Hereinspaziert - Michael Wohlfarth - E-Book

Hereinspaziert E-Book

Michael Wohlfarth

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Beschreibung

Der liebe Gott weiß alles, aber die Nachbarn wissen mehr.Oder sind es die allgemeinen Sicherheitsdienste, die nie aussterben werden und einem sich redlich mühenden Ehepaar im Ruhestand das Leben zur Hölle machen.Schließlich fliehen sie.Wo und wann werden sie ankommen? Wohin werden sie verbracht?

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Seitenzahl: 73

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Michael Wohlfarth

Hereinspaziert

Die seltsamen Welten des Herrn Panther

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Kalendergeschichten

Kalendergeschichte Juli

Kalendergeschichte August

Schlußwort

Anne im Zug

Impressum neobooks

Kalendergeschichten

Inhaltsverzeichnis

Kalendergeschichte Vor Weihnachten

Kalendergeschichte Nach Weihnachten

Kalendergeschcihte Frühling

Kalendergeschichte Sommer

Kalendergeschichte Hochsommer

Schlußwort zu den Jahreszeiten

Ach, Dostojewski – Oder im Zug

Kalendergeschichte – Dezember

Eine der vielen Weihnachtsgeschichten.

1.

Endlich klingelt es einmal wieder in unserer Zweisamkeit.

Nachts.

Wir fahren auf und stehen in den Betten.

„Geh du!“

„Nein du!“

Als ob wir wüßten, wer es war.

Grauen.

Tatsächlich, es stehen zwei Kapoleute vor der Tür, die gehört haben, es sollen sich Weihnachtskerzen aus rot-und weißgefärbtem Wachs in unserer Wohnung befinden.

Im Keller.

Zum Anzünden am Heiligen Abend.

„Nie und nimmermehr!“ rufen sie im zweistimmigen Chor.

„Unterstehen sie sich!“

Wir fragen, auch zweistimmig (Tenor und Sopran),

wer sie geschickt hat.

Sie antworten: „Das Amtsgericht. Es ist untersagt, Kerzen zum Anzünden aufzubewahren.“

„Warum?“

„Es ist eine Gefährdung.“

„Wieso?“

„Wachs brennt und außerdem haben Sie eine Fichte

aus dem Kirchenwald Mannichswalde im Thüringisch-Sächsischen Grenzgebiet - extra schön - geschlagen.

Wir haben das Gespräch mit dem zuständigen Pfarrer abgehört.“

„Dürfen Sie das?“, fragen wir zu zweit in die fahle Lichtdämmerung der Beleuchtungsanlage im Wohnpark Nr. 8 -13.

„Wir dürfen alles, wenn es um die Sicherheit der Bürger geht und um ihre Gesundheit.“

Zweistimmiges Kapolied: „O-O-O b e r s t e P r i – o – r i – t ä – t ä t !“

(Tenor-Kopfstimme und Bariton).

Dieser Refrain, diese Strophe kam immer wieder.

Und es hallte zurück aus dem naheliegenden Wald.

Wir konnten es nicht mehr hören und knallten, unhöflich wie wir sind , die Tür zu.

Da brachen sie sie auf. Die Tür.

Wir ahnten nicht, daß sie es ernst meinen.

2.

Die schwarzen Helme der Sicherheitsleute glänzten im Mondlicht und strahlten unter den Parkleuchten, die die Nacht so grell fade erscheinen lassen, daß es einen umtreibt.

3.

Nur eine flackert und geht stundenlang aus.

Worüber sich alle freuen.

Aber es darf nicht sein.

Es hätte längst gemeldet werden müssen und abgestellt, also angestellt.

Ohne Flackern und Pause.

Der Hausmeister hat bestimmt deswegen

ein schlechtes Gewissen.

Ich fürchte, es hat ihm schon jemand gesteckt.

Oder auch nicht.

Weil sich wirklich a-a-a-l l e freuen.

Ausnahmsweise.

Also wir gehen einmal davon aus,

daß die Hausmeister es gar nicht wissen,

weil im Morgenlicht, wenn sie kommen,

alle europäischen Birnen nur noch Glas sind

ohne brennenden Docht.

Abgeschaltet.

Obwohl - im Winter stimmt das nicht ganz.

4.

