Adam ohne Eva - Y. K. Shali - E-Book

Adam ohne Eva E-Book

Y. K. Shali

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Beschreibung

Bei dem Roman "Adam ohne Eva" handelt es sich um eine moderne, leicht skurrile Liebesgeschichte. Wie im alltäglichen Leben dreht sich alles um die ewige Suche nach der Zweisamkeit. Wer möchte nicht dem gewaltigen und allgegenwärtigen Monster der Einsamkeit entfliehen, ohne dabei seine eigene Identität über Bord zu werfen?

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Seitenzahl: 129

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Y. K. Shali

Adam ohne Eva

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

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Impressum neobooks

Kapitel 1

Den ganzen ersten Tag über war ich in meiner neuen Wohnung damit beschäftigt, die Sachen einzuräumen, die man im Laufe der Jahre angesammelt hat und bei einem Umzug so mit sich herumschleppt. Eigentlich musste ich nicht viel tun, weil ich das Appartement möbliert, inklusive Kücheneinrichtung, von den Vormietern gegen eine Abstandszahlung übernommen hatte. Am zweiten Tag ging ich froh und erleichtert darüber, das Gröbste geschafft zu haben, zur Arbeit.

Unterwegs machte ich mir Gedanken darüber, ob ich überhaupt eine Einweihungsparty geben sollte. Eigentlich war ich in dieser Stadt außer mit einem Arbeitskollegen mit niemandem sonst eng befreundet. Ich entschied mich daher gegen die Feier. Wen hätte ich auch einladen sollen?

Die jetzige Wohnung hatte ich mit Hilfe des besagten Kollegen gefunden. Er wohnte auch hier, in dieser ruhigen, nichtsdestoweniger besonders bei jungen Leuten sehr beliebten Gegend. Ich hatte mehr als sechs Jahre suchen müssen, um dieses komfortable und geräumige Appartement zu einem vernünftigen Preis zu finden.

An diesem Tag war mein Kollege nicht in unserer Firma erschienen. Da ich mir den Tag zuvor freigenommen hatte, kannte ich den Grund für seine Abwesenheit nicht. Vielleicht hatte er etwas Wichtiges vorgehabt. Nach Feierabend könnte ich auf dem Heimweg vielleicht bei ihm vorbeischauen und mich nach seinem Wohlbefinden erkundigen. Das tat ich dann aber doch nicht, denn einerseits schellte ich nicht gern bei anderen Menschen, andererseits vermutete ich, dass er mich abends von sich aus anrufen würde, um sich zu erkundigen, wie weit ich mit dem Einräumen meiner Habseligkeiten in der neuen Wohnung vorangekommen wäre.

Als ich die Tür zu meinem Appartement öffnete und den Flur betrat, hörte ich unerwartet ein Gespräch zwischen zwei Leuten. Ich erschrak zunächst sehr, aber sobald ich meinen Kollegen dort sah, beruhigte ich mich ein wenig. Mir fiel ein, dass ich ihm meinen Reserveschlüssel überlassen hatte. Wir hatten allerdings nicht abgemacht, dass er ohne Erlaubnis meine Wohnung betreten dürfe. Das musste ich unbedingt später, bei passender Gelegenheit, mit ihm klären. Jetzt wollte ich zunächst einmal wissen, was eigentlich hier los war.

Beim Betreten meiner Wohnung grüßte mich ein Unbekannter, der mein Appartement daraufhin hastig verließ. Anscheinend spürte er, dass seine Anwesenheit hier in keiner Weise erwünscht war. Mein Kollege stellte zwei Gitarren und einige weitere Musikinstrumente zur Seite und sagte:

»Er ist in Schwierigkeiten geraten und braucht dringend Geld. Ich habe ihm etwas geliehen. Diese Sachen hier hat er als Pfand dagelassen.«

Verdutzt fragte ich ihn:

»Wer ist dieser Kerl überhaupt? Kennst du ihn näher? Warum hast du ihn hierher gebracht?! Was habe ich denn mit diesem Pfand zu tun?«

»Was?!«, sagte er ebenso verwundert, während er mir misstrauisch in die Augen schaute. »Sag´ nur, du hast ihn nicht erkannt?!«

