Alles für die Katz - James Herriot - E-Book
SONDERANGEBOT

Alles für die Katz E-Book

James Herriot

0,0
7,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 3,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Die schönsten Katzengeschichten des berühmten englischen Tierarztes, der mit seinen Büchern auch in Deutschland die Bestsellerlisten eroberte. Wer Herriots Erzählungen liebt, wird hier alte Bekannte wiedertreffen und neue Freunde gewinnen: Etwa Oskar, den getigerten Kater, der gern mal auf einen Schluck Bier in die Dorfkneipe einkehrt, das Kätzchen Moses, das im Schilf gefunden wurde und sein Herz an ein Schwein verschenkt, die elegante, weißpfotige Emily, die mit einem aristokratischen Tramp über die Landstraßen flaniert, oder den klugen Alfred, der dafür sorgt, daß in Herrchens Süßwarenladen das Geschäft läuft. Die Menschlichkeit und der Humor, die aus jeder Zeile seiner Bücher sprechen, und das tiefe Mitgefühl mit seinen vierbeinigen Patienten haben Herriot zu einem weltweit erfolgreichen Erzähler gemacht.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 158

Veröffentlichungsjahr: 2023

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



James Herriot

Alles für die Katz

Zehn schnurrige Geschichten

 

 

Aus dem Englischen von Silvia Morawetz, Helmut Kossodo, Patricia Klobusiczky und Ulla H. de Herrera

 

Über dieses Buch

Die schönsten Katzengeschichten des berühmten englischen Tierarztes, der mit seinen Büchern auch in Deutschland die Bestsellerlisten eroberte. Wer Herriots Erzählungen liebt, wird hier alte Bekannte wiedertreffen und neue Freunde gewinnen: etwa Oscar, den getigerten Kater, der gern mal auf einen Schluck Bier in die Dorfkneipe einkehrt, das Kätzchen Moses, das im Schilf gefunden wurde und sein Herz an ein Schwein verschenkt, die elegante, weißpfotige Emily, die mit einem aristokratischen Tramp über die Landstraßen flaniert, oder den klugen Alfred, der dafür sorgt, dass in Herrchens Süßwarenladen das Geschäft läuft.

Die Menschlichkeit und der Humor, die aus jeder Zeile seiner Bücher sprechen, und das tiefe Mitgefühl mit seinen vierbeinigen Patienten haben Herriot zu einem weltweit erfolgreichen Erzähler gemacht.

Vita

Unter dem Pseudonym James Herriot verfasste der 1916 geborene britische Tierarzt James Wight unzählige warmherzige Tierarztgeschichten. Er wuchs in Schottland auf, studierte in Glasgow Tiermedizin und erhielt eine Assistentenstelle in den North Yorkshire Dales. Sein Sohn übernahm später die väterliche Praxis, während seine Tochter Ärztin wurde. James Herriot starb am 23. Februar 1995 in Thirsk/Nordengland.

Impressum

Veröffentlicht im Rowohlt Verlag, Hamburg,

Copyright © 1976, 1979, 1993, 1999 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg

«James Herriot’s Cat Stories» Copyright © 1994 by James Herriot

Quellenverzeichnis siehe Seite 219

Covergestaltung Lesley Holmes, Susanne Heeder

ISBN 978-3-644-00976-9

 

Schrift Droid Serif Copyright © 2007 by Google Corporation

Schrift Open Sans Copyright © by Steve Matteson, Ascender Corp

 

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt, jede Verwertung bedarf der Genehmigung des Verlages.

 

Die Nutzung unserer Werke für Text- und Data-Mining im Sinne von § 44b UrhG behalten wir uns explizit vor.

Hinweise des Verlags

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

 

Alle angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf die Printausgabe.

 

Im Text enthaltene externe Links begründen keine inhaltliche Verantwortung des Verlages, sondern sind allein von dem jeweiligen Dienstanbieter zu verantworten. Der Verlag hat die verlinkten externen Seiten zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung sorgfältig überprüft, mögliche Rechtsverstöße waren zum Zeitpunkt der Verlinkung nicht erkennbar. Auf spätere Veränderungen besteht keinerlei Einfluss. Eine Haftung des Verlags ist daher ausgeschlossen.

