Ad Libitum - Daniel Engel - E-Book

Ad Libitum E-Book

Daniel Engel

0,0

Beschreibung

Der junge Protagonist - dessen Name einem Mysterium gleicht - begibt sich nichtsahnend in eine aufregende Reise.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 415

Veröffentlichungsjahr: 2018

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.


Ähnliche


Danksagung:

Ich danke allen, die mich zu dem gemacht haben, was ich heute bin… außer meinem Sportlehrer aus der achten Klasse, meiner Mutter, meinem ersten Zahnarzt, den Gästen die immer einen Rest im Glas übrig lassen und meistens noch ein zweites nehmen, den Menschen die meinen, dass ein Kreisverkehr eine sinnvolle Alternative zu einer Ampel bei einer Kreuzung mit mehr als vier Straßen sei, dem Eisverkäufer, der mich damals um zwei Eiskugeln beschissen hat, den meisten Golfspielern, den Menschen, die es ermöglicht haben, dass Kanye West erfolgreich ist, dem kranken Geiste der den Nufleikatoast erfunden hat und jedem Menschen, der ohne ersichtlichen Grund vor anderen Personen stehen bleibt um sich an hedonistischen Nichtigkeiten zu erfreuen.

Inhaltsverzeichnis

Prolog: Lachen Zitronen?

Teil 1: Wenn die Chemie stimmt

Der atemberaubendste Empfang der Welt

Der 10. Stock

Im Unterbewusstsein

Karl-Bosodyr-Ompf-Platz

Rätselzeit

Der Turm

Na Sowas

Toccata di cuore

Fuga

Kein gewöhnliches Schlangenöl

Teil 2: Heute ist das Morgen von gestern

Was macht eigentlich ein Buchbinder?

Der vorletzte Tag

Der Architekt

Gestrandet

Helfe mir Mystes

Alltag

Der letzte Tag?

Mein Name ist 51383N

Narrenwelt

Teil 3: Falsche Wahrheit

Lasker-Manöver

Remis

Nachwort

Prolog: Lachen Zitronen?

Es war ein kalter, dunkler und außerordentlich eigenartiger Abend. Es lag etwas in der Luft, eine Mischung aus Parfüm, Currywurst und Vorahnung. Es regnete und die Umgebung enthielt ungefähr 73% Luftfeuchtigkeit. Die Straßenlaternen und das Neonleuchtschild des Clubs Flamingo wurden in den dreckigen Pfützen am Straßenrand reflektiert, in dem sich manch eine Ratte sogar zum Raucher entwickelt hätte. Die Regentropfen waren nicht sehr dick aber machten doch ein merkwürdiges, schweres und trotz alledem sehr regentropferisches Geräusch. Hätte man dieses Geräusch aufgenommen und einem Blinden vorgespielt, dann hätte er wohl nicht sagen können, ob es nun Regentropfen seien, die er da hörte oder ob es nicht vielleicht eine ganz leise in der Frequenz veränderte Bassdrum eines ziemlich alten Schlagzeuges sein könnte, das noch ein Naturfell anstelle einer Plastikbespannung hätte.

Genau dieser Regen prasselte auch auf das Taxi, das die Straße illuminierte und der Atmosphäre die trübe, melancholische und auf eine ziemlich starke an den Noir-Stil erinnernde Art entzog. Das Taxi glitt durch die Pfützen wie ein Hundeschlitten durch Schnee, als wäre es aus einem bestimmten Zweck gebaut worden. Nämlich ein Taxi zu sein, das genau an diesem besagten Abend diese Pfützen so galant und mit Anmut überschreite, wie es kein anderes Taxi hätte tun können. An der dritten Laterne vor dem Club bremste es ab, schaltete daraufhin in den zweiten Gang und kam allmählich zum Stillstand. In der Straße war nun nichts mehr zu hören außer dem Geräusch des Motors und dem Regen.

>> Das macht dann 24,83€. << sagte der Taxifahrer in einem Akzent, der einen wirklich vermuten ließ woher dieser kommen könnte. Er war ein Jamaikaner mit einem Wollhut, einem recht langen und schäbigen Mantel (was wohl sein Lieblingsmantel sein musste), einem T-Shirt mit der Aufschrift „Auf diesem T-Shirt steht nichts", einer Hose mit unzähligen Flecken und Schuhe, die sich vermutlich über all die Jahre seinen Füßen und seinem Fahrstil perfekt angepasst haben. Auf den hinteren Sitzen des Taxis saß ein Mann, der nun anfing seine Brieftasche aus seiner Hose herauszuprügeln. Es war ein wahrer Gewaltakt und es kam ihm so vor, als würde irgendetwas nicht wollen, dass er sie in den nächsten fünf bis sechs Sekunden herausbekommen sollte. Der Taxifahrer war ziemlich geduldig und lächelte weiterhin, als der Mann nach den fünf bis sechs Sekunden endlich seine Brieftasche aus der Hose herausbekam, einen 20er nahm und daraufhin wie verrückt nach den 4,83€ suchte. Sein Finger raste nach rechts, dann nach links, horizontal, vertikal und diagonal-gekreuzt über und durch die Brieftasche. Nach einem Kampf, die ein verrückter Autor eines fiktionalen Geschichtsbuches wohl als die „Schlacht von Taxenburg in der späten Neuzeit“ beschrieben hätte, fand er 4,58€. Er blickte verschwitzt und nervös zum Taxifahrer auf und sagte:

>> Tut mir Leid, aber mir fehlen 25 Cent. <<

>> Schon okay, die 25 Cent bringen bestimmt niemand um, nicht wahr? <<

Der Mann verließ das Taxi und wünschte dem Fahrer noch einen schönen Abend. Er schlug die Tür des Autos entspannt zu. Da fiel ihm plötzlich ein, dass er irgendwo in den vergangenen Monaten etwas davon gelesen hatte, dass Zweidrittel aller Automobilbesitzer zu viel Kraft in den Vorgang des „Türeschließens beim Auto" stecken würden und somit ein verfälschtes Geräusch gegenüber der Allgemeinheit entsteht. Laut den Wissenschaftlern, die diesen Artikel veröffentlichten, sollte das Geräusch, das man abruft, wenn man an eine Autotür denkt, nicht „Puff“ sondern eher ein sanftes „Pfschk“ sein.

Mit diesem Gedanken beschäftigte sich der Mann noch eine Weile, starrte in die Pfützen, zählte dabei die gerauchten Zigarettenstummel und ging dann teils zögernd, teils determiniert auf den Eingang des Clubs zu. Ein dicker, großer Mann (man mochte ihn fast schon als „Schrank" bezeichnen) stand am Eingang des Clubs und zählte murmelnd vor sich her.

>> Guten Abend, was machen Sie denn da? << fragte der Mann.

>> Ich zähle. << sagte der Schrank antrainiert freundlich.

>> Aha, und was zählen Sie, wenn man fragen darf? <<

>> Wie oft ich kaue. << erwiderte der Schrank.

>> Ach so… und bei welcher Zahl sind Sie gerade? <<

>> Hm nach dreimaligem Verzählen bei 258 Bissen. <<

>> Ihr Job scheint sehr wichtig und interessant für die Gesellschaft zu sein. << entgegnete der Mann.

>> Das können Sie aber laut sagen! Ohne mich würde hier Gesocks reinkommen, das weder zählen, lesen, schreiben noch gut-aussehen kann. <<

>> Moment mal! Sie bringen gut-aussehen mit zählen, lesen und schreiben in eine Kategorie? << fragte der Mann empört.