»Nein. Woher denn auch?! Ist er irgendeiner dieser neuen Popstars, die zurzeit wie Pilze aus dem Boden wachsen?«

Einen Augenblick starrte er mich mit vor Verwunderung weit offen stehendem Mund und weit aufgerissenen Augen an, erklärte dann umständlich:

»Er hat gesagt, er wäre ein Freund von dir. Er hat bei mir geschellt, sich vorgestellt und von seinem Problem erzählt. Er traue sich nicht, mit dir über Geld zu reden. Seine Sachen habe er schon vorher in deine Wohnung gebracht. Ich bin mit ihm hierhin gekommen, habe die Pfandsachen gesehen und ihm daraufhin das Geld geliehen.«

»Was soll das?! Er soll mein Freund sein?! Ich kenne ihn gar nicht. Von wem hat er den Schlüssel? Woher hat er das Recht, seine Sachen hierher zu bringen?!«

Sein Gesicht wurde plötzlich blass. Leise, nachdenklich und ein wenig kleinlaut fügte er hinzu:

»Warum regst du dich so auf? Du hast ihm den Schlüssel doch selbst gegeben, oder etwa nicht?!«

»Hä?! Von mir? Machst du Witze? Ich habe gerade mit meinem eigenen Schlüssel die Tür aufgeschlossen. Den zweiten hast du und einen weiteren gibt es nicht.«

Ich hörte auf weiter zu reden, um meinen einzigen Freund und Kollegen im Eifer des Gefechts nicht zu verletzen. Am liebsten hätte ich gesagt, dass es keine gute Idee gewesen sei, ihm den Reserveschlüssel zu überlassen, weil er einfach einen Fremden samt seiner Sachen in eine fremde, nämlich meine, Wohnung gelassen hatte.

»Ja, tatsächlich. Du hast recht. Für meine Wohnung habe ich auch nur zwei Schlüssel von der Wohnungsgesellschaft ausgehändigt bekommen«, bestätigte er verlegen.

»Es ist nicht so schlimm. Geschehen ist geschehen. In Zukunft sprich so etwas aber bitte vorher mit mir ab!«

»Es tut mir leid! Es tut mir wirklich leid! Ich bin anscheinend reingefallen! Ich hätte überhaupt nicht mit diesem Typ hierher kommen dürfen! Ganz leichtsinnig von mir. Das gibt es doch nicht! Nein, das darf nicht wahr sein! Ich glaube, ich bin im falschen Film!«

»Ich genauso wie du auch. Ach, was soll´s! Wir vergessen das Ganze einfach. Komm´…«

Ich nahm meine Zigarettenschachtel aus der Tasche und bot ihm zu Versöhnung eine Zigarette an.

Einen Tag später kam mein Kollege in der Firma unvermittelt auf mich zu. Sein Verhalten mir gegenüber war kalt und abwesend. Er gab mir den Reserveschlüssel zurück und sagte, dass dieser besser bei mir oder jemand anderem aufgehoben sei, denn es sei möglich, dass er eventuell nicht da wäre, wenn ich den Schlüssel einmal dringend bräuchte. Ich wusste, dass dies nur eine Ausrede war. Obwohl ich am Tag zuvor nichts Unfreundliches zu ihm gesagt hatte, überkam mich das Gefühl, ihn mit meinem Verhalten gekränkt zu haben. Also entschuldigte ich mich dafür. Mein Freund erwiderte gelassen:

»Vergiss es! Du hast doch nichts Schlechtes zu mir gesagt.«

»Und warum bist du dann so gekränkt, dass du mir den Schlüssel zurückgibst?«

»Den Grund dafür habe ich dir doch genannt.«

»Wie du meinst», sagte ich enttäuscht. »Was soll ich mit den Pfandsachen von diesem Kerl denn jetzt machen?«

Er schwieg kurz, antwortete dann nachdenklich:

»Wenn er kommt, gib´ sie ihm bitte zurück. Mein Geld brauchst du nicht von ihm zurückzu­verlangen. Falls er es dir gibt, nimm´ es, wenn nicht, dann soll er bleiben, wo der Pfeffer wächst. Es war mein Fehler, dass ich mit ihm in deine Wohnung kam, aber glaub´ mir, er hatte einen eigenen Schlüssel. Bevor ich mit ihm in deine Wohnung ging, hatte er schon seine Sachen bei dir abgestellt.«

»Na gut. Ich muss mich wohl an die Wohnungsgesellschaft wenden, die mir diese Wohnung vermittelt hat. Außer mir darf niemand einen weiteren Schlüssel besitzen. Selbst ein Schlüsseldienst dürfte ohne eine besondere Genehmigung den Schlüssel nicht einfach so nachmachen …«

Er unterbrach mich und bemerkte desinteressiert:

»Das ist deine Sache. Ich habe genügend eigene Probleme.«

Ich betrachtete ihn genauer. Er sah betrübt und nachdenklich aus. Besorgt fragte ich ihn:

»Was für Probleme hast du denn? Möchtest du darüber reden?«

Er antwortete lakonisch:

»Nichts. Da ist nichts.«

»Komm´, erzähl´ schon!«

»Ach, nichts. Ich muss jetzt wirklich!«, antwortete er, indem er Anstalten machte zu gehen. Ich drängte mich aber weiter auf und ließ mich nicht so schnell abwimmeln:

»Was ist mit dir los? Du siehst total verändert aus. Kann ich irgendwas für dich tun?«

»Nein, danke! Wirklich nicht. Mach´s gut! Frag´ einfach nicht weiter nach!«

Mit einem verkrampften Lächeln im Gesicht entfernte er sich von mir.

Kapitel 2

Als ich abends nach Hause kam, fühlte ich mich miserabel. Ich hätte die Pfandsachen am liebsten zertrümmert, aber ich konnte mich gerade noch bremsen. Es hatte keinen Sinn, wenn ich meine Wut gegen ein paar einfache Gegenstände richten würde. Ich musste abwarten und den Dingen ihren freien Lauf lassen.

In dieser Nacht konnte ich kaum schlafen. Einerseits ärgerte ich mich über mich selbst, weil ich meinen besten Freund gekränkt hatte, andererseits war ich wiederum von ihm darüber enttäuscht, dass er sich wegen eines solch lächerlichen Missverständnisses so schnell beleidigt fühlte.

Am Tag darauf erschien mein Kollege wieder nicht zur Arbeit. Auch an den folgenden Tagen war von ihm nichts zu hören und zu sehen. Ich fühlte mich verpflichtet, bei ihm zu Hause anzurufen, aber ich erreichte ihn nicht. Abends, auf dem Heimweg, schellte ich mehrmals an seiner Wohnungstür. Keine Spur von ihm. Ich schellte verzweifelt bei seinen Nachbarn. Zwei von ihnen meldeten sich durch die Gegensprechanlage. Ich fragte, ob sie vielleicht zufällig meinen Freund in den letzten Tagen gesehen hätten. Sie antworteten wortkarg „Nein“ und legten sofort den Hörer auf. Niemand gab sich Mühe, die Tür zu öffnen, um nachzuschauen, wer im Flur stand und worum es überhaupt ging. Einen Moment lang dachte ich daran, die Polizei zu benachrichtigen, da die Möglichkeit bestand, dass ihm etwas zugestoßen sein könnte. Ich stellte mir vor, wie Menschen in ihren eigenen Wohnungen sterben und erst Wochen später, wenn sich der Verwesungsgeruch bereits im ganzen Haus ausgebreitet hatte, gefunden wurden. Obwohl diese Vorstellung mich ängstigte, entschloss ich mich trotzdem, vor dem nächsten Morgen nichts zu unternehmen. Zuerst wollte ich mich bei unserem Vorgesetzten nach ihm erkundigen. Vielleicht hatte er sich nur ein paar Tage Urlaub genommen.

»Ja. Bestimmt ist er irgendwo im Urlaub und ich, der dümmste Esel persönlich, mache mir unnötige Sorgen um ihn!«, flüsterte ich vor mich hin, beruhigte mich auf diese Weise und schlenderte langsam nach Hause.