 

 

www.rowohlt.de

Vorwort

Katzen haben in meinem Leben schon immer eine große Rolle gespielt, zunächst in Glasgow, als ich noch ein Junge war, später während meiner Laufbahn als Veterinärchirurg, und heute, da ich pensioniert bin, sind sie immer noch präsent und erfreuen mich jeden Tag aufs Neue.

Sie waren ausschlaggebend für die Wahl meines Berufes.Während der Schulzeit wurde meine Tierwelt noch von einem wunderschönen Irish Setter namens Don beherrscht, mit dem ich fast vierzehn Jahre durch die schottische Berglandschaft gestreift bin. Wenn ich von diesen Spaziergängen zurückkehrte, wurde ich allerdings stets von meinen Katzen begrüßt, die sich schnurrend an meine Beine schmiegten und ihre Schnauzen gegen meine Hände rieben.

In unserem Haushalt hat es immer mehrere Katzen gegeben, und jede hatte ihren ganz eigenen Reiz. Ihre natürliche Anmut und Eleganz, die Selbstverständlichkeit, mit der sie auf Zuneigung und Zärtlichkeit reagierten, machten sie mir alle lieb und teuer, und voller Ungeduld wartete ich auf den Tag, an dem ich an der Fakultät für Tiermedizin endlich alles über Katzen erfahren würde. Auch ihre Spielfreude weckte bei mir immer wieder Begeisterung. Ich kann mich an eine erinnern, die Topsy gerufen wurde und stets zum Spielen aufgelegt war. Gern tanzte sie wie eine Krabbe auf Don zu, mit keck aufgerichteten Ohren, bis er es nicht länger aushalten konnte und sich auf sie stürzte, was unweigerlich zu einem endlosen Gerangel führte.

Wenn eine der Katzen krank wurde, riefen wir den ortsansässigen Tierarzt, und ich sah voller Bewunderung zu ihm auf, weil er sich intensiv mit dieser Tierart befasst hatte und jeden Knochen, jeden Nerv und jede Faser des Katzenkörpers kannte.

Als ich dann endlich mein Studium aufnahm, stellte ich verblüfft fest, dass sich weit und breit niemand für meine geliebten Katzen interessierte. Eines meiner Lehrbücher war ein riesiger Wälzermit dem Titel Sisson’s Anatomy of the Domestic Animals. Man musste schon einiges an Kraft aufbieten, um es aus dem Regal zu heben, allein dieses Buch zu schleppen war reinste Herkulesarbeit. Gespannt blätterte ich es durch. Die Seiten waren reich bebildert mit den Innereien von Pferd, Rind, Schaf, Schwein und Hund, in genau dieser Reihenfolge. Es schien gerade noch ein wenig Platz für den Hund übrig zu sein, aber die Katze suchte ich vergebens. Schließlich sah ich im Register nach. Unter dem Buchstaben «K» war nichts zu finden, und ich dachte mir, aber klar, du musst unter «F» wie Feliden schauen, aber auch das erwies sich als Fehlanzeige, und ich musste mir wohl oder übel eingestehen, dass meine geliebten Tiere nicht einmal für erwähnenswert erachtet wurden.

Ich konnte es einfach nicht glauben. Ich dachte an die vielen alten Menschen und an die Invaliden, denen Katzen Trost, Freude und Gesellschaft spendeten. Katzen waren die einzigen Haustiere, die sie halten konnten. Was dachte sich mein Berufsstand überhaupt? Die einfache Antwort lautet, dass die Tiermedizin im Rückstand war.

