Abschiede sind nicht leicht … - Friederike von Buchner - E-Book

Abschiede sind nicht leicht … E-Book

Friederike von Buchner

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Beschreibung

Diese Bergroman-Serie stillt die Sehnsucht des modernen Stadtbewohners nach einer Welt voller Liebe und Gefühle, nach Heimat und natürlichem Leben in einer verzaubernden Gebirgswelt. Auf sehr spezielle, romantische Weise findet Toni, der Hüttenwirt seine große Liebe in einer bezaubernden Frau, die aus einer völlig anderen Umgebung stammt als der markante Mann der Berge. Sie lernt durch ihn Schönheit und Idylle seiner Heimat kennen und lieben. Gemeinsam eröffnen die beiden allen Besuchern die Werte und Besonderheiten ihres Lebens auf der Alm. Romantik, Beschaulichkeit, dramatische Spannung und feinsinnige Gespräche: Das ist die Welt von Toni, dem Hüttenwirt, der sich niemand entziehen kann. Walli betrat leise das Krankenzimmer und schaute zum Bett hinüber. Alexandra war wach. »Guten Morgen, Walli!« »Guten Morgen, mein Madl! Hast du gut geschlafen?« Alexandra Bremer schmunzelte. »Nun ja, ich habe ein paar Stunden geschlafen. Aber dann wurde ich immer wieder wach, um auf die Uhr zu sehen. Ich rechnete mir die Stunden aus, bis mich Martin und Sascha heute Morgen von dem Gips befreien.« »Das kann ich gut verstehen. Aber du wirst noch etwas Geduld haben müssen.« Alexandra sah Walli erschrocken an. »Wieso?«, fragte sie. »Stimmt etwas nicht?« »Mei, schau nicht so entsetzt! Keine Sorge! Der Gips kommt heute runter. Drauf kannst du dich verlassen.« Alexandra seufzte erleichtert.

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Seitenzahl: 125

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Toni der Hüttenwirt Extra – 109 –Abschiede sind nicht leicht …

Unveröffentlichter Roman

Friederike von Buchner

Walli betrat leise das Krankenzimmer und schaute zum Bett hinüber.

Alexandra war wach. »Guten Morgen, Walli!«

»Guten Morgen, mein Madl! Hast du gut geschlafen?«

Alexandra Bremer schmunzelte. »Nun ja, ich habe ein paar Stunden geschlafen. Aber dann wurde ich immer wieder wach, um auf die Uhr zu sehen. Ich rechnete mir die Stunden aus, bis mich Martin und Sascha heute Morgen von dem Gips befreien.«

»Das kann ich gut verstehen. Aber du wirst noch etwas Geduld haben müssen.«

Alexandra sah Walli erschrocken an. »Wieso?«, fragte sie. »Stimmt etwas nicht?«

»Mei, schau nicht so entsetzt! Keine Sorge! Der Gips kommt heute runter. Drauf kannst du dich verlassen.«

Alexandra seufzte erleichtert.

Walli schmunzelte. »Martin und Sascha wurden zu einem Notfall gerufen. Sie werden den Patienten daheim erst einmal versorgen. Anschließend fahren sie ihn in das Krankenhaus nach Kirchwalden, zur weiteren Abklärung. Sie haben gerade angerufen, um zu sagen, dass es Mittag werden kann, bis sie wieder zurück sind. Zum Glück ist heute Vormittag keine Sprechstunde. Sei nicht allzu enttäuscht. Das wird schon werden. Du musst dich nur ein wenig länger gedulden.«

»Geduld ist nicht meine Stärke«, gab die junge Frau zu.

Walli schmunzelte. »Das habe ich inzwischen erkannt. Aber du wirst viel Geduld haben müssen in den nächsten Wochen.«

»Monate, Walli! Es kann Monate dauern, bis ich mein Knie wieder so belasten kann, als wäre nichts gewesen«, seufzte Alexandra.

Als Walli sah, dass Alexandras Augen feucht wurden, wechselte sie schnell das Thema. »Ich habe in der Küche für uns beide Frühstück gerichtet. Ich muss nach dem Kaffee sehen.«

Alexandra nickte. Sie brachte keinen Ton heraus.

Walli ließ sie allein.

