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Daniel ist 16, schwul und der erste Stipendiat der renommierten Hochwald Akademie. Sein Ziel: als Bester abschließen. Alles verändert sich, als er Alex begegnet – charismatisch, selbstbewusst und einfach perfekt. Ausgerechnet dieser Junge soll Daniel an der neuen Schule begleiten. Doch plötzlich wird Alex zum Rätsel: verschlossen, kühl und wie ein ganz anderer Mensch. Als sich die beiden wieder annähern, passiert das Unvorstellbare – ein Missverständnis, das alles auf den Kopf stellt. Daniel steht vor einer emotionalen Achterbahnfahrt, während Alex sich entscheiden muss: Weiter weglaufen oder endlich zu seinen Gefühlen stehen? Ein humorvoller und bewegender Roman und eine rasante Kurzgeschichte über Liebe, Missverständnisse und die Suche nach dem eigenen Weg.
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Veröffentlichungsjahr: 2025
Autor: Eric Fisher
Titel: Alex und Ich
© 2025 Eric Fisher
Alle Rechte vorbehalten.
Coveridee und -entwicklung und Kapitelbilder mit Unterstützung von ChatGPT (OpenAI)
Layout, finale Gestaltung und Satz: Eric Fisher
Vertrieb: "Tolino Media"
Dieses Buch ist ein Werk der Fiktion. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen, tatsächlichen Ereignissen oder Orten sind rein zufällig.
ISBN: 9783819401435
Kontakt:
https://zackbistepromi.wixsite.com/fisher
Eric Fisher
c/o AutorenServices.de
Birkenallee 24
36037 Fulda
Daniel ist 16, schwul und der erste Stipendiat der renommierten Hochwald Akademie. Sein Ziel: als Bester abschließen. Alles verändert sich, als er Alex begegnet – charismatisch, selbstbewusst und einfach perfekt. Ausgerechnet dieser Junge soll Daniel an der neuen Schule begleiten.
Doch plötzlich wird Alex zum Rätsel: verschlossen, kühl und wie ein ganz anderer Mensch. Als sich die beiden wieder annähern, passiert das Unvorstellbare – ein Missverständnis, das alles auf den Kopf stellt. Daniel steht vor einer emotionalen Achterbahnfahrt, während Alex sich entscheiden muss: Weiter weglaufen oder endlich zu seinen Gefühlen stehen?
Ein humorvoller und bewegender Roman und eine rasante Kurzgeschichte über Liebe, Missverständnisse und die Suche nach dem eigenen Weg.
Die Bühne stand da wie ein Denkmal. Kein schönes, sondern eher so ein IKEA-trifft-Größenwahn-Ding. Sie nahm sich Raum, als hätte sie ihn verdient – dabei war sie nichts weiter als eine notdürftig zusammengezimmerte Holzkonstruktion mit ein paar Vorhängen und Whiteboards im Hintergrund. Und dann, als wäre der Anblick nicht schon schlimm genug, kam der eigentliche Tiefschlag: mein Name, Daniel König.
Mitten auf einem Banner, groß genug, um auch in der hintersten Ecke gelesen zu werden.
Ich saß in der ersten Reihe, direkt vor dem Unheil, flankiert von meinen Eltern, die sich benahmen, als würden sie gleich ein Pokal-Foto machen. Ich hingegen fühlte mich wie ein Käsekuchen in der Mittagssonne.
Ich schwitzte. Überall. Die Achseln waren ein feuchtes Desaster, meine Hände klebten, mein Gesicht glühte – ich konnte nur hoffen, dass ich wenigstens nicht roch wie ein panischer Teenager auf dem Präsentierteller. Denn genau das war ich. Panik? Total. Vorfreude? Null. Rede halten? Muss wohl.
Ich hatte Angst. Diese ganz besondere Sorte Angst, die sich anfühlt wie Strom in den Knochen und einen glauben lässt, dass Flucht vielleicht doch eine Option ist – wenn man schnell genug rennt. Aber dann fiel mein Name aus den Lautsprechern, begleitet von Applaus, der sich anfühlte wie das Klatschen des Schicksals.
Ich stand auf – oder besser gesagt: mein Körper tat es. Ich selbst war irgendwo zwischen Tunnelblick und Realitätsflucht unterwegs. Vor mir: über tausend Gesichter. Schüler, Lehrer, Eltern. Alle da, um mich zu sehen. Mich! Daniel, das Wunderkind. Der erste Schüler der Schule, der ein Stipendium für die Hochwald Akademie bekommen hatte. Eine Schule, so exklusiv, dass reiche Familien mehr für einen Platz zahlten als andere für ein ganzes Studium. Und ich war das Ausnahmetalent. Das Aushängeschild. Die Headline.
