Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Ich treffe mich jede Nacht mit dem russischen Dichter Fjodor Dostojewski, um ihn zu befragen:Wie sollen wir leben.Die wichtigste Antwort ist sein Schweigen. Es ist wie abgehört... Ich - bin der Autor, der dem brennenden Dornbusch in seinem Garten begegnet. Er bildet sich das ein, wenn er im Sommer brennt vor lauter Blütenpracht und die Leute sagen:ermuß beschnitten werden!
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 42
Veröffentlichungsjahr: 2017
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Inhaltsverzeichnis
Ach, Dostojewski
Begegnungen
Ach, Dostojewski
wie wenig, wie wenig haben sie Deine moralischen Grundsätze- nachdem sie Dich verschlungen haben - unter der Bettdecke- wenn es Nacht war und junge Mädchen schon längst schlafen sollten, - wie wenig, ach wie wenig haben sie das Grundsätzliche begriffen…oder doch ?- Die Mädchen von damals, die Frauen, die Mütter und Großmütter heute. Könnte ich sagen und mich stolz zurücklehnen.
Wirklich? Ich weiß nicht. Sollen die Mädchen von damals und Mütter und Großmütter von heute nach der Lektüre dieser nächtlichen Begegnungen doch den Kopf schütteln und ihrerseits schreiben über ältere Brüder, jüngere Brüder und Cousins aller Grade und Coleur, über die Jungens in der Klasse, über die damaligen Scheinvettern, na eben die Männer, die sie dann geworden sind. Väter und Großväter.
Vorsicht! Das ist kein Beitrag zum Geschlechterkampf !
Oder ist vielleicht gerade alles so gekommen, wie es gekommen ist, weil sie es begriffen haben? Oder weil sie es nicht begriffen haben. Wir werden es nie erfahren.
Oder doch. Eines Tages.Beim Durchstöbern der Archive, beim Sortieren alter Seilschaften.Im Jüngsten Gericht.
Wie war das bei Effi Briest.
Da war es auch so. Damals waren es Briefe...
Manchmal ist es besser, nicht zu sortieren, nicht zu ordnen, sondern es dem Chaos zu überlassen. Seiner Ordnung. Dann ist es der Flügelschlag der Libelle gewesen, der Stich der Mücke, der Rose.
Der Fuß des Elefanten, der die Tasse trifft mit dem Tee, der vergiftet war... Oder die berühmte Ziege, die das Gras vom Grab frisst, über das es gerade gewachsen war, in diesem Sommer....
So oder so.
Wie auch die Erwachsenen dazu standen, ob junge Mädchen schon in der Dämmerung am Morgen das Buch, das dicke Buch „Der Idiot“, unter dem Kopfkissen hervorholten… und glühend weiterverfolgten, was die Buchstaben ihnen sagten…Es war wie ein Feuer…ein Fenster in die Leiden der jungen Männer.
“Ihr solltet das noch nicht lesen“, wurde zu den anderen, die jünger waren und mit der Cousine gemeinsam die Ferien verlebten, gesagt.
„Du nicht, aber ich!“
„Nein, nein, es war nur die Geschichte, die Story, die Fabel, die blieb, als ich es dann auch gelesen habe und ich mich erinnerte. Wie war das damals?
Ich habe Dich nicht unter der Bettdecke gelesen, nicht mit der Taschenlampe am Abend, wenn die Mutter nachschaute, ob ich schon schlief.
Nicht am hellen Morgen, wenn alle anderen noch geschlafen haben. Das war mit Karl Mai so und anderen Schmökern, die wir uns geborgt beziehungsweise ausgetauscht hatten. Ich las Dich nicht wie etwas Verbotenes, unterlag Dir auch nicht, wie einer Sucht. Süchtig nach Dostojewski - nein! Und die Aussagen? - sind sie wirklich nur verschlungen worden von der Spannung der Erzählung. Die Aussagen, die so hoch moralisch waren, so hoch moralisch, dass sie umschlagen wollten in ein tiefes Gefühl der Verzweiflung und des Mitleidens mit Deinen Helden.
Ich glaube doch, dass das geblieben ist…. diese eigenartige Spannung... Das wolltest Du ja- Mitleid.
Und was ist heute.
Gibt es sie wieder, die jungen Männer aus deinen Romanen. Männer, ob sie nun russische Kaftane tragen oder Baskenmützen? Thälmannmützen. Oder die der Budjonnyreiter.
Bolschewiken nachahmen und Pazifisten spielen. Palästinenser können es auch sein. Frieden spielen oder Krieg.
Laß sie nicht dorthin gehen, wo die Synagogen stehen...
Wehre doch nicht ab, es war Tolstoi, der die Bergpredigt Jesu ins Russische übersetzte, damit wir es dann von d o r t ins Deutsche herüber holen konnten.
Ja und du warst es mit Deinen Helden. Den Prostituierten. Den armen Leuten, den Verfluchten und Gesegneten des Herrn.
Du hast großartige Dreigroschenromane verzapft. Wir haben sie verschlungen. Da gab es noch Ehre, Tränen und Unglück.
Mein Gott, was ist heute aus uns geworden.
Begegnungen
Auf dem Feld der Ehre.
Niedergeschrieben in der Woche zwischen Totensonntag und 1.Advent
Das eherne Gesetz !
Ehre im Leibe haben, haben unsere Väter auch einmal gesagt.
Es heißt heute im Jahre des Herrn 2008 Würde und steht sogar im Grundgesetz.
Das ist ein Grundsatz bei uns - und keine Literatur, wo sich junge Leute duellieren, weil sie Spielschulden gemacht und sich gegenseitig beleidigt haben - in Baden - Baden z.B., im Deutschland des 19. Jahrhunderts, von damals. Oder an welchem anderen geschichtlichen oder geografischen Ort.-Der Stolz, der alles andere aufwiegt.
Und in Vaterlandsliebe gestorben werden darf.
Nein! Es ist die pure Wirklichkeit des Textes und eigentlich sollen die Kinder es in der Schule lernen. Und die Richter danach urteilen, wenn es ums Ganze geht und wenn sie angerufen werden, um der Zukunft willen.
Es ist kein billiger Dreigroschenroman in Fortsetzung geschrieben, um sich über Wasser zu halten, seelisch und materiell.
Nein, das ist es nicht.
Es ist das deutsche Grundgesetz.
Und die Väter des Grundgesetzes, nach dem wir leben sollen in unserem Gemeinwesen, Mütter waren damals zu allermeist noch zu Hause, haben geschwitzt, sagt man. Geweint?
