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3. Ausgabe des 1. Teil ALLES IST MÖGLICH *Mit dem Fettnäpfchen im Wohnmobil nach Frankreich und Spanien* ist ein amüsanter und besinnlicher Reiseroman nach wahren Erlebnissen. Das 'erfahrene' Wohnmobil-Paar Steffi und Martin erleben während ihrer Halbjahrestour 2016/17 bis nach Süd-Spanien abenteuerliche und kuriose Erlebnisse, verbunden mit 'Pleiten,Pech und Pannen'. Vorwiegend sind es persönliche Begegnungen mit Menschen aus den unterschiedlichen europäischen Nationen mit deren Mentalitäten und Marotten. Durch ihren Wissensdurst manövriert sich Steffi oftmals in ihr mitgebrachtes Fettnäpfchen. Die Schilderungen sind kanckig-humorvoll geschrieben. Gedacht ist dieses 1. Buch (und das 2.Buch) für Menschen, die bereits ein Wohnmobil besitzen oder sich eines wünschen. Aber auch für diejenigen, die sich n i e ein Wohnmobil anschaffen werden. - Viele Einblicke in die spanische Mentalität sind gewiß.
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Seitenzahl: 257
Veröffentlichungsjahr: 2022
Stephanie Warlitz
ALLES IST MÖGLICH
Mit dem Fettnäpfchen im Wohnmobil nach Frankreich und Spanien
Amüsanter und besinnlicher Reiseroman nach wahren Erlebnissen
1. Teil
3. überarbeitete Ausgabe
Das Buch
handelt von seltsamen Erlebnissen mit und außerhalb eines Wohnmobiles auf und zwischen den Wegen von Fehmarn über die Provence nach Süd-Spanien; vorwiegend am Mar Menor in der Provinz Murcia. Noch nie sollte eine Reise wie die im Winterhalbjahr 2016/17 dermaßen aufregend und aufschlussreich werden.
Kaum verging ein Tag, an dem nichts Erstaunliches geschah: Erfreuliches wie Spannendes und vieles, was unter ‚Pleiten, Pech und Pannen‘ verbucht werden kann. Die humorvoll geschriebenen Begegnungen mit interessanten Menschen und deren Marotten basieren auf Tatsachen. Die meisten Orte des Geschehens sind genau erläutert, aber ohne Navi-Daten. Dafür werden Sie persönlich angesprochen und mit dem DU vertrauensvoll überallhin mitgenommen, so als wärest DU live dabei. Schadenfreude ist erlaubt! Der amüsante und besinnliche Reiseroman liest sich leicht und ist vielfach interessant und offenbart so manches, inclusive
Einblicke in die spanische Mentalität.
Für wen ist das Buch gedacht?:
Für Menschen die von der Idee besessen sind, eine ‚Eigentumswohnung auf Rädern‘ besitzen zu wollen sowie für die, die längst ein Wohnmobil haben und für diejenigen, die sich n i e eines anschaffen werden.
Die Autorin
schreibt unter dem Pseudonym Stephanie Warlitz. Mit ihrem Mann hat sie zwei Söhne. Den Sommer verbringt das Paar in Norddeutschland. Über das Winterhalbjahr verreisen sie mit dem Wohnmobil über Frankreich bis Süd-Spanien. Während ihres vielseitigen Berufslebens schrieb Stephanie Warlitz nebenbei für lokale Zeitungen über diverse Themen sowie Reportagen für zwei internationale Tanz-Magazine. - Mehrere Auszüge aus diesem Buch wurden in der deutschsprachigen spanischen Wochen-Zeitung ‚Costa-Blanca bis Costa del Sol-Nachrichten’ veröffentlicht.
Stephanie Warlitz
ALLES IST MÖGLICH
Mit dem Fettnäpfchen im Wohnmobil nach Frankreich und Spanien
* Amüsanter und besinnlicher Reiseroman nach wahren Erlebnissen *
1. Teil
3. überarbeitete Ausgabe
© 2022 Stephanie Warlitz
3. Auflage, Vorgängerausgabe 2018
ISBN Softcover: 978-3-347-67733-3
ISBN Hardcover: 978-3-347-67744-9
ISBN E-Book: 978-3-347-67745-6
ISBN Großschrift: 978-3-347-67755-5
Druck und Distribution im Auftrag des Autors: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg, Germany
Das Werk, einschließlich seinerTeile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Autor verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag des Autors, zu erreichen unter: tredition GmbH, Abteilung ‚Impressumservice‘, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg, Deutschland.
Cover/Foto: Stephanie Warlitz
Foto-Motiv: Blick von El Carmoli/Urrutias/Mar Menor/Murcia/Spanien
Für meinen Lebens-Freund
Was ich gleich zu Beginn gerne mitteilen möchte:
Dieser 1. Teil ist 2018 erschienen und wird nun mit überarbeitetem Text 2022 nochmals herausgebracht. Ebenfalls die Fortsetzung des 2. Buches. Meine Erzählungen sind bewusst in kurzen Sätzen verfasst. Prägnante Wörter habe ich ‚so‘ mit Anführungsstrichen versehen um ‚ausladende‘ Beschreibungen zu vermeiden. Für ehrlich gemeinte Rezensionen bedanke ich mich im voraus. Um harsche Kritiken möglichst zu vermeiden, möchte ich mich vorab für etwaige grammatische und optische Fehler entschuldigen.
