Alles nicht so einfach - Wilfried Besser - E-Book

Alles nicht so einfach E-Book

Wilfried Besser

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Beschreibung

Die unterhaltsamen Besuche im Theater oder in der Bäckerei um die Ecke. Die leidvollen Erlebnisse eines vorlesenden Autors oder sein verzweifelter Versuch, ein Filmdrehbuch zu schreiben. Das Eintauchen der Sportgruppe 70 plus in die Stadt der Sünde und der Liebe oder die heilenden Vorzüge einer Saftkur am Wochenende. Ob Kindergeburtstage oder Kochbücher, Weinprobe oder Gesundheitsstress, unheimliche Killerbäume, Krimis im TV oder die Suche nach attraktiven Nebeneinkünften. All diese Themen und noch viel mehr behandelt der Autor in 40 humorvollen und unterhaltsamen Geschichten mitten aus dem Leben. Er lässt uns teilhaben an seinem oftmals verrückten Alltag, der geprägt ist von seltsamen Ereignissen und skurrilen Situationen und so manchem Lesenden durchaus bekannt vorkommen könnte. Leserinnen und Leser, die es lieben, bei ihrer Lektüre zu lachen oder zu schmunzeln, kommen bei Alles nicht so einfach ohne Zweifel auf ihre Kosten.

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Seitenzahl: 199

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Inhalt

Alles nicht so einfach

Hallo, hört mich jemand?

Lesen bildet

Das Geheimnis

Was für ein Theater

Kochen kann jeder

Gesundheit ist alles

Höher, schneller, weiter

Man meint es gut mit mir

Ohne Moos nix los

Alt ist niemals alt genug

Des alten Mannes neue Kleider

Briefe an die Körpermitte

Was du nicht sagst

Allzu viel ist ungesund

Film ab

Ehre wem Ehre gebührt

Du hast es geschafft

Augen auf bei der Berufswahl

Ab heute wird gegendert

Gartenarbeit light

Ich bin ein Best Ager

Saft gibt Kraft

Stress im Krankenbett

Die Weinprobe

Trara, die Post ist da

Alles nicht so einfach

Paris, Paris, wir fahren nach Paris

Wer bremst, verliert

TV ist auch im Sommer schön

Die besseren Menschen

Mein Feind, der Baum

Ich soll schön grüßen

Happy Birthday to you

Wiedersehen macht Freude

Neulich in der Bäckerei

Der ewige Dank

Das ist nicht lustig

Nicht konform mit der Norm

Das Gelage von Bad Reiherstein

Alles nicht so einfach

Bekanntermaßen behauptet der allwissende Volksmund, aller guten Dinge seien drei. Und so lag es nahe, den beiden ersten Büchern mit satirischen und seltsamen Geschichten ein drittes folgen zu lassen. Ob das jetzt ein gutes geworden ist, entscheiden selbstverständlich Sie. Obwohl, wenn ich Sie wäre, dann wüsste ich … Mein Gott, was rede ich da? Schließlich liegt es mir definitiv fern, Sie in irgendeiner Form beeinflussen zu wollen.

Bleiben wir lieber bei den Fakten: 40 Texte von A wie „Allzu viel ist ungesund“ bis W wie „Was du nicht sagst“, denn eine Geschichte, deren Titel mit „Z“ anfängt, gibt es in diesem Buch nicht. 40 Texte, die oft auf persönlichen Erlebnissen beruhen. Wie gesagt, oft, aber bei weitem nicht immer. Denn was wäre ein Autor ohne seine dichterische Freiheit? Genau, nur ein schnöder Chronist. Also habe ich immer auch wieder meine Fantasie bemüht, wobei ich gestehen muss, dass diese ab und an schon mal mit mir durchgegangen ist.