>> Natürlich! Im Regelbuch für Türsteher und… << plötzlich dachte der Mann für einen kurzen Moment an „Schränke" und hörte dann sofort wieder dem Türsteher zu, der ganz säuberlich die Regeln aufzählte. Er trug sie so vor, als würde er es aus dem Regelbuch selbst vorlesen, und das im Stil eines Kochbuches.

>> …Paragraph 3: Jeder Türsteher braucht Augenbrauen, denn Leute ohne Augenbrauen sind nicht als Autoritätsperson geeignet. Sie sollten lieber in einem Friseursalon oder als Feuerwehrmann arbeiten, weil man dort sagen kann, dass es ein Arbeitsunfall gewesen sei. << Der Mann wunderte sich, dass so ein (er wollte es dämpfen) Schwachsinn an dritter Stelle in so einem Regelwerk auftauchte. Jedoch zitierte der Schrank konzentriert mit einer merkwürdigen und subtilen Art von Stolz und Fröhlichkeit weiter.

>> Paragraph 4: Jeder Türsteher muss einen Ausweis tragen, der zeigt, dass dieser Türsteher ein Türsteher von Beruf ist. Egal in welcher Form dieser Ausweis vorhanden ist. Geeignet sind: Papier, Stoff, Pappe, Plastik, Haut oder Haustiere…<<

Der Mann ging in diesem Moment blitzartig dazwischen.

>> Haustiere? << fragte er mit Argwohn.

Der Schrank beendete diesen Paragraphen noch und erzählte dann von einem Mann, der gar nicht Türsteher sein wollte, aber musste, da er ein Rechtsanwaltsstudium absolviert hat, aber keinen anderen Beruf auffinden konnte. Daher nahm er sich eines Abends das Regelbuch für Türsteher und entdeckte, dass der Ausweis nicht auf Haustiere gelte. Er ging also in das nächste Zoogeschäft, kaufte sich einen Goldfisch und tätowierte diesem mit einer heißen Nadel und Tinte eine Kopie seines Ausweises auf die Seite. Anschließend wartete er ein paar Wochen und hatte nun einen Goldfisch erschaffen, der auch als Türsteherausweis galt. An dem Tag, an dem die Polizei für Türsteher ihn verhaften wollte, zeigte er ihnen seinen Goldfisch-Ausweis und klagte gegen diese Polizisten und das obsolete Regelbuch für Türsteher.

>> Aufgrund dieser Anzeige steht da jetzt eben Haustiere drin. << erwiderte der Schrank. >> Soll ich weitermachen, oder haben Sie einen außerordentlich tiefen und wertvollen Einblick in die Aufgaben, Pflichten und Regeln eines Türstehers bekommen? << erkundigte er sich.

>> Nein. Nein, das war äußerst…öhm nun ja, informativ. <<

>> Kein Problem, dafür sind Türsteher ja da. << meinte der Schrank sehr fröhlich.

>> Ihr seid da, um jederzeit die Regeln erklären zu können? << fragte der Mann.

>> Für was würden wir sonst ein Jahr lang das Regelbuch auswendig lernen? << lachte der Schrank.

>> Und was ist mit dem Rausschmeißen und Aufpassen? <<

>> Hahaha. Das machen wir nach Instinkt und Laune. <<

Der Mann schüttelte halb nickend, halb verneinend den Kopf, wünschte dem Schrank ebenfalls einen schönen Abend und ging in den Club.

Er trat ein und begegnete erst einmal einem schrecklich dekorierten Vorraum. Links war ein Tresen aus Holz, welcher in dem grässlichsten Pink angestrichen war, das der Mann jemals gesehen hatte. Es stach in den Augen und wirkte irgendwie sehr abschreckend, was daran lag, dass der Club Flamingo früher ein Hotel war. Der Besitzer dieses Hotels wollte jedoch keine Hunde haben, also dachte er sehr lange über eine Lösung für sein Problem nach. Er grübelte eine ganze Weile und erfand schließlich eine Farbe, die so hässlich war, dass sogar Hunde sie deutlich sehen konnten und davor Angst bekamen. Nach seiner Erfindung ließ er den Tresen und den Schreibtisch an der Rezeption so streichen, dass Hunde sich nicht weiter als bis zu diesem Raum wagten. Als der Hotelbesitzer jedoch erkannte, was er vollbracht hatte, schrieb er einem renommierten Wissenschaftsmagazin. Daraufhin wurde ihm zwei Monate später der Nobelpreis für Chemie auf seine Kosten per Luftpost zugesandt. Vom Preisgeld zog er nach Hawaii und verschenkte das Hotel an seinen Bruder, der daraus den Club Flamingo machte.

Auf der rechten Seite des Vorraums stand, nach all den Jahren, immer noch derselbe Schreibtisch in demselben infernalen Pink. Zusammen mit dem Tresen wirkte es wie ein Gang durch das Purgatorium der Farben, fast so als hätte sich der Teufel selbst das Spektrum der Farben angeschaut und eine Eigenkreation gefertigt, die 2000 Jahre Leid, Kummer, Tod, Schmerz und Selbstzweifel in einer Farbe zusammenführte.

Neben den zwei unübersehbaren Möbelstücken waren in diesem Vorraum ein verranzter, alter und doch schöner Teppich, eine Tür, die in ein anderes Zimmer führte, eine Stehlampe, die den Raum in rotes Licht tauchte, sowie ein grüner Tacker, der zentral auf dem Schreibtisch lag.

Der Mann machte sich bereit und kämpfte sich durch das Purgatorium der Farben. Er kroch gequält zur Türe, machte sie schmerzerfüllt auf, stand auf und knallte sie schnell hinter sich zu, damit nichts an Licht, aus dieser Farbhölle in den neuen Raum, durchsickern konnte. Schweißbedeckt und schweratmend setzte er sich erstmal auf den Boden, bevor er weitergehen konnte. Er stand wieder auf, schaute sich um und war nun in einer Art Nach-Foyer, das ihm wie eine Schleuse erschien, die etwas abtrennen sollte. Der Raum in dem er sich nun umschaute war nicht mehr als drei Meter lang, zweieinhalb Meter hoch und drei Meter breit. Außerdem war er dazu noch ziemlich dunkel, denn er wurde nur vom leichten Flackern einer Xenon-Lampe, die ca. zwei Meter vom Boden entfernt leicht hin und herschwang, beleuchtet. Der Mann konnte in dem Flackern fast schon einen Rhythmus erkennen. Es erinnerte ihn an den Herzschlag des Universums, woraufhin er auf seinen Herzschlag achtete. Der Rhythmus verschmolz sich mit einem Jazzsolo aus dem Raum nebenan. Er folgte der leisen Musik und vermutete, dass hinter der nächsten Türe der Hauptraum des Clubs lag und trat ein.

Es war ein riesiger, dunkelblau angestrichener Raum mit pinken Neonleuchtstäben an den Wänden. Die Atmosphäre regenerierte sich aus Spaß, Erotik, Musik und einem betrunkenen Mann, der an der zweiten Bar saß und die ganze Zeit „Banane" rief.

Es gab fünf Tische, eine große und eine kleine zweite Bar, sowie einen Laufsteg mit kleiner Bühne für Burlesqueauftritte oder kleine Gesangseinlagen. Es spielte gerade eine Jazzband namens „The Real Thing“ und die wunderschöne Frontsängerin schmolz mit ihrem Cover von „The Golden Message With The Golden Punctuation“ einige Herzen.

So auch am ersten Tisch, wo jene Leute saßen, die jeden Tag hier waren. Der „Tablo Flamingo", er war so zusagen der Stammtisch des Clubs.

