Ach, Mutti - Greta Winkel - E-Book

Ach, Mutti E-Book

Greta Winkel

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Beschreibung

So hatte ich mir mein Leben nicht vorgestellt, als ich meine Mutter davon überzeugte, zu mir ziehen, weil es besser sei, als vierzig Kilometer von mir entfernt alleine wohnen zu bleiben - erst recht zu weit entfernt von den anderen Mitgliedern der Familien, falls sie mal plötzlich Hilfe brauchen würde. Die heutige Situation hatte sich mehr zufällig entwickelt, ungeplant, schleichend, über viele Jahre. Ich war in sie hereingeschliddert, wie man auf einer Bananenschale ausrutscht, krampfhaft rudernd, um mein Gleichgewicht nicht zu verlieren, aber unfähig, den einmal getanen Schritt rückgängig zu machen. Und nun galt es, das Beste aus diesem Zustand zu machen, für sie und für mich. Der vorliegende Text schildert die Entwicklung einer Pflegebeziehung in allen Facetten, den alltäglichen, anstrengenden und traurigen - aber ohne dabei den Blick für die Komik mancher Situationen zu verlieren. Er zeigt die Defizite in unseren Hilfesystemen auf, den staatlichen und den privaten. Er bietet keine allgemein gültigen Lösungsansätze. Er versucht aber deutlich zu machen, dass sie nur in einem allgemeinen gesellschaftlichen Kontext gefunden werden können.

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Seitenzahl: 362

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Ach, Mutti

Das Telefon hatte geklingelt; ich hatte es ganz deutlich gehört. Ich saß sofort senkrecht in meinem Bett und warf einen Blick auf das Leuchtzifferblatt meines Weckers. Zwei Uhr zehn. So früh noch! Auf nackten Füßen rannte ich in Richtung Wohnzimmer und blieb mit den Zehen an der offen stehenden Schlafzimmertüre hängen. Ein heftiger Schmerz durchzuckte mich, aber ich lief weiter.

Das Läuten hatte aufgehört. Oder hatte ich es nur geträumt? Ein Blick auf das Mobilteil des Telefons zeigte – nichts. Kein Blinken, kein Leuchten.

Hatte ich mir das Geräusch nur eingebildet? Litt ich unter Halluzinationen? Aber der Schmerz war real, der zweite Zeh deutlich gerötet und schon angeschwollen. Ich konnte kaum auftreten. Ich ärgerte mich über mich selbst, dass ich am Abend zuvor mal wieder vergessen hatte, das Telefon mit ins Schlafzimmer zu nehmen. Dieser nächtliche Spurt mit seinen Folgen war völlig überflüssig gewesen.

Ich humpelte wieder zum Bett. An Einschlafen war aber nicht mehr zu denken. Es war nicht nur der schmerzende Zeh, der mich wach hielt. Der kalte Fußboden unter meinen nackten Füßen hatte meine Blase dazu gebracht, sich zu melden. Nachdem ich diesem Bedürfnis nachgekommen war, kroch ich wieder unter die warme Bettdecke.

Nun waren es meine Gedanken, die mich wach hielten. Ich wälzte mich von einer Seite auf die andere. Mit dem Ärger über mich selbst wuchs auch meine Wachheit.

Ich begann mich vor dem neuen Tag zu fürchten, den ich – übermüdet und überreizt – irgendwie überstehen musste. Es waren ja weniger die körperlichen Anstrengungen, die meinen Alltag so belastend machten, sondern das ewige Einerlei, die immer gleichen Handlungen, die immer gleichen Gespräche, gleichen Anblicke und die krampfhaften Versuche, diesen leeren, verlorenen Stunden so etwas wie Inhalt zu geben, für sie und für mich.

Inhaltsverzeichnis

Verwitwet

Unerwartete Entwicklung

Familienbande

Neue Probleme

Sonne und Regen

Der Sturz

Abschied

Unruhige Zeiten

Veränderungen

Umzug

Ein neues Zuhause

Beschwerden

Befürchtungen

Ein neuer Lebensabschnitt

Schneckenhaus

Hilfe

Krebs

Entschlüsse

Veränderungen

Einsichten und Aussichten

Altenheime

Veränderter Blickwinkel

Abschiedsfeier

Pflegestufen

Verschlechterungen

Hilflosigkeit

Familienfeier

Verantwortung

Auszeit

Auf und ab

Der Schlag

Kampf

Verzweiflung

Streit

Überforderung

Ende

Schock

Frieden

Verwitwet

So hatte ich mir mein Leben nicht vorgestellt, als ich meine Mutter zehn Jahre nach dem Tod meines Vaters davon überzeugte, dass es besser sei, zu mir nach W. zu ziehen. Schließlich würden wir beide nicht jünger und wer weiß, wie lange ich noch Auto fahren könnte.

Sie hatte sich, nachdem sie die ersten Umstellungsprobleme und Schwierigkeiten ihrer Witwenschaft überstanden hatte, als durchaus selbständig, ja unternehmungslustig erwiesen und war häufig mit Freunden und Bekannten auf Reisen gegangen und alles andere als den Eindruck einer in Trauer vergrabenen Witwe geboten.

Mit einer Freundin pflegte sie, ausgedehnte Shoppingtouren zu unternehmen und der Inhalt ihres Kleiderschranks nahm stetig zu. In dem großen Freundes – und Bekanntenkreis aus über fünfzig gemeinsamen Ehejahren war sie ein häufig eingeladener und gern gesehener Gast. Schließlich hatte sie selber sehr oft die Rolle der großzügigen Gastgeberin gespielt und sich immer als anpassungsfähig und zurückhaltend erwiesen, auch wenn sie durchaus mitfeiern konnte, und die Familien meiner beiden Schwestern hatten sich wie selbstverständlich zu ihren eigenen entwickelt, so dass keinen Augenblick lang zu befürchten war, dass sie unter Einsamkeit leiden könnte.

Ich gönnte ihr die ungetrübten Jahre, hatte sie doch in ihrem Leben, durch die Kriegs – und Nachkriegszeit bedingt, auch viele schwere Zeiten durchstehen müssen, die sie aber alle mit unerschütterlichem Optimismus, und großer Tatkraft, gemeistert hatte.

Ihr würde schon nichts passieren!

Eine gewisse Leichtigkeit des Seins, eine gesunde Zuversicht, dass sich schon wieder alles zum Guten entwickeln würde, war ihr wohl in die Wiege gelegt worden, ohne dass die Haltung allerdings religiös begründet gewesen wäre. Eine eifrige Kirchgängerin oder gar eine von ihrem Glauben geprägte Katholikin war sie nie gewesen, auch wenn sie ihre Konfession bis zu ihrem Tode beibehielt.

Religiöse Fragen oder kirchliche Bräuche interessierten sie einfach nicht – zumindest gab sie es nicht zu erkennen - oder wurden von ihr nur wahrgenommen, wenn sie drohten, sie in ihrer persönlichen Lebensführung, sei es bei der Durchführung ihrer alltäglichen oder besonderen Vorhaben, zu beeinträchtigen.

