Alles heile Welt? - Mario Mayer - E-Book

Alles heile Welt? E-Book

Mario Mayer

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Beschreibung

Die Kurzgeschichten trugen sich in meiner Kindheit, Jugendzeit und Gegenwart zu. Die Geschichten sind in humorvoller und besinnlicher Art in Reimform beschrieben.

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Seitenzahl: 82

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Mario Mayer(1959), nach dem beruflichen Absturz 2013 eine Abwärtsspirale der Depression. Trotz mehrerer Anläufe gelang es mir nicht wieder beruflich Fuß zu fassen. Es folgte 2015 eine schwere Depression mit Klinikaufenthalt bis 2016. In dieser Zeit schrieb ich die Kurzgeschichten und malte die entsprechenden Bilder dazu. Die Depression hat mich noch heute im Griff und lebe daher sehr zurückgezogen.

Inhaltsverzeichnis

Das Jubiläum

Kobolde bei Nacht

Das Missverständnis

Der Baum

Der Einsiedler

Der Tag...das Ende

Diagnose F 32.2, genannt Depression

Auf der Station

Die lange Nacht

Der Jäger mit dem Traktor

Der Geist der Ruine

Der Plagegeist

Der Zeitenwandel

Die Eindringlinge

Imkern bis zum letzten Stich

Freunde

Vive la Provence

Zeit...Zeit...Zeit...Zeit,

Der vergessene Patient

Der Gigerl, kräht nimmer mehr!

Die Begegnung

Besinnliche Weihnachtszeit

Auf den Hund gekommen

Das Jubiläum

Bei Vollmond marschierte ich ganz mühsam,

und wie es mir scheint ziemlich einsam,

durch den stellenweise meterhohen Schnee,

darf an den Weg erst gar nicht denken...oje.

Wie weit mag es noch zu der Hütte sein,

ein Kauz schreit laut auf in meiner Nähe,

vermutlich ist dieser Vogel auch allein,

ach nein, er wird gejagt von einer Krähe.

Kommt kein Wegweiser, der mir den Weg anzeigt,

hatte nicht schon vorher irgendwie der Weg abgezweigt,

hoffentlich bin ich jetzt noch auf der richtigen Spur,

allzu leicht verirrt man sich hier vom rechten Wege nur,

erstaunt blicke ich in den klaren Nachthimmel rein,

mancher Stern leuchtet und funkelt wie ein Swarovskistein.

Der Mond zeigt sich heute in seiner ganzen Pracht,

der Weg zur Almhütte ist verschneit, drum hab acht.

Unsere Hütte kann ich von hier aus noch immer nicht sehen,

die Minuten und Stunden beim Laufen sehr schnell vergehen.

Was! Zwei Stunden bin ich in dieser Wildnis bereits unterwegs,

dennoch habe ich niemanden bis jetzt getroffen des Wegs,

vielleicht bin ich nur etwas spät vom Tal losmarschiert,

schaff ich den Aufstieg nicht, dann bin ich schön blamiert,

nicht aufgeben Alfons...jetzt nicht, sag ich ganz leise zu mir,

du rennst und schnaufst schon wie ein Gamselgetier.

Oha, da vorn ein Schatten...dies ist nun ein wahrer Lichtblick,

die Hütte taucht endlich auf nach langem Marsch, hinterm Dickicht,

nur noch ein paar...ja wenige Minütchen und ich bin dort,

an diesem sonst so ruhigen und dennoch verlassenen Ort.

Aus dem Kamin der Hütte kann ich sehen, steigt noch kein Rauch,

gibt's heut kalt...ich fühl schon den Hunger in meinem Bauch,

komisch, in der Hütte ist noch duster...da brennt noch kein Licht,

ist denn hier noch niemand da...ruf ich...das gibt's doch nicht.

Jetzt endlich komme ich abgehetzt zur letzten Aufstiegshürde,

und steig auf, die letzten Stufen zum...Olymp...äh, Tür der Hütte.

Verdutzt steh ich nun...trotz rütteln...vor der verschlossenen Tür,

da hängt ja ein ausgefranster Zettel mit fast unleserlichem Geschmier.

Lieber Alfons, wir konnten dich leider per Handy nicht erreichen,

das Fest findet heute im Tal statt zum Gasthof drei Eichen.

