Abseits - Ulrich Rüdenauer - E-Book

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Ulrich Rüdenauer

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Beschreibung

Ein Kind wächst heran, auf einem Hof im Süden Deutschlands. Vater ? Mutter ? Sind nicht da. Es muss sehen, wie es zurechtkommt, mit Menschen, die vorschreiben, was es tun soll, ohne Liebe. Wo die Mutter ist und wo der Vater, die Frage zieht sich als Geheimnis durch diese auf bittere Weise schöne Geschichte einer Kindheit im schweigenden Deutschland. Lang ist der Krieg noch nicht vorbei, die Vögel singen, die Obstbäume blühen, die Wiesen ­hinterm Hügel sind der sichere Ort für dieses Kind. Fast archaisch wirken die Stationen aus einem Leben im Abseits, die in diesem mit großer Einfühlsamkeit geschriebenen Romandebüt vorüberziehen.

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Seitenzahl: 268

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Sometimes I feel like a motherless child,

Sometimes I feel like a motherless child,

Sometimes I feel like a motherless child,

A long way from home, a long way from home.

Spiritual

 

 

Ich mache meinen Gang;

der führt ein Stückchen weit

und heim; dann ohne Klang

und Wort bin ich beiseit.

Robert Walser

Inhalt

Cover

Title

Inhalt

Kapitel

Kapitel

Bang saß er in der Bank und blickte hinauf zum Kreuz. Unheimlich schien ihm das. Er verstand nicht, was der Pfarrer redete, obwohl die Stimme dröhnend war und im Kirchenschiff eindrucksvoll hallte. Nichts von dem, was gesagt wurde, konnte er begreifen. Einzelne Worte, ja. Aber keinen Sinn. Dass es auf den Sinn nicht ankam, sondern auf das Dröhnen und den Widerhall, das ahnte er womöglich. Es war, als sollte er um den Verstand gebracht werden mit diesem Brausen, monoton und laut, und alle anderen im heiligen Gemäuer eingeschlossenen Sünder senkten den Blick, aber er war ganz benommen und schaute sich hilflos um. Das Kreuz, die donnernde Stimme. Und dann setzte die Orgel ein, die alles mit sich reißenden Akkorde, was für ein gellendes Getöse. Großer Gott, wir loben dich; Herr, wir preisen deine Stärke. Nun war ihm gleich noch banger geworden, und noch gebannter saß er da. Bist vom hohen Himmelsthron zu uns auf die Welt gekommen, hast uns Gottes Gnad gebracht, von der Sünd uns frei gemacht. Und obwohl er all das, dieses ganze heilige Spektakel, ja nicht zum ersten Mal erlebte, war es ihm doch jedes und auch dieses Mal so, als hätte er es noch nie am eigenen Leib erfahren. Rett aus Sünden, rett aus Tod, sei uns gnädig, Herre Gott. Herr, erbarm, erbarme dich. Als alle ausgesungen hatten und auch das letzte vibrierende Orgelpfeifen von den dicken Mauern aufgesogen war, wurde es totenstill. Für einen kurzen Moment. Still. Dann. Das Wort, das nun ins Schiff geschleudert wurde und in den Bänken hängen blieb: Furcht und Demut und Gnade und Erbarmen und Licht. Die tosenden Orgelklänge wieder, der Weihrauchnebel. Und kalt war es, obwohl die Eisheiligen schon wieder fortgezogen waren. Ihn fror es immer, aber besonders hier, und er dachte, dass es etwas bedeuten musste, seine Verfrorenheit. Vielleicht loderte das Feuer des Glaubens nicht stark genug in ihm. Vielleicht war Kälte in ihm, wo er doch eine Wärme spüren sollte.

Dann ging es hinaus auf den Kirchhof, wo alle versammelt waren in Familienbastionen. Die kleinen Kinder tobten um die großen herum, die schon so Mienen machten wie ihre Alten. Das dumme Entsetzen stand ihnen ins Gesicht geschrieben, tief eingeprägt, weil es ja immer so weitergehen würde, das Leben. Alle, die sie nach dem Gottesdienst auf den Handschlag des Pfarrers warteten und einander einen schönen Sonntag wünschten, waren sie Bauern. Nur der Lehrer am Ort stand mit den Seinen etwas beiseite, der Arzt war auch einer der Randsteher, er wohnte zwar im Dorf, die Praxis aber betrieb er in der Stadt. Die Linde ragte aus der Mitte des Platzes, Bänke ringsum, darauf die Frauen aus dem letzten Jahrhundert. Eine, die alle Lisbeth riefen, stammte noch aus dem Jahr der Reichsgründung. Sie war die Munterste, obwohl sie gewiss die Älteste war an diesem Sonntagmorgen, aber manche, die viel weniger erlebt hatten als diese Lisbeth, hatte der letzte Krieg und was danach gekommen war schon vor der Zeit zu Greisen gemacht. Und so flirrend war das alles, was dort zu sehen war, und die Geräusche wie aus einer anderen Welt, von fernher.