Die drei Gäste, die Tag und Nacht diesen Tisch in Anspruch nahmen, waren merkwürdige Gestalten. Der Erste sah aus wie ein Colonel aus einem alten Western. Er trug eine Augenklappe, einen riesigen und gepflegten Bart, schwarze Cowboystiefel und eine Militäruniform aus dem Jahre 1849. Der zweite sah aus, wie ein Verrückter. Ein kurzer Profilcheck für Verrückte: Zerzauste Haare, verschiedenfarbige Augen (es sei dahingestellt, ob er sich diese Iris-Heterochromie selber zugefügt hat oder ob es sogar nur Kontaktlinsen waren), ein verwaschenes Hemd, zerrissene Jeans und Sandalen mit Socken. Diese Socken trug er als Trophäe für seine Lieblingsanekdote. Er erzählte sie beinahe jeden Tag und jeder im Club Flamingo konnte sie bereits auswendig rezitieren.

Als der Verrückte, dessen Name durch Zufall auch noch Frank Möbius war, den Mann hereinkommen sah, hechtete er sich auf ihn zu und fragte:

>> Jungchen du siehst intelligent aus, willste nicht eine zauberhafte Anekdote hören? <<

>> Nun ja, ich denke eine schnelle Anekdote kann nicht schaden. << stammelte er freundlich.

Die übrigen Mitglieder des Tablo stöhnten und schüttelten den Kopf dabei.

>> Gut dann setz‘ dich, komm her. <<

Der Mann setzte sich an den "Tablo Flamingo" und begutachtete nun den dritten Mann, der fast unsichtbar war. Er sah aus wie ein sehr, sehr, sehr seriöser Geschäftsmann. Jung mit einem adretten Anzug, der in der gleichen Farbe, wie die Wand gestrichen war. Ohne das pinke Neonlicht aus manchen Winkeln hätte man sein Gesicht und seine Hände nicht sehen können, und er wäre ganz mit der Tapete verschmolzen.

>> Also Jungchen, hör mir gut zu! <<

>> Gerne. << antwortete der Mann enthusiastisch.

>> Du hast dich bestimmt schon gefragt, warum ich Sandalen mit Socken kombiniere? <<

>> Nein, eigentlich nicht. << sagte der Mann stoisch.

>> Ich wusste es, das tun sie alle. Wie dem auch sei, ich tue dies nicht aus Modehass, obwohl ich diese Modepolizei verfluche… und auch nicht zum Spaß. Nein! Ich verdanke dieser Kombination mein Leben!

<<

Der Mann schaute Möbius verwirrt an und war doch auch etwas neugierig über den Verlauf dieser Geschichte.

>> Also, ich war damals im Kriegsgebiet in Somalia, übrigens schnuckeliges Ländchen, und hatte leider ein schlimmes Verbrechen begangen. Ich weiß zwar nicht mehr was, aber laut den Eingeborenen dort und auch meiner Mutter, war es etwas Schlimmes. Sie verhängten auf jeden Fall die höchste Strafe für mein Vergehen. Ich musste mit einer Prostituierten aus dem Dorf schlafen, die jegliche Krankheiten besaß. Ich dachte die Zeit ist gekommen um mich zu verabschieden. Ich nahm die Bibel las sie komplett, kam zu dem Entschluss, dass da gar nicht so viel Quark drinsteht, wenn man es nicht zu ernst nimmt, und wurde mit der Prostituierten in einen Raum eingesperrt.

Als sie auf mich zulüstete, hielt sie plötzlich an. Sie sah mich an als wäre ich Medusa und hätte sie versteinert. Da ließ sie sich rückwärts auf den Boden fallen, rollte und schrie plötzlich vor Schmerz. Ihr eines Auge, was bis vor kurzem noch tauglich war, quoll nun auf und sank danach in sich zusammen. Sie schrie nur >>iskaalsho! iskaalsho! << und verstummte dann auf dem Boden. Ich ging aus dem Raum und die Eingeborenen dachten anhand der lauten Schreie und der Tatsache, dass sie gekrümmt und schwitzend auf dem Boden lag, dass ich sie befriedigt hätte. Als ich jedoch realisierte, dass ich nun wieder ein freier Mann war, rannte ich so schnell es ging zu meinem Lager zurück und wurde wieder heimgeschickt.

Du siehst also, dank dieser Kombination bekomme ich eine lebenslängliche Entschädigung und habe nebenher den Aktienmarkt studiert. <<

>> Beachtliche Geschichte, nicht wirklich eine Anekdote aber trotzdem sehr beachtlich. << sagte der Mann so höflich wie er konnte und wollte sich gerade vom Tisch abwenden, als plötzlich der Colonel drei Mal auf den Boden stampfte und so hart auf den "Tablo Flamingo" schlug, wie er nur konnte.

>> 825. << schrie er und der ganze Club erstickte in Schweigen.

Das Schweigen hallte noch fünf weitere Sekunden im Raum und ging dann wie ein kakophonischer Tsunami vergleichbar einer Implosion in den vorherigen Lärmpegel zurück.

Der Mann zuckte zusammen.

Möbius antwortete ohne zu zögern:

>> Seitdem ich die Anekdote erzähle, zählt der Colonel mit wie oft ich das tue, und es ist zum Haare melken. Er denkt, weil ich, Möbius, dieses Verhalten hasse, würde ich sie weniger oft erzählen aber das tue ich nicht. Niemals! <<

Der Colonel schaute mit einem Blick auf Möbius, der selbst einen Spiegel hätte zersplittern lassen können. Sein Auge war so braun wie die Haut eines Mustangs und es war so klar und autoritär wie kein anderes Auge es je hätte sein können. Dieses eine Auge strahlte eine Aura aus, die genau wie sein Schrei den kompletten Club kurz verstummen lies und er brüllte Möbius an:

>> Du alter Dickschädel. Du weißt ganz genau, dass Mr. Mimikry und ich deine Anekdote auswendig kennen und wir sie trotzdem jeden Tag hören und sie wohlbemerkt wirklich über alles hassen. <<

Mr. Mimikry lachte, zündete sich eine Zigarre an und sagte:

>> Die Karten machen es eben nicht besser als die Würfel. <<

Möbius meinte, er verfalle wieder in Blasphemie. Sie schauten sich eine Weile an, mussten dann grinsen und zogen alle gleichzeitig (eher gesagt synchron) an ihren Getränken mit ihren verschiedenen neonfarbenen Strohhalmen und ihren kleinen Schirmchen.

Der Mann überschaute mit einem schweifenden Blick kurz die anderen vier Tische verabschiedete sich von den drei merkwürdigen Männern, wandte sich nun endlich vom Tisch ab und ging zur ersten Bar, während der „Tablo Flamingo“ nach erneuter Provokation von Möbius weiter stritt.

An der Bar saßen vier Typen, die man schon aus einer Distanz von etwa 30 km hätte sehen, riechen und hören können. Sie waren so laut, dass sie die sanfte und elegante Jazz Musik im Club um das Vierfache übergrölten. Außerdem gestikulierten sie so wild um sich, dass man hätte meinen können, sie seien seit drei Jahren schiffbrüchig gewesen und würden die Gewohnheit am Strand zu fuchteln nicht abtherapiert bekommen haben.

Der Mann setzte sich an die Bar und schaute den Barmann so an, dass er einfach wissen musste, was er wollte. Der Barmann hatte aber keinen Schimmer, kam zu ihm her, gab dem Mann die Karte und sagte:

>> Noch nie hier gesehen, trotzdem viel Spaß. Wir haben tolle Drinks von Massachusetts Bringfielder bis zu Kilimanjaro, und wenn du Hunger hast, dann haben wir hier noch sehr orientalische Speisen der Saison. <<

>> Oh? Was gibt es denn für orientalische Speisen für diese Saison. << brachte der Mann in Erfahrung.