Sisson’s Anatomy war 1910 erschienen und bis 1930 mehrmals wieder aufgelegt worden, und ein druckfrisches Exemplar dieser letzten Auflage hatte ich als Student in Händen gehalten. Ich habe schon oft erzählt, dass ich mich ursprünglich auf Hunde und Katzen spezialisieren wollte, obwohl ich später meine berufliche Laufbahn in einer Großtierpraxis absolvieren sollte. Als ich in den dreißiger Jahren meine Ausbildung abgeschlossen hatte, herrschte nun einmal die Wirtschaftskrise, Arbeit war kaum zu finden, und so musste ich schließlich mit Gummistiefeln durch die North Yorkshire Dales stapfen. Das habe ich über fünfzig Jahre lang gemacht, ohne eine einzige Minute missen zu wollen, aber zu Beginn war ich überzeugt, dass mir die Katzen fehlen würden. Ich hatte mich geirrt. An allen Ecken und Enden tauchten Katzen auf. Jede Farm hatteihre eigenen Katzen. Sie hielten die Mäuse fern und führten in dieser ländlichen Abgeschiedenheit ein ganz freies Leben. Komfort wissen Katzen stets zu schätzen, und so habe ich in der Futterraufe oft ein gemütliches Nest voller junger Kätzchen mit ihrer Mutter vorgefunden, wenn ich den Kopf einer Kuh untersuchte. Man sah sie zwischen Heuballen zusammengerollt oder selig in sonnenbeschienenen Ecken ausgestreckt, denn Katzen lieben die Wärme, und an bitterkalten Wintertagen zog sie die heiße Motorhaube meines Wagens magisch an. Kaum war ich in den Hof hineingefahren, sprang bereits die eine oder andere Katze auf die Haube. Einige Bauern waren richtige Katzennarren und hielten sie nicht allein aus praktischen Gründen; in solchen Höfen fand sich gleich eine ganze Reihe kleiner Wesen, die die unverhoffte Wärme zu würdigen wussten, und wenn ich wieder wegfuhr, bedeckte ein Muster aus schlammigen Pfotenspuren jeden Zentimeter des erhitzten Blechs. Die Spuren trockneten rasch ein, und da ich weder Zeit noch Lust hatte, den Wagen zu waschen, blieben sie als eine Art Dauerschmuck bestehen.

Auf meinem täglichen Rundgang durch unser ländliches Städtchen sah ich viele alte Leute, die in ihren kleinen Cottages mit einer Katze im Schoß oder am Kamin saßen. So hatten sie Gesellschaft und mussten ihr Leben nicht einsam fristen.

All diese Begegnungen machten mich immer wieder auf Katzen aufmerksam, und doch wurden sie von unserem Bildungssystem übergangen. Aber das war vor mehr als fünfzig Jahren, und schon damals begann sich ein Wandel abzuzeichnen. An den Fakultäten für Tiermedizin wurden Katzen allmählich in den Lehrplan aufgenommen, und so befragte ich eifrig die Studenten, die bei uns hospitierten. Später, als unsere Praxis erweitert wurde, horchte ich die jungen Assistenten aus, die mit lauter neuen Erkenntnissen zu uns kamen. Selbst in den Fachzeitschriften tauchten inzwischen Artikel über Katzen auf, die ich mit großem Interesse verschlang.

In den gut fünfzig Jahren, die ich als Tierarzt praktizierte, trug die Forschung immer neue Früchte, und heute, da ich mich aus dem Berufsleben zurückgezogen habe und alles hinter mir liegt, blicke ich oft zurück und denke über die Veränderungen nach, die in dieser Zeit eingetreten sind. Die wissenschaftliche Anerkennung von Katzen war natürlich nur ein kleiner Bestandteil der Revolution, die meinen Berufsstand beinah von Grund auf umwälzte, ebenso wie das Verschwinden der Zugpferde, die Einführung von Antibiotika, die die fast mittelalterlichen Medizintränklein hinwegfegten, die ich bis dato hatte anwenden müssen, die neuen chirurgischen Methoden, die wunderbaren Schutzimpfungen, die überall Verbreitung fanden – es kommt mir vor wie die Verwirklichung eines Traums.

Heute zählen Katzen unbestritten zu den beliebtesten Haustieren. Bedeutende Tierärzte widmen ihnen umfangreiche, prestigeträchtige Werke, es gibt sogar etliche Veterinäre, die sich allein auf Katzen spezialisieren.

Vor dem Schreibtisch, an dem ich sitze, steht eine lange Reihe von alten Lehrbüchern, die ich in fernen Jugendtagen studiert hatte. Sisson ist dabei, so gewaltig wie ehedem, und all die anderen, die ich immer wieder zu konsultieren pflege, wenn ich mich an bestimmte Erlebnisse erinnern oder einfach einmal herzhaft lachen möchte; daneben stehen jedoch die prachtvollen neuen Bände, die nur ein Thema kennen – Katzen. Oft denke ich auch an die seltsamen Vorurteile zurück, die viele Leute Katzen gegenüber hegten: Sie seien selbstsüchtige Wesen, die ihre Zuneigung nur dann zeigten, wenn sie sich davon einen Vorteil versprächen, und die niemals der bedingungslosen Liebe fähig wären, die ein Hund zu geben vermöge. Sie seien absolut selbstgenügsame Kreaturen, die sich nur um die eigenen Belange kümmerten. Was für ein Unfug! Ich habe so viele Katzen erlebt, die ihre Köpfe an meinem rieben und mit sorgsam eingezogenen Krallen meine Wangen berührten. In meinen Augen sind das unmissverständliche Zeichen von Liebe.

