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In diesem Kurzroman werden die teils witzigen, aber auch skurrilen Erlebnisse einer Familie erzählt, die eine Reise in das wunderschöne Elsass unternimmt. In den Orten, die an der Weinstraße liegen und auch in Straßburg gibt es so vieles zu erkunden. Lassen sie sich mitnehmen auf diese Entdeckungstour.
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Seitenzahl: 81
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Inhaltsverzeichnis
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Abenteuer im Elsass
Wisst ihr eigentlich, dass meine Mutter französische Vorfahren hat? Ihr Vater George Theodor Hubert ist in Metz geboren und aufgewachsen. Metz ist eine Stadt im Nordosten Frankreichs. Doch dieses Gebiet, dass sich Lothringen nennt, war nicht immer unter französischer Herrschaft. Von 1871 bis 1918 und von 1940 bis 1944 gehörte Metz zu Deutschland. Als mein Großvater also 1932 geboren wurde, war er Franzose. Acht Jahre später allerdings übernahmen die Nationalsozialisten diese Region und plötzlich war die französische Lebensart und auch die französische Sprache unter Strafe gestellt. Mein Opa musste nun plötzlich in der Schule deutsch sprechen. Sein Glück war, dass seine Mutter Anna deutsch sprach, da sie aus Schlesien zugewandert war. So war er zweisprachig aufgewachsen und konnte sich den herrschenden Veränderungen besser anpassen, als so manch anderer Einwohner der Stadt. Durch die schwierige Zeit unter der deutschen Herrschaft fühlte sich die „deutsche“ Anna nachdem der Krieg beendet war in Metz ausgegrenzt und nicht mehr willkommen. Da ihr Mann Franz gestorben war, beschloss sie mit ihren zwei jüngsten Kindern, also meinem Opa und seiner Schwester, nach Ostwestfalen zu gehen. Dort wohnten nämlich zwei Cousinen von ihr. Mein Opa blieb in dieser Region ansässig. Er fand Arbeit, heiratete und wurde Vater von sechs Kindern. Französisch sprach er leider nur mit seiner Schwester und nicht mit seinen Kindern. Doch auch wenn er die Sprache nicht weitergab, die kulinarische, französische Lebensart wurde in seiner Familie zelebriert. Also gehörten Wein und gutes Essen zum Alltag in der Familie meiner Mutter.
So ist es nicht weiter verwunderlich, dass meine Mutter eine Weinliebhaberin ist. Auch mein Mann hat eine große Vorliebe für Wein, obwohl er keinen französischen Hintergrund hat. So reifte in meinem Mann aber die Idee gemeinsam Urlaub an der Weinstraße im Elsass zu machen. Da der Rest der Familie nicht so weinbegeistert ist, wollten wir natürlich auch die Landschaft und die regionale Küche genießen. Gemeinsam suchten wir im Internet nach passenden Unterkünften. In heutigen, digitalen Zeiten ist das Buchen einer Reise ja nicht weiter problematisch. Wir hatten uns dazu entschlossen einige Tage die Weinstraße und ihre nahegelegenen Dörfer zu erkunden und dann weiter nach Straßburg zu reisen. Hier wollten wir die Schönheiten dieser Stadt entdecken. Die Suche nach passenden Unterkünften war schnell abgeschlossen. Unser erstes Domizil trug den klangvollen Namen „Cour de Vinge“ also Herz des Weins und befand sich in einem malerischen Ort namens Riquewihr. In Straßburg entschieden wir uns für eine Wohnung mit Balkon, direkt an der Ill gelegen. Angesehen, für gut befunden und gebucht.