Er hatte – wissend, dass er sich damit einer Todsünde schuldig machte – die Hostie noch im verschlossenen Mund, verborgen unter der Zunge. Großer Gott. Es war seltsam, aus irgendeinem Grund hatte er sie nicht hinunterschlucken können. Inzwischen war sie schon ganz breiig geworden, aber er spürte sie noch. Langsam löste sie sich am Mundboden auf, es war angenehm süß und ekelhaft auch. Sie klebte nun regelrecht fest, vielleicht würde er sie nie mehr loswerden. Am liebsten hätte er ausgespuckt, das traute er sich nicht, und es wäre vielleicht gar nicht mehr gegangen, so zäh klebte sie ihm unter der Zunge. Vor wenigen Wochen erst hatte er die heilige Kommunion zum ersten Mal empfangen, und schon da war es ihm unheimlich gewesen, nicht ein Stück Brot, sondern den wahren Leib Christi in sich aufnehmen zu müssen. Lisbeth saß unter der Linde, sie schaute zu ihm herüber, lächelte ihn an, und das kam selten vor, dass sie lächelte, dazu noch ohne Grund. Dass jemand ihn anlächelte, war noch rarer. Natürlich nur, weil sie nichts von seinem Frevel wusste. Hätte sie es gewusst, wäre sie von der Bank gerutscht und auch nicht mehr aufgestanden, getroffen von einem himmlischen Blitz. Der Pfarrer drehte seine Runde und wechselte mit jedem ein paar Worte. Die Bauern standen stramm in ihren zu engen Anzügen. Die Bäuerinnen in ihren Sonntagskleidern blickten demütig vor sich hin. Die kleinen Kinder drängelten sich nun hinter den ausladenden Hintern der Mütter, Gesichter in Rockfalten verborgen. Die größeren gaben Pfötchen. Und er, er stand da mit seinem Geheimnis unter der Zunge und wäre zu alt gewesen, seine Nase in den groben Stoff eines Kleides zu bohren, aber es stellte sich ohnehin nicht die Frage. Er war auch zu unsichtbar, um vom Pfarrer nur eines Blickes gewürdigt zu werden. Der war aus der Stadt (die größer war als das Kaff hier, aber genauso eng die Gassen und die Häuser) zu seinen entlegenen Schäfchen geeilt an diesem Sonntag im Mai. Etwas anderes war er, der Sünder, auch noch, aber das Wort fiel heute nicht. Nicht einmal dafür war er gut genug, dass man ihm einen Hieb mitgab mit einem gezielten Wort. Ein Ausspucken. Dafür war es allen zu feierlich, irgendwo zwischen Ostern und Pfingsten, im Schatten der Linde. Und dann schluckte er den Leib doch noch hinunter. Die Lisbeth lächelte immer noch, aber nicht hin zu ihm, sondern so allgemein, als sei ihr das Lächeln vom lieben Gott aufgetragen worden und am Ende im Gesicht fest verlötet. Mit dreiundachtzig Jahren durfte man lächeln, sie hatte ja schon einiges überlebt und wusste vielleicht mehr vom Jenseits als die anderen, weil sie näher dran war. Wobei. So sicher war das ja nie.

Vor ein paar Monaten nämlich war es zu einem Unglück gekommen, und einen Jungbauern hatte der Allmächtige lang vor der Zeit zu sich gerufen. Der Junge, gerade einmal sechzehn, war dem Ruf seines Herrn allerdings nicht gleich gefolgt, nachdem ihn ein Stier im Stall gegen die Wand gedrückt und ihm die Luft abgeschnürt hatte. Ein paar Tage war er noch halb bei Bewusstsein gewesen, halb aber nicht mehr, ein paar Tage hing er noch am Leben, das tagein aus Arbeit bestanden hatte und tagaus ebenso, und in der Nacht war an nichts zu denken gewesen in diesem Leben als an ein paar Stunden Schlaf, und vielleicht dachte er auch an das Mädchen, das mit ihm bei der Kirchweih getanzt hatte. Ob er mit dem eingedrückten Brustkorb noch an sie dachte? Ob da überhaupt noch Gedanken waren, als er keine Luft bekam, wer hätte sagen können, ob das Herz noch richtig schlug? Nach fünf Tagen gab es ein Einsehen, und er war erlöst. Er wäre eh zu nichts mehr zu gebrauchen gewesen, sagte man, es wurde hier nicht lange um das Offensichtliche herumgeredet. Der Tod hatte ja auch nichts Angsteinflößendes, die Dinge wurden eben von höherer Stelle geregelt. Großer Gott, wir loben dich. Die Lisbeth war ihrem Ende genauso nah wie alle anderen. Und weder sie noch irgendwer sonst beklagte sich darüber. Selbst die Mutter des Jungbauern zürnte nicht mit ihrem Gott, sie fraß nur alles in sich hinein, im wahrsten Sinne, eine ordentliche Fettschicht legte sie sich zu, gegen alles, was ihr etwas anhaben könnte.

