Als sich mein Leben veränderte - Natalija Style - E-Book

Als sich mein Leben veränderte E-Book

Natalija Style

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Beschreibung

Was ist, wenn von einem Tag auf den anderen dein komplettes Leben auf den Kopf gestellt wird? Für die Zwillinge Heaven und Skye bricht eine Welt zusammen, als sie bei einem tragischen Autounfall ihre Mum verlieren. Für Dad ist sofort klar, ein Neuanfang ist die beste Lösung. Alaska, ein Ort der sie vor der Vergangenheit retten soll. Doch da wissen sie noch nicht, das dies nur der Anfang von allem war….

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 152

Veröffentlichungsjahr: 2021

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NATALIJA STYLE

***

ALSSICH MEINLEBEN VERÄNDERTE

© 2021 Natalija Style

Verlag und Druck:

tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

Covergestaltung: Coverdesign by A&K Buchcover unter Verwendung des Bildmotives von [email protected] Lektorat: Helmut Höffken

ISBN

 

Paperback:

978-3-347-36578-0

e-Book:

978-3-347-36579-7

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

PROLOG

Heaven

Heute war es soweit. Wir zogen um. Unser Haus in Cardiff war verkauft, da wir die laufenden Kosten nicht mehr bezahlen konnten.

Die Firma musste schließen und Dad hatte seine Arbeitsstelle verloren.

Wenn ich mich zurückerinnere, sehe ich eine glückliche Familie. Bis ein Tag alles änderte: Der 16 März.

Meine Mum kam bei einem Autounfall ums Leben. Es traf uns wie ein Schlag. In jenem Moment dachte ich, mein Herz bricht entzwei. Ich wollte nicht wahrhaben, dass Mum von uns gegangen war. Meine Schwester Skye und ich weinten uns jede Nacht in den Schlaf, sodass wir uns tagsüber todmüde und erschöpft fühlten. Dad erging es nicht besser.

Oft saß er an dem Schreibtisch, wo bis zu dem tragischen Unfall Mum ihre Arbeit erledigt hatte. Heute sehe ich das Bild vor Augen, wie Dad in dem schwarzen Stuhl saß, den Kopf auf die Arme gebettet. Ein anderes Mal hielt er ein Foto von Mum in der Hand und weinte. Keiner hatte mehr Spaß und Freude am Leben.

Die Noten in der Schule sanken. Wir aßen kaum, sahen blass und müde aus. Unser gesundheitlicher Zustand wurde schlechter.

Damals wurde ich wegen eines Nervenzusammenbruchs ins Krankenhaus gebracht.

Dad und meine Schwester weinten. Sie wollten mich nicht verlieren. Früher verschwendete ich Gedanken an den Tod. Malte mir aus, Mum zu sehen.

Solche Gedanken verwarf ich, nachdem ich meine verzweifelte Schwester und Dad betrübt ums Bett stehen sah. Ich riss mich zusammen. Als ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, baute ich eine kalte Mauer um mich auf. Ich wollte unter keinen Umständen Verlust und Schmerz fühlen lassen.

Ich ließ niemanden mehr an mich ran. Keiner sollte die Mauer durchbrechen. Es gab eine schwere Zeit, bis Dad verstand, dass es so nicht weiterging.

Dad beschloss umzuziehen.

Der Neuanfang

KAPITEL 1

Heaven

Ich schleppte mein Gepäck zu den anderen nach unten.

»Hey, Heaven! Kannst du mir bei meinem Koffer helfen?«, rief Skye von oben, wobei man ihren braunen Haarschopf durch die Tür verschwinden sah.

»Komme schon!« Und ich ging nach oben. Ich stieß die Tür zu unserem Zimmer auf und steuerte geradewegs auf das Bett zu, wo meine Schwester versuchte, ihren Koffer zu schließen. Kopfschüttelnd beobachtete ich sie. Sie sah ja so verzweifelt aus…

Ich musste innerlich grinsen.

»Was wird das?«, fragte ich und musterte sie amüsiert.