Darauf antwortete der Barmann:

>> Rote Beete. Bestimmt die beste Beete aus dem ganzen Gebiet. <<

Sehr perplex bestellte der Mann einfach nur ein schlichtes Glas 3,5% fetthaltige Milch. Nachdem er eine ganze Weile, nur mit einem Glas Milch, an der Bar saß, wollte der Barkeeper einen Smalltalk beginnen und fragte ihn wie man ihn denn nennen würde. Der Mann antwortete salopp:

>> Namen sind nicht so wichtig und meistens Schall und Rauch, wie Farben. Aber wenn sie es unbedingt wissen wollen. Ich heiße… <<

Im ungefähr gleichen Moment, an einem komplett anderen Ort, brach jemand aus einem strenggeheimen und unterirdischen Hochsicherheitstrakt aus. Sein Name war Prof. Dr. Delian Alfred Grubich. Er wurde über fünf Jahre von mindestens 100 Ländern gefahndet, da er über Fähigkeiten verfügte, die niemand für möglich hielt. Um sich selbst zu schützen traf er ein Abkommen mit dem Militär, wobei er sich verhaften lassen musste. Warum er dies tat und was die Bedingungen waren, das wissen nur die obersten Ränge. Nach seiner Verhaftung saß er 10 Jahre in diesem Hochsicherheitstrakt fest und hatte jedes nur mögliche Szenario geplant. Er hätte spielend leicht ausbrechen können. Gerüchte erzählten, dass er so gefährlich sei, dass er einen Menschen mit einem Wimpernschlag die größten Qualen erleiden und dabei nicht aufgehalten werden konnte. Die Gerüchte wurden Realität, da jede Patrouille ein wenig schneller ging, wenn sie an seiner Isolationszelle vorbeikam. Sogar das Essen wurde ihm unter härtester Sicherheitsstufe gegeben. Vorteilsweise wurden ihm die „Mahlzeiten“ vorgeschnitten. Doch immer mehr Gerüchte, die sich jedes Mal in der Grausamkeit übertrumpften, machten die Runde, wodurch die Angst anstieg. Die Spannung im Hochsicherheitstrakt erhöhte sich daher mit jedem verstrichenen Tag, und auch nur der kleinste Funke hätte jederzeit Panik auslösen können. Grubich wartete aber seit Jahren auf einen bestimmten Moment….

>> Wir kriegen ihn nicht, er ist schon kurz vor dem Aufzug, der an die Oberfläche führt. << wimmerte ein Soldat.

>> Stellen Sie sich nicht an wie ein Häschen, das sogar vor seinen eigenen Ohren Angst hat! << befahl der General.

>> Aber Herr General, wir reden hier von Grubich. <<

>> Richtig, Soldat. Grubich scheint aber mittlerweile nicht mehr zu begreifen, was er eigentlich macht. <<

>> Wie meinen Sie das General Tirf? <<

>> Sehen Sie doch auf den Bildschirm, Soldat, er hat sich in eine Zelle eines oberen Stockwerks verkrochen, anstatt ein paar Ebenen weiter unten den Aufzug nach ganz oben zu nehmen. Also rufen Sie die Truppen und die restlichen Wachen, die noch leben, niemand kommt hier raus noch rein, bis alles wieder unter Kontrolle ist. Wir werden ihn umstellen und unter Druck setzen, bis er von selbst herauskommt, oder er an seinem dummen Verhalten krepiert und wenn ich dieses ganze Gefängnis in die Luft sprengen muss. Wir werden ihn kriegen. <<

In der Untergrundbasis mit dem Hochsicherheitstrakt war es nun nicht mehr so gemütlich wie sonst immer. An dem Ort, an dem die Soldaten normalerweise Karten spielten, gab es nun nur noch Rauch und ein schreckliches Alarmsignal. An dem Ort an dem man sich immer traf um zu reden und die Lage zu besprechen, war nun Rauch und ein schreckliches Alarmsignal. Dort wo es normalerweise immer Rauch und ein schreckliches Alarmsignal gab, waren jetzt nur noch Rauch und ein schreckliches Alarmsignal vorzufinden.

Plötzlich fing alles an zu beben, die Magazine sprangen aus den Gewehren, Materie fing an sich im Aggregatzustand zu verändern. Die Schweißperlen der Soldaten evaporierten, wurden wieder fest und fingen an sich auf hunderte von Grad abzukühlen. Die meisten Soldaten, die ganz vorne standen, fielen einfach um oder schreiend auf die Knie vor Schmerzen.

>> General? Was ist das? <<

>> Er. Dieser alte dreckige… Egal, was passiert!

…Moment was ist das, was passiert mit dem Raum? Das ist nicht möglich Nein, Nein, Nein!!!!! Schießt! Sprengt alles in die Luft! Lasst ihn nicht entkommen! <<

Doch bevor sich jemand auch nur regen konnte, lagen alle Soldaten bewegungslos und wie in Trance auf dem Boden. Der stolze Trupp aus vier Special-Forces, einem General, 41 Soldaten und 49 Wachen lag vor einem Raum mit nur einem Häftling, der alt, zerbrechlich und sehr gefährlich war. Der komplette Raum verschwand in einem hellen Leuchten und hinterließ einen sehr undurchlässigen Lichtschleier.

Nach einigen Stunden wachten einige Soldaten wieder auf, andere blieben liegen und einige sahen sogar anders aus als zuvor. Ein Soldat, der das alles aus der Zentrale beobachtete, suchte nach dem General um zu schauen ob er noch lebte. Er musste ihn informieren, was die Kameras aufzeichneten und ihm unbedingt Bericht erstatten.

>> General? << rief er in den Haufen aus betäubten Soldaten.

>> Hier drüben Soldat. Konnte Grubich entkommen? << erklang es vom Boden.

>> Die Zelle ist weg, Sir. <<

>> Die ganze Zelle? <<

>> Nein, ein Löffel, Schinken, zwei Cocktails und ein Barmann wurden gefunden. Aufzeichnungen zeigen, dass ein solches Energiefeld, bisher nirgends in unseren Daten gemessen wurde und dass es das Gestein um den Raum, bevor er verschwand, zum Schmelzen brachte.

<<

>> Verdammt. Ich habe diesen alten Greis erneut unterschätzt. <<

Währenddessen ungefähr 2800 km weiter und 27 Neonröhren mehr:

>> Namen sind nicht so wichtig und meistens Schall und Rauch, wie Farben. Aber wenn sie es unbedingt wissen wollen. Ich heiße...<<

Kabumm!!!!!!

…Jemand hatte eine Plastiktüte aufgeblasen und sie platzen lassen. Dieser Jemand war der erste Mann von links, von den vier Männern die an der kleinen Bar saßen. Er fand es beträchtlich witzig, seine zwei schlafenden und äußerst betrunkenen Freunde mit dem Knall einer Plastiktüte zu wecken. Diese zwei Freunde sprangen aufgrund des Knalls auf und verprügelten den Mittelmann, bis alle reglos betrunken oder narkotisch verprügelt auf dem Boden lagen. Es war ein kleines Spektakel, für das man durchaus Eintritt hätte verlangen können. Am Schluss flog der vierte auch noch lachend vom Stuhl.

>> Also, wo waren wir stehen geblieben? << unterbrach der Barmann.

>> Sie fragten mich nach meinem Namen. Er ist nicht sehr filigran oder anmutig, aber er erfüllt seinen Zweck, er lautet… <<

Klirrrr!!!!