Darum kann an dieser Stelle der Hinweis nicht schaden, dass Ähnlichkeiten mit lebenden (aber auch toten) Personen selbstverständlich nicht beabsichtigt und somit höchstens zufälliger Natur sind. Sollten Sie sich allerdings in der einen oder anderen Geschichte wiederfinden, also, meine Schuld ist es nicht! Es ist eher ein Beweis dafür, dass wir alle häufig im gleichen Boot sitzen. Und deshalb wissen, dass im Leben vieles nicht so einfach ist. Aber mal ganz unter uns: Einfach kann doch irgendwie jeder, oder? Lassen Sie uns deshalb die gestellten Herausforderungen annehmen. Ich bin überzeugt, alles wird gut! Man muss nur dran glauben.

In diesem Sinne!

Ihr

Wilfried Besser

Hallo, hört mich hier jemand?

Was gibt es für einen Autor Schöneres, als einem interessierten Publikum seine selbstgedrechselten Texte vorlesen zu dürfen. Im Grunde ist es doch genau das, wofür er schreibt. Okay, eigentlich möchte er ja eher einen Bestseller veröffentlichen und damit zu unsterblichem Ruhm und einem gut gefüllten Bankkonto gelangen. Weil das aber nur den allerallerwenigsten der schriftstellernden Garde zuteilwird, ist so eine Lesung schon beinahe das Höchste, was einem wie mir widerfahren kann.

Nun wünscht sich sicher jeder, der seinen Mitmenschen etwas vorträgt, ganz gleich ob Schauspieler, Schlagersänger oder jemand, der eine Rede hält, dass man ihm aufmerksam zuhört. Das gilt selbstverständlich auch für das schreibende Personal. Also auch für mich.

Aber wie so oft liegen auch auf diesem Gebiet Theorie und Praxis nicht gerade eng beieinander. Was uns auch nicht unbedingt wundern sollte. Schließlich hört und liest man doch ständig, dass es keinen Respekt mehr gibt auf dieser Welt. Also auch nicht beim Vortragen literarischer Dichtkunst. Da macht es denn auch keinen Unterschied, ob im Café, in der Stadtbücherei oder im Altenheim gelesen wird.

Fakt ist nämlich, dass man in keiner dieser Räumlichkeiten vor bösen Überraschungen sicher ist. Wobei man sich an das Grundrepertoire störender Geräusche ja mittlerweile gewöhnt hat. Husten, Schnäuzen, Rülpsen, Pupsen, ins Brötchen beißen, das Handy klingeln lassen, Bonbons auswickeln, in der Zeitung blättern und so weiter und so fort. Das volle Programm. Sozusagen die Basics.

Aber damit ist es ja weiß Gott nicht getan. Lese ja öfter mal im Café. Da gesellt sich zu alledem das Blubbern der Kaffeemaschine und das Klappern von Kuchengabeln noch dazu. Das weiß man und kann deshalb auch ganz gut damit leben. Ist ja schließlich meine Entscheidung, dort zugange zu sein. Außerdem gönne ich mir nach getaner Arbeit selbst immer gern ein Stück der leckeren Torte. Ganz ehrlich, es gibt Schlimmeres im Leben.

Nun sitzen da beim letzten Mal jedoch zwei Damen mit ihrem Apfelkuchen, aber bitte mit Sahne, versteht sich. Kein Problem und soweit auch noch alles friedlich. Noch. Denn kurz darauf entern zwei weitere Damen den Ort des Geschehens. Die nunmehr Vier begrüßen sich freudig, fallen sich in die Arme, als hätten sie sich jahrelang nicht mehr gesehen. Bestellen dann bei der Bedienung eine Runde Prosecco und stoßen mit großem Hallo an.

