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Während Señor Comandante und Frau Sturm alle Pfoten voll zu tun haben, um ein abscheuliches Verbrechen aufzuklären, wundert sich Hund Ben in "Herrchen am Herd" über dubiose Geräusche und Vierbeiner Lino versucht in "Analog oder digital?" seinen Kumpel Bronco für das Thema Social Media zu erwärmen. Was wir mit unseren Hunden erleben und wie sie uns manchmal sagen, wo es langgeht, wird in zehn herrlichen Kurzgeschichten im zweiten Bellotristik-Sammelband "All unDOG control" treffend beschrieben. Geschichten, wie sie nur mit Hund(en) passieren.
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Seitenzahl: 139
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Während Señor Comandante und Frau Sturm alle Pfoten voll zu tun haben, um ein abscheuliches Verbrechen aufzuklären, wundert sich Hund Ben in „Herrchen am Herd“ über dubiose Geräusche und Vierbeiner Lino versucht in „Analog oder digital?“ seinen Kumpel Bronco für das Thema Social Media zu erwärmen. Was wir mit unseren Hunden erleben und wie sie uns manchmal sagen, wo es langgeht, wird in zehn herrlichen Kurzgeschichten im zweiten Bellotristik-Sammelband „All unDOG control“ treffend beschrieben. Geschichten, wie sie nur mit Hund(en) passieren.
Iris D. Chris war nach ihrer Ausbildung in der Modebranche für verschiedene Firmen tätig und viel unterwegs. Als sie sich in einer gesundheitlich bedingten Zwangspause ehrenamtlich als Gassigeherin in einem Tierheim engagierte, loderte ihre in ihrer Kindheit begründete Liebe zu Hunden wieder vollends auf. Kein halbes Jahr später war das Tierheim um einen Insassen ärmer.
Aus Interesse absolvierte sie eine nebenberufliche Ausbildung zur Tierheilpraktikerin, in der sie ihre Abschlussarbeit über BARF (Biologisch Artgerechtes Rohes Futter) bei Hunden schrieb, aus der auch ein Sachbuch entstand.
Heute ist die Autorin nach wie vor in ihrem erlernten Beruf tätig, lebt und arbeitet in der Nähe von Nürnberg, wo ihre Texte entstehen – inspiriert von Beobachtungen und eigenen Erlebnissen – und kann sich ein Leben ohne Hund nur schwerlich vorstellen.
Morfois
Nicht zum Verzehr geeignet
Geheimnis
Señor Comandante und Frau Sturm
Traum in Pink
Rudolph
Hund vs. Katze
Herrchen am Herd
Winterspaziergang
Analog oder digital?
„Was für eine Odysseus, meine Liebe! Die Busfahrer heutzutage sind doch wirklich unverschämt. Stell dir vor. Da bitte ich den Burschen, einfach ein paar Minuten zu warten, bis ich meine Tabletten aus der Apotheke geholt habe. Da zeigt der mir den Vogel, drückt auf seinen Knopf, sodass die Türen zuklappen, und fährt davon! Ich muss dir nicht sagen, dass die nächsten beiden Busse, warum auch immer, ausgefallen sind, oder?“
„Jetzt bist du ja da, Hilde. Gib mir doch erst einmal deine Jacke, den Schirm und die Taschen.“
Schmunzelnd begrüßte Marry ihre Freundin, die sich mit krebsrotem Gesicht den Hut vom Kopf pflückte und ihren Jack Russell Rolando zu Boden ließ, damit er seinen Kumpel Bosch begrüßen konnte. Der stand zusammen mit Marry an der Wohnungstür und nahm die beiden in Empfang.
„Na, was für eine Odysseus habt ihr denn hinter euch?“, fragte er seinen Freund Rolando grinsend, der im Übrigen nach einem Opernsänger benannt war. „Frag nicht. Das mit dem Busfahrer stimmt, der hat ihr wirklich im wahrsten Sinne des Wortes die Tür vor der Nase zugeschlagen. Aber sie kann auch nicht erwarten, dass er nach ihrer Pfeife tanzt, so wie sie es als verwitwete Zahnarztgattin von allen erwartet.“ Und wie auf Kommando wetterte die gleich wieder los. „Das hätte doch wirklich nicht lange gedauert, die Apotheke liegt schließlich direkt gegenüber der Bushaltestelle. Außerdem hatte ich doch noch die drei Taschen. So was igorantes!“
Dass Hilde gerne Fremdwörter benutzte, wusste Marry. Anscheinend aber oft falsch, so schlussfolgerte sie, und das nicht zuletzt aus den Reaktionen der anderen Besucher in ihrem Stammcafé, in dem sie regelmäßig zu Gast waren. Marry konnte dazu allerdings nicht viel sagen, wusste sie doch selbst oft nicht, wie das ganze Fremdwörterzeugs richtig hieß. Genau aus dem Grund sah sie erstens davon ab, viele davon zu benutzen, und zweitens, ihre Freundin darauf hinzuweisen.
