Alle unsere Farben - Valentina Pelzmann - E-Book

Alle unsere Farben E-Book

Valentina Pelzmann

0,0
9,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

„Du hast auch kein Zuhause“, lachte der Fahrer des Regionalbusses, als sie wiederholt an einer anderen Haltestelle einstieg als die Tage davor. Sie hatte schon an vielen Orten gewohnt und war meist zwischen diesen unterwegs. Doch von allen hatte sie keiner so überrascht wie dieser.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 30

Veröffentlichungsjahr: 2023

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Gute Geschichten bessern die Welt.

"Kein Bild der Welt ist der Fantasie ebenbürtig." - Leopold Kreczy

INHALT

Weign da Liebe

Tausend Lichter

Zuagroaste

Vergangen, nicht vergessen

Nicht hier sterben

Ober und Unter

Kreativstrecke

Der Neudauer nasses Grab

Ode an die Kulinarik

Die letzte rote Feder

Silberner Wolf auf schwarzem Grund

Die eingebrannte Hand

Graf Kottulinskys Märchenwald

Hinter den Kulissen

Weign da Liebe

Wie von hungrigen Wölfen verfolgt, hastete ich zur Elisabethstraße. Beim flüchtigen Blick stadtauswärts blendeten mich Scheinwerferlichter und zwangen mich zur Bremsung. Nervös sprang ich, den Verkehr analysierend, von einer Stiefelette auf die andere. Herbstwindkälte fraß sich durch meine orangen Strumpfhosen und kroch unter mein Kleines Schwarzes. Jetzt. In einer Autolücke lief ich los. Geradewegs auf die Bushaltestelle zu, wo mich zwei bekannte Gesichter verdutzt anstarrten.

Sie kannten mich nicht, aber ich kannte die beiden Schlawiner, die die akademische Viertelstunde für sich neu interpretiert hatten, um die Vorlesung früher verlassen zu können. Außer Atem erklärte ich mich: „Gott sei Dank seid ihr noch da! Das heißt, der Bus ist noch nicht gefahren.“

So und nicht anders trug es sich zu, dass ich mit diesem, nicht zu knapp kommunikativen, groß gewachsenen, dunkelhaarigen, jungen Mann und seinem zurückhaltenden, blonden Begleiter ins Gespräch kam. Im Zuge dessen früh die Frage bezüglich seines Wohnorts stellend: „Wo ist Neudau überhaupt?“

Beiderseits vollkommen darüber im Klaren, dass mich unser gemeinsames Geographiestudium nicht auf die Lösung bringen würde, fand ich mich wenige Tage später zu einer Feldstudie vor Ort wieder. Zum ersten Mal in Neudau, das ganz nebenbei, ebenso der Autokorrektur unbekannt, prompt auf „Neubau“ ausgebessert werden möchte. Der 1496-Seelen-Gemeinde zwischen den Weltmetropolen Hartberg und Fürstenfeld. Die Lage generell vertreten mit dem allessagenden Argument: Man sei in der Mitte von allem. Was gleichbedeutend ist mit "inmitten von nichts". Einer zynischen Gegenargumentation, die natürlich meiner Feder entstammt und bei den Einwohnern auf verbreitetes Unverständnis bis schockierte Ablehnung stößt.

Grundsätzlich verständlich. Verfügt die Marktgemeinde Neudau, trotz der stetigen Verringerung von geöffneten Geschäftsflächen doch über mindere Infrastruktur, die jene von Dörfern mit vergleichbarer Größe weit überragt.

Doch zurück zu dem bebrillten Mann, dessen grüne Augen sich leuchtend bis in meine Seele spiegelten und dem ich versprach, für immer zur Seite zu stehen. Erst im übertragenen Sinne, seit drei Jahren dann wörtlich. Hier in Neudau. Einem Ort, den die meisten nur vom Durchfahren kennen oder als die Ortschaft nördlich von Burgau. Und dessen Wert ich erst schätzen lernte, als ich begann, mich in ihn hineinzuleben.

In den Ort sowie in den Mann mit den grünen Augen.

Tausend Lichter

Der großen Weite morgendliches Farbenspiel. In herzzerberstender, tief anrührender Freude über die aufgehende Sonne mit den erstaunlichsten, eigentümlichsten sowie auch kraftvollsten Farben gemalt. Die fließenden Nuancen sich über den gesamten Himmel ausbreitend. Satt und strahlend. Bis sanft und ruhig, als wäre der Künstler selbst noch nicht richtig wach. Hat er doch am Vortag bis zum letzten Schein, zum letzten Tropfen dargebrachter Farbe, Wunder am Abendrot gewirkt. Mit seiner letzten Kraft die Welt mit einem Meisterwerk beschenkt.

Vollendet durch das scherenschnittartige Umspielen der Natur, sich spiegelnd in des Lobenbachs immerfort fließenden, sich sanft kräuselnden Wassers. Mein Leuchtfeuer auf dem Weg nach Hause, während die ganze Welt und ich in orangegoldenen Glanz getaucht werden.

Im Winter begleitet von den golfballgroßen, weiß- und gelbleuchtenden Glühbirnen der weihnachtlichen Formen, die von den dunkel