Was für eine Freude, dem Quartett dabei zuzusehen. Ich gönne es ihnen von Herzen. Aber doch nicht mitten in meiner Lesung! Klopfe also dezent an mein Wasserglas und sage höflich: „Meine Damen, wenn ich um ein klein wenig Ruhe bitten dürfte.“ „Ach komm“, schallt es mir entgegen, „nun seien Sie mal nicht so. Kommen Sie lieber zu uns rüber und heben einen mit. Was Sie da vorlesen, interessiert hier doch sowieso keine Sau!“

Ja, das sind sie, diese Momente, die das Schriftstellerherz höher schlagen lassen. Ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Denn eine Lesung im Altenheim ist in dieser Hinsicht ebenfalls ein Quell wahrer Freude.

Bevor hier jetzt ein falsches Bild entsteht, ich will weiß Gott nichts gegen diese Einrichtungen gesagt haben. Man weiß ja schließlich nicht, ob man nicht später selbst einmal die Vorzüge einer solchen Residenz in Anspruch nehmen muss. Oder darf. Je nach Sichtweise. Was allerdings eine Lesung in diesen heiligen Hallen angeht, die ist hier definitiv eine Herausforderung.

Denn zum Geräuschpegel des Cafés gesellen sich nun auch noch die Motoren von Sauerstoffapparaten, das Pfeifen von Hörgeräten und das Quietschen von Rollatoren. Man unterhält sich angeregt, während ich mir einen Wolf lese, und fragt einander ungeniert: „Was hat er gerade gesagt?“ Dabei spreche ich in ein Mikro, sollte also bestens zu verstehen sein. Anscheinend aber nicht, denn es kommt die Antwort: „Ich verstehe den auch nicht. Is aber auch egal, is ja alles umsonst hier.“ Und noch ehe mir dazu etwas Passendes einfällt, beginnen dicht vor mir die Ersten lautstark zu schnarchen. Ganz ehrlich, genau das möchte ich in diesem Moment auch tun. Aber the show must go on, da gibt es nichts.

Was genau so auf das Event zutrifft, zu dem ich kürzlich eingeladen wurde: Straßenfest in der Fußgängerzone. Da kam echte Vorfreude auf. Denn das Ganze roch nach schönem Wetter, guter Laune und vielen Zuhörerinnen und Zuhörern. Was kann man sich mehr wünschen?

Als ich vor Ort eintreffe, muss ich feststellen, dass es keine Bühne gibt. Dafür einen Stehtisch und einen Mikroständer. „Da sind Sie mittendrin im Geschehen. Sozusagen Auge in Auge mit Ihrem Publikum. Was Schöneres kann es für einen Autor doch nicht geben, oder?“ Das Mädchen vom Stadtmarketing ist völlig begeistert von ihrer Idee. Ich bin eher skeptisch, sage aber nichts. Denn ich will ihr Engagement nicht bremsen. Vielleicht hat sie ja sogar Recht.

Packe also meine Texte auf den Tisch und schaue erwartungsvoll in die Runde. Täusche ich mich oder gucken mich die Stadtfestbesucher ebenso erwartungsfroh an? Beginne zu lesen, und genau in dem Moment gehen sämtliche Blicke zum Himmel. Ich folge den Blicken und was sehe ich da? Ein Flugzeug zieht ein Banner hinter sich her. Text: Nadja, willst du mich heiraten? Die Menge applaudiert begeistert und ich nutze meine Chance: „Besten Dank Ihnen allen für den herzlichen Applaus. Den will ich mir aber erst verdienen.“

Ich beginne erneut und mindestens die Hälfte der Umstehenden zieht weiter, um nebenan eine Wurst zu essen oder ein Bierchen zu genießen. Immerhin stehen noch etwa 25 Menschen vor meinem Stehtisch. Und die werde ich jetzt packen.

Lese mit Engagement und Hingabe und bin offensichtlich auf einem guten Weg. Jetzt kommt sie, die gefühlvolle Stelle in meiner Geschichte und … die Leute fangen tierisch an zu lachen und zu jubeln. Drehe mich irritiert um und erblicke einen bunt kostümierten, Faxen machenden Straßenclown. Er umrundet meinen Tisch, schnappt sich das Mikro und intoniert aus voller Kehle: „Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse.“ Alle grölen aus vollem Hals mit, bis der Knabe endlich weiterzieht und wieder Ruhe einkehrt. Meine Zuhörerschaft ist auf 15 Personen geschrumpft. Egal, es gibt Lesungen mit weniger Gästen. Kann ich selbst ein Lied von singen.