Sie spürte jedoch, dass es mal wieder an der Zeit war, die Weltanschauung Hildes etwas gerade zu rücken. Die war im Allgemeinen nämlich sehr ichbezogen. Dafür gab es auch irgendein Fremdwort, aber das wollte Marry partout nicht einfallen.
„Hilde, du weißt schon, dass die ihre festen Fahrpläne haben. Da können sie nicht auf jeden Rücksicht nehmen, der sie eben mal darum bittet, etwas zu warten.“
„Bin ich jeder?“
„Natürlich nicht, aber du bist auch die Erste, die mosert, wenn ein Bus Verspätung hat. Und genau das wäre passiert, hätte der Fahrer wirklich auf die ,Frau Zahnarztgattin‘ gewartet. Die Welt dreht sich nicht ausschließlich um dich, meine Liebe.“
So schnell Hilde der Geduldsfaden riss, so schnell konnten manche Personen sie auch wieder beruhigen und auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Und Marry war eine davon.
„Ach komm, vergessen wir das und setzen wir uns. Was hast du denn Schönes gebacken?“ Hilde schritt durch den Flur ins Wohnzimmer, in dem der Kaffeetisch bereits gedeckt war.
„Rhabarberkuchen mit Baiser. Solange es frischen Rhabarber gibt, sollte das genutzt werden.“
Während sich die beiden Damen jetzt im Austausch der besten Zubereitungen von Rhabarber, Erdbeeren und den verschiedensten Früchten ergingen, natürlich ausschließlich in Kuchenform, machten es sich die beiden Jackys in Boschs Körbchen bequem.
„Und wie seid ihr letztendlich hergekommen?“, fragte der.
„Willst du das wirklich wissen?“ Rolandos Augen rollten bedenklich weit nach oben. „Erst hat sie dem Busfahrer noch hinterhergeschrien, er wäre ein impotenter Mistkerl. Da kannst du dir jetzt aussuchen, was sie wirklich gemeint hat – ob impertinent oder ignorant oder was auch immer. Aber egal. Jedenfalls haben wir auf die nachfolgenden Busse gewartet, von denen, wie du ja schon weißt, zwei nicht kamen. Als gegenüber ein Taxi von einem Mann angehalten wurde, hat sie wie wild mit ihrem Stockschirm gefuchtelt und den Taxifahrer am Losfahren gehindert, indem sie ihm direkt vors Auto gestoben ist. Dann stieg sie mit mir und ihrem ganzen Gepäck zu dem für uns völlig fremden Mann ein und hat dann gefragt, wohin er will. Der war natürlich total perplex und hat ihr sein Ziel genannt. ´Da liegt meine Adresse ja quasi auf dem Weg`, hat sie verkündet und dem Taxifahrer eure Straße und Hausnummer genannt. Als Zeichen, dass der jetzt losfahren kann, hat sie zweimal mit dem Stockschirm auf die Kopfstütze des Beifahrersitzes geklopft. Muss ich erwähnen, dass euer Haus nicht unbedingt auf seiner Strecke lag? Na, wohl kaum. Jedenfalls haben der Taxifahrer und der Fahrgast gespurt, wir sind hier ausgestiegen und bezahlt hat sie natürlich nix.“
Bosch musste herzlich lachen und das Grunzen, das er dabei von sich gab, klang für die beiden Damen anscheinend so alarmierend, dass alle Aufmerksamkeit plötzlich auf ihn gerichtet war. „Boschi, was ist los? Hast du dich verschluckt?“ Marry stand auf und kam zu ihnen. „Nicht, dass wir hier gleich Mund-zu-Hund-Beatmung machen müssen“, orakelte Hilde, die prinzipiell immer vom Schlimmsten ausging. Rolando, verpasste Bosch einen kurzen Knuff. „Na? Lust auf Mund-zu-Schnauze-Beatmung von meinem Frauchen? Wäre doch was, oder?“ Jetzt konnte auch er sich kaum noch beherrschen. Mit Lachtränen in den Augen sprang Bosch auf und packte seinen Kumpel spielerisch am Hals. Der ließ sich nicht lange bitten und raufte umgehend mit.
