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In der völlig neuen Romanreihe "Fürstenkrone" kommt wirklich jeder auf seine Kosten, sowohl die Leserin der Adelsgeschichten als auch jene, die eigentlich die herzerwärmenden Mami-Storys bevorzugt. Romane aus dem Hochadel, die die Herzen der Leserinnen höherschlagen lassen. Wer möchte nicht wissen, welche geheimen Wünsche die Adelswelt bewegen? Die Leserschaft ist fasziniert und genießt "diese" Wirklichkeit. "Fürstenkrone" ist vom heutigen Romanmarkt nicht mehr wegzudenken. Schloß Greiffenhain lag in nachmittäglicher Geruhsamkeit, als sich ein Sportwagen mit hoher Geschwindigkeit der Auffahrt näherte. Im letzten Augenblick riß der Fahrer das Steuer herum und trat auf die Bremse. Achtlos warf er die Tür hinter sich ins Schloß und verstaute seine Sonnenbrille in der Brusttasche seines Jacketts. Zwei irische Setter rannten ausgelassen herbei und begrüßten ihn bellend, mit wedelnden Schwänzen. »He, he!« Lachend wich er den feuchten Hundeschnauzen aus, die nach seinen Händen schnappten, und packte die Tiere mit derbem Griff im Nacken. »Na, Karlsberg, mein Guter. Wie geht es so?« Er rüttelte den einen herzlich, versetzte dem anderen einen Klaps. Dann schritt er entschlossen die steinerne Treppe zum Portal hinauf. Das Dienstmädchen quiekte erschrocken auf, als sie ihn auf dem Gang ihr entgegenkommen sah. Errötend schlug sie die Augen nieder, drückte sich an die Wand und knickste. »Guten Tag, gnädiger Herr«, murmelte sie, bevor sie eilig in Richtung Küche verschwand. Die Tür zum Eßzimmer war angelehnt. Drinnen hantierte jemand leise summend. Er trat ein und stutzte. Eigentlich hatte er erwartet, die Hausdame vorzufinden. »Wer sind Sie? Wo ist Hanna?«
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Seitenzahl: 114
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Schloß Greiffenhain lag in nachmittäglicher Geruhsamkeit, als sich ein Sportwagen mit hoher Geschwindigkeit der Auffahrt näherte. Im letzten Augenblick riß der Fahrer das Steuer herum und trat auf die Bremse. Achtlos warf er die Tür hinter sich ins Schloß und verstaute seine Sonnenbrille in der Brusttasche seines Jacketts.
Zwei irische Setter rannten ausgelassen herbei und begrüßten ihn bellend, mit wedelnden Schwänzen.
»He, he!« Lachend wich er den feuchten Hundeschnauzen aus, die nach seinen Händen schnappten, und packte die Tiere mit derbem Griff im Nacken. »Na, Karlsberg, mein Guter. Wie geht es so?« Er rüttelte den einen herzlich, versetzte dem anderen einen Klaps. Dann schritt er entschlossen die steinerne Treppe zum Portal hinauf.
Das Dienstmädchen quiekte erschrocken auf, als sie ihn auf dem Gang ihr entgegenkommen sah. Errötend schlug sie die Augen nieder, drückte sich an die Wand und knickste. »Guten Tag, gnädiger Herr«, murmelte sie, bevor sie eilig in Richtung Küche verschwand.
Die Tür zum Eßzimmer war angelehnt. Drinnen hantierte jemand leise summend. Er trat ein und stutzte. Eigentlich hatte er erwartet, die Hausdame vorzufinden.
»Wer sind Sie? Wo ist Hanna?« fragte er barsch.
Die Frau, die adrett gekleidete Dame reiferen Alters, hielt inne und hob den Blick. Sie war gerade dabei gewesen, Gläser und Servietten für zwei Gedecke zu richten. Ein warmes Lächeln erschien auf ihrem noch immer sehr schönen Antlitz.