Es dauerte nicht lange, dann kam Alexandra mit Hilfe ihrer Krücken in die Küche gehumpelt. Sie setzte sich auf die Eckbank, damit sie das Bein hochlegen konnte.

Trotz der Ungeduld, die sie oft quälte, war Alexandra Bremer eine vorbildliche Patientin. Sie hatte sich die drei vergangenen Wochen eisern an Martins Regeln gehalten.

Walli schenkte ihr Kaffee ein. »Nimm dir!«

Dass die junge Patientin wenig aß, daran hatte sich Walli gewöhnt. Sie sprach sie auch nicht mehr darauf an, nachdem Alexandra erklärt hatte, dass sie nach einem strengen Diätplan lebe. Als Tänzerin müsse sie unbedingt ihr Gewicht halten.

Alexandra kratzte auf eine ganz dünne Scheibe Brot eine Messerspitze Butter und verteilte einen winzigen Klecks Marmelade darauf. »Wo ist Katja?«, fragte sie.

»Katja ist mit Coco unterwegs. Sie führt die Boxerhündin Gassi und geht anschließend zu einer Freundin. Es wird bestimmt Mittag, bis sie zurück sein wird«, antwortete Walli.

»Katja hat versprochen, mir spezielle Übungen zu zeigen, damit sich meine Muskulatur schnell wieder aufbaut. Ich hatte Glück im Unglück. Martin und Sascha haben sich sofort nach dem Unfall meiner angenommen, und Katja ist ausgebildete Physiotherapeutin.«

»Ja, das ist sie. Ich war damals eine Patientin von ihr. So haben sich Katja und Martin kennengelernt und ineinander verliebt.«

»So, erzähle mal«, forderte Alexandra sie auf.

Walli schüttelte den Kopf. »Das soll dir Katja selbst erzählen. Du bist noch eine Weile hier. Da wird sich schon eine Gelegenheit zum Plaudern ergeben. Wichtig ist, dass du unter Katjas Anleitung deine Übungen machst.«

Alexandra nickte ernsthaft. »Ja, das tue ich. Ich möchte wieder fit sein, wenn ich im Herbst nach München zurückkehre. Keiner soll mir etwas anmerken. Es ist sehr freundlich, dass ich hier im Haus in eines der Gästezimmer ziehen kann. Das ist bestimmt gemütlicher, als das Krankenzimmer. Krankenzimmer sind so steril. Es war nur sehr praktisch, dass es ebenerdig zur Praxis liegt. So komme ich bequem in die Wohnküche und in den Garten. Wenn es mir besser geht, ist das nicht mehr so wichtig.« Alexandra lächelte. »Ihr habt mich gleich aufgenommen, als würde ich dazu gehören. Danke dafür!«

»Das haben wir doch gern gemacht, Alexandra. Hier in Waldkogel ist das so üblich. Einer hilft dem anderen, Ich weiß, wie ungemütlich Krankenzimmer sind. Sobald der Gips runter ist, kannst du es dir oben im Gästezimmer gemütlich machen. Ich habe dir eines der Eckzimmer hergerichtet. Die Fenster gehen nach hinten hinaus. Von dort hast du einen herrlichen Blick auf die Berge. Das Zimmer ist hübsch eingerichtet. Musik kannst du hören, ohne jemanden zu stören. Ach ja, einen Fernsehapparat gibt es auch.«

»Vielen Dank, Walli! Leider kann ich die Berge nur sehen. Aus dem Wandern gehen wird nichts. Das tut weh«, seufzte Alexandra.

»Das wird wieder werden, Madl.«

»Das sagst du so, Walli. Ich weiß, du willst mir Mut machen. Wandern werde ich erst wieder im nächsten Jahr. Dafür habe ich keine Zeit. Das Wichtigste von allem ist, dass ich meine Kondition wiedererlange. Es wäre eine Tragödie, wenn ich in der nächsten Wintersaison nicht tanzen könnte.«

»Dass du dir Gedanken machst, kann ich verstehen, Madl. Aber erzwingen kannst du es nicht. Deine Gesundheit geht doch wohl vor. Und wenn nicht, dann setzt du eben eine Weile aus.«

»Das ist völlig unmöglich, Walli!«, brach es heftig aus Alexandra Bremer hervor.