Denn es entspricht der Realität, dass wenn man als Schreiberling ein Buch eigenständig über einem Selfpublishing-Verlag heraus bringen möchte, kann man unmöglich über die erwarteten professionellen Fähigkeiten wie die eines Lektors, Korrektors, Typographen, Graphikers, Layouters und mehr verfügen und zudem Kenntnisse über unterschiedliche Computersysteme besitzen. - Dem allen zum Trotz stammt der geistige Inhalt und das Buch-Cover von mir! - Bedanken möchte ich mich für die Unterstützung vor allem bei Margit und Dani. Zudem bei Christel, Anke, Frank, Viola, Winni sowie bei André, Arnd, Claudia und Thomas, die mich motiviert haben, mein Buch-Projekt zu verwirklichen. Besonders bei Theresa vom treditions-Verlag. Ohne Theresa’s Hilfe hätte ich nicht alleine die 3. Ausgabe dieses Buches veröffentlichen können.
Im nach hinein erkenne ich, dass wenn ich von vornherein gewusst hätte wie aufwendig und kompliziert eine selbständige Buchveröffentlichung ist, dann hätte ich lieber in der Mongolei Erbsen gezählt - oder doch besser den Sommer an den wunderbaren Stränden von Fehmarn verbracht.
Stephanie Warlitz
Vorwort
Oster-Montag, 17. April 2017
Liebe Leserin! Lieber Leser!
Darf ich Sie duzen?
Ja? - ! -
Das ist gut.
Das DU sagt man zu guten Freundinnen und Freunden, denen man Vertrauen schenkt. Anhand der folgenden groß geschriebenen DU und DICH sowie DIR wirst DU DICH mit mir freuen. Ebenfalls staunen, hoffen und bangen. Vor allem aber lachen. Gerne möchte ich DICH auf eine Reise mit in den Süden mitnehmen.
NEIN! Ein Reisebericht der ‚normalen’ Art ist es nicht. Vielmehr eine fortlaufende Einreihung außergewöhnlicher Erlebnisse. Ähnlich wie die Zugvögel verbringen wir, mein Mann Martin und ich die Steffi, die Winterhalbjahre im Süden. Mit dem Wohnmobil.
In den vergangenen Jahren haben wir schon viel erlebt. Aber ‚so etwas‘ noch nie ! Entgegen des Buchtitels:
‚ALLES IST MÖGLICH‘
erfuhren wir, dass vieles ‚Unmögliche‘ gemeistert werden musste. Denn fast nichts war in dem Winterhalbjahr 2016/17 normal. Besonders waren die Begegnungen und Erfahrungen mit interessanten Menschen und die damit verbundenen einzigartigen Erlebnisse. Alles notierte ich in drei Tage-Büchern. Kaum verging ein Tag an dem nichts Unvorhergesehenes geschah. In mir entstand zunehmend das Bedürfnis, DIR davon erzählen zu wollen. Damit DU stets ‚live’ dabei bist, führe ich die Wochen-Tage mit Datum und den alltäglichen Küchen-Service auf. Denn schließlich verbringen wir unseren Langzeit-Urlaub nicht in einem *****-Hotel.
Jedes Wort entspricht der reinen Wahrheit. Vieles kann unter der Rubrik ‚Pleiten, Pech und Pannen’ verbucht werden. Sicher wirst DU hin und wieder Schadenfreude empfinden. Die gönne ich DIR. Nur bitte respektiere meine Ehrlichkeit. Um nicht lange um den ‚heißen Brei‘ herum zu reden, schreibe ich in kurzen Sätzen. Zur kurzbegrifflichen Deutung setze ich einiges ‚so‘ in Anführungsstriche. Zudem sind die Erzählungen mit meinem knackig-bissigen Humor gewürzt. Den letztendlichen Antrieb zum Schreiben der zwei Bücher ALLES IST MÖGLICH gab mir das, was mich eigentlich auf die Palme treibt:
DU kennst sicher die TV-Caravan-Werbung?:
In einer einsamen, romantischen Bucht steht ein schickes Wohnmobil mit allem Komfort. Draußen flackert ein Lager-Feuer. Drinnen am Herd brutzelt ein gut gelaunter Typ in der Pfanne einen exotischen Fisch. Seine hübsche Partnerin blickt ihm genussvoll mit einem Gläschen Sekt in der Hand über die Schulter.
Wahrscheinlich - vielleicht auch DU? - beginnen viele TV-Zuschauer von derlei ‚luxuriöser Freiheit‘ zu träumen. Ab hier rufe ich DIR zu :
S T O P ! Es ist doch ganz anders!
Wie? Das wirst DU miterleben. Das Buch handelt von Wohnmobil-Menschen. Von den Sesshaften und den Freien. Was sie wo, wie, warum und weshalb in ihrer grenzenlosen Freiheit unternehmen und erleben. Und ob sie tatsächlich in einer einsamen Bucht stehen. DU erfährst von den Freuden und Sorgen eines Wohnmobil-Besitzers. Hinzu gewinnst Du tiefere Einblicke in mechanische und menschliche Miseren.
Die Reise führt DICH von der Ostsee-Insel Fehmarn in die Provence und in das südliche Frankreich. Weiter fahren wir bis nach Süd-Spanien, insbesondere durch die Provinzen Valencia und Murcia. Länger halten wir uns am Mar Menor auf. Im zweiten Buch reisen wir nach Andalusien bis Tarifa. Viele Gebiete beschreibe ich. Bitte erwarte keine Navi-Daten. Denn wo einer ist, da sind bald alle. Denn inzwischen gibt es viel zu viele Wohnmobile.
Weil mein Mann Martin seit vierzig Jahren ein begeisterter Wind-Surfer ist, beschreibe ich kurz die dementsprechenden Spot’s inclusive der Wind- und Wasser-Bedingungen.