»Hanna macht ein paar Wochen frei. Um ihre Gesundheit stand es in der letzten Zeit nicht zum besten.« Ihre Stimme hatte einen weichen, mütterlichen Klang. »Mein Name ist Helena Lehnbach.« Einen Augenblick musterte sie ihn mit wohlwollendem Interesse. »Und Sie müssen Reinhold von Greiffenhain sein, nicht wahr? Ihr Vater ist noch draußen in den Weinbergen, aber ich denke, er sollte bald zurückkehren. Er wird sich freuen, Sie zu sehen.«
Reinhold von Greiffenhain zuckte gleichmütig mit den Schultern. »Ich muß noch einmal telefonieren«, sagte er mit einem knappen Blick auf den Eßtisch. »Schicken Sie mir das Mädchen mit einem Whisky hinauf. Zwei Eiswürfel.«
Andächtig faltete Helena Lehnbach die zweite Serviette zu einem kunstvollen Gebilde, ein Vorhaben, welches ihr zweimal mißlang, denn ihre Hände hatten unmerklich angefangen zu zittern.
Als Fürst Gotthard Greiffenhain kurze Zeit später eintraf, eilte sie ihm entgegen. »Reinhold ist hier«, raunte sie ihm zu, noch ehe er etwas sagen konnte.
Gotthard von Greiffenhain griff beruhigend nach ihrer Hand. »Ich weiß«, sagte er. »Ich habe seinen Wagen gesehen.« Dann strich er ihr sanft über die Wange. »Es tut mir leid, Helena. Was muß es für ein Schock für dich gewesen sein, ihm so unvermittelt gegenüberzustehen.«
Helena schaute zum Fürsten auf und schüttelte langsam den Kopf. »Es braucht dir nicht leid zu tun. Früher oder später mußte es wohl geschehen«, sagte sie. Aufmerksam musterte sie das ihr so wohlvertraute, vom Leben gegerbte Antlitz des Fürsten mit dem energischen Kinn und der Hakennase. »Er ist dein Ebenbild, Gotthard. Kein noch so gelungenes Foto kann diese Ähnlichkeit so deutlich vermitteln.«
»Hm«, machte Fürst Gotthard von Greiffenhain abwehrend. »Mag sein. Hat er gesagt, was er will?«
»Braucht er einen besonderen Grund, um hier zu sein? Immerhin ist es sein Vaterhaus.«
Ein Hauch von Bitternis umwölkte die Züge des Fürsten. »Es gab in den letzten Jahren für Reinhold meistens nur einen Grund, Schloß Greiffenhain einen Besuch abzustatten«, sagte er düster.
Helena seufzte. »Gotthard, sollen all unsere Opfer wirklich umsonst gewesen sein? Warum unternimmst du nicht wenigstens den Versuch, dich mit ihm auszusöhnen?«
»Da gibt es nichts, worüber wir uns aussöhnen müßten. Es ist seine Haltung, wahrscheinlich sein Charakter, was weiß ich. Folglich liegt es nicht in meiner Macht…«
Rasch wechselte Helena das Thema. »Das Essen ist fertig. Im Speisezimmer sind zwei Gedecke aufgelegt. Ich werde nach ihm rufen lassen.«
»Moment«, unterbrach sie der Fürst, als sie sich gerade zum Gehen wenden wollte. »Du wirst doch selbstverständlich mit uns essen.«
Helena lächelte sanft. »Das wäre nicht klug, Gotthard. Er glaubt…«
»Ach was«, knurrte der Fürst, ehe sie ihren Satz beendet hatte. »Ich bin ihm keine Erklärung schuldig.« Eindringlich sah er Helena in die Augen. »Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich das Gefühl, frei zu sein in meinen Entscheidungen.«
Da schüttelte Helena wehmütig den Kopf. »Wir sind niemals wirklich frei in unseren Entscheidungen.«
»Ein Satz von bewundernswerter Weisheit, wenn Sie mir das Urteil gestatten. Er sollte dir eigentlich aus dem Herzen sprechen, nicht wahr, Vater.« Reinhold von Greiffenhain stand auf dem oberen Treppenabsatz. Ein spöttisches Lächeln umspielte seine Lippen.
