Bearbeitung eines Tatortes - Michael Wohlfarth - E-Book

Bearbeitung eines Tatortes E-Book

Michael Wohlfarth

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Beschreibung

Das Buch ist kurz gehalten, wie der 1.Teil der Reihe: "Ach, Dostojewski". Damit du es liest und nicht weglegst, weil es zu langatmig ist. Es erzählt die eigenartige Theater-Aufführung eines Tatortes aus dem Fernsehprogramm: Da ist die Grenze... Die Zuschauer werden aufgefordert mit zu spielen. Oder auf die Bühne zu kommen. Oder auf die Straße zu gehen, derweil Mannschaften das Theater stürmen. Aber dank der Einsatzbereitschaft des Theatermalers geht das Stück weiter. Die Kulissen werden wieder aufgebaut.

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Seitenzahl: 45

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Inhaltsverzeichnis

Theater

Nach dem Tatort

Der Autor bedankt sich bei den Machern des Tatortes „Märchenwald“ für die Anregung, diese Geschichte für einen Theaterbesuch zu entdecken mit den nötigen Randbemerkungen.

Theater

1

Der Autor zu seinem Freund, dem Spaziergänger Fjodor D.

„Ich werde dich führen zu den Grenzen zwischen Ost und West, wo die Leuchtraketen in der Nacht hochgehen, damit es taghell wird und jeder gesehen wird. Jede.

Und mit uns gehen die Zeugen der Zeit sichtbar und unsichtbar. Die Linken und die Rechten.

Wie eine Begehung eines Tatortes ist das. Und immer diese Grenzen zwischen allen. Diese tödlichen. Warum ist das so.

Weil sie Gott aus ihrem Herzen verloren haben. Weil sie alleine gelassen wurden in ihrem Glauben und in ihrem Unglauben. Weil sie sich in diese Einsamkeit begeben wollen, wie ein Einsiedler. Wie eine Einsiedlerin. Ja, sicher, es ist eine Wüste, eine Steppe, eine Ebene. Sieh hin. Und halte den Atem an.“

Sie bleiben vor dem Theater bei ihrer Stadtwanderung stehen. Es ist gegen abend.

„Kommen Sie Dostojewski in die bequemen roten Plüsch -Sessel des Theaters....“

D. zögert.

„Hast Du das Schild nicht gesehen. Heute abend gehen wir ins Theater. In deutsches Theater. ....“

Schritte.

D..schweigt.

„Sie haben sich erbarmt und ein Stück auf den Spielplan gesetzt, das eigentlich gar nicht hierher gehört.“

Hin und her. Dostojeski ist ein stiller Begleiter. Er könnte

wenigstens auf kollegialer Ebene etwas sagen. Also ich

„Es ist ein groß aufgemachter Fernsehthriller. Als der Schmerz nachließ, wurden Tatorte, Krimis und abendfüllende Filme für das Fernsehen hergestellt, damit die Leute über dieses Medium begreifen, wie die Öffentlichkeit jetzt zu den revolutionären Herbsttagen von 1989 steht. Die Gesamt -Berliner Öffentlichkeit.“

Schritte.

„Das war nicht eindeutig.“

Wir bleiben mindestens eine Minute stehen.

„Vieles ist zusammengebrochen.“

Schritte. Nach langer Pause.Und vielen Schritten.

„Ich habe ein solches Grenzstück einfach umgeschrieben und zu diesem Theater gesendet und die haben es tatsächlich genommen und auch gefunden, daß es nun an der Zeit wäre nicht immer nur von der gewaltigen Zukunft von gestern zu erzählen, sondern im Heute zu leben und gerade deshalb den Blick zurück nicht zu scheuen. Ohne diese fückwärtsgewandte Ironie, die wir seitdem zu verkraften haben.“

„Pause.“

„Die wir in der Tiefe der Provinz ohne RIAS und SFB im Rücken, ohne schusssichere Westen in Leipzig auf den Ring gegangen sind.“

Sie gehen zurück zum Theaterschaukasten um die Ecke.

„Theater provoziert Leben. Nicht Kino. Sie haben gleich mein Plakat mit übernommen. Wir haben es heute vormittag buchstabiert.“

D. schaut mich ungläubig an. „Ach ja, heute Vormittag. Wie lange sind wir eigentlich schon unterwegs. Stadtwanderung. Pilgerweg durch das jüngste Gericht zwischen Ost und West.“ Denkt er. Laut?