Und jetzt stand ich da, mit zitternden Knien und brennenden Ohren.
Herr Malteser, mein Direktor, streckte mir die Hand hin – ich packte sie, als wäre sie ein Rettungsring in einem Meer aus Blicken. Drei Stufen zur Bühne. Drei kleine Stufen, die sich anfühlten wie der Weg zum Schafott.
Oben angekommen erwartete mich eine Frau, die aussah, als hätte sie die Kontrolle über alles – inklusive meiner Nerven. Sie lächelte, legte eine Hand auf meine Schulter und flüsterte: »Alles wird gut.«
Ich hatte nicht damit gerechnet, dass dieser Satz in meinem Leben irgendeine Bedeutung haben würde. Aber irgendetwas an ihrer Stimme beruhigte mich. Vielleicht war es ihre Ausstrahlung. Vielleicht der Moment. Vielleicht war ich einfach zu durch für Panik.
Ich nahm die Urkunde entgegen – feines Leder, edle Gravur - und trat ans Mikrofon. Meine erste Rede als Hochbegabter, Hoffnungsträger, Held der Stunde. Nur keinen Druck. Und obwohl ich mir sicher war, dass ich gleich umfiel, tat ich es nicht. Ich stand da, ich atmete – und ich sprach.
»Papa und ich sind wirklich sehr stolz auf dich, mein Schatz. Du hast es geschafft!«
Wir saßen am Esstisch, zurück in unserem kleinen Zuhause, das zwar nicht in einer Hochglanzzeitschrift vorkam, dafür aber die beste Geräuschkulisse zum Essen hatte: klapperndes Besteck, glucksender Wasserkocher und das gelegentliche Quietschen des Stuhls, auf dem Papa immer saß. Mama strahlte mich an, als hätte ich gerade das Rad neu erfunden. Papa sagte nichts, aber sein leicht verträumter Blick verriet: Auch er klatschte innerlich Beifall. Nur eben in Zeitlupe.
»Zwei Monate Ferien, bevor es ernst wird«, sagte Mama. »Was hast du vor? Faulenzen? Reisen? Dich selbst finden in Portugal?«
Ich schnaubte. »Ich werde arbeiten.«
Sie zog eine Augenbraue hoch.
»Im Café bei Jochen. Ich hab gefragt, er hat sofort ja gesagt. Fünf Tage die Woche – außer montags und sonntags. Wenn’s für euch okay ist.«
Mama sah aus, als wollte sie gleichzeitig nicken, widersprechen und mir ein Käsebrot schmieren.
»Ihr wisst doch, ich brauch das Geld. Und ehrlich gesagt – ihr könnt es auch brauchen.«
Unser Reichtum bestand aus Liebe, Humor und einem ziemlich bequemen alten Sofa mit Kaffeeflecken. Wir wohnten in einem charmanten kleinen Mietshaus, das man am besten mit dem Wort bodenständig beschrieb – was meistens bedeutete: etwas schief, etwas eng, aber mit Charakter.
Papa arbeitete sich den Rücken krumm, Mama nähte alles, was sich unter die Nähmaschine legen ließ – von Gardinen bis hin zu missratenen Faschingskostümen. Ich selbst jobbe seit einem halben Jahr, um mir den Führerschein zu finanzieren. Und ein gebrauchter Kleinwagen steht auch auf der Wunschliste. Am liebsten einer, bei dem man nicht schon beim Einsteigen beten muss.
Einen Teil meines Lohns gebe ich meinen Eltern. Nicht weil sie es verlangen. Einfach, weil es sich richtig anfühlt.
Dass wir hier überhaupt wohnen konnten, verdankten wir einem alten Freund meiner Eltern, der das Haus besaß und uns praktisch Miete zum Freundschaftspreis machte. Er lebte seit Jahren im Pflegeheim – viel zu früh aus dem Rennen genommen. Aber er war froh, dass wir dem Haus Leben einhauchten. Und wir gaben unser Bestes, es wie ein Familienmitglied zu behandeln. Eins mit knarzenden Treppen und gelegentlichem Heizungs-Tourette.