„Was habt ihr denn?“, fragte Hilde.
„Spaß!“, kläfften ihr alle beide entgegen. Marry sah zu ihnen, schmunzelte, und ging zurück an ihren Platz. „Die beiden kabbeln sich bloß ein wenig. Das kennen wir ja. Alles gut.“ Nach der kleinen Rangelei unter Freunden fiel Rolando noch ein: „Und während der kurzen Fahrt hat unsere liebe Hilde ihren Mitfahrer natürlich ausgequetscht bis zum Gehtnichtmehr, nur um ihm dann zu sagen, er solle doch mal über ein Bleaching seiner Zähne nachdenken. Bin ich froh, dass ich Hund bin. Als Mensch wäre sie mir ungleich peinlicher. Wie Marry das bloß aushält.“
„Naja, mein Lieber, so ganz ohne bist du auch nicht“, lachte Bosch. Rolando putzte gerade seine Vorderpfote und sah mit Unschuldsmiene auf. „Wieso? Meinst du etwa den Zwischenfall mit dem Pelzmantel? Ich wollte doch nur mal sehen, wie weit ich gehen kann.“
„Erzähl noch mal“, sagte Bosch und bettete seinen Kopf gemütlich auf den erhöhten Rand des Bettchens. Dieser Bitte kam Rolando gerne nach und erzählte, wie er mit Hilde auf der morgendlichen Runde regelmäßig die aufgetakelte Nachbarin traf, die bei ihrer ersten Begegnung sogar nach ihm treten wollte. Zum Glück konnte er rechtzeitig ausweichen, denn sein Frauchen führte ihn nur selten an der Leine. Und so blaffte Rolando, der Zweibeinern gegenüber im Allgemeinen ein friedfertiger Zeitgenosse war, die Frau jedes Mal an, wenn sie ihnen begegnete. Weshalb sie bei dem besagten ersten Aufeinandertreffen versuchte, ihn zu treten, war Hilde bis heute nicht ganz klar. Rolando schon, denn er hatte die Angst der Aufgetakelten gerochen, als er ihr näher kam, um den ihm noch unbekannten Neuling in der Nachbarschaft freundlich zu begrüßen. Zu Hilde sagte sie damals, sie solle ihre ekelhafte Ratte wegnehmen, was Hilde wiederum natürlich nicht tat, worauf die Nachbarin mit ihren hochhackigen Tretern nach Rolando trat. Und ihn zum Glück verfehlte. Trotzdem stieß er präventiv einen markerschütternden Schrei aus, so dass Hilde glaubte, er sei getroffen worden.
Das nachfolgende hässliche Streitgespräch ließ Rolando in seiner Erzählung aus. Lieber kam er direkt zu dem Punkt, an dem es für ihn lustig wurde. Das letzte Mal, als die beiden Grazien aufeinandertrafen, blieb Rolando nämlich wider Erwarten ganz ruhig und bellte nicht. Was genau den Effekt erzielte, den er haben wollte. Beide Frauen blieben stehen und sahen verdutzt zu ihm herunter. „Haben Sie Ihren Köter unter Drogen gesetzt oder warum kläfft der mich heute nicht an?“, sagte die Pelzbemantelte hochnäsig. „Wurde aber auch Zeit, dass Sie das Vieh mal unter Kontrolle bringen“, näselte sie weiter. Sie drehte sich um und wollte weitergehen, als Rolando urplötzlich los spurtete, knapp vor ihren Kniekehlen einen Satz nach oben machte und sich in ihren zu kurzen Pelzmantel verbiss. Und wenn sich so ein Jack Russell und im Speziellen ein Rolando irgendwo hinein verbiss, dann war der da wie festgetackert. Rolando knurrte und schüttelte derart heftig an dem Saum des Pelzmantels herum, als wäre er im Begriff, eine Wildsau zu erlegen. Obwohl, genau genommen käme das auch irgendwie hin, warf er in seiner Erzählung ein. „Aber egal“, sagte er, „nach der ersten Schrecksekunde wirbelte die Befallene wie verrückt um die eigene Achse“, und Rolando hatte einen Heidenspaß dabei. Weniger lustig fand er das Gekreische, das sie dabei veranstaltete, denn das strapazierte seine Ohren sehr. Aber: Ein Hund musste Prioritäten setzen. Und da war die Achterbahnfahrt eindeutig höher einzustufen als das Gekreische. Was genau sie da von sich gab, wusste Rolando nicht mehr, er hörte nur etwas von „hinterlistiger Angriff“, „abgerichteter Drecksköter“ und „Anwalt“. Hilde, die ausnahmsweise mal sprachlos war, verschränkte die Arme vor ihrer voluminösen Brust und sah amüsiert zu. Wie er aus der Situation wieder rauskommen würde, darüber hatte sich Rolando im Vorfeld keine Gedanken gemacht. Erst als er merkte, dass ihn langsam die Kraft verließ, befasste sich sein Gehirn