Und der Junge auf dem Kirchhof, der die Nase nicht ins mütterliche Kleid stecken konnte, weil es keinen Rock zum Hineinstecken der Nase gab und überhaupt also keine Mutter, der schaute sich aufmerksam das sonntägliche Treiben an. Aber doch auch so verstohlen, dass man ihn nicht beim Schauen ertappte. Denn es sollte hier besser nicht einer auf den anderen schauen, neugierig oder misstrauisch oder auch beseelt. Keiner durfte für den anderen von Interesse sein, außer es ging um die Arbeit. Und der Junge kannte die Gesetze, die herrschten an einem Sonntag und wochentags auch, ohne dass man sie ihn gelehrt hätte. Er kannte sie einfach. So stand er da, verloren inmitten des feierlichen Herumstehens. Seine Leute scherten sich nicht um ihn. Sie waren von ihm abgerückt und er ein bisschen von ihnen. Sie wollten ihm nicht zu nah sein, er wollte ihnen nicht zu nah sein. Es schadete nicht, miteinander wenig zu tun zu haben, das dachten sie. Sie riefen ihn, wenn er gebraucht wurde, wenn man etwas von ihm wollte. Ansonsten war er lästig. Er wusste wohl um sein Lästigsein. Man hatte es ihm nicht nur signalisiert, dezent, wie es vielleicht in feineren Kreisen der Fall gewesen wäre. Dass man die Augen niederschlägt, das Gesicht abwendet, die Hand sinken lässt. Darauf verstanden sich die Bauern nicht. Reden taten sie eigentlich auch nicht viel, aber Schimpfworte kannten sie doch ein paar, und einige davon trafen ihn, passten ja auch auf ihn. Faulpelz war eines der harmloseren, das man ihm auf den Kopf zusagte, wenn er es sich herausnahm, am Mittag in der Stube zu sitzen und über einer Hausaufgabe zu grübeln, öfter noch darüber zu verzweifeln. Was er da kritzele, wurde er dann angeraunzt. Ob er nicht schon genug Zeit in der Schule verbringe, müsse er nun auch noch im Haus die Nase ins Heft stecken. Es gebe ja genug zu tun, draußen sei noch das und das liegengeblieben, er wolle ja schließlich auch zu Abend essen, und das Essen müsse eben verdient werden. So redete man gern mit ihm, wie mit einem Knecht. Noch nicht einmal neun war er, klein von Gestalt, nicht richtig gewachsen, jünger sah er aus in seinem Körper, aber das Gesicht, das hatte in manchen Momenten einen Ausdruck wie von einem zermürbten Mann. So würde er einmal ausschauen, als Alter. So würde er ausschauen, und wenn er sich in solchen Augenblicken im Vorübergehen, flüchtig und absichtslos, im Spiegel sah, der im Flur hing, dann erschrak er kurz, weil er seinen Vater im Spiegel erblickte, einen Alten, und er wusste noch nicht einmal, wie sein Vater aussah, aber sicher war: So in etwa dürfte er sein, verkniffen und verzerrt, mit einer Angst, die aus den Augen herausschaute, oder war es Abscheu. Der nicht einmal Neunjährige hätte es nicht sagen können, und ich kann es auch nicht, obwohl mir die Worte nicht fehlen sollten, wie sie dem Jungen gefehlt haben.