Ich saß an diesem Abend lange auf meinem Bett und starrte auf die Urkunde in der schicken Ledermappe, die mir ganz offiziell bestätigte: Ich hatte das Stipendium. Keine optische Täuschung, kein Aprilscherz – echt jetzt.
Ich war der Erste in unserer Familie, der weiter als bis zur Hauptschule gekommen war. Und jetzt? Hochwald Akademie. A-k-a-d-e-m-i-e. Ich meine – hallo? Ich hätte nie gedacht, dass dieses Wort mal etwas mit mir zu tun haben könnte. Aber da hing sie, die Schuluniform, ordentlich am Schrank. Fast ein bisschen ehrfürchtig.
Als ich sie anprobierte, fühlte ich mich sofort ein kleines bisschen... na ja, besonders. So, als hätte ich gerade ein Upgrade bekommen – von Normalo auf Deluxe. Natürlich wusste ich, dass ein Stofffetzen mit Knöpfen keinen Menschen verändert. Aber trotzdem: Sie fühlte sich gut an. Und ich fühlte mich gut in ihr. Eines wusste ich in diesem Moment ganz sicher: Ich würde alles geben, um meine Eltern noch stolzer zu machen, als sie es eh schon waren. Ich wollte da nicht einfach nur irgendwie durch. Ich wollte der Beste sein. Denn wer die Hochwald Akademie als Klassenbester verließ, der bekam nicht nur ein Schulterklopfen, sondern einen Freifahrtschein: ein Studienplatz auf jeder Uni der Welt, frei wählbar. Wer sich mit dem Abschluss dieser Schule bewarb, bekam überall Bonuspunkte, Empfehlungsschreiben und vermutlich sogar einen gratis Kugelschreiber.
Die zwei besten Absolventen bekamen sogar ein weiteres Stipendium obendrauf – samt Schleifchen, Prestige und direktem Zugang zu so ziemlich allem, wovon ambitionierte Menschen nachts träumen. Und die besten Unis der Welt? Die rissen sich um Hochwald-Abgänger wie bei einem Schlussverkauf.
Und ich? Ich wollte der sein, für den sich das Kämpfen lohnte. Der Typ, den man auf der Abschlussfeier erwähnt, während alle anderen klatschen und sich insgeheim wünschen, sie wären er. Ich hatte noch keinen Plan, wie ich das anstellen würde – aber ich hatte ja zwei Monate Zeit, um es herauszufinden.
In der letzten Woche vor Schulbeginn war ich ein einziges Nervenbündel auf zwei Beinen. Ein zitterndes Häufchen Zukunftsangst mit leichtem Koffeinentzug.
Was, um alles in der Welt, hatte ich mir dabei gedacht? Ich – auf einer Schule, auf der sonst nur Leute landeten, deren Nachnamen entweder eine Anwaltskanzlei, ein Modelabel oder ein weltbekanntes Unternehmen sein könnten? Wo man vermutlich schon als Baby ein Empfehlungsschreiben mit der Geburtstagskarte bekommen hatte. Menschen wie ich arbeiteten für solche Leute. Wir reichten Canapés bei Empfängen, füllten ihre Einkaufstüten oder flickten ihre Designerjeans. Aber dazugehören? Dieselben Privilegien genießen? Ha! Nicht wirklich.
Und doch – irgendwie war genau das passiert. Ich hatte dieses Stipendium. Ich hatte dieses Glück. Und gleichzeitig diese schiere Panik.
Den ersten Schultag malte ich mir in den schwärzesten Farben aus, die mein inneres Katastrophen-Kino zu bieten hatte. Fifty Shades of Black – exklusiv auf meiner mentalen Leinwand. Ich sah mich stolpern, stammeln, vom Schulhof gefegt werden wie ein zerknüllter Kassenbon. Gleichzeitig versuchte ich mir einzureden, dass es schon nicht so schlimm werden würde. Dass sie mich akzeptieren würden. Vielleicht. Im besten Fall. Und dass ich – rein rechtlich und moralisch betrachtet – genauso ein Recht hatte, dort zu sein wie alle anderen.
Auch wenn mein Stundenplan neben dem von Jeremy von und zu irgendwas wahrscheinlich wirkte wie ein selbst ausgedruckter Flyer.
Aber hey. Ich war da. Und das war schon mehr, als ich jemals für möglich gehalten hatte.
Eine gute halbe Stunde radelte ich zur Schule – mit nervösem Magen, schweißnassen Händen und einem Tempo, das mich eindeutig nicht zum Tour-de-France-Kandidaten machte.