Sie hatte sich auf den Koffer gelegt, aus dem an allen Ecken ihre Sachen quollen. Füße und Beine waren wie Tentakeln ausgebreitet.

»Das sieht man doch. Ich kriege den Koffer nicht zu! Steh nicht rum und hilf mir lieber«, antwortete sie genervt.

»Ach, Skye. Du schaffst nix ohne mich«, kicherte ich.

Als Antwort bekam ich ein Kissen an den Kopf geworfen.

»Hey, wird das hier eine Kissenschlacht?«, rief ich empört.

»Nein! Nur weil ich zehn Minuten älter bin, heißt das nicht, dass ich keine Hilfe brauche«, gab sie beleidigt zurück.

»Okay. Sorry. Ich hör‘ schon auf«, entschuldigte ich mich. Um meine Äußerung zu unterstreichen, hob ich die Hände theatralisch in die Höhe.

»Gut. Da das geklärt ist, hilfst du mir jetzt?«

Meine Schwester hatte keine Geduld abzuwarten, das nervte. Sie brachte mich oft damit zur Weißglut, aber blieb insgesamt die liebenswürdigste Person, die ich kannte und die mich am Besten verstand.

Ich zerrte jetzt am Koffer, der nicht aufgeben wollte. Nach einer gefühlten Ewigkeit, wobei Skye sich daraufsetzte, gab er nach und ließ sich schließen.

»Geschafft«, stöhnte ich und ließ mich an der Wand runter gleiten. Wir schauten beide gedankenverloren auf die nackte Wand vor uns. Mein Blick schweifte durch das Zimmer. Alles sah verlassen aus. Man hatte den Eindruck, als hätte niemand hier gelebt.

In mir stiegen schöne Kindheitserinnerungen hoch, bei denen ich lächelte.

Meine Schwester und ich spielten fangen. Wir warfen sämtliche Gegenstände um. Mum hatte uns ermahnt.

Vor allem liebte ich es, wenn sie uns vor dem Schlafen gehen Geschichten vorlas. Wir hörten sie nicht bis zum Ende, sondern drifteten in das Land der Träume ab. Es gab so viele andere schöne, als auch schmerzhafte Erinnerungen.

Eine Familie, die in den guten wie auch in den schlechten Zeiten zusammenhielt. Ich vermisste Mum. Durch ihren Tod brach alles auseinander.

Die grauenvollste Zeit in meinem Leben. An jede Stelle auf die ich trat, in jedes Zimmer, in das ich ging. Überall stiegen Erinnerungen an meine Mum in mir auf. Skye und Dad erging es nicht anders.

Dad entschied sich für einen Neuanfang, um die Trauer und den Schmerz hinter sich zu lassen.

Mum blieb in unserem Herzen und Erinnerung, egal was passierte.

Skyes Stimme holte mich aus den Gedanken. »Heaven? Denkst du, es ist das Beste?« Ich wusste, dass sie damit den Neuanfang meinte.

»Es ist die einzige Möglichkeit, sie zu vergessen.«

»Das Haus bewahrt viele Erinnerungen an die schöne gemeinsame Zeit auf. Deshalb ziehen wir in eine andere Stadt«, seufzte sie und schaute mir in die Augen.

»Das wird schon«, erwiderte ich.

»Ich hab‘ Angst überall die Neue zu sein«, gab sie kleinlaut zu.

»Du wirst das nicht alleine durchstehen müssen. Ich bin für dich da. Ich gebe dir Halt und höre dir zu.« Ich lächelte sie aufmunternd an.

»Ach, du bist die beste Schwester auf der Welt. Mit dir ist alles erträglicher.«

»Ist mir bewusst«, zwinkerte ich ihr zu, wobei ich kurz darauf einen kurzen Stupser in die Seite zu spüren bekam.

»Okay ich sage nix.« Ich verschränkte beleidigt die Arme vor der Brust.