Bitte sei uns für die kurzfristige Veränderung nicht böse,

und mache nach dem Abstieg im Gasthaus kein lautes Getöse.

Aufgrund der großen Nachfrage zu Deinem Jubiläumsfeste,

wollten wir natürlich für Dich , wie immer nur das allerbeste,

drum komm zu uns, gut gelaunt und heiter in den drei Eichen,

damit wir den Pokal Dir können herzlichst überreichen.

Liebe Grüße, Klaus!

Kobolde bei Nacht

Abends, wenn langsam die Dämmerung bricht herein,

und man durch den Wald geht, ist man meist nicht allein,

es sind die Kobolde, die nun erwachen und einen begleiten,

man sieht sie kaum, diese Tierchen wie sie auf den Ästen reiten.

Der Hunger treibt die Siebenschläfer aus ihrem behüteten Nest,

suchen ab ihr Umfeld nach Fressbarem, tollen herum, im Geäst.

Schön ist es zuzusehen, wie unbeschwert sie auf den Bäumen tanzen,

fressen Blätter und sonstiges Kleingetier, füllen damit ihre leere Ranzen.

Es sind wahrliche Meisterakrobaten, die dort oben umher tollen,

springen in sicherer Höhe auf und ab, teils auf den Ästen rollen.

Dies geschieht alles ohne Sicherheitsnetz und ohne Unterweisung,

es wird gebalgt, gehüpft, gespeist und kommt zu keiner Entgleisung.

Doch wenn die Nacht in den Morgen übergeht, werden auch sie müde,

eilen nun wieder in ihren Bau im Baum zurück, dass die Mutter sie behüte.

Hoffentlich lässt man diese Kronentänzer noch weiter unbeschwert leben,

den Baum nicht fällt, wie seinen Nachbar, dieser liegt schon daneben.

Ich denke, morgen komme ich mit Sicherheit wieder hierher,

um nach ihnen zu sehen, vielleicht sehe ich dann etwas mehr.

Das Missverständnis

Am Morgen wie immer lese ich zum Kaffee meine Zeitung,

drin lag ein Prospekt vom Autohaus mit einer Mitteilung,

im Angebot waren Ersatzteile und ein Rundum-Sorglospaket,

sowie ein entzückendes Modellauto mit Bild darin steht.

Fest entschlossen dachte ich, dieses Modell ich mir leiste,

nach Feierabend ging ich ins Autohaus ganz dreiste.

Mein Blick glitt gleich zur Vitrine, schön war's anzusehen,

eine Dame kam auf mich zu, fragte wollen Sie sich noch umsehen.

Ja, ja sagte ich, ohne mein Blick abzuwenden vom Modell,

die Dame ließ von mir ab und ging wieder ziemlich schnell,

die Zeit verging, noch immer stand ich vor den Vitrinen,

ging zur Auskunft, und sagte ich hätte gern ein Modell von Ihnen.

Die Dame nun sehr freundlich, an welches Modell hätten Sie gedacht,

etwas schüchtern sagte ich, ein Zweisitzer soll es sein...mit bedacht,

kaum hatte ich mein Wunschmodell ihr gegenüber genannt,

betätigte sie mit ihrem Finger einen Knopf, ich war gespannt.

Es dauerte nicht lange, eilte ein Herr mit Anzug auf uns zu,

welch ein Aufwand dachte ich mir, schon war er da im nu,

stellte sich kurz vor, wir nahmen an einem Tischchen Platz,

an welches Modell hatten Sie gedacht, fragte er in einem Satz.

Überrascht von diesem Angriff hingen meine Worte wie ein Klos im Hals,

Sind Sie bereits Kunde? Fragte er: Nein! Sagte ich...erstmals,

ich dachte das ist schon toll, erklärte ich ihm kurz meine Vorstellung,

er hörte sich meine Wünsche in Ruhe an und nahm dazu Stellung.

Brachte einen Stapel Hochglanzprospekte, legte diese auf den Tisch,

mir wurde mit einem mal ganz heiß, meinen Schweiß von der Stirn abwisch,

der Verkäufer begann, das wichtigste am Modell ist die Innenausstattung,

zeigte im Prospekt die vielen Bezüge getestet unter schwerer Belastung.

Die Beratung war richtig spannend, entschied ich mich für Leder,

an der Ausstattung soll man nicht sparen, und Leder hat nicht jeder,

wünschen Sie Automatik oder mit Schaltgetriebe...also konventionell,

Automatik verneinte ich...zum schalten...sonst ist es ja nicht originell.