Während er stolz und selbstbewußt die Treppe hinabschritt, um seinen Vater mit einer knappen Umarmung zu begrüßen, erlag Helena Lehnbach stärker noch als bei ihrer ersten Begegnung einer beklemmenden Faszination. Beide besaßen nicht nur die gleiche kräftige Statur, das gleiche kantig geschnittene Gesicht und das dichte Haar, nur daß der rotblonde Ton des Fürsten mit den Jahren schlohweiß geworden war. Die Ähnlichkeit zwischen Vater und Sohn war auch in ihren Bewegungen offenkundig. Beide hatten die gleiche Art zu sprechen, und dennoch spürte der sensible Beobachter sofort einen unversöhnlichen Gegensatz, eine nur mühsam unterdrückte Spannung.
Fürst Gotthard von Greiffenhain räusperte sich. »Frau von Lehnbach, darf ich Ihnen meinen Sohn vorstellen? Reinhold von Greiffenhain.«
»Wir hatten bereits die Ehre«, sagte Reinhold. Er deutete einen Diener an, während sich das spöttische Lächeln um seine Lippen verstärkte. »Gnädige Frau…«
»Helena, würde es Ihnen etwas ausmachen, ein drittes Gedeck aufzulegen und mit uns zu speisen?«
*
Die Entschiedenheit des Fürsten ließ Helena von Lehnbach keine andere Wahl. Sie fühlte sich, als habe er sie ohne Halt über spiegelglattes Parkett geschickt. Sie war sich immer so sicher gewesen, daß sie nichts mehr so leicht erschüttern konnte. Dafür war sie in ihrem Leben durch zu tiefe Täler geschritten. Was also konnte schon passieren?
Während sie der Unterhaltung zwischen Vater und Sohn lauschte, legte sich allmählich ihre Nervosität.
»Der Wein steht gut«, begann Reinhold von Greiffenhain. »Ich habe auf der Herfahrt kurz Halt gemacht. Ein guter Jahrgang.«
Geschmeichelt grummelte der Fürst. Selten waren die Momente, in denen Reinhold Interesse am väterlichen Weingut und der Sektkellerei zeigte. Es entspann sich eine fast freundliche Konversation.
»Und wie geht es Rosalinde?« erkundigte sich Reinhold von Greiffenhain höflich. »Sie müssen wissen, meine Schwester hat vor ein paar Wochen erst eine ausgezeichnete Partie gemacht«, erklärte er zu Helena von Lehnbach geneigt. »Sie ist jetzt eine Baronin Grandetzky. Der ganze Stolz ihres Vaters.« Unvermittelt war sein Tonfall wieder spöttisch, fast verächtlich geworden. Unbehagliche Kühle senkte sich über die kleine Gesellschaft.
»Übrigens«, fuhr Reinhold von Greiffenhain fort, »es tut mir leid, aber ich meinte, vorhin bei unserer ersten Begegnung Ihren Titel überhört zu haben, gnädige Frau. Ein Versäumnis, welches mein Vater die Großzügigkeit hatte zu korrigieren.«
Der Fürst warf seinem Sohn einen konsternierten Blick zu.
Verlegen knetete Helena von Lehnbach ihre Serviette. Eine leichte Röte hatte ihr Antlitz überzogen. Um ihrer Stimme Festigkeit zu verleihen, holte sie noch einmal tief Luft, ehe sie erklärte: »Es ist nur ein unbedeutender Titel. Mitunter vergesse ich einfach, ihn hinzuzufügen.« Sie lächelte entschuldigend, dann merkte sie an: »Mein verstorbener Gatte war Rittmeister. Er fiel vor langen Jahren bei einem kolonialen Abenteuer in Afrika.«
Die Miene des Fürstensohnes hatte sich unmerklich verändert. Gerade noch spöttisch, drückte sich darin jetzt fast Bewunderung aus. »Bemerkenswert. Sie tragen einen Adelstitel, und er bedeutet Ihnen so wenig, daß Sie sich gelegentlich nicht einmal daran erinnern? Nein, nein, verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Ich will nur andeuten, daß solche Ansichten in diesem Hause nicht allzu populär sind.« Herausfordernd wandte er sich wieder seinem Vater zu, ehe ihm dieser das Wort abschneiden konnte. »Ich finde Sie nicht uninteressant, die Auffassungen deiner neuen Hausdame. Fast spürt man einen frischen Wind durch diese ehrwürdigen Mauern wehen.«
»Meine Hausdame?« entfuhr es Fürst Greiffenhain verdutzt, der darüber sogar die letzte Provokation seines Sohnes überhörte. Da fing er einen bittenden Blick Helenas auf und begriff. Er zog es vor, die Rolle des Zerstreuten zu spielen. »Natürlich, Gewiß… gewiß«, nickte er, während sich Helena von Lehnbach eilfertig erhob.