Während ich dies hier schreibe, haben wir gerade keine Katze im Haus, weil unser Border Terrier nicht gut mit ihnen auskommt und sie bei jeder Gelegenheit durch die Gegend scheucht. Allerdings rennt er erst nach ihnen los, denn obwohl er es gern mit jedem Hund aufnimmt, ob groß oder klein, fürchtet er sich insgeheim vor Katzen. Wenn eine Katze seinen Weg kreuzt,macht Bodie lieber einen weiten Bogen um sie. Doch wenn er schläft – im Alter von dreizehn Jahren seine Lieblingsbeschäftigung –, besuchen uns die Nachbarskatzen aus dem ganzen Dorf. Vor unserem Küchenfenster steht eine brusthohe Mauer, und dort versammeln sich alle möglichen Vertreter der Gattung, um zu sehen, was wir ihnen bieten können.

Stets halten wir verschiedene Leckereien für sie bereit, die wir auf dem Mauersims verteilen. Unter den Besuchern gibt es aber einen wunderschönen gelbweißen Kater, der so zutraulich ist, dass er viel lieber gestreichelt als gefüttert werden möchte. Während er unter ohrenbetäubendem Schnurren versucht, seine Nase in meine Hand zu pressen, droht mir jedes Mal die Packung mit dem Knabberzeug zu entgleiten, was regelmäßig zu einem kleinen Zweikampf führt. Oft muss ich die Fütterung abbrechen, um ihn ausgiebig zu streicheln, am Kinn zu kraulen und zu massieren, denn das ist ihm am liebsten.

Ich halte es für eine sehr vernünftige Maxime, dass man nach der Pensionierung seinen früheren Arbeitsplatz nicht länger unsicher machen sollte. Natürlich bedeutet mir Skeldale House mehr als das. Es ist ein Ort voller Erinnerungen, dort habe ich mein Junggesellenleben mit Siegfried und Tristan geteilt, mein Eheleben begonnen, meine Kinder auf die Welt kommen und aufwachsen sehen, dort habe ich ein halbes Jahrhundert lang die Triumphe und Niederlagen erlebt, die einem Tierarzt beschieden sind, und doch gehe ich nur noch hin, um meine Post abzuholen. Bei dieser Gelegenheit schaue ich kurz nach, wie die Dinge laufen.

Die Praxis wird nun von meinem Sohn Jimmy und seinen großartigen jungen Partnern geführt; vergangene Woche stand ich im Büro und beobachtete das rege Kommen und Gehen der Kleintiere, die untersucht, operiert oder geimpft werden wollten. Welch Unterschied zu meinen Anfängen, als unsere Arbeit zu neunzig Prozent an Nutztieren verrichtet wurde!

Ich wandte mich von dem Strom zotteliger Tierchen ab, um mit Jimmy zu sprechen.

«Welche Tiere kommen am häufigsten in deiner Praxis vor?»

Er dachte einen Augenblick nach, dann antwortete er mir: «Hunde und Katzen halten sich ungefähr die Waage, aber ich glaube, dass die Katzen bald überhand nehmen werden.»

Alfred, der Ladenhüter

Mein Hals brachte mich um. Drei nacheinander auf windgepeitschten Berghängen in Hemdsärmeln beim Lammen verbrachte Nächte hatten mir eine beginnende Erkältung eingetragen, und ich verspürte das dringende Bedürfnis nach einem Päckchen der Hustendrops von Geoff Hatfield. Eine unwissenschaftliche Behandlungsmethode vielleicht, doch ich glaubte wie ein Kind an diese kraftvollen kleinen Bonbons, die einem im Munde explodierten und in wellenförmigen Stößen heilkräftige Feuchtigkeit durch die Bronchien pumpten. Das Geschäft lag in einer Seitenstraße, und es war so winzig – nicht viel größer als ein gemütliches Plätzchen in einer Wohnung –, dass über dem Fenster kaum Platz für das Ladenschild blieb: GEOFFREY HATFIELD, SÜSSWAREN. Aber der Laden war voll. Er war immer voll, und da heute Markttag war, war er übervoll.