»Das ist Spaß. Hör auf zu schmollen. Du willst nur Aufmerksamkeit bekommen«, erwiderte sie und zog ihre Augenbrauen lässig zusammen. Ich beherrschte mich, um nicht gleich darauf loszuprusten.

Da ich mich zuvor umgedreht hatte, sah ich jetzt zu Skye. Ich lachte los.

Skye hatte ihre Augen weit aufgerissen und ihren Mund zusammengezogen. Sie glich einem erschrockenen Fisch. Sie schaute mich mit ihren braunen Augen seltsam an, bis sie in mein Lachen mit einstimmte.

Am Ende kugelten wir uns auf den Boden und hielten uns den Bauch vor Lachen. Ein befreiendes Gefühl umgab mich.

Ja, nach so langer Zeit konnten wir endlich wieder richtig lachen.

Wir vergaßen alle Sorgen.

Als wir uns endlich beruhigten, setzten wir uns hin und musterten uns gegenseitig.

»Das Gefühl habe ich schrecklich vermisst«, sagte Skye.

Ich nickte zustimmend.

Gedanken über Gedanken

KAPITEL 2

Heaven

»Heaven! Skye! Kommt runter, wir fahren jetzt los!«, rief Dad von unten.

»Wir kommen!«

Ich half meiner Schwester, den Koffer die Treppen runter zuziehen. Wir legten erschöpft eine Pause ein, ehe wir mit dem Koffer nach draußen zu unserem Auto gingen.

Unser Dad verstaute sämtliche Kisten und Koffer. Daneben stand ein Möbelwagen. Dort kam alles rein was nicht in unser Auto passte.

»Endlich!« Als letztes verfrachtete Dad Skyes Koffer ins Auto.

Ein letzter Blick zurück. Hatten wie auch nichts vergessen?

Dann stiegen wir ins Auto und fuhren los. Der Möbelwagen voraus, wir hinterher.

Ich lehnte meinen Kopf gegen das Fenster und schaute auf die vorbeihuschenden Häusern von Cardiff.

Ich vermisste die Stadt jetzt schon. Alle unsere Erlebnisse und Erfahrungen barg diese Stadt. Es war nicht leicht, meine Heimat endgültig zu verlassen, aber der einzige Weg alles hinter sich zu lassen und neu durchzustarten.

Ein Blick zur Seite verriet mir, dass Skye genauso in Gedanken versunken war wie ich zuvor.

Mein Blick schweifte durch unser Auto, bis er an Dad hängen blieb.

Den Blick starr auf die Straße gerichtet, das Lenkrad umklammert. Seine Knöchel traten weiß hervor. Dass er Cardiff verließ, schmerzte ihn. Immerhin hatte er hier, Mum kennen und lieben gelernt. So hatte alles begonnen …

Ungeduldig wippte sie auf den Füßen. Sie warf einen Blick auf die Uhr. Wo steckte er? Würde er kommen? Hatte sie ihn missverstanden?

Nein, er hatte gesagt, er wolle sich mit ihr im Café treffen. Sie seufzte. Warum waren Jungs so unzuverlässig?

Sie schaute sich um. Das Café wirkte einladend. Die braunen mit Polster bedeckten Bänke, die man an Tische angeschoben hatte, sahen bequem aus. Gedämpftes Licht sorgte für eine stimmungsvolle Atmosphäre. Es wirkte luxuriös, ungewohnt für sie.

Eigentlich lebte sie bescheiden, studierte Design und war mittlerweile im sechsten Semester. Sie liebte es, Sachen zu entwerfen. Schon im Alter von zehn Jahren, zog es sie zum kreativen Bereich. Sie seufzte.

Anscheinend sparte sie viel, zu viel. Ihr Traum war eine eigene Wohnung, damit sie ihren Eltern nicht mehr zur Last fiel.

»Tut mir leid für die Verspätung.« Sie zuckte zusammen und sah zu dem jungen Mann, der atemlos vor ihr stand.

Er war gekommen. Sie lächelte. Kurz darauf erlosch ihr Lächeln. »Ich warte seit einer Stunde auf dich«, erwiderte sie kühn.