Walli sah sie erstaunt an. Einen solchen Gefühlsausbruch hatte sie nicht erwartet. »Warum ist das unmöglich? Du bist doch beim Staatsballett angestellt? Du bekommst doch als Primaballerina Krankengeld, oder? Wie ist das in deinem Beruf? Ich kenne mich da nicht aus.«

»Um das Geld geht es nicht. Es ist ein wenig kompliziert, Walli. Es darf nicht bekannt werden, dass ich den Unfall hatte. Deshalb habe ich ihn nirgends gemeldet. Aber sage es nicht weiter!«

»Jetzt verstehe ich«, murmelte Walli.

»Was verstehst du?«

»Du musst wissen, dass es hier so gut wie keine Geheimnisse gibt. Martin zieht auch mich ins Vertrauen. Es kommt schon mal vor, dass jemand anruft, wenn niemand hier ist. Dann gehe ich ans Telefon. Da muss ich schon wissen, um was es geht. Ich will es kurz machen. Ich weiß, dass du unter einem anderen Namen im Krankenhaus in Kirchwalden gemeldet bist und du alles aus eigener Tasche bezahlst, die Röntgenuntersuchungen und so weiter.«

»Ja, das stimmt. Ich will verhindern, dass die Presse davon erfährt. Die Schlagzeilen kann ich mir gut vorstellen: ›Bergunfall – tragisches Ende einer Karriere?‹ – ›Wer wird die neue Primaballerina?‹ Und so weiter und so weiter. Wenn etwas durchsickert, bin ich erledigt. Theaterleute sind abergläubisch. Kein Direktor besetzt eine Rolle mit einer Tänzerin, die eine Beinverletzung hatte. Sie könnte ja während der Vorstellung stürzen. Als wir im Krankenhaus waren, hatte ich Angst, erkannt zu werden. Aber das war zum Glück nicht der Fall. Ich war ungeschminkt und hatte extra die Haare offen gelassen. Außerdem muss man als Selbstzahlerin nicht so­ viele Angaben machen. Ich habe mich schon oft durchgemogelt, wenn ich nicht erkannt werden wollte.«

»Dann bist du oft krank gewesen?«, fragte Walli.

Alexandra schüttelte den Kopf. »Nein, ich war noch nie krank. Wenn ich zum Beispiel eine Wohnung suche oder ein Auto kaufen will, dann frage ich erst einmal unter einem anderen Namen nach. Wenn ich das nicht mache, dann schlagen die meisten drauf, weil ich so etwas wie ein Star bin. Aber das war alles harmlos – gegenüber diesem doofen Unfall.«

»Du hast nie ein Wort darüber verloren, wie es passiert ist«, sagte Walli.

»Das werde ich auch künftig nicht tun«, antwortete Alexandra. Entschlossenheit lag in ihrer Stimme.

Walli erkannte, dass es sinnlos wäre, weiter zu fragen. Sie sah Alexandra an und dachte, dass das Madl sehr unglücklich aussah. »Hast du wirklich so große Angst, dass du nimmer so gut tanzen könntest?«, fragte sie.

»Oh ja, Walli. Der perfekt trainierte Körper, besonders die Beine und die Füße, ist das Kapital einer Tänzerin. Viele Mädchen träumen davon, eine Primaballerina zu werden. Ich habe mir diese Position hart erkämpft. Ich gedenke, sie noch in den nächsten Jahren zu halten. Da darf ich keine Mängel zeigen und keine Schwächen. Es darf nicht der geringste Zweifel an meinem Können und meiner Körperbeherrschung aufkommen. Es darf nie der Verdacht aufkommen, ich könnte versagen. Du kannst mir glauben, Walli, es gibt genug Tänzerinnen, die darauf lauern, dass ich Schwächen zeige, und auf meine Position spekulieren.«

»Aber jeder kann doch mal krank werden. Fällt dann die Vorstellung aus?«, fragte Walli.

Alexandra schüttelte den Kopf. »Nein, dafür gibt es immer Ersatztänzerinnen. Sie haben die Choreografie einstudiert. Sie tanzen auch, wenn ich mal frei habe. Und sie sind alle voller Ehrgeiz und träumen davon, meine Nachfolgerin zu werden. Jede lauert darauf, dass ich ausfalle, damit sie eine Chance bekommen. Sie kennen kein Mitleid, im Gegenteil. Es ist ein hartes Geschäft, Walli.«

»Das hört sich schlimm an«, sagte Walli.

