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ÄHNLICHgeist. Ähneln wir uns nicht alle!? Kann nicht jede*r jede*n im richtigen Moment inspirieren!? Genau das merken der melancholische Bastian, Dauersorgenkind Manuel und Bastians verwitwete Althippie-Omi Margarethe. Doch warte mal - ist Margarethe nicht eigentlich tot!? Ein mysteriöser Brief nimmt die drei Alltagsheld*innen mit auf eine amüsante Dreiecksbeziehung und entpuppt sich als heilsame Therapie.
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Seitenzahl: 74
Veröffentlichungsjahr: 2020
In Liebe meinen wundervollen Eltern, Bruder und Schwestern und allen Menschen, denen ich auf ehrliche und unverblümte Weise begegnen durfte.
Tobias Schill
ÄHNLICHgeistfür immer RETRO!?
© Tobias Schill, 2020
Autor: Tobias Schill
Verlag und Druck: tredition GmbH, Halenreie 42, 22359 Hamburg
ISBN:
978-3-347-05864-4 (Paperback)
978-3-347-05865-1 (Hardcover)
978-3-347-05866-8 (e-Book)
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Wenn MENSCH das Leben anlächelt, lächelt es manchmal auf wundersame Weise zurück.
I
Ein Buch schreiben. Das wär´ mal was Besonderes, träumte Bastian früh morgens, als er wach lag und vor sich hindämmerte. Ein richtiges Buch. Lustig. Und spannend. Trotzdem leicht zu lesen. Kein so Wälzer natürlich. Mehr so - naja … ein Buch für alle halt, plante er eifrig. Während er sich langsam und vorsichtig aus dem Bett wandte und leise ins Bad tänzelte, um seine süße Freundin Nina neben ihm nicht zu wecken, ließ er seinen hehren Gedanken freien Lauf. Bilder von gefeierten und gefallenen Helden und Heldinnen, bunteste Plätze, zahme und wilde Tiere - ganze Universen - huschten und kreisten und piepsten vor seinem inneren Auge. Er war auf einmal so munter und hippelig, dass er die defekte Klospülung komplett vergas. Uuups! Glück gehabt, dass Nina noch schlief. Er hatte ihr schon lange versprochen, sich um das nervige Problem kümmern zu wollen. Jetzt blieb ihm noch kurz Zeit nach unten zu laufen, einen Eimer zu holen und den Brei hinunterzuspülen. Sie würde nichts mitbekommen. Bastian musste lachen und flüsterte vor sich hin: „Wär‘ doch eigentlich ein witziger Aufhänger für meine Geschichte!“
Warum er sich so urplötzlich für Bücher interessiere, fragte Nina, als das junge Paar später beim klassischen Lieber-Länger-Schlafen-als-Früher-Aufstehen-Turbo-Frühstück saß. Bastian hatte ihr soeben von seinem kühnen Vorhaben erzählt. Hmmmm … das wüsste er auch nicht so genau. Er habe heute früh einfach einen sehr reellen Bücher-Traum gehabt, so eine Art Eingebung. „Ich will halt einfach mal was Besonderes tun“, prophezeite er und gestikulierte theatralisch. „Und für ein Buch braucht man ja nicht viel … nur Papier und Stift!“ erklärte er euphorisch. „Wie wär’s mit einem bildhaften Geist, Einfühlungsvermögen und einem Hang zu Einsamkeit!? Und ein ausgeprägtes literarisches Vorverständnis hilft natürlich auch,“ dozierte die clevere Nina amüsiert. Doch Bastians Euphorie hielt Stand. Er wolle einfach mal losschreiben und sich allmählich von einem Gedanken zum nächsten vortasten, philosophierte er und nippte an seinem Espresso, um Nina nicht anblicken zu müssen. „Na gut“, witzelte seine bei-allen-beliebte Freundin. „Und was für ein Buch?