Adlernebel - Carolin Rother - E-Book

Adlernebel E-Book

Carolin Rother

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Beschreibung

Adlernebel ist ein magischer Nebel, in dem neue Sterne geboren werden, Lichtjahre von der Sonne entfernt. Weit, weit weg von der Erde und so auch von Charlotte, die damit klarkommen muss, dass ihr liebster Stern gestorben ist. Charlotte versucht mit allen Mitteln das zu vergessen! Aber stirbt ein Stern wirklich oder wird er nur irgendwann wieder unfassbar und scheint nur so unerreichbar fern wie der Adlernebel?

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Seitenzahl: 43

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Carolin Rother

Adlernebel

Novelle

© 2018 Carolin Rother

Verlag und Druck: tredition GmbH, Hamburg Bildquelle: Pixabay freie Bilder: https://pixabay.com/de/baumnatur-landschaft-3302829/

ISBN

Paperback:978-3-7469-3147-0

Hardcover:978-3-7469-3148-7

e-Book:978-3-7469-3149-4

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung

Für meine geliebte Trattln ;)

Es war mitten in der Nacht, als das Telefon klingelte. Kaltes Mondlicht schien durch die Vorhänge zum Fenster herein und tauchte mein Zimmer in ein diffuses Licht, das die Möbel weitgehend unsichtbar ließ. Noch halb schlafend versuchte ich mich zu orientieren. Meine Hand ging wie von allein zum Wecker und drückte: halb zwei! Wer um Himmels Willen rief denn um diese Zeit an? Das Telefon klingelte wieder, laut und fordernd. Ein Geräusch das ich jetzt nachts nicht ertragen konnte. Müde schwang ich die Beine aus dem Bett und zitterte sogleich. Im Gegensatz zu der warmen Bettdecke war das Zimmer eisig. Eine Gänsehaut bildete sich auf meinen Armen. Ich versuchte so schnell wie möglich aufzustehen, was wenn der Anrufer irgendetwas Dringendes zu berichten hatte?

„Bin ja schon da, bin da “murmelgrummelte ich vor mich hin als ich mich Richtung Flur tastete.

„Mist, verdammte Scheiße “fluchte ich dann laut, ich hatte mir meinen kleinen Zeh an der Schlafzimmertür gestoßen und der Schmerz schoss rot durch meinen ganzen Körper Das Telefon aber klingelte weiter. Ich versuchte also meinen pochenden Zeh zu ignorieren und ging, etwas humpelnd, in den Flur, knipste das Licht neben dem Telefon an und nahm dann endlich den Hörer ab, inzwischen ängstlich, was mich am anderen Ende erwartete:

„Ja, hallo, Charlotte hier, wer ist denn da? Was ist denn los?“

„Charlotte, Schatz?“

Das war die Stimme meiner Mutter und auch nicht, denn sie klang seltsam verzerrt, tränenerstickt. Ein eisiger Schauer rieselte durch mich hindurch und ich sah wie meine Hand, die das Telefon hielt zu zittern begann. Sie wurde eiskalt. Ich schluckte hart, hielt den Atem an.

„Kannst, kannst du zum Krankenhaus kommen, bitte. Zia, Zia hatte einen Unfall, sie sie ist im OP.“

Zia schoss es mir durch den Kopf, mit allem hatte ich gerechnet, aber nicht, dass meiner Schwester etwas zugestoßen sein könnte.

„Ich komme sofort Mama, in welchem Krankenhaus seid ihr?“

„Im Evangelischen“.

Ich legte auf und war ab dann wie ferngesteuert, ein klarer Teil von mir übernahm, griff den Zettel des Taxiunternehmens der hinter dem Spiegel überm Telefon klemmte, wählte, bestellte ein Taxi zum Krankenhaus, zog eine Jogginghose an, anstatt der kurzen Pyjamahose, und eine rote Pulloverjacke über das T-Shirt, in dem ich geschlafen hatte, nahm eine Tasche, verstaute Schlüssel, Handy, Portemonnaie darin, zog noch eine Winterjacke über und ging dann vors Haus in die kalte Nachtluft hinaus, die nach Schnee und Sternen roch. Das Taxi sollte in fünf Minuten da sein. Noch nie waren mir fünf Minuten so lang vorgekommen. Alles war so unwirklich, was ich hier tat. Mitten in der Nacht stand ich vor meinem Gartentor. Der eisige Wind bewegte raschelnd ein paar Blätter, in der Ferne hörte man die Autobahn rauschen, die Sterne funkelten, ebenso der Schnee. Die Laternen waren schon ausgeschaltet. Die restliche Welt schlief.

Ich trat von einem Fuß auf den anderen. Mein Verstand verweigerte mir den Dienst. Morgen würde ich doch bestimmt aufwachen und alles würde so sein wie immer, ich würde mit Zia telefonieren und scherzen…es würde nichts allzu Ernstes sein, sagte mein Verstand. Ich war mir bewusst, dass er mir etwas einredete, dass ich mir etwas einredete. Natürlich konnte es ernst sein, Mama hatte sehr verzweifelt geklungen. Das war halt diese blöde Ernsthaftigkeit des Lebens. So etwas passierte nicht nur in Filmen und Büchern, es passierte auch jetzt und hier, auch Zia und mir, wir waren so verdammt verletzlich.

Das Taxi kam an den Bordstein gefahren während ich dachte und dachte und ich stieg ein, ich erinnere mich noch, dass der Taxifahrer mir einen seltsamen Blick zuwarf, als würde er wissen, dass etwas ganz und gar nicht stimmte, fuhr ich ja auch nachts in Joggingsachen zum Krankenhaus. Er musste kein Genie sein, um zu wissen, dass ich nun wohl einer der Pechvögel war, in dessen Leben das Schicksal brutal zugeschlagen hatte.

Ich erinnere mich, dass er eine blaue Baseball-Cap trug und ich noch dachte: genau so eine wie Luke aus Gilmore Girls immer trägt, und schon fast lächelte, als mich ein kalter Stich zurückbrachte, mich wieder wissen ließ, dass dies hier ganz und gar grausam war. Und ich schaltete ab, die Fahrt zum Krankenhaus ab dann bekam ich kaum mehr mit und als ich ankam standen Mama und Papa vor dem Krankenhaus und ich wusste das war kein gutes Zeichen, sie weinten, sie sahen mich, sie weinten mehr. Mama streckte die Arme zu mir und ich guckte verloren von Einem zum Anderen, meine Augen kamen mir riesengroß vor, sie versuchten die Ausdrücke meiner Eltern zu lesen, zu deuten. Ich atmete nicht mehr. Was ist los, wollte ich schreien, aber ich sagte nichts, ich schluckte.

„Schatz“, sagte Papa mit einer Stimme, die ich noch nie an ihm gehört hatte und einem Blick, der sich mir tief in die Seele brannte.