Inzwischen haben sie die Tür wieder aufbekommen

und wir stehen zitternd vor Kälte und Schreck.

„Lassen Sie uns durch! Haussuchung!“

Neulich Nacht hatten wir die Schweine zu Besuch, die wälzten sich nur in der Lake unterm Dornenstrauch. Nur ihre Spuren hatten wir am nächsten Tag zu Gesicht bekommen. Das war doch was. Einen Kurzbericht wert an die Enkel.

Aber das?

Sie nahmen ihren Helm nicht ab und stürmten die Wohnung.

Sie fanden nichts.

Dann zeigten wir ihnen den Weg.

Auf dem Wohnparkweg ums Haus durch den Haupteingang in den Keller.

„Aber bringen Sie erst das Schloß in Ordnung“, sagte ich und zog eine Pistole, die ich mir bei einem Waffenhändler in Tirol gekauft hatte unter Vorlage einer Berechtigung. Sie wurden nervös. Bloß keinen Aufruhr mitten in der Nacht unter Ausleuchtung aller Details.

Sie rannten zu ihrem Überfallwagen und brachten

ein Ersatzschloß, das sie einsetzten mit Hilfe eines Schlossers, der die ganze Zeit auf der hinteren Sitzbank geschlafen hatte. Niemand hatte damit gerechnet, daß wir ihnen die Tür vor der Nase zuknallen.

Am wenigstens der Schlosser, ein friedlicher Mann.

Nun haben sie ihn also wachgerüttelt.

Nach all dem nun hinunter zur richtigen Kellertür.

Dort lagen sie: die Schachteln mit roten und weißen Christbaumkerzen.

Vom Schwarzmarkt.

Aus Rußland eingeschmuggelt, sagte uns vertrauensvoll unser Händler.

Eins, zwei, drei, vier mal zugreifen und hinein in den Beutel aus schwarzem Samt.

Keine Verhaftung aber Beschlagnahmung.

Wieder oben.

Sie gingen zu ihrem Jeep.

Kein Gruß.

Der Handwerker stand auf dem Parkweg, auf dem er gewartet hatte.

Dann stürzte er als erster auf den Jeep zu und riß die hintere Tür auf.

Endlich war die Aktion abgeschlossen.

5.

Irgendwo gibt es Löcher in dem Zeittunnel,

über die die roten und weißen Christbaumkerzen

zu uns gekommen sind. Das Geheimnis ist beschädigt worden. Ja, es hat jemanden so in Aufregung versetzt, daß er geplaudert hat. Vielleicht auch angezeigt bei den obersten staatlichen Behörden.

Wir mußten nun eine elektrische Baumkette kaufen.

Europäische Norm, dachte ich.

Aber mein Frau nahm mich beiseite: „Sie sind dumm, sie haben nicht nachgeschaut unter dem Rost, auf dem sie gestanden haben, als sie geklingelt haben, mitten in der Nacht. Den sie fast durchgetreten haben, als sie mit Gewalt das Schloss zerstörten, indem sie sich dagegen stemmten.“

Kalendergeschichte - Februar

Oder - der Grundriß einer Wohnung.

Anfang Februar.

Plötzlich klingelt es – wieder.

Es hat tagelang nicht geklingelt.

Auch nicht nachts.

Der Postbote, der das Paket des Nachbarn los werden möchte?

Der Nachbar selber, der es endlich wissen möchte?

Was geschehen war.

Neulich nachts.

Uns trennt nur ein schmaler Fußweg und beidseitig so etwas wie ein grüner Graben.

„Vorsicht Ökologie“, rufen die Ewiggestrigen.

Es gibt ja keinen Frühling, Sommer, Herbst und Winter mehr und man erkennt an den Stoppelfeldern, über denen die Drachen hoch fliegen nicht mehr, ob es wirklich Herbst ist. Stoppelfelder vielleicht noch als Erkennungsmarke einer Jahreszeit. Eben kurz nach der Ernte. Wann ist die. Na ja - ungefähr noch wie früher.

Aber Drachen.

Geht doch an die Ostsee.

Dort fliegen sie immer.

Oder in Kopenhagen haben wir sie über die Dächer fliegen sehen mitten im Sommer, von einem Fenster aus gehalten.

Nichts stimmt mehr.

Sofort der Pflug.

Sofort kommt der Samen in das Land.