Vor allem aber schenkte mir der Zufall Begegnungen mit interessanten Menschen aus verschiedenen Ländern mit deren individuellen Bedürfnissen, Ideologien und Macken. DU begegnest Persönlichkeiten mit mentalen und körperlichen Stärken gepaart mit leidenschaftlichen Herausforderungen und ‚verflixten Zipperlein’ inclusive Bewältigung dieser. - Zum Schutz aller handelnden Personen habe ich die meisten Namen geändert, auch die unsrigen.
Ringsum fließen hin und wieder meine persönlichen Gedanken über ‚dies und das‘ ein. Zudem wie man sich mit den erlernbaren fremden Sprachen durchmogelt, wenn es echt darauf ankommt. Ich nehme DICH mit zu tieferen Einblicken in die spanische Lebensart und meine Erfahrungen im Umgang damit. Stets habe ich mein mitgebrachtes ‚Fettnäpfchen’ dabei, in welches ich durch meine Wissbegierde oft reintrete. Aber auch, wie ich mich aus manchen peinlichen Situationen wieder heraus mogele.
Und dann… - dann ist noch viel mehr passiert. Als Sahne-Häubchen oben drauf erlebst Du mit uns ungewöhnliche Unwetter und eine gewaltige lebensbedrohliche Natur-Katastrophe.
Wasser im Diesel-Tank
Drei Tage vor unserer geplanten Abreise besorge ich die letzten wichtigen Dinge: Wie das beim Apotheker bestellte Bio-Anti-Mücken-Spray und die dreieinhalb Kartons Harzer Käse. Kaum biege ich mit meinem SMART in unsere Stichstraße ein spüre ich, dass irgend etwas nicht stimmt.
Was ist denn da los? Vor allem mit Martin? Der klopft sich andauernd an den Kopf und rauft sich die Haare. Meine Fahrertür ist halb geöffnet, als ich seine Flüche vernehme:
„Wie doof ist das denn? Ich hab’ sie wohl nicht alle! Ist ja voll bekloppt! Was bin ich nur für ein Vollidiot! Das ist eine Katastrophe!“ Gerade möchte er für erneute Sprüche Atem holen, da schiebe ich dazwischen:
„Was ist denn geschehen?“
„Ich habe den Wasserschlauch in die Dieselöffnung gesteckt! Zuerst bemerkte ich es nicht. Nach einer Weile gehe ich in das Wohnmobil um auf die Anzeige zu sehen, wie voll der Wassertank ist. Aber der zeigt ‚Null‘ an. Da denke ich, das gibt’s doch nicht. Der muss sich doch bald füllen. Wies…? Ich renne raus und zur anderen Seite. Dann erkenne ich die Misere. Das ist mir noch nie passiert, einfach unverzeihlich!“
Beruhigend wirke ich auf ihn ein:
„Du bist doch auch nur ein Mensch. Wir machen alle Fehler. Was habe ich nicht schon alles angestellt? Und Du hast einfach zu viel im Kopf. Nun müssen wir eben sehen, wie wir am besten aus diesem Schlamassel herauskommen.“
Meine Worte wirken nicht besonders beruhigend auf meinen Mann, der gleich mutmaßt:
„Aber unsere Reise ist dadurch gefährdet.“
Nach einer kurzen Gedankenpause kommt Martin die Idee:
„Jetzt muss ich erst mal eine Autowerkstatt anrufen, die sich mit derartigen Problemen auskennt.“
Gleich rennt Martin die Haustreppe zu unserer Wohnung hoch und telefoniert. Inzwischen überlege ich, ob ich die zweiundvierzig Rollen Harzer-Käse in das mit dem Stromkabel versehene Kühlfach im Wohnmobil einsortieren soll. Aber, wenn der Wagen eventuell abgeschlepptwerden muss, dann… - Ach, ich lege den Harz-Käse vorerst in den Kühlschrank unserer Wohnung. Den werde ich erst morgen abtauen. Ja, so mache ich es. Mittlerweile laufen die Telefondrähte heiß. - Das hätte man so noch vorzwanzig Jahren gesagt. „Wie geht man da vor und was wird es kosten?“
Das Gegenüber antwortet:
„Auf keinen Fall dürfen Sie den Motor anschalten. Sonst kommt das Wasser-Diesel-Gemisch in den Filter. Und nichteinen Meter fahren! Am besten Sie rufen gleich den ADAC-Dienstan. Den betreibtjedoch eine andere Werkstatt.“
Gesagt, getan.
„Wann können Sie kommen?“
„In etwa drei Stunden sind wir da.“
„O. K.“
Jetzt vermuten Martin und ich, die Steffi, dass sich unsere Abfahrt in den Süden zumindest verzögern wird. Gut, wir können ja fahren, wann und wie es uns beliebt. Ohne Termindruck. Das ist ja das Gute am Leben miteinem Wohnmobil.
Wie vereinbart trifft der Abschleppwagen ein. Da ich nicht auch noch zwischen den Experten herumspringen möchte, betrachte ich die Szene vom Küchenfenster aus. Nach einigem Palaver verschwindetder Rettungswagen und Martin tauchtwieder bei mirauf.
„Die meinen, wenn sie mich hinten an den Haken hängen würden, dann geht vorne der Wohnmobil-Spoiler kaputt. Jetzt muss ein Spezialist geholt werden, der vor Ort den Tank entleert.“
Noch am Abend geht dieser planmäßig wie folgt vor:
Zuerst pumpt er das Wasser-Diesel-Gemisch komplett raus. Für die Entsorgung der umweltschädlichen Mixtur wird es in einem ExtraEntsorgungsbehälter gefüllt. Dann wird der Dieseltank mit frischem Diesel und einer speziellen Chemie gefüllt, die das eventuell noch vorhandenen Wasser binden soll. Alles wird nochmals abgesaugt und in einem weiteren Sondermüll-Wannenbehälter geleitet. Der Dieseltank ist nun gespült. Erneut wird frischer Treibstoff in den Tank mit einer weiteren Bindungschemie getan. Die dritte Büchse dieser Substanz erhalten wir, um sie nach etwa einhundert Kilometer Fahrt in den Tank zu füllen.