Einmal war er zum kleinen Lebensmittelladen geschickt worden, einen Zettel hatte er in die Hand gedrückt bekommen, den er sich in die Tasche gestopft hatte, aber als er dann vor den Händler trat und in der Tasche kramte, war der Zettel verschwunden. Obwohl er wusste, was auf dem Zettel gestanden haben musste, denn es war ja immer das Gleiche, Überraschungen gab es nur selten, brachte er keinen Ton heraus. Er stand vor dem Händler, der mit seinem verschmierten Mantel, und erstarrte. Dann kam die Panik, und er lief davon. Hinter der nächsten Ecke blieb er stehen, und er versuchte seine Gedanken zu fassen, denn er wusste ja, was auf dem Zettel gestanden hatte, er musste es sich nur in Erinnerung rufen. Doch die Worte waren unter der Angst verschüttet. Selbst dort, allein an die Hauswand gelehnt, fiel ihm der Inhalt des Zettels nicht ein. Die Bilder kamen wieder, denn er war oft schon zum Einholen von irgendwas, Konserven und Zigarren und was auch immer, losgeschickt worden. Er sah alles genau vor sich, die Formen und die Farben und die Mengen, aber die Worte waren verloren. Minuten vergingen, ohne dass etwas zu ihm zurückkam, was eigentlich da sein musste, aber namenlos geworden war. Er ging nach Hause ohne die Besorgungen, das Geld noch in der Tasche, schlich sich ins Haus, wurde aber sofort gestellt vom Onkel. Wo er herkomme, was er getrieben habe, warum er nicht getan, wie ihm geheißen. Und auch da brachte er kein Wort heraus. Die Schuld saß ihm so tief, dass ein Schmerz unter der Haut entstand, als würde er innerlich brennen. Der Onkel brüllte nun auf ihn ein, aber das Gebrüll rauschte zum Glück über ihn hinweg, weil er ja so klein war und diesem Schwall ohnehin, wäre er ihm gewachsen gewesen, nichts entgegenzusetzen gehabt hätte. Ob er nicht endlich antworten wolle, wurde er dann vom Onkel gefragt, und er versuchte es. Ein, zwei Worte stolperten auch aus ihm heraus, ergaben aber keinen Sinn und taugten nicht als Entschuldigung für sein Versagen. Nichts kann man dir anvertrauen, du Taugenichts, fressen, das schon, aber sonst kannst du nichts, schrie der Onkel ihn nun an, und da fiel ihm das Geld ein, das er aus der Hosentasche kramte und dem Wütenden hinhielt, wie um Abbitte zu leisten. Bußgeld. Gütiger Gott. Dabei war es ja nicht seines, es war das ihm anvertraute gewesen, mit dem er das Abendessen hätte bezahlen müssen, wenn ihm der Zettel nicht und später die Worte abhandengekommen wären, die auf dem Zettel gestanden haben mussten. Jetzt, das kam ihm erstaunlich vor, wusste er sie wieder. Saure Gurken, ein Glas; Brot, einen großen Laib; Bier, vier Flaschen.

Vom Kirchplatz ging es zum Hof. Die ersten paar Meter schlenderten sie förmlich. Aber dann stellten sie fest, dass Eile geboten war, und beschleunigten ihre Schritte, denn auch am Tag des Herrn wurde keinem etwas geschenkt. Er trottete immer ein paar Schritte hinter den Seinen, den anderen her. Zuweilen drehte sich einer um und fragte, ob er denn beim Gehen einschlafen wolle. Wenn er aber aufschloss und Seite an Seite mit ihnen den Weg zurücklegte, dann beachteten sie ihn nicht oder schienen ihm sogar auszuweichen. Geredet wurde ohnehin kaum, mit ihm aber zweimal nicht, denn das hätte sie daran erinnert, dass er eigentlich nicht dazugehörte und eine Last war. Das ließen sie ihn am Mittagstisch spüren, niemand konnte ihn dort übersehen, denn er saß ja mit dabei, die Ellbogen auf dem weißen Sonntagstischtuch, hielt seinen Teller hin, bekam ihn vollgeschöpft, schmatzte, wie die anderen schmatzten, aber sein Schmatzen war in ihren Ohren eine Beleidigung. Er war nur geduldet, das wusste er, und so schlich er umher, immer darauf bedacht, keine Aufmerksamkeit zu erregen und keinen Grund zu einem Ärgernis zu liefern, denn mit einem, der nur geduldet war, hatte niemand Geduld. Er achtete auch darauf, nicht zu schlingen, nicht zu viel zu essen, obwohl er sehr hungrig war und meistens hungrig einschlief. Dabei war von allem genug auf dem Hof. Die Kinder des Onkels, seine beiden Cousins und die zwei Cousinen, wurden satt. Sie wurden gefragt, ob sie denn nicht noch einen Nachschlag wollten, obwohl sie schon bei ihren letzten Bissen gestöhnt hatten, weil ihnen der Bauch wehtat.

Vielleicht bin ich ungerecht gegen die Bauern, vielleicht trügt mein Blick, denn es ist ja einer aus der Ferne vieler Jahrzehnte, und er ist getrübt von einer merkwürdigen Parteilichkeit. Ich habe den Jungen erst viel später kennengelernt, eigentlich als alten Mann, und was er mir erzählte, war nicht so, wie ich es nun wiedergebe. Vielleicht übertreibe ich oder dichte. Ich versuche, die Leerstellen auszufüllen, sein bedächtiges Zurückblicken zu korrigieren, seine Schweigsamkeit, die seine Worte begleitete. Das ist falsch, und doch wird er mir unter der Hand zu einer Gestalt, die sich etwas herausnimmt, zu einem anderen Wesen werden will. Noch halte ich dagegen. Noch einmal schaue ich auf diesen Tisch, wohl wissend, dass jeder Mensch seine eigene Wahrheit in sich trägt, selbst die erfundene.