damit. Da sie immer noch um sich wirbelte, konnte er nicht einfach loslassen, denn dann wäre er wahlweise auf die asphaltierte Straße geschleudert worden oder in die Rosenhecke von Nachbar Krausses Grundstück, auf dessen Höhe das Ganze stattfand. Noch während er sich überlegte, welche der beiden Optionen das geringere Übel wäre, bekam er unverhoffte Hilfe. Drei Nachbarskinder kamen mit Spraydosen bewaffnet ums Eck und riefen, dass die Mantelträgerin eine Tierhasserin sei, weil sie Pelz trage und Hunde quäle. Hilde setzte noch eins drauf und sagte, ein Pelzmantel mache sie bei ihrem Aussehen auch nicht schöner. Diese massive Konfrontation ließ die Nachbarin erstarren und das Gewirbel und Geschaukel hatte ein Ende. Die Kids zielten mit ihren Spraydosen auf den Mantel und wollten gerade loslegen, ihn zu besprühen, als Hilde und Herr Krausse fast gleichzeitig verbal einschritten. Rolando schmunzelte bei der Erinnerung daran und erzählte weiter. Herr Krausse, der das Geschehen anscheinend von Beginn an mitverfolgte, lief zu der Gruppe und bekam den Arm von Lea zu fassen, die als Erste bei der Hochnäsigen war. Er sagte in ruhigem, aber bestimmtem Ton, dass sie das besser nicht tun sollten, denn der Ärger, der danach auf sie zukommen würde, wäre diese Aktion nicht wert. In der Zwischenzeit war auch Hilde über die Straße gestapft, stellte sich vor die anderen beiden und bekräftigte die Aussagen von Herrn Krausse. Dadurch, dass alle still standen und sich auch die Pelzmantelträgerin zu dem Zeitpunkt nicht mehr bewegte, war es Rolandos Chance. Er ließ den Mantel los, plumpste auf den Boden und versteckte sich schnell hinter Hilde, die gerade mit den Kids über Sinn und Unsinn einer solchen Unternehmung diskutierte.
Die Mantelträgerin blitzte alle an und tobte, das werde ein Nachspiel haben. Herr Krausse, selbst Anwalt a. D., fragte gelassen, was genau sie denn meine, schließlich sei nichts passiert. Fassungslos starrte sie ihn an und entgegnete eisig, ein Angriff seitens dreier Jugendlicher und einer, so wörtlich, „alten Schachtel und deren Bluthund“ sei ja wohl nicht Nichts. Hilde holte tief Luft, um dem Pelzmantel eine saftige Antwort entgegenzuschleudern, aber erneut griff Herr Krausse ein. Er könne sich nicht erinnern, sagte er, einen tätlichen Angriff gesehen zu haben. Die Anwesenden hätten sie lediglich darauf hingewiesen, dass sie das Tragen von Pelzmänteln „scheiße“ fänden, wie er im Übrigen auch, aber natürlich würde er eine andere Wortwahl treffen. Das sei nicht sehr feinfühlig gewesen, meinte der Anwalt a. D., aber dafür könnten sie sich ja entschuldigen, fügte er hinzu und gab Lea und den anderen einen kleinen Schubs. Noch während die drei missmutig eine halbherzige Entschuldigung herunterbeteten, fing die Hochnäsige wieder an, der Hund, diese Bestie, habe sie ja auch angegriffen und dabei ihren teuren Nerz, übrigens ein Erbstück ihrer Großtante, Gott hab sie selig, in Fetzen gerissen. Mit gespieltem Erstaunen sah Herr Krausse herunter zu Rolando und wieder zurück zur Pelzträgerin. Nein, sagte er, davon habe er persönlich nichts mitbekommen. Er sah in die Runde, und auch alle anderen, die um sie herum standen, schüttelten den Kopf. Rolando und ein Angriff? Nie im Leben. Der könne doch keiner Fliege was zuleide tun, meinte Lea, nahm ihn auf den Arm und der Jack Russell schmiegte sich gleich an sie. Die Nasenflügel der Pelzbemantelten bebten und die Mundwinkel zogen sich hasserfüllt nach unten. Und wie, fragte sie in die Runde und griff nach ihrem Mantelsaum, wie würden sie die beiden Löcher hier in ihrem Mantel bezeichnen? Herr Krausse sah auf die beiden Stanzlöcher, die Rolando hinterlassen hatte, und sagte trocken, sie solle unbedingt ihre Schränke überprüfen, das sei eindeutig Mottenfraß in ihrem Pelzmantel. Jetzt fiel ihr endgültig nichts mehr ein. Sie strich den Mantel glatt und stob schnaubend davon. Als sie um die Hausecke verschwunden war, brachen die Anwesenden in schallendes Gelächter aus.