Die kleine Glocke machte «Pling», als ich die Tür öffnete und mich in das Gewühl von ortsansässigen Damen und Bauersfrauen quetschte. Ich musste eine Weile warten, doch das machte mir nichts aus, denn Mr. Hatfield in Aktion zu sehen war eine der lohnendsten Beschäftigungen in meinem Leben.

Ich war auch zu einem günstigen Zeitpunkt gekommen, denn der Besitzer befand sich mitten in einer seiner Entscheidungsschlachten. Er kehrte mir den Rücken zu, und der Löwenkopf mit der silbernen Mähne ragte leicht geneigt über den breiten Schultern empor, als er die Reihen großer Bonbongläser vor der Wand inspizierte. Die auf dem Rücken zusammengelegten Hände strafften und lockerten sich abwechselnd, während er seinen inneren Kampf ausfocht, dann schritt er mit ein paar flinken Schritten die Reihe ab und prüfte nacheinander alle Gläser mit forschendem Blick. Mir kam der Gedanke, dass Lord Nelson, als er auf dem Achterdeck der Victory auf und ab geschritten war und über die beste Taktik für den Angriff auf den Feind nachgedacht hatte, nicht imposanter einen konzentrierten Menschen vorgestellt haben konnte.

Die Spannung in dem kleinen Laden stieg merklich, als er eine Hand nach oben reckte, sie dann jedoch kopfschüttelnd wieder zurückzog, und ein Seufzer entfuhr den versammelten Damen, als er mit einem abschließenden ernsten Nicken und einem Straffen der Schultern beide Arme ausstreckte, ein Glas ergriff, sich herumdrehte und der Gesellschaft zuwandte. Sein langes Gesicht, das dem eines römischen Senators ähnelte, war zu einem gütigen Lächeln verzogen.

«Nun, Mrs. Moffat», redete er mit Donnerstimme eine korpulente Matrone an, hielt das Glasgefäß mit beiden Händen und neigte es mit der Anmut und der Ehrerbietung eines Cartier-Juweliers, der ein Diamantenkollier präsentiert, «ich frage mich, ob ich Sie hierfür gewinnen kann.»

Mrs. Moffat, die fest ihre Einkaufstasche umklammerte, inspizierte die in Papier gewickelten Bonbons in dem Glas genau. «Nun, ich weiß nicht recht …»

«Wenn ich mich recht entsinne, Madam, haben Sie angedeutet, dass Sie etwas in der Art eines russischen Karamells suchen, und diese kleine Köstlichkeit kann ich mit bestem Gewissen empfehlen. Sie entspricht zwar nicht ganz dem russischen, ist aber dennoch ein sehr feiner, weich schmelzender Toffee.» Sein Ausdruck wurde Ernst, erwartungsvoll.

Der sonore Beigeschmack seiner Beschreibung weckte in mir umgehend den Wunsch, die Süßigkeiten zu packen und sie auf der Stelle zu verschlingen, und auf die Dame schien er die gleiche Wirkung auszuüben. «Also gut, Mr. Hatfield», sagte sie eifrig. «Ich nehme ein halbes Pfund.»

Der Ladenbesitzer machte eine leichte Verbeugung. «Verbindlichen Dank, Madam, ich bin sicher, dass Sie Ihre Wahl nicht bereuen werden.» Seine Züge entspannten sich zu einem gütigen Lächeln, und als er die Toffees liebevoll auf die Waage rutschen ließ, bevor er sie mit einem professionellen Schlenker der Hand in die Tüte schüttete, verspürte ich neuerlich das Verlangen, mich über die Süßigkeiten herzumachen.

Mr. Hatfield beugte sich, beide Hände auf den Ladentisch gestützt, vor und hielt den Blick unverwandt auf seine Kundin gerichtet, bis er sie mit einem höflichen «Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag, Madam» und einer Verbeugung aus dem Laden komplimentiert hatte. Dann wandte er sich der versammelten Gemeinde zu. «Ah, Mrs. Dawon, wie überaus reizend, Sie zu sehen. Womit kann ich heute Morgen dienen?»