Als ich die Tür meines Appartements aufschließen wollte, merkte ich plötzlich, dass ich vor einer fremden Wohnung stand. Die Tür war mit bunten Papierblumen geschmückt. Aus der Wohnung ertönten laute Musik und die Stimmen einiger Menschen, die sich offensichtlich gut zu amüsieren schienen. Hier fand offenbar gerade eine Party statt. Beschämt über meine Gedankenlosigkeit, dankte ich Gott dafür, dass ich den Schlüssel noch nicht in das Schloss gesteckt, und niemand meine Dummheit bemerkt hatte. Schnell stieg ich in den Aufzug und drückte den Knopf meiner Etage, aber nichts bewegte sich. Wiederholt drückte ich den Knopf. Noch immer passierte nichts. Endlich nahm ich wahr, dass ich bereits auf meiner Etage war. Mir fiel spontan ein, dass es sinnvoll wäre, einen Blick auf das Namensschild neben der Tür zu werfen. Tatsächlich stand da mein Name!

Nach kurzem Zögern wagte ich nun, den Schlüssel ins Schloss zu stecken. Ich drehte ihn vorsichtig und noch ein wenig unentschlossen um. Wie gewöhnlich öffnete sich die Tür. Ja, ich sah richtig, das war meine Wohnung. Aber dort, in meiner Wohnung, waren unbekannte junge Frauen, die tanzten, tranken und sich laut miteinander unterhielten!

»Was ist hier los?! ... Was macht ihr in meiner Wohnung?!«, schrie ich fassungslos.

Durch mein Gebrüll wurden die Frauen augenblicklich still. Aus einer Ecke des Zimmers erschien der Mann, der vor ein paar Tagen ohne mein Wissen seine Sachen hierher gebracht hatte. Im Gegensatz zu unserem ersten Treffen schien sich dieser Eindringling jetzt sehr über unser Wiedersehen zu freuen.

»Na, habe ich es nicht gesagt?! Mit ein paar Minuten Verspätung ist unser Mitbewohner endlich da!«, sagte er zu den anderen, während er mich anlächelte. Verblüfft fragte ich:

»Wer seid ihr? Wer hat euch erlaubt, in meine Wohnung zu kommen?«

Ohne mich weiter zu beachten, nahm der Mann die Hand einer jungen Frau und fing fröhlich an zu tanzen. Die anderen Frauen umringten mich und versuchten kokettierend, mich dazu zu bringen, ebenfalls mitzumachen. Wütend stellte ich die Stereoanlage aus, woraufhin die Leute gezwun­gener­maßen mit dem Tanzen aufhörten.

»Können wir einen Augenblick vernünftig wie kultivierte Menschen miteinander reden? Was macht ihr hier in meiner Wohnung?«, wiederholte ich.

»Sieh´ mal einer an, wie stolz er auf sich ist! Nur, weil er eine Arbeit hat, gutes Geld verdient und sich eine große Wohnung in einer teuren Gegend leisten kann, bildet er sich ein, kultiviert zu sein! Hahaha…«, bemerkte der Mann.

»Komm, nimm bei mir Platz, Herzchen!«, umgarnte mich schäkernd eine junge Frau.

»Nein, komm her zu mir!«, sagte eine andere.

»Hahaha… ist der aber süß!«, meinte eine zu den anderen.

»Nicht ganz. Schau mal, wie ernst er aussieht!«, erwiderte eine von ihnen.

»Stell´ dich nicht so an!«, giftete die erste junge Frau plötzlich.

»Gefalle ich dir etwa nicht?«, fragte mich gekränkt die Zweite. Wieder eine andere forderte mich mit sanfter Stimme auf:

»Komm´ her zu mir und lass uns plaudern! Erzähl´ doch mal etwas über deinen Arbeitstag heute!«

Eine deutlich jüngere Frau, die etwas reserviert aussah, schlug mir vor:

»Komm´! Wir gehen zusammen raus! Mir gefällt es hier auch nicht so besonders.«

»Du Spielverderberin!«, meckerte eine andere scherzhaft.

»Lass´ bitte wieder Musik spielen! Ohne Musik ist es einfach öde und langweilig!«, bat mich eine weitere.