Nehme also meinen Faden wieder auf und kämpfe um jeden Zuhörer. Kurze Zeit später biegt eine Marching Band um die Ecke und bläst uns allen ein zünftiges „Oh when the Saints go marchin in“ um die Ohren. Dagegen habe ich schon lautstärketechnisch keine Chance. Als die Truppe um die nächste Ecke verschwunden ist, haben sich mit ihr weitere sieben Menschen vom Acker gemacht.

Aber was soll ich machen? Vertrag ist Vertrag, da hilft alles nichts. Stürze mich also ins letzte Gefecht, und wie ich gerade wieder so richtig in Fahrt bin, stürzt ein Mann auf mich zu und keucht atemlos: „Das Mikro, schnell, ich brauche dein Mikro.“ Ehe ich darauf etwas erwidern kann, reißt er das Ding an sich und schreit in die Menge: „Meine Frau is wech, verdammich nochma, die is mir irgendwie abgehauen. Ich geb jedem 100 Euro, der mir hilft, dass ich se wiederfinde. Is so ne kleine Rothaarige.“

Augenblicklich spurtet die inzwischen ja schon ziemlich dezimierte Sippschaft los, um sich die Kohle zu krallen. Von jetzt auf gleich ist keiner mehr an Bord, außer zwei älteren Damen mit ihrem Hackenporsche, die wacker die Stellung halten. Also denke ich, dass ich die Belohnung ja auch selbst kassieren könnte. Umrunde also meinen einsamen Stehtisch und will soeben den Spurt anziehen, als ich mich mit den Beinen im Mikrokabel verheddere und der Länge nach hinknalle.

In dem Moment kommt die Tante vom Stadtmarketing vorbei, strahlt übers ganze Gesicht und sagt: „War doch alles prima, oder?“ Und fragt die zwei standhaften Damen: „Und, wie hat es Ihnen gefallen?“ „Ja“, antwortet die eine, „das war wirklich Klasse. Vor allem, als der Herr hier auf die Bretter geknallt ist. Das war lustig. Sowas hätte er ruhig öfter machen können.“

Die Tante zieht zufrieden weiter und ich überlege, ob ich nicht ins komische Fach wechseln sollte. Talent dafür scheine ich ja zu haben.

Lesen bildet

Bekannterweise bemühe ich ja immer mal wieder gern den Volksmund. Und der behauptet neben vielem anderen auch, dass Lesen bildet.

Da kann ich als Vertreter der Literatur selbstverständlich nur aus vollem Herzen zustimmen. Wobei, und auch das gehört zur Wahrheit, es schon auch darauf ankommt, was man liest. Die Landschaft der literarischen und Presseerzeugnisse ist ja ein dermaßen weites Feld, da kann man schon mal schnell den Überblick verlieren über das, was uns da in Wort und Bild vermittelt wird. Da lässt es sich leider nicht immer vermeiden, auch mal schwer danebenzugreifen. Und das betrifft nicht nur die Tageszeitungen mit den riesigen Buchstaben, sondern auch die knallbunten Heftchen, die man in rauen Mengen in der Lottobude oder in der Bahnhofsbuchhandlung findet.

Wer zählt die Völker, nennt die Namen, könnte man jetzt frei nach Friedrich Schiller deklamieren. Obwohl das mit den Völkern natürlich Blödsinn ist, das mit den Namen aber definitiv nicht. Ich nenne Ihnen hier mal nur eine kleine Auswahl, die Ihnen vielleicht ja auch nicht ganz unbekannt ist: Freizeit Revue, Das goldene Blatt, Die neue Post, Die Aktuelle oder die Gilde der Frauennamen wie Laura, Nina, Lisa, Bella und was weiß ich noch alles.