„Geschafft!“ meint der Spezialist und ergänzt:
„Sie haben Glück gehabt, dass Ihnen das nicht umgekehrt passiert ist. Denn wenn sie Diesel in den Wassertank gegeben hätten, dann wäre es ein sauteures Vergnügen geworden!“
Inzwischen stehen wir alleine vor unserem HYMER.
Da meint Martin:
„Eigentlich habe ich keine Lust mehr überhaupt wegzufahren.“
Ich widerspreche:
„Quatsch! Ab jetzt wird alles gut. Du wirst schon sehen!“ Nachdenklich sagt mein Mann:
„Möglich ist alles“.
„Alles ist möglich“ antworte ich.
Wie sehr wir damit recht bekommen sollen, wird sich in den folgenden sechs Monaten herausstellen. -Tags drauf bezahlt Martin die Rechnung von sechshundertundsechzig Euro. - Nur!
Einfach den Schlüssel umdrehen
Jetzt beginnt die Endphase der Reisevorbereitungen. Akribisch muss alles bedacht sein. Schließlich sind wir nicht für zwei Wochen, sondern für ein halbes Jahr unterwegs. Zudem muss unsere Wohnung ordentlich abgesichert sein.
Bereits vor einigen Tagen wischte ich den Fußboden und putzte Staub. Die Terrasse befreiten wir von den immer noch blühenden Blumen. Der Bistro-Tisch mit den Stühlen und der Kunstteppich sind verstaut. Am vorletzten Tag wird der Kühl- und Gefrier-Schrank abgetaut und gesäubert. Das meiste des Inhaltes wurde termingerecht verzehrt beziehungsweise nun in die Kühlfächer des Wohnmobiles gebracht. Bloß für das Abschieds-Frühstück steht diverses verloren im dunklen Schrank. Das wird im letzten Moment mitgenommen.
Das Essgeschirr wird von Hand abgespült. Befindet sich eventuell noch etwas Vergessenes im Backofen? - Ich hatte einmal beinahe den Hähnchensud vom Vorabend drinnen gelassen. - Ist der letzte Müll entsorgt und diese Behälter gesäubert? Nun noch Geschirr-Tücher zwischen die leicht geöffneten Türen der Geschirr- und Kühl-Schränke klemmen. Besser so, ehe es zu müffeln beginnt. Oh ja, in den Badezimmer- und gesamten Abflussrohren jeweils etwas Öl giessen, bevor die Verschluss-Stöpsel hochgezogen werden. - Vor acht Jahren sausten uns als Willkommens-Gruss eine Schwadron kleiner Fliegen entgegen.
Sämtliche Elektroanschlüsse werden aus den Steckdosen rausgezogen und alle Sicherungsschalter herunter geklickt. Der Hauptwasserhahn muss zugedreht sein. - Vor fünf Jahren lief zwei Monate lang leicht aber beständig ein Rinnsal in der Toilettenspülung. War wohl verkalkt. Die Jahresabrechnung unseres Wasserverbrauches betrug über fünfhundert Euro mehr. - Halb heruntergelassen werden die Fensterjalousien. Prüfen, ob sämtliche Fenster und die Terrassentür fest verschlossen sind. Weit geöffnet werden die Türen in der Wohnung. Auf zwölf Grad ist die Heizungsanlage herab geregelt. Gut, dass die Wohnung mit Blumen sowie Post dankenswerterweise von unserem Sohn Alex regelmäßig kontrolliert wird.
Haben wir uns wirklich bei allen Freunden und Freundinnen verabschiedet und rechtzeitig bei Behörden und Versicherungen etwaiges geregelt? Schnell der Nachbarin den Zettel mit den abgelesenen Daten des Heizung- und Wasser-Verbrauches zur Abrechnung bei den Stadtwerken aushändigen und ‚Tschüss‘ sagen. Halb mitleidig meint sie zum Abschied:
„Wie Sie das für eine so lange Zeit im engen Wohnmobil aushalten ist mir ein Rätsel“.
„Och, wir sind doch nur zum Schlafen und Kochen drinnen. Tagsüber haben wir warmes Wetter und bewegen uns in der freien Natur. Die wenigen Tage an denen es regnet kann man zählen.“
Als ich den letzten Rest verstaue - und der ist merkwürdigerweise immer mehr als man denkt - geht mir nochmals durch den Kopf, ob wir auch ja nichts Wichtiges für die Reise vergessen haben. Haben wir alles an Bord?: Ausweise, Führerscheine, Krankenkarten, den grünen Versicherungsschein. Die Kreditkarten und Geld; dieses gut versteckt. Den Hundeausweis und Susi´s Korb. Die Notfall-Medikamente und die, die wir ohnehin nehmen müssen. Dann meine Kamera mit Teleobjektiv, die Kosmetik- und Pflege-Utensilien sowie Nähgarn.
Haben wir wirklich die richtige Kleidung dabei? Klar, die meiste für sonniges Wetter. Einige wärmende Sachen und stabile Schuhe für den Übergang. Es darf nicht zu wenig aber auf keinen Fall zu viel sein. Viel passt nicht in den Kleiderschrank der Grösse von etwa 120 x 45 x 60 cm und in die drei Fächer von ca. 50 x 30 x 30 cm hinein.