So hatte sie empört reagiert, als der Pastor ihrer heimatlichen Pfarre sich nach dem Tode meines Vaters nicht bereit erklärte, den Trauergottesdienst auf eine spätere Zeit als neun Uhr morgens - wie in der Gemeinde üblich - zu verlegen, damit auch die Verwandten aus der Eifel und Belgien daran teilnehmen konnten. Immerhin war es Januar, sehr kalt damals, die Straßen vereist, und das Geld für eine Hotelbernachtung fehlte den meisten Angehörigen.

Die Einrichtungen der Kirche, seien es die Rituale zu besonderen Lebenssituationen oder auch die Ferienfreizeiten der Gemeinde nahm sie dagegen selbstverständlich gerne in Anspruch. Die Kirche hatte für sie in erster Linie eine dienende Funktion und der Pastor hatte sich nach ihren Bedürfnissen und zeitlichen Planungsvorgaben zu richten, wenn sie seine Dienste brauchte. Eine Einmischung von ihm in ihre persönlichen Angelegenheiten war von ihr nicht vorgesehen.

Die Marotten mancher ihrer Mitmenschen achselzuckend als unvermeidlich hinzunehmen, fiel ihr leichter, als sich nach kirchlichen Geboten zu richten. Allerdings war es in unserer Familie Brauch, freitags kein Fleisch zu essen, zumindest so lange meine Großmutter noch lebte, die auch immer das Kochen übernommen hatte. Nach deren Tod änderte sich das. Ob das mit der neu übernommenen Zuständigkeit oder mit der sich abzeichnenden besseren wirtschaftlichen Lage der Familie zusammenhing, kann ich im Nachhinein nicht beurteilen, aber es gab eine Zeit lang freitags immer Schellfisch oder Kabeljau, damals noch recht preiswerte Nahrungsmittel, die auch mein Vater für sich akzeptierte, obwohl für ihn immer noch - wie auch in der Vergangenheit wegen seiner Kriegsverletzung und seiner Berufstätigkeit – Ausnahmen gemacht wurden.

Die Maßstäbe für ihr Leben setzte Mutti sich immer selbst oder übernahm sie freiwillig von ihren Angehörigen. Vertretern der Kirche gegenüber war sie durchaus zu einer kritischen Betrachtungsweise fähig, soweit die nicht aus ihrer eigenen Familie stammten.

Da sie erst dreiundsiebzig Jahre alt war und von recht guter Gesundheit – mit Ausnahme einer Osteoporose – sprach nichts dagegen, dass sie dieses Leben nicht noch viele Jahre führen und eher noch lange Zeit gelegentlich eine Stütze und Hilfe für die jüngere meiner beiden Schwestern, die mit ihren noch relativ kleinen Kindern im Saarland wohnte, sein konnte, als dass sie Hilfe von ihren Töchtern in Anspruch nehmen müsste.

Meine älteste Schwester lebte weit entfernt von meiner Mutter mit ihrem Mann in München – und zwar in ausgesprochen guten finanziellen Verhältnissen - ihr einziger Sohn war schon volljährig und selbständig, und die Besuche bei mir gingen in gleicher Weise weiter wie vor der Erkrankung und dem Tod meines Vaters, nur jetzt, statt mit dem väterlichen Auto, mit dem Zug.

War meine Mutter in München zu Besuch, wurde von ihr keine Hilfe erwartet, sondern sie erlebte stattdessen, dass ihre älteste Tochter sie umhegte und verwöhnte, eine Erfahrung, die sie bis zum Tode ihres Mannes nur selten machen konnte, da sie sich bis zu diesem Zeitpunkt - nach der Fürsorge für ihre Kinder - auch im Urlaub ausschließlich der Betreuung, ja Bedienung, ihres Mannes gewidmet hatte; das ging vom täglichen Zurechtlegen der Wäsche und anderer Anziehsachen bis zum Streichen und Belegen der Butterbrote.

Die Gewöhnung an diese Dienste war bei meinem Vater so weit gegangen, dass er sich zum Abendessen in die nächste Wirtschaft begab, wenn seine Frau abends einmal nicht zu Hause war und nicht schon in weiser Voraussicht, die belegten Brote für ihn – schön ordentlich unter einer Glasglocke – bereit gestellt hatte.

So wusste meine Mutter den durch ihre Witwenschaft gewonnenen Freiraum durchaus zu nutzen und klagte nie über Einsamkeit. Im Gegenteil, sie betonte sogar, dass ihr das „ Alleinsein“ nichts ausmache, dass sie immer etwas zu tun hätte. Alle Zuwendung, die wir Töchter ihr entgegenbrachten, ging daher von unserem eigenen inneren Bedürfnis aus. Wir wollten mit ihr zusammen sein! Schließlich war sie von unserer frühesten Kindheit an, auch während der durch Kriegs- und Nachkriegszeit bedingten häufigen Wohnortswechsel, der beständigste Pol in unserem Leben gewesen. Bei ihr hatten wir über so viele Jahre Geborgenheit erleben dürfen, auch wenn sie uns von ihrer her Bildung nicht überlegen war.

Bei aller Schlichtheit ihres Gemüts war sich meine Mutter jedoch jederzeit bewusst, dass dieses Leben auch für sie nicht ewig so weiter gehen würde und sah sich gemeinsam mit einer Freundin schon nach anderen Wohnformen um. Erst einmal aber behielt sie ihre gewohnte Umgebung und ihren Lebensstil bei und erhielt damit auch ihren Kindern das Elternhaus.

Unerwartete Entwicklung

Zwei Jahre nach dem Tode meines Vaters trat dann ein Ereignis ein, das - vielleicht noch mehr uns Töchter als meine Mutter selber - auf die Zerbrechlichkeit dieses Zustandes aufmerksam werden ließ.

Meine Mutter hatte ihren fünfundsiebzigsten Geburtstag gefeiert, in einem Gourmetrestaurant im Saarland, in der Nähe des Wohnortes meiner jüngsten Schwester; deren Mann - obschon Pastor, ein ausgewiesener Feinschmecker, wovon auch seine Figur zeugte - hatte dieses Lokal ausgesucht. Sie hatte sich spendabel gezeigt und es bei der Auswahl der Speisen an nichts fehlen lassen. Mein Münchener Schwager hatte in gewohnter Großzügigkeit die Bezahlung der Getränke übernommen und die Stimmung war gut, wenn auch nicht ausgelassen.

Meine Mutter genoss es, zwei Jahre nach der Beerdigung des Ehemannes aus fröhlichem Anlass wieder einmal alle Kinder und Enkelkinder um sich zu scharen und im Mittelpunkt dieses kleinen Kreises zu stehen, was auch in der launigen Ansprache meines Schwagers zum Ausdruck kam. Uns allen wurde deutlich, dass sie immer der Nabel der Familie gewesen war, auch wenn sich früher immer alles um meinen Vater zu drehen schien.

Ein Leben ohne Vater führten wir nun schon zwei Jahre; ein Leben ohne Mutti schien mir undenkbar.

