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Anmerkung der Autoren: Alle Erlöse aus den Verkäufen gehen als Spenden direkt an unsere Freunde von Café con Leche (https://www.cafe-con-leche.org) und an Sophia Kirst Art (Instagram: @sophiakirst.art) für ihren Beitrag der wunderbaren Illustrationen zu diesem Buchprojekt: _ "Das nächste Stück war ein Eigenwerk von Biblimas. Er zeigte Kaspar wieder kurz die Akkorde und gab ihm den Takt vor. Die Gäste riefen nach Zugabe und Beide antworteten ihnen mit ihren lauten Instrumenten. Von der ersten bis zur letzten Note waren beide wie ein Wirbelwind, der die Burg durchfegte und Chaos hinterließ. Als sie ihr Spiel beendet hatten und man weder Laute noch Flöte hören konnte, war alles scheinbar wieder an seinem Platz. Aber die Welt war eine neue und das Königreich feierte seine neuen Helden."
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Seitenzahl: 113
Veröffentlichungsjahr: 2020
For my Princess Muse:
Because we have never climbed the peaks of the Alps.
Für die Familien Göbel, Wons und Pribilla:
Sorry, dass ich an Weihnachten nie da war.
Vorwort
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Lieber Alex,
In meinen Augen war und ist das Beste an meinem kleinen Roman die Geschichten, die sich um die Geschichte selbst geschrieben haben. Ich sehe mich weniger als den Erschaffer einer besonderen Welt, sondern vielmehr als einen Vermittler zwischen verschiedenen Welten.
Diese Kanäle sind der größte Grund für mein Werk. Dass du jedoch auf einem dieser Wege dazu inspiriert wirst, dein ganz eigenes Buch zu schreiben, hätte ich im Traum nicht gedacht. Und umso mehr erstaunt es mich, dass dieser Traum in Erfüllung gegangen ist. "Abenteurer sind oft einsam" ist ein Ritterschlag, von dem ich nicht sicher bin, ob ich ihn verdiene.
Ich habe dir mal gesagt, dass man in seinen Zwanzigern ein Schiff oder ein Haus baut. Wir sind Schiffbauer. Und ich freue mich auf diese einmalige Reise. Und all die kommenden Geschichten.
Abenteuer sind oft einsam. Dieses ist es nicht.
In höchstem Respekt und tiefstem Dank,
Dein Freund,
Richard
"Möge der Tanz beginnen." sagte Biblimas leise zu sich selbst. Er blickte auf die Finger seiner linken Hand, die an den Saiten seiner Laute angelegt sind. Alles in Position und bereit zum Spiel, dachte er sich, als es langsam um ihn herum dunkler wurde.
"Seid gegrüßt, Falkenstein!", brüllte ein junger Mann hinter Biblimas.
Tilius, was wären wir nur ohne ihn, dachte sich Biblimas und musste schelmisch lächeln. Der Wagen, den Tilius führte, hatte jetzt das Tor durchquert und Biblimas befand sich zurück im Tageslicht. Entgegen der Fahrtrichtung und hinten im Wagen an der linken Seite der Ladekante sitzend, lässt er das linke Bein herunterbaumeln und schaukelt es dabei spielerisch hin und her. Das rechte Bein war angewinkelt und auf der Ladekante, sodass er seine Laute daran anlehnen konnte. Diese Position ließ ihn sicher sitzen, während der Wagen mit leisem Geschepper über die unebene Straße holperte. Seine rechte Hand begann eine langsame Melodie zu zupfen. Entspannt und noch immer lächelnd, blickte Biblimas die erste Person an, die in sein Sichtfeld kam. Es war ein Mädchen, schon mehrere Winter erprobt, die mit ihren kräftigen Armen einen Korb trug, gefüllt mit den ersten roten Rüben des Jahres. Sie blickte mit ihren hellblauen Augen neugierig auf Biblimas, der nun mit tiefer und melodischer Stimme anfing zu singen:
"Von weit weg sind wir hergekommen!
Schon lange freun‘ wir uns auf heut‘!"