Hinzu kommen zwei Staumöglichkeiten unter der Rundsitzgruppe. Dort sind zweimal Bettwäsche, mehr Handtücher, Reiseführer, Bücher und ein Schuhkarton mit Weihnachtsschmuck . Die SAT-Antennen-Schüssel als Ersatz mit dazugehöriger Halterung und Saugnapf-System nehmen viel Platz in Anspruch. Hinzu kommt der Strom-Umwandler. Drei Pakete Kaffee passen dazwischen.
Unter dem Drei-Gas-Flammen-Herd und der Spüle sind sechs Schubfächer. Darin eingeordnet sind zwei mittlere und eine kleine Pfanne sowie drei mittlere Töpfe und ein kleiner Schnellkochtopf, zwei kleine Obst- und Salatschüsseln, ein Kaffeefilter mit Tüten und Tee. Das gewichtsleichte Melanin-Geschirr, Besteck für vier Personen sowie wenige, aber nötige Kochutensilien wie Schöpfkelle, Braten-Schieber, Schaumschläger. Alu- und Klarsicht-Folie. Die Gewürze stehen in einem weiteren Fach. Ganz unten, das mit den zwei kleinen Abfallbehältern, hat noch Platz für Öl, Essig und Aufbewahrungs-Dosen.
Wenn DU bis hierher gelesen hast, fragst DU DICH, vor allem als Noch-nicht-Wohnmobil-Mensch’‚ was sollen diese Aufzählungen? Wen interessiert es schon, was die Steffi alles in ihrem Wohnmobil hat? Nun, ich lebe nicht in einem Hotel. Daher muss ich alles dabei haben. Und wenn DU in meiner Situation wärest, dann würde auch DIR irgendwann zu Bewusstsein kommen, was DIR an notwendigen Utensilien fehlt. UND, wie vorab angedeutet, ist das Caravan-Leben nicht so bequem wie es zuweilen scheint. Also halt aus! Es geht weiter.
Unser HYMER ist 2,35 Meter breit und 6,60 Meter lang. Hinzu wird mit etwa 50 cm der hintere Fahrradträger addiert. Logisch, mit zwei Mountainbikes darauf. Im unteren Heckbereich hinter zwei verschlossenen Türen stehen zwei mittelgrosse Plastikbehälter mit einigen Konserven, wie einige Gläser eigens zubereiteter Holunder-Marmelade und wenig Kartoffeln zur Erstversorgung des anfänglichen ‚Zwei-Wochen-unterwegs-sein‘s’. Dazu packen wir eine Tüte Hundefutter und zwei kleine Kartons á sechs Gläser Bio-Schmalz, den für den Harzkäse: lecker!
In der Wohnmobil-Garage sind zudem zwei zusammenklappbare Stühle, eine Liege und ein Tisch. Dann der ‚Moppel‘, also der Stromgenerator und ein kleines Solarfeld zur Stromgewinnung. Nicht zu vergessen der Kompressor für den Reifendruck und etwas Werkzeug.
Jetzt denkst DU, das war es nun wohl endlich. Nein, immer noch nicht! Nun kommt die Hauptsache: Martin’s beinahe gesamtes Surfequipment ‚muss‘ mit. Das sind drei Surfbretter, die exakt auf den Zentimeter dank tüfteliger Halterung aufgehängt reinpassen. Dazu zwei Gabelbäume, Segelmasten, Mastfüße und diverse Finnen. Für die fünf Segel gibt es ein Extrafach welches sich genau unter dem Wasser- und Dieseltank-Einlass-Stutzen (!) befindet.
Auf der entgegengesetzten Seite ist das Gasflaschen-Fach. Ständig führen wir zwei spanische Flaschen mit uns. Wir haben das Glück, dass es bei uns um ‚die Ecke‘ eine dementsprechende Anlage zum Auffüllen gibt. Nebenbei: in allen europäischen Ländern gelten unterschiedliche Systeme für Gasflaschen. Eines gleicht nicht dem anderen.
Jetzt habe ich alles aufgezählt. Mehr passt wirklich nicht in unser auf 3,8-Tonnen aufgelastetes Vehikel hinein. Das muss reichen. Stimmt im doppeltem Sinne! Nun sitze ich auf dem Beifahrersitz. Hinter mir, gut geschützt, unsere Mini-Collie-Hündin Susi. Und jetzt ist wieder der Zeitpunkt da an dem ich betreffs dieser vielen ‚Checkups‘, völlig erschöpft bin. Ja, platt. So, wie ‚habe fertig !‘ Dann folgt wie immer Martin’s Spruch:
„Und nun geht wieder diese ewige ‚Reiterei‘ von dreitausend Kilometern los. Wie mir das stinkt! Ich hasse es, so lange Auto fahren zu müssen.“
Dann dreht er den Zündschlüssel rum. Wir fahren los.
Von Fehmarn nach Frankreich
‚Tschüss‘ Fehmarn
Samstag, 1. Oktober2016
Kurz vor dem Zubringer zur Fehmarn Sund Brücke steht quer über der Blieschendorfer Allee eine Straßenabsperrung. Weshalb denn das? Vielleicht wird neben der relativ schmalen Straße ein Radfahrweg entstehen? Wird ja endlich Zeit! Was haben wir hier schon für abenteuerliche Objekte gesehen?:Per Roller blade’s wurden Kinderwagen ‚geschoben’ und Einkaufswägen über die fünf Kilometer lange Strecke gerollt. Großfamilien mit Rädern blockierten die Hälfte der Straße. Und das während die Fehmaraner mit halber Rallye-Geschwindigkeit Kaninchen und Katzen auf der Strecke lassen. Lange genug hat es gedauert bis dieses Projekt in Angriff genommen wird.