“ „Ein lustiges,“ antworte er reflexhaft. „Ein lustiges also. Okay … und welches Genre?“ hakte Nina nach. „Welches was?“ nuschelte Bastian über den Rand seiner Kaffeetasse. „Na welches Genre!?“ wiederholte sie und wischte dabei über den Küchentisch. Dass du nicht einmal mit putzen warten kannst, bis wir fertiggefrühstückt haben, hätte ihr Bastian gerne gesagt, verdrängte seinen Impuls aber wie sooft. Stattdessen ergänzte Nina: „Ich spreche von literarischen Gattungen: Liebesroman, Fantasiegeschichte á la Harry Potter oder wie wär´s mit einer Biographie? Knuffi, was ich meine ist: was für eine Sorte von Buch?“ „Einfach eine humorvolle Geschichte,“ schloss er. Nähere Gedanken habe er sich noch nicht gemacht. „Verstehe. Hätte mich jetzt auch schwer gewundert,“ stellte Nina fest und klang dachte-ich-mir-schon-haft. „Bin ja erst am Anfang meiner Ideen,“ wehrte sich Bastian. „Weiß schon. Na dann keep-me-up-to-date. Aber vergiss dein Praktikum nicht. Ich muss los.“ Nachdem sie das Geschirr in die Spülmaschine geräumt hatte, gab Nina ihrem Knuffi noch einen flüchtigen Wangenkuss und wollte gerade losgehen, als ihr noch etwas einfiel: „Hast du eigentlich den Klempner informiert? Nicht das einer von uns noch aufs Klo geht und die kaputte Spülung vergisst.“ erinnerte sie Bastian neunmalklug. „Bitte sag´ nicht immer Klempner … Das ist ein sehr seriöser handwerklicher Beruf! Werd´ mich nach dem Frühstück darum kümmern“, antwortete Bastian verlegen und probierte so natürlich wie möglich zu klingen. Nina lächelte nochmal kurz - es war ihr typisches hab-ichs-doch-gewusst Lächeln, wenn ihr verplanter Freund etwas vergas - dann war sie weg. „Wünsch‘ dir einen schönen Tag!“, hauchte Bastian vor sich hin. Lauter brachte er es nicht heraus. Denn nachdem Nina die Wohnung verließ, verfiel er in eine kurze Trance. Weshalb hinterließ seine Süße wieder so ein merkwürdiges Gefühl von Enge im Raum und vor allem in ihm? Egal jetzt! Jetzt war keine Zeit für Drama. Er schleppte sich nochmal ins Bad - diesmal würde er an die Spülung denken - hing sich seinen geliebten selbstgenähten Turnbeutel um und trabte los. Ohne davor einen Handwerker zu kontaktieren.
Welches Genre? Lustig? Klar, eine Komödie. Ist das ein Genre, rätselte Bastian jetzt in der einmal mehr dichtgedrängten Bahn. Glücklicherweise musste er die Tram nur einmal wöchentlich beanspruchen. Nämlich freitags. Er mag es einfach nicht, an Pläne oder Uhrzeiten gebunden zu sein. Daher gefiel ihm der Gedanke des Buches umso mehr. Einmal die Möglichkeit haben, etwas frei nach Belieben zu gestalten. Denken ins Offene, träumte er und fragte sich, wo er diesen Gedanken schonmal gelesen hatte? Welches Genre also? Direkt nach dem Gruppentreffen - hoffentlich hatte die quirlige Paula heute nicht wieder so viele Fragen und es dauerte nicht so lange - wollte er in die Stadtbibliothek gehen. Dort erhoffte er das von Nina vorgeschlagene literarische Vorverständnis zügig zu erarbeiten und sich anzueignen und danach hieße es Wochenende und er konnte endlich losschreiben. Das hippelige Kind in ihm blühte auf. Es klang alles nach einem guten Plan. Doch was wäre ein Buch mit fehlerfreiem Plan? Eben! So kam alles anders, als Bastian sich das ausgemalt hatte. Schreiben durfte er tatsächlich; nur nicht an seinem Buch.