Nun trätierten sich die zwei, eben noch Schlafenden, auf dem Boden befindlichen Männer mit Bierkrügen. Die Männer schöpften neue Kraft durch den Niedergang des Strippenziehers, der vor Lachen eben auch auf dem Boden lag. Sie fingen an sich alles zu heißen. Sie boten sich einen Beleidigungswettkampf, wie man ihn noch nicht gehört hatte. Es war sagenhaft, geradezu magisch, wie in eine neue verbale Ebene vorgedrungen wurde. Es waren Ausdrücke wie "Zensiert" und "Zensiert" aber es ging auch weiter bis zum "noch mehr Zensiert" und erreichte die Ekstase bei Worten wie "Was sowas ist möglich? … Ich meine Zensiert". Nach einem extremen Duell, das im Unentschieden endete, schliefen alle vier auf dem Boden ihren Suff aus.

>> Harter Kampf, ich hoffe denen geht es bald wieder besser. Wäre schade, wenn ich wegen so viel Beleidigungen Kundschaft verlieren würde. << sagte der Barmann mit einem mütterlich-fürsorglichen Ton, wobei er noch kurz ein paar Sekunden in Erinnerungen schwelgte um sich dann wieder dem Mann zu widmen.

>> Ich kenne immer noch nicht ihren richtigen Namen. <<

>> Mein Name ist…<< Der Mann schweifte seinen Blick nach links und nach rechts und hielt kurz inne.

>> Warum haben Sie aufgehört zu reden? << wollte der Barmann wissen.

>> Ich will dieses Mal nur sichergehen, dass alles reibungslos verläuft und uns nichts stören könnte. Damit Sie auch wirklich meinen Namen erfahren. <<

Der Barmann ließ ebenfalls seinen Blick schweifen und währenddessen kratzte es dem Mann in der Kehle und er nahm einen kleinen Schluck seiner Milch, nicht dass es ihm die Stimme verschlagen würde.

Er schrie plötzlich auf.

>> Daf ift ja kofendheif. If glaub if habe meine Funge verbrannt. Aua.

Wer maft denn eine koffend heiffe Milch? Vor allem fteht fie ja fon eine Weile rum und überhaupt warum ift daf Glaf nicht fo heif? Daf ift doch. Arggh, aber damit ef endlich vorbei ift, mein Name ift Herr Ftrufert.<<

>> Herr Frufert also, ja? <<

>> Nein, Ftrufert. <<

>> Verstehe, also heißen Sie Fru-ferrt? <<

Wir nennen unseren Protagonisten jetzt einfach mal Frufert. Frufert wurde es zu blöd, und da er sowieso nicht viel von Namen hielt, nickte er und sagte:

>> Genau. Richtig, fo ift ef. Frufert. <<

Frufert ließ die Milch stehen, bestellte ein Glas Eiswasser und hing dann seine Zunge hinein. Es wäre ein Euphemismus, der an Rufmord grenzt, zu sagen, es hätte nur leicht gedampft als er seine Zunge in das kühle Glas hing.

Es verging Stunde um Stunde und der Schmerz schien sich langsam zu lindern. Der Mann war sehr froh aber gab aus bestimmten Gründen dem Barmann kein Trinkgeld. Wenn er jedoch gewollt hätte, hätte er es so oder so nicht können, da er auch kein Kleingeld mehr hatte und auf jeden Fall nicht nochmal auf das „Schlachtfeld von Taxenburg“ gehen wollte um sich zu vergewissern.

Es wurde immer später und die Nacht verlangte ihren Tribut. Die Betrunkenen „gingen“ heim und schworen sich, nie wieder zu trinken. Die Verliebten zogen sich entweder herzschmerzend oder glücklichverliebt zum neu erworbenen Partner oder alleine in ihr Domizil der Einsamkeit zurück. Die Unterhaltung, wie Bands und Tänzer forderten ihre Gage, und die Bar leerte sich langsam. Nun saßen nur noch der Stammtisch (mit den drei Stammgästen), der Mann, der die ganze Zeit „Banane" rief und Frufert in dem Club. Seine Zunge war nach der verstrichenen Zeit wieder halbwegs benutzbar.

>> Warum schreit dieser Mann an der anderen Seite der Bar eigentlich die ganze Zeit Banane? Nervt das Sie oder die Gäste nicht allmählich? << fragte Frufert neugierig mit einem leichten Schmerz in der Zunge.

>> Nein, man gewöhnt sich daran. Abgesehen davon ist er gar nicht so oft hier. Er ist Obstnatiker und glaubt an eine höhere Macht, die seines Anscheins nach eine Frucht sein muss, aber es kommen nur Beeren, Zitrusfrüchte und Nüsse in Frage, denn alles andere, meinte er, sei purer Schwachsinn und komplett inadäquat für einen wahren Obstgott. <<

>> Das klingt fast ein bisschen logisch. << sagte Frufert jetzt noch verwirrter als zuvor.

>> Aber wissen Sie, was ich glaube Frufert? Ich glaube, wenn es etwas gibt, dann gibt es dieses nur dann, wenn man daran denkt, dass es dieses geben könnte. << versicherte ihm der Barmann.

Frufert dachte gerade über diese Worte nach, als es einen riesigen Knall gab und alles von Funken, Holztrümmern und Cocktails erfüllt war. Wo gerade noch vor Frufert der Barmann stand, hing nun ein riesiger Metallklotz mit Stahlträgern und einer Tür in der Wand. Er wurde durch den Knall durch die Luft geschleudert und erhaschte gerade noch schnell einen Blick auf den Metallklotz und einen Korb voll mit, seiner Wahrnehmung zu urteilen nach, lachenden Zitronen, die vermutlich einfach nur alt waren und zur Dekoration rumstanden, oder vielleicht sogar etwas zu dem uniken Geruch des Flamingo Clubs beitrugen. Frufert prallte durch die Explosion mit seinem Rücken gegen die gegenüberliegende Wand und wurde sofort ohnmächtig.

Teil 1: Wenn die Chemie stimmt

Der atemberaubendste Empfang der Welt:

Tropf. Tropf. Tropf. Tropf.

>> Es sind immer vier Tropfen. So langsam habe ich die Kaffeemaschine verstanden. <<

ertönte eine Stimme in einem Raum, gefüllt mit Bildschirmen, Funksprechern und Schaltern. Im selben Raum stand auch ein Getränkeautomat, der die ganze Zeit flackerte und bei dem die Zahlen zwei und fünf auf dem Bedienfeld vertauscht waren. Das führte öfters zu Schreikrämpfen, da die 25 leckere Limonade war und Nummer 52 überteuerter Sauerkrautsaft. An der anderen Seite der Wand, gegenüber des Automaten, stand ein Schrank mit Waffen darin. Sie waren ziemlich verstaubt, weil keiner so dumm war ins Pronitz einzubrechen, da vor Jahren mal etwas geklaut wurde und das ein böses Ende für den Dieb eines Kugelschreibers war. Ein paar Meter entfernt von diesem Waffenschrank standen drei Wachmänner. Einem dieser Wachmänner namens Lukas Peroi gehörte diese Stimme.

>> Warum müssen wir eigentlich hier die wertvollsten und fortschrittlichsten Experimente und Prototypen bewachen, haben aber keine richtig funktionierende Kaffeemaschine? << fragte der zweite Wachmann, welcher etwas grimmiger aussah, vermutlich immer etwas zu nörgeln hatte und auf den Namen Joel hörte.

>> Das ist einfach! Wir dienen nur zur Versicherungsabdeckung. << meinte Lukas.

>> Versicherungsabdeckung? << erwiderte Joel.