Alexandra spielte Walli Gelassenheit vor. »Es ist so, wie es ist. Jede Profi-Tänzerin weiß, auf was sie sich einlässt. In jedem Beruf gibt es Konkurrenz, sagte ich mir und sage es mir immer wieder. Aber im Ballett und am Theater ist es besonders schlimm. Ich will nicht klagen, aber es war ein weiter, dorniger Weg, bis ich dort ankam, wo ich jetzt bin. Und er war voller Entbehrungen. Eine Tänzerin muss auf vieles verzichten. Das ist aber kein Opfer, wie viele denken. Der Applaus nach der Vorstellung ist Entschädigung für alles.«

»Auf was musst du verzichten?«

»Zum Beispiel auf einen Spaziergang im Schnee. Es könnte glatt sein und ich könnte stürzen. Ich habe einen strengen Ernährungsplan. Ich gehe abends nicht aus und bin früh im Bett. Gefährliche Sportarten sind tabu. Mein ganzes Leben ist auf das Tanzen ausgerichtet.«

»Du hast von gefährlichen Sportarten gesprochen, gehört Wandern nicht dazu?«, fragte Walli.

»Es war keine Hochgebirgswanderung. Ich war nur ein bisserl spazieren«, antwortete Alexandra. »Aber jetzt hörst du mit dem Versuch auf, mich zum Reden zu bringen Walli! Ich will nichts erzählen. Ich will vergessen.«

Walli versuchte, ihre Neugier zu zügeln, aber eine Frage lag ihr doch auf der Zunge. Da sie allein waren, wagte Walli sie zu stellen: »In den ersten Tagen besuchte dich Thilo. Er war schon lange nicht mehr hier. War sein Urlaub zu Ende?«

»Das ist schon möglich«, sagte Alexandra leise. Sie sah Walli nicht an. Sie trank ihren Kaffee aus und schenkte sich nach. Entgegen ihrer Gewohnheit gab sie Zucker hinein. Zucker waren zusätzliche Kalorien, wie Kaffeesahne. Deshalb hatte sie nie davon genommen. Jetzt saß sie da, starrte in ihren Kaffeebecher und rührte und rührte.

Walli zog die Augenbrauen hoch. Aber sie sagte nichts. Sie dachte sich ihren Teil.

»Danke für das Frühstück, Walli«, sagte Alexandra. »Kann ich mich in den Garten setzen? Im Krankenzimmer bin ich nicht gern.«

»Du weißt, dass du dich immer in den Garten setzen kannst. Gehe ruhig, ich bringe dir deinen Kaffee.«

»Danke!« Alexandra griff nach den Krücken. Sie ging durch die hintere Tür von der Wohnküche in den Garten. Dort setzte sie sich in einen Sessel und legte das Bein hoch.

Walli brachte den Kaffee, stellte ihn auf dem Gartentisch ab und ließ Alexandra allein.

Durch das Fenster in der Küche konnte Walli die Patientin beobachten.

Alexandra fuhr mit dem Zeigefinger die Schrift auf dem Gipsverband nach. Thilo hatte dort mit einem dicken roten Filzstift seinen Namen geschrieben und ein Blümchen dazu gemalt.

›Das Madl vermisst ihn‹, dachte Walli. Thilo hatte sich in Alexandra verliebt. Dennoch war er lange nicht mehr zu Besuch gekommen, und sie hatte nicht von ihm gesprochen. Das konnte Walli nicht verstehen, erinnerte sie sich doch noch an die erste Nacht, als er an Alexandras Bett gesessen und ihre Hand gehalten hatte.

›Da stimmte etwas nicht!‹ Walli, war Walli, sie beschloss, der Sache auf den Grund zu gehen.

Kurz nach dem Mittagessen kamen Sascha und Martin mit dem Rettungswagen zurück. Sie stellten ihn unter dem Carport ab und kamen in die Küche.

»Nun, wie war es? Was macht der Adam Mühlbauer?«, fragte Walli.