Aus den Fotos, die an diesem Tag gemacht wurden, kann man die Harmonie spüren, die uns alle zu diesem Zeitpunkt noch vereinte und es wird deutlich, welch attraktive Frau sie damals noch war: Ein gut geschnittenes Gesicht aus dem dunkelbraune Augen freundlich blickten, entspannt und zufrieden, und eine wohl proportionierte, weibliche Figur, wenn auch vielleicht schon etwas vollschlank. Ich beneidete sie um ihr Äußeres. Es hätte mich auch nicht gewundert, wenn bald ein Mann in unserer Runde aufgetaucht wäre, der diese Vorzüge bemerkt und sich an ihre Seite gedrängt hätte. Ich weiß nicht, wie ich mich innerlich dazu gestellt hätte; allein diese Furcht hatte sich bisher als nicht begründet erwiesen. Aber bei der Schilderung ihrer Freizeitaktivitäten hörte ich stets ganz genau hin, immer in der Erwartung, dass eine solche Entwicklung eintreten könnte. Denn wenn meine Schwiegermutter, die mit viel weniger äußeren Vorzügen gesegnet war als meine Mutter, in fortgeschrittenem Alter noch einen Freund gefunden hatte, warum sollte meiner Mutter das nicht auch noch passieren? Es war nicht so, dass ich einer solchen Bekanntschaft von vorne herein ablehnend gegenüber gestanden hätte, sie hätte wohl sicher ihre Vorteile, auch für uns Töchter, und sie hätte vielleicht sogar den Alltag meiner Mutter bereichert, aber ich konnte mir nur schwer vorstellen, jemand anderen als meinen Vater an ihrer Seite zu sehen.

Ich empfand immer noch seine Abwesenheit als Mangel, als ein Loch in unserem Leben, wenn ich sie in Duisburg besuchte und nur alleine in der Wohnung antraf. Sein Platz, der Ruhesessel, in dem er immer gesessen hatte, war zwar noch da, aber er war leer. Ich hatte mich immer noch nicht daran gewöhnt.

Es war jedoch eine ganz andere Entwicklung, mit der ich konfrontiert wurde und die mir sehr viel mehr abverlangte, ja, mich bestürzte.

Es war der Sonntag nach ihrem Geburtstag, als ich sie alleine nachmittags in ihrer Wohnung besuchte. Mein Mann und ich hatten sie am Tag nach der Feier im Saarland mit unserem Wagen nach Duisburg gebracht und dort wohlbehalten abgesetzt. Sie hatte ihr kleines Jubiläum in den folgenden Tagen mit Freunden und Verwandten nachgefeiert und war auch aus diesem Anlass noch am Abend zuvor mit ihrem Bruder und dessen Frau zum Essen gegangen. Nun saß ich ihr gegenüber und wartete auf ihren Bericht und auf eventuelle Neuigkeiten von Verwandten und Bekannten.

„Setz dich erst mal hin. Ich muss dir etwas Schlimmes sagen“, eröffnete sie ohne lange Vorreden das Gespräch.

„Ich habe Brustkrebs.“

„Nein!“, entfuhr es mir und sah sie entsetzt an.

Das konnte doch nicht wahr sein! Doch nicht meine Mutter! Und das nicht zwei Jahre nach dem Tod meines Vaters!

„Doch“, sprach sie weiter, „ich war beim Arzt und er hat es mir bestätigt.“

Erst blieb ich wie versteinert sitzen und sah sie fassungslos an. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich meine Sprache wieder fand, dann versuchte ich vorsichtig auszuweichen:

„Vielleicht hat er sich getäuscht. Lass dich erst einmal richtig untersuchen!“

Doch sie schüttelte nur den Kopf.

„Das ist alles schon geschehen. Sogar eine Mammographie ist schon gemacht. Der Befund ist eindeutig. Es ist deutlich zu sehen.“

Jetzt stand ich endlich auf und nahm sie nur still in den Arm. Was sollte ich sonst machen? So konnte ich erst einmal schweigen und mich selbst innerlich fassen – und sie brauchte mein Gesicht nicht zu sehen. Ich rang eine ganze Weile nach Fassung und Luft.

Schließlich setzte ich mich wieder ihr gegenüber hin.

„Seit wann weißt du es?“, wollte ich wissen.

„Als ich bei A. unter der Dusche stand, habe ich zufällig den Knoten gefühlt. Den hatte ich nie davor bemerkt. Aber ich hatte gleich einen Verdacht. Ich wollte es euch nur nicht sagen; ich wollte euch nicht belasten. Wir wollten doch feiern! Aber zu Hause bin ich gleich am nächsten Tag zum Arzt gegangen und seit Freitag weiß ich es. Ich wollte es dir nur nicht am Telefon erzählen.“

Tausend Gedanken schlugen wie ein Tsunami über mir zusammen. Vati war an Krebs gestorben, an Lungenkrebs. Ich hatte ihn ein Jahr lang leiden sehen, ein endloses Jahr lang. Muttis Mutter war an Krebs gestorben, an Schilddrüsenkrebs. Dieses Sterben zu erleben, war das Trauma meiner Kindheit. Meine Schwiegermutter war an Brustkrebs gestorben, nach zwei Operationen und anschließender Therapie. Sie hatte die letzten Monate in unserem Haus verbracht.

Ich wusste also, was Krebs bedeutete. Und jetzt Mutti! Hörte das nie auf?

Das durfte einfach nicht sein! Das hatte sie nicht verdient. Wie hätte ich den Tod meines Sohnes ohne sie überstehen können, ohne ihre Bereitschaft, jederzeit zu mir zu kommen, für mich da zu sein?

Mutti und Brustkrebs! Sie, die fast nie krank war! Ich konnte es nicht fassen und hoffte immer noch auf ein Wunder! Es musste eine Täuschung sein!

Schließlich nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und fragte sie: „Und wie geht es jetzt weiter?“

„Mittwoch werde ich im St. Anna-Krankenhaus operiert. Kannst du mich am Dienstag dahin bringen? Ich habe doch Gepäck. Und dann noch der schwere Bademantel!“

Diesmal konnte ich ohne Zögern antworten. „Das ist doch selbstverständlich. Wann soll ich bei dir sein? Wissen Ch. und A. es schon?“

Sie verneinte; sie wollte erst die Operation hinter sich bringen. Wozu die beiden anderen Töchter beunruhigen? Sie konnten im Moment ohnehin nicht helfen.

Genauso hatte mein Vater sich auch verhalten, er hatte uns so lange wie möglich schonen wollen und uns seine Befürchtungen nicht mitgeteilt, auch ihr nicht. Erst als die Diagnose unumstößlich feststand und die Operation schon terminiert war, hatte er sich entschlossen, uns einzuweihen.

Wir begannen zusammen den Ablauf der nächsten Tage zu planen. Ich war froh, dass ich überhaupt etwas tun konnte; aber die Angst um sie ließ sich nicht betäuben.

Dass ich ohne Unfall oder Verkehrsdelikt die Rückfahrt nach W. überstand, war ein kleines Wunder. Vorsichtshalber hatte ich die Landstraße gewählt, obwohl es nicht sicher war, dass sie vom Schnee geräumt war. Schließlich war es Anfang Februar und richtig Winter. Zuhause berichtete ich meinem Mann von Muttis Diagnose, auch wenn ich fürchtete, traurige Erinnerungen an die Leidenszeit seiner eigenen Mutter bei ihm zu beleben, und zwei Tage später brachte ich Mutti ins Krankenhaus.