Dann blickte Biblimas einen älteren Mann mit einem langen Gehstock an, der neben dem Mädchen stehen blieb. Der Mann blickte mürrisch auf ihn zurück, doch Biblimas sang fröhlich weiter:
„Wer auch immer du bist, wie auch immer du heißt,
heute Nacht sind wir alle gleich!“
Biblimas schwang sich nun von der Ladekante und landete sicher auf beiden Beinen. Seine Laute wurde von einem Gurt aus violettem Stoff um die Schulter getragen und war farblich abgestimmt mit seiner dunkelblauen Kluft. Er blickte nach links und auf eine kleine Gruppe von Maurern, die ihre Arbeit kurz unterbrachen, um den eintreffenden Tross aus mehreren Wägen zu beobachten.
„Eure Tage dauern viel zu lang!
Doch schon wieder ist ein Jahr vorbei!“
Während Biblimas zu den Arbeitern und Bauern sang, konnte er beobachten, wie seine Musik und sein Gesang die Stimmung der Leute hob. Die Bewohner von Falkenstein lächelten, lachten und erfreuten sich des Anblicks des Barden, an den sich noch einige erinnern vom großen Fest des letzten Frühlings. Als Teil des einkehrenden Trosses von Haron aus Kleiberneim, war diese Art von Besuch höchst willkommen auf der Burg. Biblimas schreitet nun neben dem Wagen her, während er sein Stück weiterspielte und sang:
„Und noch einmal, nur für eine Nacht,
werden wir wieder vergessen,
was wir sonst immer sind!“
„Biblimas!!!“ rief eine Frau hysterisch dazwischen. Er war sich nicht ganz sicher, wer denn seinen Namen rief und musste zugestehen, dass seine Erinnerung an das letzte Jahr ein paar Lücken aufwies. Wohl auch besser so, dachte sich Biblimas amüsiert und setzte sein Stück fort:
„Kommt her ihr Trinker, ihr Krieger, Taugenichtse,
meine Liebsten:
Dieses Lied ist für euch!“
Biblimas war nun auf Höhe der Vorderseite des Wagens, wo neben Tilius ein weiterer Barde namens Friederich saß, der nun damit begann, das Stück von Biblimas mit einer tiefergestimmten Laute zu begleiten. Beide sangen zusammen:
„Heute gibt’s keine Verlierer, heute werden alle satt
und Ratten speisen wie die Löwen!
Dann werden wir tanzen,
wie ein Teufel als Engel im Himmel für eine Nacht!“
Der Tross erreichte gemächlich den Platz neben dem Bergfried, wo sich eine Wagenburg formierte. Die Bewohner Falkensteins versammelten sich um diese Formierung und feierten die beiden Barden. Arm und Reich, Jung und Alt, Bewohner und Besucher, alle waren hier für das dreitägige Fest und folgten der Einladung von König Daniel, der nun aus dem Bergfried kam und Haron und seine Gefolgschaft willkommen hieß. Biblimas, der weiterhin die Melodie zupfte, während Friederich eine Soloeinlage vorspielte, beobachtete das Geschehen. Alle Figuren nahmen ihre Plätze ein oder verließen sie jetzt, sie folgten den Regeln oder brachen sie, aber alle ließen sie sich verführen.
Wir werden geben und nehmen, dachte sich Biblimas und richtete seinen Blick auf Tilius, der mit einer Hand noch die Zügel des Wagens und mit der anderen schon einen Krug Met in die Höhe hielt. „Määäääähähähääää!!!“ blökte Tilius wie ein wild gewordenes Schaf und prostete ihm zu. Biblimas zwinkerte zurück und blickte wieder auf das Volk und versuchte seine eigentliche Zielperson zu finden, als Friederich seine Einlage beendete und beide stimmten ein letztes Mal ein:
„Heute gibt’s keine Verlierer, heute werden alle satt
und Ratten speisen wie die Löwen!
Dann werden wir tanzen,
wie ein Teufel als Engel im Himmel für eine Nacht!“
Das Volk war außer sich und der Adel ergötzte sich in dieser Flut der Begeisterung. Biblimas und Friederich verbeugten sich mit einem breiten Grinsen voreinander und dann vor dem Volk. Der Tanz hatte begonnen. Die Formierung der Wagenburg wurde abgeschlossen und die Ankömmlinge begannen zügig ihre Lager aufzustellen. Die ersten Krüge wurden mit Met gefüllt und man baute eine große Feuerstelle in der Mitte der Wagenburg auf, während der Adel sich in den Bergfried begab. Biblimas blickte über den Hof suchte weiter nach seinem Ziel und konnte sie doch recht einfach finden.