»Ich werde mich um den Kaffee kümmern. Wünschen Sie auch Cognac und Zigarren, Durchlaucht?«
»Du solltest das Rauchen endlich aufgeben, Papa«, tadelte Reinhold von Greiffenhain, kaum daß sich die Tür hinter Helena geschlossen hatte. »Es ist nicht gut für dich.«
Es erinnerte den Fürsten an ein Stechen im Brustkorb, das ihn in den letzten Wochen gelegentlich befiel. In jenen kurzen Momenten der Angst schwor er sich Besserung, doch so bald die Beklemmung nachließ, verdrängte er rasch jeden Gedanken daran. Unwirsch verbat er sich die Ratschläge seines Sohnes.
»Komm endlich zur Sache«, forderte er ihn auf, nachdem er einen Schluck Cognac genommen und die ersten tiefen Züge seiner Zigarre genossen hatte. »Was willst du?«
»Wieso, Vater?« fragte Fürst von Greiffenhain mit schlecht gespielter Unschuldsmiene.
Der Fürst hob ungeduldig die Augenbrauen. »Du bist gewiß nicht hier, um über die bevorstehende Weinlese zu plaudern. Also, verschwenden wir nicht länger unsere Zeit. Was willst du?«
»Du tust mir unrecht, Papa«, fuhr Reinhold von Greiffenhain auf. »Es ist nicht so, daß mich die Güter nicht interessieren. Aber solange du mich nicht in die Leitung einbeziehst… Mein Gott, wir haben dieses Thema schon so oft besprochen. Du bist doch derjenige, der die Verantwortung nicht teilen will.«
Die Miene des Fürsten wurde unerbittlich. »Weil ich an deiner Ernsthaftigkeit zweifle. Du kannst es nicht erwarten, hier nach Gutdünken schalten und walten zu dürfen. Dabei willst du nur das schnelle Geld verdienen.«
Reinhold von Greiffenhain schnaufte verächtlich und schlug seine Beine übereinander. »Du wirst dich niemals ändern. Du bist genauso verbohrt und starrsinnig wie eh und je. Und du würdest dich lieber zu Tode schuften, statt nur einen einzigen Zentimeter Verantwortung abzugeben.«
Er beugte sich nach vorn und fuhr in verändertem Ton fort: »Verstehst du denn nicht, Papa? Ich mache mir Sorgen um dich. Du bist schließlich nicht mehr der Jüngste.«
Für einen Augenblick schien der Fürst gerührt, doch dann wurde seine Miene wieder verschlossen. »Das ehrt dich. Aber nicht die Sorge um meine Gesundheit ist es, die dich nach langer Zeit wieder einmal nach Schloß Greiffenhain führt. Du brauchst Geld, Reinhold. Oder stimmt es etwa nicht?«
Reinhold von Greiffenhain lehnte sich zurück. »Auch«, räumte er widerwillig ein. »Meine Geschäfte werfen im Augenblick nicht allzu viel ab. Ein vorübergehender Engpaß…« Er breitete seine Arme aus, als sei die Sache kaum der Rede wert. »Unternehmerisches Risiko, das kennst du doch. Eine kleine Finanzspritze könnte gewiß nicht schaden…«
Fürst von Greiffenhain musterte seinen Sohn streng. »Was ist mit dem Vermögen aus deinem mütterlichen Treuhandfonds?«
Reinhold von Greiffenhain wand sich unbehaglich. »Es wäre nur vorübergehend, Papa.« Es kostete ihn Beherrschung, nicht damit herauszuplatzen, was er wirklich dachte. Daß er es als erniedrigend empfand, mit fast dreißig Jahren vor seinem Vater Rechenschaft ablegen zu müssen, wie ein Schulbub, der um mehr Taschengeld feilscht. Daß ihm sein Vater aus purer Boshaftigkeit vorenthielt, was ihm von Rechts wegen zustand. Das Gut warf ein Vermögen ab. Und er, Reinhold von Greiffenhain, rechtmäßiger Erbe, wurde von seinem eigenen Vater behandelt wie ein lästiger Bittsteller.