Ich hatte ihr zu ihrem Geburtstag ein besonders apartes, mit aufwändiger Perlenstickerei verziertes, seidenes Bettjäckchen geschenkt, für das ich tagelang alle einschlägigen Geschäfte in mehreren Städten durchsucht und tief in mein Portemonnaie gegriffen hatte. Ich wollte ihr doch etwas besonders Schönes schenken! Damals hatte ich nicht gedacht, dass sie für dieses Kleidungsstück so schnell Verwendung finden würde. Nun kam es also zum Einsatz.

Wir räumten noch gemeinsam ihre Sachen in den Kleiderschrank, bestückten die Bettkonsole und trugen die notwendigen Utensilien ins Bad und dann verabschiedete ich mich von ihr bis zum nächsten Tag.

Von der Stationsschwester erfuhr ich, dass sie morgens als erste operiert werden sollte und ich beschloss, rechtzeitig zum Aufwachen in ihrem Zimmer zu sein.

Mit sehr gemischten Gefühlen trat ich meine Heimfahrt an, schlief schlecht und machte mich am Morgen sofort nach dem Frühstück wieder auf den Weg zum Krankenhaus.

Das Gebäude kannte ich schon von eigenen Aufenthalten und hatte mich dort damals sogar wohl und gut behütet gefühlt; aber diesmal erschienen mir die langen, breiten Flure kalt und bedrohlich.

Im Zimmer meiner Mutter war die Stelle, an der gestern noch ihr Bett gestanden hatte, leer, ein Anblick, der mich beunruhigte, obwohl ich ja damit gerechnet – ja gehofft - hatte, vor ihrer Rückkehr aus dem OP wieder in ihrem Zimmer zu sein.

Ich hatte bisher nur einmal erlebt, dass meine Mutter wegen einer Erkrankung ein Krankenhaus aufsuchen musste, vor zwanzig Jahren, als sie sich die Gebärmutter hatte entfernen lassen müssen, weil sich dort ein riesiges Myom gebildet hatte.

So groß wie eine Apfelsine sei es gewesen, hatte sie gesagt.

Damals hatte ich sie bereits wieder in ihrem Bett liegend angetroffen, frisch operiert, ganz blass, fast weiß im Gesicht, mit eingefallenen Zügen, von Narkose und Operation gezeichnet. Ich glaubte sie dem Tode nahe und empfand panische Furcht, dass sie sterben und mich alleine lassen könnte.

Es rief ein Echo der diffusen Angst aus frühen Kindheitstagen bei mir hervor, das ich damals weder artikulieren noch sonst verständlich machen konnte, zumal sie mich in meiner Erinnerung ja nie wirklich allein ließ sondern immer in Obhut meiner geliebten Großmutter. Aber es hatte auch andere Momente gegeben, an die ich mich nicht genau erinnern konnte, Bombennächte im Luftschutzkeller, die ich mit meiner Schwester in Obhut von Nachbarn verbrachte, weil Mutti vor Übermüdung den Sirenenalarm überhörte und weiterschlief, wovon sie mir viele Jahre später berichtete.

Bei Muttis Anblick, das Gesicht verfremdet wie bei einer Toten, fühlte ich ein Messer, das sich in meinem eigenen Bauch drehte und wühlte und auch mir das Leben herausschnitt. Es war einer der Momente, in denen ich intensiv fühlte, wie eng meine Bindung an sie und wie groß meine Liebe zu ihr war, in denen seelische Gefühle zu körperlichem Schmerz wurden.

An dieses ziehende Gefühl konnte ich mich von meinen Kindertagen noch gut erinnern, wenn ich sehen musste, dass Blut aus ihrem Finger tropfte, weil sie sich beim Kartoffelschälen oder anderen Tätigkeiten geschnitten hatte. Es war eine nicht zu beschreibende oder erklärende körperliche Verbundenheit mit ihr, die ihren Schmerz zu meinem werden ließ, vielleicht sogar stärker als von ihr selber empfunden.

Später erlebte ich gleiche Empfindungen, wenn eines meiner Kinder sich verletzt hatte und blutete. Ich war dann einer Ohnmacht nahe, konnte mich nur mit äußerster Anstrengung dazu bringen, nicht in Panik zu reagieren sondern vernünftig zu handeln. Aber eigenes Blut oder das anderer Menschen, auch wenn sie mir nahe standen, konnte ich ohne Probleme sehen, ja, ich schaffte es sogar, bei größeren Operationen zuzuschauen, ohne dass mir schlecht wurde.

Ich hatte mich auch für die nun anstehende Begegnung mit meiner Mutter innerlich erneut auf einen bestürzenden Anblick eingestellt, war aber nun über die leere Stelle im Zimmer bestürzt. Ich stand einen Augenblick verwirrt und ratlos. Ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass die Operation eigentlich schon beendet sein musste. Hoffentlich war alles gut gegangen!

Ich lief hinaus, um eine Schwester zu suchen und Auskunft einzufordern. Während ich noch auf dem Weg zum Stationszimmer war, kamen mir am anderen Ende des Ganges zwei Krankenschwestern entgegen, die ein Bett schoben. Das Rollen der Räder hallte in meinen Ohren wie ein Zug, der aus der Ferne kommend, immer lauter werdend, herannaht.

Im Näherkommen erkannte ich meine Mutter. Gott sei Dank, sie lebte. Die letzten Meter lief ich neben den Schwestern und Mutti her und begleitete sie bis in ihr Zimmer, getraute mich aber nicht, ihre Hand zu nehmen, da sie einen großen Bluterguss aufwies.

Mutti war zwar sehr blass, aber als ich an ihr Bett trat und sie ansprach, öffnete sie die Augen. Sie hatte mich erkannt. Gott sei Dank, sie reagierte. Ich atmete auf.

Die Krankenschwestern verrichteten ihre Arbeit in aller Ruhe ohne erkennbare Emotionen. Es schien wirklich alles in Ordnung zu sein. Ich musste noch eine Weile auf dem Flur warten, bis die Schwestern mir erlaubten einzutreten.

Mutti lag gut zugedeckt in ihrem Bett, ein Arm war an eine Infusion angeschlossen, die andere Hand lag frei auf der Bettdecke. Aus einem Drainageröhrchen tropfte Blut in einen Beutel, der am Bettrahmen befestigt war. Auch wenn ich diese Szenerie gut aus eigener Erfahrung kannte, befremdete sie mich doch bei meiner Mutter und machte mir ihre Verletzlichkeit deutlich. Ich griff vorsichtig nach der freien Hand und umfasste sie mit beiden Händen.

„Mutti“, sprach ich sie an, „hast du Schmerzen?“

Sie öffnete einmal kurz die Augen und verneinte mit leiser Stimme.