Bosch grinste ebenfalls vor sich hin. Diese Geschichte war eine seiner liebsten von denen, die Rolando in letzter Zeit erzählt hatte, deshalb hörte er sie immer wieder gern.
Der Nachmittag verging wie im Flug und während sich die beiden Hunde hauptsächlich über Erlebtes mit ihren Frauchen austauschten, hatten sich Hilde und Marry durch diverse Rezepte geplaudert und waren, wie immer an solchen Nachmittagen, am Ende bei den verschiedensten Diäten angelangt.
„Ach, das mit dem Abnehmen ist ein Distaster. Jetzt trinke ich schon die meiste Zeit noch solche Shakes, aber das hilft auch nicht“, jammerte Hilde.
„Herrje, für mich wäre das nichts. Nur diese Shakes. Ich brauche zwischendurch etwas Festes, auf dem ich herumkauen kann.“
„Natürlich. Das mache ich ja auch. Aber seitdem ich diese Shakes noch zusätzlich trinke, nehme ich zu statt ab.“
Marry zog die Stirn in Falten und rollte mit den Augen. „Diese Shakes sind ja nicht zum Zusätzlichtrinken! Die sollen immer eine Mahlzeit ersetzen. Wenn du das zusätzlich zu dir nimmst, ist es klar, dass du nicht abnimmst. Hast du die Anleitung auf der Packung nicht gelesen?“
„Die sollen ganze Mahlzeiten ersetzen? Das ist ja unerhört. Wer soll denn davon satt werden, von dem Geschlabber?“
„Das weiß ich auch nicht. Deshalb probiere ich es gar nicht erst.“
Die beiden Jackys hatten ihre eigene Unterhaltung unterbrochen und lauschten dem Gespräch ihrer Zweibeiner.
„Wenn die wüssten, dass wir fast jedes Wort verstehen.“
„Das würde Hilde nicht daran hindern, den ganzen Tag irgendwelche Informationen rauszuposaunen.“
„Marry würde sich schon ab und an überlegen, ob und was sie sagt. Die ist echt in Ordnung.“
„Na, wenn du Hilde gewohnt bist, ist Marry fast schon zu langweilig. Aber jeder hat halt seine Achillessehne.“ Rolando giggelte und auch Bosch musste grinsen, obwohl sein Frauchen gerade als langweilig bezeichnet worden war. Er hätte nicht tauschen mögen.
„So, meine Liebe, ich gehe jetzt nach Hause. Ich will heute früh zu Bett. Ich starte doch morgen früh schon um fünf Uhr zum Comic-Salon nach Stuttgart. Danke noch mal, dass Rolando in den nächsten vier Tagen bei dir bleiben kann.“ Hilde erhob sich von ihrem Stuhl und ging zusammen mit Marry in den Hausflur, um Mantel und Hut anzulegen.
„Du und deine Comics. Das kann ich wirklich nicht begreifen. Ist das nicht eher was für spät pubertierende Männer?“
„Mit Verlaub, aber davon hast du keine Ahnung, meine Liebe. Das ist Kunst! Komm doch einfach mal mit.“
„Lass mal, das ist nichts für mich. Aber schau, ist doch prima, dass ich hier bleibe. So sind Rolando und Bosch gut versorgt.“
„Da hast du auch wieder recht.“
„Siehst du dir heute Abend den Tatort an? Soll ja ein besonders spannender Fall sein.“
„Nein, um die Uhrzeit liege ich heute längst in Morfois Armen.“