ABER doch bitte nicht gerade heute! Über Avendorf soll die Umgehung führen. Vor uns steht ein VW-Bulli mit einem Surfbrett auf dem Dach. Heraus springt ein grinsender Sportler. Nach allen Seiten sieht er sich um. Dann hebt er die Barrieren zur Seite und winkt seiner Freundin und uns zur Weiterfahrt. Danach stellt er die Hindernisse zurück an die zugedachten Stellen.
Wir genießen die Überfahrt durch den ‚Kleiderbügel‘. Das ist die liebevolle Bezeichnung der Fehmaraner für Ihr Wahrzeichen, der Fehmarn-Sund-Brücke. Die Sonne spiegelt sich in der Ostsee. Wie zum Abschiedsgruß dümpeln auf dem Sund bei leichter Brise ein paar Segler. Ein wenig Wehmut empfinden wir schon. In Gedanken hören wir die Meinungen unserer Freunde:
„Wieso haut Ihr denn ab? Der Winter ist so friedlich und heimisch auf unserer Insel. Fehmarn ist auch bei kühleren Temperaturen idyllisch.“
Weiter argumentieren sie:
„Wir brauchen die Vier-Jahres-Zeiten! Und dazu gehört der Winter. Es ist doch gemütlich, nach getaner Arbeit bei einer Tasse Tee und Kerzenschein einen Klön-Schnack zu halten oder zu lesen.“
Unsere Antwort muss für sie unglaubwürdig sein:
„Für uns sind wärmere Temperaturen, blaues Meer, heller Himmel, Sonne und Blumen einfach ein unbeschreiblich schönes Lebens-Gefühl. Wesentlich angenehmer, als bei nasskaltem Wind und Wetter die Zeit abzusitzen.“
Wir lieben Fehmarn und kommen gerne zurück. Aber was sollen wir unseren erwerbstätigen Freunden denn weismachen? Während der Arbeit kann es einem doch völlig egal sein, ob es draußen regnet oder die Sonne scheint. Manchmal klingt von unseren Bekannten ein wenig Neid mit. Klar. Seit einigen Jahren sind wir im wertvollen ‚Besitz der äußeren und inneren Freiheit.‘ Darauf haben wir hingearbeitet.
Dieses Mal fahren wir die Route Richtung Bremen über Luxemburg nach Frankreich. Die erste Übernachtungsmöglichkeit finden wir nahe der Stadt Münster. In einer gemütlichen Gaststädte gönnen wir uns zum Einstimmen je zwei ‚Zum Wohl-Urlaubs-Bierchen‘. Dazu gibt es einen französischen Flamm-Kuchen.
Reise mit Handicap
Sonntag, 2. Oktober 2016
„Aua!“ Was ist das denn? Als ich einen acht Liter Wassereimer schräg hochhebe durchzuckt mich ein heftiger Stich in der Lendenwirbelsäule. Sofort schimpft Martin mit mir:
„Du darfst doch nicht schwer heben! Nun hast Du den Salat!
Das fängt ja gut an!“
Kleinlaut nicke ich. Eigentlich wollte ich DIR etwas für mich Bedenkliches verschweigen. Es macht ja keinen guten Eindruck, gleich zu Beginn eines Buches über ‚Wehweh’chen‘ zu klagen. Aber nun denke ich, dass ich DICH kurz informieren sollte. Nur kurz, mehr nicht! Zum anderen wirst DU mich verstehen, falls DU DICH selber nicht fit fühlst. Dann sind wir mindestens zu zweit. Aber lass’ uns nicht jammern, sondern versuchen mit Humor dagegen zu halten.
Also: Vor eineinhalb Jahren musste ich mich einer schweren Rückenoperation unterziehen. Kurz vor dem ‚Rolli‘ , montierte mir ein guter Chirurg in mein Rückgrat mehrere Schrauben aus Edelmetall. Danach glaubte ich wird der Heilungsprozess ruck-zuck verlaufen. Denkste. Für die nachfolgenden sechs Monate wurde ich von Schmerzen gepeinigt und fühlte mich mehr tot als lebendig. Opium, Morphium und weitere Medikamente sollten meinen Zustand lindern. Die Tabletten die ich für den eingeklemmten Nerv erhielt, wirkten sich in meinem Kopf wie ‚plemplem‘ aus. Manchmal fiel mein Kopf schläfrig auf den Frühstücksteller. Nachts konnte ich nicht schlafen.
Dieser Zustand war für mich als temperamentvolle und sportlich aktive Frau einfach nur furchtbar. Dazu fühlte ich mich wie ‚fremdgesteuert‘ . Und wo blieben die meisten meiner Freundinnen? Einfach weg. Zur Ablenkung all’ dessen half mir meine Lieblings-Musik von Mark Knopfler und eine für mich richtungsweisende Literatur. Der Schriftsteller Peter Mayle brachte mir Licht in meine düsteren Gedanken. Sein erstgeschriebenes Werk ‚Mein Jahr in der Provence’ fiel mir rein zufällig in die Hände. Es faszinierte mich. Gib’ mir mehr davon’ dachte ich. Und ich las mich durch mindestens fünfzehn weitere Bücher des humorvollen, die Provence liebenden Autors.