Was all die Gazetten eint, ist die Tatsache, dass sie neben Kochrezepten, Schminktipps und Gesundheitsempfehlungen über massenhaft aktuelle Insider-Informationen von Prominenten und gekrönten Häuptern dieser Welt verfügen. Die sie ihren Lesenden allwöchentlich gleichsam auf dem Silbertablett servieren. Und genau das ist der Grund, warum Millionen von Menschen regelmäßig ihre hart verdienten Euros oder kargen Rentendollars in diese Blätter investieren.

Was allerdings, wenn man mal etwas genauer hinschaut, doch ein wenig verwunderlich ist. Denn den regelmäßig Lesenden müsste eigentlich auffallen, dass sich die Themen und Schlagzeilen nicht nur ständig wiederholen. Sie widersprechen sich praktisch von Blatt zu Blättchen. Ich will Ihnen das gern mal an einem Beispiel verdeutlichen.

Also, die allseits beliebten britischen Thronfolger Kate und William sind ja, wie wir alle wissen, mit drei allerliebsten Kindern gesegnet. Sollen aber angeblich ihren Nachwuchsbestand künftig um ein weiteres Exemplar erweitern. So steht es jedenfalls auf Seite 3 der Herz ist Trumpf, die ich notgedrungen lesen musste, weil es im Wartezimmer meines Arztes nichts anderes mehr gab. Ein Mädchen ist im Anmarsch, 10. Woche, das ganze Empire befindet sich in hellem Aufruhr. Sowas liest man natürlich gern.

Nun bin ich tags drauf zum Bier holen in Inge Jablonski ihrem Büdchen unterwegs. Da fällt mein Blick zufällig auf die Herz und Schmerz. Und auf die Schlagzeile: Kate und William werden wieder Eltern. Sie freuen sich auf Zwillinge. Hä? Zwillinge? War das gestern beim Arzt nicht noch ein Mädchen? Ich bin einigermaßen verwirrt.

Dafür ist meine Neugier geweckt und ich blättere mal in der Frau ist schlau (bei der Inge darf ich das). Und was lese ich dort? Katie bekommt einen strammen Jungen. Und so geht das munter weiter. Mal ist das Kind vom Ehemann, mal vom Chauffeur, mal vom Tennistrainer. Man fragt sich: Was weiß der Schwiegervater Charlie davon? Mal gibt es Komplikationen, mal ist die Taufe bereits eingestielt.

Und was soll ich sagen? Am Ende war da nix, ist da nix und wird auch in absehbarer Zeit nix sein. Kein Kind, weder Junge, Mädchen noch sonst was. Was aber weder die bunten Blätter noch deren Leserschaft in irgendeiner Form interessiert. Zwei Wochen später wird dann die imaginäre Schwangerschaft kurzerhand auf das nächste Thronfolgerpaar übertragen und das muntere Spielchen beginnt von vorn.

Ähnlich verhält es sich mit den Beziehungsverhältnissen von Musik-, Sport- und Schauspiel-Promis. Da bieten die Pochers, Bohlens, Beckers, Bushidos und wie sie alle heißen, jede Menge partnerschaftliches Konfliktpotential. Ob sie nun wollen oder nicht.

Ganz weit vorn dabei ist zweifellos die atemlose Helene Fischer. Die hat ja jahrelang den Silbereisen Flori mindestens zehnmal geheiratet, betrogen, verlassen und sich wieder mit ihm versöhnt. Wie wir nun aber wissen, hat alles nichts genutzt. Die Beteiligten gehen längst getrennte Wege. An seine Stelle hat die fromme Helene ja inzwischen ihren Luftakrobaten Thomas S. installiert. Was für die Klatschpresse aber noch lange kein Grund ist, das Thema endgültig zu den Akten zu legen.