>> Ja, es ist simpel. Die Firma hat gar keine Bedenken, dass jemand die Experimente, Prototypen und Geheimakten klaut, da sie nochmal durch Tresore, Bewegungsmelder und Selbstzerstörungsmechanismen gesichert sind. Obwohl das mit der Selbstzerstörung nicht mehr so toleriert wird vom Chef, da es vor zwei Jahren mal so „einen Vorfall“ gab, als jemand einen Kugelschreiber klaute, der Proteine erkennen konnte. Derjenige, der den Kugelschreiber klaute, schob ihn sich in die Brusttasche und verschwand aus dem Gebäude. Was er jedoch nicht wusste, war, dass jener Kugelschreiber nur unter der genauen Sauerstoffkonzentration stabil blieb, welche in diesem Gebäude herrschte. Augenzeugen berichteten, dass es das Grausamste war, was sie je zu Gesicht bekamen. Der Dieb saß ganz entspannt in der U-Bahn, als das Diebesgut langsam flüssig und heiß wurde und anschließend explodierte. Wie in einem Regen aus Thermit fing der Entwender erst an zu brennen, zu schreien und anschließend an zu schmelzen. Die Leiche sucht man heute noch, da sie mit dem Kugelschreiber durch ein Loch in der U-Bahn schmolz. <<

>> Langweilig und brutal! Ich wollte nur wissen, was es jetzt mit der Versicherungsabdeckung auf sich hat und nicht für tolle Geschichten du kennst. << brummte Joel genervt.

>> Naja, öhm. In Worte für Leute wie dich ausgedrückt: Wir sind da, damit die Versicherung im Nachhinein zahlen muss, falls etwas passiert. <<

>> Siehst du. War das so schwer? Ich wette dein Kaffee ist schon kalt und weck' mal Redo! Es scheint so, als würde die „Post“ endlich kommen. <<

Lukas nippte an seinem Kaffee und musste merken, dass er tatsächlich widerlich und kalt war. Da er jedoch Joel nicht den Sieg gönnen wollte, grinste er, trank die Kaffeetasse in einem Zug aus und weckte Redo, wobei er mit einem „dezenten" Kopfschütteln anfing. Es sah so aus als hätte Lukas einen epileptischen Anfall. Sein Kinn bewegte sich mit mindestens 4Hz, seine Augen kniff er zusammen als wollten sich die Lider gegenseitig auffressen, seine Stirn runzelte sich zu einem Berg-Tal-System der Klasse 10 zusammen, und seine Zunge ragte gerade so aus dem Mund heraus, dass ein Mensch mit extrem guten Augenmaß sagen könnte, dass der Bereich von Zungenspitze bis zu den Zähnen ungefähr 18% der Gesamtlänge der Zunge ausmachen würde.

>> Hat's geschmeckt? << lachte Joel.

Lukas schwieg und ließ die Wut an Redo aus, indem er ihn so heftig schüttelte, dass er nicht einmal bemerkte, dass dieser mittlerweile schon wach war.

>> Da mach ich einmal kurz ein Nickerchen und ihr Hampelmänner werdet gleich zu den Römern des Kaffees. Warum weckt ihr mich denn? <<

>> Die „Post“ ist da. << sagte Lukas beschämt.

>> Um diese Uhrzeit? Es ist 23:16 Uhr. Immer diese Chemiefabriken mit ihren dummen Sonderlieferungszeiten. Aber nun gut, ich mach ja schon auf. <<

Redo erhob sich aus seinem Stuhl ging zur Sprechanlage, zog drei verschiedene Karten durch ein Lesegerät an der Eingangstür und sagte >> Kommen Sie rein, ab jetzt ist das Tor 30 Sekunden offen. <<

Es trat ein älterer Mann mit einer Wanne voller Flüssigkeit ein, die auf einem Palettenheber stand. Redo, Lukas und Joel staunten. Die Wanne war oben mit einer Folie und einem Glasdeckel versehen, der viele kleine Luftlöcher hatte. Man hätte meinen können, dass etwas in dieser Wanne lebt. Es schien sogar fast so, als müsste etwas in der Flüssigkeit der Wanne atmen. Der ältere Mann, der zur Wanne dazugehörte, klang hingegen nicht so lebhaft atmend. Er klang erkältet und trug einen Schal bis über den Nasenrücken.

>> Sonderlieferung für das Labor. << sagte der Lieferant hustend.

>> Nanu, Sie klingen ja alles andere als gesund. Aber Gott sei Dank sind Sie so vernünftig und tragen den Schal bis über Ihre Nase. Ich habe ja gelesen, dass die meisten Bakterien über die Nase aufgenommen werden. << unterrichtete Redo ziemlich unwissend.

>> Außer man leckt an einem Toten. << versicherte der Lieferant mit kratziger Stimme.

Redo versuchte ein Lächeln zu heucheln und wechselte schnell das Thema zum eigentlichen Besuchsgrund des Mannes, da er merkte das Smalltalk hier eher wenig Früchte tragen würde.

>> Also, mein Kollege Joel hier und ich kümmern uns um den Aufzug, und mein anderer Kollege Lukas achtet darauf, dass Sie in der Zwischenzeit keinen Unfug anstellen. Verstanden? <<

>> So wird das wohl am besten sein. << hustete der Mann vor sich hin.

Redo und Joel schnappten sich aus der Rezeption, hinter der sie den ganzen Tag verbrachten, den Schlüssel für den Aufzug und gingen in Richtung Tür als Redo kurz stehen blieb und zu Lukas meinte, er solle aufpassen, denn dieser Typ sei ihm gar nicht geheuer.

Redo machte nochmal Augenkontakt zu Lukas und ging dann mit Joel zur Treppe um im 10. Stock des Gebäudes den Aufzug zu holen.

Lukas war nun ganz auf sich gestellt und alleine mit dem merkwürdigen Greis. Er wusste, dass dieser etwas plante, er wusste nur nicht was.

>> Junger Mann dürfte ich vielleicht kurz das WC bei Ihnen benutzen? <<

Lukas erschrak. Was sollte er tun? Er ließ sich viele Szenarien durch den Kopf gehen und er konnte nur eine Option akzeptieren. Er ließ den Greis aufs Klo gehen und schlich ihm dann hinterher, da auf der Toilette keine Kameras waren. Er nickte dem Greis zu, wodurch dieser schnell Richtung Toilette verschwinden wollte.

>> Moment ich muss Sie erst noch untersuchen. << wies Lukas den Greis zurecht.

>> Wenn Sie das müssen, dann sollten Sie das auch tun. << erwiderte der Greis ohne Sarkasmus anzudeuten.

Lukas zog aus seiner Gürtelhalterung einen Scanapparat und scannte damit den Greis von oben bis unten. Es piepste nicht. Er sah sich - um sicher zu gehen - das erstellte Bild an und erkannte auch dort keine potentielle Gefahr. Er war verunsichert und hatte irgendwie ein schlechtes Gefühl bei der Sache.

Plötzlich lehnte sich der Greis vor und fasste das Namenschild von Lukas an. Lukas reagierte sofort und griff dem Greis an das Handgelenk und stieß den Arm weg.

>> Was tun Sie da? Ich bin ein Security-Beauftragter, ich möchte Sie bitten mir Respekt gegenüber zu zeigen! << schrie Lukas den alten Mann an.

>> Verzeihung, ich wollte nicht unhöflich sein, es ist nur so, dass ich meine Brille nicht dabeihabe und ich so schlecht sehe. Also wenn wir noch einen schönen Abend verbringen wollen, dann brauche ich ihren Namen. << erklärte der Greis.