„Schlaf ruhig weiter!“, ermunterte ich sie, „alles ist gut gegangen. Ich bleibe noch bei dir.“

Ihr Kopf sank wieder zur Seite; aber sie wirkte nicht so erschöpft wie damals, nach der Unterleibsoperation. Als sie wieder regelmäßig atmend schlief, entwand ich meine Hände langsam und vorsichtig aus der Umschlingung ihrer Finger und ging auf den Flur, um jemanden zu suchen, der mir Auskunft über den Operationserfolg und den Befund geben konnte.

Der Arzt bestätigte mir, dass die Operation ohne Komplikationen verlaufen war und sie die besten Chancen hatte, vollkommen gesund zu werden.

Ich war unsagbar erleichtert. Ich fühlte nicht nur, was sie für mich bedeutete, sondern mich plötzlich auch für sie verantwortlich.

Wenn ich an diesen Tag zurückdenke, glaube ich dass mit diesem Ereignis alles angefangen hat. Es war eine Mischung aus Zuneigung und Pflichtbewusstsein, die mich erfüllte und dazu die Erkenntnis, dass ich mich dieser Empfindung nicht entziehen konnte, ohne mit dauernden Selbstvorwürfen zu leben. Ich tat es für sie und für mich.

Aber das ist eine Analyse meiner Gefühle, die ich erst viele Jahre später leistete.

Nun galt es, erst einmal die anderen Familienmitglieder über das Geschehen zu informieren.

Ich rief dann später von zu Hause aus meine beiden Schwestern an, um ihnen zu berichten. Sie waren überrascht und auch etwas verärgert, dass ich ihnen nicht vorher Bescheid gesagt hatte, zeigten aber schließlich Verständnis für Muttis Entscheidung. Sie hatte es ja schließlich so gewollt. Mir wäre es auch lieber gewesen, meine Sorgen und Unruhe mit jemandem zu teilen, aber meine Mutter hatte sicher vernünftig gehandelt. Wir waren ja auch aus der Zeit der Erkrankung und der Betreuung meines Vaters ein eingespieltes Team.

Meine ältere Schwester kündigte gleich für den nächsten Tag ihren Besuch an und ich versprach, sie am Bahnhof abzuholen.

Wir fuhren dann von dort gemeinsam zu meiner Mutter und waren beide sehr erleichtert, sie bei unserer Ankunft einigermaßen wohl und ohne Anzeichen von Schmerzen anzutreffen. Sie saß schon wieder in ihrem Bett, das ausziehbare Tischchen über ihr Bett gezogen, und aß. Ihre Haut war auch nicht mehr so blass und sie schien kaum verändert. Sie strahlte, als wir gemeinsam eintraten.

Aus Muttis Augen sprach das Glück, ihre beiden ältesten Töchter vereint an ihrem Bett zu sehen. Sie freute sich immer, wenn ihre Kinder miteinander etwas unternahmen. Ich glaube, sie freute sich noch mehr, als sie am nächsten Tag erfuhr, dass Ch. es vorgezogen hatte, bei mir in W. zu übernachten, statt allein in Muttis Wohnung, für die sie auch einen Schlüssel hatte. Ich war genau so glücklich über die Entscheidung meiner Schwester.

Die gemeinsame Sorge um meine Mutter brachte uns einander nahe und milderte die Auswirkungen der großen räumlichen Entfernung zwischen uns. Als meine Schwester am Wochenende wieder zurück nach München fuhr, lag auch das Ergebnis der histologischen Untersuchung der Lymphknoten vor. Sie waren nicht befallen. Meine Schwester konnte mit ruhigem Gefühl heimfahren. Ich würde mich um alles kümmern.

Das hatte ich bei Vatis Krebserkrankung auch getan, schließlich war ich die einzige, die in der Nähe lebte und die auch die nötige Zeit aufbringen konnte. Die Kinder meiner jüngsten Schwester, von der mich elf Jahre Altersabstand trennten und die immer noch von uns beiden großen Schwestern als die „Kleine“ angesehen wurde, waren noch zu jung und erforderten die intensive Betreuung durch ihre Mutter.

Ich fuhr also täglich zum Krankenhaus - hin, mit frischgewaschenen und gebügelten Nachthemden - zurück, mit Schmutzwäsche. Das neue Bettjäckchen bekam ich trotz aller Bemühungen nicht mehr sauber; es blieb für immer gezeichnet. Es kostete mich viel Überwindung, es vorsichtig mit den Händen zu waschen, nicht weil ich mich ekelte, aber es war das Blut meiner Mutter. Die Wunde hatte genässt und die Flecken waren schon eingetrocknet, als ich es mitnahm. Aber es gab wichtigere Dinge als ein verdorbenes Nachtjäckchen.

Der Heilungsprozess verlief komplikationslos, eine Nachbehandlung wurde von den Ärzten nicht für erforderlich gehalten. Nur Tabletten musste sie über einige Zeit einnehmen.

Mutti erholte sich schnell und konnte bald zu einer Rehakur an die Nordsee fahren. Nach vier Wochen durfte ich eine gut erholte, leicht gebräunte Mutter in Duisburg vom Bahnhof abholen. Äußerlich sah man ihr nichts mehr von ihrer Erkrankung an und auch die anschließenden Untersuchungen gaben keinen Anlass zur Besorgnis. Sie hatte sich, wie es schien, auch mit ihrer Prothese abgefunden.

Nur einmal sagte sie zu mir bei einem Besuch: „Was für ein Glück, dass Vati mich so nicht sehen muss!“

Ich war völlig überrascht und konnte diesen Satz nie vergessen. Er traf mich wie ein unerwarteter Schlag.

Irgend einer von uns hatte die Situation völlig falsch eingeschätzt; war ich es, die die Bedeutung der Amputation für sie unterschätzt hatte, oder sah sie meinen Vater falsch, oder beurteilte ich das Verhältnis der beiden Eheleute nach über fünfzig Ehejahren nicht richtig? Ich konnte nicht glauben, dass meinem Vater die Verstümmelung des Körpers seiner Frau mehr bedeutet hätte als die Erhaltung ihrer Gesundheit!

Freilich kam mir in Erinnerung, dass sie eine schöne Brust immer besonders hoch geschätzt hatte. So empörte sie sich noch zwanzig Jahre später über eine Bemerkung, die ihre dreizehn Jahre jüngere Schwägerin einmal ihr gegenüber in jungen Jahren geäußert hatte, als meine Mutter sich mit dem Gedanken getragen hatte, sich einen zweiteiligen Badeanzug zu kaufen, wie sie damals in den fünfziger Jahren gerade modern wurden. Als meine Tante davon hörte, soll sie zu meiner Mutter gesagt haben: „Was willst du denn da oben rein tun?“

Diesen Ausspruch hat meine Mutter ihr nie verziehen und zitierte ihn noch mit weit über neunzig Jahren immer wieder und bezeichnete ihn als „ungezogen“; dabei war das Verhältnis zwischen den beiden Frauen inzwischen ausgesprochen herzlich geworden.

Auch als ich nach dem plötzlichen Unfalltod meines ältesten Sohnes furchtbar abgenommen hatte und sie mich zum Einkauf der Trauerkleidung begleitet hatte, bestand sie darauf, dass ich mir einen BH mit Einlage kaufte, weil ich ja sonst nach „nichts“ aussähe.