Die haben nämlich nur einen Wunsch, und zwar, dass der Flori und sein Helenchen wieder zusammen kommen. Und so haben die Beiden schon ein Liebesnest eingerichtet, Ringe ausgesucht, Thomas S. in die Wüste geschickt und Honeymoon-Urlaub gebucht, der sie je nach ignorantem Schreiberling nach Malle, Las Vegas oder in die Antarktis verschlägt. Und just in dem Moment, da die Beiden angeblich froher Erwartung sind, die Prognosen zwischen Mädchen, Jungen, Zwillingen und Drillingen schwanken und damit das Liebesglück endlich perfekt sein könnte, da grätscht doch tatsächlich ein Kind dazwischen. Das aber, man mag es kaum glauben, nicht vom Flori ist, sondern tatsächlich von Thomas S. mit der Schlagerqueen in die Welt gesetzt wurde. Und peng! ist die glückselige Traumwelt zerplatzt wie ein Luftballon, in den man eine Nadel steckt. Mittlerweile sind die Beiden sogar verheiratet und alle Welt fragt sich: Wie konnte das passieren?

Und weil auch die Münchhausen-Blättchen darauf keine Antwort wussten, musste nicht nur der arme Flori zum Ausheulen zurück auf sein Traumschiff , nein, die Geschichtenerfinder haben sich flugs auf das nächste Opfer gestürzt. Ist halt so: The show must go on!

Ich jedenfalls greife beim nächsten Arztbesuch garantiert nur noch nach der Sportzeitung. In der Hoffnung, dass dort nur Fakten zählen und mir keiner weismachen will, Uwe Seeler, Gott hab ihn selig, hätte in der letzten Woche das Tor des Monats geschossen. In dem Fall müsste ich auch diese Entscheidung noch einmal intensiv überdenken. Und könnte mich am Ende doch gezwungen sehen, mich ausgiebig mit der Apotheken-Umschau zu beschäftigen. Ich hoffe, es bleibt mir erspart.

Das Geheimnis

Seit es Facebook, Instagram und Co. gibt wissen wir alle, dass die Menschheit keine Hemmungen hat, ausführliche Informationen über ihr Leben ohne Rücksicht auf Verluste in die Welt hinaus zu posaunen. Ob nun Urlaub, Grillparty, das tägliche Mittagessen oder die neue Unterwäsche, schonungslos werden die Hosen runtergelassen, als gäbe es kein Morgen mehr. Man will schließlich mitmischen im Konzert der Selbstdarsteller. Die sich in den Sozialen Medien tummeln, die Vieles sind, nur nicht unbedingt sozial. Aber egal, muss ja jeder selbst entscheiden, was er tut. Darum soll es uns an dieser Stelle nicht weiter interessieren.

Stattdessen wollen wir unser Augenmerk auf die Spezialisten richten, die anderer Leute Datenmaterial eben nicht wie Sauerbier zu Markte tragen, sondern dieses hüten wie ihre eigenen Augäpfel. Ich rede hier von Rechtsanwälten, Bankern und selbstverständlich auch Ärzten. Was wir denen anvertrauen, hat gefälligst auch bei denen zu bleiben. Und damit die Herrschaften das auch beherzigen, gibt es nicht nur das Anwalts- und Bankgeheimnis sondern auch die ärztliche Schweigepflicht.

Nun denn, so weit so gut. Damit könnten wir diese Akte im Grunde schließen. Wäre aber voreilig. Denn wie eigentlich überall auf der Welt gibt es auch hier immer wieder undichte Stellen im System. Die dazu führen, dass man sich auf nichts mehr verlassen kann. Auch und schon gar nicht auf ein fest versprochenes Schweigegelübde.

Ich will Ihnen das mal am Beispiel einer Arztpraxis erläutern. Dort habe ich soeben mein Krankenkassenkärtchen vorgelegt und anschließend im Wartezimmer Platz genommen. Hatte zwar im Vorfeld einen Termin vereinbart, weiß aber als lebenslanger Kassenpatient, dass das jetzt trotzdem dauern kann, bis ich zum Herrscher über dieses Refugium vorgelassen werde. Ich nehme mir ein Lesemappen-Magazin und will mich gerade mit aktuellen News über den Europäischen Hochadel auf dem Laufenden halten, da schreckt mich die markige Stimme der blondgelockten Sprechstundenhilfe auf, die heute offenbar Telefondienst hat und sich in dieser Funktion anschickt, mit einem Krankenhaus zu telefonieren.

„Hallo, ich rufe an wegen der Frau Winkler, Anna Winkler aus Recklinghausen, Königstraße 1, … Wie? … Ach so, das Geburtsdatum … ja, das ist der 23. Mai 1952 … Was? … Ja, Zwilling, genau wie mein Mann, lustig, ne? … jedenfalls die Frau Winkler kommt doch zu Ihnen in die Internistische … ja, wegen ihrer Zyste im Unterleib … ja, blöde Sache das … jedenfalls wollte ich nur kurz abklären, ob Sie alle Unterlagen haben … Ja, haben Sie? … schön, dann sag ich ihr, dass sie am Montag zu Ihnen kommen kann.“

Das ganze Wartezimmer hat aufmerksam die Ohren gespitzt und weiß jetzt, dass Frau Winkler aus der Kö-nigstraße in Recklinghausen, geboren am 23. Mai 1952, eine Zyste in ihrem Unterleib hat, die am Montag im Städtischen Krankenhaus operiert wird. Eine durchaus interessante Information. Aber ob Frau Winkler das so recht ist? Nun gut, sie kriegt es ja nicht mit. Außer, wenn sie selbst im Wartezimmer sitzt. Wir wollen es mal in ihrem Interesse nicht hoffen.

Inzwischen hat die Blonde das Telefonat beendet und wählt erneut. Jetzt hat sie offensichtlich eine Urologische Praxis an der Strippe, denn Ihre Anliegen lautet: „Ich wollte mich mal nach dem Abstrich von Herrn Nötzold erkundigen … Ja, Herrmann Nötzold aus Herten … nee, nicht Privatpatient … Barmer Ersatzkasse … ja, genau der. Der Doktor will wissen, wie es mit seinem Tripper aussieht … ach was, tatsächlich? … also, wenn das seine Frau wüsste … nee, soll wohl im Puff passiert sein … oder im Betrieb … so genau weiß ich das auch nicht … na ja, ist ja auch nicht mein Problem ne? …tschüssi.“

Nein, ihr Problem ist es sicher nicht. Aber das von Herrn Nötzold, der nicht nur Läuse am Sack, sondern jetzt auch noch jede Menge Mitwisser hat.

Und so setzt sich die Telefonkonferenz in der kommenden Stunde fort. Ich erfahre beiläufig von der Säuferleber des Herrn Zipfler, der Inkontinenz von Frau Windisch und dass mein Nachbar Bornemann Probleme mit den Hämorriden hat. Der arme Kerl, wer hätte das gedacht? Dann wurde ich leider zum Doc ins Sprechzimmer gerufen und musste schweren Herzens auf weitere Krankengeschichten verzichten.

Als ich nach meiner ärztlichen Begutachtung die Praxis wieder verlassen will, höre ich soeben noch, wie der blonde Lockenkopf ihrer Kollegin zuruft: „Der Besser war ja gerade beim Doktor drin. Du glaubst nicht, was der für ein Problem hat. Hier, guck mal, aufm Monitor. Ich könnte mich echt schlapp lachen.“

In gleichen Moment stehe ich bei ihr an der Theke und schreie: “Noch ein Wort und ich vergesse mich, haben Sie das verstanden?“ Ihr Gesicht nimmt augenblicklich die Farbe einer reifen Tomate an. Sie schnappt nach Luft, ihre Augen weiten sich auf Untertassengröße und glotzen mich an, als wär ich ein Skelett in der Geisterbahn.