Bastian war kürzlich süße 23 geworden, als seine ein Jahr jüngere Freundin Nina nach zweieinhalb Jahren Beziehung beschloss, dass der richtige Moment für die erste gemeinsame Bleibe gekommen ist. So suchten Ninas geschäftstüchtige Eltern eine schicke und moderne Wohnung für ihren kleinen Engel und ihren etwas-anderen Partner heraus, wie die beiden Bourgeoises das bei jeder Gelegenheit betonten. Bis heute - nach den ersten beiden Monaten - probiert Bastian sich an das Wohnen in der luxuriösen 4-Zimmer-Dachgeschosswohnung auf der fünften Etage des Life-Neubaus zu gewöhnen. Neben seinem geliebten alten Schreibtischstuhl aus früheren Tagen hatte beziehungsweise durfte Bastian nichts in die neue Wohnung mitnehmen. Es war ja alles da, pusteten Ninas Eltern immerzu im Chor. Während die eifrige Nina bereits eine klare Vorstellung von ihrem Leben hatte und direkt nach dem nervigen Abitur ihr Studium in Modedesign begann, war Bastian noch daran, an seinem Lebenslauf zu basteln. Nachdem er brav sein Abitur gemacht hat - um sich so lange wie möglich vor dem Moment des Festlegens und der Eindeutigkeit zu verstecken - tingelte er von kleineren Jobs zu Praktika oder kurzen Sprachreisen und schmückte die Zwischenpausen mit abenteuerlichen Kreativphasen. Weil sich diese Kreativpausen bisher jedoch als eher dysfunktional entpuppten, waren sie bei Nina - und besonders bei ihren Eltern - nicht besonders beliebt. So wurde seine intelligente Freundin nur ungern auf den Berufsstatus ihres Partners angesprochen. Bastian selbst machte die Frage nach seiner Zukunft nie nervös. Mindestens dachte er das bis heute. Er hatte wieder einmal ein Praktikum angefangen, diesmal als Sozialpädagoge in einer Jugenddrogenberatungsstelle (JuBe), als sich eine neue kreative Phase anbahnte. Bastian bezifferte und verortete seine Phasen immer erst hinterher als jene oder solche und genoss währenddessen einen gewissen Flow-Status. Aber wer unter Ihnen bisher gut aufgepasst hat liebe Leser*innen, weiß natürlich, wie Bastians neuester Kreativplan aussah. Bevor ihn die rumpelnde Bahn jetzt zu der wöchentlichen Gruppenreflexion aller Praktikant*innen sozialer Einrichtungen des Kreises an die pädagogische Hochschule brachte, wurde an der vorletzten Haltestelle sein vorher hübsch-durchdachter Buch-Schreib-Plan durchkreuzt. Ein ihm wohlbekannter Typ stieg zu.
Erst beim näheren Hinsehen fiel Bastian auf, WER soeben frisch zugestiegen war. Er hoffte - oder gar betete - direkt, der freie Platz neben ihm hält Stand. Doch bevor er sich wegdrehen oder gar weglaufen konnte, ließ Manuel - natürlich, ohne zu fragen - sich neben ihm nieder und drückte ihn kumpelhaft: „Basti, mein Lieber, cool dich zu treffen!“ Das traf auf Bastian nicht zu. „Wohin geht's?“ eröffnete Manuel lässig-direkt. „Ja, welch ein doofer Zufall. Bin´ unterwegs in die pädagogische Hochschule, dort treffen sich alle Praktis einmal die Woche.“ antwortete Bastian und blickte sich schamvoll um. „Echt? Is‘ ja n‘ Ding, hab´ gar nicht gemerkt, dass du freitags nicht kommst.“ konterte Manuel wie bei einer lockeren Ping-Pong-Runde. „Nicht?“, Bastian versuchte sich kurz zu halten. Doch seine Enthaltsamkeit half nichts. Manuel, den Bastian bereits am ersten Tag seines Praktikums als Problemfall kennenlernte, ließ nicht locker. Kurz zur Biographie des Eindringlings: Manuels Vita verlief urtypisch für einen jungen Suchenden. Richtig gelesen, Suchender. Suchender war der Begriff für alle Jugendlichen der JuBe, die in den Drogen eine Art Heimat und Wohlgefühl suchten, dass ihnen das Leben nicht bieten konnte. Laut Monika, der Leiterin der JuBe klingt es deutlich positiver und menschlicher als Missbrauch oder ähnliche Stigmata.