Es war ja auch eine üble Laune des Schicksals; nun, wo meine Mutter endlich einen attraktiven Busen zu präsentieren hatte, nahm ihr eine Erkrankung das Objekt ihres Stolzes.

Aber immer noch besser, als an Brustkrebs zu sterben. Ich glaube, mein Vater hätte das auch so gesehen.

Familienbande

Erst einmal aber lagen noch viele unbeschwerte Jahre vor meiner Mutter.

Sie fuhr mal mit meiner jüngeren, mal mit meiner älteren Schwester in Urlaub, aber meistens mit einer engen Freundin.

Einmal reiste sie mit mir gemeinsam in die Heimat ihres Vaters nach Polen, in der Nähe von Danzig, in das frühere Westpreußen. Es war eine Busreise, an der viele Personen aus verschiedensten Gründen und mit unterschiedlichstem Bildungsstand teilnahmen und ich konnte selber erleben, wie leicht es ihr fiel, Bekanntschaften zu schließen und Sympathien zu erringen.

Während andere am Essen herummäkelten, beteiligte sie sich nicht an der allgemeinen Kritik, sondern erklärte sich die schlechtere Qualität mit der Armut des Landes. Schimpften Mitreisende über heruntergekommene Fassaden der Häuser, glaubte sie den Erklärungen des Reiseleiters, der von den Schwierigkeiten berichtete, Fassadenfarbe zu erstehen und freute sich über die bescheidenen Versuche der Bewohner, ihren Häuser mit ein paar Topfblumen auf den Fensterbänken und neben den Haustüren einen freundlichen Anstrich zu geben. Kritisierten Mitreisende die grauen Gardinen und die abblätternde Farbe der Fensterrahmen und Haustüren, fand sie ein anerkennendes Wort über die Sauberkeit der Straßen, auf denen keine Papierreste und leere Blechdosen herum lagen wie zum Teil in unseren Städten, aber dem Lob über die Schönheit der Landschaft konnte sie sich der gesamten Gesellschaft aus vollem Herzen anschließen.

Abends saß sie mit mir und anderen Hotelgästen zusammen, trank ein Bier und hörte sich die Berichte der Reisegefährten über deren Jugend in diesem ehemaligen deutschen Lande an. Sie selber konnte da freilich nicht mitreden, kannte sie die Landschaften doch nur aus den Erzählungen ihres Vaters, erwarb sich aber durch ihre zurückhaltende, wohlwollende Art gegenüber Land und Leuten die Anerkennung unseres polnischen Dolmetschers. Es war die Heimat ihres Vaters, und da sie ihn sehr geliebt hatte, liebte sie auch die Landschaft aus der er kam.

Sie war während der ganzen Reise immer gewillt, einer Situation das Beste abzugewinnen, während andere schon bei Kleinigkeiten meckerten und lamentierten. Kritik übte sie – wenn überhaupt – nur leise und wenn wir allein waren.

Sie machte es ihren Mitreisenden leicht, Umgang mit ihr zu pflegen. Ich war stolz auf meine liebenswürdige und gut aussehende Mutter und genoss die gemeinsame Reise. Sie erzählte mir mancherlei Episoden aus ihrer Kindheit und von ihrem Vater und ich erfuhr während dieser Zeit viel, was mir sonst wahrscheinlich unbekannt geblieben wäre. Auch wenn wir uns nicht jede Minute Seite an Seite aufhielten, brachte uns diese Fahrt noch näher.

Für eine begrenzte Zeit war das Verhältnis Mutter zu Tochter in eine Beziehung zwischen Freundinnen umgewandelt. Wir waren beide auf der Suche einer uns unbekannten Vergangenheit und den Spuren unserer Familie, waren Reisegefährtinnen geworden, und spürten, dass uns mehr als die Mutter-Tochter-Beziehung miteinander verband.

Einige Zeit nach unserer Rückkehr rief meine ältere Schwester mich während meines Dienstes an. Das war total ungewöhnlich und ließ bei mir sofort sämtliche Alarmglocken klingeln.

„Ist was mit Mutti?“, fragte ich sie, denn einen anderen Anlass für ihren Anruf konnte ich mir nicht vorstellen.

Sie zeigte sich erstaunt über die Frage, kam dann aber schnell zum Grund ihres Anrufs. Sie hatte einen Knoten in ihrer Brust entdeckt und fürchtete das Schlimmste. Auch für mich war das ein Schock.

Erst Mutti – jetzt sie!

Ich versuchte, kühlen Kopf zu bewahren und sie zu beruhigen, denn beunruhigt war sie, das hörte ich an ihrer belegten Stimme. Sie hatte einen ungewohnten heiseren Unterton.

„Das muss nicht unbedingt etwas Schlimmes sein“, sprach ich behutsam auf sie ein, „das kann eine Zyste sein oder sonst etwas. Und selbst wenn es bösartig sein sollte, lässt sich das heute alles erfolgreich behandeln. Denk an Mutti!“

Aber in meinem Kopf hämmerte es, „Krebs, Krebs, schon wieder Krebs!“

Wir redeten noch eine Weile und sie versprach mir, sich sofort bei mir zu melden, wenn sie eine Diagnose hätte.

Der Tag schlich dahin, ich konnte mich nicht auf meine Arbeit konzentrieren, Zum Glück war Urlaubszeit und ich hatte im Krankenhaus weniger Kinder zu betreuen als zu normalen Zeiten.

Im Zimmer meiner Kollegin gab es eine etwas größere Sammlung von medizinischer und psychologischer Fachliteratur und da hatte ich schon einmal ein Buch gesehen, das die Behandlung und Heilung von Krebs unter einem psychologischen Aspekt zum Thema hatte. Ich hatte den Inhalt dieses Buches damals nur flüchtig betrachtet, aber nun fiel mir das Thema wieder ein.

Dieses Buch lieh ich mir aus und las darin mit großem Interesse. Nicht nur mit Medikamenten konnte man einer solchen Erkrankung begegnen, auch die persönliche Einstellung dazu, die Psyche spielte bei der Behandlung eine große Rolle. Allerdings war sie auch bei der Entstehung dieses Übels beteiligt. All die Ursachen, die dort beschrieben waren, konnte ich auch bei meiner Schwester bestätigen.

Sie war immer beherrscht und kontrolliert, hatte sich nie erlaubt, ihre Gefühle auszuleben, vor allem keine negativen Empfindungen zu zeigen; dabei war sie, ob von Natur aus oder durch Kindheitserfahrungen, ängstlich. Hatte sie als Kind und junges Mädchen noch Ausbrüche von Jähzorn gezeigt, gehörte solche Impulsivität schon lange der Vergangenheit an.