Es war ihr Anblick, der nicht zu verfehlen war: Sie saß auf einem stattlichen Schimmel und trug einen kunstvollen Zopf aus ihrem braunen Haar:
Prinzessin Justine.
„Also nochmal“, sagte Zuzanna und zeigte auf Wilius.
„Ich bereite meine Jungs in der Küche auf die Nachspeise für die Wachen vor“, sagte Wilius trocken, ohne dabei seine zuversichtliche Art zu verlieren.
„Was passiert mit der Wache?“ fragte Zuzanna und richtete dann ihren langen Finger auf Tilius. Dieser nahm seinen Krug schnell von den Lippen und sagte: „Die sitzen im Scheißhaus, während ich die Juwelen stehle.“
Zuzanna zögerte einen Augenblick, weil die Antwort schlampig vorgetragen wurde, aber dennoch präzise war.
Dann zeigte sie auf Biblimas. „Und du?“, fragte sie in einem befehlerischen Ton.
Biblimas schaute kurz in die Runde. Er und die drei anderen, die er als seine Gefährten bezeichnete, saßen im Küchenwagen von Wilius eng beieinander um einen kleinen Ecktisch. Draußen konnte man den Lärm der Burg hören und wie sich die Leute fleißig auf das große Fest vorbereiteten. Die meisten der Burgbewohner werden heute Abend nicht selbst im Festsaal des Königs feiern, aber waren zumindest als Diener, Putzen oder Köchen daran beteiligt. Sie alle hatten einen guten Grund, dem Adel etwas heimzuzahlen. Das machte es einfach, sie als Komplizen für den Plan von Zuzanna zu gewinnen, egal was man ihnen versprach. Biblimas schaute zurück auf Zuzanna und lächelte. „Ich spiele meine übliche Rolle“, antwortete Biblimas selbstbewusst. Ihm war klar, dass die Antwort noch schlampiger war als die von Tilius.
„Lasse sie davon überzeugt sein, dass es ihre Idee ist, dich in ihre Gemächer einzuladen.“, sagte sie zu ihm.
„‘Bin schon fleißig dabei.“, sagte Biblimas nickend.
Zuzanna erwiderte: „Die Prinzessin hat noch immer Misstrauen, weil du zu uns gehörst. Spätestens in der zweiten Nacht musst du ihre Gunst gewonnen haben. Uns bleibt dann noch der letzte Abend, um die Juwelen zu stehlen und die Informationen zu beschaffen.“
Wilius fügte noch hinzu: „Schon allein die Kenntnis der derzeitigen Position des Prinzen ist ein Gewinn.“
„Ich bin mir dessen bewusst, aber danke nochmal“, antwortete Biblimas etwas genervt.
Dann sagte Zuzanna: „Nun gut, dann ist ja alles klar.
Lasst uns loslegen!“, und klatschte in ihre Hände, was für Biblimas und Tilius das Signal war, den Küchenwagen zu verlassen.
Die Beiden kletterten aus dem Wagen und gingen langsam in Richtung Feuerstelle. Die Leute hatten das Feuerholz zu einem kleinen Turm gestapelt, aber das Feuer noch nicht entzündet, da der Nachmittag noch immer anhielt. Biblimas und Tilius beobachteten das Treiben der Menschen, ohne dabei ein Wort miteinander zu sprechen. Die meisten der Ankömmlinge waren wie fleißige Bienen und in ihren Vorbereitungen vertieft. Sie luden ihre Waren von den Ladeflächen und trugen sie in Richtung Bergfried und in die Vorratskammern. Alles und alle kamen aus allen Himmelsrichtungen zu diesem Fest auf Falkenstein. Sie wollten die Chance nicht verpassen, einen ordentlichen Profit zu schlagen oder einen weiteren dazu Grund haben, ihr Met nicht allein zu trinken und sich von spannenden Geschichten unterhalten zu lassen. König Daniel lud jeden Frühling für mehrere Tage seine adelige Verwandtschaft und wichtige Freunde nach Falkenstein ein, was umso mehr Händler, Bauern und Ratten anlockte, die alle etwas vom großen Fest abhaben wollten. Biblimas und Tilius beobachteten das Geschehen für eine Weile, bis Tilius sagte: „Irre, dieser Met. Einfach irre“, und nahm einen langen letzten Zug aus seinem Krug.
Das musste schon sein dritter seit seiner Ankunft sein, dachte sich Biblimas und merkte überrascht, dass er selbst noch überhaupt keinen Krug hatte.