Also. Vielleicht auch so. Er isst fleißig wie die anderen, denn er braucht die Nährstoffe zum Wachsen. Man blickt ihn wohlwollend an, er isst den anderen nichts weg und muss ja mit anpacken, selbst wenn er eigentlich seine Hausaufgaben machen sollte. Der Lehrer wird ihn am nächsten Tag schelten, warum er nur die Hälfte und die auch noch falsch … Und warum er überhaupt hier sei, da könnte er doch gleich zu Hause bleiben, wenn er sowieso nichts lernen … Und so weiter. Er kennt das schon, und er kann nichts entgegnen. Man füttert ihn durch, und da will er seine Dankbarkeit zeigen, und seine Dankbarkeit zeigt man nicht, indem man sich beschwert oder rechtfertigt oder dem Lehrer zu erklären versucht, was einem dazwischengekommen ist.

Da ist es wieder. Ich kann ihn nicht befreien, kann ihm nicht recht sein, ein anderes Leben zuschustern, er bleibt, wo er ist, bei mir, in diesen Zeilen.

Wieder stand er auf, und wieder wusste er und wusste nicht, was von ihm erwartet wurde. Er setzte sich auf den Schemel, der an der Wand in der Küche stand, und hoffte, dass man ihn übersah, so wie man ihn am Morgen auf dem Kirchhof übersehen hatte. Diesmal aber, weil es für die Alten keine Ablenkung gab und keinen Pfarrer, vor dem es galt, eine gute Figur zu machen, übersah man ihn nicht. Was hockst du so herum, wurde er ermahnt, hast du nichts zu tun? Also ging er hinaus am heiligen Sonntag, tat, als liefe er zum Stall, stahl sich aber stattdessen davon, sein Schulbuch, das im Flur auf der Kommode gelegen hatte, seine Lesefibel, nahm er mit, und so verschwand er in den sonnigen Nachmittag, floh dorthin, wo die Blicke seiner Leute nicht hinreichten. Über die Obstwiese hinterm Haus, die ein wenig anstieg. Und als er die Kuppe überschritten hatte, setzte er sich unter einen Apfelbaum, seinen schönen, verwachsenen Apfelbaum, und schlug das Buch auf. Es fiel ihm noch immer nicht leicht, ganze Sätze flüssig zu lesen. Er war ja kaum neun, würde es bald sein, und die anderen Kinder hatten ihn nicht nur an Körpergröße überholt, selbst die jüngeren Mädchen fast schon, sie schlugen sich auch beim Lesen besser. Er wollte das nicht auf sich sitzen lassen, also tastete er mit den Augen Wort für Wort ab, bis ein paar davon doch einen begreiflichen Satz ergaben. Den las er und las ihn noch einmal, oft, bis er ihn auswendig konnte. Es war nicht unbedingt so, dass er den Satz ganz verstand oder wusste, warum ausgerechnet dieser Satz dort seinen Platz hatte, denn dafür hätte er auch den Satz davor und den danach flüssig lesen müssen. Aber doch beglückten ihn die Worte und dass er sie zunächst in Gedanken wiederholte, dann laut aussprach, mit geschlossenen Augen aufsagte, und als er die Augen wieder öffnete, brachte er die Worte tatsächlich mit den Buchstaben auf der Seite seiner Fibel in Einklang. Ein Satz an jedem Tag, das würde bis zu seinem Lebensende reichen, ein schier unendliches Buch ergeben, dachte er. So viel Neues könne man gar nicht aufnehmen, wie in den aneinandergereihten Sätzen, die sich durch sein Leben schlängeln würden, enthalten wäre. So saß er lange und schlief irgendwann ein, unterm Baum war es angenehm, denn die Sonne in diesem Mai hatte schon einige Kraft. Die Äste und Zweige gaben ihm, dem Tastenden und Lesenden, Schatten. Er, der immer fröstelte, war im gebrochenen Licht wohl aufgehoben.

