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Hans Merz ist mit 64 Jahren zum ersten Mal Grossvater geworden. Diesen wunderbaren Moment, als er zum ersten Mal seinen Enkel Alessandro sah, hat ihn sehr berührt und der Kleine ist ihm von Stunde weg ans Herz gewachsen. Er beschreibt aus der Sicht von Alessandro, als würde sein Enkelkind selber erzählen, wie dieser seine Geburt und den Start in sein Leben erlebt hat.
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Veröffentlichungsjahr: 2018
Mit 64/61 Jahren sind meine Frau und ich zum ersten Mal Grosseltern geworden. Den Moment, als wir unseren Enkel, Alessandro, zum ersten Mal gesehen haben, (einen Monat nach seiner Geburt, weil er im Rom zur Welt kam und nicht hier), werden wir nie mehr vergessen. Ein Wunder, wie es grösser nicht sein könnte; ein kleines Menschlein mit allem dran und gesund. Das Miterleben dürfen, wie Alessandro aufwächst, wie er seine ersten, eigenen Spuren in dieser Welt hinterlässt, hat uns sehr berührt und tut es heute noch. Unzählige Momente des Glücks erleb(t)en wir mit unserem Alessandro. Keinen davon hätten wir missen wollen, auch wenn die Zeit manchmal „sehr anstrengend“ war/ist. Schliesslich hüteten ich und meine Frau, als Grosseltern, Alessandro sehr oft zwei bis drei Tage (manchmal auch mehr) die Woche. Das bedeutete „rund um die Uhr“ da zu sein für den Kleinen. Aber die unzähligen Glücksmomente in denen Alessandro mit grossen, leuchtenden Augen immer wieder „danke“ sagte, uns uneingeschränktes Vertrauen schenkte und damit zum Ausdruck brachte, wie wohl er sich bei uns Grosseltern fühlte, waren/sind unbeschreiblich schön und kaum in Worte zu fassen. Sein fröhliches Lachen, seine Unbeschwertheit, seine vor Lebensfreude und Fröhlichkeit strahlenden Augen sind und bleiben unvergesslich. In diesen, seinen drei ersten Lebensjahren war „die Welt noch in Ordnung“ für ihn. Alles war einfach schön, „rosarot“, denn es gab nie ein böses Wort oder einen verächtlichen Blick. Er war immer ehrlich, drückte mit seinen grossen, dunklen Augen, seinem Lachen und Weinen auf entwaffnende Art genau das aus, was er fühlte, mochte oder nicht mochte. Nicht wie bei (zu) vielen Erwachsenen, wo oftmals ein Nein ein Ja bedeutet oder umgekehrt, resp. sie das Eine denken, aber das Andere sagen. Es gibt kein Lächeln, das „gestellt“ ist. Es gibt keine „Notlügen“, keine Provokationen oder Schikanen. Das wird er alles, leider, noch lernen, spätestens dann, wenn er, wohl oder übel, „hinaus“ muss in die (Schul)-Welt. Jetzt ist er noch wohlbehütet zu Hause bei seinen Eltern und Grosseltern, eben in einer noch „heilen Welt“.
Schade nur, dass sich Alessandro nie bewusst wird an all das erinnern können, was er in seinen ersten drei Lebensjahren, insbesondere mit uns Grosseltern erlebte und wie er diese drei Jahre erlebte. Aus diesem Grunde hatte ich begonnen, möglichst viele von diesen Erlebnissen aufzuschreiben, und zwar möglichst so, wie es, denke ich, Alessandro aus seiner Sicht erlebte, und erzählen würde. Dieses Buch soll eine Erinnerung und ein Dankeschön sein für ihn, für alle diese wunderschönen Glücksmomente, die er uns geschenkt hat. Und so erteile ich hiermit Alessandro das Wort:
Io, Alessandro
Rom – mein Geburtsort
Meine Geburt
Meine ersten Tage
Mein Zuhause
Alltag
Die Grosseltern kommen
Mein erster Flug
Zum ersten Mal bei den Grosseltern
Wieder zu Hause in Rom
Mamma geht wieder arbeiten
Alleine mit den Grosseltern
Sommertage in der Schweiz
Meine Taufe
Auf geht’s
Mahlzeit
Schlafen
Fremde Gesichter – Respekt
Mein erster Geburtstag
Meine ersten Schritte
Die Zeit der Entdeckungen
Hören und verstehen
Die ersten Worte
Spielen und ausprobieren
Vorher - nachher
Zeit haben – hundert Meter, eine Stunde
Die Welt der grossen Tiere
Mein zweiter Geburtstag
Eine neue Welt?
Sprechen und verstehen
Esstisch – nicht Stresstisch
Das Leben ist (noch) ein Spiel
Yes, I can!