>> Einen schönen Abend verbringen? Sie sind ja ein komischer Kauz. Warum haben Sie denn nicht einfach höflich gefragt? Dort steht bloß Lukas drauf. <<

>> Wie untypisch. Normalerweise steht auf diesen Schildchen doch der Nachname, oder etwa nicht? <<

>> Normalerweise, aber wir stehen hier über der Norm. Wenn man unseren Nachnamen nicht kennt, dann sind wir sicherer. <<

>> Soso, über der Norm. Dürfte ich trotzdem freundlicherweise auf das WC? <<

>> Ich sag es nur ungern, aber ja, Sie dürfen. <<

Der alte Mann schaute Lukas ohne Ausdruck in den Augen an, ging zu seiner Wanne, steckte sich etwas in die Tasche und ging auffällig schnell zum WC.

Als die Toilettentür gegenüber der Rezeption zuging, hörte man ein Reißen von irgendetwas…

>> Das kann nicht wahr sein! << murmelte Lukas. Er bemerkte sofort, dass die Folie auf der Wanne gerissen ist. So schnell es ging stürmte er mit gezogener Dienstwaffe ins Herren-WC, das gegenüber der Rezeption und genau hinter der Wanne lag.

Er trat eine Kabinentüre nach der anderen ein, bis er den alten Mann komplett bekleidet, mit gefalteten Händen auf dem Schoß in einer der Toilettenkabinen sitzen saß. Lukas zielte mit seiner Waffe auf seinen Kopf und brüllte >> Hände hoch! <<

Der ältere Mann schlenderte ohne Sorgen mit seinen Händen über dem Kopf aus der Kabine heraus und sah Lukas in die Augen. Währenddessen ging die Türe des Herren-WCs wieder auf.

>> An die Wand. Hände nach oben und keine Spielereien! <<

Der Greis lehnte sich an die Wand, wie es ihm befohlen wurde und hustete Lukas entgegen:

>> Haben Sie Familie? <<

>> Das geht Sie gar nichts an! <<

>> Dachte ich es mir doch. Zu schade. Ihre armen Kinder werden Sie vermissen, wenn Sie mich jetzt nicht laufen lassen. <<

>> Sie bluffen doch nur. Sie lehnen hier an der Wand und haben eine Waffe auf Sie gerichtet. Was wollen Sie denn machen? <<

>> Lügen Sie nicht! Sie haben eine schwangere Frau. Es werden, lassen Sie mich überlegen, Zwillinge. Das eine wird ein Mädchen und das andere ein Junge, der im Alter Probleme mit Parkinson bekommt, wie Sie. << sagte der Greis stoisch und mit ernster Stimme.

>> So ein Unfug! << schrie Lukas mit verschwitzter Stirn und angebrochener Stimme. Er wusste genau, dass der Greis Recht hatte. Woher wusste er das mit den Zwillingen, er und seine Frau haben es bisher niemandem erzählt. Wie konnte der Mann so eine Information wissen?

>> Was sehen Sie, wenn Sie in den Spiegel schauen? << fragte der Greis ernst.

>> Ich falle doch nicht auf so lächerliche Versuche herein mich abzulenken! <<

>> Es scheint mir jedoch so, als würde es makellos klappen. Sagen Sie mir doch bitte, was Sie sehen, wenn Sie in den Spiegel rechts von Ihnen sehen? <<

>> Ich sehe einen aufrichtigen Wachmann, der gerade einen etwas verrückten alten Mann verhaftet. <<

Der ältere Mann bemerkte die Unsicherheit in Lukas und fing an zu grinsen.

>> Etwas verrückt? Ich fühle mich geschmeichelt. Schauen Sie doch mal genauer hin. Aber dieses Mal etwas detaillierter. Bitte, wir wollen doch nicht, dass Ihren ungeborenen Kindern etwas zustößt, wenn Sie nicht der aufrichtige Mann bleiben. Oder? <<

>> Sie sind krank! << schrie Lukas und war besorgt.

>> Aber, wenn es Ihren perversen Verstand glücklich macht. Dann bitte. <<

Lukas vergaß seinen überzeugenden Vorsatz sich nicht ablenken zulassen und in diesem Moment nicht nur seine sehr gute Grundausbildung, sondern ziemlich alles, außer den Gedanken an seine schwangere Frau. Er drehte sich mit dem Kopf zum Spiegel, behielt jedoch immer den Blick und seine Waffe auf den alten Mann gerichtet, der an der Wand stand. Er erschien so locker, dass man meinen hätte können es sei für ihn reine Routine, die einfach langsam abgearbeitet wird.

Eine To-Do-Liste für Wahnsinnige, wenn man so will und sie sähe wie folgt aus:

Immer ruhig bleiben

Verunsichern

Die Oberhand durch vermutlich wahre Drohungen gewinnen

Zuschlagen .

Der Mann drehte sich blitzschnell um und rannte auf Lukas zu. Ein Schuss....

Lukas schoss dem alten Greis so in den Schal, dass die Kugel an der linken Backe eine Streifschusswunde hinterlassen sollte.

Der alte Mann blieb stehen und fing stufenweise an laut zu klatschen.

Lukas war verwundert und wollte die Spielchen einfach hinter sich bringen. Perplex von der Agilität des vermeintlich alten, kranken Mannes schrie er ihn an.

>> Na schön du Verrückter, wenn das die letzten Worte sind, die du hören willst. Ich sehe einen Mann mit braunen Haaren, der eine Uniform trägt, einen sehr entschlossenen Gesichtsausdruck hat und dich deswegen gleich verhaftet oder tendiert schlimmeres zu machen, wenn du nicht aufhörst! <<

>> Tut mir Leid, Sie haben eine Kleinigkeit vergessen junger Mann.

Schauen Sie genauer hin und dieses Mal mehr in Richtung Ihrer Brust.

Ist das etwa Marmelade oder sind Sie verliebt? <<

Lukas sah in den Spiegel.

Rot.

Seine Uniform war rot. Er hustete. Alles war voll mit Blut. Er kippte um und röchelte auf dem Boden vor sich hin. Er bemerkte es nicht.

Durch das ganze Adrenalin im Körper und der zusätzlichen Ablenkung des alten Mannes bemerkte er es nicht. Er konnte es nicht fassen. Es fiel ihm nicht auf, dass er blutete. Er war doch kein Anfänger. Was ist passiert?

Der Mann ging zwei Schritte vor, kniete sich vor Lukas hin und nahm seinen Schal ab. Es stellte sich heraus, dass er die ganze Zeit eine Art Sauerstoffmaske trug, die bis kurz über die Nase ging, damit der Schal sie verdecken konnte.

>> Da Sie so brav mitgespielt haben und mich sogar überraschten Herr Peroi, passiert Ihrer Liebsten nichts. Aber Sie haben leider mein Gesicht gesehen und daher tut es mir fast schon leid einen so aufrichtigen Mann mit sehr entschlossenem Gesichtsausdruck zu töten.

Keine Angst Ihr Tod wird ehrenhaft und schmerzvoll sein. Man wird nicht über Sie lachen, weil Sie indirekt auf dem Herren-WC gestorben sind. Man wird Sie bemitleiden, da Sie einen grausamen und langsamen Tod von mir erdulden mussten. <<

Der Mann stand auf und lief mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck Richtung Tür als Lukas ihm plötzlich ins Bein schoss.

Der Greis schaute Lukas an und lachte laut und vergnügt los. >> Sehr gut Herr Peroi, in einem nächsten Mal vielleicht. Ich muss schon sagen, welch Heldenmut. Das war aber jetzt doch ziemlich dumm von Ihnen. Ich glaube ich tätige heute doch noch einen kleinen Besuch. << er lief trotz Schuss ins Bein normal weiter und fing teuflisch an zu lachen, so dass er fast daran erstickte.