Fürst von Greiffenhain nahm sich Zeit, den Tabakrauch tief zu inhalieren. Dann richtete er seine Zigarre anklagend auf seinen Sohn, als hätte er seine Gedanken erraten. »Du hältst mich für einen knauserigen Starrkopf, nicht wahr, Reinhold? Doch ich werde dir sagen, was dich immer wieder in Geldnöte bringt. Dein ausschweifender Lebensstil ist es. Das Spielkasino, die Autorennen, Pferdewetten und nicht zu vergessen geschmacklose Liebschaften.« Er wechselte seinen Tonfall und fuhr eindringlich fort: »Doch selbst wenn ich gewillt wäre, über deinen Mangel an Verantwortungsgefühl hinwegzusehen… Du kennst das Testament. Unsere Vorfahren haben sie bestimmt, die Bedingungen, unter denen die Leitung der Güter jeweils in die Hände der nächsten Generation unserer Familie weitergereicht werden darf. Meines Erachtens sehr vernünftige und weise Bedingungen. Warum also heiratest du nicht endlich eine junge Dame aus guter Familie, die dir einen Sohn und Erben schenkt? Dann, ja, dann könnte ich mich endlich zur Ruhe setzen.«
Reinhold dachte, daß er in der Absicht gekommen war, gerade darüber mit seinem Vater zu sprechen. Resigniert erhob er sich. Es hatte wohl doch keinen Zweck…
*
Es war schon spät in der Nacht, als Annika endlich das ersehnte Geräusch des Schlüssels vernahm, der die Tür zu ihrem kleinen Appartement öffnete. Reinhold von Greiffenhain gab ihr einen Kuß, dann musterte er sie besorgt. »Du bist noch auf?« fragte er vorwurfsvoll. »Das ist nicht gut für dich. Du mußt dich doch schonen.«
Annika lächelte ihm entschuldigend zu. »Nach der Vorstellung kann ich ohnehin nur schwer einschlafen. Und ich wollte doch auf dich warten…« Sie sah ihn forschend an, und eine bange Vorahnung überschattete ihr zartes rosiges Antlitz. Aufseufzend barg sie ihren Kopf an seiner Brust.
Reinhold von Greiffenhain strich ihr zärtlich über das lange, blonde Haar, und das Herz wurde ihm schwer. Er hätte ihr gern erfreulichere Nachrichten gebracht.
Annika ging voraus in das mit hellen, modernen Möbeln eingerichtete Wohnzimmer. In der Ecke brannte eine Stehlampe, und auf dem Tisch lag ein aufgeschlagenes Buch, in dem sie versucht hatte zu lesen, ohne jedoch viel von der Handlung zu begreifen. Jetzt schlug sie es achtlos zu und legte es zu einem Packen loser Notenblätter ins Regal.
Reinhold von Greiffenhain sah ihr zu, wie sie einen silbernen Leuchter vom Konzertflügel nahm und die Kerzen entzündete.
Auf dem Weg zu ihr hatte ein dumpfer Groll gegen seinen Vater seine Stimmung vergällt. Doch wie Dunkelheit in den ersten Lichtstrahlen der aufgehenden Sonne verblaßte sein Ärger in ihrer Nähe.
Annika hatte ihre zierliche Figur in einen bequemen dunkelgrünen Hausanzug aus weichem Samt gehüllt. Jetzt, mitten in der Nacht, mit müden Schatten unter den Augen, sah sie schutzbedürftiger aus denn je. Immer wieder, seit er ihr zum ersten Mal begegnet war, fragte sich Reinhold,
woher sie nur die Kraft nahm,