In den zwei Wochen vor unserem Aufenthalt im Elsass waren mein Mann und ich beruflich sehr eingespannt. Bei mir war die Hälfte der Belegschaft krank und so musste ich einspringen und mehr arbeiten als sonst und mein Mann schrieb ein Angebot nach dem nächsten und saß teilweise bis spät in die Nacht hinein am Computer, um alles vor seiner Abreise noch zu regeln. Je näher der Urlaub kam, desto schmerzhafter wurde mir bewusst, dass weder ich noch meine Kinder über ausreichende Herbstgarderobe verfügten. Na ja, okay, ihr habt mich erwischt. Ich hätte vielleicht ausreichend „alte“ Garderobe besessen. Doch die Kinder waren den Sommer über so in die Höhe geschossen und brauchten dringend neue Hosen und Pullover. Den Versuch für meine 15jährige Tochter Alice schnell noch Boots in Größe 43 zu bekommen, gab ich nach der zweiten Internetbestellung auf. Beide Schuhe hatten nicht gepasst. Größe 43 war halt nicht der Norm entsprechend und dementsprechend schlecht zu bekommen. So würde sie halt mit Turnschuhen durch das Elsass laufen müssen. Tatsächlich gelang es mir aber noch für beide Mädchen neue Hosen und Sweatshirts zu besorgen. Nur meine Garderobe hatte ich noch nicht erweitern können. Irgendetwas passendes würde ich schon noch in den Fächern meines Kleiderschranks finden können, dachte ich mir, als ich abends kurz vorm Einschlafen an unsere Reise dachte. Doch dann eine Woche vor unserer Abfahrt bot sich mir völlig überraschend die Möglichkeit mit meiner Mutter ein Outlet Store zu besuchen. Diese Gelegenheit ließ ich natürlich nicht ungenutzt. An diesem Tag war ich sehr großzügig mit mir. Ich erstand ein kariertes Wollkleid mit passendem Poncho dazu, einen schicken Mantel und einige Rollkragenshirts. Nach diesem Shopping- Erlebnis war ich sehr glücklich. Nun hatte ich neue Garderobe für unseren Trip nach Frankreich. Herrlich! Bevor sich meine Mutter wieder auf den Weg nach Hause machte, fragte sie mich noch: „Du nimmst doch nicht so viele Klamotten mit nach Frankreich, oder?“ Ich war allerdings noch so beseelt nun im Besitz neuer, schicker Kleidung zu sein, dass ich ihr antwortete: „Doch natürlich, wir haben so viele schöne Sachen im Schrank, die muss man doch auch mal anziehen.“ Ich ahnte ja gar nicht, wie sehr ich meine Mutter mit dieser Aussage stresste. Während ich noch mit der Arbeit und anderen Terminen beschäftig war und noch nicht einen Gedanken ans Koffer packen verschwendet hatte, überlegte meine Mutter zwei Tage lang, welche schicken Kleidungsstücke miteinander kombinierbar waren und welche nun Platz im Koffer finden sollten. Das fiel ihr nicht leicht und so packte sie einige Sachen erst ein, um sie am nächsten Tag doch wieder auszupacken und sich für etwas anderes zu entscheiden. Ich ahnte von all der Anstrengung nichts. Am Freitagnachmittag kam ich endlich dazu meinen Koffer einzupacken. Ich überlegte kurz, ob ich wirklich in einem Kleid durch das Elsass laufen wollte und entschied mich dann dagegen. So packte ich nur Jeans, meine neuen Rollkragenshirts und ein paar Strickjacken ein. „Das wird reichen, dachte ich mir!“ und schickte meiner Mutter per Messenger Dienst ein Foto aufs Handy. „Das nehme ich mit!“ stand unter dem Bild. „Na toll“, antwortete sie mir, „Jetzt ist es zu spät! Mein Koffer ist gepackt, vermutlich nur mit Klamotten, die ich nicht brauchen werde. Du hast mich total gestresst und dabei hätten Jeans und Pulli gereicht. So wie ich es ursprünglich auch einpacken wollte!“ Oh je, da war ich mit meiner unbedachten, überschwänglichen Antwort ja wirklich übers Ziel hinausgeschossen. Hoffentlich würde das die Stimmung während unserer Reise nicht trüben.
Dann war der Tag der Abreise gekommen. Gegen 9 Uhr fuhren wir los. Die Sonne strahlte vom blauen Himmel und wir machten unterwegs immer mal wieder eine kleine Pause. Gegen Mittag picknickten wir auf einem Rastplatz und freuten uns auf die vor uns liegende Zeit. Meine Mutter hatte den Stress der Reisevorbereitung hinter sich gelassen und konnte nun über die Odyssee des Kofferpackens breit grinsen. Darüber war ich sehr erleichtert.