Zum ersten Mal im Spital
Mein dritter Geburtstag
Wir, Grosseltern
Und zum Schluss noch dies
Weisch na? (Erinnerungen 4. Lebensjahr)
Ich heisse Alessandro und bin in Rom auf die Welt gekommen, weil mein Papa ein Italiener ist und meine Mamma zu ihm nach Rom gezogen ist, und das kam so:
Meine Mamma ist einmal, lange vor meiner Geburt, mit einer Freundin, nach Australien in die Ferien gereist. Die beiden Frauen waren mit einem gemieteten Camper unterwegs. Einmal sind sie in ein Gewitter geraten während der Fahrt. Die Strasse war überflutet und kaum jemand getraute sich weiterzufahren. Etliche Autos warteten, angesichts der unter Wasser stehenden Strasse. In einem dieser Autos sass ein Italiener, aus Rom, er wollte so schnell wie möglich weiter, war irgendwie ziemlich in Eile aber offensichtlich dennoch oder gerade deswegen meiner Mamma sehr sympathisch. Der Italiener, meine Mamma und ihre Freundin kamen ins Gespräch. Er ermunterte die beiden Damen mit seinem umwerfenden italienischen Charme, hinter ihm her zu fahren. Wenn er durchkomme, kämen sie auch durch, meinte er. Wie dann meine Mamma mit diesem Italiener in Kontakt geblieben ist, weiss ich nicht. Wer hätte je gedacht, dass der einmal mein Papa werden sollte, könnte. Der Kontakt zwischen meiner Mamma und ihm blieb und irgendwann „funkte“ es sogar zwischen den beiden und schliesslich wur-den sie ein Paar. Jetzt ist auch meine Existenz klar.
Meine Mamma und mein Papa haben sich gewünscht, dass ich in Rom zur Welt komme. Meine Grosseltern fanden das zwar etwas speziell, denn so konnten sie nur aus der Ferne die Daumen drücken und hoffen, dass alles gut geht mit uns. Aber meine Eltern haben immerhin das beste Spital in Rom gewählt, auch wenn in der Schweiz, wie ich schon im Bauch von Mamma gehört habe, immer wieder über „besondere“ Zustände in gewissen italienischen Spitälern berichtet und geredet wurde (zu Unrecht, wie sich später herausstellte). Sie, vor allem meine Grosseltern, stellten sich allerdings noch eine ganz andere bange Frage: Wann und wo sage ich, dass ich nun raus aus dem Bauch will? Sie fragten sich immer wieder, wie dann meine Mamma vom Südrand der Stadt, wo sie wohnt in das Spital, das sich im Zentrum von Rom befindet, gelangen wird. Von ihren früheren Besuchen in Rom haben die Grosseltern nämlich „eine Nase voll“ bekommen, wie hier mit den Autos gefahren wird und wie schnell Verkehrsstaus, Chaos und Unfälle entstehen können. Doch es ist ganz anders gekommen. Meine Mamma ging kurz vor dem voraussichtlichen Geburtstermin nochmals zu einer Routinekontrolle zu ihrem Arzt, welcher in diesem Spital seine Praxis hatte. Irgendwie fühlte sich Mamma nicht wohl und wusste nicht warum. Ich fühlte mich plötzlich auch nicht mehr wohl in diesem Bauch. Lange hatte ich es gut, ich hatte warm, fühlte mich geborgen, ich hatte immer Nahrung und es war ruhig in diesem Bauch. Doch plötzlich war nichts mehr wie es immer war, es wurde immer unangenehmer. So, und jetzt bitte so schnell wie möglich raus! Der Arzt hat es auch gemerkt, zum Glück, nämlich dass meine Mamma eine Schwangerschaftsvergiftung der übelsten Sorte hatte und so entschied sich der Arzt umgehend, mich zu befreien. Danke, Herr Doktor!
Das war am 24. September 2014. Und plötzlich war der Bauch offen und plötzlich war es hell und es gab viele Stimmen und Apparaturen, weisse Wände, grosse, vermummte Menschen, die umherschwirrten und weiss ich was noch. Es war auch plötzlich kühler und ich wurde sofort in eine Decke gewickelt. Was war geschehen? Vor lauter Schreck schrie ich einfach einmal. Der Doktor hatte mich zwingend per Kaiserschnitt befreien müssen. Das war aber knapp. Janu, dann halt so. Aber es ist zum Glück alles gut gegangen, für mich und auch für meine Mamma. Nachdem ich dann einmal kurz meine Äuglein geöffnet hatte, konnte ich feststellen: Ja doch, ich habe eine sehr sympathische Mamma „erwischt“. Und so schloss ich beruhigt meine Äuglein wieder und schlief weiter, denn ich war völlig erschöpft von dieser Geburt, meine Mamma übrigens auch. Den Papa sah ich leider nicht, denn er war auch nicht da, wusste noch nichts von mir, seinem Glück, denn er befand sich in einem Flugzeug, weil er flight attendant ist, hoch über den Wolken, irgendwo auf einem Flug von London nach Amerika. Noch im Flugzeug hat mein Papa aber von mir erfahren. Er ist nach der Ankunft in Amerika gleich wieder ins nächste Flugzeug gestiegen und zurück nach Rom geflogen. Und dann zu mir und Mamma ins Spital gekommen. Ja doch, auch mein Papa ist sehr sympathisch.