Lukas sah Ihn mit reuevollen Augen an und röchelte: >> Wie werde ich sterben? <<

Der Mann wurde nun ernst und hörte innerhalb eines Wimpernschlags auf zu lachen währenddessen er sich zu Lukas umdrehte.

>> Ich erzähle Ihnen alles gerne von vorne, aber lassen Sie mich erst kurz mein Paket fachgerecht entsorgen. << der Mann ging aus dem Herren-WC.

Lukas lag nun da auf dem Boden des Herren-WCs. Regungslos vor Schmerzen, voller Reue, verzweifelt. Er wollte weinen, doch es ging nicht. Was würde nun aus seiner Frau und seinen ungeborenen Kindern? War es das wirklich alles wert? Das Risiko bei der Arbeit für das hohe Entgelt? Das Vertrauen, das man fremden Menschen gibt, weil man nicht einschätzen kann, wie gefährlich sie wirklich sind? Er würde einfach alles tun um seiner Frau zum letzten Mal „Ich liebe dich" zu sagen.

Der alte Mann kam wieder herein.

>> Seien Sie doch mal ehrlich junger Mann. Was denken Sie gerade?

Ich sollte das wissen nachdem wir so entscheidende Momente Ihres Lebens nun teilen. << er bückte sich und sah Lukas in die Augen. >> Soso. Das passt ja zu Ihrem Namen. Schöner Name. Der Helle, wenn ich mich nicht irre. Sieht selbst vor seinem Tod noch das Gute und Wichtige. Die Liebe, achja. Ich darf mich sicherlich auch vorstellen.

Sie werden merken, dass ich auch einen sehr schönen Namen habe.

Ich bin Prof. Dr. Delian Alfred Grubich. <<

Lukas Blick schwoll nun über mit Hass und Angst, aus der immer mehr Zorn wurde. Er wollte schreien, weinen und Gerechtigkeit fordern. Doch er konnte nichts von alledem. Seine Lunge blutete immer schlimmer und er erstickte phasenweise immer mehr an seinem eigenen Blut.

>> Da wir uns nun vorgestellt haben, kann ich Ihnen ja meine Tat erläutern. Also zuerst habe ich den Fahrer dieses Lieferwagens beseitigt. Nicht getötet, denn ich bin ja auch kein Unmensch müssen Sie wissen. Anschließend habe ich mir mit der Zugangs-ID von den Angestellten der Lieferfirma ein Paket zusammengestellt. Ich stellte es natürlich mit größter Hast zu, denn ich weiß ja wie unverzeihlich Verspätungen in der Paketindustrie sind. <<

Lukas Blick sagte nur noch eines aus: Hass.

>> Mein kleines Paketchen ist eine Wanne voll mit Trichlormethan, oder Ihnen eher geläufiger als Chloroform. Da ich nicht daran zweifle, dass Sie ein halbwegs gescheiter Mann sind, wissen Sie ja, dass man Chloroform in braunen Flaschen lagert. Was aber wenn nicht? Dann mein Lieber, dann wird die Wanne mit Chloroform unter Lichteinfluss zu Phosgen. Ich liebe eben den Geruch von gemähtem Gras und wollte Ihnen dieses Geschenk nicht vorenthalten. Ist es nicht furchtbar ironisch, während unser Gehirn es mit einem schönen Frühlingstag verbindet, verbindet es sich beim Einatmen über die Lunge mit den Alveolen und erzeugt Salzsäure, die langsam ihre Lunge zerfrisst. Es handelt sich, um genau zu sein, um ein Lungenödem. Ihre Lunge füllt sich langsam mit Blut bis Sie nicht mehr atmen können und mit etwas Glück haben Sie davor einen Herzstillstand, damit Sie nicht ganz so leiden. Es ist traurig, denn Sie scheinen in allem versagt zu haben. Ein schlechter Wachmann, ein schlechter Vater und Ehemann.... wie wohl der nächste Mann Ihrer Frau das sehen wird? Naja, ich gebe Ihnen noch ungefähr zwei Minuten. Aber ich muss jetzt weiter, Ihre Kollegen warten bestimmt schon auf ihre Geschenke und was wäre ich für ein Unmensch sie länger auf die Folter zu spannen. Machen Sie es gut, Herr Peroi. <<

Prof. Dr. Grubich verließ das Herren-WC und ließ die Tür offen, damit er nichts Falsches versprach was die zwei Minuten anbelangte. Lukas war am Ende, emotional und physisch. Er wusste dies waren seine letzten Sekunden, und er konnte nur an seine Frau denken. Er hustete weiter Blut, schaute auf den Boden, wie das Blut eine kleine Pfütze bildete… Tropf. Tropf. Tropf. Tropf.

Er dachte an die Kaffeemaschine, versuchte zu lachen und wurde ohnmächtig.

Der 10. Stock

Redo und Joel waren im dritten Stock, als Redo das heftigere Atmen anfing.

>> Bist auch nicht mehr der Jüngste, was Redo? << scherzte Joel.

>> Vielleicht ginge es mir besser, wenn du nicht provokativ die Treppenstufen mitzählen würdest. << schnauzte Redo zurück.

>> Wo ist denn der verdammte Aufzug? <<

>> Ich denke im fünften. Warte ich schau auf der Karte nach. << Joel zückte sein Mobiltelefon aus der Tasche und synchronisierte das Gebäude.

>> Hmmm. Das mit dem Fahrstuhl stimmt, aber… <<

>> Aber was? << unterbrach ihn Redo keuchend.

>> Etwas stimmt nicht in der Rezeption. Lukas scheint nicht zu antworten. Soll ich Phase 4 einleiten? << fragte Joel etwas nervös.

Der zuvor fast an Atemnot sterbende Redo stand nun trotz seiner korpulenteren Statur aufrecht, und man konnte keinerlei Müdigkeit in ihm mehr erkennen. Er war wie ausgewechselt. Als hätte man einen Darsteller aus einer Polizeikomödie mit einem Schauspieler aus [hier unrealistischen Actionfilm einfügen] ausgetauscht.

>> Los, ruf schnell nochmal Lukas an, wenn er sich innerhalb von 15 Sekunden nicht meldet, leitest du Phase 4 ein. Ich kümmere mich währenddessen um den Aufzug. <<

>> Hey Redo, riechst du das? <<

>> Echt bei der Arbeit und in deinem Alter, Joel? <<

>> Nein, ich meine, dass es hier irgendwie merkwürdig riecht. Süßlich.

Nach Heu oder so. <<

>> Nach Heu oder so? Schau doch einfach nach und verlass dich nicht auf deinen Riecher, es sei denn du bist mit einem Wellensittich verwandt. << scherzte Redo.

Joel zückte erneut sein Mobiltelefon und scannte das Gebäude.

>> Scheiße, leite schnell Phase 4 ein. Im Foyer ist eine riesige Konzentration von Phosgen in der Luft. Alles sofort abriegeln. <<

>> Lass mich schnell sehen. <<

Redo gab den Sicherheitscode in Joels Mobiltelefon ein, und das Erdgeschoss wurde komplett abgeriegelt. Er holte ebenfalls sein Mobiltelefon aus seiner hinteren Hosentasche und wollte den Code eingeben, als er sah, dass bei seinem Scan des Gebäudes alles okay zu sein schien.

>> Diese dumme Technik, mein Gerät spinnt. Lass uns lieber auf Nummer sicher gehen und im 10. Stock von der Kommandozentrale den Rest regeln. <<

Beide rannten nun die Treppen hoch, wobei Joel etwas hinter Redo lief, um die Treppen hinter ihnen in der Übersicht zu behalten.