Das Buch war ihm aus der Hand geglitten und lag nun auf dem Boden, aber im Traum hielt er es noch vor sich, und es fiel ihm da leicht, die Seiten umzublättern und alles Geschriebene in sich aufzunehmen. Im Traum standen die Kinder aus seiner Schule, kleine und große, die gemeinsam in einer Klasse saßen, um ihn herum, bewunderten ihn, weil er zum Gefallen des Lehrers Seite um Seite las, laut vorlas, ohne nur einmal zu stocken, ohne sich zu verhaspeln oder bei einem schwierigen Wort zu stolpern. Mitschüler und Lehrer blickten ihn großäugig an. Er thronte auf einem sehr hohen Pult, auf das er behände gesprungen war. Seine Zuhörer mussten zu ihm aufsehen, und sie getrauten sich nicht, seinen Vortrag zu unterbrechen. Er las und las, und es entstand keine Ungeduld unter den Versammelten, denn sie hörten seine Stimme gern, keiner, auch jene Vorlauten nicht, die ihn sonst hänselten und sich über seine Fehler lustig machten, ließ einen Ton hören, denn sie waren ganz gebannt von seiner Stimme, anders aber, als er gebannt war von der Stimme des Pfarrers, die drohte und die plötzlich erschallte, und er saß nun nicht mehr auf dem Pult, sondern in der Kirche, direkt auf dem kalten Steinboden vor dem Altar, so dass der Pfarrer ihn im Blick hatte und ihm ins Ohr schreien konnte, du armer Sünder, du armer Sünder, und das war alles noch in seinem Traum. Als ihn die Hand des Pfarrers traf, wachte er auf. Es waren dicke Regentropfen, die durch das Ast- und Zweigdach hindurchfielen und ihn im Gesicht trafen. Er nahm die Fibel, die neben ihm auf dem Boden lag, und steckte sie sich unter das Hemd, schützend, damit sie trocken blieb, und so, noch ein wenig benommen, lief er zurück zum Haus, über die kleine Anhöhe hinweg. Für einen Augenblick schien es ihm, als säßen die dunklen Wolken auf der Erhebung im nassen Gras, aber das war nur, weil es schon dämmerte und die Sonne sich gegen die düstere Stimmung geschlagen gab. Er war viel zu spät dran und hastete erst die Obstwiese hinauf und dann hinab zum Hof, wo niemand auf ihn wartete und wo er doch mit Wut über sein langes Ausbleiben empfangen werden würde.

Am nächsten Morgen erwachte er früh, weit vor der Zeit. Es war noch dunkel. Er konnte Schritte draußen auf den Pflastersteinen hören, das Knarzen des Scheunentors, das Muhen der Kühe. Seine Vettern aber schliefen fest. Er selbst würde nicht mehr in den Schlaf zurückfinden. Leise stand er auf, vorsichtig, sachte, versuchte, die Matratzenfedern nicht zum Quietschen zu bringen, was ihm misslang. Die anderen jedoch waren weit weg hinter ihren verschlossenen Augen und ließen sich nicht stören. Er zog die Hose an, die er säuberlich über den Stuhl gehängt hatte, so wie es ihm gezeigt worden war. Das Hemd, das mitunter auch sein Schlafhemd war, stopfte er in die Hose, zog sich die Strümpfe über, die ihm die Großtante gestrickt hatte, stieg die Treppe hinab nach unten in den Flur, schlüpfte in die Schuhe, die ihm zu groß waren, weil sie vom ältesten Sohn des Bauern stammten, dem sie zu klein geworden waren. Dann ging er leise, mit Bedacht bei jedem Schritt, und wischte hinaus durch die hintere Tür, unbemerkt, und mit einem Gefühl des Glücks schlich er hinüber zum Waldrand, wo er sich auf einen abgebrochenen Ast setzte und der Stille lauschte, in die sich nach und nach, weil auch er sich nicht rührte und andächtig dasaß, Vogelzwitschern mischte. Schön war das, und morgendlich kühl, weil die Frühsonne, die inzwischen den Himmel schwach erhellte, nicht durch die Zweige drang. Er vermochte die einzelnen Stimmen schon gut auseinanderzuhalten, wenn er sie den Vögeln auch nicht zuordnen konnte. Der Großvater hatte ihm einmal von den verschiedenen Singstimmen erzählt und versprochen, ihm dabei zu helfen, sie zu unterscheiden. Buchfinken, Stieglitze, Goldammern. Die Namen hatte er behalten, doch es kam ihm so vor, als seien das Namen, die er sich ausgedacht hatte. Es gefiel ihm, so allein zu sitzen und zuzuhören, wie er ohnehin am liebsten allein war.

Anton und Paul gingen ein paar Schritte voraus. Maria und Elisabeth hinterher. So war er zwischen Vor- und Nachhut eingeklemmt. Er trug den schwersten Ranzen, schien ihm, weil er immer noch ein paar Steine einpackte. Er sammelte Steine, wenn sie ihm schön vorkamen und angenehm in seinen Händen lagen. Er wollte sie bei sich haben, auch fürchtete er, jemand würde sie unterm Bett finden oder im Fach seines Schrankes und dann hinaustragen und wie etwas Wertloses in die Wiese werfen. Er wusste, dass Steine nichts taugten, nur dazu da waren, dem Pflug auf dem Feld im Weg zu liegen, die Sense stumpf zu machen. Aber wenn er ihre Schwere in der Tasche auf dem Rücken spürte, dann glaubte er, besseren Halt zu haben. Man konnte ihn, so klein er auch war, nicht einfach umstoßen.