Er kratzte sich verlegen am Kopf. »Ich wollte dich nicht warten lassen.« Sein Blick ging auf den Boden.

Sie schüttelte den Kopf.

»Hör zu. Ich verstehe deine Enttäuschung … Ich musste nur dringend zur Uni …«

Sie musterte ihn. Er sah verzweifelt aus. Sie atmete aus und räusperte sich. »Na, gut.«

Ein strahlendes Lächeln erschien in seinem Gesicht. »Danke.«

Sie schmunzelte.

Das war sie: Die erste Verabredung von Mum und Dad. Ich lächelte. Sie hatte es mir erzählt, ich hatte damals nur den Kopf über meinen zerstreuten Vater geschüttelt.

Ich griff wieder mein Handy und stöpselte mir die Kopfhörer in die Ohren.

Eine wunderschöne Melodie ertönte. All of me von John Legend.

Das Lied erinnerte mich auf eine ganz besondere Art und Weise an unser gemeinsames Leben. Meine Schwester meint oft, dass ich seltsam sei, wenn es um Gefühlsdinge gehe.

Niemand konnte mein Ich und meine Gefühle ändern. Niemand sollte einen Einblick in mein Leben bekommen, auch Skye und Dad nicht.

Zum Beispiel, dass ich mein Versprechen brach und wegen Mum Tränen vergoss. Es ging nicht anders. Ich hatte ihnen nichts darüber erzählt, weil ich sie nicht in meine Trauer hineinziehen wollte. Für alle Menschen galt ich als jemand, der keine unnötigen Probleme bereitet. Sorgen fraß ich in mich hinein. Ich wollte niemanden zur Last fallen, lieber verkroch ich mich in mein Zimmer.

Meine Schwester war das komplette Gegenteil. Sie ging weiter mit ihren Freundinnen aus, verbarg ihre Gefühle hinter einer kalten Maske. Sie wirkte eben selbstbeherrscht.

Ich dagegen lebte zurückgezogen und schottete mich ab. Ich wollte meine Ruhe haben. Insgeheim bewunderte ich Skye für ihre Art, für ihr Selbstbewusstsein.

Erstaunlicherweise teilten wir eine wichtige Gemeinsamkeit: die Musik. Mit Sieben fing ich an, Gitarre zu spielen. Skye entdeckte ihre Leidenschaft für Musik ein Jahr danach.

Die Gitarren und wir gehörten einfach zusammen. Wir mochten die gleichen Songs. Klar, dass wir auch zusammen sangen. Wir gaben uns der Musik komplett hin, Gefühle und Gedanken ließen wir mit dem Klang der Musik heraus. Die Musik beruhigte uns, ließ uns vergessen. Eine Leidenschaft.

Ich erinnere mich daran, wenn unsere Eltern beim Spielen zuhörten. Am Ende klatschten sie. Dad sagte jedes Mal: »Aus denen wird irgendetwas Großes« und Mum pflichtete ihm bei, »Ja, unsere Töchter sind was ganz Besonderes.«

Wie ich diese Zeit vermisste … Ich spürte, wie sich Tränen in meinen Augen sammelten. Ich wollte nicht weinen. Um mich abzulenken, nahm ich wieder mein Handy. Der Song von John Legend war vorbei. Ich scrollte mich durch die Playlist, bis mir die Ohren brummten.

Ich stopfte das Handy in meine Tasche und sah zu Skye herüber, die seelenruhig schlief.

»Dad?«, fragte ich so leise wie möglich, um Skye nicht zu wecken.

Er warf mir einen Blick durch den Rückspiegel zu. »Was ist los, Heaven?«, fragte er mich.

»Vermisst du Mum auch so sehr?« Ich konnte nicht anders, brauchte jemanden zum reden. Jetzt.

»Ja, jede einzelne Sekunde… ich kann nicht aufhören an sie zu denken«, flüsterte Dad.