Fruchtfolge.

Also, der Graben ist immer grün. Man könnte meinen, es ist Kunstrasen.

„Alles nur Deko“, singt der Chor in der Parkaue.

Und dann noch einmal die Ewiggestrigen: „Vorsicht Ökologie!“

Das Regenwasser läuft besser ab nach den Berechnungen.

Die Büsche in den Gräben sind kurz gehalten.

Sie sollen dem Haus nicht schaden und uns keine Dunkelheit bereiten.

Dabei wollen wir sie, die Dämmerung des Gebüschs, wenn die Sonne herniederscheint im Sommer.

„Nein, nein, nein!“ rufen einige Bewohner.

Sie wollen noch mehr eigene Fahrzeuge: „Und überhaupt nicht mit dem Bus fahren!“

„Hört auf mit dem Gemaule“, schaltet sich der Hausmeister, der auch als Parkwächter fungiert, zwischen die streitenden Parteien.

Also kein Nachbar?

Auch nicht einer von den vielen gegenüber vom Fußweg: Doppeltes Längshaus.

Wir sind Parterre. Eigentlich Souterrain.

Und wenn es klingelt, stehen sie sofort im Haus,

in der Wohnung. Wenn du erst einmal aufgemacht hast.

Kennst du die Geschichte vom Schuhmacher, der auf Jesus wartet, weil im Traum ihm jemand gesagt hat: „Der wird dich morgen besuchen!“

Du kennst sie nicht? Hol' es schleunigst nach.

Nimm und lies und mach dich auf!

Hau auf die Trommel, die du finden wirst,

damit sie aufwachen: die Schläfrigen und Müden.

Du weißt auch nicht, wer wirklich kommt?

Der Mensch kommt, du wirst lachen, der Mensch, der gerade verlorengegangen ist. Der sich verliert im ganz und gar Unmöglichen und andern unsäglichen Dingen.

Aber es sind die Armen, vergiß es nicht.

Nimm und lies den Schriftsteller Tolstoi,

oder wo es sonst noch zu finden ist.

Du wirst es selber sehen.

„Siehe ich stehe vor der Tür und klopfe an“,

spricht CHRISTUS DER HERR.

Erinnere dich an den russischen Schuhmacher im Souterrain.

Hat es wirklich geklingelt, ich bin allein zu Haus.

Und mach nicht jedem auf.

Es ist in der Dämmerung eines grauen Februarnachmittags.

Gut, daß die Büsche kurz geschoren sind,

sonst wäre es dunkel, gerade jetzt.

Wie recht haben sie: die Grünzeugflotte des Senats und die Kolonnen für die Bepflanzungen.

„Gut, dass die Büsche kurz geschoren wurden, gegen unseren Widerstand“, werden wir uns immer wieder zuflüstern, wenn es ernst wird.

„Und du erkennst niemanden mehr in der Dämmerung,“ murmeln wir einträchtig in voller Harmonie mit allen Bewohnern des Wohnparks.

Vor allen Dingen kommen ja auch noch die Wölfe von Polen herüber. Die Zeiten ändern sich.

Einen Spion haben wir nicht.

Also öffne ich die Tür. Und wieder stehen zwei Männer in schwarzer Uniform mit der Aufschrift

vor der Tür. Sie halten mir einen Beutel unter die Nase.

Er kommt mir bekannt vor.

„Gehört der Ihnen?“

„Nein, aber ich habe ihn schon gesehen.“

„Wann?“

„Vor Weihnachten.“

„Erzählen Sie!“

Ich bat sie, herein zu kommen, aber sie wollten nicht.

Es muß POLIZEI sein. Schwarze Klamotten...

Die betreten nicht so einfach eine fremde Wohnung ohne einen Hausdurchsuchungsbefehl.

Einer von beiden dreht sich nach links so, daß ich auf seinem Rücken in großen Buchstaben

POLIZEI lesen kann im Dämmerlicht

des späteren Nachmittags.

Diese bewaffneten Uniformierten. Sie hüten sich davor, die Bürgerinnen und Bürger in Angst und Schrecken zu versetzen. Bei der deutschen Geschichte.

Sie sind scheu.

Die beiden schwarzen Polizisten halten mir immer noch den schwarzen Beutel hoch vor meine Nase.