»Komm´ Mann, genieß es doch einfach! Hast du schon jemals solche hübschen Mitbewohnerinnen gehabt?!«, sprach mich der einzige Mann unter diesen fremden Eindringlingen wieder an.

»Lasst mich einfach in Ruhe!… Raus aus meiner Wohnung! Raus jetzt! Ich werde gleich die Polizei holen …«, brüllte ich entnervt.

Alle lachten laut. Ich ging zum Telefon. Als ich den Hörer abhob, deutete eine der Frauen mit einem süffisanten Lächeln auf das lose Telefonkabel. Ich drohte vor Wut zu platzen.

»Schweinerei! Wo auf der Welt gibt es denn so etwas, dass Unbekannte sich in die Privatsphäre eines Menschen einschleichen und derartige Dinge anstellen?! Nee! Nee, nee! Das alles hier kann doch wohl nicht wahr sein! Ich bin bestimmt im falschen Film! Oder ich träume vielleicht?«, dachte ich verzweifelt und rieb mir mit den Händen die Augen. Nein, es war kein Traum.

»Oh, er ist müde!«, stellte eine der Ruhestörerinnen fest.

»Ja, tatsächlich! Er sieht total müde aus«, bestätigte spöttisch eine andere.

»Jetzt schon?«, äußerten sich einige der Quälgeister amüsiert.

»Wir müssen ihn dann irgendwie wach kriegen. Sonst ist unser Abend verdorben«, schlug eine der jungen Frauen vor.

»Ja! Keine schlechte Idee!«, juchzte eine andere.

Auf einmal kamen einige der jungen Dinger auf mich zu und fingen an, mich wie wild zu kitzeln.

»Nein! Nein!«, schrie ich laut und versuchte, mich mit Händen und Füssen, zu wehren. »Lasst mich los! Verdammt noch mal! Hört bitte auf! Naaa… Ohh… haha hehe…«

Jeder Widerstand war zwecklos. Ich war ihnen hilflos ausgeliefert und konnte mich weder richtig wehren noch überhaupt nachdenken. Mein Gott, was war denn nur mit mir los?! Trotz meiner ungeheuren Wut, musste ich plötzlich laut loslachen:

»Hört auf! Hehe haha hehe… Bitte nicht! Bibibit… Hehe haha… Bi… Bitte, bitte nicht! Heh… Hört auf!…«

Mit großer Mühe gelang es mir endlich, mich von ihnen zu befreien. Darauf lief ich erst in die Diele, dann direkt in Richtung der gegenüberliegenden Wohnungstür.

Kapitel 3

Dort im Hausflur wartete eine neue Überraschung auf mich. Unglaublich! Als ob ich in einem unbekannten Gebäude und zwar vor einer ganz fremden und noch nie zuvor bemerkten Tür stünde! Ich schaute schnell zu meiner eigenen Wohnungstür.

»Nein. Ich bin hier doch richtig. Außer diesem scheiß Papierschmuck an meiner Tür ist mir alles bekannt. Ich wohne hier. Ja, das da ist mein Namensschild. Aber … aber diese Farbe … Warum ist mir diese neue Farbe an der Tür der Nachbarn vorher nicht aufgefallen?! Wie dumm, dämlich und unaufmerksam ich bin?! Die Farbe der Tür ist nicht dieselbe, die ich beim Einzug gesehen habe. Ja, sie haben die Tür neu gestrichen. So einfach ist das. Schell doch!«, dachte ich und drückte den Klingelknopf.

In diesem Appartement lebte ein Ehepaar mittleren Alters. Ich hatte die Beiden schon einige Male im Aufzug gesehen. Sie schienen ruhig und anständig zu sein. Immer, wenn sie mich sahen, lächelten sie mich freundlich an.

Gegen meine Erwartung öffnete ein muskulöser junger Mann die Tür und brummte mit geschwollener Brust:

»Hei! Komm´ rein! Die Bedingung kennst du. Erst zahlen, dann …«

Fassungslos unterbrach ich ihn:

»Verzeihen Sie die Störung! Dürfte ich bitte Ihr Telefon benutzen?«