Wir bieten für diese gehobene Sitzausstattung auch eine Heizung,

will der mich ärgern, meine Augen bekommen eine leichte Reizung,

die Inventarliste, hatte schon ein gewisses Ausmaß erreicht,

ich wechselte über zu der Bereifung und meinte dass es dann reicht.

Doch der Verkäufer erinnerte mich daran, auch an die Wagenfarbe zu denken,

zauberte das nächste Heft hervor, mein Hals begann sich bereits zu verrenken,

blätterte ganz wild darin herum, und zeigte mir den gängigsten Farbenhit,

zeigte mir mit Stolz Yellowgreenkobaldblau, die gefällt mir nicht, so ein Shit.

Nach langem hin und her, einigten wir uns letztendlich auf Racinggreen,

das besondere daran, es schimmert blau, wenn die Sonne direkt drauf schien,

nun kamen wir zum vorletzten Punkt die Scheinwerfer und deren Licht,

zur Auswahl gab es LED oder Xenon, ich nahm LED für extrem gute Sicht.

Der Verkäufer noch nicht fertig, nervte mich schon ziemlich mächtig,

über die Bereifung haben wir noch nicht gesprochen, er wurde lästig,

langsam müde vom schweren Alltag, meinte ich, ist doch egal,

ihr werdet schon ausreichend und passend haben in eurem Regal.

Der Verkäufer schaute etwas verdattert mich an, und winkte weiter,

meinte, nehmen Sie mal Platz in unserem neuen Vorführmodell ganz heiter,

ich kam mir veräppelt vor, seit wann kann man in einem Modell Platz nehmen,

irritiert über diese Taktik, sagte ich, ich möchte doch nur ein Modell mitnehmen.

Ich blaffte nun den Verkäufer ganz wüst an und zeigte auf die Vitrine,

verwirrt, schaute er mich an und meinte er müsse dringend auf die Latrine,

sprach und sprang davon, die Dame anfangs freundlich blickte nun bös,

kam nun zu mir herüber und gab mir das Modellauto ganz nervös.

Nun war ich bestückt mit diesem wundervollen, edlen Prachtstück,

die Dame schaute mich missmutig an mit meinem errungenem Stück,

freudestrahlend und überglücklich verließ ich nun das Autohaus,

der Verkäufer wieder da, winkte nicht, als ich fuhr vom Parkplatz raus.

Der Baum

Seht ihn an den Baum, einst aus einem Sämling entstanden,

damals hat der Mensch den Umgang mit der Natur noch verstanden,

mächtig ist er geworden, sine Krone vermag zu sprengen das Blatt,

aus den Knospen an seinen Ästen treiben die Blätter im grünen satt.

Mit seinem riesigen Astgewölb, der Stamm ummantelt mit dicken Rinden,

wird bewohnt von vielen Tieren, die darin Schutz und Nahrung finden,

man sieht ihn schon von weitem in den Fluren stehen, diesen Schutzpatron,

man meint, er wache über die umliegende Landschaft, wie von einem Thron.

Das errichtete Feldkreuz verliert fast an Bedeutung, wenn man vor ihm steht,

ein Blick nach oben, still ist es, kein Blatt sich rührt, kein Lüftchen weht,

majestätisch steht er vor einem, man könnte meinen die Zeit bleibe stehen,

selbst auf den Wiesen bewegt sich nichts, sehe keine Veranlassung zu gehen.

Wie alt mag der Riese wohl sein, hundert, zweihundert oder noch mehr Jahre,

sicherlich hat er schon viel erlebt, Hungersnot, Vertreibung und Kriegsjahre,

selbst den Stürmen die übers Land zogen konnten ihm nichts anhaben,

was kümmert ihn ein Orkan, er steht da, mit seinen Ästen ganz erhaben.

Wer weiß wie viel Paare sich unter seiner Krone schon das Ja-Wort gaben,

wie viel Menschen er seinen Schatten spendete in den heißen Sommertagen,

er harrt aus, ganz still, hat unendlich Zeit, die Jahre schnell dahin vergehen,

er kann nur hoffen, dass der Mensch, sein Feind, ihn lässt hier weiter bestehen.

Die heutige Luftverschmutzung, damals noch unbekannt, könnte es schaffen,