»Hm…«, murmelte ich und sah nach draußen. Ich wusste, dass ein Neuanfang das Beste war, doch was würde passieren, wenn ich sie eines Tages komplett vergessen würde? Mum komplett hinter mich lassen würde, so wie wir gerade Cardiff hinter uns ließen. Ja, es schmerzte, doch ich wollte nicht loslassen.

»Du weißt ich will nur das Beste für euch, mein Mäuschen«, brach Dad die Stille.

»Ich weiß Dad…. ich weiß«, seufzte ich.

Dad war wirklich der Beste, er gab sich so viel Mühe uns glücklich zu machen. Für ihn standen wir an erster Stelle.

Plötzlich reckte sich Skye neben mich. Verschlafen rieb sie sich über die Augen. »Wann sind wir endlich da?«

»Es dauert noch eine Weile, ruht euch noch etwas aus«, antwortete Dad und löste dabei den Blick nicht von der Straße.

Skye seufzte genervt auf. Sie hasste lange Autofahrten, was ich ihr nicht verübeln konnte. Es war verdammt langweilig und ich selbst konnte es ja auch kaum erwarten, aus dem Wagen zu steigen.

Dad hatte anscheinend bemerkt, dass unsere Laune gerade am Tiefpunkt angelangt war.

»Ich hab‘ gute Neuigkeiten für euch, die euch aufmuntern werden«, grinste er.

Was Dad wohl damit meinte? Ich sah ihn fragend an.

»Was für Neuigkeiten?«, sprach jetzt Skye meine Gedanken laut aus.

Dad schwieg und meine Neugier wuchs.

»Dad, jetzt mach es doch nicht so spannend«, quengelte ich ungeduldig.

»Ist ja gut.« Er lachte. »Ihr beide werdet jede ein eigenes Zimmer haben und bevor es jetzt zu einer Diskussion kommt: beide sind gleich groß.«

Skye und ich schauten uns an. Ein eigenes Zimmer? Wie cool war das denn! Endlich konnte ich mein Zimmer so einrichten , wie ich es wollte.

»Du bist der beste Dad auf der ganzen Welt«, rief Skye und sah ihn strahlend an.

Ich lächelte. Ja, das war er tatsächlich.

»Es ist schön, euch so glücklich zu sehen…«, flüsterte Dad fast. Ich hörte es trotzdem, Skye auch. Die fröhliche Stimmung war mal wieder gekippt.

Es würde nie so sein wie früher, egal was wir machten. Ich lehnte mich auf meinem Sitz zurück und schloss die Augen. Schlafen wäre jetzt das Beste, um abzuschalten.

Meine Augenlider wurden mit der Zeit immer schwerer, bis ich endgültig in das Land der Träume abdriftete.

Eine neue Chance?

KAPITEL 3

Heaven

Schon von Weitem sah ich eine Stadt.

»Heaven, guck! Sieht das nicht wunderschön aus?«

Täler, Flüsse und gigantische Berge raubten mir den Atem. Das sah vielversprechend aus. Für mich ein spannendes Naturspiel. Eine Landschaft voller Leben.

An einer Kreuzung entdeckte ich ein abgenutztes Schild: Alaska. Die schmalen Straßen lagen friedlich da. Wir fuhren bergauf. Ab und zu tauchten ein paar Fachwerkhäuser auf. Vor uns eine malerische Ortschaft.

Das Auto bog in eine Auffahrt ein. Was ich entdeckte, war ein freundliches, gemütliches Holzhaus. Sprossenfenster und eine mächtige Eichentür fielen mir sofort ins Auge.

Auf der Terrasse stand eine Hollywoodschaukel und mir war sofort klar: Ich hatte meinen Lieblingsplatz gefunden.

Dad schloss das Gartentor auf. Ich drehte mich um die Achse und sog alles in mich auf. Die frische Luft, die Landschaft und nicht zuletzt unser neues Zuhause.

»Wow«, hauchte ich. Mein Blick fiel auf ein anderes Haus. Es glich unserem. Außer den beiden Häusern gab es nur Wald und unterhalb glänzte ein silberfarbener See. Ich seufzte. Nachbarn.