Für mich war es eine selbstauferlegte Antischmerz-Therapie. Zunehmend erwachte in mir eine starke Sehnsucht, die Provence kennenzulernen. Dieses Verlangen verstärkte sich mit weiteren Büchern anderer Autoren, wie die von Marcel Pagnol, Alphonse Daudet, Klaus Mann und Rudyard Kipling. Und nun möchte mir Martin, der sich in meiner Notleidenden Zeit als einfühlsamer Partner bewies, meinen Wunsch mit dieser Reise erfüllen.
Jetzt aber kommen wir zurück auf meinen momentanen Zustand. Also, unbedingt will ich weiterfahren. Was ich ohnehin bei längeren Reisen machen muss ist, dass ich mich auf die Seitenbank halbsitzend lege. Zwar etwas eingeengt an dem Rundtisch. Aber so kann ich trotz allem die Landschaft sehen. Ich weiß, derartiges ist strengstens verboten. Aber ich will noch etwas erleben. Also bitte, verrate DU mich nicht. O.K.?
Über das Rheinland nach Luxemburg
Montag, 3. Oktober 2016
Kurz nach zehn Uhr fahren wir weiter. Zwei Stunden danach fragen wir während des Dieseltankens, wie wir am besten die Rhein-Brücke umfahren können. Uns ist es zu Ohren gekommen, dass diese Brücke nur für Fahrzeuge bis 3,5-Tonnen zugelassen ist. Würden wir uns mutig darüber wagen, müssten wir mit dreihundertdreißig Euro Strafe rechnen. Also geht es zuerst in Richtung Leverkusen, Köln, Abfahrt 8, Stammheim, Mülheim. Mittags machen wir bei Trier eine kurze Pause. An Gerolstein und Bit-Burg vorbei. Aha, von hier stammt also das Trinkwasser und das gleichnamige Bier. Um 15 Uhr passieren wir die die nicht mehr spürbare Grenze nach Luxemburg. Logisch, dass wir hier volltanken.
Fahrt durch Frankreich
Starker Regen setzt ein. Kaum eine Stunde später erreichen wir die offene Grenze nach Frankreich. Weiter geht es über Metz, Nancy, dann Verdun (!). Am frühen Abend finden wir in einem kleinem Ort eine Übernachtungsmöglichkeit. Gleich gehen wir durch das Dorf. Graue Steinhäuser wirken eigentlich typisch nordfranzösisch. Einige Bewohner sitzen hinter ihren Fenstern. Sie winken uns freundlich zu. Auf den Grabsteinen des Friedhofs lesen wir deutsche Namen.
Küchen-Service:
Hähnchen-Schnitzel mit Mais. Zum Nachtisch Eis mit Roter Grütze
Montag, 3. Oktober 2016
Als ich erwache hoffe ich, dass meine Muskelverspannung verschwunden ist. Nein. Das Wetter ist diesig und frisch. Martin geht mit Susi ‚Gassi‘ und möchte auf dem Weg Baguette’s besorgen. Er findet einen dafür vorgesehenen Automaten und wirft die vorgeschriebenen 1,15 Euro hinein und wartet. Durch eine Öffnung kommt doch tatsächlich warmes Baguette heraus. Kurz vor zehn Uhr starten wir unsere Weiterfahrt in Richtung Dijon. Bald ziehen wir an der Autobahn das Maut-Ticket. In der Mittagspause wird uns dermaßen warm und wir wechseln eine leichtere Kleidung.
Eine alte Brücke sehen wir bei Marcon. Zwischen Nancy und Lyon ‚füttern’ wir die Zahl-Station mit 44,50 Euro. Am frühen Nachmittag erkennen wir den ‚Parc Olympic’ bei Lyon. Uns ist bekannt, dass er kurz vor einer Fußball-Europa-Meisterschaft fertig gestellt wurde. Direkt neben der Rhone führt die N-7 in Richtung Valence. Die Häuserfarben wechseln vom eintönigen Grau in Rosa und Naturfarben. In der kleinen Stadt Ramberg-Alban besorge ich etwas zu Essen. Wenig später finden wir einen Ruheplatz neben einer Tennisanlage. Bis 22 Uhr duellieren sich die Sportler. Vor einer halben Stunde war es noch hell und angenehm warm.
Küchen Service:
für Martin gibt es Bratkartoffeln und Sülze. Ich mag nur Möhren-Salat.
Dienstag, 4. Oktober 2016
Die Sonne scheint. Es sind 14 Grad. Wieder um 10 Uhr setzen wir die Fahrt fort. Wir kommen nach Thain. Dort steht an einem großen Gebäude die Aufschrift ,Cite de Chocolate‘. Auf der Rhone herrscht reger Schifffahrtsverkehr. Ab Montelimar, wo das französische Nougat aus Mandeln hergestellt wird, ähnelt die Vegetation der des Mittelmeer-Raumes. In dieser Idylle erscheint uns der plötzliche Anblick eines Atom-Kraftwerkes wie ‚die Faust auf’s Auge‘. Dieser Eindruck verstärkt sich, als wir kaum eine Autostunde danach eine weitere Monster-Anlage erblicken. Versöhnend hingegen wirkt die auf steilem Felsen hochragende Burgfestung von Mornas. In der Gegend um Piolence wird angeblich Knoblauch angebaut.
Ab Orange tauchen wir in die Provence ein. Meine Erwartungs-Freude steigt. Jetzt erblicken wir ihn , den ‚Heiligen Berg’ der Provencialen, den Mont Ventoux. Die kahle Kuppe zeigt er auf einer Höhe von 1909 Metern. - Woher ich das weiß? Im Sommer 2016 verfolgte ich per Television die ‚Tour de France‘. Das härteste aller Radrennen sollte dort hinauf führen. Jedoch machte zu diesem Zeitpunkt ein heftiger Orkan das Ziel zunichte.