„Lass‘ was holen!“, sagte Tilius, als ob er wusste wie trocken Biblimas Kehle ist und winkte mit seinem leeren Krug in Richtung des Metstands.
„Du zahlst“, antwortete Biblimas und folgte ihm.
Dort angekommen, wurde Biblimas sofort von Hubertus, dem stets gut gelaunten Braumeister, begrüßt.
„Biblimas, komm her, mein Lieber! Schön dich wieder hier zu haben!“ Er reichte einen vollen Krug an Biblimas, den er wohl schon vorher gefüllt haben muss, als er den altbekannten Barden näherkommen sah.
„Hubertus, du bist noch immer der wahre Held von Falkenstein!“, rief Biblimas und verbeugte sich sehr tief.
„Gepriesen sei dein Werk und erhört sei dein Wort“, fügte er hinzu.
Hubertus lachte laut auf und antwortete: „Der wahre Held bist du, alter Narr!“, rief Hubertus, lachte noch immer und verbeugte sich ebenso tief wie Biblimas.
Tilius angelte sich den Metkrug aus Hubertus‘ Hand und kommentierte den Anblick der Beiden: „Humbug!
Helden werden heute Nacht erst gemacht!“, und nahm einen tiefen Schluck unter dem Gejohle der Umstehenden.
Biblimas beugte sich wieder hoch und rief in die Runde:
„Auf Tilius, dem Längsten in allen Reichen von Brölln!“
„Auf Tilius!“, riefen die Leute und stießen ihre Krüge an.
Es wurden Hände geschüttelt und es wurde gelacht, während der Met floss und man sich Neuigkeiten austauschte von innerhalb und außerhalb der Welt auf Falkenstein. Biblimas traf auf alte Bekannte und neue Gesellen. Bald stieß auch Wilius hinzu und brachte einen Kessel mit seinem Schweineeintopf, den er für ein Gegenangebot an die Leute verteilte. Zunehmend kamen mehr und mehr Arbeiter und Bauern, die ihre tägliche Arbeit ein wenig früher ablegten und freudig tranken und aßen. Als Biblimas seinen ersten Krug geleert und eine kleine Schüssel des Eintopfes verschlungen hatte, verließ er zügig die Feuerstelle, ohne sich von den anderen zu verabschieden und begab sich zu seinem Wagen.
Dort angekommen, fand er Zuzanna vor dem Eingang stehend. Sie hatte die Arme verschränkt, aber blickte freundlich auf Biblimas. Sie musste in ihren jüngeren Jahren eine der schönsten Frauen unter den Zigeunern gewesen sein, aber das harte Leben dieser Tage und besonders das Schicksal ihrer Gruppe hat Spuren der Ernsthaftigkeit und Entschlossenheit hinterlassen. Dies hat Zuzanna zur Anführerin einer Gruppe aus fuchsigen Dieben, abenteuerlichen Jünglingen, einsamen Witwen und greisen Kriegern gemacht, der Biblimas nun seit sieben Jahren angehört.
„Wie ich sehe, bist du schon fleißig dabei“, sagte sie in einem ironischen Ton.
„Ich habe einen Plan“, sagte Biblimas, ging an ihr vorbei und stieg ins Wageninnere.
Darin begab er sich zu seiner Kiste und holte eine Laute heraus. Sie war aus dunklem Holz und kleiner als die, die er während der Einfahrt auf Falkenstein spielte. Biblimas zupfte eine kurze Melodie, um sich auf ihre höhere Tonlage zu gewöhnen. Ideal für die Vertonung eines neuen Sonetts, dachte sich Biblimas kurz, als er sah, dass Zuzanna ihm in den Wagen gefolgt ist. Noch immer die Arme verschränkt, sagte sie: „Dir ist hoffentlich klar, was hier auf dem Spiel steht?“
Biblimas band sich ein gelbes Tuch um sein Hals, das somit einen guten Kontrast zu seinem blauen Gewand darstellte.
„Mir ist klar, was hier auf dem Spiel steht“, wiederholte Biblimas und wollte an ihr vorbei um aus dem Wagen steigen, aber Zuzanna hielt ihn am Arm fest. Er blickte sie an, als sie sagte: „Ich verstehe deine Bedenken und dass es dir nicht leichtfällt. Nicht dieses Mal. Aber wir alle haben einen Sold zu bezahlen, auch du.“