Anton war es, der achtgab, dass sie nicht zu spät kamen. Zur Schule war es zwar nicht weit, aber doch reichte die Strecke, um zu trödeln und Gedanken nachzuhängen, und womöglich hätte er sich tatsächlich ohne seinen Bewacher und die drei anderen irgendwo in die Felder geschlagen, um nach Tieren Ausschau zu halten oder vor sich hin zu träumen. Paul drehte sich um und blickte ihn missmutig an. Vielleicht aber war es gar kein Missmut, vielleicht war es sogar ein mitleidiger Blick, denn Paul meinte es eigentlich gut mit ihm. Er war der Einzige, mit dem er spielen konnte und der ihn nicht ständig wissen ließ, dass er kein allzu großes Anrecht auf ein Lächeln und wohlwollende Worte hatte, weil er nicht dazugehörte. Anton war ein anderes Kaliber. Er war der Älteste, der, von dem er die Schuhe geerbt hatte. Komm, Richard, sagte Paul, weil er ihn gerne zwischen sich und seinem Bruder wusste. Also schloss er auf und gesellte sich zu den beiden. Paul wollte einen Witz erzählen, aber er brachte etwas durcheinander, und die ganze Geschichte war verdorben. Anton lachte trotzdem, aber er lachte Paul aus, nur dass Paul das nicht merkte und noch einmal ansetzte. Der Pfarrer kommt in den Himmel, und da ist das Tor geschlossen … halt … da steht einer vorm Tor. Nichts als Anfänge. Dann sprachen sie kaum mehr auf den letzten Metern, jetzt konnten sie das Schulhaus schon sehen. Es hatte zwei Stockwerke, unten waren zwei große Räume, eigentlich für zwei Klassen, oben wohnte der Lehrer mit seiner Familie. Die Lehrerkinder besuchten den Unterricht bei ihrem Vater, saßen aber am Rand und mussten nie an die Tafel. Geschimpft wurden sie auch nicht, sondern nur ermahnt. Ich ermahne dich, Ludwig, sagte der Lehrer zum Beispiel und schaute dabei sehr streng, und weil Ludwig vermutlich am Abend ein Donnerwetter zu erwarten hatte, verstummte er augenblicklich und senkte den Kopf. Das immerhin konnte den anderen nicht passieren. Sie waren von der Macht des Lehrers nur bedroht, solange sie in seinem Zimmer saßen oder auf dem Schulhof tobten. Überschritten sie die Grenze hin zum Dorf, waren sie anderen Richtern ausgeliefert.

Richard legte die Fibel auf das Tischchen vor sich. Auch wenn er das Buch oft mit sich trug und etwa unter dem Apfelbaum darin las, es ihm das ein oder andere Mal aus der Hand gefallen war oder aus der Hose, in die er es zuweilen stopfte, sah es doch ganz passabel aus. Nicht wie neu, aber keineswegs so schäbig wie bei manch anderem in der Klasse. Er legte die Hände auf den Tisch, der Lehrer wollte das so, damit man mit ihnen keinen Unsinn trieb, den Sitznachbarn zwickte oder heimlich Zettelchen von Bank zu Bank weiterwandern ließ. Der Lehrer stand an der Tafel und erklärte den jüngeren Schülern, wie sie den Buchstaben A schreiben sollten. Richard wusste das schon. Es war nicht so, dass ihm die Dinge leichtfielen, aber manches behielt er besser als die anderen. Wenn es um Tiere ging und Pflanzen, dann horchte er auf, und vieles merkte er sich, weil es ihm nah war. Wenn er dann allein durch den Wald oder über die Wiesen streifte, erinnerte er sich an das Gesagte und fand es wieder oder hoffte doch, es zwischen den Bäumen zu entdecken. Es war ja auch ein Wunder, dass die Blumen sprießten, dass auf den Feldern jedes Jahr von neuem etwas wuchs. Es war kein Wunder, weil der Lehrer es ihnen so beigebracht hatte, mit genau diesem Wort: Die sprießenden Blumen seien ein Wunder, ein göttliches gar. Sondern, weil er es selbst so empfand.