Gegen späten Nachmittag erreichten wir unser Ziel. Riquewihr ein kleines Dorf an der Weinstraße des Elsass im Osten Frankreichs. Uns begrüßten üppig bepflanze Blumenkübel, die neben dem Hotel de Ville, also dem Rathaus, vor eindrucksvollen Wasserspielen in der Sonne ihre Farbpracht entfalteten. Voller Staunen über die Schönheit um uns herum, suchten wir einen Parkplatz. Als dieser gefunden war, hatten wir unsere Unterkunft in einer Nebengasse schnell ausgemacht. Wir gingen durch enge kopfsteingepflasterte Häusergassen und blieben vor einem großen, robusten Holztor stehen. Es war mit Weinreben berankt, die sich der Jahreszeit entsprechend schon langsam gelb und rot färbten. Ein netter Mann mittlernen Alters öffnete uns das Tor und lud uns in den kleinen Innenhof ein. Hier befanden sich zwei kleine Sitzecken, die zum Verweilen einluden. Das Haus in dem sich unsere Wohnung befand, war wie für diese Gegend typisch ein Fachwerkhaus. Die dicken, dunklen Holzbalken konnte ich gut erkennen. Sie wirkten sehr robust und ich fragte mich, mit welcher Technik die damaligen Baumeister diese Behausung errichtet hatten. Wie sich später herausstellte, war dieses Gebäude um 1600 gebaut worden. Faszinierend, oder? Zu unserer großen Freude sprachen der Vermieter und seine Frau deutsch. So erzählten sie uns von ihrem Heim und ihr großer weißer Hund der uns gutmütig betrachtete und sich von meiner jüngeren Tochter Johanna auch gleich kraulen ließ, wurde auch gleich Gesprächsthema. Nach dem ersten Kennenlernen stand nun einer der spannendsten Momente unmittelbar bevor. Die Besichtigung unserer Wohnung. Egal in welches Land ich reise, der erste wirklich aufregende Augenblick, ist das Ansehen der Unterkunft. Da habe ich schon sehr enttäuschende Momente erlebt, in denen ich dachte, ich würde es keine einzige Nacht in dieser Behausung aushalten. Doch es gab auch schon viele sehr erfreuliche Besichtigungen, die mir verzücktes Staunen bescherten. Jetzt war ich gespannt welche Erfahrung ich heute machen würde. Die Frau des Vermieters führte uns zwei Treppen hinauf. Die Treppen waren steil und die Stufen in der Mitte schon ausgetreten. Über die Jahrhunderte hatten diese Stufen schon etliche Tonnen Gewicht aushalten müssen. Das vermutete ich zumindest, als ich die Stiegen erklomm. Dann standen wir vor einer modernen Wohnungstür. Die Tür öffnete sich und dahinter verbarg sich ein sehr anheimelndes Appartement. Die Küche war modern und gut ausgestattet mit Mikrowelle, Spülmaschine und sogar einer Kapselkaffeemaschine. Das Esszimmer und das Wohnzimmer schlossen sich gleich in einem langen Schlauch an die Küche an. Der Esstisch und die Stühle waren aus massivem, dunklem Holz und passten perfekt zu den dunklen Holzbalken im Gemäuer der Wände. Ein alter Buffett Schrank beherbergte das Geschirr und die Gläser. Es gab zwei Sofas und zwei Sessel, die hübsch um einen kleinen Holztisch drapiert waren. Auf dem Boden lagen groß gemusterte Teppiche, während vor den kleinen, schiefen Fenstern rotkarierte Gardinen hingen. Eine Tür neben dem Essbereich führte in ein kleines Schlafzimmer. Dies beanspruchten meine Eltern gleich für sich. Ich fühlte mich sofort wohl in dieser gemütlichen Atmosphäre. Neben der Wohnungstür führte eine schmale, steile Treppe in die obere Etage. Hier befanden sich zwei Schlafzimmer und ein Badezimmer. Nicht nur ich war begeistert, sondern auch meine Familie war ganz angetan von unserer Unterbringung.
Nun musste nur noch das Gepäck in die Wohnung. Das übernahmen die Männer. So schleppten sie Koffer und Taschen, sowie Rucksäcke durch die engen Gassen der Weinstadt. Besonders amüsierten wir Frauen uns, dass mein Vater einen Kasten Flensberger Bier mitgenommen hatte. Diesen trug er nun ganz selbstbewusst in die Unterkunft. Was soll ich sagen, er ist halt ein Gewohnheitstier. So wie er am liebsten Gouda und geräucherten Schinken isst, so hat er in Flensberger Bier, sein Lieblingsgetränk gefunden. Und warum sollte er sich mit irgendetwas anderem zufriedengeben, wenn man so einen Kasten Bier auch mitnehmen kann.
Nachdem alles verstaut war, waren wir bereit die Umgebung ein bisschen zu erkunden. Die üppige Blütenpracht und die schiefen bunten Fachwerkhäuser waren so schön anzuschauen. Im Hintergrund der Szenerie waren die ordentlichen, grünen Reihen der Weinberge zu sehen. Überall gab es Brunnen, Säulen und Blumen zu bestaunen. Wir waren überwältigt von dem märchenhaften Charme. Mit einem leckeren Essen in einem urigen Kellergewölbe ließen wir den Abend ausklingen. Als ich später in meinem kuscheligen Bett lag, freute ich mich auf die kommenden Tage und war gespannt, was wir alles sehen würden.