„Du wirst sehen. Wir gehen durch den Hintereingang. Ich bin der Stückeschreiber. Ich darf einen Partner mitbringen. Wir nicken freundlich zum Portier und Du wirst sehen, er will nicht einmal den Bühnenausweis sehen. Und dein wildes Aussehen . Na, ja.

Rede bitte geflissentlich ein paar Worte mit mir. Wie ...fachsimpeln. Das zieht.

Da sind wir ja schon.

Hintereingang.

Portier: nickt freundlich.

Nicken unsererseits.Brummeln

Grollen. Jaulen.Murren.Grummeln.Undefinierbar,

wie Thüringer so sind.

„Plaudere. Plaudere.“

Kartenabreißen ist nicht. Der Portier macht uns Bahn an

der Garderobe vorbei. Erste Theaterraumtür von

vorne gesehen. Offen. Erste Reihe.

Nun sitzen wir.

Auf rotem Samt. Die Mäntel über dem Arm. Es

mußte unauffällig schnell gehen.

Ja, wie Volksbühne. Hallesches Ufer.

Klingel.

Klappe 1 auf, Klappe 1 zu...wie beim Dreh. Was ist los auf den Brettern, die die Welt bedeuten.

2

Ypsilon : „Halt, wer da!“

Ix: “Es ist niemand!“

Ypsilon: “Doch. -Du willst es nicht hören. Ich werde dich melden!“

Ix: “Das würdest du tun. Mich denunzieren? Das gibt es doch nicht. Ich bin doch Dein Vorgesetzter an diesem Tatort.“

Ypsilon: “Tatort hin und Tatort her. Hörst du denn nicht die Schritte? Unheimlich in diesem Wald.“

Ix: „Ich höre nichts.“

Ypsilon: “Laub auf dem Waldboden nach einem schönen Sommer in einer klaren Herbstnacht, nur die Leuchtraketen

geben dem Himmel sein gleißendes Licht. Und fahl ist es, wenn sie verlöschen und der Vollmond über den Sümpfen und Mooren erscheint. In östlicher Richtung.“

Stille.

„DA DER SCHATTEN!“

Ix: “Du siehst GESPENSTER und zuviel Tatortfilme im Fernsehen.“

Ypsilon: “DEN SCHLÜRFENDEN GANG…“

Ix: “EINBILDUNG!“

Ypsilon: “Der Mond ist wohl auch eingebildet? HALT, WER DA?.

HEBEN SIE DIE HÄNDE HOCH!“

Der Schatten: geht weiter, immer weiter, bis ein, zwei Schüsse fallen. Stille. Unendliche Stille.

Der Schatten stürzt.

Grelles Scheinwerferlicht schwenkt dann in die Zuschauer, denn sie sind immer dabei auf der Bühne des Lebens. Die Wolke der Zeugen. Die Begleiter. Die Getreuen. Die Beobachter. Das Journal. Die Linken und die Rechten. Die toten Hosen. Die Lebendigen. Die Glaubenden und die Ungläubigen. Die Hoffenden und die ohne Erfahrung sind. Die ganze wilde Jagd.

Die Zeugen werden aufgerufen. Die Frauen. Die Landschaften. Alle, die dabei gewesen sind.Keiner, aber auch keiner kann sagen, wir haben es nicht gewußt. Alle haben sie es gewußt.Ein Zuschauer hält es nicht mehr aus und schreit: “Hört endlich auf!“Jemand schaltet die Bühne ein, damit sie sich zwei Mal um sich selber dreht.Stillstand.Ein lebloser Körper wird von der Bühne in den Zuschauerraum getragen....Zwei Grenzer gehen ab.... Pause. Erster Akt zu Ende.

3

Erklärung der Grenze.

„Ich will es dir erklären, Dostojewski.

Die haben nicht gewartet, wie die beiden irisch -französischen Landstreicher, wenn sie ihnen auch etwas ähnlich sehen.

Das ist nur eine Frage der richtigen Uniform.

„Zieht euch um!“(ECHO Chor) haben wir gerufen auf dem Leipziger Ring, als die Volkspolizisten uns gegenüber standen. Wir kannten den Spruch von den Kleidern, die Leute machen.