Die offensichtlich entzückte Dame strahlte ihn an. «Ich hätte gern von diesem Schokoladenfondant, das ich letzte Woche hatte, Mr. Hatfield. Es war köstlich. Haben Sie es noch?»

«Gewiss, Madam, und ich bin erfreut, dass meine Empfehlung Ihren Beifall gefunden hat. So ein köstlicher cremiger Geschmack. Zufällig habe ich gerade auch eine Lieferung in einem besonderen Oster-Geschenkkarton hereinbekommen.» Er nahm einen vom Regal und balancierte ihn auf der Hand. «Wirklich hübsch und nett anzusehen, finden Sie nicht?»

Mrs. Dawson nickte schnell. «O ja, wirklich schön. Ich nehme einen Karton, und dann möchte ich noch etwas. Eine richtig große Tüte mit schönen Bonbons für die Familie zum Lutschen. In verschiedenen Farben, wissen Sie. Was haben Sie denn in dieser Richtung?»

Mr. Hatfield spreizte die Finger, schaute sie durchdringend an und holte einmal tief und nachdenklich Luft. Er verharrte mehrere Sekunden lang in dieser Pose, dann schwang er sich herum, legte die Hände auf dem Rücken zusammen und inspizierte von neuem seine Gläser.

Dies war mein Lieblingsstück, und wie immer genoss ich es, zuzusehen. Es war ein vertrauter Anblick. Der winzige, überfüllte Laden, der Eigentümer, der mit der ihm gestellten Aufgabe rang, und Alfred, der am anderen Ende auf dem Ladentisch saß.

Alfred war Geoffs Kater, und er war immer da. Kerzengerade und majestätisch saß er auf der polierten Tischplatte in der Nähe des mit einem Vorhang abgeteilten Durchgangs, der ins hatfieldsche Wohnzimmer führte. Wie gewöhnlich schien er aufmerksam Anteil an den Vorgängen zu nehmen; sein Blick wanderte vom Gesicht seines Herrn zu dem der Kundin, und obwohl es vielleicht nur ein Produkt meiner Phantasie war, hatte ich das Gefühl, dass sein Ausdruck ein gespanntes Interesse an den Verhandlungen und tiefe Befriedigung über deren Ausgang erkennen ließ. Er rührte sich nie von der Stelle und drang auch nie weiter auf dem Ladentisch vor, doch hin und wieder streichelte die eine oder andere Dame ihm die Wange, und er antwortete mit einem vernehmlichen Schnurren und einer hoheitsvollen Kopfbewegung in ihre Richtung.

Es war typisch, dass er sich nie zu einer ungebührlichen Zurschaustellung von Emotionen herabließ. Das wäre würdelos gewesen, und Würde war einer seiner unfehlbaren Wesenszüge. Schon als Kätzchen hatte er nie einem übermäßigen Spieltrieb gefrönt. Ich hatte ihn vor drei Jahren kastriert – was er mir nicht nachzutragen schien –, und er war zu einem gewichtigen, menschenfreundlichen getigerten Kater herangewachsen. Groß, unerschütterlich, im Frieden mit seiner Welt. Zweifellos ein Kater mit enormer Ausstrahlung.

Und es hat mich immer stark beeindruckt, dass er in dieser Hinsicht aufs Haar seinem Herrn glich. Die beiden waren vom gleichen Schlag, und es überraschte nicht, dass sie einander so treu ergebene Freunde waren.

Als ich an die Reihe kam, konnte ich den Arm bis zu Alfred ausstrecken und kraulte ihn unterm Kinn. Er mochte das und reckte den Kopf weit nach oben, während das Schnurren aus dem weichen Brustkorb gerollt kam, bis es durch den ganzen Laden widerhallte.

Sogar mein Kauf der Hustendrops ging nicht ohne ein gewisses Zeremoniell ab. Der große Mann hinter der Theke schnupperte ernst an dem Päckchen und schlug sich dann mit der Hand mehrmals auf die Brust. «Man riecht förmlich, wie gut sie tun, Mr. Herriot, die heilenden Dämpfe. Diese Drops werden Sie unverzüglich wieder auf die Beine bringen.» Er verbeugte sich und lächelte, und ich hätte schwören können, dass Alfred ebenfalls lächelte.