Vielleicht hatten die begrenzten finanziellen Verhältnisse unserer Familie dazu geführt, dass sie später, bei der Wahl ihres Partners, besonders hohen Wert auf wirtschaftliche Sicherheit gelegt hatte, und auch wenn ihr Mann sympathisch und uns allen als Familienmitglied hoch willkommen war, spielte dabei neben seiner guten Herkunft und Selbstsicherheit auch seine berufliche Position eine große Rolle. Da er aber zudem einige Jahre älter war als sie, hatte er sicher - auch wenn sie eine intelligente, attraktive, junge Frau und für ihn begehrenswert war - die absolute Führung in ihrer Ehe übernommen und sie hatte sich seinen Forderungen immer angepasst oder gebeugt. Sie war eine vorbildliche Ehe- und auch Hausfrau geworden, zurückhaltend, stets gepflegt und elegant, lernbegierig und fleißig und ungeheuer ordentlich. Sie verlor nie die Kontrolle, weder über ihren Haushalt, noch über ihren Sohn, erst recht nicht über sich selbst.

Vielleicht hatte sie durch diese Partnerschaft nicht nur gewonnen sondern auch etwas verloren? Vielleicht eigene Wünsche, Ziele, ein Stück von sich selbst?

Wenn die Gründe für die Genese von Krebs bei ihr zutrafen, warum sollten es dann nicht auch die psychologischen Bekämpfungsansätze?

Die Frage, weshalb meine Mutter an dem gleichen Leiden erkrankt war, stellte ich mir nicht. Ich wusste um die schweren Zeiten in ihrem Leben, und dass sie ihre eigenen Bedürfnisse meistens denen meines Vaters untergeordnet hatte.

Der Autor des Psychologiebuches empfahl unter anderem, den Krebs zu visualisieren und als Feind zu bekämpfen, dabei Aggressionen zuzulassen und sich für sein weiteres Leben Ziele zu setzen. Ich konnte mir gut vorstellen, dass man sich nicht mehr so hilflos der Erkrankung ausgeliefert fühlen würde, wenn man seinen Ratschlägen folgte, zumal er mehrere Beispiele von Patienten aufgeführt hatte, durch deren Krankheitsgeschichte er als behandelnder Therapeut erst seine Theorie entwickelt hatte. Er war ausgebildeter Onkologe und Psychotherapeut und betrachtete Krebs nicht als die Erkrankung eines Organs sondern des ganzen Menschen.

Es gab inzwischen auch andere Mediziner, die seinem Ansatz folgten und seine Methode erfolgreich angewandt hatten. Warum sollte meine Schwester es nicht auch probieren? Schließlich war der Mensch eine Einheit von Körper und Seele. Es konnte auf jeden Fall nicht schaden!

Auf dem Heimweg ging ich an einer Buchhandlung vorbei und bestellte das Buch mit der dazu gehörenden CD, um es ihr zu schicken. Ich wollte nichts unterlassen, was meiner Schwester helfen könnte.

Abends rief sie mich dann an und bestätigte den schlimmsten Verdacht.

Sie wurde bald operiert, bekam Bestrahlung, aber wenn ich mich recht erinnere, keine Chemotherapie, zumindest keine besonders aggressive. Wohl musste sie – genau wie meine Mutter – zwei Jahre lang Tabletten nehmen, die ihren Hormonhaushalt verändern sollten. Ob ihre befallene Brust amputiert wurde, weiß ich nicht. Sie hat nie darüber gesprochen. Doch auch bei ihr waren zum Glück keine Lymphknoten befallen. Dennoch vergingen für uns schlimme Wochen voller Angst.

Nur meine Mutter zeigte sich nicht besonders besorgt. Es war bei ihr ja auch gut gegangen.

Alle behandelten meine Schwester mit einer Mischung aus zurückhaltender Scheu und künstlich forcierter Normalität oder Fröhlichkeit. Nur mein Schwager nahm nicht gerade übertrieben viel Rücksicht auf sie. Er trat eine Reise alleine an, die als gemeinsame Unternehmung mit Freunden geplant war und auf die auch meine Schwester sich gefreut hatte.

Meine Schwester telefonierte jetzt öfter als früher mit mir und schüttete mir ihr Herz über diese Enttäuschung aus. Mit diesem Verhalten ihres Mannes hatte sie nicht gerechnet. Ich auch nicht. Das war das erste Mal, dass ich meinen Schwager in einem anderen als günstigem Licht sah.

Aber meine Mutter fand auch eine Entschuldigung für ihn. Sie hatte sich früher ja selber meinem Vater immer untergeordnet und sah ein solches Verhalten als normal an. Schließlich sorgte der Mann für den Unterhalt der Familie. Sie war, auch wenn sie selbst einige Zeit berufstätig gewesen war, immer voll im alten Rollenverständnis befangen gewesen.

Viele Jahre später sagte meine Schwester einmal zu mir, ich wäre die einzige gewesen, mit der sie sich offen über ihre Krankheit und ihre Probleme während dieser Zeit hätte unterhalten können und die nicht immer nur alles schön gemalt, sondern auch von vorne herein eine schlimme Diagnose nicht ausgeschlossen, ihr aber auch neue Aspekte zur Bekämpfung dieser Krankheit gezeigt hätte. Ob sie das Buch aber wirklich gelesen und auch von der CD Gebrauch gemacht hat, weiß ich nicht. Ich glaube aber, dass allein die Geste, ihr das Buch zu schicken, schon hilfreich war.

Es war so traurig, dass ausgerechnet wieder so eine bösartige Erkrankung die Brücke zwischen uns verstärken musste.

Ch. überstand die statistisch relevante Fünfjahresfrist; ihre Tumormarker blieben unauffällig und nach außen waren ihr keine Spuren der Krankheit anzusehen. Aber etwas hatte sich in ihrer Ehe geändert.

Ihr Sohn heiratete und sie war eine jugendlich aussehende, elegante Bräutigamsmutter. Alle Familienmitglieder waren zur Hochzeit nach München gekommen. Meine Mutter war schon vorgefahren und blieb ein paar Tage bei meiner Schwester. Sie genoss die Zeit dort, war voller Stolz auf den gesellschaftlichen Rahmen, in dem die Hochzeit gefeiert wurde und nahm auch die junge Frau ihres Enkels voller Herzlichkeit als neues Familienmitglied auf.

Da sie die älteste Angehörige war, wurde sie von allen Anwesenden hofiert, und von meiner Schwester und von meinem Schwager verwöhnt.

Auch das Verhältnis zwischen Mutti und mir hatte sich wieder gewandelt; sie war wieder die Mutter, die Anspruch auf Fürsorge hatte, und ich wieder in der Tochterrolle. Meine Schwester hatte es mir vorgemacht.

Neue Probleme

Einige Jahre nach ihrer Krebserkrankung hatte Mutti sich erneut einer Operation unterziehen müssen. Wieder war es eine Unterleibsoperation, aber Gott sei Dank kein Krebs.

Wieder betreute ich sie während ihres Krankenhausaufenthaltes und in der Zeit danach. Nur diesmal forderte diese Tätigkeit von mir sehr viel mehr körperliche Kraft und Selbstüberwindung, schließlich ging es mir zu diesem Zeitpunkt selber schon nicht mehr gut.