Richard schreckte auf, denn sein Name wurde gerufen. Der Lehrer musste mit den ganz Kleinen fertig gewesen sein, Richard hatte das nicht bemerkt, und nun wusste er nicht, weil er noch im Wald auf einem Baumstamm saß und darauf wartete, ein Reh zu Gesicht zu bekommen, welche Frage ihm gestellt worden war. Träumst du wieder? Das klang gar nicht so böse, und der Blick des Lehrers strahlte etwas Geduldiges aus. Du musst zuhören, sagte er, zweimal erkläre ich es nicht. Dann ließ er von ihm ab, Richard hätte nicht geglaubt, so glimpflich davonzukommen. Später in der Stunde sollte er vorlesen, er durfte sich einen Text aus der Fibel aussuchen. Er schlug die Seite auf, die er tags zuvor unterm Apfelbaum geübt hatte, und er tastete sich fast fehlerlos durch die Seiten. Gut gemacht, sagte der Lehrer, und Richard konnte sich nicht daran erinnern, ein solches Lob schon einmal aus seinem Mund gehört zu haben. Es schien etwas nicht zu stimmen, aber er kam nicht dahinter, was es war. Denn zu den anderen Kindern verhielt er sich so wie sonst auch, Günther ließ er an die Tafel treten, und als er das ihm diktierte Wort nicht richtig hinschrieb, hagelte es eine Beschimpfung, wie sie nicht selten vorkam. Ihm war komisch, weil die anderen das doch ebenfalls spüren mussten, diesen sanfteren Ton, der sich von dem strengen unterschied. Sie würden es vielleicht noch genauer wahrnehmen, dass er geschont wurde. Etwas war faul, das konnte er riechen, wusste aber nichts mit dieser Ahnung anzufangen. Vielleicht verwechselte der Lehrer ihn mit einem anderen. Aber das konnte es nicht sein, denn eigentlich ließ er an niemandem ein gutes Haar. Bis auf Hanns, der war sein Liebling. Hanns war verständig und schrieb immerfort gute Noten, er war auch brav, und Richards Vettern sagten, der werde einmal Pfarrer werden, obwohl er auch aus einer Familie kam, die nicht viel hatte und schon gar keine höhere Bildung. Mit Hanns konnte man ihn nicht verwechseln, das war ihm klar. Nicht nur, dass sie sehr verschieden aussahen und sprachen. Richard sprach so gut wie nie, nur wenn er aufgefordert wurde, und auch dann nur, wenn es sich nicht vermeiden ließ und er mit einer Konsequenz rechnen musste, wenn er es nicht tat, also weiter konsequent schwieg. Konsequenz war ein Wort, das der Lehrer einmal gebraucht hatte, Richard hatte es sich gemerkt. Das wird Konsequenzen haben, sagte der, nein, er schrie es vielmehr. Hanns sprach, wenn er gefragt wurde, und er schien immer das zu sagen, was der Lehrer hören wollte. Er sprach, und der Lehrer lächelte, ein Lächeln, in dem sich der Schüler sonnen konnte, denn was Hanns aussprach, war das, was der Lehrer in ihn hineingesprochen hatte. Es kam genau so aus ihm heraus, wie es in ihn hineingegangen war. Er ahmte dabei sogar ein wenig die Stimme des Lehrers nach, obwohl die Stimme von Hanns noch nicht im Stimmbruch gewesen und mindestens eine Oktave höher war.

Richard ging an diesem Tag freudig nach Hause. Er würde den Großvater sehen, er würde auch ihm aus der Fibel vorlesen, und er würde von seinem Erfolg erzählen, freilich ohne zu prahlen, denn Prahlerei konnte der Großvater nicht ausstehen. Es fiel ihm gar nicht auf, wie er vor sich hin pfiff. Erst als Anton ihm mit der flachen Hand auf den Hinterkopf schlug, merkte er es und verstummte augenblicklich. Du Streber, sagte Anton und gab ihm noch einen Stoß von der Seite, so dass er das Gleichgewicht verlor. Sein Glück wurde ihm von den Vettern nicht gegönnt. Von Paul vielleicht ein bisschen oder ab und zu, nicht aber von Anton. Paul ließ sich anstecken vom Ältesten, und auch er nannte ihn nun einen Streber. Lehrer-Liebling, sagte er noch, und es sollte hämisch klingen, aber es war doch nur nachgeäfft, weil er wusste, dass sein Bruder so etwas von ihm hören wollte. So schmeichelte sich der Jüngere zuweilen bei Anton ein, und Richard hätte es gern lächerlich gefunden, aber er empfand es als Gemeinheit. Manchmal wünschte er sich ein Wort, das sie zum Schweigen bringen würde. Oder eine Kraft, mit der er Anton hätte überraschen und überwältigen können. Beides fehlte ihm, das Wort und die Kraft und vielleicht auch der Mut, denn er musste ja mit ihnen auskommen, nicht nur auf dem Weg nach Hause, sondern auch noch den ganzen restlichen Tag und das ganze Jahr und wer weiß wie lange darüber hinaus.

Weißt du, warum der Lehrer so freundlich zu dir war?, fragte ihn Anton und grinste dabei überlegen und gehässig. Das weißt du nicht, aber ich werde es dir sagen, da blieb Anton vor ihm stehen, die Hände in die Hüften gestemmt, was albern aussah, wie eine Pose, die er sich abgeschaut hatte, von einem Filmplakat, das im Schaukasten am Gemeindehaus hing.