der Situation und der Tatsache, dass er mal wieder nicht anders konnte, als Felix nachzugeben, schnappte er sich Skier, Helm und Skistöcke und stapfte ebenfalls nach draußen in den Schnee. Zum Glück war hier oben immer noch alles beleuchtet, sodass er Felix ziemlich schnell ausfindig machen konnte. Schnell stülpte er sich den Helm über, zog die Handschuhe aus seiner Winterjacke und zog sich diese ebenfalls an. Argwöhnisch beobachtete er, wie Felix sich bereits auf den Weg gemacht hatte. Zum Glück war er selbst ein besserer Skifahrer als sein bester Freund. Er würde ihn also mit Sicherheit ganz schnell wieder einholen.
„Wie wäre es, wenn du Idiot wenigstens mal auf mich wartest?!“, schrie er lautstark und ließ die Schuhe in die Skier einklicken, bevor er schließlich losfuhr. Wie schon erwartet, hatte er Felix nach nur wenigen Minuten eingeholt, doch der dachte gar nicht erst daran, Danny auch nur eine einzige Sekunde zu beachten. Schnaufend öffnete er das Visier und schmiss seinem Kumpel einen bösen Blick zu. „Könntest du mal bitte aufhören, mich zu ignorieren?“, rief er ihm zu.
Felix drehte den Kopf in seine Richtung, dann öffnete auch er das Visier. „Ach nein? Du bist ja auch hier?!“, antwortete er spöttisch und lachte. „Ich dachte, meine kleine Aktion ist dir zu gefährlich.“