Ihr Krankenhausaufenthalt fiel in die heißeste Jahreszeit, und da ich immer erst nachmittags nach Dienstende zu ihr fahren konnte, war ich jedes Mal auf der Rückfahrt am Ende meiner Kraft. Auch erwies meine Mutter sich nicht mehr als so pflegeleicht und leicht zufrieden zu stellen, wie früher. Sie übte Kritik an dem Pflegepersonal, an den Reinigungskräften, an der Unterbringung und an vielen Nebensächlichkeiten. Über die Gründe für diese Verhaltensänderung konnte ich nur Rätselraten: Sicher hatte sich im Krankenhausalltag im Vergleich zu früher einiges geändert. Die Schwestern hatten weniger Zeit, die Putzfrauen gehörten einem privaten Reinigungsunternehmen an und putzen nicht mehr so wie früher. Alles musste schneller gehen und die Maßstäbe einer kritischen Patientin und gewissenhaften Hausfrau wurden nicht mehr befriedigt.

Bei ihrem ersten Krankenhausaufenthalt hatte mein Vater ihre Bedürfnisse artikuliert, nun sollte ich das tun.

Dass sie darüber hinaus durch den fürsorglichen Umgang meiner Schwester mit ihr übersteigerte Ansprüche entwickelt hatte, kann ich nur vermuten. Freilich waren die Münchener Verwandten es gewöhnt durch ihren finanziellen und gesellschaftlichen Hintergrund überall äußerst zuvorkommend behandelt zu werden. Meine Mutter verlangte plötzlich nicht mehr Gleichbehandlung im Krankenhaus, sondern erwartete eine bevorzugte Betreuung.

Sie war geschickt genug, ihre Ansprüche nicht dem Pflegepersonal selbst gegenüber zum Ausdruck zu bringen, sondern erwartete von mir, dass ich ihre Ansprüche durchsetzte. Ich hatte Mühe, ihr die veränderte Situation im Krankenhausalltag zu erklären und ihre Ansprüche zu reduzieren.

Nach der Entlassung musste ich sie noch täglich an ihrem Wohnort besuchen, um mit ihr gemeinsam einzukaufen, sie zum Arzt zu bringen, Rechnungen zur Erstattung einzureichen und zu überweisen, alltägliche Bankgeschäfte zu erledigen oder andere Aufträge für sie zu erfüllen. Nur ganz allmählich gewann sie ihre Selbständigkeit wieder.

Den Kontakt zu ihrer früheren besten Freundin, die etliche Jahre jünger als sie war und mit der sie viele Jahre lang gemeinsame Reisen unternommen hatte und mit der sie dann auch stets ein Doppelzimmer geteilt hatte, hatte sie abgebrochen. Es waren nicht nur die sehr gewöhnungsbedürftigen Eigenarten dieser Dame dafür ausschlaggebend, wie starkes Rauchen - auch in dem gemeinsamen Hotelzimmer - und extrem frühes Aufstehen und „Herumgeistern“, wie meine Mutter es nannte. Das alles wurde in ihren Augen wettgemacht durch amüsantes Wesen, Kameradschaftlichkeit und erfrischende Natürlichkeit, sondern es war eine unschöne Bemerkung, die diese Freundin bei gemeinsamen Bekannten über meine Mutter fallen ließ und die ihr hintertragen wurde. Sie hatte Mutti als „alte Mumie“ bezeichnet.

Das verletzte den Stolz und die Eitelkeit meiner Mutter so sehr, dass sie ihr die Freundschaft kündigte. Sie lud ihre ganze Enttäuschung über diese Gemeinheit bei mir ab und brauchte Wochen, bis sie sich von diesem Verrat erholt hatte. Dabei konnte sie es sich nicht verkneifen, nun ihrerseits etliche Schwächen dieser Dame mir gegenüber aufzudecken. Davon waren die lebensgefährlichen Fehlleistungen der ehemaligen Freundin beim Autofahren noch das Geringste.

Mir tat diese ganze Entwicklung leid, nicht nur weil meine Mutter offensichtlich darunter litt, sondern auch weil ihr eine Kameradin, mit der sie viel gemeinsam unternommen und ihre Ferien verbracht hatte, in Zukunft fehlte. Wer würde nun mit ihr gemeinsam auf Reisen gehen?

Doch sie fand schnell Ersatz. Mutti fuhr von nun an immer mit einer anderen langjährigen Bekannten in das gleiche Urlaubshotel im Schwarzwald, das diese früher mit ihrem Mann besucht hatte, auch wenn sie nach ihrer Rückkehr von diesen Aufenthalten diese Dame durchaus auch kritisch schilderte.

Die Vorteile der gemeinsamen Ferienaufenthalte schienen auch hier wieder die Nachteile zu überwiegen. Es verging jedoch kein erstes Zusammentreffen nach dem Urlaub mit ihr, bei dem sie nicht betonte, wie sehr die anderen Hotelgäste sie wegen ihrer Duldsamkeit und Toleranz im Umgang mit der Urlaubsgefährtin bewunderten. Sie wurde wohl von allen als geborene Diplomatin angesehen.

Ihre Schilderungen schienen nicht aus der Luft gegriffen zu sein, wie ich später bei einem Besuch im Schwarzwald selbst feststellen konnte. Meine Mutter war dort in die sich in schöner Regelmäßigkeit immer zusammen findende Feriengesellschaft gut integriert und bekam nicht nur in Duisburg sondern später auch in Wesel regelmäßig Post von der Hotelbesitzerin und Besuch von einigen anderen Dauergästen, selbst als sie schon nicht mehr in der Lage war, in den Schwarzwald zu reisen.

Mutti konnte sich eben gut anpassen, nahm auch im Urlaub immer an allen Gemeinschaftsveranstaltungen teil, wusste, was man von ihr erwartete, war großzügig und spendierte auch einmal eine Runde.

Auch ein vierwöchiger Urlaubsaufenthalt, den sie mit ihrem Bruder und dessen Frau im Hause meiner Schwester am Lago Maggiore verbrachte, war trotz des manchmal autoritären Auftretens meines Onkels ungetrübt verlaufen.

Er konnte diese Eigenschaft im Allgemeinen mit viel Charme und Organisationstalent wettmachen. Außerdem besaß er durchaus Sinn für Humor und sie kannte ja seine Eigenheiten von Kind auf. Sie war nur ein gutes Jahr älter als er und die zwei hatten sich eigentlich während ihres ganzen Lebens immer sehr nahe gestanden und gegenseitig unterstützt. Die Dreiergruppe harmonierte bestens.

Mutti pflegte auch zu Hause verstärkten Kontakt zu diesen Verwandten und sie besuchten sich regelmäßig gegenseitig, mal in Krefeld mal in Duisburg.

Das behielt sie auch bei, als sie verstärkt Probleme mit dem Laufen bekam.

Es tat weh, zu sehen, wie sie schon seit einiger Zeit beim Gehen immer rechts mit der Hüfte einknickte. Ihr ganzer Körper bewegte sich in abgehacktem Rhythmus von einer Seite zur andern, wobei sie immer längere Zeit auf der rechten Seite verharrte, um dann unverdrossen das linke Bein wieder nach vorne zu bewegen. Das wurde auch nicht viel besser, als sie sich einen orthopädischen Gehstock zulegte, nur die Pausen zwischen den einzelnen Schritten wurden kürzer und ihr Gangbild etwas gleichmäßiger.