»Sie behalten ihn bis morgen Abend im Krankenhaus«, antwortete Sascha. Der junge Arzt schmunzelte und schüttelte den Kopf. »Mei, ist das ein Sturkopf!«

Dr. Martin Engler grinste. »Das war er schon immer. Seit ich die Praxis habe, war er nur zwei Mal in der Sprechstunde. Das ist viele Jahre her. Das letzte Mal hatte er sich in den Finger geschnitten, an der Sichel, und die Wunde hatte sich entzündet.«

Walli hatte Eintopf gemacht. Sie aßen in der Küche.

Anschließend tranken sie Kaffee und die beiden Ärzte berichteten abwechselnd von ihrem heiklen Einsatz.

Adam Mühlbauer hatte sich im Brustwirbelbereich einen Nerv eingeklemmt. Die Schmerzen spürte er im ganzen Brustbereich. Obwohl Martin und Sascha ihm schnell helfen konnten, war Mühlbauer von ihrer Diagnose und der Therapie nicht überzeugt.

»Er beschimpfte uns. Er bestand darauf, dass er einen Herzinfarkt habe. Wenn er sterben würde, seien wir schuld«, sagte Martin.

»Wir redeten wie mit Engelszungen auf ihn ein. Aber er war nicht zu beruhigen und klagte weiterhin über Herzschmerzen. Dabei hatte er einen normalen Puls und – für sein Alter – einen ausgezeichneten Blutdruck«, fuhr Sascha fort. »Wir schrieben ein EKG. Das zeigte auch nicht die geringste Auffälligkeit. Aber Mühlbauer schimpfte und drohte weiter. Also brachten wir ihn ins Krankenhaus nach Kirchwalden. Dort wurde er gründlich untersucht. Die Kollegen kamen zu keinem anderen Ergebnis. Sein Blut wurde schnell ausgewertet und zeigte keine Auffälligkeiten. Die Kollegen hatten denselben Ärger mit ihm, wie wir. Mühlbauer sagte, er habe diese Beschwerden immer nur in der Nacht. Schließlich behielten sie ihn da und legten ihm ein 24-Stunden EKG an. Ich denke, sie werden ihn morgen wieder heimschicken.«

»Mei, der soll froh sein, dass er so gesund ist und kein Theater veranstalten«, schimpfte Walli. Die alte Schwanninger-Bäuerin war wütend. Dass jemand ein Zipperlein herbeiredete, konnte sie nicht verstehen. Wenn man älter war, sollte man froh und dankbar sein, wenn man eine robuste Gesundheit hatte.

»Gesund ist er, Walli, aber er ist einsam«, sagte Martin. »Sein Sohn, seine Schwiegertochter und die Enkelkinder sind in Urlaub. »Seine Frau, die Trude, ist vor drei Wochen zu ihrer Schwester nach München gefahren, und hilft ihr dort, weil die eine neue Hüfte bekommen hat. Ich habe Trude angerufen. Ihre Schwester hat sich gut erholt. Trude wird bald nach Hause kommen, dann ist Adams Welt wieder in Ordnung. Er ist ein Mensch, der nicht gut allein sein kann.«

Walli nickte und sagte: »Dann könnte man sagen, es war ein Hilferuf, weil er einsam war.«

»Aber so wird er jetzt mal gründlich untersucht«, sagte Martin grinsend. »Das schadet nichts. Ich hatte nie Gelegenheit dazu.« Martin trank einen Schluck Kaffee. »Und was gibt es hier Neues?«

»Katja hat angerufen. Sie fährt mit ihrer Freundin nach Kirchwalden. Die beiden wollen einen Einkaufsbummel machen. Sie hat Coco zum Maurer Hof gebracht. Dort tobt sie mit den Hunden herum.«

»Das ist schön für Coco«, freute sich Martin. Er schaute Sascha an. »Dann werden wir Alexandra jetzt von ihrem Gips befreien.«

»Es ist höchste Zeit. Das Madl kann es kaum erwarten«, sagte Walli. »Sie ist im Garten. Ich hole sie und bringe sie rüber in die Praxis. Aber vorher möchte ich dich noch etwas fragen, Martin. Weißt du, warum Thilo sie nicht mehr besucht?«