»Kommt ihr?«, rief Dad, der die Kisten und Koffer aus dem Auto lud. Der Fahrer und die Möbelpacker fingen an, alles ins Haus zu tragen. Skye und ich rannten zu Dad, um ihm mit den Koffern zu helfen.

Nach Stunden sah das Haus schon wohnlich aus. Dad bezahlte den LKW-Fahrer, der sich bedankte und verschwand.

Mich überkam ein schweres Gefühl. Jetzt hieß es, mit der Vergangenheit abschließen. Ich schaute mich um. Überall standen Kartons herum. Nur die Möbel hatten bereits ihren Platz gefunden.

»Eure Zimmer sind oben«, rief uns Dad zu. Dann begann er Sachen aus den Kartons zu entladen.

Ich stieg die Wendeltreppe hoch und stand vor meinem neuen Zimmer. Meine Schwester und ich hatten uns bisher ein Zimmer geteilt. Jetzt besaß jeder ein Eigenes. Sie lagen nebeneinander.

Vorsichtig drückte ich die Türklinke nach unten.

Wir wussten zwar, dass Dad im Vorfeld schon für eine Grundeinrichtung gesorgt hatte, was ich dann aber sah, raubte mir den Atem. Das Zimmer war einfach ein Traum.

Neben dem Fenster stand ein Himmelbett. Das hatte ich mir immer schon gewünscht. Dazu eine tolle Kommode und ein großer Kleiderschrank. Sogar an einen Schminktisch hatte Dad gedacht. Gegenüber vom Himmelbett gab es einen praktischen Schreibtisch. Perfekt.

Ein rosafarbener Teppich verlieh dem Raum zusätzliche Wärme. Die Wände strahlten im frischen Beige.

Die Wand hinter dem Bett in leichtem Grau mit geschwungene Blütenmotiven.

Die Gitarre hatte schon ihren Platz in einer Ecke gefunden. Ich lächelte. Gitarre spielen, ein Hobby, das Skye und ich teilten. Es erinnerte mich an Mum.

Wie ich die Zeit vermisste …

Ich spürte, wie sich Tränen in meinen Augen sammelten. Ich blinzelte sie weg und schniefte leicht.

Mein Zimmer wirkte im Ganzen gemütlich und einladend. Ich sah, dass ein paar Kisten herumstanden. Um mich abzulenken, begann ich zu sortieren. Mir fiel ein zerknittertes Foto in die Hand, dass ich schon fast vergessen hatte. Das letzte Weihnachten mit Mum. Wir vier strahlten. Eine glückliche Familie. Ich seufzte. Mum hatte das Fest geliebt.

Unser Haus leuchtete in der Nachbarschaft und zog die Blicke auf sich. Nachbarn und Verwandte waren zusammen gekommen. Ich erinnerte mich genau daran. Es fühlte sich an wie gestern …

»Heaven? Wo ist der Wein?« Sie sah panisch zu mir.

»Öhm, der steht im Kühlschrank«, erwiderte ich. Inzwischen legte ich die Servietten zurecht.

Mum fuhr sich durch die Haare. »Danke.« Sie lief hin und her. Fertig mit der Arbeit, ließ sie sich auf dem Sofa nieder.

Ich ging zu ihr. »Mum, du setzt dich unnötig unter Druck. Alles ist perfekt.« Ich strich ihr beruhigend über den Rücken.

Sie schaute mich liebevoll an, wollte gerade etwas erwidern, da klingelte es an der Haustür.

»Sie sind da.« Mum prang auf und lief zur Tür. Ich schüttelte nur grinsend den Kopf.

Langsam füllte sich der Raum. Ich musste viele Umarmungen über mich ergehen lassen, ehe ich mich hinausschleichen konnte. Kennt ihr das, wenn ihr bei einer Umarmung das Gefühl bekommt, ihr braucht Luft? So erging es mir. Tja, Weihnachten. Das Fest der Liebe. Manche übertreiben. Ich schüttelte den Kopf.