Ich hatte von diesem Teil der Stadt gehört. Gelesen. Dokus gesehen. Aber dort gewesen? Niemals. Und jetzt war ich mittendrin.
Die Straßen waren ein einziger Schock aus Luxus. Villen mit so vielen Säulen, dass man meinen konnte, sie hätten einen antiken Tempel verschluckt. Eingänge mit Springbrunnen. Rasenflächen, die von Personal vermutlich mit einer Nagelschere gestutzt wurden. Und ich? Ich kam aus einem Mietshaus mit Fensterdichtungen aus dem vorletzten Jahrhundert. Und vor der Schule? Limousinen. Chauffeure. Glänzende Felgen, glänzende Haare, glänzende Menschen.
Es war wie der rote Teppich der Reichen, nur dass niemand Fotos machte – zumindest keine für Leute wie mich.
Ich stellte mein Fahrrad dezent ein paar Meter entfernt ab. Einen Fahrradständer suchte ich vergeblich – offenbar waren Drahtesel hier so fehl am Platz wie Jogginghosen.
Mit zitternden Knien und einem innerlich vorbereiteten »Ich tu nur so, als wäre ich cool«-Gesicht ging ich die Stufen zum Eingang hoch. Gerade als ich dachte, ich könnte vielleicht unbemerkt durchkommen, hörte ich eine Stimme hinter mir: »Was will denn der Assi hier?«
Tja. Das ging schnell.
Ich drehte mich um. Keine Ahnung, warum. Normalerweise hätte ich so getan, als hätte ich nichts gehört, den Blick auf den Horizont gerichtet und innerlich geweint. Aber irgendwas in mir – vermutlich die Schuluniform – dachte sich: Nein. Heute nicht.
Ich ging zu ihr. Geradeaus, halb mutig, halb dumm. »Du bist doch sicher hier, um deinen Abschluss zu machen, oder?«, fragte ich, mit der besten Version meiner inneren Ruhe.
Sie sah mich an, als hätte ich sie gefragt, ob sie mir ein Brötchen kauft. »Ja, selbstverständlich. Und jetzt darfst du gehen. Wie peinlich ist das bitte, wenn man dich hier stehen sieht?«
Bäm. Direkt ins Ego. Aber ich ließ mir nichts anmerken, blieb stehen, atmete und sagte: »Wir tragen die gleiche Uniform. Was ich hier mache, ist also ziemlich offensichtlich. Es gibt keinen Grund, mich zu beleidigen.«
Sie drehte sich um, warf die Haare wie einen Vorhang der Verachtung und marschierte davon. Und ich? Ich atmete noch einmal tief durch – leicht zittrig, aber mit einem kleinen, sehr echten Moment Stolz.
Der Weg zum Eingang fühlte sich trotzdem an wie ein Spießrutenlauf. Es kamen noch ein paar Sprüche. Kein einziger nett. Jeder ein kleiner Stich. Und auch wenn ich mir Mühe gab, mir nichts anmerken zu lassen – jeder traf. Und ja, sie taten weh.
Aber dann stand ich endlich im Schulgebäude. Die Rektorin begrüßte mich mit einem Lächeln und sagte, dass alles gut werden würde. Ich klammerte mich innerlich daran wie an einen Rettungsring.
Beim Frühstück hatten meine Eltern noch gesagt: »Du musst vor niemandem Angst haben, solange du du selbst bleibst.«
Und genau das hatte ich vor. Vielleicht mit etwas mehr Mut. Und vielleicht mit etwas weniger Zittern in den Knien.
Die automatische Schiebetür gönnte sich erst mal eine kleine Denkpause, als ich davorstand. Eine bis zwei Sekunden Ewigkeit. Andere Schüler liefen an mir vorbei, rein und raus, ganz selbstverständlich. Ich hingegen stand da wie ein VIP, der noch nicht auf der Gästeliste steht.
Mir war gesagt worden, dass das Gesichtserkennungssystem am ersten Tag etwas länger braucht, bis es einen in der Datenbank willkommen heißt. Na gut. Ich hatte Geduld. Zumindest tat ich so.
Dann glitt die Tür auf – mit einem Geräusch, das vermutlich »Na schön, komm halt rein« bedeutete, und ich betrat meine neue Schule.
Und dann sah ich ihn. Der erste Mensch, der mir ins Auge fiel.