In der Haute de Provence
Carpentras
In mir jubelt es! Wir sind da! In dem Gebiet meiner Träume. In der Region Provence-Alpes Cótes d’Azur, im Departement Vaucluse. Mittags halten wir vor den Stadtmauern von Carpentras. Bevor wir die geschichtsträchtige Kreisstadt begutachten, stärken wir uns auf einem naheliegenden Parkplatz. Danach durchschreiten wir das Tor des mittelalterlichen Wehrmonumentes.
Und tatsächlich! Wie beschrieben erinnern die schmalen Gassen an das frühe Mittelalter. Lange vor unserer Zeitrechnung soll Carpentras als ‚das‘ Zentrum eines Handels-Marktplatzes in der Haute de Provence gewesen sein. Merkwürdigerweise spüre ich das, als ich zwischen den Platanen einen Schriftzug entdecke. Darauf der Hinweis, dass an jedem Freitagvormittag der Wochenmarkt stattfindet. Auf dem Parkplatz des Hotel Dieu ist von April bis September an jedem Dienstagnachmittag der Treffpunkt des Bauernmarktes.
In meinen Gedanken rieche ich die Aromen sämtlicher Kräuter der Provence, Lavendel inbegriffen. Ab Ende November bis Ende März findet hier zudem der alljährliche Trüffelmarkt statt. Spannend ist das was Peter Mayle darüber berichtet. Gut und schön, denke ich. Sehr gerne würde ich an dieser Atmosphäre schnuppern. Aber wir sind jetzt da. Für den Bauernmarkt sind wir hier eine Woche zu spät.
Als wir bei einem Restaurant einen Café creme trinken, wandern unsere Blicke ringsherum. Durch die engen Straßen die mit kleinen ansprechenden Geschäften umsäumt sind, fließt der Autoverkehr. Was sind das für imposante Gebäude? Ich muss mehr erfahren.
Zielstrebig bitte ich im ‚Office du Tourisme‘ um einen Stadtplan mit genauen Beschreibungen. Sofort beginne ich ihn zu studieren:
Früher handelten an diesem Ort Kelten, Phönizier und Griechen mit Getreide, Honig, Ziegen und Schafen. Ein römischer Ehrenbogen zeugt von der gallo-römischen Zeit. Vom 13. Jahrhundert bis kurz vor der französischen Revolution war diese Region in der Provence eine Grafschaft der Päpste. Und diese hatten stets einen ‚feinen Gaumen‘. Beachtlich vor allem der ‚Cháteauneuf-du-Pape‘. Angeblich hatten zudem die Päpste ein gutes Herz für asylsuchende Juden. Die älteste Synagoge von Frankreich ist in Carpentras zu besichtigen.
Uns fallen arabisch gekleideten Menschen auf. Vielleicht haben sie ebenfalls Asyl gefunden? Eine Moschee gibt es zudem. Irgendwann erfuhr ich, dass in der Provence die Front National einen großen Einfluss gewonnen hat. Ein Brennpunkt? Aber lassen wir das politische Denken beiseite. Das verdirbt nur die gute Stimmung.
Martin und ich, die Steffi, genießen diese ganz eigene Atmosphäre von Carpentras. Um uns herum befinden sich Menschen, die nicht nur mit dem Mund, sondern ausdrucksstark durch imposante Gesten und Körperbetonung sowie Gesichtsmimik sprechen.
Als wir durch das Stadttor heraus schreiten, erkennen wir in Blickrichtung den Mont Ventoux. Wenige Schritte weiter sind wir bei unserem Wohnmobil. Neben uns hat inzwischen ein französisches Paar Tische und Stühle aufgestellt und beendet gerade sein Mittags-Essen. Wir tun es ihm gleich. Zumindest setzen wir uns auf unsere Klappstühle und genießen die wärmende Sonne. Dabei studiere ich weiter den Plan des Touristik-Büro’s.
Wo wollen wir hin?
Mit einem Stift umkreise ich alle Städte, die für uns von Interesse sind: Pernes, Fontane-de-Vaucluse, l’ Isle-sur-la-Sorgue. Von dort mit den Fahrrädern nach Chateaunef-du-Pape. Gordes ist für mich ein unbedingtes ‚Muss‘, auch Rousillon, St.-Saturnin und Apt. Auf der Strecke dazwischen werden wir die sagenhafte Ocker-Landschaft sehen. ‚Hautnah‘ möchten wir diese mit den Mountainbike’s erfahren. Weiter soll es mit dem Wohnmobil nach Bonnieux und Cadet gehen. Den Luberon möchte ich unbedingt ausgiebig kennenlernen. Dann weiter nach Pertuis, Aix-en-Provence, Cavaillon und St. Remis. Am liebsten nach Avignon und nach Arles. Nicht zu vergessen: Menerbes. Das alles ehe wir in die Camargue eintauchen.
Menerbes. Dort, wo angeblich mein Lieblingsschriftsteller lebt. Nein, ich würde es niemals wagen, an seine Haustür zu klopfen um mich bei ihm zu bedanken. Ich weiss schließlich was sich gehört. Von derart aufdringlichen Typen soll er ohnehin die Nase voll haben. Denn nach dem weltweiten Erfolg seines ersten Buches musste Peter Mayle erleben, wie in seinem Haus wie selbstverständlich fremde Menschen herumspazierten. So als sei sein Haus eine Art frei zugängliches Museum. Stelle DIR das mal in DEINEM zuhause vor!
Doch, ich gestehe mir ein, gerne würde ich ihm persönlich die Hände schütteln und ihm dabei in die Augen sehen wollen, um ihm folgendes zu sagen:
