Alpengold 434 - Sebastian Holzner - E-Book

Alpengold 434 E-Book

Sebastian Holzner

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Beschreibung

»Du heiratest den Xaver Haldegger - und damit basta!« Wuchtig kracht die Faust des Waldner-Bauern auf den Holztisch.
Nach dem ersten Schock rollen Bärbel heiße Tränen über die Wangen. Wie ein Stück Vieh will der Vater sie also an den reichen Hoferben verschachern. Nicht eine Sekunde interessiert ihn, dass sie mit dem eingebildeten Xaver niemals glücklich werden kann. Ihr Herz gehört einem anderen: dem Mann, den alle den »König vom Inntal« nennen. Doch wenn ihr Vater das erfährt, wird’s eine Tragödie geben. Denn er ist der ärgste Feind des Waldner-Bauern ...

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Seitenzahl: 106

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Inhalt

Cover

Mädchenherz in Flammen

Vorschau

Impressum

Mädchenherz in Flammen

Sie liebte den König vom Inntal

Von Sebastian Holzner

»Du heiratest den Xaver Haldegger – und damit basta!« Wuchtig kracht die Faust des Waldner-Bauern auf den Holztisch.

Nach dem ersten Schock rollen Bärbel heiße Tränen über die Wangen. Wie ein Stück Vieh will der Vater sie also an den reichen Hoferben verschachern. Nicht eine Sekunde interessiert ihn, dass sie mit dem eingebildeten Xaver niemals glücklich werden kann. Ihr Herz gehört einem anderen: dem Mann, den alle den »König vom Inntal« nennen. Doch wenn ihr Vater das erfährt, wird's eine Tragödie geben. Denn er ist der ärgste Feind des Waldner-Bauern ...

»Musst du denn immer in die Stadt fahren, Madel?«, fragte der Waldhof-Bauer seine Tochter, die gerade in ihr uraltes Auto stieg.

Bärbel Waldner setzte sich hinters Steuer, schlug die Tür zu und steckte den Kopf durchs offene Fenster.

»Ja mei, Vater«, erwiderte sie, »so oft fahr ich ja gar net in die Stadt. Ich hab eben Besorgungen zu machen.«

»Ja, immer dann, wenn der Xaver kommt. Weißt du, was ich glaube? Dass du ihm absichtlich aus dem Weg gehst.«

»Ach, Vater, ich mag ihn halt net! Und das weißt du!« Sie startete und fuhr los, eine lange Staubwolke hinter sich herziehend.

»Na, warte, Madel«, knurrte der Bauer und schüttelte drohend die Faust hinter ihr her. »Musst mich net für deppert halten! Wissen möcht ich bloß, was die Bärbel gegen den Xaver Haldegger hat. So ein fesches Mannsbild. Er wär genau der Richtige. Und Geld hat er auch.«

Zwischen dem Waldhof-Bauern und seiner Tochter bestand seit einiger Zeit ein angespanntes Verhältnis. Aufmüpfig nannte der Vater die Bärbel, die ihm zu selbstständig geworden war.

Alois Waldner konnte nicht begreifen, dass seine Tochter anders dachte als die Altvorderen – ganz speziell, was ihre Zukunft betraf. Früher mussten die Töchter den Mann heiraten, den die Eltern bestimmt hatten. Bärbels Mutter war es nicht anders ergangen. Und sie hatte sich gefügt, während ihre Tochter nicht daran dachte.

»Ich lass mich net verkuppeln, Vater«, hatte das Madel ihm einmal unverblümt erklärt. »Auch net von dir! Ich heirate den Mann, den ich mag, net den, von dem du glaubst, er wär der Richtige für mich! Und das gilt gerade für den Xaver Haldegger!«

Und haargenau den hatte der Waldner für seine Tochter ausgesucht.

Dass er ihren in letzter Zeit immer häufiger werdenden Stadtfahrten mit Misstrauen begegnete, hatte noch einen anderen Grund: Er glaubte, dass es in Wasserburg einen Mann gab, mit dem sich Bärbel traf.

In diesem Punkt irrte sich der Bauer. Sie kannte zwar eine Menge junger Burschen, aber unter ihnen war nicht einer, für den sie mehr als nur Freundschaft empfand. Ja, sie hatte noch nicht einmal darüber nachgedacht, ob es einen gab, für den sich ihr junges Herz erwärmen konnte.

Ihre Fahrten nach Rosenheim hatten einen ganz profanen Grund. Sie wollte einmal raus aus dem Alltagstrott, für ein paar Stunden dem Hof den Rücken kehren, Stadtluft schnuppern, wie sie es nannte, sich amüsieren, wie es Tausende anderer junger Madeln ebenfalls taten.

Bärbel Waldner lächelte vergnügt vor sich hin, weil sie an Xavers dummes Gesicht denken musste, wenn er erfuhr, dass sie nicht daheim war. So in Gedanken versunken, fuhr sie in eine Kurve.

Als sie den Reiter sah, war es bereits zu spät. Zwar bremste sie sofort und riss das Steuer herum, aber das Tier scheute und warf den Mann ab.

In Panik sprang Bärbel aus dem Wagen und lief zu dem am Boden Liegenden.

Der junge Mann regte sich nicht. Mit bangem Herzen beugte sie sich über ihn. Seine Augen waren geschlossen.

Vorsichtig suchte sie seinen Puls. Da begannen seine Lider zu flattern, ein Stöhnen kam über seine Lippen. Dann schlug er die Augen auf und sah in Bärbels schmales braun gebranntes Gesicht mit den großen dunklen Augen, der fast klassisch geformten Nase und dem frischen roten Mund, der halb offen stand.

Der Mann versuchte sich aufzurichten, aber es blieb bei dem Versuch. Er stöhnte erneut und ließ sich zurücksinken.

Bärbel sah ihn voller Angst an.

»Kann ich Ihnen helfen?«

Das Sprechen fiel ihm schwer.

»Mein Pferd ... wo ...?« Er schloss wieder die Augen, die wenigen Worte hatten ihn erschöpft.

Das Madel sah sich suchend um. Das Pferd stand zwanzig Meter weiter und knabberte friedlich an einem Strauch.

»Machen Sie sich um das Tier keine Sorgen, hören Sie? Hallo, kommen Sie wieder zu sich!«

Doch der Fremde blieb bewusstlos. Etwas ratlos kniete Bärbel neben ihm und wusste nicht, was sie tun sollte. Der Unbekannte war offensichtlich schwerer verletzt, als es aussah. Er musste ins Krankenhaus. Bis Rosenheim war es nicht weit.

»Würden Sie mir helfen?«, fragte der Mann plötzlich und schlug die Augen auf.

»Helfen? Wobei?«

»Auf mein Pferd!«

»Kommt gar nicht infrage«, protestierte Bärbel. »Ich werde es hier festbinden und bringe Sie ins Spital! Glauben Sie, Sie schaffen es bis zum Wagen, wenn Sie sich auf mich stützen?«

Er antwortete nicht, sondern nickte nur.

Mit ihrer Hilfe gelang es ihm dann, sich auf den Beifahrersitz zu setzen, wo er sofort die Augen schloss und den Kopf auf die Brust sinken ließ.

Bärbel brauchte einige Sekunden, bis sie sich von der Anstrengung erholt hatte, dann aber setzte sie sich hinter das Steuer und fuhr los. Hin und wieder warf sie einen prüfenden Blick nach rechts. Es sah aus, als schliefe der Mann.

Zwanzig Minuten später waren sie im Krankenhaus von Rosenheim.

»Wen haben wir denn da?«, sagte der Oberarzt, als er Bärbel Waldner erkannte.

»Grüß Gott! Ich hab einen Verletzten gebracht.« Sie berichtete in kurzen Worten, was geschehen war. »Ich würd nur gern wissen, wer der Mann ist«, schloss sie.

Dr. Strasser machte sich so seine Gedanken. Er kannte Bärbel Waldner seit ihrer Kindheit und war mit ihrem Vater wie auch mit dem alten Haldegger gut befreundet. Er wusste genau, dass das junge Madel sehr eigenwillig war. Mehr noch, er erkannte sofort, dass dieser Mann, den Bärbel Waldner gerade ins Rosenheimer Krankenhaus gebracht hatte, ihr gefährlich werden konnte.

Der Arzt würde sich allerdings niemals einmischen. Wenn auch Bärbels Vater sein Freund war, von dessen engherzigen Ansichten hielt er nichts.

»Ich glaube, ich kann dir verraten, wer es ist: der sagenumwobene Matteo Moosberger. Was ist übrigens mit seinem Pferd geworden?«

»Das hab ich an einen Baum festgebunden. Ich werd mich gleich darum kümmern. Was hat er, ist es schlimm?«

Dr. Strasser wandte sich dem Assistenzarzt zu, der gerade die Halle betrat.

»Na, wie sieht es aus?«, fragte er.

Der andere winkte beruhigend ab.

»Nichts Gefährliches. Eine leichte Gehirnerschütterung.«

»Darüber wird er hinwegkommen.« Dr. Strasser wandte sich wieder Bärbel Waldner zu. »Du kannst also beruhigt nach Hause fahren. Wenn du ihn besuchen kommst, komm besser vorher zu mir. Bei ihm daheim werde ich schon anrufen und auch dafür sorgen, dass einer seiner Leute das Pferd abholt. Dann brauchst du es nicht zu tun, Bärbel. Die Polizei werde ich ebenfalls verständigen.«

»Ja, das wird wohl besser sein. Ich bin mir zwar keiner Schuld bewusst, aber da er verletzt ist, wird es wohl richtiger sein.«

Man wechselte noch ein paar Worte, dann verließ Bärbel Waldner das Krankenhaus und fuhr in die Stadt.

***

»Ich weiß wirklich net, warum die Bärbel so unpünktlich ist.« Der alte Waldner sah sein Gegenüber entschuldigend an. »Das bin ich bei ihr eigentlich net gewöhnt.«

Xaver Haldegger winkte ab.

»Den Frauen muss man so manches nachsehen, Waldner«, meinte er. »Vielleicht hatte sie eine Panne. Oder sie hat eine Freundin getroffen.«

»Sie weiß genau, wie sehr ich Unpünktlichkeit hasse. Da gibt es keine Entschuldigung.«

»Nun geh net so hart mit ihr ins Gericht.« Xaver trank seinen Schnaps aus.

In diesem Augenblick hörten sie den Wagen auf den Hof fahren.

Kurz darauf erschien Bärbel. Als sie Xaver Haldegger sah, veränderte sich sofort ihr Gesichtsausdruck. Sie mochte ihn nicht. Dass er ein sauberes Mannsbild war, gab sie unumwunden zu. Ihr jedoch sah er zu gut aus. Vor allen Dingen stieß es sie ab, dass er daraus Kapital zu schlagen suchte wie fast alle Männer, die sich für unwiderstehlich halten.

Hinzu kam, dass er sich stets betont ländlich kleidete – natürlich nach Maß, was ihm das Aussehen eines einem Modekatalog entstiegenen Salontirolers gab. Seine Lodenanzüge stammten aus einem der teuersten Münchner Ateliers und sollten wohl dokumentieren, dass er ein reicher Bauer war.

»Wo warst du so lange? Du hattest doch nicht etwa einen Unfall?«, fragte der Vater jetzt.

»So was Ähnliches!«, gab sie zurück.

Ein paar Sekunden lang musterte sie den Xaver, dann wandte sie sich ab und ging in ihr Zimmer. Alois Waldner öffnete den Mund zu einer Zurechtweisung, aber er kam gar nicht mehr dazu, etwas zu sagen. Bärbel war bereits verschwunden.

»Na, wie findest du das, Xaver?«, fragte er. »Schließlich hätt sie ihrem Vater sagen können, was passiert ist.«

»Ach was!« Xaver machte eine abschwächende Handbewegung.

»Die Bärbel ist unverletzt. So schlimm kann's net gewesen sein.«

»Vielleicht hat sie jemanden umgefahren?«

»Das glaub ich net«, erwiderte der Xaver. »Dann hätt sie bestimmt was gesagt. Na ja, sie wird sich jetzt frisch machen und dann wiederkommen. Warten wir es also ab.«

Aber sie kam nicht wieder. Sie ließ durch die Köchin bestellen, dass sie sich nicht recht wohlfühle und sich hingelegt habe.

Das schlug dem Fass den Boden aus. Der alte Waldner schäumte vor Wut. Xaver Haldegger hielt es für besser, sich zu verabschieden. So wie er Bärbels Vater kannte, würde dieser sich nicht davon abbringen lassen, seine Tochter zurechtzuweisen. Und dabei wollte er nun nicht gerade anwesend sein.

»Musst schon entschuldigen, Xaver«, meinte der Waldhof-Bauer, »aber ...«

»Lass Gnade vor Recht ergehen«, unterbrach ihn Xaver. »Vergiss den Unfall net. So was bleibt net in den Kleidern hängen. Und schon gar net bei einem jungen Madel. Ich muss jetzt nach Hause, hab noch eine Besprechung. Wie sieht's überhaupt bei dir mit der Ernte aus?«

»Bin zufrieden!«, lautete die Erwiderung. »Obwohl ich zugeben muss, dass sie net so zu werden verspricht wie die im vergangenen Jahr. Du kennst ja auch die Absatzschwierigkeiten. Und dann die Preise. Aber was willst du machen? Es bleibt einem nichts anderes übrig, als mit den Wölfen zu heulen.«

»Wem sagst du das!« Sie reichten sich die Hände, dann ging Xaver Haldegger.

Alois Waldner wartete, bis der Wagen vom Hof gefahren war, dann gab er sich einen Ruck und ging nach oben. Die Holztreppe knarrte und ächzte Unheil verkündend unter seinem Gewicht und seinen harten Schritten. Gleich darauf klopfte er an die Tür von Bärbels Zimmer.

***

Die Hoftochter wusste genau, wer vor der Zimmertür stand. Und sie konnte sich auch denken, was der Vater wollte. Angst vor der nun unumgänglichen Auseinandersetzung hatte sie nicht. Sie forderte ihn auf einzutreten.

»Also, weißt du, Bärbel, ich muss schon sagen ...«, begann er, doch sie schnitt ihm gleich das Wort ab.

»Bitte, Vater, ich hab Kopfschmerzen. Nimm Rücksicht! Und gewöhn dich daran, dass ich kein Kind mehr bin.«

Der alte Waldner rang nach Luft. Er war krebsrot im Gesicht vor Zorn und so wütend wie nie zuvor in seinem Leben.

»Du bist unverschämt«, sagte er, sich nur mühsam beherrschend.

Bärbel ließ sich von der Verärgerung ihres Vaters nicht beirren.

»Und was den Xaver betrifft, da weiß ich, dass er sich anders benehmen würd«, fuhr sie fort. »Aber da bist du mir schon lieber. Du sagst einem wenigstens alles offen ins Gesicht, während er schöne Worte spricht und sich seinen Teil denkt beziehungsweise seine Giftpfeile später auf den Rücken abschießt.«

»Wie kannst du so über den Xaver sprechen?«, polterte der Alte los. »Noch dazu, wo er gar net da ist. Er kann sich ja net mal verteidigen.«

»Wenn du so weiterredest, wirst du deine Munition bald verschossen haben, Vater. Denk doch mal nach! So kann es mit uns net mehr weitergehen. Herrschaftszeiten noch mal, ist es so schwer, sich umzustellen und zu begreifen, dass ich kein kleines Madel mehr bin? Werd doch endlich mal vernünftig. Wenn ich daran denk, wie vorbildlich du für unsere Leute sorgst, versteh ich sowieso vieles nicht.«

»Schön, dass du auch mal ein gutes Wort für deinen Vater hast«, warf der Bauer aufgebracht ein.

»Ja, als Hofbauer macht dir so schnell keiner was vor. Du zahlst gute Löhne, gibst den Leuten auch sonst alle möglichen Vergünstigungen. Das alles widerspricht deiner sonstigen Lebensart. Deinem eigenen Motto nach müsstest du das Personal behandeln wie unsere Großväter. Oder bezieht sich dein Rückfall in die alte Zeit nur auf deine Kinder?«

Eine Weile war es still. Der Waldhof-Bauer musste erst einmal das verarbeiten, was er soeben zu hören bekommen hatte. Und weil er im Grunde seines Herzens nur zu gut wusste, wie recht sie hatte, fielen ihm nicht sofort die richtigen Worte der Erwiderung ein. In diesen Minuten wusste er nur einen Ausweg. Er musste das Thema wechseln.