Fast tut sie mir ein bisschen leid. Andrerseits, Strafe muss sein. Und es ist nun wirklich nicht nötig, dass der Inhalt meiner Krankenakte hier in Stadionlautstärke zum Besten gegeben wird. Ich denke, es gibt sicher noch eine Vielzahl anderer Patienten mit spannenderen Krankheitsbildern. Da käme ich dann sogar ganz gern mal wieder zum Zuhören vorbei. Denn auch Sie wissen ja jetzt, dass das unterhaltsamer ist als jedes Comedy-Programm. Und Sie brauchen dafür nicht mal eine Eintrittskarte.

Was für ein Theater

Ich weiß ja jetzt nicht, ob Sie Freundinnen oder Freunde des Theaters sind. Und wenn ja, was sie sich dort zu Gemüte führen. Die Angebotspalette hält schließlich für jeden, der Spaß dran hat, auch etwas Passendes bereit. Ob nun Oper, Operette oder Musical, Schauspiel oder Ballett, Drama oder Komödie. Gar nicht zu reden von diesem ganzen neumodischen Experimentiergedöns, wo die Akteure mit Blut begossen werden oder Pipi auf die Bühne machen.

Was meine Frau und mich angeht, wir haben ja seit jeher eine Vorliebe für Boulevard-Komödien. Kennen Sie sicher auch, diese Geschichten, bei denen man sich mal so richtig herzhaft amüsieren kann. Zumindest sollte. Denn mitunter ist es ja eher zum Heulen, was einem da unter dem Deckmäntelchen der Komik vorgesetzt wird. Da kommt es dann schon mal vor, dass die ersten Zuschauerinnen und Zuschauer in der Pause an die Garderobe eilen, sich ihr Mäntelchen aushändigen lassen und fluchtartig den Musentempel verlassen. Ich sag dann immer, die Leute müssen los, das Altersheim schließt zeitig.

Obwohl wir damit bereits beim eigentlichen Kern meines Anliegens sind. Denn der Großteil des anwesenden Publikums ist, wie wir selbst ja auch, mit den Jahren immer älter geworden. Was ja auch durchaus normal ist, denn bekanntermaßen altert unsere Gesellschaft ja in zunehmendem Maße. Das ist halt im Theater auch nicht anders, zumindest bei bestimmten Stücken. Aber diese älteren Damen- und Herrschaften fangen halt mit der Zeit an, ganz bestimmte Verhaltensweisen an den Tag zu legen.

Ich meine, ich will mich da gar nicht von ausnehmen. Im Gegenteil, ich könnte Ihnen da Sachen erzählen … Aber lassen wir das lieber. Im Theater jedenfalls wissen wir uns zurückzuhalten und zu benehmen. Und sind somit eher in der Rolle der Beobachter. Und was einem da geboten wird, da kommt oft das Stück auf der Bühne nicht mit. Ich meine, Husten, Räuspern, ins Tempo schnäuzen, das kennt man ja zur Genüge. Da können selbst Opernliebhaber oft ein garstiges Lied von singen. Aber ich rede hier von Dialogen, die häufig weitaus unterhaltsamer sind, als die Texte der Schauspieler.

Vor uns sitzt ein Ehepaar und er sagt zu ihr: „Gib mir mal ein Taschentuch, ich muss gleich niesen.“

„Ich hab kein Taschentuch, die hast du doch zu Hause eingesteckt.“

„Ich finde aber keins.“

„Du musst auch richtig nachsehen. Wahrscheinlich hast du sie in der Hosentasche und du sitzt drauf.“

„Und wie soll ich da jetzt dran kommen?“

„Weiß ich auch nicht. Musste eben mal kurz aufstehen.“

„Ich kann doch jetzt nicht …“